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Jüdische Rundschau · 1925-12-01 · Heft 94 (1.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 94 (1.12.1925)
Date
1925-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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K..U , -. .--- I -7־.! ־f Zionismus erstrebt für das iüdtscho VoUt die SchnSIcr.g einer ÖJJcnttSch rechtlich Gesicherten Heimstätte In ^alüstlna. ״Cssclcr Prosrcraa.“ . ©eskSmidbMS ««Die Stdger«Märe — ein earopaisdter Shandol'׳ .׳; /1 I® K l> Ifcä ץ]! l «*.10 | U׳ie das Berliner Polizeipräsidium mitteilt, hat der Ukrainer ־,!szanski sein Geständnis vom Oktober 1924 jetzt wiecrh 01t und noch durch folgende Angaben erweitert: Wie;cits bei seiner ersten Vernehmung angegeben, habe er das;-entat seinerzeit auf Befehl der Geheimen Ukrainischen .:;•:itirorganisation (Ukrainiska Wiskowa Organisazia) ausgcj 3rt Diese Organisation habe ihm, als er sich nach der |׳it in Sicherheit gebracht hatte, versichert, daß sic selbst 1 :♦sprechende Mitteilungen an die polnischen Behörden i-3:hcn würde, durch die verhindert würde, daß an seiner!::die ein völlig Unschuldiger, nämlich der nach der j;:t als angeblicher Attentäter verhaftete Student Steiger, Itwrtdlt würde. Er habe auch später erfahren, daß in diesem i'innc alles geschehen sei, und er habe daher bis jetzt ’:״enommen, daß dies genügen würde, um eine Ver- ]..־tcilung des Steiger, der mit dem Attentat nicht das :Mindeste zu tun haue, zu verhindern. Da aber trotzdem die ],'crhandlung gegen Steiger schon 6 Wochen lang durchgcj'jhrt werde, habe ihn der Oberste Revolutionäre Rat dieser T.dicimorganisation veranlaßt, sein früheres Geständnis in allen lenkten zu ergänzen, die die Polizei etwa als wesent* |;־J1 erachten würde. Abgesehen davon, daß er es nicht j־it seinem Gewissen vereinbaren könne, einen Unschuldigen ׳1 נ seine Tat büßen zu lassen, leite ihn auch der Wunsch, 7:111־ preußischen Behörden, die ihm bisher als politischen :iüclitling Asytrecht gewährt hätten, zu beweisen, daß es 1ich l»ci seinem damaligen Geständnis nicht etwa uni die 'lfi1»״bcn eines Abenteurers gehandelt habe, der sich dieses Asylrecht durch falsche Bekundigungen habe er* schwindeln wollen. dcriiner Prcsseslimtr.»*« Abgeordneter Dr. Hermann B a d t führt in einem in der , Nummer der ״V o s s i s c h c n Zeitung*‘ vom 27. November |i •r:dm־ncuc11 Artikel aus, das neue Geständnis Olszanskis nthaltc so genaue Angaben über die Vorgeschichte des | \1tentats, die Motive des Täters und alle Einzelheiten der |;:bfüluung, daß nach Ansicht der Polizeibehörde jeder Zweifel an der TätcrschaftOIszanskis ausgc- 'Chlossen sein sollte. Doch die Lemberger Staats-;!iwaltschaft, so meint Herr' Dr. Badt, die 61 Zeugen zum Beweise der angeblichen Täterschaft des Steiger benannt hat, wird sich aller Voraussicht nach nicht so leicht um- '!dien können; sic wird nicht unversucht lassen, auch weiter- ':in dem Gericht gegenüber die These zu vertreten, daß Ohzaaski nicht der wirkliche Attentäter sei. Dieser Versuch wäre wohl auch als Versuch von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn das Gericht den gleichen persönlichen Ein- ׳!nick von der Person und den! Geständnis des Olszanski hätte gewinnen können, wie ihn die Polizcibcliördc — das;ent aus dem amtlichen Bericht hervor — bei der Vernchmung gewonnen hat. Ihr Eindruck geht oftenbar dahin, oaß es sich hier ganz unmöglich etwa um vorher zurechtgelegte, an der Lektüre der Zeitungsberichte äber den Lemberger Prozeß orientierte An-;נ b e n handeln kann, sondern daß hier ganz offensichtlieh sich ein Mensch äußert, der das ehrliche Bestreben hat. die volle Wahrheit bis in die kleinsten Details hinein zu schildern, soweit ihm das ohne Belastung anderer mm politisch nahestehender Freunde möglich ist. Die Berliner Morgenbhitter vom 27. November veroffentliehen den Bericht des Polizeipräsidiums über das neue Ge- Bündnis Olszanskis. Die allgemeine Ansicht ist die, daß dieses Geständnis und die beweiskräftigen Einzelheiten, die Ols/anski mitgeteüt hat, nunmehr auch die öffentü.he Meinung ם Polen über die wirkliche Lage der Dinge zweifelsfrei aufklären müßten. Selbst die antisemitische ״Deutsche Zcitu n g‘‘ bemerkt, daß jeder Zweifei über Olszanskis Täter- Schaft auszuscbließcn sei. Das Achtuhrblatt veröffentlichte gleichfalls einen längeren Aufsatz über die neueste Wendung m der Steigeraffäre vorn Abg. Dr. Badt. Das ״Berliner Tageblatt“ bemerkt zu <10111 amtliehen Bericht des Polizeipräsidiums: .,Nach dieser amtlichen Darstellung kam! es wohl keinem Zweif»:! unterliegen, daß in Lemberg cm Unschuldiger vor <icm Schwurgericht steht. Auch die Lemberger Staatsanwaltichaft, die sich bisher um den Fall Olszauski wenig gekümmert tat, wird nicht umhin können, sich jetzt auch für den wirklich •^huldigen zu interessieren. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß auch in Polen die Meinungen sehr geteilt!>׳'d und daß inan an den amtlichen Stellen Warschaus vielkcli den Steiger für unschuldig hält. Das ist z. ß. auch die Meinung des früheren polnischen Innenministers Hübner. Nach neuen glaubhaften Geständnis Olszanskis, dessen Einzel- ׳,ölen die Ocffcntlichkeit sehr interessieren würden, durfte Der Verlrjjfl zwischen tBjjteid nstl Iba SautI Jerusalem, 26. November. (J. T. A.) Sir Giiba, playton, der frühere Obersekretär der Palästina-Regierung, kt nach Abschluß des Vertrages mit dem Wahabitcn-Sultan Ihn Saud in Jerusalem cingctroficn. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Pal Tcl.-Agcntur teilte er mit, durch den Vtrag, der sehr zufriedenstellend ist, seien die Grenzen fischen Ncjd, Tr ansjordanien und Irak endfältlg festgesetzt worden. .Die Stadt Akaba, die Ifühcr zum Hcdschas gehörte, liegt jetzt auf transjordanisehem Territorium. Sir Gilbert Olayton begab sich am 27. November nnc!' £ ז״ man, von dort reist er nach Bagdad. Er wird mit tir.ir Abdullah von Transjordanien und König Fcisul wohl auch in Lemberg die Einsicht wachsen, daß man nicht einen Unschuldigen verurteilen kann, bloß um die unangenehme Tatsache zu verschleiern, daß cs dort geheime ukrainische Militärorganisationen gibt, die durch Terrorakte auf die Unterdrückung der Ukrainer hinzuweisen versuchen.“ Des Oizzssski- Prof01:011 in Warschau Freitag, am 27. November, hat das deutsche AuswJr• tige Amt das Protokoll über das• neuerliche Geständnis des Ukrainers Tlicopliil Olszauski dem politischen Gesandten in Berlin übergeben. Die polnische Gesandtschaft hat das Protokoll Sonnabend, den 28. November, nach Warschau geschickt. Es Ist anzunchmcn, daß es schon am L. Dezember in den Händen des Lemberger Tribunals sein wird. Zu der neuerlichen Aussage Olszanskis schreibt der Warschauer sozialistische ״Robotnik“, daß der Steiger-Prozcß sich immer mehr zu einem curopäi;:hen Skandal auswachse. Wenn man bedenkt, daß am 18. September 1924 für Steiger schon der Sarg und die Exckutivabteilung vorbereitet waren und nur mit Rücksicht darauf, daß eine Stimme beim Standgericht gegen drei Stimmen sich gegen das Urteil aus sprach, cs nicht zur Fiisilicrung eines unschuldigen Menschen gekommen ist, so stellt diese Angelegenheit sich als geradezu teuflisch dar. In der kommenden Woche wird das Verfahren allem Anschein nach beendet werden, wenn der Staatsanwalt nicht schon vorher die Klage zurückzieht. Daß 01• szanski vor der Berliner Polizei sich noch einmal als Täter bezeichnet hat, hat auf das Gericht wie auf die öffentliche Meinung Polens einen großen Eindruck gemacht. Die Verteidigung verlangt, daß die Akten über die neuesten Aussagen Olszanskis aus Berlin direkt vom Gericht angcfordert werden und nicht auf diplomatischem Wege, was lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Die iI2!:ar.fj des S!3s!sz:1>׳v3Ues Sonnabend, den 28. November, stellte die Verteidigung beim Beginne der Verhandlungen den Antrag, das Protokoll der Aussage Olszanskis von dein Berliner Polizei- Präsidium telegraphisch anzufordem, uro eine Verzögerung des Eintreffens in Lemberg zu vermeiden. (Das Protokoll ist in Warschau. Red.) Der Staatsanwalt erklärte, er habe nichts dagegen, doch könne er schon jetzt sagen, daß Olszanskis Aussagen für die Klarstellung acr Prozeßläge nicht den Wert haben, den i h n c n die Vert c i d i g u n g b c i m i ß t. Ihm, dem Staatsanwalt, sei schon jetzt bekannt, daß in Olszanskis Aussagen unrichtige Angaben Vorkommen, so z. B. habe Olszauski das Datum des Attentates auf zwei Woeben später als cs wirklieh stattfand, verlegt. Schon in seiner ersten Aussage in Beutheu habe Olszauski den Wurf der Bombe anders bc* schrieben, als die Erhebungen fc;tgcstcllt haben, so daß die Annahme begründet rt, ON/airki!ו a b c v o 11 d c ni A 11 c n - täte nur aus den Zeitungen erfahren, Ol4/nnsk» sei am Tage des Attentates nicht in Lemberg, sondem in Snmbor gewesen, wo er die Maturität*- Prüfung abgelegt habe. Der Staatsanwalt beantragte daher die E i n v c r!1 a 11 me der E 11 c r n Olszauski s. Soviel 1111a bekannt ist, stellen diese Behauptungen des Staatsanwaltes einen Versuch dar, die wahrheitsgeinfißc und innerlich logische Darstellung Olszanskis von vornherein zu diskreditieren, obwohl der Lemberger Staatsanwaltschaft der Inhalt von Olszanskis Aussagen am Sonnabend noch absolut nicht bekannt sein konnte. Wir haben die Ueberzeugung, daß dir Wahrheit, gegenüber alle״ Verdrehungen und Entstelhuigsvcrsuelicii, eine derartig durchschlagende Kraft hat, daß sie schließlich triumphieren muß. Gegenüber der innerlieh unwahrscheinlichen, auf die Aussagen einer Hysterikern! und einer bigotten Frau gestützten Konstruktion der Staatsanwaltschaft steht die höchst unkomplizierte Dar- Stellung des freiwillig erschienenen Olszanski, der durch seine Aussagen die Berliner kriminell sehr erfahrenen Polizeiorganc überzeugt hat, daß er der Täter ist. Die angeblichen Widersprüche in den Aussagen Olszanskis bestehen unseres Wissens nur in der Phantasie der Lemberger Staatsanwaltschaft, nicht aber in den Protokollen von Olszanskis Aussage. Der Vcrhnndlungsbcricht befindet sich im Innern des Blatte«. von Irak verhandeln, daß auch sie die Unterzeichnung unter den Vertrag setzen. Sir Gilbert Clayton teilte mit, Sultan Ibn Saud, der 11;!׳ größten Teil des Königreichs licdsclias besetzt hält, beabsichtige, dieses Königreich als aufgelöst zu erklären. Ueber die zwei heiligen Städte Mekka und Medina, die er besetzt hält, wird ein allmoslcniitischer Kongreß, den Ihn Saud demnächst einbrfufen wird, zu entscheiden haben. Paris, 2ר. November. (Havas). Der Oberkommissär v on Syrien hat über die Stadl und den Sandschak Damaskus sowie über Hau ran den B e I a g v r u n g s z u s t a n d verhjngt. Die französischen Truppen haben Al c r d s c h c j tu! besetzt. Die militärische Lage Ut gut. Das Mais'iiselie ksli-til Von einem Teilnehmer der kürzlich in Basel abgehaltcncn Sitzung des Vcrwaltungsratcs des Judaistischen Instituts der Universität Jerusalem wird uns über das Ergebnis dieser Konferenz folgendes geschrieben: Die Beschlüsse der letzten Konferenz des Verwaltungsratcs stellen in mehrfacher Beziehung einen wesentlichen Fortschritt in der Entwicklung des Institutes dar. Zunächst erfährt durch sie der Charakter des Institutes eine klarere Präzisierung. Das Institut war im Vorjahre als eine höhere Forschungsanstalt zur Förderung der Erkenntnis des Judentums begründet worden. Dies war in weiten Kreisen dahin ausgelegt worden, daß das Institut ausschließlich den Charakter eines Kollegiums von Forschern tragen, daß es aber keinerlei Ausbildungszwecke verfolgen solle. Dieser Auslegung gegenüber betonen die nun angenommenen Beschlüsse, daß das Institut sich zwar nicht das Bildungsziel einer höheren Lehranstalt setze, einer möglichst großen Zahl von Hörern eine höhere Bildung zu vermitteln, daß cs aber andererseits neben der Forschungsarbeit der an ihm wirkenden Gelehrten auch der Fortbildung solcher Studicrcnder dienen wolle, die bereits eine ausreichende jüdische und allgemeine Bildung besitzen und sich der wissenschaftlichen Forschung widmen wollen und die hierzu vor allem der Anleitung und der Einführung in wissenschaftliche Methoden bedürfen. Diesem Zwecke sdlen sowohl Verlesungen wie Seminare dienen. Die Forschungsarbeit der letzteren soll mit den zusammenhängenden Vorlesungskurscn in engem Kontakt bleiben. Beide aber sind nur für den engen Kreis der zum Institut zugelasscnen Studenten bestimmt; eine öffentliche Lehrtätigkeit der Professoren für ein weiteres Publikum ist nur in beschränktem Umfang zugelassen. Wenn der dargebgte Charakter des Institutes gewahrt werden sollte, war eine solche Bc- Schränkung tatsächlich unumgänglich. Aus dieser grundsätzlichen Definition ergeben sich die Richtlinien für den inneren Aufbau des Instituts wie für die Zulassung zu seinen Lehrkursen und Seminaren. Ein Forschungsinstitut muß nicht wie eine Univcrsitätsfakultät von Anfang an für jeden Gegenstand einen Lehrstuhl besitzen. Andererseits ist cs von grundsätzüchcr Bedeutung, daß für die tatsächlich crrichteten Lchrslüh’c Gelehrte von anerkannter Autorität gewonnen werden. Denn nur dann kann das Institut seine Funktion erfüllen, eine Zcntra’slätte für die Neucrforschung des jüdischen Kulturgutes zu bilden. Man wird daher bei dem Ausbau des Institutes nicht so sehr von einem von vornherein fcstgclegtcm Plane ausgehen, als sich vielmehr von der Möglichkeit, geeignete Persönlichkcitcn für die Besetzung der zu errichtenden Lehr- Stühle zu finden, bestimmen lassen. Bei der sehr gelingen Zahl autoritativer jüdischer Geleinter, die heute für ein Institut dieses Charakters in Betracht kommen, wäre ein anderer Ausbaumodus auch kaum durchführbar gewesen. Ergibt sich schon somit im inneren Ausbau des lnstituts die Notwendigkeit, von den hergebrachten 0:dmingen des höheren Bildungswesens abzuweichen, so gilt dieses in noch viel höherem Maße von der An:.־ ״.: s Schüler in atcrials. Dieses muß sich nach der ganzen Lage der Umstände notwendigerweise aus sehr heterogenen Elementen /nsammenset/en. Neben den in erster Reihe erwünschten Studierenden, die über grundliehe jüdische' Kenntnisse und ebenso über eine gute All* gcmcinbiklung verfügen, kommen vor allem aus Palästina jene, wie die Geschichte der jüdischen Wissenschaft zeigt, sehr wertvollen Elemente in Betracht, die zwar sehr ausgedehnte und sehr gründliche jüdische Kenntnisse besitzen, die sicli aber ihre allgemeine Bildung nicht in einem geordneten Studiengang haben erweiben können und denen darum häufig, wenn auch nicht die Kenntnisse, so doch die allgemein eingeführten Zen׳::- nisse und Diplome fehlen. Daneben treten als dritte Klasse die aus der L>iaspora kommenden Hörer, die bereits ein europäisches oder amerikanisches Universitätsstudium hinter sich haben und die gerade auf jadischcm Gebiete sich im Institute zu vervollkommnen wünschen. So dringend notig daher eine strenge Auslese schien, um den Charakter des Instituts zu wahren, so war es doch klar, daß jede :.tarre Zulassungsregvl nicht nur unangebracht gewesen wäre, sondern, daß :>ie gerade dazu geführt hätte, wertvollen Mitarbeitern den Eintritt in das Institut zu versperren. Man hat'daher beschlossen, als Aufnahmebedingung, neben ausreichenden jüdischen Kenntnissen, zun) mindesten das Abiturienten- oder ein äquivalentes Examen zu fordern, jedoch ausnahmsweise Studenten ans Palästina — und nur solche — aul Grund einer vor dem Profcssorcnkollegium abgchalter.cn P.iiiuag zuzmassen. Es soll ferner jeder Sludent während der ersten sechs Monate nur als provisorisch zugelasscn

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