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Jüdische Rundschau · 1925-11-24 · Heft 92 (24.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 92 (24.11.1925)
Date
1925-11-24
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 773 Nr. 02 Der Keren Hajcssod an der Arbeit pas Hauptbüro des Keren Hajcssod in London teilt mit: Cinc Reihe von Delegierten des Keren Hajcssod-Dirck- .grjuriis hat in den letzten Wochen, zum Teil nach längeren Vorbereitungen, Aktionen für den Keren Hajcssod unter- ,.pniinrn. Dr. J. L. Wilensky leitet wieder im Auftrag des pircktoriums zusammen mit dem Bukarestcr Zentralkomitee Keren Hajessod-Kampagne in Altrumänicn. LJafic ijjt diesmal die Aufgabe der Bearbeitung der Baltischen Gebiete jbernommen und die Aktion in Riga cingelcitct, um von dort jus zunächst in ganz Lettland die Aktion durchzuführen, pr. A. Goldstern nahm am 15. November an der Keren jljjcssod-Konfcrcnz in Czernowitz teil, um dann zwei Wochen der Aktion in der Bukowina 7.u widmen und . hierauf eine große Aktion in Holland zu organisieren,־ r^-ijic diesmal besonders die Großstädte ergreifen soll und fiir jjc die Mitarbeit einer weiteren Reihe zionistischer Führer .;n Aussicht steht. Dr. B u c h m i 1 hat in Alexandrien jjc Fortführung der ersten Keren Hajcssod ־ Aktion in Aegypten in die Hand genommen. Dr. A. Benzion ■fX über Amerika auf dem Wege nach Mexiko, das die '(׳sie Station einer großangelegtcn Tournee ist, die alle 5'cphardischcn Gemeinden in Mittel- und Süd* jnicrika umfassen wird. Zum erstenmal wird der Versuch gemacht, diese wichtigen Gemeinden scnhardischcr luden, die sich bisher sehr abseits gehalten haben, durch 'fj!,rn sephardischen Delegierten des Keren Hajcssod für die \rbcit in Frcz-Isracl zu gewinnen. Dr. Z w i W 11 c n s k y, der :-ו vorigen Jahr Skandinavien besucht hat, wird vom Direktorium wieder dorthin gesandt. In Deutschland aahrnen anläßlich der A.-C.־Sit7ung Mitglieder der Exekutive ׳;ncl des Direktoriums des Keren Hajcssod an Veranstaltungen;3 engerem Kreise teil, die der Vorbereitung der für den Anfang Januar zusammcnbcrufcncn Landeskonferenz des dcut- «;hen Keren Hajcssod dienten. Iu der Tschcchoslo- ״■akei wird gegenwärtig eine intensive Aktion durchgeführt, Jic die Beteiligung aller jüdischen Gemeinden des Landes 31נ Keren Hajcssod zum Ziel hat. Es ist beschlossen worden, daß die Bcitragszcichnungcn der Gemeinden für eine längere Reihe von Jahren erfolgen und nach Möglichkeit kapitalisiert •*־erden sollen. Im gesamten polnischen Gebiet ist die wirtschaftliche Situation gegenwärtig so schwer, daß normale Aktionen und Drives keinen außerordentlichen Erfolg versprechen, so daß Drrntungen über•, eine Spczialaktion gepflogen werden. In Palästina hat eine neue Kampagne eingesetzt, die ,on Dr. H elf mann organisiert ist und deren Ziel die Aut- Dingung einer Summe von £ 25 ODO ist. Es wurden schon innige große Versammlungen nbgehaiten und eine cindrucks- | ■.oll'c Proklamation veröffentlicht, die von Achad Haam und!fialik gezeichnet ist. In Griechenland ist der Delegierte :cts Direktoriums Pazi Goldmann mit der Propaganda in;kr Provinz beschäftigt, nachdem er vor dem Kongreß in;Saloniki tätig war. j Für England hat das Direktorium des Keren Hnjcrsod ) fern englischen Komitee wiederum die Mitarbeit von Dr. 1 Imanuel Ols van ge r zur Verfügung gestellt; ebenso hat j■'racl Cohen, der Generalsekretär der Zionistischen Exei.jtive, eine besondere Aufgabe innerhalb der englischen Ar- J ät übernommen. Die Propaganda begann in England mit! :cm großen Meeting vom 2. November und wird nunmehr | :ך verschiedenen Landcstcilcn fortgeführt. ln einer Reihe anderer Länder sind Vorbereitungen für ■tren Hajessod-Aktionen im Gange. Ueber die Aktionen in .:ca für die Aufbringung der größten Beträge entscheidenden!;ebbten, nämlich in den Vereinigten Staaten, Süd-;;! r i k a und Kanada, wird zwischen den Komitees dieser;.Inder und dem Direktorium des Keren Hajcssod und Ger; üianistischcn Exekutive verhandelt, da es unter den gegen- ■ drtjgcn Verhältnissen eine ganz besonders Verantwortung*• \ ׳olle Aufgabe istL für die Aktion in diesen Ländern die her- \ '0rr3gcnastcn Kräfte zur Verfügung zu stellen. (Ziko.) l Die polnische Reßieronaskrise! Warschau, 17. November. (J. T. A.; Der Präsident des Rataj, hatte eine längere Unterredung mit dem soeben '■״ Warschau cingctroffcncn Präsidenten des jüdischen Klubs, ,דל. I.con Re i cli, und machte ihm den formc’Ien Vorschlag, I ■ ü der jüdische Klub indiezu bildende Reglerung6-!■Koalition cintritt und sich auch aktiv an der Regieprgshjklung beteiligt und zwar in der Weise, daß ein Mit- 1;ied des Klubs ein Unterstartssekretariat übernehmen solle, Y. Reich erwiderte, der jüdische Klub sei noch nicht in;ז׳ל Lage, sich soweit zu engagieren, er müsse zunächst noch ri־.e abwartende Haltung einnchmcn. Eine positive Stellung j;-r Juden zu der Regierung sei nur möglich, wenn das Pro- :Damm der neuen Regierung bekannt sein wird. Graf Skrzynski hatte ebenfalls eine Unterredung mit זגן. Leon Reich, ln deren Verlauf er sich verpflichtete, die;','!einen Punkte des Abkommens zwischen der früheren Re- ׳־'••rung und dem jüdischen Klub voll zu verwirklichen. Dr. i 'oa Rci־h erwiderte, der jüdische Klub stehe dem Plane;״fr Koalitionsregierung mit Sympathie gegenüber, eine endirrige Stellungnahme behalte sich der Klub jedoch vor, bis '.-'ammensetzung und Programm der neuen Regierung bc* : ־־nt sein werden. Hrr 1־ n i!זח•׳ d־׳r polnischen Republik Wo j c i c c h o w 5 k 1, ,:.'de auch Verhandlungen mit den Führcren der verschiedenen . i.J:Iamcntrgruppen zwecks Bildung einer neuen Regierung. g'J verhandelte auch mit dem Vizepräsidenten des jüdischen lY-hncnbklubs, Drp. Dr. Rosmarin. Im Verlauf der drrrcduug sprach der Präsident Wojcicchowski schic Zu- ־ ■: | -denheit mit der staatsfreundlichen Haltungdcs •;.’übs der jüdischen Deputierten aus. Er sagte, ,Y luden seien im allgemeinen ein patriotisches Element der; .-'־Clkcrung und stets bereit, für die Wohlfahrt• des Staates ",: rfer 1ח h jngc-1. Wenn er auf eine schlicßlichc Ueberwindung ז ׳ Jetzigen schweren Wirtschaftkrisis hoffe, so denke •hj :!>t zuletzt an die Juden. >:., Mach seiner Ernennung konferierte Ministerpräsident . 'fiynski mit dem Obmannstcllvcrtrcfcr des jüdischen : "1•׳mentsklubs, Dcp. Farbstein, um sich über die tcIlungnahmc des Klubs zur neuen Regierung zu orien- Farbstein erklärte, der jüdische Sejmklub mache seine ׳ •ד •'•’Jngnahmc von deren Richtung abhängig, insbesondere von 1" Stellung zu de״ Fragen der Zwangssonntagsc;•"c, des Handwerkergesetzes, oer Monopol- "'"Zessionen und der Beschränkungen in der Auf- :}mc jüdischer Hörer an den Hochschulen. ( nachdem die Regierung ln ihrem Rcgicrungsprogramm 1 ו »Ultwoch ihre Stellung zu diesen Fragen dnrgelegt haben '״» wird der jüdische Klub seine Stellung festsetzen können ג darüber dann eine Erklärung abgeben. i: ■41p •Laufe des Monats August «sind 4933 Touristen zurückkehrende Einwohner, außer Immigranten, nach ־״tina gekommen. (Ziko.) Kongreß der faöisdica Gemeinden Siziliens Rom, 18. November. (J.T.A.) Dieser Tage wurde in Rom der fünfte Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens abgehalten. Im Namen der jüdischen Gemeinde Roms cröffnctc der Präsident dieser Gemeinde, Adv. Angelo Screni, den Kongreß, worauf Prof. Dante Lattes die Delegierten Im Namen der Zionistischen Weltorganisation bcgrüßte. Es wurde auch ein Bcgrüßungstclcgramm von C h a i m W c i z ni a 11 n verlesen. Aut dem Kongreß waren 40 jüdische Gemeinden Italiens vertreten. Die aktuellen Fragen der italienischen Judenheit wurden erörtert, cs wurden Maßnahmen beraten, wie dem Mangel an Rabbinern und Lehrern ahzuhclfcn wäre. Fs wurde nach einer lebhaften Debatte beschlossen, daß die Einzelgemeinden verpflichtet seien, so schnell als möglich und mit allen Mitteln die verwaisten Rabbincrstellcn zu besetzen, sei cs 'auch mit Kandidaten aus anderen Ländern. Eine ausgedehnte Debatte fand über die Frage des Schulwesens statt. Senator Prof. P o 1 a c c o und der Oberrabiner von Rom, Prof. Angelo Saccrdoti wiesen aut die große Gefahr hin, der die jüdischen Kinder in den katholischen Schulen ausgesetzt sind, da nach dem neuen Gesetz der gesamte llntcrricht dem katholischen Einfluß ausgesetzt ist und die jüdischen Kinder mit der Zeit diesem Einfluß unterliegen müssen. Die bisherigen Interventionen hei den Behörden waren ohne nennenswerte Wirkung. Der Kongreß beschloß, eine au״.־cdclu1te Aufklärung;arheit unter der jüdischen Bevölkerung in Angriff zu nehmen und überall für die Schaffung jüdischer Elementarschulen cinzutrctcn. — In einer weiteren Resolution wurden die jüdischen Gemeinden Italiens aufgefordert, in einen intimen Kontakt zu den großen Strömungen innerhalb der jüdischen Gesamtheit in allen Ländern zu treten und lnsbcsondere den Aufbau Palästinas finanziell zu stützen. Es wurde beschlossen, Vertreter der italienischen Judenheit in die Jewish Agenev zu entsenden. Zum Vorsitzenden des Exckutiv-Koinltccs der jüdischen Gemeinden Italiens wurde fiir weitere drei Jahre Advokat Angelo Screni, der Präsident der römischen Gemeinde, gewählt. * Der Klub für jüdische Kultur arrangierte eine Ausstellung der Werke Hermann Strucks. Die große italienischc Presse rühmt das hohe Künstlertum Strucks und hebt insbesondere die Porträts Einsteins und Nansens hervor. Jüdische Wrlreler heim ItollejtisHieii König Rom, 18. November. H. T. A.) König Viktor cmanucl empfing die Vertreter der jüdischen Gemeinden von Pisa und Livorno in einer längeren Audienz. Der König bewies großes Interesse für die allgemeine Lage der italienischen Judenheit und erkundigte sich genau über die Verhältnisse der Rabbinerseminarien und der übrigen jüdisch-kulturellen Institute in Italien. Der König schilderte in lebhaften Farben die Eindrücke seiner 1 S 0 5 unternommenen Pa- I ä s t i n a - R e is c und sagte, er sei unterrichtet, daß das jüdische Aufbauwerk seit dieser Zeit u n g cheuere Fort sch ritte gemacht 11:1t. 1111 Verlauf des weiteren Gesprächs erinnerte der König daran, daß sein Dr* großvafer Amedea VI. den luden seines Landes große Privilegien gewährte. Zum S.ririuß sagte der König, er sei der patriotischen Haltung der italienischen Juden gewiß und bitte, ihnen seine Grüße zu übermitteln. Jüdische Trngen vor dem Völkerbund Genf, 18. November. (J.T. A.) Das Programm der am 7. Dezember d. J. beginnenden 37. Session der, Völkerhundsrates enthält eine Anzahl Fragen, die die jüdische Bevölkerung in verschiedenen Ländern unmittelbar angehen. So steht cs u. a. fest, daß die Frage der Juden in Ungarn in einer breiten Wci<c aufgcrollt werden wird, und zwar nicht allein die Frage des Numerus clausus-Gesctzcs, sond'rn auch die Frage der staatlichen Stellung der ungarischen Juden überhaupt. Auch der Vorschlag der litauischen Regierung, daß alle Mitglieder des Völkerbundes sich über eine einvernehmliche Regelung der Rechte und Pfürhfni der Minderbeiten einigen sollen, wird zur Verhandlung kommen. Schließlieh wird der Völkcrhund'rat in dieser Session die Beschlüsse und Arbeiten der 6. Mandats-Kommission, die das Palä s t i n a-M a n d a t zu behandeln hat, prüfen und billigen. Emplaitg lör den Jablonncr Rebbe in Warsehsa Warschau, 17. November. (J.T.A.) Die Warschauer Judenheit bereitete dem Jablonncr Rebbe, der die Kolonie Nachlath Jaakob im Emck Jesrecl zu Palästina bcgründete, und deren Boden Seite an Seite mit seinen Chassldim bearbeitete, einen großartigen Empfang. Tausende jüdischer Bürger fanden sich im Riesensaal des Handwerker- Vereins ein, um den Rabbi zu begrüßen. Ansprachen hielten der Sejmdeputierte J. Grün bäum, die Herren Hillcl, Z c i 11 i n , Leon Levite, Podlischcwski, Abg. Dr. Thon u. a. m. Der Rabbi hielt zum Schluß eine begeisternde Ansprache und überbrnchlc die Grüße der jüdischen Arbeiter in Palästina. Er sagte, in Ercz Israel ist die Arbeit nicht vergebens, der Boden gibt die Früchte der Arbeit. Niemand brauche dort zu hungern. Der Rabbi gab dann eine ausführ־ liehe Schilderung der Arbeitsmethoden in Palästina und sagte zum Schluß, man solle aus Palästina nicht ein Objekt rnncrjiidischcr Meinungsverschiedenheiten machen. Unter dem Zeichen des Palästina-Aufbaues müssen sich alle Juden vereinigen. VERANSTALTET ZU CHANUKKAH SAMMLUNGEN FÜR DEN KEREN KAJEMETH Zwei Sladcnlea-KBaöjjcbunßcj! Akademiker-Versammlung des K.J.V. Am Mittwoch den II. d. M., veranstaltete das Kartell Jüdischer Verbindungen eine jüdische Akadernikerversammhing im großen Saal des Vereinshauses Deutscher Ingenieure. Der 1. Vorsitzende des Kartells, Dr. Foerder, wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß die Auseinandersetzung über jüdische Fragen in einer der akademischen Jugend würdigen Form und auf einem ihren Aufgaben entsprechenden Niveau seit langem aufgehört hätte, daß der Versuch dazu nun aber wieder gemacht werden müsse. Fr erteilte dann das Wort Herrn Dr. Nachum Goldni n n n zu seinem Referat: ״Das Problem des deutschen Juden“. Der Redner ging aus von der Feststellung, daß heute niemand mehr das Bestehen einer Judenfrage leugnet. Diese habe in Deutschland eine spezifische Note, ur.d man muß sic von der deutschen und der jüdischen Seite aus betrachten. Die Emanzipation war ein Pakt, der von beiden Seiten mit voller Ehrlichkeit geschlossen wurde. Von deutscher Seite lag ihm der Gedanke zugrunde, der in der französischen Revolution ausgesprochen worden war, dem Juden als einzelnem alles zu geben, d e 11 Juden als Gesamtheit nichts, und auf jüdischcr Seite hatte man die Absicht, sich wirklich zu assimilieren, sich der Emanzipation voll und ganz würdig ZU zeigen. — Der Pakt S־׳i von beiden Seiten nullt gehalten worden. — L)ic Ideen des allgemeinen Menschentums verwirklichten sich nicht, die Differenzierungen blieben bestellen. Durch die Verbreitung der liegeisrhen Ideen entstand eine Vergottung des Staates; der Staat verlangte den ganzen Menschen. In Deutschland feierte diese Auffassung vor dem Kriege ihre größten Triumphe. Dieser Uniformierung paßte sich der Jude nicht an. Er hatte für den Niehtjuden etwas Gespen• tnhaftes. er war überall da, aber trotz seines guten Willens, allen Ansprüchen gerecht zu werden, und voll und ganz im deutschen Volke aufzugehen, büch er überall als ״anders“ erkennbar. Der Grund hierfür ist das starke historische Bewußtsein des Juden, das es mit sich brachte, daß die stärksten Vorkämpfer der Assimilation im 19. Jahrhundert dennoch bewußte Juden waren, z. B. die Schöpfer der ״Wissenschaft des Judentums“. Man sprach ,.über ludcntum“ und ״vom Wesen dos Judentums“, mau hat darüber eine große Literatur zusammengebracht, ohne sich aber jemals in seiner wirklichen Nacktheit, im Dostojcwskisclicn Sinne, zu erkennen. Der Redner lehnte es ab, sich mit den Radau-Antisemiten ausclnamlerzusclzen. Unsere Antwort auf den ganzen Fragenkomplex könne nur die sein, daß wir aus unserer ״Oespensterhaftigkeit“ herausgingen und unser wirklich« Bild zeigen, der Welt unsere Visitenkarte geben, auf der wir als Ganzes erkennbar sind. Judentum war nie eine abstrakte Sache, zu der man sic gern machen wollte, sondern manifestierte sich immer in dem Ausdruck ,.Du sollst tun“. Es kam immer auf Taten an. — Jeder dem Zionismus Fernstehende wird heute zugeben müssen, daß 40 Kolonien in Palästina der Weit deutlicher zeigen, was Judentum ist und sein kann, als noch so viele Bücher über!;ein Wesen. Das Ergebnis des Krieges hat die Idee der Staatsvergottung ־zertrümmert, die Schaffung des Völkerbundes hat gezeigt, daß cs noch Gebilde gibt, die dein Staat übergeordnet sind. Auf der Basis des ncugcgründctcn Rechtes der kleinen Nationen und Minoritäten versucht der Zionismus die Verwirklichung der nunmehr anerkannten historischen Ansprüche. Leider entsprach die Debatte nicht den seitens des Leiters der Verrammlung und des Referenten .au״׳esprochcnen Erwartungen. Die Versammlung war von ca. 250 Personen besucht, u. a. von den Vertretern aller jüdischen Korporationen und größeren Verbände. י K. - C, ־ K u n d g c b u n g. Am Sonntag, den 15. November, vormittags 11' Uhr, fand im Herrenhaus eine Kundgebung des K.-C. statt,־ die unter dein Titel ״Die Beschimpfung des deutsch-jüdischen Studeuten, eine Schmach des deutschen Volkes und der Welt“, einberufeu war. Herr Dr. Hollaender eröffnete nach kurzen Begrüßungsworten die Versammlung und erteilte das Wort llrrrn Dr. Bcrlak, der an einer Reihe von Beispielen die Stellung des jikll.chcn Studenten an den deutschen Hochschulen beleuchtete. Seit, der Entwicklung der studentischen Sclbrivcrwaltung nach dem Kriege sei eine dauernde Zurf; ■ksctnmg der jüdischen Studenten zu verzeichnen. Der K.-C. habe ständiges Entgegenkommen gezeigt, habe aber dessenungeachtet Schmähungen und beleidigende Zirückseuur.gen erfahren, ln Marburg habe man vor einigen Jahren die dortige Korporation anläßlich einer vaterhindrehen Feier gewaltsam am Betreten der PauKkirehc gehindert. Seit Jahren bestehe bei akademischen Aufzügen die Gepflogenheit des Abatamlnchmcns von den jüdischen Verbindungen. Dieses alles habe zum Ziel, eine völlige Entrechtung des jüdischen Studenten mit dem Endergebnis eines Numerus clausus in Deutschland. Was aber heute den Jüdischen Studenten passiere, könne morgen den Katholiken geschehen, wie das Verhalten gegenüber Marx, Faulhaber usw. beweise. Daher »ei dieser Zustand nicht allein eine Universitätsfrage und auch nicht so sehr eine jüdische Frage, sondern eine Frage des deutschen Volkes. Der Redner schloß mit den Worten: ״Dcutr.rhrs Volk, erwache!“ — Man hätte u. F. geraife aus seinen Ausführungen auch zu dem Appell ״Jüdisches Volk, erwachet“ kommen können. Die Schilderung des Schicksals, das jüdische Studenten trotz unentwegter deutscher Gesinnung finden, ist für tiefer Blickende ein gutes Hilfsmittel zur Erkenntnis der wirklichen Jmlrufrngc. Der zweite Referent, Dr. Bruno Weil, beginnt mit einem Rückblick in die Zeit des Ausschlusses der Juden aus den deutschen Burschenschaften. Damals wurde dieser Akt damit begründet, daß die Burschenschaften neben dcutscliem auch christlichen Geist pflegen müßten. LeV-, Lern- und Koalitionsfreiheit zeichneten bisher die deutschen Universitäteu aus. Die Koalitionsfreiheit sei durch Un׳lu!1!י!!ו.י• keit und Ausschluß zur Unfreiheit geworden. Dem deutschen Volke könne cs aber nicht gleichgültig sein, parteiische Vcrwaltungs-, Justizbeamte und Lehrer hcranwachsen zu sehen. Der Oedanke des Rechts werde durch diesen Zustand zugrunde gerichtet. Das Judentum, das Volk der Bibel, das trotz seiner Zerstreuung durch zwei Jahrtausende an den Ideen von Recht und Gerechtigkeit festgehalten hat, müsse diese Ideen auch den deutschen Kollegen mitteilen. Hierauf wurde die Kundgebung ,הסליסיו!'׳^־׳. Obwohl sic hauptsächlich nach außen gerichtet war, kann mau doch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß es heute nicht mehr 2:citgcmäß annmtet, bei Behandlung jüdi; ■her Dinge sich an dem wirklichen Problem hcrumzu<!r!Vkrn und lediglich an der äußersten Obrrikiriic zu bicibrn. Damit nützen wir aiu.11 dem Abwehrknnipf niriit, der nur erfolgreich sein könnte, wenn er auf tiefer Erkenntnis der Zusammenhänge beruhte. Der hebräischen Tageszeitung ״Dawar“, dem Organ der jüdischen Arbeiterschatt in Palästina, ist in Rußland ״au« Zensurgründen“ das Postdebit entzogen worden.

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