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Jüdische Rundschau · 1925-11-17 · Heft 90 (17.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 90 (17.11.1925)
Date
1925-11-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 759 1 Nr eo Der Steiger-Prozeß Lemberg, 11. November. (J.T.A.) Heute wurde die iraincnn Yiktor‘a Lcdl ein vernommen, die sich in Wien! kfi der polnischen Gesandtschaft als Belastungszeugen .f£Cn Steiger gemeldet hat. Die Zeugin, die am Tage des Attentats bei Verwandten in Lemberg geweilt hat, gab an,!je habe, als der Präsident im Wagen vorbeifuhr, an der ^Itc der Kopernikus- und Lcgioncngassc gestanden. Lin ]Mittelgroßer Mann in einem hellen Gummimantel, der eine [iornbrillc trug, habe ein Paket unter seiner Mantclklappc licrvorßMogcn und cs gegen den Wagen geworfen. Aut Jjic Frage, ob sic in Steiger den Attentäter erkenne, ant- ^-ortete die Ledl: ״Ja, das ist cr.“ Als jedoch Steiger filier Anforderung des Vorsitzenden den Mantel anzog, den ff am kritischen Tage getragen hatte, erklärte die Zeugin, ל". könne jet/t mit Bestimmtheit nicht behaupten, daß Steiger dem Attentäter identisch sei. ßci näherer Prüfung der Aussagen dieser Zeugin stellte ־ <s sich heraus, daß ihre Angaben über die Stelle, von wo feiger angeblich das Paket geworfen haben sollte, den An- : ״aben der Zeugin Pasternak scharf widerspreeben. Auch behauptet die Ledl, sic habe, als die Pasternak Steiger anhiclt, ebenfalls Steiger bei der Schulter gepackt. : {;;s jetzt hat aber noch kein einziger Zeuge, auch nicht die Pasternak, erklärt, daß bei der Verhaftung Steigers eine '.] j|terc Frau wie die Ledl mitgewirkt hätte. 1 >ic Zeugin Ledl ־; gezeichnet sich vor Gericht als patriotische Polin, i!).!,? Gericht beschloß, einen I.okalaugcnschcin in Gegenj Ut11t der Ledl und der Pasternak vorztinchmcn. j Der Chef der politischen Polizei in Lemberg, Sawicki, ] bekanntlich entlastend für Steiger ausgesagt hat, bc- ד richtete der Regierung, daß ihn Lukomski in den letzjten Tagen durch Polizciorganc überwachen 3 ]aßt. Er bittet um eine Untersuchung und um Schutz jegen Verfolgungen. Die Staatsanwaltschaft wurde verurteilt, der jüdisch-polrischen Zeitung ״Chwila“ 3000 Zloty Entschädi- ״ung wegen ungerechtfertigter Konfiskation zu zahlen. Lemberg, 13. November. (J.T.A.) Die antisemitische Presse sucht die Aussagen der Zeugin Ledl gegen Steiger zu einer Hetze auszunutzen. Die ״Ga- 7cta Codzlcnna44 und die natioiialdcmokratische ״Slowo po.skic4‘, das Organ des,Unterrichtsministers Grabski, ver- :nftaltcten Extra-Ausgaben und stellen die Sache so dar, a!> ob Steiger bereits als der Attentäter überführt sei. Aus den weiteren Aussagen der Zeugin Ledl ging hervor, daß sic sehr stark unter dem Einfluß der polnischen Geist- ’!hehkeit in Wien steht. Sic erzählte selbst, daß sic vom j peinlichen der Wiener polnischen Gemeinde zu ihrer Reise j rach Lemberg bewogen worden war. Wie sehr der Gerichts-! fof selbst durch das plötzliche Auftauchen einer neuen Bcj!.iriungszcugin, von der man bis jetzt nichts gehört hatte, j jhcrra'cht war, beweist die Tatsache, daß der Gerichtspräsident!,Franke sich bewogen gefühlt hat, einen Appell an die ] Zeugin zu richten, daß sic mit sich zu Rate gehen und ihr uewissen nochmals befragen möge, bevor sic sich entschließt, die gemachten Aussagen durch Schwur zu bekräftigen. Frau Ledl senkte nach diesem feierlichen Appell das Haupt, so; 1!2ß man im Saale den Eindruck hatte, sic wolle ihre Aus- 'ige zurück7ichcn. Nach einigen Minuten aber erhob sie; •.linier das Haupt und sagte: ״Ich kann mich an alles genau •! rinnern.4* Als Dr. Landau den Antrag stellte, in Gegen- . art der Zeugin einen Lokalaugcnschcin vorzunehmen, brach die Ledl in den Ausruf aus: ״Ich habe Angst vor den '!den, ich werde mich nicht auf der Gasse sehen lassen;;ג Lemberg sind die Juden ebenso zahlreich wie in Wien.“ - Noch am selben Tage begab sich der Gerichtshof mit j dem Angeklagten Steiger und der Zeugin Ledl nach dem | Attentatsort. Die Angaben, die die Ledl hier machte, stehen Fa stärksten Widcrsnruch zu den Angaben der Pasternak und;«anderer Zeugen. Die Zeugin konnte die Stelle nicht an- :^jeben, wo sic die Bombe angeblich hat fallen sehen. ] Warschau, 13. November. (J.T.A.) Das Warschauer •Außenministerium hat am 12. November aus Berlin die Ab- : •'Villen der vom Deutschen Auswärtigen Amt dem polnischen ־,Gesandten übergebenen Akten,‘betreffend das Attentats-;rcständnis des Ukrainers Olszanski, erhalten.! jlhs Außenministerium übergab die Aktenkonien dem Justiz- Ministerium, welches veranlaßt hat, daß die Akten dem Lern- ' :׳rgcr Gericht ohne Versäumnis zugcstcllt werden. | Die Olszanski -Märe Rechtsanwalt Dr. Israel Wald mann (Wien) veroffent- V folgende Erklärung: ״Da die ukrainische revolutionäre Organisation cs unter- : 1'1:cn hat, trotz meiner zweimaligen öffentlichen Aufforderung >ch die Presse ihrer Verpflichtung nachzukommen, eine;-klirung, den Steiger-Prozeß betreffend, abzugeben. ich mich veranlaßt, alle Maßnahmen zu treffen, damit זיי ׳ mir in dieser Affäre bekannte Material unmittelbar ’■^Kenntnis des Straflandcsgcrichts in Lerni^rg gelange. Dadurch erscheint die Angelegenheit für mich! ilhtändig erledigt/4 j -- i | Erklärung j. Mein Aufsatz über Jabotinsky (Nr. 79/SO) wurde j1 Saloniki benutzt, Verwirrung zu stiften.!. Ich hatte in diesem Aufsatz versucht, dem politischen M׳riHctcllCr Jabotinsky gerecht 7u werden, und fand diese; :״erhtigkeit in der Charaktcrr icrung eines unverantwort- .,"״er. Vaganteniums, vor dem man sich zu hüten habe. ■ a0׳n ich dies Urteil mit einer Darstellung der starken redne- , chm Wirkung des vitalen Mannes eingclcitct hatte, so war : ä gerade geschehen, um gc^cn die Massenwirkung des . ,'1,samm’ungsrcdncrs die Dürftigkeit der sachlichen Inhalte j '0 stärker konstrnsticrcn zu lassen. M Was tut man in Saloniki? Das Blättchen ,.P r o I s r a c l“,;Mrirh{igCr ,.Pro Jabotinsky״ hieße, druckt in einem häßjM'n Französisch diese Einleitung, nein, den Teil der Eini;•t'j*1?• der für sich gelesen wie eine hymnische Feier auf großen Führer wirken muß und bemerkt dazu, daß dies ׳ Ü.Crn. Aufsatz der ,.Jüdischen Rundschau״, einem der ge- '5־■׳*artigen Exekutive ergebenen O'gan, entnommen sei. |.,r Was müssen die Leute in Saloniki also glauben? Sic .;!^5cn glauben, daß noch durch die Scheuklappen einer is^ncchchcn Richtung die Leuchtkraft des Genies sich Bahn ■;•Vtaffen, und daß die Wahrheit noch vor tauben Herzen Um?0n!;t verhallt sei. Die Hymnen auf den Führer offenbar dürftig, und so sucht man sich seine Bcstäti- 'Ü״*׳'v0 man sle findet, daß sic der Anhängerschaft Stab p Stecken sei. 1!. Der Fah ist unerheblich. Traurig ist nur und deshalb ' •:‘*uhaltcn, daß man sich auch innerhalb des ziönisti- .!'י Kreises, dem die Pflicht zur Reinlichkeit in erhöhtem -p obliegt, gegen die berühmte Methode der Journaille, 1 Qc2cntell hcrauszuzlticrcn, zur Wehr setzen muß. Gustav Krojanker. BIMiseke GesdslcäSe and V5/isseascS1afi Herr Rabbiner Dr. Kaatz ersucht uns, ,,um der Objektivität willen44, um Aufnahme folgender Zuschrift: Ich hittc, einigen knappen Bemerkungen Raum geben 711 wollen, die sich auf den in Nr. SS der Rundschau veröftenthditcn Aufsatz von Leo Strauß ״Biblische Geschichte und Wissenschaft44 be/ichni. Der Auf1-.it/, der. eine Auscinandersct/uiig mit Emst S i 111 ס n darstcllt, polemisiert gegen Gott, gegen Moses und die Propheten, ja sogar gegen den ״Israelis44, und der Verfasser ist so naiv, sich als Inkarnation der Wissenschaft und des Judentums zu fühlen und sich grundsätzlich des plnralis majestatis 7.u bedienen, dergestalt, daß er Sätze formt wie den folgenden: ״Als Juden sind wir radikal, lieben wir keine Konzessionen. Hängen wir der Katze die Schelle anl44 Ich begnüge mich, die Art seiner auf geschminkten Wissenschaftliehkeit an zwei Beispielen zu beleuchten. Herr Strauß schreibt: ״Nun erzäidt die Schrift, daß Israels Glück — wohlgemerkt, Israels äußeres politisches Glück — der Lohn gewesen sei für seinen Gehorsam und umgekehrt sein Unglück, die Strafe für seinen Abfall. Und wer diesen Kausal- Nexus leugnet, vielleicht, leugnet gerade auf Grund der tieferen, jüdischeren Einsicht, daß nichts in unserer hand ist, bezüglich des Glückes der Bösen und des Schicksals der Frommen --- der erklärt damit, daß nicht alles, was in der Schrift stellt, wahr ist.44 Man denke: Moses und die Propheten, die :וווו סי wissen- Schaft lieh sind, Welt und Lehen unter große, ewige, göttliche Perspektiven zu stellen, hatten keine Ahnung von der ״tieferen, jüdischeren Einsicht44, deren Besitzer Herr Strauß ist. Ist cs da ein Wunder, wenn nicht alles wahr ist, wfns Moses und die Propheten schreiben, daß dagegen alles gewißlich wahr ist, was der Herr Doktor schreibt, der sich unter andern! inspiriert fühlt, in seinem Zitat aus den Sprüchen der Väter die unbeoueme Vokabel ״Züchtigungen der Frommen'4 zu beseitigen und dafür ״Schicksal der Frommen44 zu setzen? Herr Strauß schreibt ferner: ״Praktisch rechnet kein Forscher damit, daß cs in der biblischen Zeit so /!!gegangen ist. wie es die Ouellcn uns glauben machen möchten: daß die frommen Richter und Könige auf Grund ihrer Frömmigkeit Glück, die Unfrommen hingegen aut Grund ihrer Unfrömmigkeit Unglück hatten. Er wird der ,Meinung sein . . daß die theologische Auffassung dieser Frühgeschichte einer Zeit entstammt, in der cs politisches Leben und daher auch politisches Verstehen nicht mehr gab.44 Diese letzten Worte ״nicht mehr gah44 sind geradezu köstlich. Da hat. um nur ein kleines Beispiel 711 nennen, die Prophetin Debora, wie das Buch der Richter er- ׳zählt, in göttlicher Begeisterung die Stämme Israels zum Kampfe an,gefeuert lind zum Siege geführt mul hat <1:11111 ein.lied gedichtet, in dem rie so uu/v/ei letitig Ger ..theologischen Auffassung44, die sic von diesem Kampf und Sieg hatte. Aufdruck gibt, daß die stol/o wissenschaftliche These des Herrn Strauß sich heulend am Boden wäl/t. Der gelehrte Kritiker scheint aus seinem Hibelexcniplar die Tatsache 11erausgerissen zu haben, d.aß «ärmliche großen und kleinen Propheten grundsätzlich eine ״theologische Auffassung״ der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Ge- «chichte vertreten und gleichzeitig die natürliche Verkminfung der Ereignisse in ihrer Bedeutung würdigen. Die Methode des Herrn Strauß, die hihh'schen Probleme dadurch 71! 1001־!. daß man von der überlieferten heiligen Schrift nur den Einbanddeckel übrig läßt, ist •/war eine sehr einfache. Ob «ie .aber die ״tiefere und jüdischere44 ist, erscheint mir zweifelhaft. Rabbiner Dr. Kaatz in Hindcuburg (O.-S.). * Nachbemerkung. Wir geben vorstehender Zuschrift Raum obwohl wir nicht wissen, ob damit der ״Objektivität44 gedient ist. Wir halten den Gegenstand dieser Dob.üte für sehr wichtig und erörternswert, glauben aber nicht, d.aß er durch Ironisieren des Gegners wesentlich gefördert wird. Wie dem auch sei, wir haben beide Richtungen zu Worte kommen lassen. Die moderne jüdische Bewegung bringt cs mit sich, daß derartige Probleme uns wieder Lebensfragen geworden sind und uns zutiefst bewegen. Dies erklärt die Leidenschaft der Erörterung. Dabei vertritt jeder selbstverständlich nur seine eigene Meinung, seine wissenschaftliche oder dogmatische Urherzeummg, und cs i;t nicht unsere Kompetenz, liier zu ״entscheiden״ oder regleinrnüerrinl cin/ngreifen. Der Zionismus a’s solcher hat gewiß in solchen!־'ragen kein Dogma; aber er ist interessiert an aMen Problemen, die die Lethargie und Sc’b^richerhmt des heutigen Judentums zu erschüttern und geiziges Leben zu erneuern vermögen, daher hielten wir cs für angezeigt, auch einmal einer soHien Diskussion, die wir hiermit schließen, die Spalten zu öffnen. NsiionslisVrunfl der Juden In Soviel-Rußland Ueher dieses Thema sprach am 14. d. M. Herr facob L es f s c 11 i n s k y , der Redakteur der Blätter für Demogrnnhie, St'tiriik und Wirtschaft •:künde der Juden, im SHioicm Alcehcrn-K!uh. Der Vortragende betonte, daß er, trotz seiner prinzipiellen Gegnerschaft und trotzdem er die Sowjetherr* schnft aus vielen Gründen bekämpfe, cs als Pflicht erachte, auch erfreuliche Vorgänge in der Sowjetunion zu re׳׳i'triercn. Hierauf behandelte er die interessante Erseheinting, daß seit ungefähr einem lahrc in einzelnen Republiken der Sowjetun!o;1, wie Ukraine und Weißrußland, wo jüdische Massen- Siedlungen vorhanden sind, eine Bi'ri'rkri'iüigiuig der jiddisehen Volkssprache in Schule, Gericht, Miliz’ und den profcssinncllen Vereinigungen fc'f/irdcllrn ist. Wiewohl diese Politik der Zenlrnliusia11z.cn uiriit auf die Errichtung einer jüdisch-kulturellen Autonomie *hinziclt, so muß der Effekt doch eine Nationah‘־ia1־mg der jüdischen Volksmassen sein. Es existieren gegenwärtig jüdische Sowjets in einer ganzen Anzahl von Ortschaften mit jü tischer M״hrheit, zahlreiche jüdische Schulen, jüdische Geeichte und jüdische Kustarenverbände. Unter ,.Ktrt,׳rcn“ (Vo’kskinjH'rewcrbIcr) versteht der sowjetbtische Sprachgebrauch die kleinen selbständigen Handwerker und Gewerbetreibende, denen seit Jahresfrist Wahlrecht in die Sowjets zugestanden wurde, wodurch sic zahlreiche Erleichterungen auf dem Gebiete der Besteuerung, der staatlichen Förderung ur.w. erlangt haben. Auffallend in diesem Jiddischicrungrprozcssc ist der Widerstand der jiddischen Massen, die in! erzwungenen Besuche von jiddisehen Schulen eine praktische Erschwerung im Kampfe um Eriangung von RcoicrungsanstcIIungcn und Posten bei den Parteiinstanzen befürchten. Aus welchen Gründen die Zentraiinstanzen der Jewsektia diesen Nationalidcningsprozcß begünstigen, ist für den Außenstehenden nicht klar ersiehtlieh. Offenbar soll die Förderung der sprachlichen Minder* hcitsrcchte der Juden in den genannten Sowjetrepubliken, unserer Meinung nach, ein Gcgen״cwi־ht gegen die national!• slercnden Tendenzen der autochthonca Ukrainer und Weißrussen danitcUca, - ־ - י ־ DI« ÖMöberetagSuge des Keren Hsjessod £ I. Vereinigte Staaten - 19 55 El 1.10 2. England 2 490— 3. Polen: Warschau £ 1 952.07.05 Krakau —210.05 ״ Lemberg —M5 ״ 2307.12.05 1־. naitschlaiid 1 6U3.13— 5. Südafrika —(׳ß.k ן 6. Tschechoslowakei S5S.18.05 7. Rumänien: Beßarabien £ 246.17.06 Bukarest 04—195 ״ Bukowina 175.10.06 ״ Transsylvanien .. 151.07.01 768.15.08 8. Aegypten 653.05— 9. Belgien 507.11.10 10. Holland 407.10.01 11. Palästina 320.05.00 12. Lettland 207—.10 13. Litauen 210.17— 14. Marokko 182.11.01 15. Oesterreich 148.09.03 16. Estland 100.—.— 17. Frankreich (Straßburg) 56.10.05 18. Finnland 56.07.0S 10. Chile 50— 20. Danzig 44.01 — 21. Ein7clbcitr;ige 4.05 — 31 ü/tt. 12.04 Vereinigung von Palestinc Expreß Company und Puiesllce Lloyd Ltd. Die ״Paicstine Express Company‘4, deren Aktien siel! im Besitz der Atiglo Palestinc Company befinden, hat sich mit der Gesellschaft ״Palestinc Lloyd Ltd.44 zu einem geineinsamcn Unternehmen vereinigt. Die vereinigten Geseilschäften besitzen bereits Niederlassungen und Vertretungen in j c r 11 s 1 ג c m, Jaffa, T c 1 - A w i w, Haifa, A 1 c x a n - dric'n, Berlin, Paris, Marseille, Kowno, Riga, W arscha u und Danzig. Demnächst wird auch eine Niederlassung in London gegründet, sowie das amerik a n i s c 11 e Geschäft aufgenommen werden. Gegenstand des Unternehmens i;t das Transport-, Passagier- und Touristikgeschäft in allen seinen Zweigen. Die Gesellschaft steht in enger Verbindung mit den zioni :tischen Finanzinslitutrn und genießt die Förderung der Zioni;tischen Weltorganisation. Sie betrachtet es als eine ihrer Hauptaufgaben, die jüdische Touristik nach Palästina und dem nahen Orient zu entwickeln, dc:1 Waren- und Güterverkehr von und nach Pa- 1-istina zu erleichtern und jüdischen Reisenden und Kauflcuton bei ihren Reisen oder Transporten nach allen Ländern der Welt zur Seite zu steilen. Die Vereinigung der Gesellschaften erfolgt in der Weise, daß das Kapital des Palestinc Lloyd entsprechend erhöht und daß die Hälfte der Aktien von der Palestinc Express Company übernommen werden. Dem Board der Gesellschaft werden bekannte Persönlichkeiten angeboren. GcschäfMühreiide Direktoren sind die Herren R. Licht heim, J. Pernikoff und Dr. H. Neu mark. Die Herren Lichtheim um! Neumark haben sielt nach Palästina begeben, um die Neuordnung des Geschäfts dort durchzuführen. Für das kommende Frühjahr sind mehrere Gesellschaftsreisen geplant, worüber demnächst weitere Einzelheiten veröffentlicht werden. Emc neue Pariei in Palästina Vor einiger Zeit wurde in Tcl-Awiw auf Grund der Initiative der Herren Disengoff, Supraski und Jaffe dicOrganisation ״II i t a c 11 d u t ii c s r a chi t h 1 c u m i th'4 (Bürgerliehe nationale Vereinigung) gegründet. Ihr Programm ist u a.: 1. Palästina gehört dem ganzen jüdischen Volk. 2. Die hebräische Sprache und die jüdische Arbeit sind Ziel und Aufgabe des Aufbaus des Volkes und des Landes. 3. Vor- Icidigung der nationalen und bürgerlichen Rechte und Interessen aller Teile des Volkes und des Landes. 4. die palästincnsischc jüdische Bevölkerung ist der wichtigste Faktor im Aufbau des Landes und hat deshalb das Recht der Kritik an allen jüdischen Aktionen und Institutionen in Palästina. 5. Anerkennung des privaten Eigentums und der privaten Wirtschaftsordnung als grundsätzliche Faktoren in dem Lehen der menschlichen Gesellschaft und besonders beim Aufbau unseres Landes, .abgesehen vom nationalen Kanital. das bcsonders wichtige Aufgaben h Palästina 711 crfmlcn hat. 6. Ancrkcnnmig der privaten Initiative, der freien Konkurrenz und der Freiheit des Handels und der Arbeit als wesentliche Gesichtspunkte beim Aufbau Palästinas. 7. Opposition gegen jedes Klassenprivileg, sowohl im ökonomischen wie im gesell• schaftlichcn Lehen. S. Widerstand gegen jede Kla«scnrT־tniur und jeden Versuch von irgend einer Seite des Jischuw aus über diesen und seine Institutionen zu herrschen. Emil Ludwigs Abslammang Wälirend der Id/tcn Berliner Republikskundgebung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hatte der bekannte Sehr!Itsteiler Dr. Emil Ludwig in einer Ansprache auf die aktuelle Gefahr monarchistischer Umsturzversuche iüngewicseii u;1d d;c Mitteilung gemacht, ein Reichsministcr hätte vor etwa einem lahrc auf eine Anfrage bayerischer Monarchisten mitgetei't, die Reichswehr würde nicht *marschieren, wenn Kronprinz Runprecht durch Vcrfassungshriich zum Staatspräsidenten durch einfache Stimmenmehrheit gewählt und darauf zum König erhoben werden würde. Aus der Mitte der Versammlung erschollen Rufe ״Goßlerl44. Reichswchrminister Dr. Geßier hat nunmehr in einer Zuschrift au die Presse die Angaben Dr. Emi! Ludwigs als Verdächtigung hingesteilt und Dr. Ludwig immer ::.:r ״Herrn Emil Ludwig Co hu'4 genannt. Dr? Ludwig hält in einer Zuschrift an die ״Voss Ische Zeitung4׳ eie Behauptiingcn über die erwähnte Stellungnahme des Reir’iswehrmimsters aufrecht und beruft sich auf die Zeugenschaft des Nürnberger Bürgermeisters und Demokraten Dr.’ Luppe. Dr. Emil Ludwig spricht von dem Mißtrauen, das in r’cpubükanhchen Kreisen Dt. Geßier entgegengebracht wird und schließt mit der folgenden Bemerkung: ״Die haitigc Erklärung des mir persönlich unbekannten Herrn Reichswehrministers scheint dieses weitverbreitete Mißtrauen in seine wahren Ucbcr/.cugungcn auch dadurch zu bcstetigen, daß rr offenbar die Lektüre a;11 i s c m i t i s c h 0 r Zeitungen bevorzugt, denn nur aus diesen kann er die Verleumdung übernommen haben, als hätte ich jemals durch Führung eines sogenannten germanischen Namens meine Abkunft verheimlichen wollen. Ich bin ihm dankbar, daß er mir erneut, die Gelegenheit gibt, ־wie schon vor einigen Jahren Öffentlich zu erklären, daß ich der Sohn des Geh. Medizinalrats Dr. mcd. et phil Hermann Cohn, weiland Professors der Augenheilkunde an der Universität Bresl.ru, jedoch durch eine Ministcrialvcrordnung vom ersten Lebensjahre an nur zur Tragung jenes Namens berechtigt bin, unter dem ich schreibe, wodurch mir leider die Ehre entgeht, den Namen zu tragen, den mein Vater weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausgetragen hat/‘

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