Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 90 (17.11.1925)
- Date
- 1925-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ע: ז?3 fcחTTTn יןץיין!, ״־ז 3—1ד־ iL/ÖSD vi:!<f ר־׳ l^r j ג- ~:־־׳n r~1״־ r~j n r uj ■1! H i.AM! LU׳' CA vAc' y A Einzelnummer OJZS Coldmark עד.-•• ••iiaktion und Verlaß W 15. Mcinckcstraße 10, Erscheint jjj; ן jfn Dienstaß und Freitag. Berußspreis bei der Expedition ז ״*jpatlich 1.S5 Goldniark, Vierteljährlich 5,25 Goldmarlc. j 1nn<J>»fl0nn*men^* w״|,,len *n der Wihrun^ der einzelnen Linder berechnet g Kummer 90 Berlin, 17. XL 1925 . tj Telephon: Bismark 7165 — 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Anzeigen-Verwaltung R Kür Or»t<>rrdch: Po»Opart<A״<-n»m! Wien. Konto Nr. 1%0:0. Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Mcinekestr. 10 | lür Tpol«n!'°'0ל.1.ו״חנ!07ח""^ Telephon: Amt Bismarck 7165—70. . 3 Redaktionsschluß Sonntatf und Mittwoch nachmittag. Anzej£anprc!a: 8 £ttpal'_Nonj>4r«iUe1«lla 0,50 G.-M. Stcl\«a£c*ucbuO,25G.-M. Anzeljjcnaehtullj Dian ■tag und 1• reit■!: nachmittag 4 Uhr. ר״ח. ל' מרהשון. תי־פ״ו XXX. Jshr״. ,r Zionismus erstrebt für das jüdische VoSk «SIo Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Pre^fsnm.״ p!e Ischsdä Ina ׳ Meosen Jalire Interview mit S. Kaplanski, Jerusalem jn; vorigen Jahre belief sich das landwirtschaftliche Budget, . jus den Mitteln des Keren Hajessod zu decken war, auf A C. Dieser Betrag war ungenügend, um neben der .;olidierung der alteren Siedlungen auch noch neue ä;;!1״cn zu schaffen. In dieser Erkenntnis hat der XIV. .;,׳;siischc Kongreß das landwirtschaftliche Budget für das;!!de Jahr um mehr als das Doppelte gegenüber dem .!:511r erhöht und hiermit dem Keren Hajessod und der ']ir.tcii jüdischen OcffcntHchkcit die schwere Verpflichtung ■rrli'gt, dieses Budget voll zu decken. Der Vertreter der;ז-ko“ hat sich an den Leiter des landwirtschaftlichen Depar* ■Ais der zionistischen Exekutive, Herrn Ing. S. Kap- 5- י k y, gewandt und ihn um nähere Mitteilungen über r;11״e der zionistischen Kolonisation im nächsten Jahre — Im folgenden geben wir die wichtigsten Dari•-״cn aus den Darlegungen Kaplanskys wieder: i ״Das landwirtschaftliche Departement hat für das laufende 1 : ein Budget von 335000 £ angefordert, das aber vom -greß auf 270000 £ reduziert wurde, d. h. um mehr als •’und ungefähr um den Betrag, der ursprünglich für neue .;ailiing und für die Schaffung neuer Kolonien voran- : ׳-,?{ war. Trotzdem werden wir alle Anstrengungen machen,;ד die wesentlichen Punkte unseres Ansicdlungsprogramms ■;•.!behalten und zu verwirklichen. Unser Programm zerfällt ' drei Teile: Systematischer Ausbau'uer in Angriff genorn- ■ menen zirka 30 neuen Ansicdlungspunktc.;;Beginn der Be w ä s s c ru n gs a r b c i t c n in dem I wasserreicheren Teile des Emck und des Jordantales. I Die Begründung neuer Siedlungen, wobei so- ] wnbl an Siedlungen des Mittelstandes wie an neue j Arbeitersiedlungen gedacht ist wie auch an die Inangriffi rühme der Kolonisation nach dem Plane Dr. Soskins. i Was diesen dritten Punkt unseres Tätigkeitsplaucs, nämlich Schaffung neuer Siedlungen betrifft, so ist cs;;:verständlich, daß die Aufgabe, mit den geringeren Mitteln, '.uns zur Verfügung stehen, jetzt schwieriger sein wird und .:Tempo langsamer; aber um so notwendiger ist cs, daß ::־gstens dieses reduzierte Budget uns regelmäßig und :tg er echt vom Keren Hajessod überwiesen wird. Vorg wollen wir auf keinen einzigen unserer Programm- •!<• verzichten, sondern versuchen, mit den vorhandenen ki einen höchsten Nutzeffekt z.u erreichen. Was die neue M i 11 c I s t a u d s ko I o n i s a t i o n anhem> gehen wir eben;1.11 genau׳• UulorMiehinugcii dieses > ־slrni^. Schon dieser Tage begibt sieh eine Kommission k den bestehenden miUelständischcn Ansiedlungen in der '.oder Städte, und sic wird die Aufgabe haben, die Sied- ,;5־ and Wirtschaftsplänc für diese Siedlungen auszuarbeiten. . 'C Arbeit wird auch von allgemeiner Bedeutung sein, denn p wird versuchen, den neuen Siedlungstvpus in der Nähe ,׳Städte und auf kleinerer Fläche wirtschaftlich zu definieren.;: lütten bisher einen Siedlungstypus, wo wir mit SO bis ׳ Dun.am pro Familie rechneten, und wollen jetzt einen . pa mit 10 Duitam vorscheu. 111 der Nähe der Städte ent-! jetzt eine landwirtschaftliche Kolonisation mit ungefähr Daiiant pro Familie, die aber in der Nähe der Städte : .־s ausgenutzt werden müssen als etwa in Nahalal. ■\ Weiter sollen die finanziellen Verhältnisse und die laue!- i ־haftliche Eignung und Vorbereitung dieser Mittelstands- , ־wate genau geprüft werden. Auf Grund dieser Berichte! 'kn die Sicdhmgsplänc und Kalkulationen gemacht werden, kiß der Kreditbedarf dieser Siedlungen im laufenden Jahre 1•'.׳■'teilt werden kann. Irh hoffe, auch innerhalb dieses ,;׳,:erteil Budgets den Kol״ui:de»söhuen, die sich z. B. in;׳bolh, Neß Ziona und Hcrz.Üa an uns gewendet haben, ' Kredit helfen zu können. : Rsomlcrcs Augenmerk wollen wir auch!!er Ansiedlung Gruppen s c p h a r <1 i s c h c r und orientalischer ';en ziiwenden. Die Bedürfnisse dieser Gruppen, die für -'•irischaftliche Siedlung in Betracht kommen, oder die N Siedlungsversuche unternommen haben, sollen genau ';dt werden. Ich habe noch keinen umfassenden Plan. j’jfig handelt cs sich um kleine Iandsmaiinschafthchc ׳ Ti'cn orientalischer Juden. Ich habe mich bereits mit den;■ח־יזי׳י! der sephardischcn Judeuheit i1׳ PaiäM'in in Vorj Die Hample ia Syrien 'Jerusaleni, 12. November. (J. T. A.) Unmittelbar an ‘ 5,.'■׳nsch-palästincnsischen Grenze, in der Nähe des Berges Aon, fanden heftige Kämpfe zwischen französischen Ton und Drusen statt, aus denen die Drusen siegreich Ai'igcn. Sie besetzten das Dorf ־ H .1 s h r o i y ä am 1;1׳|l’1Kset an der Grenze v o 11 ד a 1 ä s t i 11 a. Nach;*־1•״m wird mitgctcilt, daß die französische Heeresleitung ‘iirkungcn an die syrisch-palästinensische Grenze hat ab- ־, lassen. ’...1־dt Meldungen aus Jerusalem kam es an der W יי ' e von N o r d p a I ä s t i 11 a z u Z w i s c h e 11 f ä 11 c n;,nen syrischen Aufständischen. Eine größere;.;‘d von Drusen versuchte, die Grenze zu über- ';c*tcn, wurde jedoch von den britischen Grenz- -A *urüekgcwicscn. Einige hundert Christen sind vom i {,״on her über die Grenze geflüchtet. . 0:1 Haifa wurden Verstä rk u:1 gen •nach dem Nor- Tntsajidt, um in den Grenzdistrikten <!ic Ruhe aufrecht- ',•*Ile״. Ile Jouvenel nach London eingeladen 10־uclon, |3. November. (Tcl.-Komp.) Die englische 'Crung hat den neuen französischen Oberkommissär für /1י Senator Henry de Jouvenel, cingcladcn, nach zu kommen, um mit Außenminister Cliambcrlal 11 A Kolonicministcr Aincry über die durch die Auf- .c in Syrien geschaffene Lage an der palästi* :"‘,sehen Grenze und die Einwirkung der 6yriscl1cn bir.dung gesetzt, untl hoffe, so ein klares Bild über die Bedürfnisse dieser Elemente zu bekommen. In diese. Linie fallen auch die Pläne, die wir bezüglich der Besserung der Lage der J c m c n i t c n -S i e d 1 c r haben und über die ich in anderem Zusammenhang sprechen werde. Schwieriger ist die Inangriffnahme neuer Arbeiter- Siedlungen. Ich habe dafür 32000 £ verlangt und dabei hatte das Departement vor allem an eine Vorbercitungsaklion für die Ansiedlung gedacht Nun werden wir mir 13 030 £, einen wahrlich geringfügigen Betrag, dafür zur Verfügung haben. Wir wollen versuchen, durch Planmäßigkeit und höchste Sparsamkeit diesen Betrag richtig niisz.umit/en. Nur ein Bruchteil der in Betracht kommenden Aiisicdhingsgruppcu wird angesiedelt werden können, und zwar hauptsächlich auf dem neuen Boden des K. K. L. im Emck Jesrecl, auf dem sogenannten Emck Kischon-BIock. Von in Betracht kommenden 270 Familien werden in diesem Jahre nur HO angesiedelt werden können. Immerhin bedeutet dies einen großen Fortschritt gegen das vorige Jahr, und es ist zu hoffen, daß die Ueberweisungeu des Keren Hajessod uns die volle Erfüllung dieses reduzierten JVogramms gestatten werden. Das vorhandene Geld soll ausschließlich für produktive Zwecke ausgemitzt werden, für Messungen und Parzollicrungen des Bodens, für Tiefpflügen der Gemüse- und P'hiiziingsgärtcu ur.d für Bauten. Bei dieser Verwendung des Betrages ausschließlich für Arbeitszwecke werden die Ansiedler von dieser Arbeit sowie von den Ameliorationsarbeiten, die zugleich der K. K. L. unternehmen wird, sieh ernähren könirn, und so werden wir keine speziellen Aufwendungen für die Erhaltung dieser Menschen machen müssen, die sonst 1>״>- triiehtlich sein müßten, wenn alle künftigen Siedler den noch uieht Ertrag bringenden Boden besetzen wollten. Auf diese Weise erzielen wir eine Planmäßigkeit in der Vorbereitung der Siedlungen, des Boueus und der Menschen bei größter Sparsamkeit in der Verwendung der ('!older. Der Emck Kiscljon-Block, von dem ich eben gesprochen habe, wird in sieben bis acht Sicdhmgspunktc zerfallen, wobei drei landsmannschaftliehe Siedlungen mit eingereelinet sind. Drei dieser Punkte werden Moschwc Owdim sein, darunter einer des fiapocl Hainisrachi und einer eine rumänische landNinaiinschaftlichc Kolonie. Die anderen sind kleine Kwu/oth von 2י bis 10 Famüi-m, darunter auch zwei lnndsmannschaftliche Kolonien, eine von Siedlern aus der Bukowina mul eine von solchen aus Litauen. Daneben wollen wir eine große und s\steina'i :ehe Al.t'on zur wirtschaftlichen Gesundung von zirka 2"A> jemenitischen Familien durchführen,-die bisher aU Häusler mit nur einem Dur,am Land angesiedelt waren, die daher als Arbeiter gehen mußten und deren wirtschaftliche Lage dennoch prekär b'icb Diese Siedlungen sollen nun ausgehaut werden auf Grund eines Bodenanteils von 10 Duuam pro Familie und Gewährung von Bewüsscrungsmöglichkeiten, wo immer sie durchführbar sind. Ob cs möglich sein wird, im Rahmen der' 13 030 C auch noch die im Prinzip beschlossene Anlage des Moschaw Owdim jemenitischer Juden ilureh/nführen, muß vorläufig dahingestellt bleiben. Auf das Gebiet der N'euansiedlur.g aus den Mitteln des Keren Hajessod gehört auch das Soskins ehe Projekt. Darüber kann ich noch nichts Konkretes miitcüen. Herr I)r. Soskin ist derzeit auf einer Studienreise in Polen, um sich über das Menschcnmatcrial näher zu informieren und wird dann auch Deutschland und Italien besuchen, um die neuest■'» Versuche auf!!ein Gebiet des Gemüsebaues zu besiehtiio-n. Wir oriNuiisü-iTii hier bereits jetzt durch unsere Instruktoren eine besondere Gciniiscbaiikaiupagiie, und es werden dabei besondere Anstrengungen gemacht, um überall Versuche auf Düngung und Soitenwahl des geeigneten Gemüses nnz.u* stellen. Die jüdische Oeffeiillichkeit kann 11:1 raus ersehen, wie reichhaltig trotz der beschränkten Mittel, die uns zur Ve.r- . fügung stehen, allein das Programm der Schaffung neuer I Siedlungen im laufenden Jahre aus den Mitteln des Keren Hajessod ist. Wir hoffen, daß im nächsten Jahr ein ent- | sprechendes Budget uns eine noch intensivere Tätigkeit auf i diesem Gebiet erlauben wird.“ Aufstandsbewegung auf die A\ a n d a t s p 0 1 i t i k Frankreich s und Englands zu konferieren. ,,Exzelsior“ meldet, daß Jouvenel der Einladung bald Folge leisten werde und fügt hinzu, die von England angeregte Besprechung werde auch verschiedene Fragen betreffend die bciälcrseitigrj]. Zwischenfälle behandeln, die sich bei Aufh c b u 11 g d e s französischen und d 0 r c n g 1 i s c h e n M a nd a t e i m Orient ereignen könnten. Die Bestätigung dieser Meldung bleibt abzuwarten. Nach einem Telegramm der ״Voss. Zfg.“ erklärte König Faisal von ,Mesopotamien Pressevertreter», daß Frankreich ernstlich in Erwägung ziehe, seinen Bruder Seid als König von Syrien'auszurufen. Erleichterung lür polaisclic ImmigraBten Jerusalem, S. November. fJ.T. A.) Auf Intervention der Zionistischen Exekutive in Palästina wurde in die 1>0stehenden Einwanderuiigsvorschriften ein Zusatz aufgenommen, wonach britische Konsuln in gewissen Ländern die Erinächtigung erhalten, Visa für Palästinawandercr auszufolgcn, ohne vorher beim Einwanderungsamt in Pa- 1 בsti 11 a direkt anfra gen zu müssen. Dem britischen Konsul in Warschau wurde bereits eine solche Vollmacht erteilt, so daß den Paläsiinareiscndcn aus Polen erschwerende Formalitäten erspart bleiben werden. Beutsdie Jaden and Palästina Die C.-V.-Zcilung beschäftigt sich in ihrer Nummer vom 13. November mit unseren Ausführungen vom 3. November über die Stellung des C.-V. ־zu unseren nationalen Aufgaben. Wir hatten dort, wie unsere Leser sich erinnern werden, darauf hingewiesen, da3 der C.-V. die Beteiligung der deutschen Juden am .Palästina- Werk mit Argumenten bekämpft, die in gleicher Weise gegen jede gesamtjüdische Betätigung, insbesondere gegen die Teilnahme an jüdischer Volksarbcit außerhalb Deutschlands erhoben werden können. Wenn also heute das moderne Schlagwort der jüdischen Kolonisation in Rußland von Führern des C.-V. mit Begeisterung aufgegriffen wird, so lag die Vermutung nahe, daß dies hauptsächlich aus dem Grunde geschieht, um ein neues Schlagwort im Kampfe gegen den Zionismus zu haben. Nun wendet sich die C.-V.-Zeitung gegen den Vorwurf eines ״Doppelspieles“ und bemüht sich,־ nachzuweisen, daß zwischen der Kolonisation in Rußland und dem Palastinawerk große Unterschiede bestehen. Sclbstvcrstündlich bestehen diese Unterschiede. Niemand hat sic geleugnet, am allerwenigsten wir Zionisten, die doch stets mit Nachdruck betont haben, daß eine Sache wie die Judcnkolonisation in Rußland nicht im entferntesten gemessen werden kann mit der Bedeutung des Palästina- Werkes. Nicht diesen Unterschied also haben wir hestritten, sondern wir wandten uns gegen die Tatsache, daß der (ä.-V. gerade solche Argumente gegen uns ins lief len führt, die sirhcrlich auch auf die russische Sache angewendet werden können, z. B. Desinteressement an internationalen jüdischen Aufgaben, Horror vor nationalen SicdI11ngstcndcn7.cn, Ablehnung einer Ausfuhr von jüdischem Geld aus Deutschland. Nur in bezug auf diese Punkte haben wir den C.-V. der Inkonsequenz geziehen, und wir taten cs nicht etwa, um ihn zur Revision seines heutigen Standpunktes gegenüber Rußland zu veranlassen, sondern um klar zu inaclu-n, daß diese Einwendungen,• die man in einem Fülle aufgegeben hat, mm auch in dem anderen Falle nicht mehr verwendet werden dürfen. Das muß den Mitgliedern des C.-V. ein für allemal klar sein. Nun aber zur Sache selbst. Die C.-V.-Zeitung begründet das Interesse der deutschen Juden an der rittsischeu Kolonisation folgendermaßen: Erstens sei es Sache jedes warmherzigen Menschenfreundes, das Elend im Osten zu mildern. ״Immer wieder muß betont werden, daß eine wirkliche Linderung des bedauerlichen Schicksals der Ostjuden nur in den Ländern erfolgen kann, wo sic wohnen.“ Zweitens habe das deutsche Judentum ein Interesse daran, zu verhindern, daß im Falle der Wiederholung ״der traurigen Ereignisse von Lemberg mit anderen Namen und in anderen Gegenden“ die Ostjuden ״in großen Scharen über die deutsche Grenze strömen“', dadurch ״die deutsche Wirtschaftslage belasten“' und den ״Judenfeinden bequemen Agitationsstoff liefern“. Drittens wiirden die russischen Kolonien zwar vielleicht einen nationalcu Selbstvcrwaltungskörper bilden, nicht aber de:: Anspruch erheben, der ״zukünftige Jmlenstaat 7u sein“, die ״Wiege einer neu zu schaffenden hebräischen Kulluv“, ein ״Staat, zu dem alle Juden der Welt, ob sie wollen oder nicht, gehören müssen“'. Sie werden ebensowenig wie die Juden in Argentinien behaupten, daß sic das zukünftige Heim des jüdischen Volkes seien. Wir wollen diese Argumente der Reiite nach auf die Tragfähigkeit prüfen. Zu eins: Daß die i agc der Ostjuden nur in ihren gegenwärtigen Wohiil.'indeiu gebessert werden kann, wäre eine neue Erkenntnis. Durch Jahrzehnte galt gerade die entgegengesetzte Anschauung. Mau war sich klar darüber, daß nur die Aus- Wanderung die. Juden aus der russischen Hölle retten könne und die großen Organisationen beschäftigten sich mit der Unterstützung und Organisierung dieser Emigration. Millionen Juden sind nach Amerika gegangen, Hunderttausende aus dem Osten nach Deutschland. Frankreich, England und anderen Ländern. Man suchte in Argentinien 7u kolonisieren. Man kann v;;m Standpunkt des bloßen materiellen Wohlergehens kaum sage!:, daß es diesen Juden schlechter geht als den im 0>ten gebliebenen. Gewiß muß erstrebt werden, die Lage der Juden in den Ostländcrn und ihr Verhältnis zu den umgebenden Völkern zu verbessern. Dies ist das Ziel der jüdischen Volkr.politik, <iio in diesen I.ändern — meist unter zionistischer Führung ■ ־ gemacht wir!!. Aber wir haben bereits genügend Erfahrungen, um /:: wissen, daß solche Verbesserungen der Lage stets nur vorübergehend sind. In dem Augenblick, wo die wirtschaftlichen, nationalen oder politischen Bedürfnisse des Wirtsvolkcs etwas anderes fordern, werden die Juden schonungslos preisgegeben. Die Juden leben in fast allen Ländern der Welt unter schwerem politischen und sozialen Druck. Selbst diejenigen Länder, die vor