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Jüdische Rundschau · 1925-11-10 · Heft 88 (10.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 88 (10.11.1925)
Date
1925-11-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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XI. 1925 | Anzel^cnscblsHi Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. ,ב:ז> u.sa; .ז Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Sasclor Programm.“ כ״ג מרחשון"־ תרפ״ו XXX. Jahr« ■Heribert Samiads < jjj Ergänzung unserer kurzen Meldung in Nr. 86 ver- * «׳-iliclicn wir nachstehend einen ausführlichen Bericht über ßalfour-Dcklarationsfcicr in London:;vm Montag, den 2. November, dem achten Jahrestag ־, ßalfour-Dcklaration, fand in London in der über-;en Kingsway Hall eine große Feier statt. Der Vorsitzende,;קקל-־ד G u e d a 11 a . der Präsident der English Zionist .fcrition, eröffnet die Versammlung mit einer längeren An- Cchc, in welcher er die .Verdienste von Sir Herbert Samuel i:-‘ü und u. a. auch auf die jüngsten Ereignisse in Syrien hin-! ״;, die die Größe der Aufgabe Sir Herberts blitzartig! Cüchten. Der Vorsitzende kündigte an, daß mit dem heu- 1•״Tage die neue Keren Hajcssod-Kampagnc :-England eröffnet wird. England müsse mindestens;;-00O £ im kommenden Jahre aufbringen, j Der Vorsitzende verliest sodann einige cingclaufcnc Bc- *Jungen (siche im Innern des Blattes). Die Ansprachen ' ln einer hebräischen Rede feiert Nahum Sokolow ׳ Herbert Samuel Er weist darauf hin, wie populär der des 2. November bei der gesamten Judcnhcit geworden!•’habe er doch schon als Nationalfeiertag zu;:׳:n begonnen. Sokolow brachte schließlich eine R c s o 1 u - I הס ein, welche den Dank an Herbert Samuel und die An- Nrnniing für seine Leistung als Oberkommissär in Palästina \ drückt und gleichzeitig die Entschlossenheit der Versammden Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte mit i׳:r Kraft zu unterstützen. j Nach Sokolow hielt der Oberrabbiner des britischen; :dies, Dr. Hertz, eine Ansprache, in welcher er in 1 :riger Weise darauf hinwics, daß auch in der englischen!,:enschaft viele bezweifelt haben, ob ein Jude andere Juden gieren kann. Herbert Samuel habe den Beweis erbracht. Er j erte Samuel als jüdischen Staatsmann, der Dauerndes für ,!jüdische Volk geschaffen hat. i Mr. H. S. Q. Henriques, der Vorsitzende des Board Deputies, überbrachte Sir Herbert den Dank und Gruß 1,Ranzen britischen Judenschaft. Samuel habe als eng- . 1er Staatsmann und gleichzeitig als Jude Großartiges ge- :et. Es seien Anzeichen vorhanden, daß Palästina eine 5: ״c Zukunft bcschicden sei. | Sir Robert Waley Cohen, gleichfalls ein prominenter 'V‘‘:htri0Dist, schloß sieb den Worten des Dankes an und . ׳:onte Samuels Verdienste' um die Annäherung der Völker;■ Palästina und seinen erfolgreichen Kampf gegen die ■;׳zdensstörcr. j Die von Sokolow eingebrachte Resolution wurde unter 33 יer Begeisterung zum Beschluß erhoben. \ Sir Herbert Samuels Rede j Mit stürmischem Beifall begrüßt, ergreift Herbert Sa- 3 רcl das Wort. Die Balfour-Dcklaration habe viele Stadien;״!!machen müssen, bis sic zu dem geworden ist; was sic; de bedeutet Sic mußte Paris und San Remo bestehen und 'dann vom Völkerbund bestätigt werden. All diese Gefahren , :sic glücklich überstanden. Sic erhielt auch die Zustimmung | fünf aufeinanderfolgenden loschen Regierungen und wurde ein Bestandteil des; ükcrrcchts. Die britische Politik ist keine sprungidte, weshalb er unter den verschiedensten englischen Re- : jungen High Commissioncr habe sein können. Alle hätten iל die nötige Unterstützung gewährt. Auch Lord Plumcr (:rdc dieselbe Politik fortsetzen. Oer beste Bc- ■! s für das in Palästina Erreichte sei der Umstand, daß die -ihmen der Palästina-Regierung im letzten Jahre einen;Überschuß von einer Vicrtclminion Pfund ergeben haben!'*daß man die Steuern um 20°,0׳ herabsetzen rהntc. Die englische Garnison konnte um vier Fünftel! */kleinert werden, und die Entwicklung läßt erwarten, : ׳ N auch noch weiter wird verkleinert werden können. :11Ausgaben für diese Garnison sind die einzigen, die der ^'61ischc Steuerzahler für Palästina zu tragen bat. | Samuel geht sodann auf die Schilderung der Entwicklung rjüdischen Siedlung in Palästina über. Die jüdische .; ■'blkening habe sich während der letzten fünf Jahre ver- > : ־Ptlt und wächst i i jährlich um 30 <V0 . Nischen Dörfer sind im Aufblühen, Tcl-Awiw zahlte 5000;j'ohncr, als er ins Land kam, jetzt hat cs *1000D Seelen. :;׳Jd schildert dann die Entwicklungen auf allen Gebieten, j ‘Cr bei seiner Abschicdsrcisc i von Dan bis Berseba fatstclleii können. Er spricht von den einzelnen Kolonien ״sodann vom Eraek, wo die Juden eine Million Pfund \,N Austrocknung der Sümpfe ausgegeben und die Kranki ansgerottet haben. Er zollt den Chaluzim das höchste Lob J erwähnt seine Begegnung mit Baron Edmund '111Schild in Sichron Jakob. Wie konnte dies ’ geschaffen werden? — fährt Samuel fort. Drei Um- ,Jc haben dazu in erster Reihe beigetragen: erstens die “2c Politik der englischen Regierung, die j.E!1 Zweifel ließ an dem Entschluß, ihr Wort einzulösen; der Zustrom großer Kapitalien ins Land '5״en <Joch die Juden in den fünf Jahren 7 Millipfund ins Land gebracht. Wie wäre cs denkbar, daß , *Ne Einwohner, des Landes diese Aenderung zum Guten stl1 solltenl Die Araber haben: daraus ähnlichen Nutzen gezogen wie die Juden. Der dritte Umstand ist die gegenüber den Arabern geführte Politik, die sich von Feindschaft und Unterdrückung fcrnhiclt Es ist nicht leicht, ein Heim zu bauen für ein Volk, das noch nicht im Lande ist Auch die Araber haben ebenso wie die Juden ihre Traditionen, ihren Stolz auf eine große Vergangenheit und ilire jahrhundertelange Verbundenheit mit dein palästincnsischen Boden. Dies habe cr berücksichtigt. Die Anwesenheit von 600000 Arabern ist eine Tatsache, die man hinnchmcn muß. Er habe den Weg der Freundschaft und nicht den der Feindschaft gesucht und für die Araber 200 Schulen geschaffen, ebenso von dem Kadooric-VcrmächtnJs jc eine landwirtschaftliche Schule für die Juden und die Araber. Ich habe nie vergessen, ruft Samuel aus, daß die Balfour- Deklaration ebenso die arabischen Interessen sich erstellt, wie sic die Errichtung des jüdischen Heims Vorsicht. Ich sage dies aus vollster Ueberzeugung, ohne mich vor jemandem verantworten zu wollen. Die guten Bc- Ziehungen zu den Arabern sind eine Lcbcnsnotwcndlgkcit. Die öffentliche englische Meinung hätte niemals auch nur die geringste Spur von Unterdrückung geduldet Auch der Völkerbund hätte seine Stimme erhoben. Wie hätten wir vor der Welt dagestanden! Das Judentum hätte sich von diesem Makel niemals reinwaschen können. Nur so war cs möglich, in Palästina Frieden zu schaffen, so daß alles wachsen und blühen kann. Die Zionistische Organisation, die an ihrer Spitze bedeutende Führer mit hohen Staatsmännischen Fähigkeiten, wie Weiziuann und Sokolow, besitzt, hat eingcschcn, daß cs keine andere Politik als diese friedliche geben kann. Es ist besser, daß das jüdische Heim langsam und sicher gebaut wird, als daß es als Prunkbau auf tönernen Füßen ruht, den der geringste Windstoß hinwcgblascn kann. Die Sicherheit der Menschen und ilire Zufriedenheit sind der beste Beweis dafür, daß der Bau Bestand haben wird. Wird mm dieser Bau aus eigenen Kräften bestehen können oder noch lange Hilfe und Unterstützung von außen erhalten müssen? Ja, diese Stütze von draußen darf so rasch nicht aufhören. Sie muß von Jahr zu Jahr wachsen, denn die ganze Welt hcobachtrt, wie die Juden ihr Heim bauen. Die Geschichte stellt über uns und kontrolliert, wie weit unsere schöpferische Kraft reicht. Sicher aber ist, daß die jüdische Siedlung im Lande immer selbständiger wird. Tel-Awiw entwickelt sich zum bedeutendsten Industriczcntrum des Mittleren Ostens. Vieles bleibt noch zu tun übrig. Die Universität ist zwar eröffnet, aber erst in ihren Anfängen. Das Rufenberg-Projekt am Jordan ist noch nicht voll ausgeführt Palästina harrt noch auf einen Hafen. Es bedarf also noch vieler Anstrengungen. Ich erwarte viel von der Jewish Agency. An der Palästina-Arbeit müssen sich alle Juden beteiligen. Die Juden sind von einer großen Aufgabe inspiriert Palästina wird gebaut und wird der Größe der vergangenen Geschlechter gerecht werden und Großes für die Zukunft schaffen. (Stürmischer, lange anhaltender Beifall.) Die Rede Dr. Weizmanns Dr. Wcizinann, stürmisch akklaniiert, dankte Samuel für seine Ansprache. Die fortschreitende Entwicklung Palästinas sei eine Frucht des Friedens und der Ruhe,• die Samuels Verwaltung geschaffen hat Wenn die Mandatskoinmission vor einigen Tagen in Genf die Lage in den Mandatsländern geprüft hat, so mußte sic einschen, daß Palästina viel friedlicher und blühender dastchc als die andern. Der Fortschritt in P a 1 ä s t i 11 a s c 1 a h c r n b 11 ä n g i g von einer geschlossenen jüdischen Front. Die Zionistische Organisation hat ihr möglichste:', getan, um denen, die bisher Nichtzionisten oder sogar Antlzionistcn waren, entgegenzukommen. Die Zionistische Organisation war autrichtig gewillt, mit andern die Rechte, die ihr aus dem Mandat zustchcn, zu teilen, aber sic müssen auch die Pflichten teilen. Nur dann kann die Jewish Agency ins Leben treten. Die Sache ist jetzt vielleicht etwas kompliziert worden, weil gerade in Amerika, wo der Aufbau der Jewish Agency am weitesten gediehen war, dieselben Persönlichkeiten, die daran beteiligt waren, jetzt ein neues Projekt, Juden in Sowjet-Rußland an/.usicdcln, betreiben. Die Zionisten wünschen diesem Projekt allen Erfolg. Aber sic Sehen darin kein Konkurrenzunternehmen für Palästina. Das eine ist eine zeitliche Hilfsaktion, das andere ein Werk für die Ewigkeit. Die Verwaltung Palästinas oder die Mandatarmacht dürfen nicht in Gefahr gebracht werden. Es ist schwer, den Leuten in der Ukraine, die die Schwierigkeiten der Palästinavcrwaltung nicht verstehen können, za sagen, sic mögen geduldig sein. Dieses schwergeprüfte Volk hat in der Geschichte eine fast übermenschliche Geduld gezeigt. Dieses Volk rüttelt an den Türen Palästinas. Ungeduldige Kritiker müßten verstehen, daß wir vielleicht mehr von der Mandatarmacht bekommen ־ konnten, aber auch erheblich weniger. Wir hätten vielleicht schneller gehen können, aber wir hätten auch gänzlich zum Stillstand kommen können. Wir müssen geduldig und vorsichtig sein, denn wir bauen ein Werk der Generationen. Vielleicht wird cs erst nach zwei oder drei Generationen vollendet sein, aber uns ist cs vergönnt, den Grundstein zu legen und wir wollen ihn fest und solid legen, damit die künftige Generation bereits schneller bauen kann. (Stürmischer Beifall.) •׳■■־• Bss neue MdisfsSr ׳ Von J. Lofban, Tel-Awiw* I. Ohne sich viel Gedanken zu machen, bczeichneten manche die gegenwärtige Epoche der gesteigerten Alijah und Arbeit mit einer bekannten mythologischen Floskel als ״Goldenes Zeitalter“. Diese Worte besagen: Vergangenheit. Eine Vorahnung, die gewiß nicht irrig ist, sagt eben, daß der erste Abschnitt der vierten Alijah zusanmicn mit dein wirtschaftlichen Durcheinander und der neuen Ideologie, die sic im Gefolge hatte, seinem Ende zugeht. Nur durch banale Redensarten geängstigte Menschen reden von einer ״Krise“, und begleiten diese Worte mit tiefen Seufzern. Was heute in Erez-Israei vorgeht und was in naher Zukunft vorgehen wird, das ist vielleicht ein Prozeß der Gesundung und der Ernüchterung nach gauklerischcm Traume, der uns, wenn cr fortgesetzt worden wäre, vielleicht noch zu einem wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch geführt hätte, aus dem keine Rettung mehr wäre. Die allzuhohe Fiebertemperatur, die den ganzen palästinensischen Jischuw und die zionistische Bewegung im Galuth in eine Welt von Phantasien und Halluzinationen versetzte, bcginnt allmählich zu fallen. Langsam dämmert die Erkenntnis, und man fängt an, zwischen scheinbaren und wirklichen Werten in ökonomischer und politischer Hinsieht zu unterscheiden. Die Uebergangszeit bringt zweifellos eine merkliche Schwäche mit sich; möglich auch, daß sic nicht ohne Opfer vorbeigeht; aber das ist die Schwere der Genesungszeit, der wir mit Ruhe entgegensehen müssen, damit wir fähig sind, unseren Weg für die Zukunft vorzubereiten. Man brauchte kein Seher oder Prophet zu sein, um von Anfang an vorauszuschcn, was kommen würde. Wer einen Kopf hat, so groß wie der Karmel und einen spnnncnhfigcn Körper, der ist in der Tat ein wunderbares Wesen, das inan ccm Publikum zur Schau stellen sollte, aber normale Lebenskräfte sind in solchem Geschöpfe nicht. Es gibt eiserne Gesetze der Proportion, — wenn man diese mißachtet, dann verliert man das Gleichgewicht und alles gerät ins Wanken. Die übertriebene Konzentration des großen Einwaiidcrungsstrcvmcs in der Stadl, die weder in, noch vor, noch hinter sich eine Basis wirtschaftlicher Produktion hat, die auf erste und echte Quellen zurückgeht, war nicht zum Segen der ökonomischen Entwicklung des Landes und wird cs nicht sein. Keine Klügelei kann hier nützen. Jeder Selbstbetrug und jeder Versuch, dies Problem mit einem Aphorismus abzutun über die besondere Befähigung der Juden, ״die ökonomischen Gesetze zu töten“, wird nur den Trug verschlimmern. Und cs ist ein gefährliclicr Irrtum und nur ein Sichselbstbcmhigcn, wenn jemand außerhalb liegende Faktoren für die heraufdämmernde Krise verantwortlich machen will, etwa die Kürzung der Kredite usw. Die Kürzung der Kredite ist nicht Ursache, sondern Folge der Sachlage. Die Ursache liegt innen. Die Ursache ist, daß die ״Rentabilitat“ dieses ganzen Getriebes, der Investition in Wohnungs-Industrie, Grundstücke u. ä. — außerordentlieh wackelt. Der unbegründete große Optimismus, der die Köpfe verschiedenster Kreise im Zionismus umnebelte, beginnt, zu verfliegen. Schon heute erkennt man die ersten Zeichen der Enttäuschung und des Staunens über die Ruhe, die nach dem großen Sturme herrscht, über die Verlangsamung des Tempos und über die gedämpfte Stimme, die im eigenen Lager ertönt. Das ist der Anfang der Bestürzung, die immer größer werden wird und uns jetzt schon vor sehr schwere Probleme stellt, vor allem vor schwere Probleme auf dem Arbeitsmarkt, und die zu Verwicklungen führen kann. II. Die Grundlagen zu fester Arbeit und normaler Wirtschaft, die von der neuen Alijah im Laufe des vergangenen Jahres geschaffen wurden, sind sehr spärlich und begrenzt. Die landwirtschaftliche Siedlung, die die Mutter aller nationaler Wirtschaft, aller Stetigkeit und Sicherheit Ist, absorbierte im letzten Jahre nur eine sehr geringe Zahl von arbeitenden Siedlern. Auch die Perspektive für das neue Jahr ist klein und begrenzt. Die für die Landwirtschaft budgetierten Gelder des Keren Hajessod wurden in der Hauptsache zur Konsolidierung der bestehenden Wirtschaften bestimmt. Für Neuansicdlung wurden nur unerhebliche Beträge augesetzt, mit denen sich außer kleinen Anfängen und der Fußfassung in ein paar Punkten nichts anfangen läßt. Auch auf die private Ansiedlung entfallen, trotz all des Lärms und des ״Heureka“-Rufens, das sie umgelltc, zu ausreichender Landwirtschaft nur Bruchteile von Prozenten. Der neue Zweig der Landwirtschaft, der Tabak, in dessen Namen man die erste Losung für die neue Alijah ausgab und aus dem man die neue-Quelle einer großen

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