Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 82 (20.10.1925)
- Date
- 1925-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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r לזייד^ו ד-ן נו־ rש 1׳—\ n ן! h!Ai! Einiclr.urrtmcr 0,25 Goldmark ר־״ש r1־ נ ljj cä) [daktioo und Verlag W 15, Mcinckcstraßc 10. Erscheint ß iA Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition ** Anzeigen -V erwaltung tlich 1.85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. § Jüdische Rundschau G.m.b.II.f BcrlinW15, Mcinckcstr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Aazcl jjenprei«: 8 £e!p»lL.NocpjLrcUl«x«ii© 0,50 G.-M. Stcll*n£«1acbc0,25G.-M. Anzeigenschluß: Dienstag und Frcltfcj; nachmittag 4 U b r. -00* i".,!»s<i»*bonDemcnt״ v׳crdea *“ der w״knmg der einzelnen Linder berechnet ' ־' JU״>U«.— Kummer 82 Telephon: Bismark 7165 — 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oc»tenrcich: Poitupnrkaüjcnamt Wien, Konto Nr. 15(1030. FiirTachecboslowakci: F'ostftparka'scnamt Fra!». Konto Nr. 594*0. Für Polen: l'ottsparkasfcnamt Warschau, Konto Nr. 190703. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. I Berlin, 20, X. 1925 ב" מרחשון, חיס״1 XXX. Jahr;״. i,f nonl»n!u« erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In PaiSstlna. ״Baseler Programm.* dum der JewMi Agency ] $jc wir bereits berichtet haben, hat die Zionistische! : .״!isation als' Jewish Agency anläßlich der Tagung der - ' Acuten Mandatskommission des Völkerbundes durch .;Vfiipli Commissioncr von Palästina dein Völkerbunds* " י ttari-'-t ein Memorandum zur Vorlage an die Permanente ■'־jatskommission überreicht, dessen Wortlaut in englischer, - .';ösischcr und hebräischer Sprache uns vorlicgt. 1 . pas Begleitschreiben Dr. Weizmanns lautet: 1 Den 1. September 1925. | Seiner Exzellenz, ] dem High Commissioncr für Palästina, | Jerusalem, Kcgicrungsgcbütule. | Euer Exzellenz! j! jm Namen der Exekutive der Zionistischen Organisation, i im Artikel 4 des Palästiuamandates als Jewish Agency :';;ginnt ist, habe ich die Ehre, darum z.u ersuchen, daß : .beiliegende Memorandum über die Entwicklung : * udischen nationalen Heimstätte in •Palästina in den Jah* 23 21(ין י durch die zuständigen Instanzen dem General*;;;ur des Völkerbundes zur Information der Permanenten ■d.itskommission überreicht wird. 12. Das Memorandum ergänzt bis./nm heutigen Tage Material, welches in einem iimLssciulercn Memornndmn v : denselben Gegenstand enthalten war, das zur ln* I;:!tion der Permanenten Mandatskommission gelegentlich 1 : r fünften Session im Oktober 1024 angefertigt und Eurer j eilen/. Vorgänger unter dem 2'i. November1024 ־ mit! ■: Ersuchen, es dem Völkerbundsrat vorlcgcn zu lassen,; 1 wicht worden war. .17־ ■ J. Die beiden Memoranden gehören zusammen; es ist 1: einigermaßen zweifelhaft, ob ei 1s Memorandum von lur 1021 zur formellen Kenntnis »u r Permanenten Man-; konnnissioii gelaugt ist. Infolgedessen habe ich die ' r, d.rnm zu ersuchen, daß das Memorandum vom Jahre von dem Exemplare beigefügt sind, auf dein richtigen;,־ ebenfalls der Permanenten Mandatskommission unter*; : t wird. 3 1. Fs ist mit Bedauern festzustelien, daß die Permanente ־;:itskoinmission in dem dem Völkerbundsrat im De- ־y.r 1024 erstatteten Bericht gewisse Bemerkun* h ״cmaeht hat, die den in der Berichtsperiode in Pa* .1 נר lingcwandcrieu jüdischen Immigranten nichts weniger ’ Gerechtigkeit ' widerfahren lassen. Diese Bemerkungen ״■■■: erkennen, daß die Kommission, die fraglos die Dinge ״parteilicher Weise darziistellen bestrebt war, über das ■ in dem die Juden zum Wiederaufbau von Palästina ' zur Förderung seines ökonomischen und sozialen Lehens :!!lieh beigetrageu haben, nicht völlig unter- ,■iitet war. Aus »iic'M'm und n״eh anderen Gründen ■j'■ dt das nunmehr überreichte Ergäuzungsmeiuoraudnm י croP.nn Maße weitere Informationen über die in Pa- /~i seit Inkrafttreten des Mandates, insbesondere in den; ei zwölf Monaten, unter zionistischer Leitung dnrehge* 0” ז Aufbauarbeit. ני• Bezüglich Abschnitt (1 des Berichtes, der das Ei- , tiuii g s w c s c n betrifft, häit sich die Exekutive für ,"Gchtet, auf die Tatsache aufmerksam machen zu müssen, *he jüdischen Schulen in Palästina von der Regierung!:11'*י geringfügigen Zuschuß erhalten, der im Jahre י־ י MC 'ר<>0ל «•)der 3 Prozent der au; öffentlichen Mitteln . D/iehung bewilligten Gelder betrug. Die Juden bilden •bärtig El Prozent der Bevölkerung und haben wieder- : darauf gedrungen, daß sie bei der Verteilung der , tr/ichungs/wcckc bestimmten Gelder einen ihrer Zahl , Gehenden Anteil erhalten. Die Exekutive hat die größte . ‘äiie für die Bemühungen der palästinensischen Re- '1m für die nicht jüdische Bevölkerung bessere Er- ,"?^dglkhkciton zu schaffen: es ist aber, wie wohl ׳ werden darf, ungerecht, »laß Einkünfte, die;1:1־־. mrim־n Steuern stammen, fast ausschließlich für die 111lnff ״ud Ejhnltiuig von Schulen verwandt werden, ״nrn die lInB-.rrirhtssprache arabisch ist, während die 1die hebräische״ Schulen au- < igeiicn Mitteln erhalten; ו!ו• Iße Exekutive bedauert, daß ihre diesbezüglichen;,'dlungen bisher ohne praktische Wirkung geblieben! S55: h Du• Ex»:kuli\c möchte ferner die Gelegenheit be- «י1', -ע um auf die letzten. Sätze des Artikels() des --"idiiiaiiun dntes Bezug 7u nehmen, der bestimmt, “1יל '׳״־־' Administration ,.unter der Sicherung, daß die Reclitc 3!C2 . .'Ic Lage anderer Teile der Bevölkerung nicht beeilt-!«.CS G '5'י werden, jüdische Einwanderung unter geeigneten G . p״״gen erleichtern und . . . eine geschlossene An-!:0־.s 'JliS' '7חי Juden auf dem Land»', mit Einschluß der ■ ל'ur öffentliche Zwecke erforderlichen Staatsländereien wk»'■' ’ ^rachländercicn, ermutigen soll.“ Sic sicht sich go; :״n, »laranf hin/.mveisen. daß, obgleich das Mandat 1 . : "'"ןr(|!r sc|,f>n hctr;jcht liehe Zeit . in Kraft ist, Artikel ü ״r«tü . ^'entliehe n u n w׳«i r k s a m geblieben ist. ־' ';ז Die Exekutive erlaubt sich, hinzu/ufügen, daß sic ׳ _^־־־־ |lnvvr1nindertcn Bemühungen Seiner Britischen Majestät - ׳-ליל^ und der Regierung Palästinas, die friedliche l( ■ I u ״ g I* a l ä s t i n a s zu sichern und das Wo h l!r Lj r u n p c n seiner Be w o 11 n c r zu fördern, voll- .. >,.Cn ״. ffrudig anerkennt. Wenn sic sich verpflichtet ל gewisse Beschwerden geltend zu machen, welche sic 1 ";•סל,° pC'’Ögt hielt, so geschieht cs in der Zuversichtt. ״"’■ ,; Lrwartung auf deren baldige Abstellung. fci&L1' יל• ־"J tarnen der Exekutive habe ich die Ehre, darum ' cl,cn, diesen Brief dem Generalsekretär des Völker- ״yUr Information der!,ermanenten Mandatskommission •■.mCI\ ntit dem beigefügten Memorandum sowie dem ״s«u‘ n1;rantJlm1 ,®חיי Oktober 1924 zu überreichen, von dem _:l Urlaube, je 50 Exemplare in englischer, französischer ״2״ (׳chcr Sprache bei/ufügen. :׳l;^ sich die Zionistische Organisation in dieser ^ctihcit an Eure Exzellenz wendet, nimmt sie sich־ dtc Freiheit zu bemerken, daß hier ein Fall vorliegt, auf den die bestehenden Vorschriften iiher das Verfahren nicht ganz, zu passen scheinen. Die vom Völkerbundsrat am 10. September 1924 angenommene Resolution bestimmt nur, daß »1er Rat bei der Eröffnung jeder Sitzung eine Lisie 11er beim Generalsekretär von seiten internationaler Orgauisationen nichtoffi/iellen Charakters eingelaufencn Eingaben vorgelegt erhält. Außer dieser Resolution sind der Zionistischen Organisation nur jene Bestimmungen bekannt, die vom Rat am 29. Januar 1923 betrefleiul ״Petitionen der Einwohner von Mandatsländern“ angenommen worden sind. 10. Es ist zu bemerken, »laß die Bestimmungen sieh »lern Wortlaut nach nur auf Petitionen beziehen. Si»־ sind daher, wi»• es scheint, auf »las gegenwärtig ilureh »lie Zionistisehc Organisation iiberreiehte AU'inoramium, »las — wie clas im Oktober 192-1 iiberreiehte — in erster Reihe dazu bestimmt ist, die Permanente Mandatskommission durch informationen, die ihr auf andere Weise vielleicht nicht leicht zugänglich wären, zu unterstützen, nicht genau anwendbar. Für eine Eingabe dieses Charakters scheint keine ausdrückliche Vorschrift erlassen worden zu sein. 11. Selbst wenn aber eine derartige Eingabe als in den Bereich des in der Resolution vom Januar E)2'J festgelegten Verfahrens gehörend erachtet wird, ist nicht ■völlig klar, auf welchem Wege sie zu überreichen ist. Eingaben von Einwohnern eines Mnmlalslantles sollen an das Völkerhuudssekretariat durch ״»lie betreffende Mamlatsregieriing“ — in diesem Falle also die Regierung von Palästina — gerichtet werden. Das beiliegende McMiiorandum stammt jedoch nicht von einem Teil der Einwohner Palästinas. Es wird überreicht durch di»: Zionistische ־Organisation in ihrer Eigen- Schaft als Jewish Agency, der Artikel •1 »!cs Palästinamandats eine anerkannte Stellung in Angelegenheiten, die »üe Errichtung »!es jüdischen nationalen Heims betreffen, auch zuerkeuut. Auf der anderen Seite aber ist auf diesen E'al! anscheinend nicht »las für Eingaben aus andern (Quellen als von Einwohnern des in Frage stellenden MaiulatsIamieS bestimmte Verfahren ganz anwendbar. Derartig;»: Eingaben siml, wie es scheint, direkt an das Völkeibtuulss»■■kretariat zu riehten. das sie »lein Vorsitzenden der Permanenten Mandatskommjssiou zu überreichen hat. Der Vorsit/end»: hat darauf z.u entscheiden, welche davon wichtig genug sind, um sic zur Kenntnis der ,,Regierung der Mandatsmacht“ — in diesem Falle also Seiner Britischen Majestät Regierung — gelangen zu lassen, ntit der Aussicht, daß si»־ eventuell von der Konimissioit behandelt werden. Dieses Verfahren ist in dem Falle »!es im Oktober 192» überreichten Memorandums beobachtet werden, das direkt an »las Vülk»‘rhun»lssekrctanat gerichtet wurde mit »•inem Hinweis, »laß Kopie davon auch 11 ח Seiner Britischen Majestät Regierung gesandt worden sei. Mau glaubt»; damit, soweit wie möglich dom vom Rat festgelegtcn Verfahren zu entsprechen; »lie Permanente Mamlatskoinmisslon sah sieh jedoch nicht in »1er Lage, von »lern Memorandum offiziell Kenntnis zu nehmen, das, wie behauptet wurde, auf dem Wege iiher »lie Mandatsmacht zu überreichen war. 12. Die Zionistische Organisation wurde informiert, daß im gegenwärtigen z\ugcnblick der beste Weg ist, ihr Memorandum <Ier Regierung von Palästina zur Wciterlcitung au das Vülkerbundssekretariat und weiter an die Permanente Mandatskommission auf dem Wege über Seiner Britischen ״Majestät Regierung in London zu überreichen. Die Zionistische Organisation möchte solche Eingaben der Permanenten Maudntskomniission nicht auf andere Weise als auf dem Wege iiher die Mandatsmacht überreichen. Im Gegenteil erkennt sie vollkommen an. daß dies das geeignetest^ Vorgehen ist. Andererseits ist »lie Zionistische Organisation keine lokale Körperschaft, die für einen Teil der Einwohner des Mandats- Iandes spricht. Das Mandat erkennt sic als Jewish Agency für Palästina an lind betrachtet sie klar als Vertreterin derjenigen luden in allen Teilen der Welt, »lie in gemeinsamem Streben bemüht sind, das jüdische nationale Heim auf/uhaiien. Aus »liesein Grunde viril ergebenst angenommen, daß der geeigneteste Weg für die Uclx'rrciehuug von Memor.1־n»i»־n von der Art der beiliegenden, der Weg über »lie Regierung der Mandatarmaiht, »1. h. Seiner Britischen Majestät Regierung in London, ist. Wie bereits hervorgehoben, könnte sieh eine technische Schwierigkeit auch durch die Tatsache ergehen, daß die entsprechenden Bestimmungen über »las Verfahren sich allein auf Petitionen beziehen. Betreffs beider Punkte wäre die Zionistische Organisation daher dankbar, wenn ihr die zuständigen Autoritäten eine Weisung für ihre zukünftige Haltung erteilen könnten. Ich habe die Ehr»', zu sein Ihr si'hr ergebener (gezeichnet) C h. W c i z in a 1111, Präsident dc־r Zionistischen Organisation. Zum Steiger Proicß Die von uns in der vorigen Nummer gebrachten sensatioucllcn Enthüllungen über den'Fall Steiger haben sich mittlerweile voll bestätigt. Im Ecmbcrgcr Gerichtssaal beleuchtete der Verteidiger Dr. Landau auf Grund der neuesten Meldüngen die Prozeßlage und teilte ferner mit, daß sich der Komplize des eigentlichen Attentäters O 1 s z a n s k i, ein gcwisscr Joseph Bcndcra, vor dem Wiener Polizeipräsidium auch zur Tat bekannt habe. Angesichts dieser veriiiulcrton Sachlage scheint es ausgeschlossen, da ß »1»' r 1111• schuldige Steiger verurteilt werden könnte. Wir werden in der. folgenden Nummer über die Entwicklung dieser Angelegenheit, sow׳cit sic in Berlin spielt, ausführlich berichten. Im Prozeß selbst verstrickten sich einige Zeugen bei ihren /\ussagen in Widersprüche und eine Zeugin wurde sogar wegen Meineides verhaftet. Die Haupthclaslungszcugin Pasternak wurde von der Verteidigung überführt, daß sic ungenaue Angaben, machte. So behauptete sie, daß Steiger die Bombe angeblich aus der Brusttaschc des Mantels gezogen hätte, während der von Steiger am 5. September 1924 getragene Mantel überhaupt keine Brusttaschc hat. (S. auch im Innern des Blattes.) Rundschau Aktions - Conafte — Locarno RW., Berlin, 19. Oktober. In diesen Tagen werden sich in Berlin die Vortreter der Zionistischen Organisation versammeln, Dolegierte aus allen Ländern und aller Gruppierungen. Der Wiener Kongreß wird in Berlin fortgesetzt — allerdings nicht in dem großen Schauspiel eines öffentlich tagenden parlamentarischen Körpers mit all seinen Leidenschaften und der komplizierten Maschinerie, nicht diese große Versammlung, in welcher sicii der Lebenswille des jüdischeu Volkes konzentriert und abrupt entlädt, sondern in d«'r Ruhe und Besonnenheit des Bcratungssaalcs, der die verantwortlichsten Männer der Bewegung mit ihren Erfahrungen und ihren Sorgen umschließt. Das A.-C. bildet eine Art Hauptausschuß des Kongresses. Als solcher ist cs ein Spiegelbild seiner Zusammensetzung, und schon daraus gellt hervor, daß viele Schwierigkeiten, die der' Kongreß bot, iin A.-C. wieder auttauchen werden. Trotzdem ist die ruhige Atmosphäre einer derartigen von Demonstrationen völlig losgelösten Arbeitssitzuug der Lösung solcher Fragen günstiger. Das A.-C. hat diesmal, zum ersten Male in seiner Geschichte, die Aufgabe, eine Exekutive zu wählen. Schon die wenigen Wochen, die seit dein Kongreß verflossen sind, haben gezeigt, daß die Bewegung ein Interregnum nicht mehr verträgt, da sie heute eine tagtägliche Arbeit zu kontrollieren hat, die nicht sich selbst überlassen bleiben darf. Die Wahl der politischen Führer gibt zwar dem Zionismus die repräsentativen Figuren und die legitime Vertretung nach außen: aber dr:< Werk der Verwaltung, der Durchführung der Arbeit in Palästina und im Gahith, erfordert eine kontinuierlich»’ Tätigkeit eines zielbewußt geleiteten Apparates, und solange wir keine Exekutive haben, hängt diese Arbeit in der Luft. Die Exekutivbildung ist kein leichtes Spiel, nicht mir wegen der parlamentarischen Schwierigkeiten, sondern einfach darum, weil cs wenig Menschen der erforderlichen Qualitäten in unseren Reihen gibt. Das ist keine Schande, denn auch bei anderen Völkern dürfte es׳ schwer genug fallen, für solche Acmter vollwertige Repräsentanten zu finden. Die Schwierigkeit der Aufgäbe wird erleichtert, wenn alle Gruppen, ihrer Vcrantwortungvoll bewußt, zu einer aktiven Mitwirkung bereit sind. Die zionistische Arbeit fordert die Zusammenarbeit aller, ungeachtet einzelner Mcinungsdiffcrenzen. Berlin hat in der zionistischen Geschichte eine bestimmte Tradition. Dies war der Boden, auf dem russischer und westlicher Zionismus sieh begegnet haben, hier־ gelang die große geistige Synthese, die das Anfangsstadium der zionistischen Entwicklung absehloß. ln einem bestimmten Sinne wurde so ein Ausgleich be• wirkt, nicht durch Verwischung oder äußere .Anpassung, sondern durch wirkliche geistige Durchdringung der Gegensätze. Vielleicht wird etwas von dieser Tradition über der Berliner A.-C.-Sitzung schweben und einen Ausgleich herbeizufiihrcn helfen, der kein leeres Kornpromiß ist, sondern den Ansatz zu einer fruchtbaren Neuentwicklung in sielt birgt, ln dieser Erwartung bcgrüßen wir unsere Führer, die Mitglieder des A.-C. in Berlin. * Der Abschluß des Vertrages von Locarno hat der europäischen Welt ihr die nächste Zeit die Ruhe wiedergegeben, deren sic so dringend bedarf. Dem Wunsche, daß diese Konferenz kein Abschluß, sondern ein Anfang sei, der •Anfang einer dauernden Annäherung »ier Völker, werden gerade wir Juden uns aufrichtig a:> schließen. Denn der zerstörende Geist des gegenseitige;־. Hasses, der Verachtung oder zumindest doch des voll;- gen Unverständnisses gegenüber allem Fremden und Andersgearteten ist cs, der auch in den Beziehungen der Völker zu den Juden die traurigen Verschärfungen hervorruft, unter denen nicht nur wir, sondern in einem höheren Sinne — des sind wir sicher — auch die Volker leiden. Gerade wir Zionisten, die die Auffassung haben, daß wir Juden ein Volk sind, zwar ein abnormales, durch einzigartiges Schicksal in eine ein/1;.irtige Sinntion gebrachtes Volk, aber doch mit klaren Zeichen psychischer Sonderart und nationalen Zusammenhanges, gerade wir Zionisten, die wir 1ms in voller Ehrlichkeit unserer Sonderart bewußt sind, und uns geg»:n die anderen Völker abgrenzen wollen, gerade wir sind überzeugt, daß eine solche Abgrenzung, die die Vielfarbigkeit der menschlichen Gemeinschaft bejaht, nicht zu einer Zuspitzung der Gegensätze und nicht zu hnrbnrischcm Haß führen darf. Das Verständnis für fremdes Volkstum und fremde Eigenart ist eine Grundbedingung menschlichen Zusammenlebens, wenn nicht der Kampf 1 aller gegen alle die Menschheit vernichten soll. Wir