Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 2 (1933)
- Issue
- 6 = Juni/Juli (7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/10855476-10855470-2653736--127-2691785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
jüdische Rundschau Monatsausgabe Nr. 6, Juni/Juli 1933 m. Deutschjüdische Abgrenzung Im Zusammenhang mit der nationalen Revolution in |v;, Deutschland ist bekanntlich ein Kampf gegen den ״un- ■’״ deutschen Geist", besonders von der Studentenschaft, eingeleilet worden, wobei es zu den Bücherverbrennun gen in Berlin und anderen Städten kam, die in der ganten Welt Aufsehen erregt haben. Der Kampf wider den undeutschen Geist wurde von Anfang an deutlich verknüpft mit dem Kampf gegen die in deutscher Sprache schreibenden Juden. Wenn ein Jude etwas geschrieben * hQt, dann wird es nicht nur als ״undeutsch״ erklärt, sondem als beleidigend für das Deutschtum und vernichtenswert. Diejenigen ■jüdischen Kreise, deren Organ die ,Jüdische Rundschau״ ist, haben niemals geleugnet, daß V:;• ‘ bei der Stellung des schaffenden Juden in der deutschen |;■'■■■:* Kultur ein wirkliches Problem vorliegt. Dieses i Problem wurde unseres Erachtens noch dadurch ver- ־V . schärft, daß assimilatorisch-jüdische Kreise, und insbesondere die Mehrheit der Schriftsteller selbst, das Ju- "׳: denprobUm zu ignorieren versuchten und einen Unterschied zwischen den deutschen Schriftstellern jüdisehen Stammes und nichtjüdischen Stammes nicht anerkennen wollten. Aufrichtige deutsche Nationalisten könnten nichts dagegen einwenden, daß Juden als bewußte Juden Schriftsteller sind, sogar deutsche — oder wenn Der jüdische Dichter deutscher Zunge Von 'Max B r o d. In dem eben vollendeten Roman ״Die Frau, die nicht enttäuscht״ stellt Max Brod die Situation der deutschen Juden dar. wie sie sich 1932 gestaltet hat. Träger der Handlung ist der Dichter Justus Spfra. Aus dem deutschen Kulturkreis ausgeschaltet, flieht er in ein Sanatorium, dort sucht ihn der Direktor seines Verlajgs GeorgHeinrichMeyer \ auf, ein weitblickender Deutscher. Das Folgende ist ' ein Teil des Qesprächs zwischen den beiden Männern. i -: Juatus drängte auf eingreifendere Bereinigung der Streit-!»1® Grunde lasse ich ja auch von allen BeschuldirUjpBBgen, die man gegen die Juden erhebt, .nur eine gelten. Wir *!;.Jtod weder charakterologisch, noch im wirtschaftlichen, noch V künstlerischen oder religiösen Habitus schlechter als die dem. Wir sind auch nicht materialistischer. Unter uns zählt Sie‘Nachfolge Platons nicht weniger Vertreter als unter den «:Ariern.' Wir sind auch durchaus nicht bloß Vermittler, nicht zur Reproduktion begabt, wie man sogar öfters unter Ilten Juden fremde Argumente nachplappem hört, — ein t auf Schöpfer allerobersten Ranges wie Gustav Mahler B<f. Franz Kafka -־־ um nur von der nächst vorangegangenen Generation zu sprechen — müßte jeden eines Besseren be- 1• Das alles also, was die Gegenschriften füllt, gilt nicht, eines gilt: die politische Anklage. Wir mischen ‘:zu sehr in die Angelegenheiten der Völker, unter denen Rieben. Statt uns1 selbst wollen wir die andern erziehen.״ ״Sie giaubcn also — es bandelt sich wohl um die Führer- 'י ln politischen Parteien —״ Meyer setzte immer wieder lg an, heftig gestikulierend. Durch Gesten erzielte er g«n des Partners. Dann nahm! er eine Kolapastille. ״Da Sie also die Juden raushaften, nöch, aus den Par- , , ״?«#*! p^'.'wAu• den Führerstellen jedenfalls. Sie müßten sich sagen, sie als Juden, die unter Deutschen leben und mit ihnen gfttWen,; doch nur in besonderen Glücksfällen auch die irratiopjsfüen Wünsche und Bedürfnisse des deutschen Volkes mitpichwingen können. Diese Einsicht legt Reserve auf. Man wird j|zui» bescheiden ratenden, wohlmeinenden Freuiid. Nie zum I^Praeceptor. Nicht überlegen spotten, nicht behohnlächeln, was $•׳»» nicht ganz versteht, was aus der deutschen Landschaft Udumpf in die Großstädte schallt. Gegen diese selbstverständgliche Forderung der Zurückhaltung, Selbsteinkehr, Distanz irfst öfters gesündigt worden. Und dabei ist es einfach Ueber- L* faebung von uns, wenn wir glauben, Vormünder der andern |$ö(ker spielen zu können, andere zu belehren statt uns selbst, p;»־r ••;was immer das Schwerste bleibt. Ein Beispiel der Tole- |״ranz, 4er Menschlichkeit, der organischen Gerechtigkeit geben giim.eigenen Land — eine andere Lehre von uns wird mit | Recht nicht angenommen! Denn im harten Leben gilt nur die Lehre der Realität, nicht der Worte und gedanklich noch;:?so schöner Konstruktion. Die Deutschen müssen sich als כ J!mit eigenen Kräften zu einem freieren, europäischen, goethejjfefcpftweltbürgerlichen Standpunkt durchkämpfen, — ohne ^unsere geburtshilfliche Mitwirkung. Sie brauchen uns auch nicht dazu; das reden wir uns bloß ein. Die Franzosen (*:׳haben ja ihre große Revolution auch 3hne uns gemacht — t:/ und es ist sehr gut gegangen. Pure Einbildung von uns, daß | die Völker auf uns warten, um ihr Haus richtig zu bestellen, russische Revolution, die zwar nicht unter jüdischer Führung, aber doch teilweise unter jüdischer Beihilfe gemacht wörden ist, kann nicht als Gegenbeweis dienen; denn wahrscheinlich ist gerade infolge des jüdischen Anteils manches pv in ihr zu abstrakt und überspitzt geraten; man muß abwarten, ob und wie es bis Oleiche kommt. Wir Juden müssen wissen: wo wir allzu eifrig mittun, sei es auch mit bestem Willen, mit reinstem Herzen, schaden wir mindestens so viel wie wir ^., .nützen. Ja vielleicht wird sich einem, der die letzten hundert Jahre prüfend überblickt, die Sache überraschenderweise ein-; mal so darstellen, daß die Juden die großen *evolutionären Bewegungen vereitelt haben, indem sie an ihnen zu heftig :beteiligt waren. Dadurch lieferten sie nämlich den Gegnern das stets wirksame Gegenargument, die Bewegungen als »!^»jüdisch״ zu diskreditieren, obwohl diese tatsächlich keinen ^oder, nur sehr losen und entstellten Zusammenhang mit jüdi-?*־achem Gedankengut haften und im Grunde deutsche, eng- Ipsche, russische Volksbewegungen waren. Als solche hätten durchgeführt werden sollen - und dann wohl auch mit!!größerem Glück durchgeführt werden können. ־— Sich von .Sache, deren Gedeihen man wünscht, gerade aus ־־A*|ie für die Sache fernhalten: das ist etwas, was die Diaspora noch lernen müssen. Es ist freilich sehr jeh erkenne sehr wohl, daß es fast widernatürlich man will deutsch-jüdische — Schriftsteller; denn es läge darin keine Gefahr einer ״Verfälschung״ des deutschen Wesens. Unter den deutschen Schriftstellern jüdischen Stammes, die seit Jahrzehnten nicht nur die Judenfrage, sondern speziell auch die Problematik des deutschschreibenden schaffenden Juden erörtern, gehört in die erste Reihe Max Brod, der bereits 1913 in dem Sammelbuch ״Vom Judentum״ einen Aufsatz unter dem Titel ״Der jüdische Dichter deutscher Zunge״ veröffentlicht hat. Max Brod hat soeben einen neuen Roman beendet, in welchem dieses Problem eine Rolle spielt und gibt dem Bruchstück, das er uns zum Vorabdruck zur Verfügung stellt, denselben Titel wie seinem oben erwähnten Aufsatz. Dadurch schon ist die Kontinuiiät der Behandlung des Problems angedeutet. Diese Art der Betrachtung der Dinge ist wahrscheinlich den meisten deutschen Nationalisten unbekannt. Sie sehen immer nur den Juden, der sich als Deuts eher vordrängen will, nicht aber den bewußt als Juden auftretenden jüdischen Schriftsteller. Wir glauben daher, daß gerade das uns von Max Brod gesandte Bruchstück im Anschluß an die mit der Bücherverbrennung zusammenhängende Aktion eine besondere Aktualität besitzt. Red. ist, und jedenfalls frisch zupackenden, begabten, leidenschaftliehen Menschen im Innersten widerstrebt — wie leider so vieles, was unsere anormale Geschichte uns auferlegt.״ Der arme Georg Heinrich hafte schon mehrmals in Spiras Exegese einbrechen wollen. In der Rolle des bloßen Zuhörers fühlte sich der sonst Oesprächbeherrschende gar nicht wohl. Die dicken Hände zuckten vor, als rissen sie an einem Seil, hinter dem Justus ihn festhielt, — die vollen Toten Backen mit dem einen schwärmerischen, dem anderen listigen Auge drin strahlten Hochglanz —, die völlig unregelmäßigen, dünnen, aufwärtsstrebenden Brauen, das Geistigste in diesem runden Gesicht, geradezu flackernd in ihrer unruhigen fragmentarischen Form, rückten noch höher in die Stirn. Spira hielt und hielt ihn gefangen. Jetzt aber konnte er die Explosion nicht länger verhindern. ״Sie reden immer nur vom Politiker, lieber Freund. Sie sind aber doch kein Politiker, Sie sind doch Dichter.“ ״Kein Unterschied. Der eine will führen, der andere verführen. Ich sehe da keinen Unterschied.״ ״Nein, langsam!״ Die beiden Männer liefen gereizt wie Raubtiere in Achterschlingen durchs enge Zimmer umeinander herum. ״Langsam — keine Schlagworte — mit Schlag- Worten klärt man nichts,״ schrie Meyer, ״wir wollen uns den jüdischen Dichter mal genauer ansehen/‘ ״Ja, meinen Sie denn, lieber Herr Meyer, daß ich mir Hin nicht schon recht genau angesehen habe?״ Der Ausbruch, der Ausbruch. Ein Aufschrei war es, ein einziger Aufschrei Spiras das Folgende. Die Bilder an der Wand zitterten. Die Totenkopfmappe und die andere mit den Dokumenten des ihm sinnesverwandten Deutschtums raffte Justus vom Schreibtischchen am Fenster, zitternd hielt er sie dem verblüfften Oast unter die Nase, der natürlich keine Ahnung hatte, was er mit den aus den Bünden zu Boden stürzenden Schriftstücken etwa hätten anfangen sollen. ״Da — da — und doch um mein ganzes Herz. Meinen Sie denn, ich könnte es gleichmütig hinnehmen, was heute geschieht? Ich könnte es ertragen, nicht mehr das Kind vom Hause zu sein? Was hier und heute geschieht, ist ja ein Vorgang schlechterdings ohne Parallele ־־־ ich wüßte wenigstens keine — ich wüßte nicht, daß man jemals Menschen das Recht auf ihre Seelenheimat abgesprochen hätte, die ihnen heilig war. Beschränkung des äußeren Lebens, das hat es immer gegeben, — aber Vertreibung aus der Heimat der Seele? Es ist ja 80, als ob etwa nach der Erklärung Goethes ״das Land der Griechen mit der Seele suchend״ eine griechische Deputation bei ihm erschienen wäre, um ihm laut Volksbeschluß ebenso feier- ]ich wie brüsk mitzuteilen, dazu habe er kein Recht, das Land der Griechen ginge ihn gar nichts an und seine Liebe werde griechischerseits nicht nur nicht erwidert, sie sei überdies lächerlich, ja sie werde als Frevel wider das Oriechentum betrachtet und entsprechend gestraft werden.״ ״Nö nö nö, lieber Freund,״ streichelte Meyer den in einen Sessel Hingesunkenen, ״nu machen Sie aber ׳n Punkt. So heiß wird das ja alles nich gegessen. — Nu woli’n wir mal sehen. Der jüdische Politiker, da möchte ich nich streiten, davon hab׳ ich auch kein׳ Dunst, das geht mich nischt an. Ist nich mein Fach. Aber der Dichter? Da ist ja wohl ein Unterschied, sogar ein sehr großer. Warten Sie, das geht mir im Augenblick auf, das wird mir gleich wieder ganz klar sein. Darüber habe ich mir ja auch schon Öfters meine Gedanken gemacht. Was halt so ein simpler Buchhersteiler für Gedanken haben kann. Also ich meine, — der jüdische Dichter, der deutsch schreibt, spricht ja offensichtlieh nur im eigenen Namen — er schildert sich selbst, seine eigene Sphäre, oder doch alles von dieser Sphäre aus, also aus der eigentümlichen Situation eines Juden, der in die deutsche Kultur hineingeboren, in ihr erzogen wurde, mit allen Fibern sozusagen. So lang er das deutsch-jüdische Mischgebiet schildert, ist doch gar nischt zu wollen, da bewegt er sich ja im eigensten. Das versteht sogar keiner so gut wie er. Und wenn er nun echte deutsche Menschen, deutsche Sitte darstellen will? Hören Se mal, wir wollen jetzt im Verlag den ganzen Proust machen, da9 heißt, wenn das Geld reicht. Fabelhafter Kerl. Der war doch ein Bürger• lieber und ist trotzdem sein Leben lang nicht müde geworden, vom Standpunkt eines bürgerlichen Beobachters aus die ihm völlig fremde Welt des Hochadels zu begucken und zu beschreiben. Und sich dazu. Aber natürlich als Bürgerlicher inmitten dieser anderen Welt. Ein Halbjude soll er ja auch gewesen sein, nebenbei bemerkt. Alles ist ihm so seltsam, oft verschroben, oft wieder höchst bewundernswert vorge« kommen in'dieser fremden Welt, von der er sich aber immer mit Respekt gesagt hat: Oanz verstehen werd׳ ich das nie. So ähnlich stell׳ ich mir das nu bei Ihnen vor. Warum nicht? Distanz — haben Sie selbst gesagt. Merken Se wat? Aus der Distanz sieht man vieles anders, manches vielleicht un« richtiger, manches wieder klarer als der Beteiligte. So sehen Sie uns Deutsche. Und wenn Sie diese Distanz nicht vertuschen wollen, — dann kann ich mit der schärfsten Lupe keine Falschmeldung bei Ihnen entdecken und keinen Uebergriff.“ ״Nicht vertuschen! Sehr gut!״ warf Justus ein, ״ich weiß mich frei davon und manchen andern jüdischen Autor gleichfalls. Andere aber —״ Diese Wendung brach nun allerdings sofort die verheißungsvoll begonnene Begriffserklärung ab, indem sie der hinströmenden Erzählfreude Georg Heinrichs eine neue Chance bot, zugleich aber auch seiner echten Ritterlichkeit und Noblesse: ״Jüdische Mimicry — ich weiß. Aber gibt es nicht auch eine deutsche Mimicry? Wenn die lieben Deutsehen nur mal Gelegenheit zu ihr haben. Haben Sie schon mal Deutschamerikaner deutsch reden gehört? ״Wir haben in Juröp (will sagen: Europa) sehr viel Geld gespendet.״ Gespendet, das ist ״spend״, — Geld ausgegeben! Die ״spenden״ also schon das Geld, wenn sie einkaufen, Und neulich war ich mal in Genf. Auch da mal was fürs deutsche Buch getan. Ein großes Feld. Mit deutschen Beamten im Internationalen Arbeitsamt gesprochen. Die sind noch kein Jahr dort und schon halb und halb französiert. Bei euch Juden dauert der Prozeß der Angleichung an die Gastvölker immerhin bald zweitausend Jahre. Der höhere Sekretär in Genf aber, der mich empfing, ein Deutscher, kokettierte beim Deutschsprechen geradezu mit seinem französischen Akzent, — wissen Sie, so die Silben scharf verdunkeln und im Kontrast scharf herausstoßen. Wie de Marseille, sagt er immerfort, und ich zerbreche mir schon den Kopf, was das bedeutet. Es wiederholt sich unzähligemal in seiner Darlegung. Endlich komme ich darauf. ״Wie dem auch sei״ will er sagen. Und hat das für seinen Zweck so martialisch umgeformt.״ ״Sie sind sehr großmütig, Herr Meyer“, sagte Justus, nicht ganz ohne einen Schein von Ironie, der aber nur aus seiner Verlegenheit und Beschämung entsprang. — ״Ich habe vorhin wohl zu sehr gebrüllt?“ setzte er vorsichtig hinzu. Und nach einer Weile: ״Es kommt höchst selten bei Aussprachen vor,י aber warum sollte es nicht gelegentlich, ausnahmsweise doch einmal Vorkommen: Sie haben mich, lieber Herr Meyer, auf einen neuen Gedanken gebracht, oder da — es ist doch meine ureigenste Angelegenheit, es geht vielmehr — was wichtiger ist — auf eine neue Unterscheidung innerhalb eines Gedankens, Distanz! Der Politiker, der als Jude deutsche Angelegenheiten regieren will, kann diese Distanz nicht halten, sonst hört er eben wahrscheinlich auf, ein politischer Führer zu sein. Es wäre ein Widerspruch in sich selbst. Wer handelt, muß sich zur Gänze in sein Handein mit hineinwerfen. Anders der Betrachtende. Der Dichter kann sich den Luxus der Distanz leisten. Und er soll’s wohl auch. Ich will ja durchaus nicht verleugnen, daß ich als Jude, als deutscher Jude deutsches Leben betrachte, — habe das auch nie verleugnet. Daß das der Stammesdeutsche in manchen Punkten besser versteht, so nah etwa wie nur Hamsun das Norwegische verstehen kann, das streite ich auch nicht ab. Bleibt immer noch Arbeit genug für mich — meine eigene Problematik und die meiner Stammesgenossen, dann das deutsche Wesen und alles Menschliche, nur eben gesehen von diesem besonderen Blickpunkt aus. Es ließe sich vielleicht alles auf den sehr einfachen Grundsatz der Ehrliehkeit zurückführen, der für den jüdischen Dichter deutscher Zunge gilt — ״Für jeden Dichter,״ verwies ihm Meyer väterlich. ״Gut, für jeden. Nur ist keinem die Gefahr so nahe wie uns. Uns sollte man täglich, ehe wir uns zum Schreibtisch setzen, zuTufen — vielleicht per Grammophonplatte: Memento! Ein Schuft ist, wer mehr gibt, als er hat.״ ״Das stimmt. Aber Sie haben doch wat! Na also, Spira.“ Ein Tatzenschlag auf die Schulter. ״Immer 's Panier hoch, wie ein guter Freund und Verlagskollege sagt.“ Mussolini über Zionismus Vor einiger Zeit hat Mussolini dem europäischen Korrespondenten der amerikanisch-jüdischen Zeitung ״The Je* wish Exponent“ (Philadelphia) ein Interview über jüdische Fragen gewährt, das in der betreffenden Zeitung veröffentlicht war. In diesem Interview, das von dem amerikaniöffentlicht war. Mussolini ist ein entschiedener G e gner des Antisemitismus und erklärt, daß er religiöse oder Rassen-Unterschiede in der Bevölkerung Italiens nicht zu machen wünscht. Die Juden nehmen in Italien, vollen Anteil an allen öffentlichen Angelegenheiten und spielen auch in der faschistischen Partei eine Rolle. In Italien gebe es kein Judenproblem. Besonders interessant sind die Aeußerungen des Duce über den Zionismus. Der Interviewer fragt: ״Sind Sie über die zionistischen Bestrebungen irgendwie informiert?“ Mussolini: ״Ja, sehr gut. Der palästinensische Zeitungsherausgeber Ben Avi (Herausgeber der ״Doar Hajom“ —־ Red. ״J. R.“) hat mich Öfters besucht und wir haben dann ganze Stunden im Gespräch über den Zionismus verbracht. Ich habe mich aufrichtig über alle Nachrichten gefreut, die ich über das Fortschreiten des jüdischen Palästma-Aufbaus bekam. Wenn ich mich nicht irre, war die italienische Regierung überhaupt eine der allerersten, die ihre Sympathien für dies Werk öffentlich zum Ausdruck brachte. Und erst vor kurzem habe ich irgendwo gelesen, daß sogar schon Theodor Herzl, als seine Bewegung noch in den Kinderschuhen steckte, am freundlichsten von unserem italienisehen König empfangen und angehört wurde. Ueberdies bin ich wirklich rein menschlich befreundet mit dem jetzigen Führer der Bewegung, Dr. Weizmann, einem ganz außerordentlich begabten Diplomaten, der auch, wenn ich recht orientiert bin, die ihm gebührende Verehrung bei den hiesigen Juden genießt. Ueberhaupt müssen Sie wissen, daß wir hier in Italien und im Faschismus ganz speziell geradezu zu einer bewundernden Haltung gegenüber dem Palästinawerk genötigt sind. Eine solche Aufbauarbeit, die mit geeintem Willen von einer Masse aus nationalen Gründen geleistet wird und niemandem etwas zu Leide tut, alle bestehenden Gesetze respektiert, — hat von vornherein unsere Sympathien. Ich persönlich glaube auch, daß sie viel zur Völkerversöhnung jm allgemeinen beitragen kann.“ Mussolini fragte dann nach der Beteiligung amerikanischer Juden an der Palästina-Siedlung und schloß: ״Ja, — es ist eine große Aufgabe. Durchaus der Anwendung von amerikanischer Kraft- und Energiefülle wert. Die vermögenden amerikanischen Juden könnten mehr als irgendwer sonst für die Sache leisten.“ Redakteur: Dr. Georg Landeear» Berlin-Sehoneberg. Verleg: Jftdie&e Rundschau G. au b. R, Berlin W15. Druck von Siegfried Scholen», Berlin - Schoneberg. : י,',,'׳ ■־•'