Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 2 (1933)
- Issue
- 5 = Mai/Juni (6.1933)
- Date
- 1933-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 5, Mai/Juni 1933 ^'־ Diese׳ Ueberlegung־ führt uns aber mitten hinein in / .eine noch vtel \j|nfassendere Problematik des heutigen ^tropSiachen Lebens. Gerade in Deutschland beschäftigt min sich jetzt sehr intensiv mit diesen Oedanken und im Anschluß an die Pflingsttagung des ״Vereins für das, Deutschtum im Ausland“ ist sie von der Presse . ausführlich beleuchtet worden. Es handelt sich um die Beziehung von Volkstum und Staat, um die Grenzen des Nationalstaates. Eine so elementare Bewegung wie der Nationalsozialismus, die zudem auf völkischen Anschauungen beruht, stellt auch den Volkstumsge danken an die oberste Stelle. Hierbei wird aber sofort bewußt, daß Volkszusammenhang nicht immer gleichzeitig auch politischer Zusammenhang sein kann; dagegen gilt umgekehrt, daß infolge territorialer und politischer Zusammengehörigkeit auch verschieden •völ- Irische Gruppen zu einer politischen Einheit werden. Wir leben z. B. heute in einer aktuellen Zuspitzung eines Konfliktes zwischen zwei Teilen des deutschen Volkes; noch• deutlicher wird die politische Trennung im Falle geographisch entfernterer Minderheiten, also etwa der Deutschen in Ungarn oder Rumänien. Diese deutschen Oruppen müssen selbstverständlich ihrem Staate (also z. B. Ungarn oder Rumänien) die Treue halten und fordern mit Recht volle Gleichberechtigung als Bürger; zugleich aber halten sie fest an ihrem deutschen Kulturgut, nehmen ehrenvollen Anteil an Tagungen, die das ganze deutsche Volkstum repräsentieren, und erheben ,Anspruch auf freie deutsche Betätigung. Wenn das Deutschtum in irgendeinem Lande beschimpft würde, würden alle Deutschen überall spontan dagegen reagieren. Die Lage der Juden kann mit der der deutschen Minderheiten nicht restlos verglichen werden. Es gibt hier sehr wesentliche Unterschiede; aber gemeinsam ist das allgemein Grundsätzliche, das in jedem speziellen Fall, je nach den speziellen Bedingungen, einer besonderen An- Wendung bedarf. Aber auch für die Juden gilt ebenso wie für die Deutschen eine entsprechende Gliederung ihrer Gruppenzugehörigkeit und ihres Pflichtenkreises. Die Juden sind mit dem Staat, in dem sie leben, poli- :-.tjbch unlösbar verbunden, und teilen sein Schicksal, ungeachtet ihrer Zugehörigkeit zu dem jüdischen Lebenskreis, der ihr Gruppenwesen auch innerhalb des Staates bestimmt. Daraus ergibt sich aber noch ein anderer sehr wichtäger Gesichtspunkt. Man hat in der letzten Zeit häufig in der deutschen Presse den Juden ihre allweit־ liehe Verbundenheit zum Vorwurf gemacht. Auch in dem erwähnten Artikel des ״Völkischen Beobachters“ vom 10. Juni heißt es, nachdem vorher von der Mäßigung der SA. und SS. gegenüber dem Judentum die Siede war: " ״Nichtsdestoweniger erhalten wir täglich Nachrichten von offenen Boykotterklärungen, geheimen Boykottorgaoisa- :v fronen, Verrat deutscher Finnen durch ihre jüdischen Vir- treter an die ausländische Konkurrenz, so daß die anti- , jüdische Gesinnung in stärkstem Maße heute fast das ganze deutsche Volk erfaßt hat. Denn durch diese Arbeit י gegen Deutschland liefern die Juden in New York, London, 'יי-;/Amsterdam, Paris, Prag usw. ja selbst den Beweis für ihre internationale politische Geschlossenheit/‘ Die antijtidische Haltung des Nationalsozialismus ist ״ nicht durch antideutsche Arbeit der Auslandsjuden verursacht worden, sondern umgekehrt. Wenn ausländische Juden auf die aus Deutschland kommenden Nachrichten .reagieren, so handelt es sich in den meisten Fällen um Aufwallungendes Gefühls, die jedem Deutsehen verständlich sein müssen, der an dem Wohlergehen der Deutschen in Siebenbürgen und Lettland gefühlsmäßigen Anteil nimmt. Dazu bedarf es keiner politischen Organisation, die nicht existiert. Wo sich offizielle jüdisehe Instanzen im Ausland mit der antideutschen Boykott-Aktion befaßt haben, haben sie in den meisten Fällen (es gibt natürlich auch Gegenbeispiele) mäßigend r «!»gewirkt. Im übrigen ist eine Beeinflussung solcher Aktionen schon darum unmöglich, weil es eben keine ־ zentrale Stelle gibt. Wenn aber in dem Artikel des ״Völkischen Beobachters“ auch vom Zionismus, von der ״Internationale Zion“ und von den Zionistenkon- ■J gressen die Rede ist, so ist hier ein offenes Wort der 7 Aufklärung unbedingt erforderlich. Der Sinn des Zionismus ist genau der g e g e n t e i - lige als der ״Völkische Beobachter“ vermutet. Der Zionismus anerkennt die Existenz der Judenfrage und will sie in einer großzügigen, konstruktiven Welse lösen. Er will hierfür die Mithilfe aller Völker gewinnen, der judenfreundlichen ebenso wie der judenfelndlichen, weil es sich nach seiner Auffassung hier nicht um Sentimentalitäten, sondern um ein , reales Problem handelt, an dessen Lösung alle Völker interessiert sind. Wenn daher einzelne Juden in den verschiedensten Ländern auf eine Manifestation der Judenfrage durch kleinliche Racheakte oder Boykott-Propaganda reagieren, so ist dies durchaus ״unzionistisch“ gedacht Der Zionismus als Welt- Bewegung sucht keine Kämpfe solcher Art, er will überhaupt nicht bekämpfen, sondern überzeugen und a u f b a u e n. Und gerade der deutsche Nationalsozialismus braucht wohl nicht erst lange überzeugt zu werden, daß es eine Judenfrage gibt und daß sie der Lösung bedarf. Der Zionismus weist auch den einzigen Weg aus der heutigen Sackgasse; nicht nur in dem Sinne, wie es soeben erst ein objektiver Außenstehender, der Schwede /ProL,Böök, dargelegt hat, sondern auch in praktischen üFragent So ist z. B. von zionistischer Seite vorgeschlagen Worden, daß bei der Auswanderung deutscher Juden nach Palästina die Ueberführung von Vermögenswerten ohne Gefährdung der deutsehen Devisenlage durch Lieferung von Maschinen, Waren usw. erfolgt. Das Zustandekommen einer solchen Vereinbarung wäre von weit größerer Tragweite als es zunächst scheint; denn nicht nur würde der deutschen lndustrle eine nicht zu verachtende Beschäftigung gegeben, sondern die Tatsache eines solchen Abkonimens würde zweifellos auf die gesamte Judenheit nachhaltig wirken. Angesichts der gegen deutsche Waren getriebenen Boykott-Agitation wäre die Maßregel, daß im gegenseitigen Einvernehmen ein Export deutscher Waren durch eine autoritative jüdisehe Stelle organisiert wird, ein Ereignis, das den Ausgangspunkt einer Neuorientierung in den Wirtschaftsbeziehungen bilden könnte. Auch in dieser Beziehung bietet also der Zionismus eine p o s 1 - tive Lösung dar, die sicherlich dem deutschen Interesse entspricht Durch den Abschluß des Viererpaktes wurde eine Beruhigung der internationalen Atmo- Sphäre herbeigeführt. Die deutsche Regierung ist so stark, daß sie in weit höherem Maße als jede frühere deutsche Regierung internationale Abmachungen treffen kann. Sie hat bereits gezeigt, daß sie dies in einem Geist der Versöhnlichkeit zu tun wünscht. In der gleichen Weise müßte nun das Judenproblem in Deutschland in Angriff genommen werden. Die Völker stehen heute — im Zeichen der Weltwirtschaftskonferenz — vor gewaltigen Aufgaben eines Neuaufbaus. Anläßlich der Rede Dr. Schachts vor den Auslandsgläubigern schrieb die Londoner ״Times“ in ihrem Handelsblatt, die ausländischen Gläubiger hätten für Deutschlands Notlage volles Verständnis; man erwarte jedoch, daß die deutschen Behörden ihre Aktion (Transfer-Moratorium) auf das unbedingt Notwendige beschränken und daß sie zweitens alle Schritte unterlassen, die den deutsehen Export beeinträchtigen, z. B. die antisemitische Agitation. Wir glauben, daß die deutsche Regierung die Möglichkeit hat, darüber hinaus durch eine k 0 n - struktive Regelung der Judenfrage trotz all der angesammelten Affekte eine von Grund auf neue Situation zu schaffen. Es handelt sich nach unserer Meinung dabei nicht um einen Rückfall in Anschauungen, die durch die nationale Revolution überwunden wurden, sondern um ein Vorwärtsgehen zu neuen Zielen. Hierbei zu helfen, ist der größte Dienst, den die Juden dem neuen Deutschland leisten können. (״Jüdische Rundschau“ vom 13. Juni 1933.) Zar Lage in Oesterreich Wie immer man die politischen Hintergründe des deutschösterreichischen Konfliktes beurteilen mag, mit jüdischen Angelegenheiten haben sie gewiß nichts zu tun. Die Christlich-soziale Partei, die in Oesterreich herrscht, ist im Zeichen des Antisemitismus groß geworden. Dennoch schreibt der ״Völkische Beobachter“ in seinem Leitartikel vom 13. Juni über die österreichischen Verhältnisse: ״Es scheint sogar, daß die christlichsoziale Regierung, die einst von dem großen Bürgermeister Wiens, Lueger, zu einer antisemitischen Partei gemacht wurde, nunmehr vollkommen unter alljüdischem Einfluß zugunsten dunkler Habsburgischer Pläne arbeitet.“ Der ״Völkische Beobachter“ nimmt hier ohne weiteres an, daß die Gemeinsamkeit des Antisemitismus eine so starke Verbindung schaffen müsse, daß alle anderen politischen und geistigen Unterschiede demgegenüber verblassen müßten. Es müßte doch bekannt sein, daß die Christlichsozialen die prominenten Vertreter der sogenannten ״österreichischen“ Tradition sind und zum großen Teil legitimistisch denken. Die Pläne zur Restauration der Habsburger, die jetzt häufig in verschiedenen Zeitungen als ״jüdisch“ bezeichnet werden, haben mit dem Judentum ebenso wenig zu tun wie der siebenjährige Krieg oder der Krieg von 1866. Im Interesse der geschichtlichen Bildung und des politischen Urteils des deutsehen Volkes sollte man vermeiden, durch Berufung auf die Juden den Blick für die wirklichen schwierigen politischen Tatbestände zu verdunkeln. Wieio ״Weiser von Zion" —? Unter dem Titel ״Ein Weiser von Zion im T a g e s 1 i c h t“ bringt der ״Völkische Beobachter“ vom 6. Juni einen Bericht aus Washington über die Sitzung des Morgan-Untersuchungsausschusses. In den Bericht werden die Zeugenaussagen über einige der bekannten Transaktionen Morgans wiedergegeben. Kein einziger Jude wird in dem Artikel genannt. Der Leser fragt sich vergeblich: Wo ist der ״Weise von Zion“? Denn bisher hat man mit diesem Namen nur Juden belegt. Umsonst, die Frage wird nie beantwortet. Es ist ja auch überflüssig, denn der Durchschnittsleser, dessen Psychologie dem Verfasser der Ueberschrift vertraut ist, liest entweder nur die Ueberschrift, oder aber er nimmt als selbstverständlich an, Morgan sei Jude. In Wahrheit ist der Fall Morgan ein geeignetes Gegenbei spiel ebenso wie vor einigen Jahren der Fall Ivar Kreuger. Wir haben bisher zu dieser Sache geschwiegen, weil wir es für u n f a i r halten, bei Korruptionsskandalen und ähnliehen Sumpfblüten der modernen kapitalistischen Welt die Volks- ’und Rassenzugehörigkeit der Beteiligten zu unter■ suchen und das betreffende Volk oder die Rasse gar für die Verbrechen oder Inkorrektheiten ihrer Angehörigen verantwörtlich zu machen. Der Fall Morgan zeigt einen Finanz- Skandal größten Ausmaßes, bei dem nur reine Arier beteiligt sind. Aber wenn man nun kommt und von ״Weisen von Zion“ spricht, dann müssen wir Einspruch erheben. Denn es entsteht dann der Anschein, als ob es gar nicht auf die wirklichen Tatsachen ankäme, sondern daß Diffamierung des Judentums um jeden Preis erstrebt wird, auch dort, wo gar kein realer Anhaltspunkt vorhanden ist. Die für den ״V. B.“ verantwortlichen Stellen werden gewiß einsehen, daß mit dieser Methode zwar Leidenschäften erregt, aber niemals eine Klärung erzielt werden kann. MacDonald zur Judenfrage Eröffnung der Anglo *Pal&stina ~ Ausstellung London, 7. Juni. (J. T. A.) Die Eröffnung der Artglo- Palästina-Ausstellung am Nachmittag des 7. Juni gestaltete sich zu einer imposanten Manifestation. Primeminister MacDonald hielt die Eröffnungsrede. Es Ist mir eine besondere Freude, führte Minister- Präsident MacDonald aus, an diesem Nachmittage hier zu weilen. Ich möchte betonen, daß meine Genugtuung, mit Jüdischem Werk verbunden zu sein, mit darin begründet Ist, daß ich damit meinen Tribut der Anerkennung für den großen Dienst darbringen kann, den das jüdische Volk dem Fortschritt von Wissenschaft, Kunst und Politik, dem Fortschritt der Kultur Im allgemeinen, geleistet hat. Außerdem erfüllt mich die Freude, Palästina gewissermaßen nochmals besuchen zu können und vieles von dem zu sehen, dessen Anfänge Ich einst gesehen habe. Ais ich In Palästina war, standen Sie am Anfang Ihres großen Werkes, des Aufbaus eines Heims. Ich habe Euch beim Straßenbau gesehen; Ich sah Vertreter der besten Intelligenzschichten des Judentums, den Hammer in der Hand, Steinklumpen vor sich, arbeitend wie Taglöhner, well sie Juden waren und an das Ideal des jüdischen Heims glaubten, well sie im Dienst eines großen Gedankens standen und den Grund zu diesem Heim legten. An den Hängen Gilboas kam ich durch ein Zeltlager, ln dem Leute untergebracht waren, die Oelbaumpflanzungen anlegten. Ich fragte einen von Ihnen nach seinem Beruf. Er sagte, er sei Zahnarzt. Ein zweiter, an den Ich dieselbe Frage richtete, sagte, er sei Arzt, ein dritter Lehrer. Alle waren sie von dem herrlichen Geist des Opfermuts für ein Ideal entflammt. So lange Ihr aus solchem Stoff gemacht seid, meine iüdischen Freunde, rief MacDonald aus, könnt Ihr Aechtungen und Verfolgungen ertragen und dennoch gedeihen! Sie und ich, fuhr der Ministerpräsident fort, haben etwas sehr Wichtiges, vielleicht Entscheidendes gemeinsam: unsere religiöse Grundlage. Ich wurde in höherem Maße als ein Engländer Im allgemeinen im Geist des Alten Testaments erzogen. Man lehrte mich, daß in einer bestimmten Zelt eine neue Vergebung der Sünden erfolgte, aber wenn ich auf meine presbyterlanlschen Vorfahren zurückblicke, auf John Knox und die übrigen, so sehe Ich, daß die Furcht Gottes sie vom Frevel freimachte und daß seine Verheißungen ihnen Lebensmut gaben; eine Denkungsart, die mehr dem Alten als dem Neuen Testament entspricht. Dies brachte ich mit, als Ich nach Palästina kam. Ich kam als ״Tourist“ und war doch mehr als das. Wenn ich fragte: Ist dies die Ebene Saron, sind dort die Berge von Judäa, ist dies hier Jerusalem?, 80 fragte ich dies nicht wie ein Vergnügungsreisender, sondern wie ein Pilger, der Ins wahre Heilige Land gekommen war, um mit den Wurzeln seiner Seele, seines religiösen Seins, Berührung zu finden. Ich sah Eure Arbeiten, Eure Eisenbahnen und Straßen, und als ich letzt durch die Straßen dieser Ausstellung schritt, kam mir die Erinnerung an jene anderen, und ich bringe Euch meine herzlichen Glückwünsche dar. Palästina hat heute weniger als irgendein anderes Land eine Arbeitslosenfrage. Sie haben ihr Budget ins Gleichgewicht gebracht. Wie ist Ihnen dies gelungen? Muß ich erst diese Frage stellen? Kann heute überhaupt irgend Jemand, der nicht Jude oder Schotte ist, sein Budget ins Gleichgewicht bringen? Ich sah die erste Urbarmachung des Bodens in den ersten Kolonien, Kolonien, die heute hier nicht mehr nur als eine große Deklaration von Zuversicht und Hingabe figurieren, sondern auch durch die Früchte harter Arbeit und eines reichen Bodens vertreten sind. Schreiten Sie fort In Ihrer erfolgreichen Arbeit. Ich hoffe, Sie werden Ihren Enthusiasmus für ein groß«8 Ideal nicht ver- Heren. Ich hoffe, Sie werden weiter bereit sein, Körper und Geist in den Dienst des Aufbaus eines schöneren Heimatlandes zu stellen. Und wenn ich an die Engländer, Schotten und Waliser, die hier zugegen sind, einen Appell richten soll, so möchte ich sagen: Gehet nach Palästina! Gehet dahin, hinauf nach Nazareth, jene herrliche Straße entlang, an der jede Stelle von großen Erinnerungen spricht. Gehet durch jene wunderschönen Dörfer, deren jedes geheiligte Gedankenverbindungen wachruft! Gehet nach Nazareth und Tiberlas, und |e weiter Ihr kommen werdet, um so mehr werdet Ihr den Drang fühlen, die Schuhe von den Füßen zu ziehen, denn Ihr tretet heiligen Boden. Es ist sehr schön, in Kirche und Kapelle zu sitzen und über all dies predigen zu hören; aber weit besser ist es, den Boden unter den eigenen Füßen zu fühlen. Heute, wo Reisen so billig und der Sinn für Reisen erfreulicherweise so verbreitet Ist, wohin könnte man eher reisen als nach Jerusalem und nach Palästina, um dort das Leben zu erfahren, das unserem Sein zugrunde liegt. Nach all dem aber sind wir auch Realisten, denn im Ideal ist das Praktische mit beschlossen. Vom kommerzielten GesLhtspunkt ist die Entwicklung Palästinas, die Sie durchführen, von höchster Bedeutung, ich möchte Ihnen auch sagen, wie sehr Ich mit dem Teil der Rede Lord Readings einverstanden bin, in dem er von Zusammenarbeit mit den Arabern sprach. Dies ist der Weg, der Ihnen und den Arabern zum Segen gereichen wird. Hört nicht auf die, die versuchen, Euch uneinig zu machen. Die Zukunft Palästinas wird auf gesunder, loyaler und verständnisvoller Zusammenarbeit beruhen. Sie haben auch Klagen gegenüber der Regierung. Auch ich habe solche Klagen. Es ist das Schicksal von Regierungen, allzu rasch vorwärtsdrängende Menschen zu enttäuschen. Sir Herbert Samuel weiß das. (Anspielung auf Samuels umkämpfte Politik als erster High Commissioner für Palästina ־— A. d. Red.) Aber ohne Regierung hätten Sie heute kein ins Gleichgewicht gebrachtes Budget und wären nicht frei von Arbeitslosigkeit. Das Problem Palästina ist ein außerordent- Hch schwieriges. Es ist ein Problem von Siedlung, Entwicklung und Einwanderung, eines der schwersten Probleme, dessen Lösung von Irgendeiner Regierung verlangt werden kann. Setzen Sie Ihr Drängen und Fordern fort; wir wollen nach Kräften bestrebt sein, Sie zufriedenzustellen. Es gereicht mir zur besonderen Freude, diese Ausstellung als eröffnet zu erklären. (״Jüdische Rundschau“ vom 9. Juni 1933.)