Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 2 (1933)
- Issue
- 3 = März/Aprl (4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wmm J0DIS C H E R U N DÖCHAU Monätsausgabe Nr. 3, März/April 1933 |pp Ungerechte Beschuldigungen ■0?־:־/$יUnter•der sensationellen Ueberschrlft ״Das Juden- |^#ום1'הו1ו Ausland ruft 2um Mord auf״,‘ veröffentlicht der ״Völkische Beobachter‘״ vom 16. d. M. jdbien aus Washington datierten Artikel, worin die Bel^auptung aufgestellt wird, ״die Juden erwägen eine ge- Beseitigung des deutschen Hamans, Adolf 1׳1־ Hitler. Die Welt — so heißt es weiter, — darf sich nicht 1־ wundern, wenn strenge Maßnahmen erforderlich werden, ־ { lim das Leben des Führers zur deutschen Freiheit zu f' schützen.‘״ Zur Stützung dieser Behauptung führt die Zeitung einen vor einem Jahre, im März 1932, im Bne Brith-Maga- 2ine in Cincinnati erschienenen Artikel an, der eine banale v , " Analogie zwischen der Purimgeschichte und dem deut- P sehen Antisemitismus zieht. Dann folgt ein Zitat aus ״Wachington Herald״‘ vom 2. Februar, wo ein gewisser V Walter Winchell geschrieben haben soll, viele würden ׳j; nicht bedauern, wenn ein Mörder Hitler eines Tages ׳Kv niedefschieße. Diese Aeußerung wird dem Judentum י p, zur Last gelegt, obwohl der Journalist, der dies geschrie- P ben hat, gar kein Jude ist Der ״Völkische Beobach- V ter“ pflegt ja die Frage, ob jemand Jude ist, nicht sehr / gewissenhaft zu prüfen; für die Bedürfnisse des Blattes ... wird jeder als ״Jude״‘ bezeichnet, der als Feind abge- . . stempelt werden soll.;<"L In dem Artikel wird dann ein Satz aus der ״Jüd. ,Rundschau״‘ vom 17. Februar wiedergegeben, der von :־; der ״selbstverständlichen Konsequenz der zumindest bei ': der Abwehr drohender Gefahren vorhandenen Verbundenheit des Weitjudentums“ spricht. Diese Weltverbun- : denheit des Judentums zeige sich nun an der Arbeit in ־•; einem Artikel von Walter Lipmann in der ״New York U י Herald Tribüne“, worin der Verfasser mit Rücksicht auf '7•i.׳ etwa drohende Verwicklungen in Europa für eine amerikanische Politik des Ausgleichs zwischen England und , Frankreich eintritt. Dieses vom ״Völkischen Beobachter“ V V gewählte Beispiel zeigt, wie unberechtigt die Beschuldigungen sind, die von der nationalsozialistischen Presse gegen die Juden erhoben werden. Der Artikel des .״New York Herald Tribüne“ unterscheidet sich nämlich '*£>• in keiner Weise von an deren Artikeln, die in der ameri- M?:‘kanischen oder sonst in der ausländischen Presse über :außenpolitische Fragen veröffentlicht werden. In solchen ^;״Artikeln werden verschiedene Momente der Weltpolitik gegeneinander abgewogen und vom Standpunkt der ip-Außenpolitik des י betreffenden Landes beleuchtet Selbst linier verblendetste Antisemit wird nicht behaupten können, ÜSdaß die Artikel, die in den letzten Wochen in den großen und maßgebenden Organen der Auslandspresse über %^l>e1rt8chland oder über die weltpolitischen Auswirkungen ^®er jüagsten deutschen Entwicklung erschienen sind, . ,ÜUden“ geschrieben oder inspiriert sind. Sehr werden von der nationalsozialistischen Presse des Auslandes wiedergegeben. Nur gerade einen Falle, wenn zufällig unter einem Ä.^iißenpolitischen, durchaus in die amerikanische Linie 0^aöen4en Artikel «in jüdisch klingender Verfassername wird dieser Artikel als einziger in Fettdruck ^pl#fje&׳al8 ob es sich hier um ein besonders auffallendes ®ÄjErelSbU handelte. Das ganze wird dann durch die Ueber- ״Das Judentum im Ausland ruft zum Mord auf‘״ fefS&welnein antijüdischen Vorstoß gefährlicher Art verwendet. Rjjfe‘•:'•' Da. der ״Völkische Beobachter“ bei dieser Gelegen- ,einen Artikel der ״Jüd. Rundschau״״ erwähnt, so ist tyßifß erforderlich,, hierüber noch ein Wort zu sagen. Der K‘^Ä1^el, auf den angespielt wird, befaßte sich, ausgehend;:der Kundgebung des amerikanisch-jüdischen Kont$kf. gresses,׳mit der Wirkung, die die ins Ausland dringende Pf^'hationalsozialistische Presse auf die Juden überall in der ־'••Welt ausüben muß. Ep wird dargelegt, daß ohne Hinzuffp:;inn der deutschen Juden, ja selbst wenn diese es ver- |fey;'hindern׳wollten, die Juden anderer Länder sich mitgeßgyisoffen fühlen und mit naheliegenden Kundgebungen Solidarität reagieren. Der Satz, aus dem der ״V,ö1- ^epkisch« Beobachter“ das Wort von der Verbundenheit lipy^des Weltjudentums heraushebt, lautet vollständig: ßPoTvV. ״M^ der Tatsache, daß sich die Juden in der ganzen '׳ ייWelt ־ über das Schicksal der deutschen Juden besorgt LjpV. zeigen und dieser Sorge Ausdruck geben, muß man als Yär־/i; •' h» einer selbstverständlichen Konsequenz der zumindest bei »•••׳.* der Abwehr drohender Gefahren vorhandenen Verbunden- ־ ׳ heit des Wettjudentums. rechnen.“ Was ist Verbundenheit des Weltjudentums? Die Aniffe, die der ״Völkische Beobachter“, der ״Angriff“, die ■\l :^übrige nationalsozialistische Presse und Literatur gegen das Judentum und die Juden richten, sind insofern nicht fcL״■;mir eine ״deutsche“ Angelegenheit, als sie sich doch gegen Juden und Judentum schlechthin wenden. Wenn in den Straßen Berlins von anpreisenden Ausrufern für 10 Pfennig die Broschüre ״Juden raus“ von Dr. von Leer8 verkauft wird, worin über die Herkunft der jüdisehen Rasse, über das Alte Testament, über die jüdische Religion usw. die beleidigendsten Behauptungen aufgestellt werden, worin das teuflische Märchen von;jüdischen Ritualmorden an unschuldigen nichtjüdischen Kindern“ lang und breit dargelegt wird, dann sind doch durch diese Beleidigungen und Verleumdungen alle ,Menschen jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubena, wo immer sie leben, getroffen. Die völkische Be- >egung hat stets besonderen Wert darauf gelegt, dem Si.;:Öwnken der Ehre im Völkerleben einen stärkeren Nachdruck zu geben. Liegt es nicht auf der Hand, daß überall sich empört und entrüstet gegen derartige 1 n^»eת de rj ö di8 c h en Ehre wenden? Qazu Aktivität der deutschen Juden, die vom <{' ״ mm. pepbacht^r“ vermutet wird, wenn er darauf die ״G-V.-Zeitung“ den Zusammenhang mit Auslandsmeldungen ablehnt und fortfährt: ״Die C.-V,- Juden aber werden an die Brust klopfen und mit den devotesten Bücklingen versichern, daß sie mit jenen Juden nichts, gar nichts, auch nicht das allergeringste zu tun hätten.“ Der ״Völkische Beobachter“ müßte ebenso gut wie wir und jeder ander« verstehen, daß es eine jüdische Solidarität dort geben muß, wo das Judentum als Ganzes angegriffen und beleidigt wird. Sympathien und Antipathien von Menschengruppen im Ausland lassen sich nicht durch Befehle regulieren. Es ist eine absurde Beschuldigung, die deutschen Juden zu verdächtigen, daß sie an einer Erzeugung außenpolitischer Schwierigkeiten für Deutschland interessiert wären. Die deutschen Juden sind so eng mit dem Schicksal Deutschlands verbunden, daß niemand ihnen Zutrauen kann, gegen Deutschland und damit auch gegen sich selbst zu hetzen. Nichts würden die deutschen Juden freudiger begrüßen, als wenn nach der vollzogenen Umwälzung in Deutschland nun auch die Ursachen aufhören würden, die die ausländischen Juden immer wieder zu schweren Besorgnissen veranlassen, vor allem also die judenfeindlichen Aeußerungen der nationalsozialistisehen Presse und Publizistik. Das deutsche Volk hat in verschiedenen anderen Staaten Volkssplitter, die dort Minderheiten bilden. Alle diese deutschen Gruppen, so sehr sie auch in dem Staate, dem sie angehören, loyal ihre Pflichten erfüllen, sind geeint durch die ״Weltverbundenheit“ des deutsehen Volkstums. Eine solche nationale, kulturelle, religiöse Verbundenheit ist nicht notwendigerweise ein politisches Element und bedeutet keine Stellungnahme gegen den Staat und das Volk, in dem diese Minderheiten leben. Aber wenn jemand wagen würde, den deutschen Namen öffentlich zu schänden, dann würde gewiß diese Weltverbundenheit in Ersehe!־ nung treten und alle Deutschen, wo immer sie leben, würden sich zur Wehr setzen. Aehnlich ist es in bezug auf die Juden. Das jüdische Volk hat keine weitpolitischen Ziele und die Vorstellungen einer ״jüdisehen Weltherrschaft“ gehören in das Reich der Fabel. Weltpolitisch hat das jüdische Volk nur in einer einzigen Beziehung einen gewissen Status, nämlich insofern es sich um die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina handelt, ein Werk, das von allen Großmächten, auch von Deutschland, wohlwollende Förderung erfährt. Abgesehen von diesem Ziel, das in keiner Weise mit der politischen Stellung der Juden als Staatsbürger in den einzelnen Ländern kollidiert, gibt es keine aktive jüdische Weltpolitik. Es wäre nützlich, wenn statt krasser Mißdeutungen dieser ganze Fragenkreis mit dem gebührenden Ernst, ohne Verzerrungen, erörtert werden könnte. Wir sind überzeugt, daß auf lange Sicht auch für die nationalsozialistische Presse sich eine derartige Behandlung fruchtbarer erweisen würde. (״Jüdische Rundschau“ vom 17. März 1933.) Mulj das sein? Der ״Völkische Beobachter“ bringt in seiner Ausgabe vom 2. April folgende Notiz in Fettdruck: In den ״Nachgelassenen Schriften“ von Walter Rathenau, die in dem jüdischen Verlag S. Fischer, Berlin,, erschienen sind, lesen wir im ersten Band eine Schrift ״An Frankreich“, die dieser jüdische Außenminister Deutschlands am 6. Februar 1920 schrieb. Hört zu! Ihr werdet ־erstarren. Der Jude Rathenau schreibt an Frankreich: ״Frankreich ist heute politisch sehr stark: durch eine große und siegreiche Armee und durch mächtige Bündnisse. Auch wenn diese Bündnisse fünfhundert Jahre lang mit Italien, England und Amerika standhaltcn, ohne sich einen Augenblick zu lockern, wird jeder weitsichtige Mensch Frankreich nur den einen Rat geben können: Verlaßt euch nicht darauf. Vernichtet Deutschland im eigentliehen Sinne, tötet seine Menschen, besiedelt sein Land mit anderen Völkern. Es genügt nicht, daß ihr das Reich in kleine Staaten zu■ stückelt. Wollt ihr eure Nachbarnation entehren, so vernichtet sie, damit ihr Gedächtnis zugrunde gehe. Es bleiben noch genug mach• tige Völker übrig, wenn sich eines gegen euch erhebt in einem Augenblick, wo ihr nicht auf der Höhe eurer politischen־ Stärke seid, so wird es mit der Erinnerung der deutschen Schmach gegen euch kämpfen und diese Erinnerung gegen euch geltend machen. Vernichtet die Erinnerung, indem ihr das deutsche Volk ver• nichtet.“ Jeder intelligente Leser muß sofort erkennen, daß es sich hier nicht um einen ernst gemeinten Appell Rathenaus an Frankreich handelt, sondern 1m Gegenteil um einen aus tietster Erbitterung geborenen Protest gegen die harte Politik Frankreichs gegenüber Deutschland. Walter Rathenau war ein großer deutscher Patriot, und er glaubte, durch einen Appell an die besten Instinkte der Menschlichkeit in Frankreich und an die französischen Ideen von Humanität denkende Franzosen zur Besinnung bringen zu können. Das Zitat des ״Völkischen Beobachters“ stammt aus dem ersten Band der ״Nachgelassenen Schriften“, Seite 116. Unmittelbar hinter der angeführten Stelle geht es weiter: ״Seid ihr euch dessen bewußt? Wollt Ihr das? Ist das die Mission Frankreichs? Gut. Was wir noch zu verlieren haben, einschließlich des Lebens, lohnt kaum der Mühe. Eure Heere sind bereit, marschiert! Wollt ihr es nicht? Dann, Männer und Frauen Frankreichs, schafft den Frieden. Der aber kann nicht beruhen auf Entehrung und Unrecht, sondern auf dem, was ihr bisher vertreten habt: dem Gedanken der Menschlichkeit und der Menschenrechte.“ Es ist unmöglich, daß der Verfasser der Notiz im ״Völkischen Beobachter“ diesen Zusammenhang nicht kannte, da er selbst das Zitat aus dem Buche abschreibt. Muß der Kampf gegen einen Toten in dieser unritterlichen Weise geführt werden? ln der Zeitschrift ״Deutsches Volkstum“ besprach kürzlich Dr. Stapel das aucn in der ״Jüdischen Rundschau“ angezeigte Buch von Hans Joachim Schoeps und Hans Blüh er. Dabei weist er Schoeps eine Ungenauigkeit bei einem Zitat aus Paracelsus nach und fügt hinzu: ״Es ist eigentlich schade, daß man so vorsichtig sein muß“. Wird Dr. Stapel oder irgendeiner aus der völkischen Bewegung dafür sorgen, daß — bei aller Gegnerschaft dieser Kreise gegen Walter Rathenau, den auch wir keineswegs als repräsentativen Juden anerkennen — dieses Zitat des ״Völkischen Beobachters“ berichtigt wird? Presseschau v» J) י י-»•■** V V Ul UUVIOUII \.|Uk OVIIIV. trn. npi 11־ nummer: ״Oanz Deutschland boykottiert die Juden“, und darunter ״Der Feind der Nation geächtet!“ Im Text des Berichtes heißt es dann: ״In den Massenkundgebungen, die sich in den Städten nach grandiosen Umzügen entwickelten, kam die Entschlossenheit unserer Bewegung spontan zum Ausdruck, im Kampf gegen das Judentum nicht nachzulassen, bis das Märchen von den Greueln in Deutschland restlos im Ausland be• seitigt ist. Die Juden haben eine bittere Lehre hinnehmen müssen. Die Lehre war, daß man jetzt nicht mehr gewillt ist, sich auf lange Verhandlungen mit ihnen eirm1.a3,1;־..׳, sondern daß man sie da packen wird, wo sie am empfindlichsten sind: Am Geldbeutel. Der Boykott vom Sonnabend ist lediglich als Generalprobe für eine Reihe von Maßnahmen zu betrachten, die, wenn sich die Meinung der Welt, die Im Augenblick gegen uns Ist, nicht endgültig ändert, durchgeführt werden.“ Der letzte, im Druck besonders hervorgehobene Absatz unterstellt demnach, daß es in der Macht der Juden liegt, zu bewirken, daß sich ״die Meinung der Weh“ zugunsten des Nationalsozialismus ändert. * Die ״Nachtausgabe“ vom 3. April teilt mit, daß der amerikanische Staatssekretär Hüll am Sonntag ein Gesprach mit der Berliner amerikanischen Botschaft hatte. Weiter schreibt das Blatt: ״Die Berichte, die in amerikanischen Blättern jetzt über Deutschland veröffentlicht werden, sind wesentlich ruhiger. Die Hetzmeldungen sind mit Ausnahme der Berichte des Revolverblatts ״Daily Mirror“ verschwunden. Die öffentliche Meinung Amerikas ist beruhigt. Der amerikanisch-jüdische Kongreß hat eine Erklärung herausgegeben, in der es u. a. heißt: ,Wir fügen uns dem Wunsch des Staatsdepartements und enthalte n uns jegliehen Kommentars über die tragische Lage der Juden in Deutschland.“ An dieser Notiz der ״Nachtausgabe“ ist besonders bemerkenswert, daß der hetzerische ״Daily Mirror“ als ״Revolverblatt“ bezeichnet wird. Es handelt sich um ein Organ, das sich bisher in Europa völliger Unbekanntheit erfreute und nur in den letzten Tagen leider in Verbindung mit der antideutschen Kampagne so oft in Deutschland zitiert wurde, als wäre es ein ernsthaftes Organ. Dieser ״Daily Mirror“ hat aus Genf seine Nachrichten von feilgebotenen Mädchen und zerstückelten Leichen bezogen. Wir haben uns sofort dagegen verwahrt, daß man die deutschen Juden für das Geschreibsel dieses Sensationsblättchens verantwortlich machte, und es ist mit Genugtuung hinzunehmen, daß es nunmehr als ״Revolverblatt“, das eine Beachtung nicht verdient, charakterisiert wird. * Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 2. April leitet einen Fragen der Außenpolitik behandelnden Artikel ihres Berliner RK-Mitarbeiters folgendermaßen ein: ״Wird man an diesem Tag einer tiefen inneren Erregung geneigt sein, uns zu folgen, wenn wir versuchen, die Gedanken unserer Leser herauszureißen aus der Atmosphäre der Greuelhetze und des Abwehrboykotts, in dessen Zeichen dieser 1. April steht? Das soll nicht geschehen, um diejenigen über die Bitternis hinwegzureden, die heute die schwerste Stunde erleben, die man einem Menschen bereiten kann: die Stunde einer bewußten und ungewollten Erniedrigung und einer unverdienten Schmach. Sie bedürfen keines Trostes, denn sie können gewiß sein, daß die überwältigende Mehrheit des Volkes zwar jedes andere Mittel gutheißt und mit Ungestüm fordert, das der Abwehr der Greuelhetze dient, daß sie aber diesen Akt unbestreitbarer Ungerechtigkeit ehrlich, wenn auch vielleicht wortlos bedauert. Wer wollte denn etwa behaupten, daß die jüdischen Kinder, die man heute vormittag in manchen Orten aus der Schule weggeschickt hat, sich je in ihrem kurzen Leben gegen die Nation vergangen hätten? Wenn man schon den Erwachsenen, vor allem den Zehntausenden im öffentlichen Leben erprobten und seit vielen Jahrzehnten bewährten Männern und Frauen keine Oerechtigkeit widerfahren lassen und wenn man bei ihnen nicht die Spreu vom Hafer scheiden will —, warum schützt man nicht einmal das zarte Rückgrat harmloser Kinder? Wer für die Nation fühlt, muß Verlangen, daß gerade diese Jungen zu aufrechten deutschen Staatsbürgern erzogen werden. Wer die Reden liest, die im englischen Oberhaus auf eine sehr würdevolle und dadurch wirksame Weise gehalten wurden, der weiß, daß es fürwahr nicht bloß Juden sind, die im Ausland mit Erschütterung die Sprache der Boykotteure vemommen haben . . .״ Ein Jnde amerikanischer Botschafter Präsident Franklin D. Roosevelt hat Herrn Jesse Istdor Straus zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich ernannt. Jesse Isidor Straus ist ein Sohn des bei der ״Titanic“- Katastrophe ums Leben gekommenen Isidor Straus und ein Neffe des verstorbenen Diplomaten Oscar Straus und des verstorbenen Philanthropen und Zionisten Nathan Straus. Jesse Isidor Straus ist Leiter der Macey-Warenhäuser in New York und Vorsitzender der New Yorker Handelskammer. Ein anderer Jude, Henry Morgenthau jr., in dem man den zukünftigen Landwirtschaftsminister sieht, wurde vor einigen Tagen vom Präsidenten Roosevelt zürn Vorsitzenden des Federal Farm Bcv3rd ernannt Ein Bruder von Jesse Straus, Percy Seiden Straus, ist Präsident der jüdischen Landwirtschaftsgesellschaft (Jewish Agricultural Society). * Aus Washington wird ferner gemeldet, Präsident Roosevelt beabsichtige, den jungen James Warbura; Sohn des verstorbenen New Yorker Bankiers Paul Warbulg, zum zweiten Sekretär im Schatzamt zu ernennen. Der 3«jährige James Warburg ist noch in Deutschland geborqn und ist jetzt Präsident der Bank von Manhattan. Ueber zwei Mffllonen Jaden in New Yor|c New York, 22. März. (J. T. A.) Dr. Julius Mahler von der Columbia University hat festgestellt, daß im Jahre 1932 2 001 104 jüdische Seelen in Groß-New York lebten; sie machten 27,7 0/0 der gesamten Bevölkerung'New Yorks aus. Während unter der allgemeinen Bevölkerung das Verhältnis der im Auslande Geborenen 33 0/0 betrug, zahlte man unter den Juden 46 0/0 im Ausland Geborene. Unter der allgemeinen Bevölkerung betrug die Geburtenzahl 16,5 *»pro tausend, in der jüdischen Bevölkerung betrug die Genügenzahl 17,5 pro tausend. Die Kindersterblichkeit betrug | bei Juden 42 pro tausend gegen 57 pro tausend bei Nichtjuäen, Auch die allgemeine Sterblichkeit war bei Juden niedrer als bei Nichtjuden (8,5 gegen 10,4). Während die Sterbefülle infolge Zuckerkrankheit bei den Juden höher sind als bei aen> Nichtjuden, ist die Sterblichkeit infolge Syphilis bei Jüdin um 50 0/0 geringer als bei Nichtjuden. j