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Jüdische Rundschau · 1932-11-01 · 8 (11.1932) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
8 (11.1932)
Date
1932-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE RUN DSCHAU Monatsausgabe Nr. 8, November 1932 Theologische Probleme im Judentum Ans der Tagung des Allgemeinen Rabblnerverbandet (15. und 16. November) Von Max Wiener. Unsere geistige Selbstbehauptung ist immer, auch bei angespannter Wachsamkeit und Besonnenheit, gefährdet, besonders aber dann schwerer Erschütterung ausgesetzt, wenn die allgemeine religiöse Lage, selber Exponent übergreifenden Geisteslebens, um neue Selbstverständigung ringend, die alten Probleme wieder aufrollt und zu aktuellen Formulierungen bringt Die von unserer Generation erlbbte metaphysische Welle, Irrationalismus, Existenzialphilosophie und was sonst in dieser Linie liegt, muß die christliche Theologie nicht bloß zur Auseinandersetzung zwingen, sondern ist der ganzen Tendenz nach vielleicht sogar dazu geschaffen, selber in eine Art von ״Theologie“ zu münden. Wenn demgegenüber die Bemühung der dialektischen Theologen mit schärfstem Nachdruck Eigenrecht und Eigenbedeutung des Religiösen betont und gegen jedwede Vermischung mit philosophischem Idealismus protestiert, so spricht das nicht gegen den Zusammenhang mit dem allgemeinen Geist der Gegenwart, sondern nur für fortschreitende Einsicht in den unvertauschbaren Charakter des spezifisqh Religiösep. Aus solcher Erkenntnis können auch wir lernen. Es fragt sich nur, was und wieviel. Denn da in jener Arbeit Religion und protestantisches Christentum in engstem Konnex aufgefaßt werden, die Gehalte der Dogmen, Christus, Sünde, Erlösung, Geschichte usw. wesentlich als den zugrunde liegenden Religionsbegriff explizierend erscheinen, so wächst die Gefahr, daß bei Benutzung der für ein bestimmtes religiöses Leben geprägten Kategorien unser eigenes religiöses Selbst gepreßt wird. Der typische seelische Schaden, den wir, wir Wenigen unter den Vielen, so oft in unserer Geschichte erlitten haben. Dagegen hilft bloß, daß wir uns wieder einmal der Eigentümlichkeit unserer, der j ü dischen Theologie, bewußt werden. Das war die Aufgabe des von dem Schreiber dieser Zeilen auf der letzten Rabbinertagung erstatteten Referates. ״Theologie“ im Sinne der begrifflich formulierten Einsicht in den religiösen Glauben als einen solchen ist von der ״Religionswissenschaft“ zu unterscheiden. Denn jene nimmt ihren Standort mitten im religiösen Leben selber, während die Wissenschaft von der Religion von außen her die fraglichen Phänomene ergreift und damit sich nie auf die einzigartige Ebene des Religiösen erlieben kann. Der Begriff der Offenbarung, der Selbstmitteilung des transzendenten Gottes, für die wissenschaftliche Erfahrung eine mythologische Vorstellung oder psychologischer Fehlschluß oder metaphysische Verbrämung, jedenfalls keine vollziehbare Konzeption, ist für die Theologie als Innewerden dessen, was die Religion mit sich selber meint, das Fundament; Gott, gerade in seiner Nichtdurchdringbarkeit und Nichterfaßbarkeit durch die natürlichen Vemunftmittel, wie das Herz aller Religion, so der Zielpunkt aller deren radikale Besonderheit nicht verwischender Theologie. Das ist der Ausgang. Und wenn uns die ganze Schroffheit und Unheimlichkeit der religiösen Grundfrage durch ernsthafte Ueberlegungen außerhalb unseres Kreises wieder einmal zu Gemüte geführt worden ist, so wollen wir uns dieser Wahrheit nur um ihrer Verkünder willen nicht versperren. Wir gehen sofort unseren eigenen Weg. Zunächst die Abweisung einer für nicht gan* aufmerksame Betrachtung naheliegenden Ver- Wechslung. Die Verankerung der Religion in dem vom wirklichen Gott zum Menschen gesprochenen, dem Mensehen geoffenbarten Wort ist nicht identisch mit traditionalistisch-orthodoxem Glauben an die Authentizität göttlicher Rede in den bestimmten sogenannten kanonischen Urkunden. Gläubigkeit, von der hier gesprochen wird, ist nicht mit Rechtgläubigkeit einszusetzen. Die Probleme der literarischen Fixierung, der Dogmatisierung gewisser Ansichten sind hier noch nicht brennend und interessieren in dieser Grundschicht der theologischen Reflexion noch nicht Unsere Frage steht vielmehr ihrer logischen Dignität nach oberhalb der Differenz von ״liberal“ und ״orthodox“. Für einen positiven jüdischen Glauben genügt die Annahme, daß der Sinn dieser Reli« gion an bestimmte historische Höhepunkte gehängt ist Sie steht und fällt mit dem Bekenntnis zu dem durch alle biblisch-jüdische Geschichte hindurchgetragenen Kern jener Offenbarung, dem Bunde des allmächtigen lebendigen Gottes mit dem Volke Israel. Alles Fragen nach nationalem oder universalem Charakter der jüdischen Ethik, nach dem Sinn der Auserwählung, alle Spekulation über die Beziehung des Rituellen zum Humanen hat sich der durch das Faktum der Bundschließung gegebenen Sonderstellung dieses bestimmten Ausschnittes aus der Menschheit unterzuordnen. Damit empfängt diese Religion den unabstreifbaren Charakter eines Gemein- Schaftsglaubens. Alle in ihm sich entzündende Frömmigkeit ist wesentlich genährt durch das übergreifende Bewußtsein, zu dem Stamme zu gehören, den Gott — und zwar der Einzige — in besonderer Weise angeredet hat. Hier ist die Wurzel des Unterschiedes zwischen Judentum und Christentum. Bei allem Zugeständnis des Universalismus der jüdischen Gotteslehre und seines Moralgesetzes, bei klarer Einsicht in die gegen die Frommen der Völker bekundete Toleranz, bei Anerkennung des humanen Charakters von Glaubenswie Sittenlehre bleibt für die jüdische Religion konstitutiv, daß ein nicht aufzugebendes Wechselverhältnis zwischen Gott und Israel besteht. Gegen diese ungeheuerliche Paradoxie ist kein Kraut gewachsen; die Urmeinung der jüdischen Offenbarung kann nicht rationalistisch oder geschichtsteleologisch wegretuschiert werden. Wir müssen mit dem Faktum rechnen, daß der universale Gehalt in einem partikularen Träger ruht. ln der Geschichte des jüdischen Geistes tritt dieser charakteristische Dualismus deutlich hervor. Wir sehen das an unserer klassischen Religionsphilosophie, die durchaus Theologie in unserem Sinne sein will. Bei ihr ist das Auffälligste, daß eine universal gemeinte Gottes- und Weltanschauungslehre fast unabhängig von dem Gesetzessystem dasteht, das doch für die philosophierenden Persönlichkeiten selber bewußt oder unbewußt den Schwerpunkt der eigenen Frömmigkeit ausmacht. Gewiß, More nebuchim undjad hachasaka widersprechen einander nicht, aber noch weniger bilden sie die aufeinander abgestimmten, sich gegenseitig fordernden Teile eines Ganzen: in der Philosophie ein Humanismus, allein auf Gott und das menschliche Vernunftwesen schlechthin ausgerichtet, in der Gesetzeslehre, unbeschadet der auch in ihr enthaltenen allumfassenden Moral, die Lebensnorm eines ausdrücklich aus der menschheitliehen Totalität herausgehobenen Ausschnittes. Hält man sich diesen klaren Tatbestand bei einer grundsätzlichen Erörterung über jüdische Theologie vor Augen, so ergibt sich — und mehr soll hier nicht gesagt werden — der strukturelle Unterschied von der Christliehen. Das Christentum, von vornherein von bestimmtem Volkstum, ja von jeder besonderen Gemeinschaft losgelöst, kann in entschlossen begrenzter Blickrichtung auf das Individuum und sein Schicksal die Beziehung des Einzelmenschen zu Gott zum Kern seiner theologischen Problematik machen. Es hat gewiß auch in der Ein- Spannung des gesamten menschheitlichen Lebensprozesses in den von Schöpfung, Erscheinung und Wiederkunft Christi abgesteckten Geschichtsraum ein Interesse an der auf Gott bezogenen Gesamtexistenz der Menschheit kundgetan. Beide Blickrichtungen, die individualistische und die messianische, besitzt das Judentum auch und ist in ihnen ja dem Christentum sogar Vorbild gewesen. Aber hier bleibt dauernd ein M i 11 e 1 g 1 i e d eingeschoben, das Volk Israel, ein eminent historisches Moment für den religiösen Glauben wie für die theologische Besinnung. Und dies ist von gewaltigen Konsequenzen. Man darf sagen, daß das, was die offenkundigen Unterschiede der paulinisch-augustinischen Lehre von der jüdischen Theo- und Anthropologie ausmacht, wesentlich dadurch zwar nicht hervorgerufen, aber ermöglicht worden ist, daß das Christentum nicht wie das Judentum an der greif- und erlebbaren Realität eines bestimmten historisehen Komplexes sich entzündet. In dem auf eine faktische Gemeinschaft gekehrten Auserwähltheitsgedanken und der ihm korrespondierenden Bejahung des Gesetzes, ganz gleich, ob es universales Sittenöder partikulares Ritualgesetz ist, liegt von vornherein ein Realismus von nicht auszumerzender Kraft, Weltflüchtigkeit und Akosmismus, die Identifizierung des empirischen Menschen mit der Sünde, der Dualismus von Welt und Ueberwelt prallten von dem Bewußtsein eines Kreises ab, der eine bestimmte historische Realität in einem unmittelbar erfahrenen Gemeinschaftsleben von Gott selbst bestimmt sah. Man darf gewiß die Stärke jüdischen Transzendenzbewußtseins, des Schuldgefühls in der rabbinischen Frömmigkeit, nicht unterschätzen. Aber logisch und psychologisch notwendig ist es, daß, wo eine bestimmte Gemeinschaft in ihrer besonderen Geschichte, in ihrer Berufung und ihrem Gehorsam gegen das göttliche Gesetz, in ihrem Leiden und ihrem Martyrium für die Ueberzeugung sich selbst erlebt, ein metaphysischer Pessimismus ausgeschaltet ist. Nicht darum, weil etwa ein bestimmter ״Volksgeist“ durch den ihm innewohnenden Charakter diese Seinsbewertung ausschlösse, sondern weil die Tatsächlichkeit einer konkreten, in aller Schuld und allem Leiden von Gott gebilligten Geschichte dieser eine Art von gottgewollter Realität gibt. Man tut nicht recht, die merkwürdige Harmonie, die so viele Juden zwischen der optimistischen Aufklärung und ihrer Religion zu finden glaubten, aus der rationalen Klarheit der jüdischen Gotteslehre im Vergleich zu den Mysterien der Christologie abzuleiten. Evident aber ist, daß das Judentum als Gottesvolk sich als Stück realisierten göttliehen Willens erfühlte, was bei Ungebrochenheit dieses Glaubens als stärkster Beweis für die Sinnerfülltheit irdischen Daseins gelten mußte. So blieb wohl die Hoch- Spannung des christlichen Spiritualismus hier versagt, ebenso aber auch die Zerreißung des menschlichen Totalinteresses in die Sphäre einer ״eigentlicher“ Religiosität vorbehaltenen Innerlichkeit und in eine der rein welthaften, religiöser Regelung sich entziehenden Anliegen des Menschen. Was wiederum seine Folgen hat. Wenn zwar ein entwurzeltes Judentum in sinnloser Zivilisationsanbetung gelegentlich so etwas gesehen hat, wie die geradlinige Fortsetzung der Religion seiner Väter, so ist der religiöse Realismus, von dem hier die Rede, daran unschuldig. Andererseits aber erschwert er bisweilen den Zug des Willens, das Kulturleben überhaupt zum Gegenstand religionskritischer Besinnung zu machen. Es ist der Vorzug des christlichen Dualismus, von seinötn Grunde her stets die Aufforderung zu solcher Kritik zu fühlen. Der Nachteil solcher theologischen Haltung scheint freilich gerade heute in gewissen, sich sehr laut gebärdenden politischen Gruppeii des deutschen Nationalismus auf der Hand zu liegen. Wir denken da an die eben berührte Neigung eines die Gewalt vergötzenden Chauvinismus. Wo die Ueberspannung des politischen Nationalismus in dem Bestreben, die Totalität des Menschen der als alleinberechtigt anerkannten Machtstaatsidee zu unterjochen, von Religion schweigt, so haben wir uns hier darüber nicht zu unterhalten. Wenn aber die vielberufene ״Innerlichkeit“ das Ganze des Religiösen erschöpfen soll und sich grundsätzlich von der Sphäre des Politischen, Nationalen, Wirtschaftlichen, überhaupt von allem ״Diesseitigen“ zurückzuziehen hat, vielleicht nur, um es wieder augustinisch in Bausch und Bogen zu verwerfen, was aber dem munteren Leben solchen Diesseits nichts schadet, — dann besinnen wir uns Juden erst recht darauf, daß für u n s in der religiösen Gesetzlichkeit gottgewollte und dem Menschen dargebotene Realität sich öffnet. Protestantismus und Nationalsozialismus Wir haben in Nr. 70 der ״Jüd. Rundschau“ auf die lebhaften Erörterungen hingewiesen, die sich im Lager der evangelischen Kirche über das Verhältnis von Protestantismus und Nationalsozialismus abspielen und in die eine Sammelschrift Einblick gewährt, die Leopold Klotz unter dem Titel ״Die Kirche und das Dritte Reich“ in seinem Verlag (Gotha) herausgegeben hat. Diese Sammelschrift findet ihre Fortsetzung in einem zweiten Band, der eine weitere Reih« von Aeußerungen von Theologen zusammenfaßt. An die Spitze dieses Bandes ist ein Briefwechsel gestellt, den der Herausgeber mit dem Vertrauensmann Adolf Hitlers, dem Nobelpreisträger Prof. Stark hatte, der zwar Physiker und nicht Theologe ist, jedoch von Hitler mit der Bearbeitung kirchenpolitischer Fragen betraut wurde. Stark faßt seine Kritik gegen den ersten Band der Sammelschrift in folgendem Satz zusammen: ״Nicht einmal auf katholischer Seite habe ich eine derartige Anhäufung von Unkenntnis, Oberflächlichkeit, Anmaßung und heimtückischer Feindschaft gegen die deutsche Freiheitsbewegung gefunden.“ Prof. Stark tröstet sich aber mit der Feststellung, daß der größte Teil der praktisch tätigen evangelischen Geistlichen eine ganz andere Einstellung zum Nationalsozialismus hat. Im zweiten Band findet man auch eine ganze Anzahl von Aeußerungen, die viel positiver zum Nationalsozialismus eingestellt sind als die im ersten Band. Ueber das Dilemma, das darin besteht, daß das Christentum eine Botschaft an alle Menschen ist, der Nationalsozialismus aber auf dem Rassenstandpunkt steht, hilft sich ein Berliner nationalsozialistischer Pfarrer dadurch, daß er erklärt, die Juden ״mögen fortfahren, Christen zu werden“ (!), aber ״damit sollen sie noch nicht deutsche Staatsbürger werden“. Für ihn besteht das Apriori: ״Alles Unglück geht für unser deutsches- Volk in gegenwärtiger Situation von den Juden aus.“ Der völkische Antisemitismus widerspreche keineswegs dem Christentum. Demgemäß haben ja auch die ״Deutschen Christen“, die bei den letzten Kirchenwählen als eigene Partei auftraten und deren Programm in dem Buch gleichfalls abgedruckt ist, sich für Rassenreinheit und gegen Judenmission ausgesprochen. Diese nationalsozialistische Gruppe hat nun freilich nicht, wie manJic *.rwartcr*•«, am 13. November die Kirche einfach erobert, aber fast ein Drittel der Stimmen vermochte sie doch zu gewinnen — ein Beweis, daß weite Kreise wirklich den Nationalsozialismus mit evangelischem Christentum für vereinbar halten. Die Argumente der Gegner des Nationalsozialismus bewegen sich auch in diesem Heft in ähnlichen Bahnen wie in dem ersten. Daß auch ein ״Judenchrist“ in diesem Rahmen zu Wort kommt, sei als Kuriosum noch erwähnt. Zar Geschichte der Jaden in Deutschland Raphael Straus: Die Judengemeinde Regensburg im ausgehen- ■* den Mittelalter (Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, nerausgegeben von Karl Hampe und Willy Andreas, Bd. 61). Heidelberg, Winter 1932. Die vorliegende Arbeit reicht in ihrer Bedeutung weit über den Rahmen einer Spezialuntersuchung hinaus und liefert einen der wichtigsten Beiträge zur Beleuchtung der Geschichte der Juden in Deutschland überhaupt. In ungemein fesselnder Darstellung zieht das Schicksal .einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden vorüber. Die Judengemeinde Regensburg war im ausgehenden Mittelalter eine ״Mutter in Israel“. (Es gab sogar eine besondere Art ״Regensburgischen Lernens“.) Zu gleicher Zeit war die Staat Regensburg eine der blühendsten deutschen Handelsstädte, zu Zeiten sogar die Residenz der deutschen Könige. Erst vom 14. Jahrhundort an ging[ die Stadt zurück, von Augsbürg, Nürnberg und Wien weit überflügelt. Schon nach 1450 war sie so wett, daß sie nicht mehr ein und aus wußte und ihre Reichsfreiheit an die Krone Bayern verkaufte. So bewegt wie die Stadtgeschichte, war die Geschichte der Juden- Schaft. Noch im 14. Jahrhundert, zur Zeit des ״schwarzen Todes“ wurde die Juaenschaft von den Bürgern geschützt, die zu diesem Zweck einen schriftlichen Vertrag schlossen, der mit seinen zahlreichen Siegeln ein archivalisches Kuriosum bildet. Dieser gute Ruf von Stadt und Judenschaft wirkte so nachhaltig, daß noch im ausgehenden Mittelalter, als schon die meisten Städte judenrein geworden waren, der Kaiser die Regensburger Juden nicht vertreiben lassen wollte. Die Stadt mußte um die Vertreibung einen 40jährigen zähen Kampf führen. Dieser Tatsache ist es zu danken, daß ein großer Schriftwechsel entstand. Es ist die einzige deutsche Juden- Verfolgung, bei der auch die Ansichten der Juden ausgiebig ausgesprochen werden konnten. Es ist dem Verfasser gelungen, die hochinteressanten Erklärungen der Juden im Innsbrucker Statthaltereiarchiv aufzuspiiren. Diese Nachrichten sind politisch-geschichtlich und wirtschaftsgeschichtlich von großer Bedeutung. Sie zeigen deutlich, daß nicht die Wirt• schaftsübung der Juden, sondern die schweren ungelösten sozialen Notstände jener Zeit die wirklichen Ursachen der Judenverfolgungen waren. Es ist eine höchst lehrreiche Parallele zu den Begebenheiten unserer Tage. — Wir können unseren Freund Raphael Straus zu diesem empfehlenswerten Werke nur beglückwünschen.» I. Dem von der Palästina-Regierung soeben veröffentlichten Finanzbericht des Post- und Telegraphenwesens ist zu entnehmen, daß zu der Einkommensumme des Postwesens in Höhe von 94 805 Pfund in den letzten fünf Monaten Tel- Awiw fast 38 000 Pfund, also 40 0/0> beigetragen hat. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Georg Landauer, Berlin-Wilmersdorf. Verlag: Jüdische Rundschau G. an. b. H., Berlin W15• Druck von Siegfried Scholeat, Berlin - Schöneberg.

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