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Jüdische Rundschau · 1932-05-01 · 5 (5.1932) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
5 (5.1932)
Date
1932-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabc Nr. 5, Mai 1932 Setzung sein Bruder, der Arzt, der freilich kein geringerer Assimilant und kein geringerer Streber ist und zum Schluß sogar mehr Qlück haf als sein Bruder, nachdem das vergehliehe Warten auf die Professur ihm in' der entscheidenden Stunde sogar ein Broche auf die Lippen gedrängt hat. Rechtsanwalt Rosen, bei dem allerhand Hochstapler ein- und atisgehen, bringt den Fürsten Karachan in Verbindung mit deutschvölkischen Organisationen, die ihn, immer unter dem Beistand jüdischer Berater, zu großen Tscherwonzen- Fälschungen verleiten. Nun tut sich die Hölle auf, Neumann wirbelt alles durcheinander: Oelmagnaten, Börsenmanöver,Sowjet-Diplomatie, Völkerbund, allerhand große Politik, Fememorde usw. Oft ist es eine immanente Satire, was uns da vorgefilmt wird. Neumann beschönigt nicht, aber er vergröbert manches, bei der Schilderung der Deutsch völkischen und der Großkapitalien ebenso wie der Juden (man kann nicht gerade sagen, daß die Juden besser davonkommen). Schließlich ist es aber ein Roman und keine Reportage, und etwas von innerer Wahrheit ist auch in diesen Karikaxuren. Und im Kontrast zu der Schieber- und Streberwelt des Geldwahns ist da noch die statuarische Gestalt des Juden der Vorzeit, die Neumann folgendermaßen einführt: ״. . . Das Sehemtn eines Mannes, ein kleiner, sehr zarter, fast durchsichtiger Mensch, der achtundneunzig Jahre alt ist, Gedalje Rosenbaum heißt lind dereinst, als er noch wirklich lebte, das ehrenvolle und wichtige Amt eines Thoraschreibers versehen hat in der kleinen Stadt Leutschau im Slowakischen droben. . . . Seine Sehkraft läßt leider nach — da mag das Thoraschreiben fünfzig Jahre nachts bei Kerzenlicht daran schuld sein; aber sage mir einer, daß er fünfzig Jahre besser verlebt hat!“ — Dieser Oroßvater betet für seine beiden Enkel Albert und Benjamin Rosen wie für Gestorbene. Und in der Schluß- Szene steht er ragend wie der steinerne Gast vor Albert, der, von den Teufeln zur Strecke gebracht, ihm seine Rechenschaft ablegen will; der Alte — vielleicht sieht und hört er nicht — wendet sich ab, der Enkel stürzt sich in die Tiefe. ״Die Macht“ ist ein virtuos, hinreißend geschriebenes Buch, das man mit atemloser Spannung liest. Es hinterläßt eine Bedrücktheit, die fruchtbar werden kann, wenn sie die Abkehr von dieser Entartung befördert. Dies wäre vor allem der jüdische Oewinn dieser Assimilantentragikomödie. Mi. Jüdische Kindernot in Berlin Einen erschreckenden Einblick in die wirtschaftliche Lage der Berliner Judenheit warfen Zahlen, welche anläßlich einer Pressekonferenz der Berliner Jüdischen Gemeinde am 3. d. M. zur Vorbereitung einer Aktion für Verschickung jüdischer Kinder’in den Sommermonaten 1932 vom Dezernenten des Wohlfahrtsamtes, Direktor Heinrich Stahl, und dem langjährigen Betreuer jüdischer Kinder, unserem Gesinnungsgenossen Dr. Stahl, genannt wurden. Insgesamt dürfte es in Berlin ungefähr 15—000 16־ jüdische Kinder im Alter bis zu 14 Jahren geben. Der jährliche Geburten- Zuwachs vermindert sich dauernd. Im Jahre 1925 betrugen die jüdischen Lebendgeburten noch 1956. Diese Zahl fiel stetig bis zum Jahre 1930 auf 1217. Im Jahre 1925 betrug der Ueberschuß der Todesfälle über die Geburten 553; er steigerte sich dauernd und erreichte im Jahre 1929 die Zahl von 1386. Die Gemeinde Berlin hat für Jugend- und Kinderfürsorge in den abgelaufenen Jahren aus eigenen Eingängen (hauptsächlich Steuern) jährlich Beträge von 475 000 bis 550 000 M. ausgegeben. Im Jahre 1932 sind in den Etat mit Rücksicht auf die verringerten Einnahmen nur noch 463000 M. für diesen Zweck eingesetzt. Der Bedarf jedoch hat sich aber mindestens verdoppelt. Aus diesem Grunde veranstaltet die Gemeinde mit Bewilligung des Polizeipräsidiums in den Tagen vom 5. bis ll.MaiHaussammlungen, für deren Durchführung, sich 500 Mitglieder aller jüdischen Jugendbünde zur Verfügung gestellt haben. Dr. Stahl er- 5änzte die Ausführungen Direktor Stahls durch interessante mgaben auf Grund seiner Erfahrungen als ärztlicher Helfer. Die Zahl der Konsultationen ist vom Jahre 1928 von 11173 auf ca. 16000 im Jahre 1931 gestiegen. Im Jahre 1928 nahmen 3000 Kinder die Institutionen der Kinderhilfe in Anspruch, im Jahre 1931 waren es bereits 5113 Kinder. Somit ist jedes dritte jüdische Kind in Berlin gezwungen, sich von Gemeinde-InstitutionenDetreuen zu 1 a 8's < n. Dr. Stahl erwähnte, daß in der letzten Zeit die Mehrheit der von ihm und seinen Assistenten behandelten Kinder an ausgesprochenen Hungerkrankheiten leiden. Die Tuberkulose, bei jüdischen Kindern früher wenig bekannt, ist heute weit verbreitet. Fast die Hälfte aller Kinder ist infolge quantitativer und qualitativer Unterernährung gegenüber Krankheiten nicht mehr resistenzfähig, leidet an Rachitis und nervösen Störungen, die sich u. a. in Stottern äußern. Charakteristisch ist, daß ungefahr 70% der notleidenden Kinder Reichsdeutsche sind, ein Beweis dafür, daß sich die wirtschaftliche Situation auch der alteingesessenen Juden in Berlin außerordentlich verschlechtert hat. Unter den unterstützungsbedürftigen Kindern finden sich sehr viele, deren Väter akademische Berufe ausüben oder noch vor kurzer Zeit selbständige, wohlhabende Kaufleute waren, welche zur Kategorie der Geber und nicht der Nehmer gehörten. An die Ausführungen von Direktor Stahl und Dr. Stahl schloß sich eine kürzere Aussprache, in der die bevölkerungspolitischen Gefahren hervorgehoben wurden, die sich aus der gegenwärtigen Situation der jüdischen Gemeinschaft in Berlin ergeben. Eröffnung eines jüdischen Museums. Aus Hamburg wird uns berichtet: Ein Ereignis, wenig beachtet von der Außenweit und doch von großem kulturellen Wert, fand vor kurzem in Lübeck statt. Das dortige Museum am Dom eröffnete eine Ausstellung über jüdischen Kult und Folklore. Eine mit verständigem Oeschick und ausgezeichnetem Ge- 6chmack zusammengestellte Sammlung wird gezeigt. Man sieht die von jüdischen Handwerkern angefertigten Kultgeräte vom hölzernen Salzfaß für Peßach bis zum getriebenen italienischen Chanukkahleuchter, neben dem wieder die primitiven Leuchter der karpatho-russischen Juden und die ziselierten Leuchter der aus Tunis stehen. Im großen und ganzen bildet diese Ausstellung zwei Abteilungen: Jüdischen Kult und jüdisches Volkstum. Sämtliche Kultgeräte in mannigfaltiger Ausführung sind erläutert und mancher Jude kann dort noch etwas lernen. Am interessantesten ist die andere Abteilung, die Typen, Trachten und Volkskunst von Juden Europas und Nordafrikas birgt. So verschieden die einzelnen Arten auch sind, — mau Beachte die unbeholfenen Leuchter der Karpathorussen, die einfachen Amulette der polnischen Juden oder die vielgeschmückten, feingearbeiteten Schmuckstücke der italienischen Juden -־, durch alle geht ein einigender Zug. Welch großen Erfolg diese ständige Ausstellung hat, zeigte u. a. der Tag der Eröffnung, art dem fast 50% der Leute, die den von Rabb. Dr, Winter gehaltenen Einführungsvortrag hören wollten, umkehren mußten. So dient diese Ausstellung neben den rein kulturellen Zielen auch der Aufklärung über jüdische Dinge. I. Fr*er. Jüdisches Erwachen in Italien Von Bertha Badt-Stiauss Wem ln diesen Tagen die seltene und unwahrscheinliche Gunst des Schicksals zuteil wurde, ״mit jüdischen Augen*1 durch Italien streifen zu können, der hatte im Anfang seiner Reise wohl vollauf damit zu tun, sich vor sich selbst zu rechtfertigen, daß... er hier sei, während die Freunde zu Haus bleiben mußten: gesegnet der Auftrag, der mich hierher führte — so sprach er wohl — und selbst einer Krankheit wurde — wie des Höflings Charbonah in der Megillah ■— ״zum Guten gedacht....“ War aber dieser Prologus erledigt und machte er die Augen auf, so mußte er spüren — und viel stärker spüren als bei früheren Italien• Fahrten! — daß Erscheinen und Leistung des italienischen Juden in Italien grundlegend sich unterscheidet von Lebensform und Anschauung der heutigen Juden in Deutschland. Noch mehr: daß das italienische Judentum heute in einem Umwandlungs- Prozesse begriffen ist, der, wie es scheint, seine Höhe nodh nicht erreicht hat. ״Risorgimento“ mag wohl der italienische Jude diesen Vorgang nach dem Vorbild italienischer Geistesgeschichte nennen. Wir aber können fast von einer ״Auferstehung der Toten“ sprechen. Um es kurz zusammenzufassen: grundlegend anders war von jeher in Italien die Stellung der Juden zur Umwelt und die Stellung der Umwelt zu den Juden. Grundlegend anders wurde die Stellung der jüdischen Parteien zueinander; die Stellung der Jugend zum Zionismus; und die Stellung des Zionismus zur jümschen Religion. Heute gibt es in ganz Italien kaum einen Rabbiner, der nicht Zionist ist; und kaum einen Zionisten, der sich nicht zur Einheit von Nation und Religion bekennt. Wie ist das gekommen? Als unsere Väter nach Italien zogen, da wußten sie trotz aller Begeisterung 'für die italienischen Juden der Vergang«enheit, die ״Gedaule“, von den Juden der italienischen Gegenwart nicht viel Erfreuliches zu berichten. Gewiß, sie standen in diesem vielgelobten ״Lande ohne Risches‘1 vielfach an wichtiger Stelle im staatlichen, wirtschaftlichen, Wissenschaftliehen Leben; aber waren sie noch Juden? Das blieb dunkel; wenn auch wenige das letzte Band durchschnitten, das sie an die alte Gemeinschaft knüpfte. Geburt und Tod fanden sie in jüdischem Bezirk. Aber das Leben des Tages und des Jahres hatte allen jüdischen Inhalt, religiösen so gut wie nationalen, verloren. Wie erklärt sich die merkwürdige Wandlung, die sich nun — in der elften Stunde, wie es schien, kurz vor völliger Aufsaugung durch das Wirtsvolk — innerhalb etwa eines Menschenalters an den italienischen Juden vollzog? — Nicht ganz leicht ist’s, hier klar zu sehen. Sicherlich gebührt dem Zionismus ein gut Teil des Verdienstes an dieser Aufrtittelung der Gewissen. Zumal, da der Zionismus in Italien mehr als ein Menschenalter lang durch einen außergewöhnliehen Mann und Lehrer vertreten wurde, dessen Schüler sich heute die wertvollsten unter den jungen italienischen Juden mit Stolz nennen. Das war Schemuel Zewi Margulies, Oberrabbiner von Florenz, den man lange Zeit den ״Oberrabbiner von Italien“ zu nennen pflegte. Von der Geburtsstunde der zionistischen Bewegung an hat Margulies sich entschieden für sie erklärt, immer dabei den vollkommenen Zusammenhang zwischen Nationalität und Religion bewahrend. Seinem Einfluß ist es zuzuschreiben, daß heute Zionismus und Religion in Italien eine untrennbare Einheit bilden. (Auch der verstorbene Oberrabbiner von Wien, Z. P. Chajes, eine der stärksten und reinsten Persönlichkeiten unseres zeitgenössisehen Judentums, wirkte bekanntlich eine Zeitlang segensreich an dem Collegio Rabbinico in Florenz.) Kürzlich hat man in Florenz den zehnten Todestag dieses Mannes auf eine für den Weg dieser jüdischen Rückkehr höchst bezeichnende Weise feierlich begangen. Von allen Seiten Italiens waren seine Schüler und Freunde herbeigeströmt und hatten sich in dem altertümlichen •Landhause am Fuße der Hügel von Fiesoie vereinigt, wo der Meister seine Muße zu verbringen pflegte. Hier im Garten mit dem Blick auf das großartige Panorama des antiken Florenz, wo er oft seine Schüler und Freunde um sich versammelt hatte, fand nun eine ״Settimana di Studio״, eine Gedenkwoche statt, in der Vorträge und Diskussionen sich ausschließlich mit Themen jüdischer Vergangenheit, jüdischer Gegenwart, jüdischer Ewigkeit beschäftigten. Hier sprachen neben Rabbinen und jüdischen Wissenschaftlern wie Artom, Cassuto, Männer aus allen Bezirken des geistigen und Berufslebens: Juristen, Mediziner, Künstler. Denn gerade das ist bezeichnend für diese jüdische Renaissance: nicht nur auf die ״Juden von Beruf“, auf Kanzelredner und Theologen erstreckt sie sich, sondern unter dem Einflüsse dieses ausgezeichneten Mannes erwachten junge Juden aus allen Kreisen und Berufen. Die Mehrzahl kam aus Häusern, wo man seit langem alles Jüdische vergessen hatte; und nun tasteten sie langsam sich ihren Weg zurück zum alten Vätererbe. So entstanden allenthalben die ״Convegni“, deren es heute in den verschiedenen Städten Italiens etwa fünfzehn gibt: Gemeinschaften für die Pflege jüdischer Wissenschaft und jüdischen Lebens. So entstand aber auch in Florenz die Gemeinschaft der ״Integral-Juden“, die nach dem Vorbilde ihres Lehrers das Judentum in seiner Ganzheit in seiner Bindung von Gesetz und Sitte, Religion und Nation erfassen wollte. Im Namen und im Aufträge dieser neuen Jugend wurde jetzt in Florenz als Krönung der Gedenkfeier zu Ehren des verklärten Lehrers eine Jeschiwah gegründet, die seinen Namen tragen soll. Mit Recht mochte Alfonso Pacifici, den man auch bei uns (z. B. von den Zionistenkongressen) kennt und der zu den Lieblingsschülern des Rabbi gehörte, am Schlüsse der ״Sabbat-Woche“ nach altem Brauche das Snhehechejonu aussprechen: den Dank, daß die erstorbenen und wiederbelebten Juden Italiens diesen Tag erleben durften. Der berühmte Archäologe Sir Fl Inders Petrie, der jetzt in Ga?a in Süd-Palästina Ausgrabungen macht, meldet, daß er soeben den Palast in der Mitte der alten Festung bloßgelegt hat. Von der Festung verlaufen mehrere unterirdische Gänge unterhalb der Mauern, die eine Verbindung mit der Wüste herstellen. Der Gelehrte ist der Meinung, daß ein so ungeheures Gelände voll archäologischer Schätze hier verborgen Regt, daß die Ausgrabungen 50 Jahre in Anspruch nehmen müßten. Gesuadheitsausstellung in Jerusalem Was Im Stadion von Tel-Awiw, auf den Tennisplätzen von Rechoboth, in den Schwimmanlagen von Haifa an körperlieber Kraftentfaltung gezeigt wurde, das fand gleichsam seine theoretische Begründung und Fundierung in den wundervollen Räumen des Beth-Habriuth in Jerusalem, wo Dr. Ernst Simon (zu unterscheiden von Dr. Ernst Simon-Haifa) eine Ausstellung über das gesamte Gebiet der Körperpflege und Leibesübungen zeigte. Es war der erste Versuch, einem ungeschulten Publikum die Bedeutung der Körperpflege im weitesten Sinne für das Kind und den Erwachsenen zu zeigen. Mit Recht hat diese Ausstellung den Namen bekommen ״Der gesunde Körper“. Drei Unterabteilungen lehren, wie er zu erreichen und zu erhalten ist: durch Leibesübungen, durch allgemeine Hygiene, durch gesunde Ernährung. Besonders instruktiv, und zugleich besonders notwendig ist die klare, bildliche Darstellung der allgemeinen Hygiene des täglichen Lebens, natürlich unter besonderer Berücksichtigung der durch die klimatischen und sonstigen Lebensbedingungen von Erez Israel erforderlichen Maßnahmen. Bild und Text sind, wi« in der ganzen Ausstellung, geschickt und ohne banal zu sein, primitiver Auffassungstähigkeit angepaßt. Der Hauptteil der Ausstellung ist, wie alles im Lande in jenen Tagen im Zusammenhang mit der ״Makkabiah“ stand, dem Turnen und Sport gewidmet. Hier konnte man wirklich mehr als nur sehen, nier konnte man lernen. Außerordentlich interessant die Darstellung, welche Bedeutung die einzelnen, verschie« denen Arten des Turnens und des Sportes für die Muskeln des Körpers haben, welche Muskeln also jeweilig besonders trainiert und ausgearbeitet werden. Unschwer war aus den klaren Abbildungen zu ersehen, bei welcher Sportart Ergänzungsübungen notwendig sind, und wie sie beschaffen sein müssen, um eine möglichst gleichmäßige Durchtrainierung des Körpers zu erreichen. Ebenso wurde im Bild deutlich, durch welche Uebungen Schäden ausgeglichen werden können, die im Berufsleben durch einseitige Beanspruchung einzelner Muskelpartien oder durch unvermeidliche, ungünstige Körperhaltung entstehen. Andere Tafeln zeigten den Wert der einzelnen Sportarten für das verschiedene Alter, ferner wie wichtig es ist, die Verschiedenheit des männlichen und weibliehen Körpers bei der Auswahl der Uebungen genau zu beachten. Eine starke Belebung erhielt die Ausstellung durch einige Blätter, die die Entwicklung der Leibesübungen bis zur Antike zurück darstellten. Eine weitere Abteilung zeigt in Kurven und Zahlen die außerordentliche Entwicklung der Makkabi-Weltbewegung. Es ist geplant, die Ausstellung zu er* weitern durch eine Darstellung der Geschichte der Leibes- Übungen bei den Juden. Es ist hierfür die Mitarbeit weitester Kreise erforderlich, und es sei hiermit auch an dieser Stelle dringend dazu aufgefordert. — Es ist unmöglich, aus dem Beth-Habriuth herauszugehen, ohne auch über die sonstige Bedeutung dieses Hauses zu berichten. Die Einrichtung ist überaus prächtig und erfüllt alle nur denkbaren Ansprüche, ja man darf wohl sagen, daß sie ein wenig über dem Standard des Landes steht. Es gibt eine Lehrküche rum Anlernen von Hausfrauen für praktisches, zweckentsprechendes Kochen, Lehrgänge für diätetisches Kochen, vom Beth Habriuth aus werden durch Sozialarbeiterinnen Hausbesuche in den Wohnungen der orientalischen Juden (Jemeniten, Kurden) gemacht. Schon jetzt werden 3600 Kinder von diesem Haus aus gespeist, 700 junge Mädchen und Frauen lernen in den Kursen, ln den oberen Räumen finden während des ganzen Nachmittags für Kinder orthopädische und heilgymnastische Kurse statt, für die die Einrichtungen ebenfalls geradezu vorbildlich sind (speziehe Korkfußböden, Duschräume usw.). Dr. Ernst Simon, der Leiter des Beth-Habriuth, das noch nach vielen Richtungen ausgebaut werden soll, leistet hier im Süllen eine wenig beachtete, für das ganze Land ungeheuer wichtige Arbeit, die gelegentlich der Ausstellung erstmalig einem weiteren Kreis hoffentlich deutlich sichtbar geworden ist. Dr. Edgar Marx. HebrSIsche Philosophie. Im Verlag der Hebräischen Universität Jerusalem ist soeben ein Buch ״Die Philosophie des Schalomon Maimon“ von Dr. Hugo Bergmann, Dozenten der Philosophie an der Hebräischen Universität, erschienen (in der ״Jüdischen Rundschau“ hat vor einiger Zeit Dr. Siegfried Ucko bereits auf das damals in Vorbereitung bekindliche Werk hingewiesen). Das Buch, das aus Vorlesungen an der Universität hervorgegangen ist, beschäftigt sich hauptsächlich mit der Erkenntnistheorie Maimons. Bergmann steht auf dem Standpunkt, daß die bisherigen Darstellungen, die von jüdischer Seite über Maimon gegeben worden sind, zu wenig den großen konstruktiven Charakter des Maimonschen Systems betont haben und die Skepsis Maimons zu sehr unterstrichen, welche in seinem System nur eine sekundäre Rolle spielt und aus seiner denkerischen Redlichkeit quillt. Das Buch zieht zum erstenmal in ausführlicher Weise die hebräischen Quellen der Philosophie Maimons heran. Besondere Kapitel behandeln die Anthropologie und Ethik Maimons, sowie seine Beziehungen zu Spinoza, Fichte und Hegel. Auch die Be- Ziehungen zwischen Maimon und Maimonides werden ausführlieh dargestellt. Ein Anhang behandelt die hebräische philosophische Terminologie Maimons. Die philosophische Literatur in hebräischer Sprache ist um ein interessantes und wichtiges Werk bereichert worden, das den originellen Charakter der neuen jüdisch-philosophischen Forschung erweist an einem Denker, der als Jude in der deutschen Philosophie des 19. Jahrhunderts eine noch nicht genügend gewürdigte Rolle spielte. ״Nathan der Welse“ in arabischer Uebersetzung. In der Druckerei des (zum großen Teile von deutschen Geldern erhaltenen) ״Syrischen Waisenhauses“ in Jerusalem ist soeben eine arabische Prosa-Uebersetzung von Lessings Nathan dem Weisen erschienen. Uebersetzer ist Elias Haddad, ein Christlicher Araber, der als Lehrer an dem Waisenhause wirkt und sich schon durch eine Reihe von Lehrbüchern des Arabischen einen Namen gemacht hat. In der Vorrede zu der Uebersetzung schreibt Haddad u. a.: ״Was ist niedriger und tadelnswerter als die Erscheinung, daß die Söhne eines Landes, die unter einem Himmel wohnen, in Parteien zerfallen, die einander verächtlich zu machen suchen?“ Haddad erwähnt daun, wie die Umwälzung in der Türkei die Trennung von Staat und Kirche in der Türkei gebracht habe und diese ihrerseits auf die arabischen Länder in der Richtung gewirkt habe, daß ״eine gesegnete Bewegung der Toleranz einsetzte, welche den Geist der Duldung in allen diesen Ländern mit Glück zu verbreiten sucht. Es ist kein Zweifel, daß es in keinem Lande der Welt einen sozialen oder politischen Fortschritt geben kann, wenn nicht vorher die religiöse Toleranz verwirklicht wurde.‘* Haddad erklärt dann seinen Lesern, daß religiöse Toleranz nicht Gleichgültigkeit oder gar Frivolität der eigenen Religion gegenüber bedeutet, und schließt seine Vorrede mit einem Zitat aus dem Neuen Testament und dem Koran, in welchen beiden zur Duldsamkeit aufgefordert wird. Dem Buch (175 Seiten) sind auch historische Einleitungen und ein Vokabular schwererer Ausdrücke beigegeben. h. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Werner Bloch, Berlin-Wilmersdorf. Verleg: Jüdisch« Randfduu G. m. b, H., Berlin W15. Druck von Siegfried Scholem, Berlin - Schöneberg.

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