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Jüdische Rundschau · 1936-12-30 · Heft 104-105 (30.12.1936) · page 25

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 104-105 (30.12.1936)
Date
1936-12-30
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Nr. 24 KINDER ■RUNDSCHAU Seite 3 Schafft Bäume unserem Land! Ihr aLe erinnert euch noch, wie wir während der Unruhen in den vergangenen Monaten fast täglich aus Palästina neben anderen bösen Nachrichten auch die schrecklichen Mitteilungen über die Verwüstungen in den W aldanpflanzungen erhielten, und nichts außer dem Verlust an Menschenleben hat die Seelen der Juden der ganzen Welt stärker angerührt als dieser Zerstörungsfeldzug gegen Wälder, die unter ungeheuren Mühen und Opfern in den letzten Jahrzehnten von uns Juden angepflanzt und mit gärtnerischer Liebe umhegt worden sind. Die zwei nachfolgenden Aufsätze zeigen euch, was der Wald einem Menschen in Palästina bedeutet und wie er mit ihm verwachsen ist. Denn ihr alle wißt, daß Wälder für ein Land nicht nur die Bedeutung eines Zierats haben, sondern daß sie ein Lebenselement sind. Die Bibel erzählt von den einstigen dichten Wäldern auf dem Libanon; aber in den Jahrhunderten, in denen Juden nicht in Palästina lebten, haben fremde Völker diese Waldbestände völlig vernichtet, so daß es fetzt der größten Anstrengungen bedarf, um sie wieder aufzubauen. Der Wald hat für das Klima eines Landes außerordentliche Bedeutung, und wenn es erst einmal in Jahrzehnten dichte Wälder in Palästina geben wird, so wird dies auch auf die klimatischen Bedingungen des Landes von entscheidendem Einfluß sein. Darum gilt es immer von neuern, sich mit aller Kraft für die Aufforstung des Heiligen Landes einzusetzen — vor allem aber in einer Zeit, in der äußere Gewalt uns unserer ersten Erfolge wieder berauben wollte. Der Keren Kafemeth Lefisrael führt in diesen Wochen eine Sammlung für Waldanpflanzungen durch, zu der ihr Kinder vor allem mitbeizutragen aufgerufen seid. In Mischmar Haemek, in Scheich Abrek und in Kfar Hamakkabi sollen Anpflanzungen vor genommen werden, für die es nunmehr zu sammeln und sich einzusetzen gilt. In Scheich Abrek wird die Anpflanzung von einer Gruppe Jugendlicher aus Deutschland vorgenom•‘ men werden; und diese Gruppe, die bisher noch keinen Boden hatte, soll mit dem Geld, das sie auf diese Weise verdient, sich die nötigen Mittel für ihre eigene Ansiedlung schaffen. Ihr seht, wie hier ein Rad ins andere greift und wie aus einer einfachen Sammelaktion für einen Wald neue Lebensmöglichkeiten für unsere Menschen in Palästina geschaffen werden. Darum widmet euch diesem Werk! Schafft Bäume unserem Land! (Red.) Wir wachten um den Wald Aus dem Tagebuch eines jungen Schomers Montag, den 20. April Und wieder liegt eine Nacht des Wachseins hinter uns. Die Araber gaben uns keine Ruhe. Gestern um Mitternacht sprangen wir wieder einmal aus den Betten. Diesmal aber hörten wir keine Schüsse, wir wurden von unseren Wächtern geweckt. Als wir hinausgingen, sahen wir Feuer in der Mitte des Wäldchens. — Das Wäldchen brennt! — Das Gefühl jedes Einzelnen von uns in diesem Augenblick ist nicht zu schildern. Und folgendes ereignete sich heute nacht: Nach den Schüssen von gestern beschloß die Polizei, die darauf uns besuchen kam, selbst einige Stunden der Nacht in dem Waldchen zu verbringen, um aufzupassen, ob die Araber, die vorher geschossen haben, nochmals erscheinen werden. Um 81/2 Uhr gingen die Polizisten in Begleitung zweier unserer Wächter fort, und am Kreuzweg, der zu dem Wäldchen führt, legten sie sich hin. Sie lagen dort bis 11 Uhr, aber es passierte nichts. Der englische Korporal beschloß dann, einen Rundgang durch das Wäldchen zu machen. Er nahm einen arabischen Polizisten mit sich und ließ den Rest der Polizei und der Wächter an dem Platz. Nach wenigen Minuten merkten plötzlieh unsere Wächter, daß eine große Flamme aufstieg; anfangs sah es aus, als ob es nur ein kleiner Holzstoß sei. Unser Lager erschrak, und sofort fuhr eine Gruppe von Feuerlöschern mit Säcken und anderen Instrumenten mit dem Auto zum Wäldchen. Alle ordneten sich auf ihrem Platz ein. P., der mit den Polizisten zum Feuer mitgegangen war, kam an den Platz, wo die erste Blechbaracke stand. An der Allee, die die beiden Waldteile trennt, brannte die Dornenhecke. Aber das Feuer begann auch schon im Walde zu lodern. Inzwischen kamen die Leute unseres Lagers und begannen, das Feuer zu löschen, was auch nicht allzu schwer war, weil die Bäume selbst noch nicht brannten. Sonntag, den 3. Mai Es erreichten uns Nachrichten über Demonstrationen und Schüsse, Tote und Verwundete aus Haifa. Und wieder einmal waren wir in Spannung. Von allen Seiten wurde uns mitgeteilt, daß wir in dieser Nacht besonders gut aufpassen und auf der Wacht sein müßten. Am nächsten Morgen, als wir in das Wäldchen kamen, fanden wir eine völlige Verwüstung. Wir zählten 411 zerbrochene und ausgerissene Bäume. Wir teilten dies sofort der Polizei mit. Es kam der Vizegouverneur aus Haifa. Als er die umgeknickten Bäume sah, regte er sich sehr auf und fragte, ob man die umgeknickten Bäume nicht mit einer Schnur verbinden könne. Montag, den 4. Mal Um 9 Uhr abends ungefähr erblickten wir ein Feuer Im Wäldchen; auch aus der ganzen Umgegend wurden wir telephonisch deswegen alarmiert. Der Benachrichtiger aus Nahalal gab uns Zeichen und beleuchtete unsere Gegend. Wir fuhren hinaus. Die Polizeiwache, die am Platz war! ging mit uns zum Wäldchen. Zuerst ging die Polizei und Sch., danach kamen unsere Leute mit den Regierungsgewehren und zuletzt der Feuerlöscher. Das Feuer war erst im Entstehen, Rund um das Feuer im Umkreis von etwa 100 m stand eine bewaffnete Gruppe, um die Feuerlöscher vor Ueberfall aus dem Hinterhalt zu schützen. Das Feuer wurde schnell ge*• löscht, da die Bäume selbst noch nicht Feuer gefangen hatten. Es brannte nur das Gras. Die Polizisten untersuchten die Umgebung und kehrten nach Hause zurück. Um 3 Uhr nachts wieder Feuer. Unser ganzes Lager ist wieder wach und in kurzer Zeit mit dem Auto an Ort und Stelle. Diesmal war das Löschen leicht, dagegen die Rückkehr schwer. Müde. Erst bei Sonnenaufgang kehrten wir nach Hause zurück. Montag, den 11. Mai Wieder einmal ist das Wäldchen angezündet worden. Der starke Westwind hat das Feuer zwischen die Bäume getrieben und einen nach dem anderen angezündet. Heute war ein starker Chamsim, ein trockener Wind, und die Bäume waren leicht entzündbar. Man läßt uns keine Ruhe. Mittwoch, den 13. Mai Wir sind machtlos den Bränden gegenüber, die kein Ende haben. Jeden Tag neue Brände, Schmerz und Erbitterung, Wie soll das nur enden? Wir sind ermattet nach einem Tag der Arbeit und müssen laufen, um unser Eigentum zu schützen; die Kiefer, für die wir soviel Arbeit aufgewandt haben, müssen wir vom Feuer retten. ״Es ist eine Freude, im Wald zu geiisn“... Aus dem Aufsatz eines dreizehnjährigen Jungen Der Wald ist wichtig, nicht nur um seiner Schönheit willen, sondern auch zum Nutzen des Menschen. Nun hat die Haschomer Hazair-Bewegung beschlossen, Gelder für den Keren Kajemeth Lejisrael zu sammeln, um ein Wäldchen neben Mischmar Haemek zu pflanzen. Viel Zeit ist seitdem verflossen, ungefähr 8 Jahre ... und jetzt ist der ganze Berg, der früher ganz kahl war, voller Grün und bedeckt mit hohen und frischen Bäumen. Jahr um Jahr vergrößert man die Fläche des Wäldchens. Man gräbt, pflanzt und schon in einem Jahr wird eine neue Fläche des Berges zum frischen Wald werden. Und jetzt ist es eine Freude, im Wald zu gehen und die Früchte der Mühe aer Menschen, die das Land bauen, ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit, zu sehen. Viele Touristen kommen am Schabbat, um das Wäldchen zu sehen und sie sagen: Siehe, das Land kommt zu seiner Vergangenheit zurück, und die Wälder werden aufs neue belebt und erblühen, wie es einst war. Der Wald bringt viel Nutzen: gute und saubere Luft, es ist grün dort, es leben Tiere in ihm und auch Pilze wachsen. (Beide Aufsätze sind aus dem Hebräischen übersetzt)

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