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Jüdische Rundschau · 1936-12-23 · Heft 102-103 (23.12.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 102-103 (23.12.1936)
Date
1936-12-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 102/103, 23 XII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 Chaim Weizmanns Reden und Schriften Irn Mizpa-Verlag (Tel-Awiw) erscheint in 4 Bänden das Buch ״Dewarirn“, eine Sammlung von Reden, Aufsätzen und Briden Chaiin Weizmanns. Bisher erschien der erste Band, enthaltend Aeußerungen Weizmanns aus seinen und der zionistisehen Bewegung Jugcndjahren. Schon dieser Band zeigt in verhüllter Form die spätere Gestalt Weizmanns, sein Glaubensbekenntnis, sein System von Tat und Kampf in künftigen Tagen. Mit Herzklopfen lesen wir den ״Brief an Herz!“, in dem er die zionistische Bewegung jener Zeit motiviert. Mit dem Künstlcrpinscl eines Maiers zeichnet er die Lage der Jugend, die sich andern Götzen darbringt, während der Zionis• mus ihre belebenden Kräfte benötigt. Fast alle Prinzipien, auf denen Weizmann die ״demokratische Fraktion“ basierte, behielten bisher ihre Lebenskraft als Postulate an die zionistische Bewegung der Gegenwart. Auf keinem Kongreß, auf keiner Versammlung zionistischer Intelligenz: scheute er, für seine Anschauungen zu kämpfen. Mit der ihm eigenen Klarheit erläutert er die Grundlagen des Zionismus und fordert die Schaffung von Bedingungen für praktische Tätigkeit im Lande Israel und für tiefschürfende Erziehungsarbeit nn Galuth, AH sein Feuer, alle seine Wärme ergießt er in die Erläuterung des Gedankens, der inzwischen sein und des Zionismus fester Besitz geworden ist: daß ohne reale Arbeit Im Lande Israel, ohne jüdische Bauern, jüdischen Boden und jüdische Arbeiter kein Charter einen Wert besitze. Heute, wo das erwähnte Postulat als allgemein angenommen erscheint, ist es schwer, sich vorzustellen, wie sehr der Kampf Weizmanns und seiner Genossen um dieses Prinzip — ein Schwimmen gegen den Strom, ein Untergraben von wirklichen oder scheinbaren Autoritäten darstellte. Auch später, nachdem er bereits als Führer und Bringer der ßalfour-Dcklaration auf die Bühne des Volkes hinaufgehoben worden war, ließ er nie von diesen seinen Prinzipien ab. Und so hören wir denn, wie er, in stetiger Wanderung durch die jüdische Welt begriffen, ruft und fleht: reale Taten, Bau, Erlösung des Bodens, Be• Siedlung! Weizmann ist kein Schriftsteller im Sinne des all• gemein angenommenen Begriffes. Er ist Politiker, und zwar von seinen Jugcndjahren an. Ein Politiker aber verleiht seiner Seele Ausdruck dadurch, daß er für das Leben seines Volkes Programme formt und dieselben verwirklicht. In schwerem Ringen mit äußeren und inneren Widerständen prägt er sein Bild auf die durch Ihn geschaffene gesellscliaf tliclie und politische Wirklichkeit. Die Aufsätze und Reden von Weizmann spiegeln ein kleines Bruchstück seiner Taten. Und doch sind die zur Schrift gebrachten Worte Weizmanns von Wichtigkeit nicht nur als Boten von Ideen, sondern auch an und für sich. Seine Reden, und erst recht seine Briefe, erscheinen als kostbare und vollendete schriftstellerische Edelsteine, aus denen man die Methode so vieler schöpferischer Schriftsteller herausspürt: Bewältigung des Stoffes und dessen vollständige Ausglättung, milder Wechsel und Mischung von Kälte und Wärme, ein sich Nietierlasscn und Anklammcrn an einen dunklen Stoffblock zwecks Formung desselben. So schreibt oder spricht ein Mann, der nicht nur durcii den Inhalt seiner Worte, sondern auch durch ihre künstlerische Form und ihre verhüllte Symbolik wirken soll. So schreibt ein Mann, den nicht nur das Bedürfnis, sein Programm zu erläutern, dazu drängt, sondern in dem auch der Trieb eines Künstlers waltet. Die schöne hebräische Uebersctaing und die sorgsame Anordnung vergrößern nur den Reiz und den Wert von ״Dewarim . Israel Kohn (Tel-Awiw) Thontsens Palästina-Bibliographie Die Palästinaliteratur. Eine internationale Bibliographie in systematischer Ordnung mit Autoren- und Sachregister. Unter Mitwirkung von J. de Oroot und A. Gustavs bearbeitet von Professor D. Dr. Peter Thomscn, Dresden. 5. Band: Die Literatur der Jahre 1925—1934. Lieferung I (S. u. 1 224) gr. 8״. Preis RM. 15,-. (J. C. Hinrichs Verlag, Leipzig C 1.) Für wissenschaftliche Arbeiter auf den Gebieten, die mit Palästina Zusammenhängen, ist die von Peter Thomsen herausgegebene Bibliographie längst unentbehrlich geworden. Die Befürchtung, daß mit dem bereits vorliegenden vierten Bande die Bibliographie abgeschlossen ist und nicht fortgesetzt wird, ist jetzt durch das Erscheinen der ersten Lieferung des 5. Bantles widerlegt worden. Thomseil hat in seinem Werke die gesamte Palästina betreffende Literatur verschiede- 11er Nationen, darunter auch hebräische Werke, verzeichnet, und zwar ist dabei die Literatur zur Religionsgeschichte, Archäologie, alte Geschichte und Völkerkunde genau so beriicksichtigt wie die Literatur zu den Gegenwartsproblemen. Mail kann sich also von der Vielseitigkeit dieses Werkes eine Vorstellung machen. Wer die Bibliographie Von Thomscn noch nie in der Hand gehabt iiat, wird von der Fülle dieses Materials überrascht sein. Der Verlag stellt erfreulicherweise für das Jahr 1937 zwei weitere Lieferungen in Aussicht, und die Sclilußlicfcrung soll bis 1938 aiisgegeben werden. Das ganze Werk wird dann in rund 11 000 Nummern auf etwa 960 Seiten alle Veröffentlichungen[ (Bücher, Zeitschriften, Aufsätze, Karten, Bilder) über Palästina nebst Inhaltsangabe und Rezensionen verzeichnen. Die erste vorliegende Lieferung umfaßt auf 221 Seiten zunächst die Hauptgebiete: Allgemeines und Geschichten. Es Ist zu hoffen, daß Prof. Thomsen die Möglichkeit haben wird, die verdienstvolle Arbeit auch über das Jahr 1934 hinaus weiterzuführen. ״Corona“, die kultivierte und vornehme Zweimonatschrift (Verlag R. Oldenbourg, München, Jahr 10 M.) beschließt soeben ihren sechsten Jahrgang mit einem Heft, das besonders reizvoll ist. Es enthält ein Gedicht von Rilke an George aus dem Jahre 1897, in dem sich Rilke bewußt ablöst. Zu tict ist die Kluft der Religiosität zwischen den beiden Dichtern. Die Atmosphäre der ״Corona“ ist immer vom Geist Rilkes und Hofmannsthals erfüllt. Das vorige Heft brachte ungemein interessante und für den Dichter charakteristische Tagebuchblätter von Hofmannsthal; im letzten Heft erzählt Max Mell über seine Begegnung mit Rilke zur Kriegszeit, als diesem die Einziehung drohte. Erwähnt seien an Beiträgen, für die wir bei unseren Lesern Interesse voraussetzen: Gottfried Kellers Briefe an Vieweg über den ״Grünen Heinrich“, herausgegeben von dem großen jüdischen Keller- Forscher Jonas Frankel; eine Ode von Rudolf Alex. Schröder ״An Rudolf Borehardt“ (1907), ״Aus Attischen Nächten״ von Julius von Schlosser, ״Jung-Stilling“ von Fritz Ernst, ein packendes Stück Geistesgeschichte des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Die Zeitschrift vermittelt Menschen, die in einer zeitlosen Atmosphäre des Geistigen Zuflucht suchen, Stunden ungetrübten Genusses. Zur neuen Ausgabe der ״Judenbudie” Annette von Droate-Hiilshoff: Die Judenbuche. Schocken- Bücherei. 68. Es ist — trotz aller schon vorhandenen Einzeldrucke — selir zu begrüßen, daß der Schocken-Verlag die klassische deutsche Judcnnovellc wieder veröffentlicht; wohl die einzige Schöpfung in deutscher Sprache, die man neben Stifters ״Abdias“ stellen kann. Auch ist das papierne Kleid des dunkelblauen Bändchens so reizvoll wie seine Geschwister aus der Schockcit-Büclierci; und daß Annettes bekannte, aber schwer zugängliche Quelle, die ״Geschichte eines Algierer Sklaven“, die August von Haxhausen in der ״Wünschelrute“ erzählte, hier beigedruckt ist, finde ich besonders dankenswert. Daß der von den Setzern sonst meist übel behandelte hebräische Spruch liier fehlerlos wiedergegeben wurde, ist nicht verwunderlich; hier wurde im Gegensatz etwa zu der Kritischen Ausgabe von Schulte-Kerrmiinghausen die Fassung der späteren Ausgaben vorgezogen, obwohl diese nicht von der Dichterin sei bst gebilligt worden ist. Das aber läßt sich verteidigen, da ja Annette selbst sich diesen Spruch, der sich in keiner jüdischen oder nichtjiidischcn Quelle zu finden scheint, wahrscheinlich von einem ihrer geistlichen Freunde hat übersetzen lassen, also für de!1 Wortlaut, der ja merkwürdig unlicbräisch, ja unjüdisch klingt, nicht selbst verantwortliclr ist. Das dem Bande beigegebene Nachwort zeugt wohl von echter Ergriffenheit gegenüber diesem ״erzählten Mysterium“. Aber die Hauptaufgabe, die man von dieser Edition eines jüdischen Verlages erwartet hätte, wird auch hier nicht erfüllt — wie sie bis jetzt in der umfangreichen Droste- Literatur noch nicht erfüllt worden ist (außer in einer noch nicht gedruckten Arbeit von B. Jacob). Hier wäre zu zeigen gewesen, wie sich dem von allem Wissen vom Judentum fernen, aber den tiefen Mächten der Geisterwelt aufgeschlosserten Sinne dieser ״Seher-Frau“, wie sie Gundolf nannte, die Doppelbcdcutung des Judenvolkes offenbarte; wie aus den überall verachteten und entrechteten armseligen Juden im westfälischen Heideland plötzlich für das Gespensterauge der Dichterin die Boten einer übersinnlichen Macht — die Opfer und Träger des Gedankens der Gerechtigkeit wurden. Bertha Badt-Strauß Stefan Zweig: Georg Friedrich HSndels Auferstehung. Eine historische Miniatur. Herbert Reichner Verlag Zürich 1937. 8,50 RM. Die (schon in der zweibändigen Gesamtausgabe Stefan Zweigs enthaltene) ergreifende Geschichte von Handels Krankheit und Wiedergeburt hat der Verlag in einer bibliopHilen Sonderausgabe, hergestellt auf edlem Bütten in der Industrie-Druckerei in Prag, mit Zeichnungen aus der Meisterschule Victor Hammer in Grundlsee herausgebracht. Stefan Zweig erzählt hier von dem Mysterium des Schöpfertums; der vom Geist der Bibel inspirierte Händel überwindet mit eisernem Willen die Hemmnisse der Krankheit und schwingt sich auf der Jakobsleiter der Töne 1n ein unsterbliches Reich. Dieses auch äußerlich schöne Büchlein von der Entstehung des Oratoriums ״Messias“ hat wirklich etwas ״Erlösendes“. Es ist ein passendes Geschenk für unsere Zeit. *ar m w WM DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Kadsdicnu für Knaben In der ostjiidisdien Sdiu] viel gesungen Alle Rethtc Vorbehalten Nadi druck verhol ca Ch. Wlnawer ve-ssen tSfJm - o) <*’ - £cty. קדשנו?:?זצוודןז׳ ותן חללנו בתוו־סןי שבענו מטובל׳ ושמחנו במווזןתןז . .....1.וו-:!! י ■!1!׳, :״׳ : ■ ... ויו lumiiit Walter Proskauer: Hiob — und wir. Schicksalsfragen und Gottesantwort Firaiidu-sciie Verlagsbuchhandlung, Berliu W 50. Titel und Untertitel des kleinen Buches lassen bereits erkennen, daß cs ein Z e 11 d u k u m e 111 ist, ein Dokument unserer, nicht eins über Hiobs Zeit; also keine historische, archäologische, tcxtkriibdie oder theologische Untersuchung über das Buch Hiob, sondern eine Betrachtung unser selbst und unseres Schicksals, gemessen an Hiobs Erlebnis, und eine Art Wegweiser für im-Vr Verhalten, vorgezeichnet aut dem Grunde von Hiobs Verhalten. ,,Denk an Hiob!“ ist .also der Leitsatz der entscheidenden Schlußkapitel, worin das Probletn der Gerechtigkeit aufgcrollt und das Postulat der Standhaftigkeit erhoben wird. Vom Anfang an, der natürlich Hiobs Geschichte wiedergibt, ist eins an dieser Schrift benierkcns* wert: sie ist ohne Jeden wissenschaftlichen oder literarischen Nebenzweck verfaßt, sie zielt nur auf das Menschliche und predigt doch keine. Moral. Das Judenschicksai hat den Mann, der das geschrieben hat, gepackt und verwandelt. Er sucht keine neue Philosophie, sondern er versucht zu verstehen, sich zu fügen und durch kluge Herzensfrömmigkeit der Fügung gerecht zu werden. Er ist oder war, wie man uns sagt, Jurist: hier steht er weit über allem Menschenrecht vor der inneren, göttlichen Gerechtigkeit. Er ist, wie man hier sieht, fern von aller bisherigen jüdischen Literatur solcher Art: nur das Buch Hiob selbst bewegt ihn und hat ihn dazu vermocht, dic-es darum gültige menschliche Bekenntnis abzulegen. __ H. Neuauflage vor Michael Friedländer: Die jüdische Religion. (Verlag J. Kaiiiimann, Frankfurt a. M.) Das bekannte und geschätzte Buch dteinstigen Leiters des Jews College in London. Michael l'iicdl.mder, ״Die jüdische Religion“, das von Prof.' Josua Friedl.mdcr gewandt und sachkundig ins Deutsche übertragen wmden ist, erscheint soeben in dritter Auflage. Gerade i’11 d:»cr Zeit wird diese klare und warmherzige Darstellung denbcrlicfiTtcn Judentums vielen willkommen sein, die״zu den Quellen ihrer jüdischen Existenz herabzusteigen sich bedrohen. Der Uebersctzcr, der schon vor Jahren ,zusammen mit seinem im Weltkriege gefallenen Vetter und Freunde Dr. Moses F'ricdiänder die erste deutsche Ausgabe besorgte, ha! in dic-er neuen Auflage m dankenswerter Weise die Mbl!׳.graphischen Angaben vervollständigt und ganz besonders die neueren und neuesten Hilfsmittel bei der Erlernung der hebräischen Sprache berücksichtigt. 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