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Jüdische Rundschau · 1936-12-15 · Heft 100 (15.12.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 100 (15.12.1936)
Date
1936-12-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WM w Nr. lOp'Wahrgang 41 Pieis 25 8p£ JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLIN א' טבת תרצ״ז DIENSTAG, 15. DEZEMBER 1936 Gfiltigi Anzaiganpraialiste Nr. 5• Die 12 gespaltene mm •Zeile 20 Rpf., fu t Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für di© Aufnahme von Anzeigen in bestimmte!» Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit•• anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9— 18 Uhr. Annalirneschluß für di« Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F reitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Dar Zionismus erstreb( 1Qr das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Die Rolle der Kommunisten Sie rühmen sich der Teilnahme an den Palästina-Unruhen tAriftl«itug,Y«Ug o. Anselgenvamaltungi BerllnW li, Mslnekeib.10 Fernmfi Sammel-Nummer J1 (Bla*a*rck) 9031. - Bezugspreis etnsdiliefilich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, hei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39. — Postaxhedc - Konten der Vertrieb* - Abteilung; Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das Ginge Reich), ln Fallern höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebührea. — Enchotnt Jadan Dienstag und Freitag. Jerusalem (Palcor). Das kommunistische Blatt ״Haor“ veröffentlicht einen Bericht, aus dem das Ausmaß der Beteiligung von Kommunisten an den Unruhen in Palästina ersichtlich ist. ״Haor“ befindet sich jetzt im Streit mit der zentralen kornnumistisclien Partei infolge der Haltung der letzteren im Zusammenhang mit den Unruhen, ln einem ״Ein Arbeiter“ gezeichneten Artikel wird erklärt, daß die Bombenattentate auf das Gebäude der Arbeiter-Organisation in Haifa, auf das Messcgeländc in Td-Awiw sowie andere Gebäude auf Anordnung dcrKommunistischen Partei erfolgt waren. Die Exekutive der Koinmimistischen Partei in Palästina bestehe hauptsächlich aus arabischen extremen Nationalisten; das jüdische Element sei nur sehr schwach vertreten. JVIelech Epstein, Redakteur des amerikanischen kommunistischen Tagcsb'.attcs ״Freiheit“, habe anläßlich eines Aufenthaltes in Palästina während der Unruhen seiner Mißbilligung der kommunistischen Beteiligung an den Unruhen Ausdruck verliehen, da diese Tätigkeit der kommunistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten schaden würde; sein Rat sei jedoch nicht befolgt worden. * Seit Beginn der Unruhen in Palästina sind di« Nachrichten nicht verstummt, die darauf hinweisen, daß bei der An- Stiftung und Förderung der arabischen Aktion auch k o ni m u ־ nis tische Einflüsse ain Werk sind. Die deutschen Zeitungen haben wiederholt darüber berichtet, welche weitgesteckten Pläne die kommunistische Zentrale irn Vorderen Orient hat und mit welcher Erbitterung dabei die jüdischen Bestrebungen in Palästina und der Zionismus bekämpft werden. Dies entspricht einer alten, seit langer Zeit festgeiegten Politik der ״Komintern“. Schon in den ersten Jahren der bolschewistisehen Revolution haben die ihrem Volke und ihrer Religion treugebliebenen Juden Rußlands schwere Verfolgungen erlitten und viele Tausende von ihnen sind aus Rußland geflohen, darunter eine erhebliche Anzahl der heutigen Siedler Palästinas. Der vor drei Jahren in Berlin verstorbene Philosoph David Koigen hat ein Buch über seine Flucht aus Rußland geschrieben, dein er den charakteristischen Titel ״Der apokalyptische Reiter“ gegeben hat. ln Palästina wurden die Erlebnisse russischer Juden auf ihrer Flucht vor dem Kommunisinus häufig geschildert. Bei den Kongressen der Komintern wurde von Mal zu Mal dem Zionismus der Kampf angesagt. Vertrauen für W ei z mann London, 10. Dezember. (JTA.) In der Shorcditch Town Hall veranstaltete die Zionist Federation for Great ßritain and Ireland gemeinsam mit der britischen Abteilung der Jewish Agency for Pafestine eine Massenkundgebung, in der dem Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Weizmann, das feste Vertrauen in seine Führung und die Anerkennung für seine Darlegung der jüdischen Sache vor der Kgl. Kommission ausgesprochen wurde. Die Leiterin der Versammlung, Lady Re ad in ן, und die Redner, Lord M e 1 e 11 e 11, Prof. S. Brodctsky und Rev. P e r l z w e i g, fanden lebhafte Zustimmung und wurden von den Teilnehmern stürmisch gefeiert. Lord Melchett befaßte sich 11. a. mit der Ansicht, daß freundlich gesinnte arabische Staaten und eine wohlwollende mohammedanische öffentliche Meinung im ganzen Reich für dieses einen M a c 111 7.11 w a c 11 s bedeuten würden. Dem sei entgegenzuhalten, daß wir Juden nicht mit leeren Händen kommen. Mit unserer Energie, 1mserem Enthusiasmus und unserer Loyalität, sagte Lord Melchett, sind wir imstande, im Nahen Osten ein Gemeinwesen zu gründen, das für die künftige Entwicklung des Reiches von unschätzbarem Wert sein wird. Eine neue millionenstarke Bevölkerung britischer Bürger an einem lebenswichtigen Punkt der Welt wird eine wirkliche Rolle spielen können in der Entwicklung des Reiches, seiner Kultur und heim Schutz der Reichsintcressen, falls dies notwendig werden sollte. In fast allen größeren Städten Englands haben in letzter Zeit Versammlungen und Vorträge stattgefunden, in denen Vertreter der Jewish Agency vor Juden und Nichtjeden über das Palästinaproblem sprachen und insbesondere die Haltlosigkeit der Behauptung nachwiesen, daß Araher durch die jüdische Kolonisation verdrängt worden seien. Vielfach fanden diese Versammlungen im Rahmen der Ortsgruppen der englischen Völkerbundsliga und in bekannten Diskussionsklubs statt, die einflußreiche Intelligenzkreise Englands umfassen. Es sprachen 11. a. Lady Reading in einer Versammlung des Rotary-Clubs in Breadford, der auch der Bischof von Breadford, Dr. A. W. F. ßlunt, beiwohnte, Dr. Brodctsky in der literarischen Diskussionsvereinigiing von Bridlington, Rev. M. L. Perlzweig in der Völkcrbundsvereinigung der Universität Manchester und J. Solomon in der Völkerbundsvereinigung für Castle Ton und Sudden. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. B. Cohen fand in Amsterdam eine Versammlung aus Deutschland stammender Juden statt, in der über die Möglichkeiten gemeinsamer jüdischer Arbeit mit den alteingesessenen holländischen Juden beraten wurde. Es wurde beschlossen, ein Heim für Juden aus Deutschland zu gründen. Am 15. Februar 1925 wurde ein Aufruf der kommunistischen Internationale veröffentlicht, in welchem die Arbeiterschaft der ganzen Welt zum Protest gegen das jüdische Palästina-Werk aufgefordert wurde. Besonders scharf zieht dieser Aufruf gegen die zionistischsozialistischen Arbeiterverbände Palästinas zu Felde. Man verübelt der zionistischen Arbeiterschaft, daß sie auf nationa! er Grundlage steht und einen scharfen Trennungsstrich gegenüber dem Kommunismus zieht. Darum wurden auch in Rußland selbst Führer der ״rechten“ Poale Zion, der Zein! Zion, des Hascliomer llazair und wie alle die Organisationen heißen, auf das heftigste bekämpit; dieser Kampf wird mm nach Palästina übertragen, wo das konstruktive Aufbauwerk der jüdischen Arbeiter mit allen Mitteln gestört wird. Der Haß der Kommunisten gegen die jüdisch-nationalen Bestrcbilligen führt zu paradoxen Situationen. Der Kommunismus verbindet sich mit dem reaktionären arabischen Nationalismus der E f f e 11 d i s nur zu dem Zweck, um das jüdische Paliistina-Werk zu schädigen. Die ursprünglich sehr kleine Gruppe jüdischer Kommunisten, die von jeher den Zionismus gehaßt haben (später ״Jewsekzia“ genannt), sah nach dem Umstürz in Rußland die Gelegenheit gekommen, um ihren alten Gegner zu vernichten. Abkömmlinge dieser Gruppe tauchen immer wieder in Palästina auf und betätigen sich dort als antijüdische Hetzer. Es ist daher kein Wunder, daß die Sowjetpressc die brutalen antijiidischen Gewalttätigkeiten der arabischen Terroristen als Heldentaten gefeiert hat. Anscheinend ist es der Palästinaregierung noch nicht gehingen, diesen Zusammenhängen auf den Grund zu gehen. Die Kommunisten richten ihre üeheimtätigkeit vor allem gegen die jüdische Arbeiterorganisation und ihre Unterabteilungen, denn sie wissen, daß diese Organisation das stärkste Bollwerk gegen den Kommunismus im Lande darstellt. Daß sich an diesem Kampf neben Arabern auch jüdische Kommunisten beteiliget!, wird im ganzen’ jüdischen Volk schärfste Abwehr hervorrufen. Es liegt für uns Juden eine besonders schmerzliche Ironie darin, daß in zahlreichen Aetißcrunger! das Judentum schlechthin häufig mit dem Kommunismus identifiziert wird, wällrend in Wahrheit das wichtigste und zentrale jüdische Werk unserer Tage, tim das sich in immer höherem Maße alle Juden der Welt scharen, von der Zerstörungswut des Kommunismus auf das schärfste bedroht ist und von den Kommunisten mit der größten Feindseligkeit betrachtet wird. Neue Petroleum-Leitung־ Haifa, 15. Dezember. (JTA.) Die Irak Petroleum Company, die die Konzession für die Petroleumquellen von Mossul besitz(, beschloß, eine neue Röhrenleitung zu errichten, die mit der bereits bestehenden Petroleumleitung von Mossul nach dem Hafen von Haifa parallel laufen soll. Die Gesellschaft will einerseits die Menge des von den Petroleumquellen in Mossul nach dem Halen von Haifa beförderten Petroleums verdoppeln, andererseits durch die Errichtung einer zweiten Leitung die Sicherheit ihres Unternehmens erhöhen und etwaigen Verlusten Vorbeugen. Die Röhrenleitung soll 2500 km lang sein. Mit einer Röhrenleitung allein ist es möglich, jährlich von Mossul nach Haifa etwa drei Millionen Tonnen Petroleum zu befördern. Wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, haben wir es zweifellos mit einer strategischen Maßnahme zu tun, die die Bedeutung des Haifaer Hafens außerordentlich erhöhen würde. Kantonisierung abgelehnt? Dem Tschechoslowakischen Pressebüro wird aus Tel-Awiw berichtet: Die Kgl. Kommission, die gegenwärtig in Palästina die Ursachen der im laufenden Jahre stattgefundenen Unruhen untersucht, hat den Vorschlag auf Schaffung arabischer und jüdischer Kantone definitiv abgelehnt. Eine gründliche Prüfung des Antrages ergab, daß die Kantonisierung Palästinas sowohl in administrativer als auch in wirtschaftlicher Beziehung undurchführbar ist. Der Emir Abdullah von Transjordarmn unterbreitete der Kommission einen neuen Vorschlag betreffend die Regelung der palästinensischen Fragen. Der Inhalt dieses Antrages, der angeblich die Araber voll befriedigen soll, wird geheim gehalten. Aus kalendertechnischen Gründen erscheinen die nächsten Ausgaben Nr. 101 am Freitag, dem 18. Dez. Nr. 102/103 am Mittwoch, dem 23. Dez, Nr. 104/105 am Mittwoch, dem 30. Dez. Nr. 1 am Dienstag, dem 5. Jan. Wichtige Familien - Nachrichten nehmen wir gern bis zum Tage vor Erscheinen (13 Uhr) antgegen England Ebenso wie die ganze Welt hat auch das jüdische Volk in den letzten Wochen das große menschliche und politische Drama verfolgt, das sich in England abspielte. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu den eingehenden Betrachtungen, zu denen dieses Ereignis allenthalben Anlaß gab, noch viele Worte hin/uzufiiqen. Wir sind Außenstehende, denen Zurückhaltung ziemt. Unmittelbar betroffen sind — mit dem englischen Volke — die Juden des englischen W e 11 r e i c 11 c s, die stets eine besondere Anhänglichkeit für die Krone hatten, und das Land des Jüdischen Xatioiialheinis Palästina, das im Namen des britischen Königs als Mandatars verwaltet wird. Der abgedankie König hat, wie allgemein bekannt, in den breiten Schichten des Volkes und auch bei den englischen Juden große Sympathien genossen. Der nun auf den Thron gelangte König Georg VI. hatte als Herzog von York auch schon Gelegenheit, mit allen Kreisen seines Volkes in Berührung zu kommen und seine Ueberzeugung von der Gleichberechtigung aller britischen Bürger praktisch m betätigen. Unter den zahlreichen s״/inle!1 und humanitären Institutionen, die der König und die Königin als Herzog und Herzogin von York besucht oder mit BoDchaften bedacht haben, waren auch jüdische Institutionen, ebenso wie der Herzog Gelegenheit hatte, in England und wahrend seines Aufenthaltes im Empire (z. B. Australien) mit jüdischen Persönlichkeiten von hohem Rang /usamnienzutreffen. In den letzten Monaten mag er vielleicht auch mit dein jüdischen Problem als solchem in direktere Berührung gekommen sein, da ihm die Aufgabe zuteil wurde, iin September die nach. Palästina entsandten Truppen mit einer Ansprache zu verabschieden. Die Judenheit Englands wird dem neuen König und der Königin mit selbstverständlicher Loyalität anhängen, und die Judenheit Palästinas nimmt naturgemäß an der Person des neuen Souveräns starkes Interesse. Aber abgesehen von den menschlichen Seiten des Ereiguisses, abgesehen auch von den Persönlichkeiten des abtretenden und des neuen Königs, war diese Woche eine schwere Krise für das englische Volk, eine Krise, an der im Gegensatz zu manchen schwer durchschaubaren politischen Fach-Angelegenheiten das Volk in seiner breiten Masse Anteil nahm. Mit Bewunderung wurde überall beobachtet, mit welcher üefühlsstärke und Gespanntheit die Engländer diese rage durchlebten. In den Reden, die gehalten wurden, in den Aeußerungen der maßgeblichen Zeitungen, merkte man die tiefe Erregung, ja menschliche und nationale Erschütterung, und man konnte bemerken, wie eine delikate Situation mit Noblesse und doch mit Festigkeit, mit einer bei aller entfachte» Leidenschaft Yonvahemlen inneren Disziplin gemeistert wurde. Wir haben oft < ielegenheif, uns über den englischen Volkscharakter Gedanken 711 machen, denn eine eigentümliche Fügung -- vielleicht kein Zufall — hat in unserem Zeitalter das englische Volk in eine besonders enge Verbindung mit dem jüdischen Schicksal gebracht. England ist als erste Macht in aller Form für die jiiditlie Nation e i ri g e t r e t e n, indem englische Staatsmänner als Ausweg für die Judenfrage, die sie als Problem der Humanität und zugleich der Politik erkannten, die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina bejahten. Die religiöse Tradition Englands, tief eingewurzelt in! Volksempfinden, hat einen innigen Zusammenhang gerade mit dem Alten Testament; ein deut-cher Historiker, Hermann Gucken, hat erst kürzlich in seinem Buche über Croimvell darauf hingewiesen, wie stark dessen politische Weltanschauung an dem Vorbild des althebräischen religiösen Nationalismtis geformt wurde. Lloyd George, einer der aufgeschlossensten, für Neues stets empfänglichen Staats-!»;inner Großbritanniens, sagte einmal, er kenne sich in Palästina, wc! er nie gewesen ist, besser ׳aus als in seinem Heimatlande Wales; so eng wird der Engländer schon in seiner Jugend durch die biblische Geschichte mit Palästina und dem größten jüdischen Dokument verluinden. Im 19. Jahrhundert war der Gedanke einer Wieder- Herstellung des jüdischen Staates in Palästina in einer ganzen Reihe hervorragender englischer Köpfe aufgeblitzt, nicht zuletzt bei Benjamin Disracli, dem Schöpfer des englisch-indischen Imperiums, der die Traditionsströme Englands und Judas in seiner Person enger verband als irgendein anderer. Nun ist England Mandatsmacht für Palästina, und in der praktischen Politik des Alltags ergeben sich oft genug Meinungsverschiedenheiten, und zuweilen ist das jüdische Volk, das wahrlich innere Berechtigung genug zur Ungeduld hat, mit der Haltung Englands unzufrieden. Die Engländer ihrerseits

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