Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 98 (8.12.1936)
- Date
- 1936-12-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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KINDER- RUNDSfMü 4. Jahrgang ✓ Nr. 23 Jüdisch•() Beilage der Berlin, den 8. XII. 1936 3^׳®—pr!§ BJT ST7 KLEINE HELDEN In den Tagen der Makkabäer verließen viele Juden ihren Acker und ihr Haus und gingen nach dem Dorfe Modin. Alle diejenigen, die sich den Syrern nicht unterwerfen wollten, kamen zu dem alten Mattathias und seinen beidenmutigen Söhnen. — ״Wir sind mit euch auf Leben und Tod verbunden״, sprachen sie. Unter den Erschienenen waren auch zwei Knaben, zwei Brüder, der 12jährige Zefanja und der 10jährige Usija. Sie traten auf Jehuda zu und sprachen: ״Unsere Mutter fiel unter dem Schwerte der Syrer, unser Haus ist zerstört, wir besitzen nichts. Wir wollen mit dir zusammen kämpfen. Laß uns einen Eid leisten, Jehuda.״ ״Ich nehme euch auf, meine Kinder. Ihr seid von nun an Makkabäerkinder. Mak — ka — bä — er.״ Alle Anwesenden hoben die Hand und wiederholten: ״Mak — ka bä er u Indessen erstarkte die Macht der Syrer. Täglich kamen neue Regimenter ins Land, gut bewaffnet und dazu noch mit Kriegselefanten versehen. Schwer lastete ihr Joch auf dem Lande. Hunger herrschte überall. Die Felder waren verlassen. Es wurde weder gepflügt noch gesät noch geerntet. Und die* Makkabäer kämpften wie Löwen. Da kam die Nachricht, Antiochus habe sich vorgenommen, jede Spur von Jerusalem zu vernichten. Sein Feldherr zog mit einer Heeresmasse ins Land. Wie kommen sie hinein? Von Norden oder Süden, von rechts oder links? Wer ist so tapfer, wer traut sich in das feindliche Lager einzudringen, verkündete Jehuda Makkabi. ״Ich״, rief eine Stimme, und einer der Anführer, Chi 1 k i j a, trat aus den Reihen. ״Schicke mich, Jehuda״, sprach Chilkija. ״Ich gehe hin.״ Der greise Mattathias rief ihn zu sich, legte die Hand auf sein Haupt und segnete ihn. Beim Einbruch der Nacht begab sich Chilkija auf den Weg. Aber er war nicht der einzige, der in jener Nacht auszog. Noch zwei Schatten bewegten sich leise aus dem Lager und verschwanden in der Dunkelheit der Nacht, ohne von je« mandem gesehen zu werden. Usija? Zefanja? — Ja. Sie beide, die Makkabäerkinder. Sie hörten Jehudas Worte, sie wußten, wie groß die Not war, und sprachen: ״Wir wollen gehen! Wir kennen alle Pfade, wir werden in das feindliche Lager eindringen. Und was Chilkija nicht gelingen wird, werden wir erreichen." Und sie gingen. Es war eine furchtbar dunkle Nacht. Syrische Wachen standen auf den Wegen, in jedem Tal eine Wache, in jeder Höhle ein Feuer. Es war nicht leicht, durch das feindliche Lager zu gehen. Die Kinder werden nicht bis zum warteten mit Ungeduld, daß die Nacht wieder hereinbreche. Kein Essen, kein Wasser. Wie hungrig waren sie, wie quälte sie der Durst! Truppen zogen an ihnen vorbei mit Waffen, Kleidern und Verpflegung in Fülle. ״Wie zahlreich sind sieh* dachten die Kinder. ״Und wir! Nur eine kleine Schar. Nein, wir kehren nicht eher zurück, bis wir etwas ausgekundschaftet haben. Wir müssen den Makkabäern helfen, es möge kommen, wie es will. Oh, wenn ich nur einen Schluck Wasser bckommen könnte, nur einen Tropfen״, dachte der kleine Usija. Wenn es ihnen bloß gelingen wird, bis zum Morgengrauen in das Lager der Makkabäer zu kommen, werden sie die Rettung bringen. Werden sie es schaffen? Die Beine wanken, die Hände zitfctrn, sie können kaum mehr die Füße bewegen. Aber plötzlich: Was ist das? Ist es möglich? Brandscheite eines Lagerfeuers. Sicher lagerte hier eine syrische Wache. Reste von Nahrung sind übrig geblieben und sogar eine Wasserflasche. Wasser! Wie zitterten die kleinen Hände, die nach der Flasche griffen. Wer trinkt zuerst? Schnell, schnell trinken ... Aber ehe sie die Flasche an die Lippen brachten, vernahmen sie ein herzzerreißendes Stöhnen. Wer stöhnt hier? Wie erschraken die Kinder! Noch ein Stöhnen, und dann eine schwache, ganz schwache Stimme: ״Wasser, nur ein bißchen Wasser!״ Ist es wahr? Es ist die Stimme des Chilkija, er ist hier. Die Kinder eilten zu ihm. Wie blaß ist er, wie schwach. Er lag kraftlos auf dem Boden. Bei dem Licht der brennenden Scheite erkannte er die Kinder. ״Ihr seid es״, flüsterte er, ״was macht ihr hier? Wenn doch nur ein wenig Wasser hier wäre! Ich habe Jehuda Makkabi wichtige Mitteilungen zu machen. Wenn ich vor Sonnenaufgang zu ihm komme, waren wir gerettet. Aber wie gelange ich hin, meine Kräfte verlassen mich und ich verschmachte.״ Die Kinder sahen einander an, einen Augenblick — nur einen Augenblick, dann griffen sie zur Flasche, reichten sie Chilkija und sprachen: ״Trinke, Chilkija, und cs wird dir besser ergehen.״ Er leerte die Flasche bis zum letzten Tropfen. Dann halfen sie ihm aufstehen. ״Versteckt euch hier, Kinder. Wenn wir leben bleiben, kommen wir und holen euch.״ Er ging. Die Kinder sanken auf den Boden nieder. Sie waren ohnmächtig vor Durst. Neben ihnen lag eine leere Flasche ... Als sie erwachten, schien die Sonne. Bekannte Gesichter beugten sich über sie. Es waren Jehuda Makkabi und Chilkija. Die Makkabäer Morgengrauen zu rückkehren, wie sie zuerst glaubten. Noch haben sie nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt und schon graut der Tag. Sie versteckten sich in einer dunklen Höhle. Der Tag zog sich in die Länge. Sie hatten in dieser Nacht einen Sieg erfochten jetzt kamen sie um die Kinder 9 zu holen ja und Zefanja, die Makkabäei kinder sind es“, sprachen die Umstehenden Zlu* Seiet hajeledbagolah ubaares. Uebertratfen v. F. R I