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Jüdische Rundschau · 1936-12-04 · Heft 97 (4.12.1936) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 97 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU RUNDSCHAU NR. 97, 4. DEZEMBER 1936 Der Erfolg von Frankfurt Gerda Gottlieb springt 1,55 m — Handballsieger: J. S. K. — 1500 m: Werthen schlägt Blödy Eindrücke und Ergebnisse Hallensportfest: Ein Wort von besonderem Klang für den Sportler. Die geschlossene Kampfhalle erzeugt eine besondere Stimmung, gibt engeren Kontakt zwischen Sportler und Zuschauer. Das Mitgehen des Publikums mit jeder Phase der Kampfe schafft eine Atmosphäre, die die Hallensportfeste zu einer besonderen Attraktion für Publikum und Aktive macht. Jährlich einmal in Deutschland gibt es ein jüdisches Hallensportfest. Bisher ist es nur dem Bar Kodtba frankiurt gelungen, diese Veranstaltung in den letzten drei Jahren regelmäßig und erfolgreich durcimiftihren. Liegt es an dem •energischen Leiter dieses Vereins, Jules Schick, liegt es an der hingebungsvollen Arbeit seiner Mitarbeiter, von denen liier nur die Makkabim Schließer und Flörsheim aufgeführt sein sollen .•׳ — Wieder war es in diesem Jahr der Bar Kochba Frankfurt a. M., der dem jüdischen Sport in Deutschland das dritte Makkahi-Ifallensporffest beschert hat. Wie in den Vorjahren stand die jüdische < )Öffentlichkeit Frankfurts schon Wochen vorher im Zeichen dieses Sportereignisses. Vor allem mußte die Frage der Unterbringung der zahlreichen auswärtigen Sportler gelost werden, da über •100 auswärtige Sportler erwartet wurden. Mit selbstverständlicher Hilfsbereitschaff wurden diese Uuartiere von den Juden Frankfurts zur Verfügung gestellt. Wieder wurde das 1 iallensportfest international ausgetragen, und die Makkahikreise aus Oesterreich und Tschecho- Slowakei hatten ihre Besten entsandt, um das Hallensportfest des Deutschen Atakkabikreises durch ihre Teilnahme zu unterstützen. Die Hak ״alt W i e n hafte ihr sportlich hervorragendstes Mitglied, Gerda (i o t t! i e b, und den österreichischen Meister Blödy sowie Präger und Kaiser entsandt. Hagibor Prag war durch (i <> 1 cl s c h rn i d t und Fischmann vertreten. I >ie Makkabi-Vereine aus dem Reich waren mit starken Mannschaften am Start. Von den Ehrengästen sind vor allem der österreichische Generalkonsul sowie Prinz 1 obkovvicz von der Oesterreichischen 1 tirn- und Sportfront zu nennen; ferner die Vertreter des Vorstandes der Gemeinde Frankfurt, der Zionistiselten Ortsgruppe, des Präsidiums des Deutschen Makkabikreises sowie aller übrigen jüdischen Organisationen. Der Lin marsch der Aktiven aller Vereine mit ihren Bannern und Fahrmt, an der Spitze die Makkabiah-Fahne des Deutschen Makkabikreises, bot wie immer ein prächtiges und eindrucksvolles Bild. Nach Begrüßungsansprachen von Jules Schick (Vorstand des Bar Kochba Frankfurt a. M.) und Sanitätsrat Ettlinger (Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt) sprachen der Präsident des Deutschen Makkabikreises, Dr. Er i e d e n t h a I, und Rabbiner Dr. Lemle (Fj׳ankfurt). ״Ein Volk, das seine Fahne nicht ehrt, ist nicht wert, zu bestehen“, rief Dr. Friedenthal aus. ,,Der Makkabi hat sieh immer zur blau-weißen Fahne bekannt und wird auch weiter sich für sie einsetzen. Er fühlt sich verburiden mit dem Jischuw in Erez Israel, der in einer entscheidenden Phase des Kampfes tun unser Land steht, in einem Kampf, in dem auch sechs Makkabim in treuer Pflichterfüllung als Hilfspolizisten, treu der blau-weiflen Fahne, ihr Leben geopfert haben. Der Makkabi steht treu hinter dem Präsidenten der Zionistischen Organisation, Ghaim Wei/tnann, der heute die Rechte des jüdischen Volkes vor der Royal Commission in Erez Israel vertritt.“ 3500 Zuschauer und (100 Aktive sangen die Hatikwah. Die sportlichen Leistungen standen auf einem besonders hohen Niveau. Erwähnenswert ist insbesondere der Hoch- Sprung von Gerda Ci o 111 i e b, die 1,55 nt übersprang. Leider wurde diese Leistung schon am Vormittag vollbracht, so daß der größte Teil der Zuschauer sic nicht zu sehen he kam. Ferner der U « berraschungssieg von Werthen im 1500-m-L.a11f über Blödv, den er alierdirigs nicht zuletzt dem selbstlosen Sehrittinndien seines Klubkameraden Losehinski verdankt. Auch Orgler zeigte sich wieder von seiner besten Seite und konnte die 8(H) m in sicherer Manier gegen den guten Kaiser (llakoah Wien) gewinnen. Im Sprinter-Dreikampf wurde Werner S 111 ׳ a t f rn a n n (Berlin) Erster vor Dr. Lewin (Berlin), wobei allerdings die nicht sehr glücklichen Starts nach verschiedenen Fehl- Starts im ersten und dritten Lauf zu berücksichtigen sind. Die Kämpfe Im Mittelpunkt der Wettkämpfe standen wieder die leichtathletischen Wettbewerbe, die eine großartige Be- Setzung aufzuweisen hatten. Besonders erfreulich war, daß nicht nur Sportler mit großem Manien am Start waren, sondern daß es auch in allen Wettbewerben, di« eine internationale Beteiligung aufwiesen, zu harten Kämpfen und in fast allen zu Ueberraschungen kam. Keines der großen Rennen war das Rennen eines Mannes. Besonders erfreulich ist die Feststellung, daß die Makkabini aus Deutschland trotz mangelnder Wettkämpfe noch nichts von ihrer Kampfstärke verloren hatten. Dieses Hallen- Sportfest war die stärkste Feuerprobe, und die Makkabisportler aus Deutschland bestanden sie glänzend. Was ihnen etwa an Kampferfahrung und an Können gegenüber den österreichischcn und tschechischen Makkabim abging, ersetzten sie durch letzten Einsatz und kluge Taktik. Die 1500 Mieter An erster Stelle ist hier das 1500-m - R e n n e ת zu nennen. Werthen (Bar Kochba-Hakoah Berlin), der im letzten Jahr« nach einer längeren Schwächcpcriode wieder gut nach vorn gekommen war, traf hier, unterstützt von seinen Vereinskameraden Losehinski und Levy sowie dem Kasseler Werlheim, auf den vielfachen österreichischen Meister Blödy und Goldschmidt (Prag), der seit Jahren zu den besten Mittdstrecklern der Tschechoslowakei gehört. Blödy, der im ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו1)1וווווווווווווו!!וווווווווו1]1וווו!ווווווווווווו!וווו1ווווווו1ווווווווווווווווווווווווווווווווווווו:ווווווווווו Gespräch mit Gerda Gottlieb Die 20jährige Wiener Ilakoahncrin erzählt: Trotz dem strengen Verbote meines Vaters, der gegen die sportliche Betätigung eines jungen Mädchens war, harn ich mit 17 Jahren zum WAC. Eigentlich habe ich meine sportliche Laufbahn mit Schwimmen begonnen. Als ich beim Training einmal einen Startsprung von fast 12 m zustande brachte, machte mich mein Trainer auf meine leichtathletische Begabung aufmerksam, und noch in demselben Jahre wurde ich österreichische H ochsprung-Meislerin mit einer Leistung von 1,45 m. Dies brachte mir zwar lobende Kritiken in allen Zeitungen, aber auch eine Ohrfeige von meinem Vater ein. Denn nun konnte ich, nachdem mein Name üb rall zu lesen war, nicht mehr verheimlichen, daß ich meine freie Zeit auf dem Sportplatz zubrachte. 1934 trat ich in die Hakoah Wien und damit in den Mahkabi - Weltverband ein und startete 1935 für den Oesterreichischen Maltkahikreis auf der .Makhabiah. Zwei erste Plätze konnte ich hier erkämpfen, und zwar im Hochsprung und im 100-m-Brustschwimmen. Auch der 4 mal WOm-Kraulstaffel des Oesterreichischen Makkabi kannte ich zum Sieg verhelfen. Ueberhaupt bin ich dem Schwimmen stets treu geblieben und habe es im 100 m - Schwimmen (Kraulen) auf 1:19,0 Min. gekracht. Für den österreichischen Sport hin ich mehrmals repräsentativ gestartet. So zuletzt im Jahre 1936 heim l.änderhampf Italien-Oesterreich in Piaconza, wo ich über 100 m Zweite in 12,8 Sch. und im Hochsprung Erste mit 1,47m wurde. Meine diesjährigen Bestleistungen sind im Hoch- Sprung 1,50 m, im!OO-m-Lauf 12,6 Sek., im 200-ra ■Lauf 26,8 Sek. Im Weitsprung hatte ich mit 5,45 m den 6. Platz auf der Weltrangliste. Im Fünfkampf bin ich nun schon vier Jahre lang österreichische Meisterin. Aber auch einen Weltrekord halte ich, und zwar im Hocksprung aus dem Stand. Hier konnte ich 1934 1,32m überspringen und damit beim internationalen WAC-Meeting 1931 in Wien den Rekord der bekannten italienischen Sportler in Tcstoni um 3 cm verbessern. Als Trainerin habe ich mich bisher noch nicht viel betätigt, da ich zunächst mein ganzes Augenmerk meiner eigenen sportlichen Fortbildung widmen will. Zionistisch bin ich nur im Mahkabi organisiert. Auf den wächentliehen Tarbuth-Abenden meines Klubs vervollständige ich mein jüdisches und zionistisches Wissen. Auf der 3. Mukhabiah hoffe ich wieder die Farben des ()österreichischen Makkabi erfolgreich vertreten zu können. Es ist mein Bestreben, es bis dahin durch fleißiges Training zu noch besseren Leistungen bringen zu können, pl. letzten Jahre sein großes Können auch in Berlin bei den Makkabi-Meisterscliaften gezeigt hatte, galt klar als Favorit. Man erwartete, daß Werthen Goldschmidt einen harten Kampf um den zweiten Platz liefern würde, dessen Ausgang ungewiß war, indem man Goldschmidt die größeren Chancen zusprach. Zunächst schien alles programmgemäß zu verlauten. Blödy nahm vom Start weg die Spitze vor Geld- Schmidt und Werthen, dem die übrigen Läufer in ständig wachsenden Abständen folgten. Plötzlich, nach wenigen Runden, ging Losehinski (Bar Kochba-Hakoah Berlin) außen am ganzen Felde vorbei und nahm die Führung. Man glaubte zunächst, daß er die Fahrt beschleunigen wolle. Da löste er sich jedoch immer weiter von dem Felde und hatte schließlich mehr als 30 m Vorsprung ver Blödy, dem immer noch Werthen und Goldschmidt folgten. Man glaubte schon an eine Ueberraschung durch ihn, aber jetzt wurden seine Schritte merklich kürzer. Alan sah, er hatte sich als Schrittmache; für Werthen geopfert, wie es sich bald zeigte, mit überraschendem Erfolge. Als Blödy sich jetzt an die Verfolgung machte, war cs zu spät, um Werthen, der sich bis jetzt hatte schonen können, noch abzuschütteln. Nur Goldschmidt fiel, als Blödy jetzt das Tempo verschärfte, etwas zurück. Blödy und Werthen erreichten bald Losehinski, der erschöpft hinter das ganze Feld zurückfiel, Das Ziel kam immer näher, ohne daß es Blödy gelang, Vor- Sprung zu bekommen. Noch vier Runden, noch drei Runden. Zwei Runden vor dein Ziel (die Runde im Hippodrom beträgt 100 m) greift Werthen vor dem Eingang in die Kurve überraschend und im Sprinttempo an. Es gelingt Blödy, auf der Gegengeraden nochmals auf gleiche Höhe zu kommen, aber Werthen rettet sich in die Kurve und Blödy kann außen nicht vorbei. Werthen kommt mit einem kleinen Vorsprung in die Gerade. Die letzte Runde! Das ganze Hippodrom tobt. Werthen spurtet aus Leibeskräften. Er ist müde, aber er läßt nicht nach. Er hat sich durch Loschinskis Führung lang genug schonen können, und nun reicht es, reicht es noch für einen Spurt die ganze Runde hindurch, Blödy komm־! in der Gegengeraden, in der letzten Runde, nochmals, zum letzten Male, auf, aber Werthen rettet sich wieder in der Kurve und tritt beim Eingang in die Zielgerade mit letzter Kraft an. Blödy geht nach außen, spurtet auch, kommt heran, aber nicht vorbei. Goldschmidt wird klar zurück Dritter. Es war ein schöner Sieg, ein Sieg des Kampfgeistes und der Kameradschaft. Die Zeit von 4:15,8 Min. ist besser als jede Zeit, die im letzten Jahr im Deutschen Makkabikreis, auch im Freien, gelaufen wurde. Für die besonderen Verhältnisse, die schwere Bahn, die spitzen Kurven, die Hallenluft, ist sie ausgezeichnet. Blödy als Zweiter lief 4:16,2 Min. Die zweite Mittelstrecke An Spannung am nächsten kam diesem Rennen der 800 - m-Lauf. Hier waren Vorläufe nötig. Es hätte am Vormittag schon fast eine Ueberraschung gegeben. Orgler, von dem man von vornherein erwartete, daß er dem jungen österreichischen Mittelstreckler Kaiser, der im letzten Jahre 1:58 Miu. gelaufen war, starken Widerstand entgegensetzen würde, kam nur mit Mühe und Not in den Endlauf. Er startete unglücklich, strauchelt« und verlor den Anschluß. Salzberg (Köln), der in seinem Vorlauf war, führte in scharfer I*al1rt. Es dauerte lange, bis Orgler den Anschluß fand. Dann machte er den taktisch falschen Versuch, den Vorlauf als Erster zu beenden, obwohl die drei Ersten in die Ent- Scheidung kamen. Es gelang ihm auch, den Vorlau) als Erster zu beenden. Er war aber bereits nach den! Vorlauf so erschöplt, daß man ihm für den Endlauf nicht mehr viel Chancen geben konnte. Um so überraschender war sein vorzüglicher Lauf im Endkampf. Für die Entscheidung hatten sich außer ihm Salzberg und Goldschmidt (Köln), Wertheim (Kassel), Rafael (Nürnberg), Cohn (Berlin), Goldschmidt (Prag), Kaiser und Blödy (Wien) qualifiziert, von denen nur Blödy nicht antrat, um sich für die 500 nt zu schonen. Salzberg nahm auch im Endlauf in schneller Fahrt die Führung. Nach anderthalb Runden griff Kaiser an, kam vorbei und erreichte auch, scheinbar spielend leicht, einen Vorsprung von 10—15 m vor dem gesamten Felde. Hinter ihm hatte Orgler zunächst einen scharfem Positionskimpf mit Salzberg auszutragen, den er erst nach mehreren Angriffen überholte. Das Feld zog sich nun sehr auseinander. Kaiser behielt weiter eine klare Führung; das Rennen schien entschieden. Aber Orgler hatte doch noch Reserven in sich. Drei Runden vor Schluß machte er sich an die Verfolgung. Er rückte merklich auf, steigerte sein Tempo immer weiter, griff Kaiser an und kam, ohne erheblichcn Widerstand zu finden, vorbei. In die vorletzte Runde ging er schon mit knapper Führung, die er immer mehr vergrößerte. Auch hier zeigten die Zuschauer eine Anteilnahme, wie man sie selten erlebt. Jeder zitierte vor Spannung, ob Orgler durchhalten würde, ob Kaiser nochmals angreifen würde. Kaiser griff an, das heißt, er versuchte sein Tempo nochmals zu beschleunigen, aber auch Orgler hielt die Die Wienerin Golt'ieb Foto: Herbert Somieofeld ,*■ויגד Von links nach rechts: 600 Aktige — Die Sensatiotii Werthen schlägt Blödy — Handball beginnt, *״5 :»10״■»«* ׳1; iff 'tmi₪0®»,י■•*’;׳« ,*•Al•. ■' ' * X« * - V

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