Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 97 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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8.121336 1 fl /* €X-- Nr.JP^/ Jahrgang 41 Preis 25 Rpi, JÜDISCHE RUNDSCHAU Sdirlftleitung!Verlag n. A-aialgenverwaltung: Berlin W15, Meinakcftr.lO Fernrufi Sammel־Nummer J1 (Bismarck) 9031. — Bezugspreis cimchließlich Beslellgcld je Monat RM 2,—je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 b*w, KM 5*39. — Postscheck Konten der Vertrubs •Abteilung: Berlin 71573 (für (»roß Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag und Freit«?• BERLIN כ׳ כסלו תרצ״ז FREITAG, 4. DEZEMBER 1936 Gttltlgi AnzelgeopreUHnte fit5 ״. Die 12 gespaltene nun ־ Zeile 20 Rpf., für Familien- Nachrichten 15 Rpf. Ftir die Aufnahme von Anrcigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plrit7en wird keine Gewahr geleistet Gelegenheit*- nnzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck ־ Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freiing 9—18 Uhr. Anraaluneschluß für die Dienstag - Ausgabe Monta? 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr, (Für Familien ־Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Qffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Raw Kuks Nachfolger Dr. Herzog zum Obärrabbiner von Palästina gewählt Wir berichteten in der vorigen Nummer über die bevorstellende Wald des neuen asclikenasischen Oberrabbiners, des Nachfolgers des verstorbenen Raw K u k. (Vgl. Oskar Wolfsberg, ״Das Oberrabbinat", ״Jüdische Rundschau“ Nr. 96, S. 10.) Die Wahl fand am 1. Dezember statt. Darüber liegt folgender ״Palcort'-Bericht vor: Der aus 70 vom Waad Leunii ernannten Mitgliedern bestehende Rat trat beute vormittag in Jerusalem zu einer Sondersitzung zusammen, um die Wahl des neuen Oberrabbiners der asclikenasischen Gemeinde Palästinas vorzunehmen. Die Versammlung:, mit den meisten der anwesenden Rabbiner in ihrer traditionellen Tracht, bot einen ein!- drucksvollen Anblick. Ussischkin führte den Vorsitz, und Raw Ostrowsky cröffnete die Sitzung im Namen des Waad Leumi. Er gedachte in seiner Ansprache des verstor- Bukarest, I. Dezember. (JTA.) In der anläßlich des Jahrestags des Anschlusses der neurumanischen Provinzen veranstalteten Pcstsitzting des rumänischen Parlaments, an der auch Abordnungen der Parlamente von Jugoslawien und der Tschechoslowakei teilnahmen, hielt Ministerpräsident Gheorgis Tatarescu eine Ansprache, in der er das Verhältnis des Staates zu den religiösen und nationalen Minderheiten kennzeichnete. Wir, die wir jahrelang von Fremden unterdrückt waren, sagte der Ministerpräsident, können nicht selbst Unterdrücker werden. Wir sichern daher den Angehörigen der verschiedenen Glauts9§!$aneinschaften und Nationalitäten, die innerhalb der benen Oberrabbiners Kuk und wies auf die Aufgaben hin, die dem Oberrabbinat obliegen. Die Wahl fiel auf den Oberrabbiner Irlands, Dr. Isaac Herzog, der mit 37 gegen 31 Stimmen, die für Raw Charlap abgegeben wurden, zum Qberrabbincr der aschkcnasischcn Gemeinde Palästinas gewählt wurde. Raw Jakob M c i r, der greise sephardisebe Rabbiner, wurde einstimmig zum Überrabb. der sep bardischen Gemeinde wiedergevählt. Rabbi Isaac Herzog ist 1888 im Loinsa (Polen) geboren und kam 1899 nach London. 1910 erhielt er sein Rabbinerdiplom, und zwei Jahre später erlangte er an der Londoner Universität den wissenschaftlichen Grad M. A. in semitischen Sprachen. 1916 wurde er als Rabbiner nach Belfast berufen und ging von hier 1919 als Rabbiner der jüdischen Gemeinde nach Dublin, der Hauptstadt Irlands, wo er bis heute seinen Posten innehat. Grenzen unseres Landes leben, zu, daß wir ihnen gegenüber stets das Gesetz der Duldsamkeit, Versöhnung und Gerechtigkeit hüten werden. Die rumänischen Juden haben den Jahrestag der Vaterländischen Einigung durch Festgottesdicnste in allen Synagogen begangen. Der Zentralrat der Juden Rumäniens hat an den König eine Ergebe11heitsadres.se gerichtet, in der die Vaterlandstreue der rumänischen Juden und ihre Bereitschaft, die Grenzen des Landes bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen, betont wird. Die Adresse ist unterzeichnet von dem Präsidenten der Union rumänischer Juden, Dr. Wilhelm Fildcrmann, dein Überrabbiner Dr. Niemierower als offiziellem Repräsentanten der jüdischen Glaubensgemeitischuft int rumänischen, Senat und von dem Präsidenten der Jüdischen Partei Rumäniens, Dr. Theodor Fischer. kerung terrorisiert. Die Lage im Libanon weist viele Parallelen zu dem palästinensischen Problem auf. Aber in ganz anderer Weise als die englische Regierung in Palästina hat jetzt der französische Vertreter in Beirut den Aufstand durch «inen energischen, aber maßvollen Gebrauch der militärischen Macht niedergeschlagen. England ist durch die Schwäche und Planlosigkeit, die es in Palästina gezeigt hat, an erster Stelle iür die Unruhe int Vorderen Orient verantwortlich. England hat in diesem Lande niemals genügend bewaffnete Kräfte gehallt, um im gegebenen Fall die arabische Bevölkerung durch den Gebrauch von Gewalt in Schranken halten zu können. Reale Macht ist aber die einzige Sprache, die der Araber versteht» jede diplomatische Nachgiebigkeit erscheint ihm als Beweis der Schwäche. Die Tatsache, daß der Aufstand in Palästina 175 Tage dauern konnte, wird in der arabischen Welt als ein Beweis dafür angesehen, daß es den palästinensischen Arabern gelungen ist, durch den Gebrauch der Gewalt England einzuschüchtern. Die Schwäche Englands hat dazu beigetragen, die Einheit der arabischen Bewegung zu stärken. Die heutige Unruhe im Vorderen Orient, die Pogrome, Kämpfe zwischen den Bevölkermigsgruppen, sind im Grunde nur die Rückkehr zu dem Zustand, der in diesen Ländern stets geherrscht hat, solange nicht eine starke äußere Macht mit starker Hand den Frieden aufrechtcrhielt. Nach dem Zusammenbruch des ottomanischen Reiches lind dem Ende seiner brutalen Unteidrückuiigsniethoden hat die liberale Politik Englands lind Frankreichs, die der Mentalität dieser Gebiete völlig fremd war, die politischen Leidenschaften zur Siedehitze gebracht. Frankreich, das lange Zeit das Opfer dieser politischen Hetze war, hat heute durch die in 011 Unabhängigkeitsverträge die Angriffsfläche verkleinert. Wenn aber diese Verträge die überwiegende Majorität der syrischen und libanesischen Ikvölkerung befriedigt haben, so sehen die extremen Gruppen der panarabischen Bewegung in ihnen ein Hindernis für die baldige Bildung des arabischen E i 1111 e i t s - reiches. Besonders wird von diesen Agitatoren ciie Bildung tles Lihanonstaatcs mit christlicher Mehrheit bekämpft. Aelinlieh wie im Falle Palästinas haben auch im Libanon die Extremisten den Versuch gemacht, durch den ״traditionellen Pogrom“ ihren Wunsch, den Anschluß des Libanon an Syrien, durch.!!!setzen. Die energische Haltung der französischen Beliördcn hat diesen Versuch im Keime ztun Scheitern gebracht und der französische Staatssekretär Vicnot, der. an erster Stelle an der Ausarbeitung der neuen Verträge mitgewirkt hat, hat einen Aufruf au die Bevölkerung gerichtet, in dem er erklärt, daß I rankuiTi sich im Falle einer Wiederholung dieser Vorfälle genötigt sehen wird, die Ratifikation der Verträge zu verweigern und das Mandat aufrechtzuerhalten.״ * j/ l'Tik : j.V Ohne Raum Die trübe Frage ״Wohin?", die vor unzähligen Juden unserer Zeit stellt, findet häufig eine sehr grausamc Antwort. Zermürbte Wanderer, die endlich eine neue Stiitte der Ruhe gdunden zu haben glauben, werden wieder abgewiesen, man schlägt ihnen die Tür sozusagen vor der Nase zu. Drolmugen werden laut, und Menschen, die seihst einmal Einwanderer waren, haben kein Mitgefüllt mit Wanderern von heute. 11uinnnität steht niedrig im Kurs. Dabei ist ein großer Teil früherer Einwanderer aus Gewinnstrebeil oder Abenteurerliist in neue Länder gegangen, nicht aber aus der Not der Verzweillun g, die einen Appell au tlas Gefühl für Menschlichkeit rechtfertigt. Wir hören soeben, daß eine Partei in Südafrika, die freilich zahlenmäßig keine große Rolle spielt und bisher auch stets bestritten hat, antisemitisch zu sein, sich zuin antisemitischen Programm bekannt und der jüdischen Einwanderung den Kampf angesagt hat. Anderwärts wieder gibt es Fimvaiuie, die teilweise vom Standpunkt der betreffenden 1 linder formal berechtigt sein mögen, aber unter!lern Gesichtspunkte der jüdischen Not und des jüdischen (iesamiproblems unzureichend sind. Denn mögen auch manche Juden, was wir mißbilligen, unter Umgehung von Vorschriften sich die Möglichkcit der Einwanderung irgendwohin verschafft haben, sie taten es gewiß nicbf aus Freude am Betrug, sondern unter dem Druck der Ausweglosigkeit. Denn ein solcher Mensch, dem jeder Raum zum Leben genommen ist, steht vor der Wahl, unterziigehen oder sich den ihm versagten, aber unentbehrlichen bescheidenen Raum irgendwo doch zu verschaffen. Das Problem der ״illegale n“ Einwanderung besteht auch in Palästina. Es hat, wie aus den Berichten zu entnehmen ist, z.u einem hochnotpeinlichen Kreuzverhör vor der Kgl. Kommission geführt, und es scheint» daß zum ersten Male eine offene Diskrepanz der Meinungen zwischen der Kommission und dem Vertreter der Jewish Agency auf diesem Gebiete entstanden ist. Der jüdische Vertreter erklärte iin Einklang mit den Tat- Sachen, daß die zionistischen Behörden der illegalen Ein- Wanderung ablehnend gegenüberstehen, aber cs handle sich hier um einen elementaren Vorgang, da die Juden unter dem Druck der Not durch alle erdenklichen Poren nach Palästina einzudringen versuchen. Legal läßt sich das nicht rechtfertigen, man muß schon an ein tieferes Verständnis und an die inenscliliche Seite der DI« nächste Ausgabe der ״Jüdischen Rundschau“ erscheint am Dienstag» dem 8. Dezember, als Chanakkah-Nummer und enthält aufler der Kinder-Rundschau eine besondere Chanukkah-Beilage Sache appellieren. Denn wenn der Vorsitzende der Kornmission fragte, warum die Jewish Agency die Polizei nicht bei der Feststellung und Bestrafung illegaler jiidischer Einwanderer u11tcr~4üt/e, blieb dem Vertreter der Jewish Agency, der ciie innere jüdische Lage kennt, nur eine Geste der Hilflosigkeit: ״Ich bitte Sie, .Mylord, sich in meine Lage zu versetzen.“ Oh der erfahrene englische Politiker, der auf dem Präsidentcnstuhl der Kommission sitzt, sich in die Gefühle eines aus hin- und liergejagten Wanderern bestellenden Volkes ohne Raum versetzen kann? Zugleich aber gibt dieses Verhör dem jüdischen Publikum, das nicht immer Verständnis dafür hat, eine Vorstellung von den Schwierigkeiten der Jewish Agency in dieser Sache. Die Frage der illegalen Einwanderung hat schon bei den früheren Untersuchungen eine große Rolle gespielt. Es ist dies ein Punkt, wo der englische Sinn für Gesetzlichkeit besonders empfindlich ist. Man fragt, ob die Jewish Agency als offizielle Körperschaft nicht verpflichtet sei, von siel! aus jede Uebertretung der Vor- Schriften durch Jude« zu verhindern (wozu sie u. E, gar nicht die Macht hat). Diese Art zu fragen hängt mit der englischen Auffassung von Verwaltung und Recht zusammen, die anders ist als die in den meisten Ländern Osteuropas (woher die Mehrheit der Juden kommt), zumindest bis zum Kriege vorherrschende. Aber eine Frage drängt sich auf: wird die Regierung diese Mabnung zur strikten Legalität auch an die arabischen Beamten richten, die, wie allgemein bekannt, den gegen die Verfassung und Regierung des Landes gerichteten Aufstand des letzten Halbjahres unterstützt, zum Teil sogar finanziert haben? Oder aber konzediert man das Recht, das Nationalgefühl über die Beamtenpfliclit Probleme des Vorderen Orients Französisch - türkische Verhandlungen — Englands Fehler in Palästina Von unserem Berichterstatter K. Paris, Anfang Dezember Der Abschluß des französisch-syrischen und des französisch-libanesischeii Vertrages, der letzterer bereits vom libanesischeii Parlament ratifiziert wurde, hat erneut das Problem der künftigen politischen Gestaltung des Vorderen Orients aufgeworfen. Die iiiiiuittelbare Folge der Gründung der unabhängigen Levante Staaten ist eine Zuspitzung der Be- Ziehungen z w i s c 11 e 11 Frankreich und der Türk ci. Die Türkei hat bekanntlich von Anfang an gegen die Zuteilung des Sandschaks von A 1 e x a!1 d r e 11 e an Syrien protestiert. In Ankara fanden in den letzten Tagen große, von den Studenten der Universität geführte Demonstratioiien statt, die die Einverleibung Alexandrettes und seines Hinterlandes in die neue Türkei forderten. Eine zufriedenstellende Regelung des Schicksals der türkischen Minderheiten in Alexandrette wird von der Türkei als eine Frage der nationaleri Ehre angesehen. Außerdem spielen bei den türkischen Forderungen auch die wirtschaftlichen Enfwickluiigsrnöglicli- Leiten des Hafens von Alexandrette und die Interessen, die die Türkei dort besitzt, eine große Rolle. Die Angriffe gegen die christliche Minderheit, die kürzlich in Beirut und Tripoli stattfanden und die auch nach Niederschlagung der Unruhen anhaltende Spannung zwischen den Bevölkerungsgruppen in Syrien hat die türkischen Besorgnisse noch verstärkt und der türkische Gesandte in Paris, Suad, hat in den letzten Tagen erneut im Quai d'Orsay vorgcspi'ochen und die türkischen An- Sprüche betont. Die offiziellen türkischen Forderungen gehen nicht auf eine Einverleibung des Sandschaks, sondern fordern mir eine völlige Unabhängigkeit dieses Gebietes im Rahmen des neuen syrischen Staates. Der türkische Außenminister Rustu Aras hat angekündigt, daß er die Frage v orden Volk erb 1111 dbringc 11 wird und es scheint, daß s׳ch auch die französische Regierung mit dieser Lösung ein- '׳erstanden erklärt fiat. Die französische Stellung zu dem Problem des Sandschaks ist sehr schwierig, da Frankreich weder die Sympathien der Araber, die es durch die Ciewah- ״|ng der Unabhängigkeit an Syrien gewonnen zu haben glaubt, noch die nicht minder wichtige Freundschaft der Türkei verlieren will. Nach Mitteilungen des Kairoer Korrespondenten des Jemps“, auf dessen besonders gut unterrichtete Artikel vir schon mehrfach hinwiesen, haben die letzten Unruhen in J.vnis, Sidon, Beirut und Tripoli, die kurz, nach dem Aufstand >״’• hak kamen, die Nervosität i m Vorderen Orient V’eitcr verstärkt. ״Sie zeigen“, — so schreibt der ״Teinps“ — ״daß eine kleine, aber sehr aktive Minderheit in den ®fabischen Ländern durch keinerlei Konzes- 8'°nen zu befriedigen ist und die Masse der Bevöl- Erklärung Talarescus Duldsamkeit für die Minoritäten