Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 94 (24.11.1936)
- Date
- 1936-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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2611.1336 /׳ (fr. 94/f Jahrgang 41 Freie 23 RtÄ] JÜDISCHE RUNDSCHAU 8Arifil1ii0Bg«V«rUg o. AudftiiTcrwaltaiigt BtrllaW IS, Mclnekoctr 4# Fnrarnfi Samm«i*Namm«r Jl (Blimardi) 9031• •—Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 b*w. RM 5,39• — Postscheck *׳ Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 <fur Groß - Berlin), Berlin 17392 (für das übrig« Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Raxug-sgebähren, — Erscheint Jeden Dienstag and Freitag. BERLIN י* כסלו חרצ״ז DIENSTAG, 24. NOVEMBER 1936 Gültig 1 AnzelgonprelsUste Nr. 5. Wo 12 gespaltene mm-Zeile 20 RpE, fth Familien ־ Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anreigen in bestimmtes[ Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewahr geleistet. Gelegenheit»« Anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck »Konto Berlin 71618 oder Har Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. AnnahmcsehlaS für di® Dienstag» Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt fOr das JOdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Berufungsverhandlung in Lublin Oer Prozeß wegen des Przyfyk-Pogroms Vor» unserem Korrespondenten g. Warschau, 21. November Vorgestern begann in Lublin, der alten polnischen Tribunalsstadt, wo bereits im XVII. Jahrhundert Prozesse gegen Juden, die des Ritualmordes und Hostienschiindung beschuldigt worden sind, stattfamlen, vor dem Appclationsgericht der Bcriifungsprozcft gegen die im bekannten Pogrom in Przytyk angeklagten Christen und Juden. Das Kreisgericht in Hado in, wo der Prozeß in erster Instanz im Juni d. J. stattfand, hat bekanntlich die jüdischen Angeklagten zu schweren Strafen verurteilt (11 von 14 an ge־ klagten Juden erhielten insgesamt 24 Jahre Gefängnis, dagegen wurden von 43 angeklagten Polen 25 zu insgesamt 15 Jahren und 4 Monaten verurteilt). Die am strengsten verurteilteil Polen (drei) erhielten eine Gefängnisstrafe von einem Jahre, die jüdischen Beschuldigten dagegen bis & Jahre. Das Gericht in Radom hat *.len Standpunkt vertreten, daß die Juden den Pogrom in Przvtvk verursacht hätten und hat ihnen das Recht der Notwehr abgesproehen. Gegen dieses Urieil, das auf die Judenhcit Polens einen niederschmetternden Lindruck machte, haben sowohl der Staatsanwalt, als auch die Verteidiger Berufung eingelegt. Und nun wurden wiederum die tragischen Erlebnisse vorn 9. Mürz aufgerollt. In Lublin sind die Angeklagten nicht anwesend. Die Vorschläge des Staatsanwalts und der Verteidiger, ergänzende Zeugen zu vernehmen, und doch (was in Radom ahgelchnt wurde) eine gerichtliche Lokalaufnalnne an Ort und Stelle anzuordnen, wurden abgewiesen. I:s kamen nur der Staatsanwalt und eine lange Reihe von Verteidigern zu Worte, denen sich jetzt jüdiseherseits die bekanntesten Rechtsanwälte Hartglas aus Warschau, der verdienstvolle Zionistenführer und gcw. Seimabgeordnete, und Leib Landau aus Lernberg, berühmt vom Steigerprozeß in Lemberg, angeschlossen haben. Der Staatsanwalt hat zwar auch jetzt behauptet, daß auf seiten der Juden nicht von Notwehr die Rede sein könne, Eanstandete aber am Prozeßverfahren in Radom, daß das Preisgericht den jüdischen Zeugen keinen Glauben geschenkt!iahe und verlangte eine Straferhöhung für mehrere Angeklagte, sowohl Juden als Christen, mit der Begründung, das Gericht in Radom habe durch das allzu milde Urteil manche Teile der Bevölkerung zu Ausschreitungen ermuntert. Der Führer der extremen Nationaldeinokraten, Rechtsanwalt Kowalski, hielt eine Rede, in der er vor Gericht das nationaldemokratische Programm der Lösung der Judenfrage in Polen entwickelte. ״Den Juden müssen sämtliche staatsbürgerlichen Rechte entzogen werden. Den polnischen Bürgern soll durch ein Zwangsgesetz die Boykottpflicht den Juden gegenüber auferlegt werden. ... Die U eher fälle auf J11 d e n sind für die polnische Jugend von großer erzieherischer Bedeutung.“ Iti ähnlichem Tone hörte man es stundenlang in den Reden sämtlicher Verteidiger der polnischen Angeklagten. Eine von stolzer Würde getragene Rete hielt Abg. 14 a r tgla s. Nach genauer juridischer Analyse des Rationier Urteils ging Hartglas auf die Ursachen und Wirkungen dieses Urteils über und legte anschaulich dar, wie nach dem Urteilsspruch in Radom sich eine neue antisemitische Wedle über Polen ergossen habe. Ls handele sich jetzt nicht irHir um die Opfer des Pogroms in Przytvk, sondern um den Schutz und die Sicherheit der drei Millionen Juden in Polen. Der Oberrabbiner von Rom Sn Rodi Italiens AuBenposten im östlichen Mittelmeer Von unserem Berichterstatter Kr. Rom, 17. November Der neuernannte Ohcrrahbiner von Rom, Davide Prato, weilte kürzlich in Rodi (Insel Rhodos), und zwar als Gast des dortigen italienischen Gouverneurs Exzelten/: Mario Lago. Der Überrabbiner besuchte auch das Rahbinats-Kollcg, das auf der Insel Rodi während der Amts- Periode des Gouverneurs Lago vor neun Jahren (1927) ins Lehen gerufen wurde, um Rabbiner und Lehrkräfte für die jüdischen Gemeinden im ganzen östlichen Mittelmeer auszuhilden. In einem Interview an die Zeitung ״Giornalc «,Oriente“ in Alexandrien äußerte sich der Ohcrrahbiner außerordentlich lohend über die Entwicklung dieses Rahbinatskolkgs und die Unterstützung, die iiini von seiten der italienischen Behörden zuteil wurde. In dem Kolleg, aus dein bereits eine ganze Anzahl von Rabbinern und ichr11״־ hervorgegangen sind, werden zur Zeit zwanzig Stipcn- *baten ausgebildet. Es werden dort außer Hebräisch und Italienisch mehrere Fremdsprachen gelehrt, darunter auch das Arabische. Die Schiller kommen zumeist aus Aegypten, jbdganen, der Türkei und Griechenland. Das Kolicg ist in der Gila des Ex-Vali iintergebracht, die von dorn Gouverneur zur yerfiigung gestellt wurde. Die Insel Rodi hat eine ziemlich P«leidende jüdische Gemeinde mit einer uralten Geschichte. Zur Zeit zählt die Gemeinde etwa 500(1 Angehörige. (Zahlreche Palästinatouristen kennen diese zauberhafte Insel mit wein romantischen Judenviertel, der jüdischen Schule und dem p!,'L׳g, dessen Leiter übrigens vorn Breslauer Rabbinerscininar herkommt. — A. d. R.) Gleichzeitig mit dem Ohcrrahbiner von Rom, der anläß- 1׳eh seines Besuches auf Rodi vor der dortigen Sektion 'er Dantegeseilschaft einen viel beachteten Vortrag über Der altehrwürdige Dekan der Advokatenkammer in Wilna, der christliche Rechtsanwalt P c t r u s z c w 1 c z, hat ähnlich wie in Radom auch jetzt in Lublin die Juden in Schutz genommen und auf die Gewalttätigkeiten der Natio- naldcmokraten in den letzten Wochen hingewiesen. ״Diese behaupten“ — erklärte in seinen! Plaidoyer Adv. Petruszewicz — ״die polnischen Bauern drängen sich zum Handel und die Juden stoßen sie zurück. Dies ist unwahr. Die Bauern haben keine Lust zum Handel, die Juden wiederum stellen sich nicht neuen polnischen Wirtschaftspositionen entgegen. Man betrügt die Bauern, indem man ihnen eine Besserling ihrer Lage im Handel verspricht. Tatsächlich drängt man sic von einem Elend in das andere. Es ist nämlich notorisch, daß die Existenz eines Ladeneigentümers genau so erbärmlich ist wie die eines Kleinbauern. Diese Agitation wird nur getrieben, tim die Bauern über ihre wirkliche Lage zu täuschen und ihre Aufmerksamkeit von der einzig richtigen Lösung, und zwar der Parzellierung der in Einzelhänden befindlichen Latifundien abztiwenden.“ Auch Rechtsanwalt Margolis wies in seiner Vertcidigungsredc nach, daß die Lösung der polnischen Bauernfrage durch Ueberführung zum Handel unmöglich ist. Lin nationaldemokratischer statistischer Forscher, Prof. Wasiutynski — zitiert Rechtsanwalt Margolis — berechnete, daß von über drei Millionen Juden in Polen eine Million beruflich tätig ist, davon 324 (MM) (Faniilienhiiuptcr) im Handel. Der natürliche Bevölkerungszuwachs in Polen beträgt aber jährlich 400 00'.!. Wenn man also an Stelle sämtlicher jüdischer Kauflente polnischc Bauern und Arbeitslose setzen würde, habe man nach einem Jahre mit demselben ungelösten Problem zu tun. Ein zweiter nationaldemokratischcr Wirtselmftstlicorctiker, Prof. Stanislaus Grabski, schrieb: ״Ls sei eine Demagogic, »1 behaupten, daß, wenn man sämtliche Juden aus ihren Berufen verdrängen würde, die Arbeitslosenfrage und das Agrarprohlem in Polen gelöst sein würden. Denn wenn man auch mittels einer Wunschrute mit eincmmal sämtliche Juden loswürde, den Arbeitslosen und Bauern das nötige Kapital und Fachkenntnisse liefern würde, stünde man nach sieben Jahren vor demselben Problem. Wen aber werde man dann aus dem I.ande fortjagen?“ Das Plaidoyer von Advokat Landau aus Lemberg war der Höhepunkt des Prozesses. Rechtsanwalt Landau hielt der* ganzen Gerichtssaal in atemloser Spannung. Die schmerzliehe Martyrologie der Pogromopfer in Przvtvk und die Tragödie der polnischen Jinlenheit fand den tiefsten Ausdruck in dieser Verteidigungsrede. Zum Schluß seiner Rede sagte Landau: ״Die Juden in Przvtyk hatten das Recht zur Wehr und zur Verteidigung, genau so wie sie das Recht haben, auf dieser Erde zu leben. Die Juden sind in Polen keine Gäste. Wie weit man in der polnischen Geschichte zuriickschatien kann, wohnten hier Juden, und zwar nocli vor Kasimir dem Großen. Und auch dieser König lud neue ludenscharen nicht als Gäste nach Polen ein, sondern zur 'festen Besiedlung. In der polnischen Erde ruhen die Geheine vieler jüdischer Generationen, und daher sind wir Söhne dieses Landes.“ Die Verkündung des Urteils wird für Dienstag erwartet. Auf dem historischen J u d e n f r i e d 11 o f von Lublin spielten sich ergreifende Szenen ah, als zahlreiche Juden an den Gräbern der großen jüdischen Gelehrten und ״Märtyrer Gebete um den Freispruch der jüdischen Angeklagten* im Przytyk-Pro/eß sprachen und Psalmen rezitierten. Unter den Betern befand sich eine große Anzahl von Hörern der Lubllner Jcschiwa. ״Das Lieh! Dantes im Ghetto von Rom“ hielt, weilte auch der italienische D n t c r r i c 111 s m i n i s t e r De Vccchi auf der Insel. Er stattete auch dem Rahhinatskolleg einen Besuch ab und hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er hervorhob, daß der ״religiöse Geist die Erziehung der neuen Generation beseelen müsse, ganz gleich welchem Glauben und welcher Religionsgemeinschaft sie angeliörtcn“. Einige Tage darauf wurde De Vecchi zum Gouverneur von Rodi und den anderen italienischen Besitzungen in der Aegeis ernannt. Er ist gleichzeitig Zivilmul Militärgotivcrneur mul tritt an die Stelle des bisherigen Ztvilgouverneurs Lago. Ls ist kein Zweifel, daß auch der neue Gouverneur den jüdischen Institutionen sein Interesse und seine Obhut schenken wird. Angesichts der aktuellen Vorgänge im östliehen Mittelmeer ist Italien heute mehr denn je an einer Erhaltung und positiven Entwicklung seiner Besitzungen in der Aegeis gelegen. Und das jüdische, zumeist gebildete und sprachen kundige Element hat dort für Italien und die Aushrcitung der italienischen Kultur wertvolle Pionierarbeit geleistet. Welche Bedeutung Italien diesem Vorposten im östliehen Mittelmcer heimißt, geht am deutlichsten aus der jetzigen Ernennung des Gouverneurs De Vecchi hervor, der einer der Quadrumvim der faschistischen Revolution war und einer der nächsten Mitarbeiter Mussolinis ist. Einwanderung nach Paraguay gesperrt London, 20. November. (JTA.) Die Royal Mail Lines haben alle Passagebüros und Agenten dahin instruiert, daß Paraguay die Einwanderung von Juden ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit und Klasse gesperrt hat. Das Einwanderungsverbot gelte sogar für diejenigen, die im Besitz des Visums sind und die Reise bereits angetreten haben. .Keine Rache, kein Vergessen* Von der Woche Der ״Erlösuagsmarsch“ — Jabotinsky spricht — Wissenschaft u. Judenirage — Eine jüdische Maxime An die Zeiten mittelalterlicher Romantik werden wir erinnert, wenn wir die kuriosen Berichte über die Unternehmung jenes polnisch-jüdischen Rechtsanwalts lesen, der die jüdische Jugend für einen 1Z r 1 ö s 11 n g s - mar sei! nach Palästina organisieren wollte und anscheinend auch nach dem verunglückten ersten Experiment seine Absicht noch nicht, au!gegeben hat. Man denkt an den Kinderkreu/.zug, man denkt an nivdUelie Ikwcgungen der jüdischen <ic-chirliu־, etwa an die ״rode Juden- Wanderung zur Zeit Scliabbatai Zwi’s, deren Auswirkung in Deut seid.'irr d Jakob Wassermann in den! Vorwort zu den ״Juden von Zirndorf“ so ergreifend geschildert hat. Juden, zermürbt von ihrem Elend und verzehrt von der allzu lange dauernden unerfüllten Sehnsucht,, verlassen ihr Hab und Gut (sofern sie noch welch! s haben) und machen sic'1 auf den Weg. (In Bistrit/kis ,,Scliabbatai Zw!“ der jetzt im Berliner Kulturbund gespielt wird, sehen wir eine solche S/ene־ in Lemberg.) Die Lrscheinitng Scliabbatai Zwi's hätte niemals eine solche Wirkung gehabt, wenn nicht die jüdische Masse in dem weiten Ebenen des Ostens bis tief in deutsches Land hinein in völliger Verzweiflung gewesen wäre. Uns Golusleben war eben nicht mehr :zu ertragen. Ist es nun so weit, daß in unserer Zeit schon ähnliche Stimmt!»- gen die Macht bekommen? Gibt es ,ähnliche Ausbrüche? Die Welt hat sich geändert; es gibt inzwischen Pässe, Polizei, Eisenbahn, Telegraph, und eine chaotische Massenbewegung kann leicht zum Stillstand gebracht werden. Der erste Aus/ugsv•ersuch des Herrn Rvppcl endete auch tatsächlich kläglich unter den Gummiknüppeln der polnischen Polizei. Aber die Sache seihst ist mehr als ein Kuriosum. Sie ist ein Memento für alle, die hören wollen. Dieses Elend einer ganzen Generation, der rrian alle Wege zu einem ehrlichen, arbeitenden Leben absehneidet, diese Ver/Tveifhmg von jungen Menschen, denen alle Tore verschlossen sind, ist ein Problem, das nicht ignoriert werden kann. Wie aus dem Warschauer Bericht in der״ ־jüdischen Rundschau“ hervorging, hatte der Veranstalter dieses Marsches, dessen Ideen man zunächst als Scherz auf/iü'aswn geneigt war, auch die Soiiderabsiclrt, die Aufmerksamkeit der reidien Juden zu erregen, die noch immer nicht geniigend für die Masse des jüdischen Volkes |!m. Lin Bericht aus Amerika, den wir heute veröffentlichen, scheint diese Auffassung 71! bestätigen; es liehh darin, daß die wohlhabenden juden Amerikas, die jetzt wieder zu Wohlstand ,gekommen sind, Werg• suchen, um ihre Verpflichtungen gegenüber der Gesamtheit eher eiii/uschränken als atiszudehncn. Vielleicht kann man diese Feststellung nicht verallgemeinern; die amerikmü• cbm Juden sind in den letzten drei Jahren stärker für das Los der Brüder in Europa interessiert worden als zuvor, aber freilich, Amerika ist weit und manche dort drüben mögen meinen, das ihre zu tun, wenn sie hu■!• und da eine Spende geben. Wird der Ye1׳/w׳׳ifl1»1gs1narseh von Warschau seine FTrnv irkung über den ('Vertu binweg haben? Werden muh die internationalen Instanzen, die in Genf immer wieder Untersuchungen nnsfellen, Memoranden schreiben hissen und Konferenzen vertagen — wie unser Genfer Berichterstatter erst wieder in seinem letzten Bericht in Nummer <43 darstellt —- die Kraft finden, etwas zu tun? Viele Fra ,gen dieser Art drängen sich auf. Man kann sie nur stellen; man wagt sie nicht zu beantworten. * Es ist gewiß sehr schwer, angesichts der atisweglosen jüdischen Not politische Besonnenheit zu bewnhren, besonders in einer Welt, die stark in Bewegung geraten ist und in der so manches kühne Wort sich durchsetzt. Wer aber für das jüdische Volk Politik machen will, muß alle G r u n d t a t s a c h e n in Erwägung ziehen, mit denen dabei zu rechnen ist. Dies gilt für die Situation der Juden in der Diaspora, ebenso wie in P a I ä - stina. 14er Führer der Revisionisten, Jabotinsky, der soeben — wie an anderer Stelle berichtet wird — anläßlich einer Tagung seiner Organisation in Wien sein Gegenwartsprogramm verkündet hat, ist ein Meister der Rhetorik und der Formulierung, aber wir fürchten, daß er nicht immer mit der gebotenen Verantwortung den politischen Realitäten gcgeniibcrstcht. Sein Programm hat zwei Pole: Diaspora und Palästina. Bezüglich der Diaspora vertritt Jabotinskv das Programm der ״Eva k 11ierung“ der Juden, und er gab diesem .Wort Evaku-