Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 93 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 93, 20. NOVEMBER 193« Das Verhör beginnt Wauchope und Mills sagen aus Die Kommission hat am Montag ihre erste nichtöffentliche Sitzung abgehalten. Hig Commissioner Sir Arthur Wauchope erschien vor der Kommission, um Aussagen über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu machen und Fragen über die Ursachen der Gegensätze in Palästina zu beantworten. Die Vernehmung des High Commissioners nahm zwei Stunden in Anspruch. In der Dienstag-Sitzung hat der High Commissioner seine Aussagen fortgesetzt. Die arabische Presse behauptet, daß der ehemalige Oberste Richter Mc Dorm eil, den die Araber als ihren größten Freund arischen, ebenfalls als Zeuge vor der Kornmission erscheinen wird. Ferner ward berichtet, daß die arabischen Könige sich anschicken, ein spezieflcs Komitee zum Schutz der Interessen der Palästina-Araber einzusetzen. Oeffentliche Sitzung Die Kgl. Kommission hat ain Mittwoch ztim erstenmal in öffentlicher Sitzung Bekundungen entgegengenommen. Zunächst wurde der Leiter des Regierungsdepartements für Einwanderung und Statistik, Eric Mills, vernornmen. Er gab an, daß die Zahl der gegenwärtig in Palästina lebenden Araber (JI0 0(K), die der Juden 37U00Ö betrage. Als der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, bemerkte, die Bevölkerung Palästinas habe sich in den letzten vierzehn Jahren verdoppelt, wurde dies von dem Einwanderungskommissar bestätigt. Mr. Mills erläuterte sodann die technische Methode, die die Regierung bei der Ausgabe einer neuen Eimvandcrtmgsschedule anwendet. Zu nächst nimmt die Regierung durch ihre Beamten, die dabei mit Beamten der Jcwish _ Agency Zusammenarbeiten, eine spezielle Untersuchung der Wirtschaftliehen Entwicklungen ,mul Arbeiten bei den Juden vor. Sodann werden die Anforderungen der Jcwish Agency nach neuen Zertifikaten geprüft. Die endgültige Genehmigung wird vom High Commissioner erteilt. Lord Peel richtete Fragen an den Einwanderungskommissar über arabische L i 11 w a n d c r ti n g und befaßte sich hierbei hauptsächlich mit der saisonniäliigcn Einwanderung aus Transjordanien und dem Haiiran. Mills antwortete, es gebe keine eigentliche arabische ״Einwanderung“, die Regierung wisse jedoch, daß Hauranier in das Land kommen. Genaue Zahlen könne er nicht angeben, es sei jedoch zu bemerken, daß Palästina eine Anziehungskraft auf Einwanderer aus den Nachbarländern ausübt und daß manche von diesen dauernd im Lande bleiben, während andere zu ihren Familien zurückkehren. Der Einwanderungskonirnissar ging hierauf zur Erlauferung der verschiedenen Kategorien jüdischer Einwanderer über. Er erklärte, daß jedermann, der 1000 Pfund besitzt, 7;ur Einwanderung hach Palästina legal /!!gelassen wird. Was die Einwanderung von Angehörigen betrifft, so kämen durch- ־,ehnittiieh zwei Personen auf ein Zertifikat nach Palästina. Die von Kapitalisten gestellten Eiinvandertingsgesuche würden rot« der Regierung sorgsam geprüft, um festzustellen, daß die Bewerber wirklich im Besitz der angegebenen Beträge sind. Auf die Frage über Einwanderung von Studenten äußerte der Einwanderungskom missar die Ansicht, daß die Einwan* derung dieser Kategorie beschränkt sei. Die nächsten Fragen des Vorsitzenden Lord Peel bezogen sich auf die jcwish Agency. Mills erklärte, die Exektitive der Jewish Agency sei vom Zionistenkongrcß gewählt und gliedere sich in verschiedene Abteilungen, die mit der Regierung kooperieren. Er selbst habe mit dem Eimvatidcrungsimd mit dem politischen Department der Jewish Agency zu tun. Wirtschaftliche Studien über das Leben der Araber, sagte der Einwanderungskoimnissar auf eine weitere Frage, wurden von der Regierung nicht gemacht und diese werde auf diesem Gebiete von den Arabern nicht unterstützt. Ihre Kenntnis der jeweiligen Lage schöpfe die Regierung ausschließlich aus den von den Distriktskommis• saren erstatteten Berichten über den Stand der Arbeitslosigkeit. Bei der Prüfung der Schedule habe der High Commissioner in der Regel die jeweilige wirtschaftliche Aufnähmetii liigkeit des Landes in Betracht zu ziehen, da die Araber befürchten, durch Juden verdrängt zu werden. Diese Furcht sei eine der Ursachen des arabischen Streiks gewesen. Die Atitglicder der Kommission forderten den Einwanderungskominissar nunmehr auf, ihnen Einzelheiten über den Hergang bei der Zulassung jüdischer Einwanderer aus verschiedeneti Ländern mitzuteileii. Unter Zustimmung der Kommission betonte Mr. Mills, daß die jüdische Einwanderung nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Problem sei. Als Gründe für die illegale Einwanderung von Arabern gab Eimvandcrungskonimissar Mills den Mangel an Arbcitsgclegcnheiten in den Nachbarländern, den Mangel an Arheitskräften in Palästina und die hier gezahlten hohen Löhne an. Die Behauptung, daß unter den Arabern Palästinas Arbeitslosigkeit herrsche, sei ein Märchen, Würde es wirklich Arbeitslosigkeit unter den Arabern geben, dann würden nicht Araber aus dem Haiiran und aus Transjordanien nach Palästina einwandern. Palästina, erklärte der Einwanderungskornmissar, mache in seiner wirtschaftlichcn Entwicklung große Fortschritte, und man sei um die Zukunft nicht besorgt. ״Spiegel der europäischen Geschichte" Lord Reel bemerkte, der Bericht der Palästina-Regierung stelle fest, daß die jüdische Einwanderung aus Polen angchalten, die jüdische Einwanderung aus Deutschland sich erhöht, diejenige aus Rußland aufgehört habe. Einwanderungskoimnissar Mills: Jawohl. Lord Peel: Dies ist eine Illustration zu der allgemeinen Geschichte der europäischen Staaten. Das Mitglied der Kgl. Kommission, Sir Harold Morris, wünschte zu wissen, wie groß die Zahl der jüdischen Kapitalisten sei, die sich auf dem flachen Lande angesicdelt haben. Mills bestätigte, daß sich mir wenige Kapitalisten auf dem Lande angesiedelt haben, und erklärte auf eine weitere Frage vor! Sir Harold, daß die jüdische Bevölkemng in den Städten größer sei als in den Kolonien. Sir Harold Morris fragte weiter, welchen Einfluß die Prosperität des Landes au[ die Einwanderung von An gehörigen ausiibe. Mills stellte fest, daß in der Regel eine Zunahme bei günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu bemerken ist. Nach Beantwortung einer Reibe weiterer Fragen wurde die Vernehmung des Einvvanderungskormnissars als beendet erklärt. Sic hatte zwei Stunden gedauert. Der nächste Zeuge, der Teiler des Gesundheitsdienstes der Regierung, Oberst George W. Heron, berichtete, daß die Gesundheitsverhältnisse höchst befriedigend seien und die Regierung beiden Teilen der Bevölkerung in gleicher Weise Beistand gewähre. Den Arabern stehe nur die Regierungsbilfc zur Verfügung, während die Juden dazu noch Hilfe aus dem Ausland erhalten, so daß sie besser ausgestattet und behütet sind, insbesondere angesichts der Tatsache, daß ihre Zahl geringer ist. * Die JTA. berichtet hierzu: Die halbstündige Aussage von Heron bat in den jüdischen Kreisen Jerusalems den Eindruck ausgesprochen anti jüdisch er Einstellung erweck{, während die Darlegungen des Einwandermigskommissars Mills als mehr oder minder unparteiisch empfunden wurden, obwohl er über die illegale Einwanderung von Arabern mit ziemlicher Leichtigkeit hinwegging. Die Kgl. Kommission hekündete bei den Vernehmungen großes Interesse für die Lage der Juden in der Diaspora, insbesondere in Polen. Einer Meldung der ״Chadaschot Aclironot“ zufolge werdet! deshalb von jüdischer Seite besondere Denkschriften über diese Probleme der Kgl. Kommission unterbreitet werden. Die Londoner ״Times“ hebt hervor, daß die jüdische Presse Palästinas der Kommission einen herzlichen Empfang bereifet hat. Die jüdischer! Zeitungen, so berichtet die ,.Times“, hätten betont, alle, die Lord Peels Eröffnungsrede gehört hätten, seien von seiner Offenheit und Gerechtigkeit beeindruckt gewesen. Die Zeitungen versichern Lord 'Peel der vollen Mitarbeit der jüdischen Gemeinschaft. Die arabische Presse dagegen drücke zwar auch den vollen Bericht über die Verhandlungen der Eröffnungssifzung der Kommission ab, sei aber in ihrem Koninientar sehr zurückhaltend. Nur die Zeitung ״Al Difaa“ unterstreicht den offenkundigen Wunsch Lord Peels, mit ■der« Arabern zusammenxnarbeiten. Das Blatt spricht der Kommission seinen höchsten Respekt aus und wiederholt, der arabische Boykott sei nicht gegen die Kommission gerichtet, sondern gegen die britische Regierung und deren falsche Politik. Aegyptische Zeitungen veröffentlichen ein« Mitteilung aus Kreisen, die angeblich dein Emir Abdulla nahestehen, wonach es die Hauptaufgabe der Kgl. Kommission sein werde, ein Statut für Palästina und Trans- Jordanien auszuaiTieiten. Ls sei nicht ausgeschlossen, daß die ü r c n /. z i e h 1111 g zwischen Palä.st in,! und Transjordanien, sowie die administrative Einteilung der beiden Länder weitgehend verändert werden wird. Eine Verordnung ermächtigt die Königliche Kommission, jede Person in Palästina bei Strafe bis zu 5 Pfund aufzufordern zu erscheinen und unter Eid auszttsagen oder Dokumente vorzu legen. Der Berichterstatter der Londoner ״Times“ bemerkt hierzu,!lies könne den Vernehmungen der Kommission mehr Gewicht verleiben, es sei jedoch nicht anzttnehtnen, daß cs viel dazu beitragen wird, die Scliwicrigkeit der arabischen Verweigerung der Mitarbeit zu lösen״ Die 5. Division wird zurückgezogen Wer zahlt die Militärkosten? In der Dienstag-Sitzung des englischen Unterhauses gab Kriegsminister Duff Couper bekannt, daß die 5. Di vis i ci 11 aus Palästina sofort zur ü c k g e zog 1• n werden soll, viihrend die Abberufung weiterer Truppenteile von der Lage im Lande abhängig sein wird. Abg. öallaclier fragte sodann den Kriegsminister nach den G e s a m 1 k o s te 11 der militärischen Expedition nach Palästina; ob mit den zusätzlichen Kosten der wegen der Unruhen vorgenonimcneri Entsendung; von Kräften der orig- 1 ischen Flotte, des Heeres und der Luftstreitkräfte Palästina belastet oder sic von dem Reichsscliat/amt getragen werden würden, und ob es «lern Minister bekannt sei, daß der Ueberschuß Palästinas am 1, Juli 6411 OST Pfund betrug. Der Finanzsekretär im Kricgsniitiislcrium, Sir Victor Warrendcr, verwies bezüglich des ersten Teils der Frage auf die am 11. November dem /Abgeordneten Peter MacDanald erteilte Antwort (daß die Kosten zum Teil vom britischen Schatzamt, zum Teil von der Palästina-Regierung getragen werden würden). Was den zweiten Teil der Frage betreffe, so stimme die Flöhe des Ueberscbusses für den 1. Juli. Für den jetzigen Zeitpunkt aber müßte diese Ziffer eine wesentliche Korrektur erfahren. Der Abgeordnete Chatcr fragte den Kolonienminister, ob ein Teil der Kosten für die anläßlich der Unruhen angeworbeneti jüdischen Kräfte von der Zionistischen O r g a n i - sation getragen werden würden. Minister Ornishy-Gortantwartete, die Palästina-Regierung habe im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen besondere Vereinbarungen mit der Jewish Agency for Palestine getroffen, wonach die lautenden Ausgaben für die zur bev-eren Verteidigung der jüdischen Siedlungen und Verstärkung des Poli/enlienstes in Tel-Awiw augeworbenen H i 1 f s p o I i 7 i s i e v zwisch011 der Rerk ning und den in Betracht kommenden < icmeinscliaftcn geteilt werden sollen. Die Kapitalkosten, z. B. die Auslagen für Uniformen, Ausrüstung, Walten und .Munition, werden von der Palästina-Regierung vollständig gef ragen. Der Abgeordnete (i a 1 I a c 11 e r fragte, ob es dem Kolonienminisfer bekannt sei, daß wä 11 rund der Unruhen nicht nur viele Städte und I )örfer rn it K o 11 e k t i v s f r a f e n belegt wurden, sondern daß Dörfer auch durch Flugzeuge mit Bomben belegt und einzelne Häuser mit 1) rn a - rn i f gesprengt wurden; wieviele Häuser seien gesprengt worden und warum habe man diese Maßnahme getroffen? Wieviele Tote und Verwundete habe es infolge Bombardierung und Sprengung gegeben? Minister O r ni s b v -Gor e: Ich habe festgestent, da ß die Behauptung, Dörfer seien wahrend der letzten Unruhen in Palästina von Flugzeugen aus bombardiert worden, vollkommen unwahr ist. <)3 Häuser wurden gemäß den Bestimniumgen der Notverordnungen des High Conmiissioner auf (irund der Palestine (Defencc) Order in Council demoliert. Menschliebes Leben und Gesundheit hat ■durch diese Demolierungen nicht gelitten. Der Minister für die Koordinierung der britischen Verteidigung, Sir Thomas 1 n s k i p, wurde vom Abgeordneten Wedgwood gefragt, ob Palästina im britischen Verteidfguugssysten! jetzt an die Stelle Aegyptens treten werde und ob die Regierung etwas unternommen habe, uru den englandfreundlichen Teil der Bevölkerung zu stärken. In schriftllicher Beantwortung der trage erklärte der Minister, daß das britische Verfehligiingssystcm durch den anploägyptischen Vertrag keine Schwächung erfahre. Es erübrige sich daher die Beantwortung des zweiten Teils der Frage״ Die Rückkehr der Reservisten London, 18. November. (JTA.) Zu den im Airsland verbreiteten Berichten über eine angebliche Meuterei aus Palästina z 11 r ü c k g e k c 11 r t e r Soldaten im Hafen von Southampton, die zur Verhaftung mehrerer Soldaten geführt habe, wird amtlich erklärt, daß diese Meldüngen stark übertrieben seien. Fs handele sic 11 um demobilisierte Zivilisten der 1. Division, die nach ihrer Rückkehr aus Palästina aus technischen Ursachen zwei Tage auf dem Transportdainpfer bleiben mußten. Die Reservisten wollten nicht noch einen dritten Tag an Bord des Dampfers verbringen und verlangten, nach Hause entlassen zu werden. Es wurden keine Verhaftungen unter den Reservisten vorgenommen. Eröffnungssitzung der Kgl. Kommission in Jerusalem Der Vorsitzende, Lord Peel, bei Verlesung der Eröffnungsrede. Von links nach rechts: High Conmiissioner Hämebope, Sir Morris Carter, Sir Horace Rumbold. Lord Peel, Sir Laune Hamniond. Sir Harold Morris, Prof. Reginald Coupland tu»: H, Oraiibk«!, JcraltlM* ון5§ו$£^־-..