Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 91 (13.11.1936)
- Date
- 1936-11-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 91 13 XI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seit® 9 IN ALLER KURZE Die Papiergroßhandlung S. i. Cahen, Berlin, ein bekanntes, bisher in jüdischem Besitz befindliches Oroßunternehmen, teilt mit, daß sie mit Wirkung vom 1. November das Unternehmen an die Firma I. Kliemt verkauft hat. Damit ist das Geschäft in arische Hände übergegangen. — Wie in der ״Aliensteiner Zeitung“ mitgeteilt wird, ist das dortige Schuhhaus Aron & Co, in arischen Besitz übergegangen. Die Firma Gerson Fränkel in Breslau, die seit 107 Jahren besteht und das älteste Spezialwaren• und Geschenkartikelhaus im Osten Deutschlands ist, ist in arische Hände übergegangen, ebenso die Basaltstein-Gesellschaft, Schwein f urt. Laut ,,Völkischem Beobachter“ hat die Fachgruppe Grundstücks- und Hypethekenmakler lestgestellt, daß 2>-~ 3U Prozent aller in Deutschland tätigen Hypotheken- und Grundstücksmakler Juden sind. Das ״Soldiner Tageblatt“ schreibt, daß in Berlinchen seit einiger Zelt in verschärftem Maße sich jüdische Händler bemerkbar machen. Es sei selbstverständlich Pflicht, jeden jüdischen Händler und Reisenden gebührend abzuweiaen. Wie uns aus Moringen a. Solling berichtet wird, sind dort aut dem jüdischen Friedhof vor! unbekannten Tätern zwölf Grabsteine umgeworfen und einige zertrümmert worden. Der Staatsanwaltschaft ist Anzeige erstattet worden. Wie die ״Neue Abendzeitung“, Ludwigshafen a. Rh., mitteilt, wurde ein S2jähriger Jude vor ae!rt Frankfurter Sondergericht wegen staatsfeindlicher Aeußerungcn zu fünt Monaten Gefängnis verurteilt. Die milde Strafbemessung beruhte auf einem Sachverständigen-Gutachten, wonach der Angeklagte nicht voll zurechnungsfähig ist. Die ״Bayerische Ostmark“ berichtet, daß mit dein 5. November die ßamberger Volksschulen judenfrei geworden seien. Die vorhandenen im schulpflichtigen Alter stehenden 37 jüdischen Kinder befinden sich in einer eigenen Schule, die in einem Nebenraum der Synagoge untergebracht ist. Sie werden von einem jüdischen Lehrer unterrichtet. Das Blatt fügt hinzu, daß damit endlich die erwünschte Bereinigung eingetreten sei. Eine Entschließung der Stadtverwaltung Regens bürg vom 30. Oktober untersagt jüdischen Schülerinnen mit sofortiger Wirksamkeit den Besuch des städtischen von Müllersehen Mädchenlyzeums. Nach einer Meldung des Deutschen Nachrichtenbüros hat der Polizeipräsident des oberschlesischen Industriegebietes in Gl ei witz gegen eine Reihe von Personen Ermittelungen eingeleitet, die Großvieh und Geflügel zur Lieferung an Juden außerhalb Qberschlesicns geschachtet haben. In Hindenburg wurden rund 300 Stück zum Teil schon geschächtetes Geflügel polizeilich beschlagnahmt. Mehrere Personen wurden in den letzteii Tagen vorläufig festgeaommen. Die Ermittelungen dauern zur Zeit noch an. Zu den vom Reichserzichitrigsminister herausgegebenen Richtlinien über die Erteilung von Genehmigungen für Privatunterricht und zur Führung von Privatschulen ist ergänzend mitzuteilen, daß ein Uiiterrlchtserlaubnisschcin bzw. eine Privatschui-Konzessiou nur an arische Antragsteller unter den angeführten Voraussetzungen erteilt wird, soweit der Unterricht an Schüler deutschen oder artverwandten Blutes erteilt werden soll. Für die Erteilung von Unterricht an jüdische Schüler durcli Juden bleibt es bei den bis- Vorigen Bestimmungen. Einer soeben veröffentlichten Statistik ist zu entnehmen, daß die jüdische Bevölkerung Kubas zur Zeit etwa 12000 Seelen umfaßt. Bis 1022 lebten in Kuba nur ganz wenige sephardische Juden und einige amerikanischjüdische Kaufleute. Der Brennpunkt des jüdisch-gesellschaftiichen Lebens ist das ״Jüdische Zentrum“ in Havanna, das durch die Gesellschaft HIAS gegründet wurde und jetzt von der HIAS-ICA-Vereinigung erhalten wird. Das Unterhaus hat in seiner Sitzung vom 9. November die ihm vom Innenminister Sir John Simon vorgelegte Public Order Bill in erster Lesung angenommen. Durch dieses Gesetz wird das Tragen politischer Uniformen und die Haltung von Vereinigungen militärischen oder ähnlichen Charakters durch Privatpersonen verboten. Weiter sind Vorkehrungen getroffen worden für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bei Aufmärschen, Versammlungen und auf öffentlichen Plätzen. (Das Gesetz hängt bekanntlich zusammen mit den von uniformierten englischen Faschisten ver״ anstnlteten antijüdischen Demonstrationen im Londoner East End.) Am 14. November beginnt in Wien die Konferenz der ״Neuen Zionistischen Organisation“ (Revisionisten), die bis zum 17, November dauern wird. Am 17. November findet in! Hotel Imperial ein Bankett zu Ehren Jabofinskys statt. Am 18. November spricht Jabotinsky im Großen Konzerthaussaal. Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes hat beschlossen, für das Frühjahr 1937 eine außerordentliche Tagung dnzuberufen, die ausschließlich Palästina gewidmet sein soll. Die älteste Schwester des verstorbenen Ehrenpräsidenten der Jewisti Agency, Nahuni Sokolow, Frau Etta Markowska, ist in Warschau im Alter von 82 Jahren gestorben. Der amerikanisch-/; nistische Frauenbund Haddassa hat beschlossen, zu Ehren von Louis Brandeis eine der Abteilungen der neuen Universitätsklinik auf dem Skopus-Bcrg in Jerusalem nach dem Jubilar zu benennen. Zionistische Arbeit in Frankreich. Unser Pariser K.-Berichterstatt er schreibt uns: Mit dem Winterbeginn wird die zionistische Arbeit in Frankreich wieder aufgenemmen. So haben u. a. die verschiedenen Sektionen der Wizo ihre Arbeit eröffnet. Die Wizo hat jetzt ein Zentralbüro an de« Champs Flysdes eingerichtet, wo sich außer einer Permanenz noch eine zionistische Bibliothek befindet. Ein Schulungskurs für Propagandaredner wird dort unter Leitung der Advokatin Frau Sasia Ehrlich abgehalten werden. Am 13. und 14. Dezernber wird der große Jahresverkauf der Wizo zugunsten dcs Heimes für Säuglingspflege in Tel-Awiw statifinden. — In Rouen fand erstmalig eine große Keren-Kajenieth-Kundgebung statt, die große Aufmerksamkeit bei der jüdischen Bevölkerung fand. Anläßlich dieser Kundgebung wurde von Madame Robert Stern eine neue Wizogruppe gegründet. Antijüdische Exzesse Zwei Juden in Lodz getötet Warschau, 10. November. (JTA.) In Lodz ist es zu schweren judenfeindlichcit Ausschreitungen gekommen. Nationaldemokratische Exzedentcn schlugen die Fcnsterscheiben eines kleinen jüdischen Cafes ein und verletzten den Inhaber des Cafehauses Josef Berkowicz und drei Gäste durch Schüsse schwer. Zwei Täter wurden verhaftet. Die vier verletzten Juden wurden ins Krankenhaus gebracht, wo der 43jährige Berkowicz und der 30jährige Israel Wendel ihren Verletzungen erlagen, In Wil na kam es anläßlich nationaldemokratischer Kundgebungen zum Jahrestag des Todes des Studenten Waclawski zu Ausschreitungen. In vielen jüdischen Häusern und Geschäften wurden die Fenster zertrümmert, zahlreiche jüdischc Passanten wurden erheblich verletzt. Die Polizei, die die Ruhe wiederhersteilen wollte, wurde mit Steinen und Knüppeln angegriffen. Zwölf Polizisten wurden verwund et, zwei von ihnen schwer. Drei Studenten und eine Studentin wurden wegen öffentlicher Gewalttätigkeit verhaftet. Achnliche Exzesse ereigneten sieh auch in anderen polnischen Universitätsstädten. In C z y z 0 w bei Lomza kam es zu pogromartigen Ausschreitungen. Zahlreiche jüdische Geschäfte wurden demoliert, viele Juden wurden mißhandelt. In Padromza bei Lemberg wurden in allen jüdischen Häusern die Fenster eingeschlagen, ln Zambrow erneuerten sich die antijüdischen Ausschreitungen. Mehrere Geschäfte wurden demoliert, die Waren wurden geraubt. Die jüdische Bevölkerung leidet Not. In Tatarow wurde ein P o 1 i z i s t, der eine überfallend jüdische Familie schützen wollte, von den Banditen niedergeschossen. Aus dem Städtchen Jiblonka-Kosciolna, wo vor einigen Tagen antijüdische Ausschreitungen sich ereigneten, wird initgeteilt, daß die Fenster sämtlicher jüdi« sehen Wohnungen und Geschäfte eingeschla. gen und der jüdische Friedhof geschändet wurde. Dennoch wurden zwei jüdische Greise, ein 75jähriger und ein Säjähriger, die sich gegen die Angreifer zur Wehr setzten, verhaftet. In der Nähe des Dui'les Dem bla (Kreis Kiclce) wurde der Jude Meir Feigenblatt von Banditen zuerst furchtbar gequält und ausgeraubt und zum Schluß geköpft. Er hinterläßt eine Frau und mehrere kleine Kinder. In Lawrikow bei Hawa-Ruska in Ostgalizien überfielen Banditen das Hans des Jizcliak Waldmann, richteten dort Zer- Störungen an und zündeten es schließlich an. Sie gaben auf alle Bewohner Schüsse ah. Die Frau Waldmanns und sein ältester Sohn wurden in lebensgefährlichem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Prager Brief Von unserem Berichterstatter z. r. Prag, 10. November Eine neac jüdische Lehrstätte Am 9. November wurde von Präsidium des obersten Rates der jüdischen Kultusgemeindeti-l'erbände der historischen Länder der tschechoslowakischen Republik (Böhmen, Mähren, Schlesien) in Prag ein Pädagogium zur Heranbildüng von Religionslehrern und Rabbiner- Proseminar eröffnet. Die Eröffnungsansprache hielt vom Präsidium Herr Dr. Josef Popper, Großmeister der hiesigen UOBB.-Loge, sodann sprachen die Dozenten Herr Rabbiner Dr. Sicher tschechisch und Herr Dr. Woskin-Nahartabi hebräisch. Mit der Gewinnung dieses Lehrers, der bis 1935 in Halle und Leipzig wirkte, ist die Gewahr dafür gegeben, daß die Absolventen des Pädagogiums nicht nur Wissenschaftlieh, sondern auch pädagogisch zu ihrem Amt befähigt sein werden. Der Lehrplan des Wintersemesters 1936 37 umfaßt Sprach-, Bibel- und Tahnudwissenscliaft, Philosophie, Psychologie, Ethik, Geschichte, Literatur und Liturgie. Gebildete Laien können als Gasthörer teilnehmen. Außer der Leitung des Pädagogiums hat Dr. Woskin-Nahartabi die Reorganisation des jüdischen Unterrichts und die Lehrerfortbildung in den historischen Ländern übernommen. Synegogale «and jüdisch« Musik Ein besonderes Ereignis war die von der Kulturorganisation ״Tarbut“ am letzten Sonntag in der Weinberger Synagoge veranstaltete Matinee synagogalcr und jüdischer Musik. Sie erhielt ihren besonderen ״Charakter durch das Auftreten des Vorkämpfers moderner nationaler jüdischer Musik, des bekannten Cellisten Prof. Joachim S t u t s c 11 evv s k y. Außer zwei eigenen Kompositionen brachte er Werke von Zeitlin, Weiner, Acluon und Dyck, di« zum Teil volkstümlichen Charakter trugen, zum Teil aber schon, wie Stutsclicwskys Klagelied und Dycks Le Rabi parle ..., den Stil der neueren jüdisehen Musik repräsentierten. Stutscliewsky füllte den Riesenraum der Synagoge ganz mit der Wärme seines wundervollen Tones und erwies sich als Meister seines Instrumentes. Die Stimme des Brunner Oberkantors Igno Mann, desfrüheren ersten Tenors der Warschauer Oper, machte besonders die synagogalen Gesänge zu einem Erlebnis. Der neue Wiener Kultusvorstand. Bei der am 8. November vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes der Israelit!- sehen Kultusgemeinde sind folgende Personen gewählt worden: Von der zionistischen Liste: Der bishörige Präsident der Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, der Vizepräsident Oberbaurat Robert Stricker, der Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich, der Präsident des zionistischen Landesverbandes, R.-A. Dr. Oskar Grünbäum, der Präsident des Verbandes radikaler Zionisten, R.-A. Dr. Leopold Plaschkes, Dr. J. H. Körner, Dr, Isidor Klaber, R.-A. Dr. Leo Landau, Kommerzialrat Arthur Albers, Stadtbaumeisfer Dr.-lng. Eugen Buchbinder, Dr. Michael Steinberg, R.-A. Dr. Mendel Rosenberg, Dr. Nachman Frev, Dr. Israel Waldmann, Architekt Dr.-lng. Arnold Karpius, Rudolf Böhmer und die Revisionisten Siegfried Graubart und Max Schwarz. — Von der Liste der Union österreichischer Juden: der Präsident der Union, Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim, R.-A. Dr. Josef Ticho, Baurat Ing• Wilheim Kempler, Geza Klinger, R.-A. Dr. Leonhard Mayer, Dr. Ernst Felsberg, R.-A. Dr. Maximilian Stiglitz, Kommerzialrat Moritz Leitncr, Börsenrat Heinrich Popper, Kommerzialrat Siegmund Feldmann, Jakob Weiger, Friedrich Feuer, Max Weiß. — Arbeitendes Palästina: R.-A. Dr. Saul Sokal. Dr. Eduard Bloch, S.!Mayer. — Adolf Stand- Klub: Dr. David Kreppei. Neue■ Buch von Edmorul Fleg- Unser Pariser K.-Korrespondent schreibt uns: Der bekannte jüdische Schriftsteller Edmond Fl eg, der sich seif längerer Zeit dem Zionismus zugewandt hat, hat soeben ein neues Werk ״Israel und ich“ beendet, das in Kürze veröffentlicht werden wird. Dieses Werk wird, wie der Schriftsteller erklärt, die Synthese seiner Gedanken über das Judentum, über Palästina und über die Religion enthalten. Seine beiden früher erschienenen Werke ״Warum ich Jude bin“ und ״Mein Palästina“ werden neu bearbeitet, vereinigt und publiziert werden. Wie Edmond Fleg einem Mitarbeiter der ..Tcrre Retrouvee“ erklärte, erzählt er & seinem neuen Werk sein Lehen als Funktion des Judentums. Er erstrebt eine allgemeine jüdische Renaissance durch die Rückkehr zur Tradition In den verschiedensten Formen. Der Zionismus ist für Fleg nur der erste Ring in der goldenen Kette der jüdischen Renaissance. Fleg fordert eine energisch« Reaktion der ״Synagoge“ gegen die Assimilation, gleichgültig ob sie sich in bourgeoiser oder kommunistischer Form präsentiert. Er fordert vor allem eine intensive jüdische Propaganda unter der Jugend, die dem Judentum in Frankreich immer mehr verloren geht. Der Transfer aus Polen Ueher das in Vorbereitung befindliche polniseh-palästinensisebe Clearing-Abkommen weiß die ״Gazetta Handiowa“ folgendes zu berichten: Die Kapitalien der Auswaiiderungslustigen sollen bei einem besonderen Clearing- Institut eiugezahlt werden; die Aio/ahlum: in Palästina erfolgt erst, wem! sich ein entsprechender Suhl״ auf ('!rund des polnisch-palästinensischen \U a r e n a nsta us dies ergibt. Dia Reihenfolge der Auszahlung richtet sich nach der der Ein- Zahlungen in Warschau. Das Clearing-Alikiunnien soll sowohl von den Auswanderern ihr Kategorie A (Besitzer eines Mindcstkapitals von 1000 Pfund) als auch von den Handwerkern mit einem Mindestkapital von 250 Pfund und den F.inwanderer!) mit einem Minriestkapital von 590 Pfund in Ansprucll genommen werden. Arbeiter einevn ndercr und Chainzim unterliegen weiter den Devisenvorschriften. Arbeiterein- Wanderer, die mit ihren Familienaugehörigen nach Palästina reisen, können einen Betrag von 10');) Zlotv, Alleinstehende nur 500 Zloty mit sich nehmen. Man erwartet von dem Abkommen eine Steigerung des Exports von Röhren, Holz, Orangenkistcn und landwirtschaftlichen Geraten aus Polen nach 'Palästina. Ludwig Ferdinand ClauR an die Universität Berlin berufen. Wie der ״Völkische Beobachter“ vom 11. November mitteilt, ist der bekannte Rassenforseher Dr. Ludwig Ferdinand Clauß an die Universität Berlin berufen worden. Claufl hat sich durch sein großes Werk ״Rasse und Seele‘• bekannt gemacht, in dem er die Methode der Ausdrucksvergleichurig zum erstenmal konsequent durchführte. Er hat besonders viele Studien in Palästina und unter den Beduinen, die in den umliegenden Ländern umherschweifen, gemacht; sein Buch ״Als Beduine unter Beduinen“ gibt einen vorzüglichen Uelterblick über das Wesen der Beduinen in rassischer, kultureller und sozialer Beziehung. Sein letztes und noch nicht beendetes Werk hat den Titel ״Rasse und Charakter“. Eduard Engel 85 Jahre alt. Am 12, November wurde Professor Eduard Engel, der bekannte Literarhistoriker, 85 Jahre alt. Er hat eine Fülle von Büchern verfaßt, die sich teils mit Fragen der deutschen Sprache und ihrer Reinigung befassen, teils Meisterwerken deutschen, englischen, französischcn und griechischen Schrifttums gewidmet sind. Seine Goethe-Biographie hat Hüter starke Verbreitung gefunden. Professor Engel war wegen seiner Verdienste um Reinigung und Verbesserung der deutschen Sprache zum Ehrenmitglied des Deutschen Sprachvereins ernannt worden. Zum Judentum hat er keine besonderen Beziehungen, In der jüngsten Zeit wurde Engels Werk gelegentlich als ein Versuch Charakter!• eiert, in besonders geschickt getarnter Weise jüdische Ten• denzen in die deutsche Literaturwissenschaft hineinzutragen. Der Radiopriester verstummt. Der amerikanische ״Radiopriester“ Pater Coughlin hat dieser läge mitgeteilt, daß er seine beliebten Radiorwlai einst eilen wird. Pater Coughlin gehört zu den Persönlichkeiten, die in der letzten Zeit anscheinend Verwirrung in de! oifcntlichen Meinung der Vereinigten Staaten bervorgerttfen hatte: denn anders wäre cs nicht zu erklären, daß über seinen Einfluß sowie den Einfluß anderer ähnlicher Figuren des amerikanischen Lebens, die heftige Angriffe gegen Roosevelt richteten und u. a. auch antisemitische׳ Bemerkungen, wie sie früher in Amerika nicht üblich waren, benutzten, phantastische Vor- Stellungen in Amerika scib-t mul auch anderwärts bestanden. Pater Coughlin hatte vor der Wahl erklärt, er würde sich ins Privatleben zurück/ridieu, wenn cs ihm nicht gelänge, für den von ihm empfohlenen Kandidaten William Lemke 9 Millionen Stimmen zu erlangen. Dieser Kandidat, den man eine Zeitlang auch in manchen europäischen Zeitungen als einen ernsthaften Gegner Roosevelts hingestellt hatte, erlangte aber bei den Wahlen nicht mehr als 650 000 Stimmen. Mit Rücksicht darauf erklärte der Radiopriester, die von ihm gegründete ״Nationale Vereinigung für soziale Gerechtig- Reit“ sei gründlich diskreditiert worden und er gebe daher seine Radiotätigkeit auf. Coughlin war vor fünf Jahren eir! unbekannter Priester einer kleinen Pfarrgemeinde, ist jedoch durch seine Ansprachen, in denen er eine besondere Beredsamkeit entwickelte, zu einer allgemein beachteten und b<> kannten Figur geworden, deren wirklicher Einfluß jedoch, wie sich jetzt zeigt, sehr überschätzt worden ist. Hebräischlernen für Blinde. Dr. Kaleko, der Verfasser des Lehrbuches ״Hebräisch für Jedermann“, und der Verlag der ״Jüdischen Rundschau“ sind darum gebeten worden, nunmehr auch die Erlaubnis zur Uebertragung und Her- Stellung des II. Teils des Lehrbuches in Blindenschrift zu erteilen. Die Uebcrtragiing wird, wie beim I. Teil, durch Dt. Walter Philipp (Berlin) erfolgen. — Das Israelitische Blinden-lnstitut in Wien beabsichtigt, wie dies hei dem jetzt vorliegenden l. Teil der Fall ist, auch den II. Teil in Lieferungen erscheinen zu lassen, die der Monatszeitschrift für jüdische Blinde ״Die Leuchte“ beigelegt •werden sollen. Zentrale für Deutschland, Berlin W15, Meinekestraße 10 / Fernruf: J 1 9031 / Telegramme; Kerjessod / Postscheckkonto: Berlin 104951 der fcermdtäjesjod isi f/ez Trutzes cles fildlsefwH. ik fhlgjfanM■ —- ~ UZf kzStn fboiejtorj itkajjl qiiisdtm Jxtn4 /er Üerkeismngitas JjCf hui der LUiruj f~