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Jüdische Rundschau · 1936-11-06 · Heft 89 (6.11.1936) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 89 (6.11.1936)
Date
1936-11-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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.§* (I JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 89, 6, NOVEMBER 1936 Drei Maler und ein Bildhauer Meile Ausstellung im Klubheim Die neue Ausstellung des Reiehshttmles der Kulturbünde;im Klubheini Marburger Str. 5) gilt diesmal drei Malern und :iriem neuen, sehr begabten Bildhauer. Leider starb kurz vor Beginn der Ausstellung der Maler Leo P r o c 11 o w n i k, nachdem er nur vier Wochen krank gewesen war. Von den Ausstellungen im Museum her kannte mau Proehownik als Zeichner. Starke Köpfe, gute Landschaften legitimierten ihn als den begabtesten der bisher als jüdische Maler erst nach 1933 bekanntgewofdenen. Die jetzige Ausstellung zeigt, daß er auch als Maler genau soviel konnte. In der Komposition, sei es in dem grofien Frauenakt, oder in der festen Verbundenheit von Häusern und Landschaft, ist die Qualität seiner Arbeit am größten. Sein schönstes ist das Selbstporträt mit dem rotbraunen Apfel. Schmal im Hochformat In leuchtend hellblauer Hemdbluse mit braunem Gesicht, in dem ein gutes Liichcln steht. Es ist schade um den Menschen und um den Malerr. Mi! der festen Wirklichkeit des Frauenaktes kontrastiert seltsam das phantastische Licht der Landschaft des Hafens von Riigemvalde. Line weiße Sonne umgeben immer gröber werdende zarte und hellfarbige Kreise in Rosaviolett, in grünlichem Gelb. In ebenso phantastisch farbigem Schimmer liegen in einer Reihe hintereinander Fischerboote mit Masten ohne Segel. Dieselben hellen Farben zeigt das Stadtbild von Wilmersdorf, der Blick aus dem Atelier feilster auf die modernen I Litt ׳crii'.ocks und die hellen fA, Mi v .« . fl /J '■sfcw *N־ :v t -/K V V mit der Märchenstim irmng auf Schwerins Gemälden, aber die pastosen Büsche, die ganze kräftige Landschaftsformung zeigen seinen eigenen Weg. ״Die Dünen am Meer“ in graublauen Tönen neben zart (iriin und darüber ein zarter Blau-Streif geben die Atmosphäre von Getrageulieit und Weite, Meeres- Stimmung. Auf die Arbeit des jungen Pastell-Malers Da Wido* witsch habe ich vor einigen Monaten hingewiesen. In der Proehownik: Lesende Kinder 4 1010«: Herbert ssaa»(aM Grünanlagen. Ein sehr gutes Gemälde ist die ״Bank in der Anlage“. Ausgezeichnet charakterisiert sind die Menschen. Der Arbeiter mit seiner Frau, die das Ausruhen am Abend genießen, ein schlichter Mann mit der Mütze, die Hand trägt die Spuren der Schwerarbeit, der breite, aber schmalgeschioslene Mund lächelt. Unbekümmerter ist das jüngere Paar daneben, in Darstellung, Komposition, Farbe. Von den Zcichniingen ist eine »1er schönsten die junge Frau aus dem Jahre 1916. Die Gemälde Procliowniks sind fast alle auf Holz gemalt. Eine groll angelegte Natur mit Ansätzen zu Entwicklung neuer Wege, das zeigt die Ausstellung und das glaubte jeder, der Leo Procliowniks Arbeiten kannte. Der vielseitige l)r. Er i t 7. Salomonski stellt sich mm auch als Maler vor. Bisher kennt man ihn als Sänger und als Kantor. Seine beiden Selbstbildnisse, das weißblaue aus dem Jahre 1023 und das dunklere aus dem Jahre 1933 zeigen ihn als Maler von stark farbig betontem Selten, als Maler aus echten Malcrtemperament. Die Selbstbildnisse zeigen auch seine scharfe Beobachtungsgabe, und dasselbe kann man auch von seinen gut gesehenen Porträts sagen. Das Porträt des Prolessors Klaar aus dem Jahre 1921 mit den! hellen, fein geäderten Kopf auf dunklem ()runde ist malerisch und zeichnerisch ebenfalls vortrefflich. Mehr zeichnerisch gesehen ist dagegen das große Porträt des Vaters im braunroten Klubsessel. Das Zeichnerische und das malerische Selten scheint in seinem Werk abwechselnd stärker oder schwächer betont zu werden. Ganz, malerisch gesehen ist der stehende Frauenakt mit dem grünen Tuch, in seiner Vielfalt der Wechselwirkung von Farbe und Licht. Das Seibstporträt von 'H ׳ s׳ iAf, »1r»/ Davidmvilsch: Frauenportrdt Ausstellung zeigt er zwei seiner Karamasoff-Pastelle, darunter das schr gute des Staretz. mit dem ekstatisch nach hinten geneigten Kopf und dem Ausdruck, der seine Formen und Linien mehr aus den Bezirken der Musik 1101t als aus der .Malerei. Stark malerisch empfunden ist dagegen ״Der Lacltende“. Auch zwei Mädchenköpfe sind zu sehen. Mit nur wenigen Strichen, aber stark plastisch wirkend, der asiatisch ׳gesehene breite Kopf und daneben das schmale Gesicht mit der Haarsträhne und den hellen Farben, das fast schulinäßig iinprcssioiiistis li wirkt. Für seine Jugend sind diese Pastelle in Ausdruck und Form und Beherrschung des Materials, malerisch und zeichnerisch gleich gut gesehen, sehr gute Talentproben. Einige verleugnen nicht das Vorbild seines Lehrers Arno Nadel, in der ornamentalen Gestaltung des Blattes, aber das belle Mädclienbild hat etwas von der Anmut Kanelhas, und das Pastell des Staretz und andere Köpfe zeigen den eigenen Weg. Eine sehr große Begabung und reife Leistung findet! wir in den Plastiken des Bildhauers S 0 k o 1. Sein Material ist Holz und Bronze, aber das beste seiner Werke, die große Komposition ״W i c d c r f i n d e 11״, lamme ebensogut in Stein ausgetührt werden, wie es das Gipsmodell zeigt. Diese Plastik stellt zwei zeitlose Gestalten dar. Line große Frauengestalt, die im zurück gebeugten llaibprolil Schmerz, und Uehervvimlung des Leidens im cnd.ichen Wiederfiiiden zeigt, und eine kleinere Gestalt mit merkwürdig unpersönlichen (icsichts/iigeii schmiegt ihre Schulter in den umfangenden schützenden Arm. Dies Motiv des Schützens und des Kampfes zeigt die Bronze: ״Im Sturm“. Line Frau mit weitendem Haar geht aufrecht gegen den Wind an und trägt im Schatten des Haares ihr Kind. Den Arm stemmt sie schützend gegen eien Wind. Tuch und Arm und Bewegung bilden eine Einheit. In Holz ist der obere Teil der Figur: der Kopf der F'rau und das Kind im schützenden Arm wiederholt. Unter den Kleinplastiken ist eine liegende schlafende Frau, eine kleine Bronze. Die Gestalt, gelöst in der Haltung, die Linien dnrcli{geformt bis zur runden Wölbung der Fülle, ist vollkommen eine Einheit. Genau so im ״Ahasver“, Ein alter Jude stellt vorgebeugt, auf einen Stock gestützt. Das Gehen, ein zeitloses ewiges Gehen, wird glaubhaft. Auch ,,Die sorgende Frau“ mit dem langen Mantel und dem zersorgten Gesicht ist streng plastisch erfühlt. Mit dem Gesicht des sinnenden Mannes, einem großen Holz- Porträt, kann man trotz, item skeptischen Gelehrten- Ausdruck nicht so einverstanden sein. Fs bleibt ein ungelöster Rest. Ebenso ist es mit der Fignrenplastik ״Hingabe“. Das ist ein betender Jude im Tallis. Ebenfalls Holz. Die Hände ekstatisch ar! die Brust ge• preßt. Die Haltung ist gut und glaubhaft. Nicht glaubhaft dargestellt ist dagegen das Gesicht. Die Porträt• köpfe in Bronze, ein Mannerkopf aut Marmorsockel lind ein I rauenkopf, vorläufig getöntes Ginsmodell, später Bronze, sind gute Arbeiten, Ebenso der iiegende alte Jude mit Scnlapp- 1111t wie (än SclDfer wir- Plastik von Sokol kend. Es ist eine Holzplastik. Von Sokol modelliert ist auch der Porträtkopf von Dawiclowitsch, eine gute, kraftvolle Arbeit. Ein Bildhauer, der sich wie Sokol au den großen Vorwurf wagt und sich seihst große Aufgaben stellt, sollte gefördert werden. Hanna Schlesinger (Ruth Morold) »איד י y**J*r\ ן Ein Rabblnerbildnis Von der Ausstellung ״Unsere Ahnen“ Im Berliner Jüdischen Museum Das Jüdische Museum hat den Rabbinerbildnissen einen eigenen Raum überlassen, wo sic besonders schön neben dem inatt schimmernden Kultgerät zur Geltung kommen. ITas wichtigste unter diesen Bildnissen ist das kleine, in Oel auf Zinn gemalte Porträt von Samuel E g e r s, dos Laudesrabbiners von Braunschweig, aus dem Besitz, von Dr. Albert W asserman n In Bamborg. Von außerordentlieh ent Reiz ist das schmale, hohlwangige Gesicht mit der kühngczeichneten Nase, dem scharfen blauen Auge, dein leise lächelnden großen, ausdrucksvollen Mund. Das braune Haar ist sorgfiil• lig gelockt, der Kinnbart geteilt, beinahe noch wie ihn Chacham Zivi getragen batte. Die Malweise, die betont lineare Be- Handlung des Gesichts, der Hände, der Details hat etwas ikonenhaftes, von wunderbarem 2t1samrnenklang ist das grünliehe Braun, das Schwarz und das verhaltene Rot unter dem starken Firnis. Dieses Porträt ist das erste uns bekannt gewordene Bildnis Samuel Legers. Nun besitzen wir von Samuel Lgers zwei verschiedene Oelbildriissc und ein Porträt nach dem Bamherger Bild auf einer üedenklasse in Berliner Besitz. In seiner Gedächtnisrede für Samuel Egcrs in der Rahliiner- Versammlung in Braunschweig betonte Rabbiner Herxluimcr das Gemeinsame und Verbindende: Förderung der ״zeitgemäßen gewerblichen Bildung der Jugend“ und Einführung der ״öffentlichen Konfirmation iin Gottesdienst“ — Dingen, die auch dem jüngeren Herxheimer am Herzen lagen, die auch er unterstüt d hatte. Ra hei Wisclinitzer -Bernstein 1*010; J. A ti önam menschlichen Natur in einem ungleichen Kampf zwischen Gut und Böse zeigt und das Böse siegen läßt, eine depressive Lebensansch.utting, die den Menschen an den Widerwärtigkeiten des Lehens zerbrechen läßt. Auf primitiver Bühne wechseln Vision und Wirklichkeit, ein Vorleser führt die Handlung, legt den darstellenden Personen das Wort in den Mund, ermuntert sie, greift in das Geschehen ein und spart nicht mit Milieuschilderung und Knittelversen. Erörternd, vertiefend, vorvvärtstreiheml und die eiii/clnen Bilder miteinander verbindend, fällt die Musik ein, frappant die Gedanken aufgreilend, weiterspinnend. Jedes einzelne Instrument ist selbständig in seinem Charakter, tritt auf, beinahe personif!zierend, packend realistisch, die Geige als Seele des Soldaten, sein Talisman, im Schmciz stöhnend, das Schlagzeug pochend iin Lebensrhythmus. Mit dein Verlöschen der Seele des Soldaten verstummt die Geige, doch unbezwingbar pocht das Schlagzeug weiter. Die l'ornigebilde der Strawinskyschen Musik, die sich an die Handlung und um sie heriunranken, sin 11 in der Struktur /eitverknüpft, lehensgcbimdni: der Marschtritt des Soldaten, Festniusik, Tänze wie T ango, Walzer, Ragtime (ein Tanz, der 1(HS zur Zeit der Entstellung des Werkes aufkam und in der musikalischen Faktur den heutigen Jazz, vorwegnalini). Doch in ihnen liegt auch motivisch a!1 }gedeutet, trotz, spitzfindig scheinender Tenden/eii eine Herbheit des Schmerzes von greifbarer Realistik. Die begeisterte Aufnahme dieses eigenartigen \X erkes durch das Publikum zeugte davon, daß die Sprache Strawiiiskys einen Weg zu ihm gefunden hat. Ungemein suggestiv mit Ilten die Tänze der Schlußszenen in Verbindung mit dem tänzerisch Visuellen aut der Bühne wirken. Dm den Leistungen der Mitwirkenden gerecht zu werde 11, ist der störende: 1 aktor des Nichtfuiiktionierens des Vorhangs, der besomlets bei »len Biihiteiidarsteilen» Nervosität Hervorrufen mußte, zu berücksichtigen. Daß die Aufführung trotz Dtivorhernescbenheitcn ־,HU .{SifK STRAWINSKI: ״Geschichte vom Soldaten ftl Salomonsky: Selbstbildnis 1933 1933 ist trotz dem dunklen Gesamtton eine rein malerische Leistung. Das Gold und rötlich Gold des Bilderrahmens im Hintergrund und das Rosablau und Rosabraun im Weiß der Hemdsärmel und die dunklen Rot- und Braun färben der Weste zeigen in den Abstufungen seine Beherrschung aller malerischen Möglichkeiten. Das Portrat von Anselma Heine, ebenfalls in dunkleren Farben dunkelviolett und dunkeirot, streift in der betonten Ruhe fast das Akademische. Sehr schön sind seme Landschaften. Bei der Wiese am See hat der Himmel mit dein Rosa-Licht und den Rosa-Wolken etwas Achnlichkeit Aufführung in Berlin Es ist reiner Idealismus, der die Anstrengungen rechtfertigen kann, die die Aufführung der ,,Geschichte vom Soldaten“ nötig machen, und cs gehört Mut dazu, ein derartig exponiertes Werk einem aus den verschiedensten Kreisen zusammengesetzten Publikum vorzuführen. Line Gruppe junger jüdischer Künstler, der cs an diesem Idealismus und Mut nicht fehlt, hat sich unter der Gesamtlcitung von Wilhelm Graft dazu zusatnmengetan, dieses Werk herauszubringen. Der Dichter und Freund Strawinskis, C. F. Raniuz, schrieb dieses Stück für primitive Aufführiingsverhältnisse, für eine Wanderbühne von nur wenigen Darstellern, wozu Strawinsky eine kleine Kapelle mit sieben Leuten als Orchester auftreten ließ. Der Stoff, den Rarnuz wählte, ist der eines Märchens, ein Spiel, das die primitivsten Gegensätze in der Der Soldat (Herl Huer), der Teufe! /Alexander Lipschilzj, Hechts: Herbert Meyrourilz (der Vorleser) Foto: I, Abraham einen nachhaltigen Eindruck vermittelte, ist der ungeheurer» Vorarbeit Wilhelm Frankels und der aufopfernden Mitarbeit der Musiker und Darsteller zu danken. Die d irigcntischc Leistung Frankels (ständiger Wechsel der Takt,arten und Schwercvcrlcgung), die höchste Virtuosität verlangende Anfordertmg an die Scltlagzei.'gerin Hildegard Lewin beweist, wie hoch schon die Arbeit an sich in diesem Werk einzui ' 1, . f r וי z i t I ן I

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