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Jüdische Rundschau · 1936-10-27 · Heft 86 (27.10.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 86 (27.10.1936)
Date
1936-10-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 86, 27. OKTOBER 1936 Die Bürgermeister-Wahl Von unserem Berichterstatter Manöver der englischen Truppen Das Kommando der englisch«« Truppen in Palästina beabsichtigt (laut einer Jerusalemer Meldung), Manöver d u r c h z u I üh r e n, die die Anfang September in Sussex abgebrochenen Uebungen ersetzen sollen. Es wird darauf hingewiesen, daß es in Palästina genug geeignetes Gelände für solche Uebungen gibt. Im übrigen erwartet man, daß die zur Zeit etwa 25 000 Mann starke und in 22 Bataillone gegliederte Besatzung bis zum Abschluß der Arbeiten der Kgl. Kommission im Lande bleiben wird. Die letzte Ausgabe des Londoner Amtsblatts enthielt etwa 40 zeitweilig« Kommandierungen in den Generalstab für Palästina und Trans- Jordanien. Die Wahl Palästinas als Terrain für englische Truppenmanöver ist gewiß nicht bloß durch den zufälligen Aufenthalt der Truppen bedingt. Sollte sich die Nachricht bestätigen, so würde man an die manchmal gehörte (und in der ״Jüdischen Rundschau“ kürzlich von einem palästinensischen Mitarbeiter zitierte) Meinung erinnert, daß ״dem britischen Gcneralslab die palästinensischen Unruhen nicht unwillkommen kamen“. Jedenfalls scheint die Frage einer etwaigen Notwendigkeit militärischer Aktionen im Lande trotz der diesen Punkt betreffenden Mandatsbestimmungen nicht schlechthin verneint zu werden. Araberdelegalion bei Wauchope J e r u s a 1 e in, 24. Oktober (Paleor.) Mitglieder des Arabischen Obersten Komitees, darunter der Mufti, Nashas h i b i und Auni A b d u I h a d i wurden heute vom High Commissioncr empfangen. Gegenstand der einstiindigen Besprechung waren der T e 1 - A w i w e r Hafen, die Einwandc■ rungs-Schedule und die Schießerei in T e I - A w i w in der vergangenen Woche. Wie die Paleor erfährt, ist auch die Frage einer Amnestie für die während der Unruhen verurteilten Araber zur Sprache gebracht worden. Nach einem später vom Arabischen Obersten Komitee herausgegebenen Communique hat Sir Arthur Wauchope sich mit Befriedigung über den Abbruch des Streiks und das Ende der Unruhen auf Grund der Intervention der arabischen Könige geäußert. Das Komitee hat dem High Commissioncr einige sich aus der gegenwärtigen Situation ergebende Probleme unterbreitet und die Durchführung gewisser dringender Erfordernisse nahegelegt. Das Communique erklärt, der High Commissioncr habe versprochen, diese Probleme mit Interesse zu studieren. Nach einer JTA.-Meldung soll der High Commissioncr erklärt haben, die Erlaubnis zum Bau eines Hafens in Tel- Awiw könne nicht zuriiekgenommen w erden. Die arabischen Führer machten daraufhin einen zweiten Vorschlag, wonach bloß bestimmte Arten von Frachtgütern in Tel-Awiw־ gelöscht werden sollen. MacDonells Nachfolger Jerusalem, 26. Oktober. (JTA.) Der bisherige Generalstaatsanwalt von Palästina, T r u s t e d, ist als Nachfolger von Sir Michael MacDonel! zum Obersten Richter Palästinas ernannt worden, zum Oberstaatsanwalt wurde Staatsanwalt F itzgerald ernannt. Der bisherige Oberste Richter von Palästina, Sir Michael MacDonel I, der nunmehr endgültig in den Ruhestand tritt, hat sich von den Richtern und Rechtsanwälten am Obersten Gerichtshof von Jerusalem verabschiedet. Im Namen der arabischen Rechtsanwälte hielt der Sekretär der Arabischen Exekutive, Auni Bey A b d u 1 h a d i, bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er den scheidenden Obersten Richter als aufrichtigen Freund der Araber pries und ihn mit dem früheren Chefsekretär der Palästinaregiertmg, Luke, verglich, der ebenfalls wegen seiner araberfreumiiiehen Einstellung aus dem Amte habe scheiden müssen (Luke hat bekanntlich während der Unruhen des Jahres 1929 durch sein Verhalten eine rechtzeitige Sicherung der Ordnung vereitclt. Red.). F'iir die jüdischen Rechtsanwälte sprach R.-A. Horowitz, der das korrekte Verhalten des Oberrichters gegenüber den jüdischen Rechtsanwälten anerkannte. Sir Michael Mac Don eil verabschiedete sich mit Worten des Dankes für die gehaltenen Ansprachen. T e 1 - A w i w, 21. Oktober Der innerpoiilisehe ״Burgfrieden“, der während der Unruhen im Jischuw herrschte, hat kurz nach Abbruch des Streiks zum erstenmal eine Erschütterung erfahren anlnßlieh der Wahl des Herrn Mosche Slusch (Chelouche) zum Nachfolger Dizengoffs als Bürgermeister von Tel-Awiw. Die Drohung der bürgerlichen Gruppe, die Gültigkeit der Wahl bei der Regierung anzu fechten und, falls dies nicht zum Erfolge führe, dem neuen Bürgermeister und seinen Wühlern im Stadtparlamcnt die Mitarbeit zu verweigern, gab der jüdischen Bevölkerung Palästinas nach vielen Monaten zum erstenmal wieder das Schauspiel eines Parieikampfes, wie er wahrlich nicht geführt werden sollte. Daß die Nachfolge Dizengoffs zum Prüfstein der politischen Reife des größten Gemeinwesens Ercz Israels werden mußte, ist begreiflich. Dizengol'f war ja nicht nur der Bürget־־ meisler Tel-Aw iws, er war der Schöpfer dieser Stadt, ihr guter Geist. ״Tel-Awiw“ und ״Dizengoff“ waren ein Begriff geworden, lange ehe die Politik die Einwohner- Schaft in zwei grölte und annähernd gleich starke Lager gespalten hatte. Er stand in des Wortes schönster Bedeutung über den Parteien. Sein Einfluß war der einer großen, einmaligen, unwiderstehlichen Persönlichkeit. Es wäre wahrscheinlich vom Schicksal zu viel verlangt, wenn man von ihm erwartet hätte, es solle Tel-Awiw gleich wieder mit einem Bürgermeister von solchen Qualitäten segnen. Keiner der Kandidaten, die sieh für den verwaister! Posten fanden, konnte für sieh in Anspruch nehmen, Diz.engoff wirklich zu ״ersetzen“. Herr R o k a e 11, der Kandidat des bürgerlichen Flügels, konnte zweifellos für sich seine große Erfahrung auf dem Gebiete der Stadtverwaltung als langjähriger Vi/.ehürgerrneister in die Waage werfen. Auch von seinen Gegnern wird ihm niemand den Ruf eines hervorragenden Beamten streitig machen. Aber es mangelt ihm an jener Reife der Persönlichkeit, die alle parteimäßigen Gegensätze zum Schweigen bringt. Es war Herrn Rokachs gutes Recht, wenn er seine scharf ablehnende Stellung gegen einige der wichtigsten Bestrebungen der Arbeitersehaft — z. B. in der Schulfrage — in Mort und Tat zum Ausdruck brachte, Aber es war ebenso jetzt das gute Recht der Arbeiterschaft, einen Rokach lediglich als politischen Gegner zu behandeln, wo sie einer! Dizcngoff —■ der in vielem mit ihr nicht übereinsümmte — als die unersetzliehe Persönlichkeit wertete. Da sowohl die Rechte wie die Linke die gleiche Anzahl von Vertretern im Stadtparlamcnt hatte — je sechs —, bildete die sogenannte ״Dizengoff-Gruppe“, zu der auch der Vertreter der llitachduth 1 Oie Germania, Felix Rosenb 1 ü t h, gehörte, das Zünglein an der Waage. Indern die Linke ein Mitglied dieser Gruppe, eben Herrn Slusch, zu ihrem Bürgernieisterkandidaten erklärte, bekundete sie ihrerseits, daß sie diese Wahl keineswegs als eine Partei- Sache betrachte. Sie durfte mit Recht annchmcn, daß Herr Slusch, als Mitglied der Gruppe, die Dizcngoff am nächsten stand, auch für die andere Seite des Hauses akzeplabel sein würde. Die Majorität des neuen Bürgermeisters beträgt nur eine Stimme, wobei als Kuriosum vermerkt sei, daß in der entscheidenden .Abstimmung beide Kandidaten in i t s t i in m t c n. So ist es ein recht knapper Sieg, den die Linke davongctragen hat, und es ist nicht eigentlich ihr Sieg. Aber deshalb war es gewiß noch nicht nötig, daß sich die Rechte so sehr als ״had looscr“ (die sportlichen Spielregeln mißachtender Verlierer) entlarvte. Wenn eines ihrer Mitglieder im ersten Acrger über den Ausgang der Wahl erklärte, diese sei ״moralisch und juristisch ungültig“, so mag man darüber noch hinweggehen; die R e c 1! t s g ü 11 i g k c i t der Wahl ist unbe/.weifelbar und unter Moral versteht in der Politik jeder etwas anderes. Wenn aber die Rechte damit droht, dem neuen Bürgermeister und seiner Mehrheit im Stadtparlamcnt die Mitarbeit zu verweigern, so ist das ganz gewiß nicht ira Sinne des verstorbenen Dizcngoff. Herr Slusch wird seine Eignung als Bürgermeister Tel-A wiws noch zu erweisen haben. Er ist seit langer Zeit Mitglied des Stadtrats und eine in allen Kreisen der Bevölkerung geachtete Persönlichkeit. Daß mit ihm ein Scfardi an die Spitze der Stadt tritt, wird von allen denjenigen begrüßt werden, die der Ansicht sind, daß das sefardische Element — großenteils allerdings durch eigene Schuld — nicht die ihm gebührende Rolle in den Angelegenheiten des Jisehuws spielt. Es ist zu hoffen, daß, wenn die erste Erregung über die Wahl verraucht ist, auch die Rechte wieder sieh zurückfindet zu jener aufrichtigen und konstruktiven Mitarbeit, die Dizcngoff die Bürger von Tel-Awiw gelehrt hat. Wauchope will vermitteln Jerusalem, 23. Oktober. (Paleor.) Die Wahl des Bürgermeisters in Tel-Awiw bildet noch immer den Gegenstand lebhafter Debatten. Die Bürgerliche Partei fordert ein Plebiszit sämtlicher Einwohner Tel-Awiws über die Frage, ob Rokach oder Chelouche den Bürgermeisterposten bekleiden soll. Die Tcl-Awiwcr Gruppe der Histadruth hat eine Erklärung veröffentlicht, in der die Bemühungen der Rechten, die Regierung zur Ernennung Rokachs zum Bürgermeister im Gegensatz zum Beschluß der Stadtratsmehrheit zu bewegen, verurteilt werden. Jerusalem, 26. Oktober. (JTA.) Der High Commissioner will den Versuch unternehmen, den Konflikt bei zu legen. Zu diesem Zweck hat er die beiden Vize- Bürgermeister, den Vertreter der Bürgerlichen, Israel R ikach, und den Vertreter der Arbeiterpartei, Dov Hos, mit ihren Gattinnen für Montag abend zum Dinner ins Regierungshaus nach Jerusalem e i n g c i a d c n. Im Anschluß daran soll ein Besuch der von der Habimah veranstalteten Dizcngoff •Gedächtnis-Vorstellung stattfinden. König Boris von Bulgarien hat den iieugewahlten Bürgermeister von Tel-Awiw, .Mosche Chelouche, der bekanntlich ehrenamtlicher bulgarischer Konsul ist, zu seiner Wahl telegraphisch beglückwünscht. Der bisherige erste Vizebürgcrmeistcr von Tel-Awiw, Israel Rokach, führt auch nach der Wahl des neuen Bürgermcistcrs Mosche Chelouche die Geschäfte der Stadtverwaltung provisorisch weiter, bis die Wal!! ■des neuen Bürgermeisters die Bestätigung durch den High Commissioncr erlangt hat. Die Boykott-Agitation Der Inoffizielle arabische Boykott gegen Juden breitet sich im ganzen Lande aus. Arabischen Pressemeldungen zufolge haben hervorragende Scheichs eine Versammlung abgehalten, in der die Verstärkung des antiiiidisehen Boykotts beschlossen wurde. Aus verschiedenen Distrikten wird über verstärkten Terror berichtet, der gegen arabische K a u f 1 e 111 c geübt wird, welche bei Juden kaufen. Line arabische Bande hat einen arabischen Lastwagen in der Nähe von 1 lebron zertrüminert, weil der Besitzer in Verdacht stand, die auf dem Wagen befindlichen Waren von Juden gekauft zu haben. Die arabische Zeitung ״A 1 - L i vv a“ ist .auf drei Tage verboten worden. Nach einer Mehlung soll das Verbot aut die von der Zeitung betriebene Propagierung eines anti* jüdischen Boykotts /iiriick/uUihrcn .sein. Wie aus Meldungen in der arabischen Presse hervorgeht, beginnt das Militär wieder mit der 1) 11 r c 11 s u c 111! n g von Dörfern. Donnerstag nacht wurden zwei Dörfer zwischen Dschenin und Beisan nach Banditen durchsucht, deren Namen der Polizei bekannt sind, ln Beisan herrschte gestern ein 21-stün• diger Streik, anscheinend als!,rötest gegen diese Aktion. Neue Bilder aus Tel-Awiw Der Bau der neuen Konzerthaiie nach Plänen von Proj. Oskar Kaufmann, die aus einer Der Platz Ecke Allenbp- und Kavhlath Bvniaminstr. genügt dem heutigen Verkehr nicht. Halle des Messegeländes umgebaut wird und mil dem Toscanlni-Konierl Ende Dezember mehr. Die Polizei macht mit llilfe eines Steinkreises, der täglich verlegt wird, den eingeweiht werden soll. Versuch, den Verkehr besser zu regeln. Koto!: r, w «iisensteia, TeJ-A.wi?f w.■-.Ti; 1,1. j. MbM

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