Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 86 (27.10.1936)
- Date
- 1936-10-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 86, 27. X.1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Postschlüsse nach Uebersee Vom 27. Oktober bis 3. November (Abkürzungen: PA. ״ Postamt; BPA. Bahnnostamt; Flh. Flughafen) Palästina. Schiff: 27. Oktober, Frankfurt am Main (BPA. 19), 19 Uhr; 28. Oktober, München (BPA. 1), 9 Uhr; 3. November, Frankfurt am Main (BPA. 19), 19 Uhr; 4, November, München (BPA. 1), 9 Uhr. — Bahn: 29. Oktober, 31. Oktober, 2. November, München (BPA. 1), 9 Uhr (Leitvermerk ״Via Belgrad—Aleppo“). - Luft: 27. Ok• tober, 29. Oktober, 30. Oktober, 31. Oktober, München (BPA. 1), 18 Uhr; 28. Oktober, 31. Oktober, Berlin (PA. C 2), 6 Uhr; 29. Oktober, 1. November, Berlin (PA. C2), 10 Uhr. Vereinigte Staaten von Nordamerika. Schiff: 29. Oktober, Hamburg (PA. 1), 19 Uhr; 30. Oktober, Berlin (PA. C2), 8 Uhr zu ״Europa“, 31. Oktober, Cherbourg-, — 2. November, Mamburg (PA. 1), 19 Uhr; 3. November, Berlin (PA. C2), 8 Uhr zu ״Normandie“; 4. November, Le Havre. — 3. November, Hamburg (PA. 1), 17 Uhr; 4. November, Berlin (PA. C2), S Uhr zu ״Washington“; 5. November, Le Havre. — Luit: Fahrten des Luftschiffs ,,Mint enburg“ und Nachbringeflügc von Köln zum Dampfer finden bis auf weiteres nicht statt. Südamerika. Schiff: 27. Oktober, Berlin (PA. C 2), 19 Uhr; 28. Oktober, München (BPA. 1), 9 Uhr zu ״Conte Biancamauo“; 29. Oktober, Genua. — 29. Oktober, Berlin (PA. C2), 20 Uhr; 30. Oktober, Frankfurt am Main (BPA. 19), 8 Uhr zu ,,Asturias“; 31. Oktober, Cherbourg. — 29. Oktober, Berlin (PA C2), 23 Uiir; 30. Oktober, Hambürg (PA. 1), 13 Uhr zu ״General Osorio“; 30. Oktober, Hamburg. — Luft; 27. Oktober, Berlin (PA. C 2), 21 lllir; 27. Oktober, Frankfurt am Main (BPA. 19 oder Flh.), 24 Uhr mit Luftschiff ״Graf Zeppelin“, 28. Oktober, Frankfurt am Main, 8 Uhr (Leitvermerk ״Mit Luftschiff nach Südamerika“)• — 31. Oktober, Berlin (PA. C 2), 9 Uhr; 31. Oktober, Frankfurt am Main (BPA. 19 oder Flh.), 13 Uhr, Air France. Südafrika. Schiff: 28. Oktober, Hamburg (PA. 1), 19 Uhr; 28. Oktober, Köln (BPA 10), 21 Uhr zu ״Balmoral Castle“; 30. Oktober, Southampton. — 3. November, Hamburg (PA. 1), 19 Uhr; 4. November, Frankfurt am Main (BPA. 19), 19 Uhr zu ,,Guilio Cesare“; 6. November, Marseille nach Kapstadt, Johannesburg und Pretoria. — Luft: 27. Oktober; 30. Oktober Berlin (PA. C 2), 22 Uhr, und München (BPA. 1), 24 Uhr. Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, 27. Oktober: Paris (1648), 14.35; Shylock von Fau!6־. —- Hilversum I: 21.25: Meyerbeet: Arie. Mittwoch, 28. Oktober: Wien (506). 12; Schallplatte», u. a. Olfenbuch, au.-,: ״Pariser Libeu"; 14: Sehullplatn*!!, U-a. Goldinark, ■— l'oste l'arisien (312). 18: l.eon Algazi, jüdische Sendung. — Slraßburg (349). 18.3U: U. a. Memlebsolm und Meyerheer. — Hilversum J, 22.10: Mendelssohn: Klavierkonzert G-Moll. Donnerstag, 29. Oktober: Warschau (1339), 18.35: U. a. Moszkowski: Maurische Latna ie. — Hilversum II (302), 20.55: Konzert des Amsterdamer Gmrcrl yebuuw-Otrhtslers. Dirigent: Bruno Walter. — London (342). 21.15: U. a. Mulder: Das Lied von der Erde. .— Luxemburg (13Ü4), 22.15: Mendelssohn: Ouvertüre zu ״Kuy Blas“. Freitag, 30. Oktober: Paris (1648), 11.45: Sehma Israel von Rabb. Henri Champagne; 13.30: La Peri von Paul Dukas; 18.30: Mendelssohn: SchuttLeiie ■Symphonie. — Hilversum I (1875), 19: Rubinsti in: Melodie. — Wien (500), 19.25: U. a. Mendels ,ahn.— Hilversum II (302). 20: U. a. Mendelssohn: Arie aus ״Paulus‘-. — Reval (410), 2U. 55: Mendelssohn: Italienische Sintuirie. Sonnabend, 31• Oktober: Straßburg (343), 11.45: U. a. Meverbeer, ans: ״Die Afrikaner in“. — Brüssel, Iranz. (484), 18.15: Mendelssolm: Trio C-Moll. — London (342). 20.30: U. a. Rubinstem und Moszkowski. — Budapest 1 (550), 22.40: U. a. Mendelssohn: Keforma tions-Sinfonie. _ Moriz S e e 1 e r führt die Regie in dem Schauspiel ״Der goldne Anker“ von Pagnol, das im Kulturbund Rhein- Ruhr zur Aufführung gelangt. Nächsten Freitag: Kmder-ßmidscltau •••••ו•»■«»•■•••■•••«••«•■*••■ Meier, der Knoten kaufte den armen Schmendrik und gab ganze sieben Rubel für ihn, Sender wollte nicht, aber »eine Frau bestand auf dem Handel, Meri half mit. Wochenbett, Windeln — Huhn — Suppen — Eingemachtes — und die Weiber siegten. Also schleppte der arme Invalide Meier des Knoten Karren. Schmendrik zog nach recht» und Meier zerrte ihn nach links. Es kam zu Prügeln. Meier hielt den Zaum und ohrfeigte ihn, und Schmendrik nahm die Schlüge hin, geduldig, stumm. Nur das blinde linke Auge drehte sich weh und wie verwundert, es sah so aus, weil da® Weiße mit den roten Adern jetzt den ganzen Augapfel bedeckte. Einmal traf Sender Schmendrik auf der Straße und »ah, was für ein bitteres Leben er jetzt führte, Meiers Knecht. Er kam düster und betrübt nach Hause, wollte nichts essen und saß da und starrte in sein Psalmenbuch. Und dann, mitten, in einem Vers, hob er die finsteren Augen und starrte durch die Brille und murmelte, weder zu seiner Frau noch zu Meri, kaum zu sich selber: ״Man wird noch sehen ... Man wird ...“ Und schaute wieder in sein Buch und las weiter Psalmen. Frau und Tochter wußten nicht, was er meinte, aber fragten nicht weiter. Sie wußten, wie sehr er sich grämte, ln seinem Herzen halten die Wort« einen bitteren Sinn. Es hieß: Ein Unrecht, wie es der arme Schmendrik erlitten hat, muß sich irgendwie rächen. SIEBZEHNTES KAPITEL ] DER UNTERSBERG Zwischen dem Schklower See und dem Dnjepr bildet eine schmale Landzunge die Grenze gegen beide Gewässer. Der See. der sein Wasser aus den Wäldern bekommt, etößt gegen das Hindernis, breitet sich aus und ergießt sich in seiner ganzen Weite; und der vielbesungene Dnjepr schlägt dagegen an und biegt in einem schönen Halbrund aus, nach Mohilew zu. Der blaue Fluß strömt an dieser Stelle in einen tiefen Kessel, der gerade an das enge Ende des Sees reicht, mit hohen sandigen Ufern. Im Frühjahr, bei Hochwasser, wenn der Schnee schmilzt, füllt sich der Kessel. Der Dnjepr geht auf wie Hefenteig, und er braust und kracht, die Wasser drehen sich in Wirbeln. Auch der See steigt, schwarz und wild. Sein ganzes Innere drängt nach oben vor Friihlingsverlangen. Es reißt ihn zum Dnjepr, durch den trennenden Landstreifen hindurch, aber er kann nicht hin. Nur schmaler wird de* Damm zwischen ihnen, und er wird schleimig und schlammig von dem Schaum, der v°n beiden Seiten gegen ihn anstünat. Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Arnstadt. Hier sprach in der Synagoge am 6. Oktober vor fast vollzählig versa mmelter Gemeinde I’redigci Cohn, Gera, über: ״Die jüdische Siluation und Palästina■‘. Bielefeld. Auf Initiative der ZOG. veranstaltete die Synagogengemeinde am 22. September eine Kundgebung zur Einleitung der Kosch Haschanah-Kampagne des KKL. Bochum. Die ZOG. veranstaltete am Schabbat Sehuwa iiiren ersten Oncg Schabhat im neuen Jahre. Der stellveitr:־n׳mle Vorsitzende, J. Klausner, begrüßte in Iwrith die Teilnehmer. Rabl). Dr. Kliersf e 1 d sprach zum Thema des Tages. Kantor M e n d 1 sang aus der Rosch Hnschanah-Liturgie, anschließend sang die Habonim-Jugend Lieder vom Volk und Land Israel, Frau A. Stern sprach zur Rosch liaschanah-Aktion. Breslau. Der Leiter des Breslauer Jüdischen Wohlfahrtsamtes, Bürodirektor Gusfav Glaser, war an seinem 60. Geburtstag Gegensiand zahlreicher Ehrungen. — ln einer überfüllten Kundgebung der lircslauer Zionistischen Vereinigung hielt I>r. J. Prinz einen Vortrag: ..Politik des jüdischen Volkes — Die Unruhen in Palästina“. Der Vorsitzende, Dr. Lux, gedachte Rizcngoffs. — Am 5. und 6. Oktober eröffnet die Beratungsstelle der Jüdischen Gemeinde (Wallstr. 9) das Winterhalbjahr in den theoretischen Ilandwerkerkursen lür Auswanderer. Gebiete des Bauhandwerks, technisches und Freihandnichnen und Buchhaltung werden, w-ic im vergangenen Sommerhalhjahr, in den Kursen behandelt. />\ hnerdekurse, sowie Schwachstrom- und Radioterhnikkurse sind bei gemigcink-r Beteiligung geplant. F.G.N. Mosbach (Baden). Dr. Kurt Lieht sprach am 4. Oktober über das Thema: ״Im Kampf um IhiU hna‘•. Ankündigungen Breslau: VA'izo. Vorlniy.zykhi, ״Der lieg der Frau zum Zionismus“, 1. Abend am 28. Oktober, 23.<׳ü Uhr. Gartcnstr. 25. Li Alexander- Freund: ,.Aus »ler alten Jnilongawi:•־ (Glückcln von Hameln), — Stuttgart: Jüdische Kuri.-tg<■an!״ •! h.ift. Am 31. Oktober, 20 Uhr, Gustav-Siride-Hau-־, A u t m hi nag ,.Ihilak und Bilam“, von Hugo Adler, für Sulust immen (Knmiy LuCl Himer, Wilhelm Gutmann. Max Lipmann), Sprecher, Chor, Orchester und Klavier. Leitung; Karl Adler. Familien-Nachrichten Herr Herz fl u 11 u 1j, L.ia-phc (Westfalen), begeht am 28. Oktober den 71. Geburtstag. Frau Dora Fein, Hraundier״ (O.-Pr.), begeht, am 29. Oktober den 76. Geburtstag. Der Konflikt fn Palästina. Wie uns unser holländischer RL-Bcrichtcrstatter mitteilt, veröffentlichte das ״Allgcmccn Hatidelsblad“ ein ״Eingesandt“ von Fritz Bernstein, Jerusalcm, in dem dieser darauf hinweist, daß cs keineswegs zutreffend sei, wenn das ״Algemeen Handcisbiad“ in einem auch in der ,Jüdischen Rundschau“ (Nr. 53/1936, S. 16) wiedergegebenen Artikel aus seinen, Bernsteins, Berichten habeentnehmen wollen, daß nach seiner Meinung der Zionismus jetzt dem Palästinensismus weiche. Vielmehr sei es, wie Bernstein nach längeren Ausführungen zusainmenfassend festslellt, seine Ansicht, daß es zwischen dem Willen der Juden, itn Lande ihrer Väter, eine jüdische Gemeinschaft aufzubatien, die nicht vom guten oder weniger guten Wißen einer Mehrheitshevölkerung abhängig ist, und dem Anspruch der aufständischen Araber, uneingeschränkte Herren und Meister in Palästina zu sein oder zu werden, keinen Zwischenweg, keinen ״Ausweg“ und keine Möglichkeit eines Kompromisses gebe. Zeitschrift ״Palästina“ (Herausgeber Adolf Böhm, Wien). Die Oktobernummer der Zeitschrift ist besonders reichhaltig und interessant. Dr. Ludwig Grünbaum untersucht in seinem Aufsatz: ״Die Frage der Lebenserhaltung als Problem der Konsumcntenerziehung“ die Möglichkeiten der Tozereth- Haarez-Bewegung durch Dirigieruug des Verbrauches zur führenden Kraft im Wirtschaftsleben zu gestalten. Dr. E. Witkowski gibt in ״Marktpolitische Probleme der oalästinensisehen Industrie“ Aufschluß über Tagesfragen des Kredites und Absatzes dieser jungen Industrie. Dr. W. P reu fl beleuchtet in ״Der Umersuchungskoinmissär als Prophet — eine Warnung“ kritisch die Gutachten früherer Saehverständiger und ihre Widerlegung durch faktische Entwicklung. Dr. K. Grunwald gibt in seiner Uebersicht ״Das Ineinandergreifen der Kreditinstitute in Palästina“ die von jedem Interessenten dringendst gewünschte Aufklärung über die Beziehungen der Kredit- und Bankinstitute untereinander, fn der Rundschau werden in den Aufsätzen ״Politik“ von a. b. und ״Jevvish Agency“ von Spectator die gegenwärtigen politischen Ereignisse erörtert. Daran schließt der allmonatliche Wirtschaffsbericht von Dr. Jacques Adler. Mit reichhaltigen Nachrichten, Daten und Buchbesprechungen schließt das Heft. De;• Provinzialverband für Jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen-Nassau, Frankfurt a. M., beabsichtigt, gemeinsam mit dem Provinzialverband des jüdischen Frauenbundes für Hessen und Hessen-Nassau am 1. Dezember in Frankfurt a. M. ein kleines Altersheim mit streng ritueller Verpflegung zu eröffnen. Die Verpflegungssätze sind folgende: in einem dreibettigen Zimmer 76 M. pro Monat, in einem zwcibctijgcn Zimmer SO M. pro Monat, in einem einbettigen Zimmer 90 M. pro Monat. Meldungen nimmt der Provinzialverband für Jüdische Wohlfahrtspflege, Quinckstr. 24/11, in den Spruchstunden Montag, Mittwoch und Freitag zwischen 10 und 12 Uhr, Dienstag und Donnerstag zwischen 4 und 6 Uhr entgegen. Zeitschriften zur Einsicht. Der G r o ß 1 o g e für Deutschland, VIII U.l). B. B., werden von Freunden aus dem Auslände eine Reihe wissenschaftlicher Zeitschriften in regelmäßiger Folge zur Verfügung geteilt. Es sind bisher ab 1. Januar b/w, 1. Juli 1'U0 eingegangen: Natur- Wissenschaft: ״The Nature“; .Me di /in: ״British medica! Journal“, ״The l.ancet“, ,,Journal of infectious diseases“, ״Journal of experimental Medium"; Rechts wissen- Schaft: ״Law Journal Kepcnts", ,.Law Quarterly Review“, ״The vcekly Note-.‘‘, ״Tire Law Reports“, ״Straffen und Wettbewerb“. Die naturwisMiiuhaftiiehen und medizinischen Zeitschriften werden vom 13- Oktober bis 30. November im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde, Iranische Straße, die Zeitschriften auf reüitswisseiiichaftlicliem Gebiet vom 15. Oktober bis 30. November im Logenhaus, Kleist-tr. 10, in der Zeit von 9—10 Uhr und IS.30 2n Uhr ausliegen. Im Rahmen des 11. Bandes des Hcbrew Union College Annual 411 Cincinnati (l(Ji(1) publiziert Moses Marx — manchen Juden in Deutschland noch aus seiner berliner Zeit bekannt — eine umfangreiche und kulturhistorisch überaus interessante Abhandlung ,,ücrslmin (Hieronymus) Soncinos Wanderjahre 1192—1310 in Italien״. Soneino war der letzte Drucker hebräischer Bücher im 13. Jahrhundert und der erste im 16. Jahrhundert. Zu jener Zeit war das Drucken ein Wanderbcruf und Soneino war in den Jahren 1492 bis 1516 der einzige Drucker hebräischer Bücher in Italien. Moses Marx untersucht die Frage, warum in dieser Zeit nur wenige hebräische Bücher gedruckt wurden und schildert die Bemühungen Soncinos, seine Beziehungen zu dei Behörden und schließlich seine druckerische und verlegerische Tätigkeit in allen Einzelheiten. Die Abhandlung bringt für alle Freunde jüdischer Buchgeschichte viel Interessantes und gibt darüber hinaus fruchtbare kulturhistorische Perspektiven. Der Gedanke der Arbeit im Judentum. Zum OrdensfagC Oktober 1936 gibt die ״II n e 1! r i s s“ eine Festnummer unter dem Motto ״Arbeit und Arbeiter im Judentum“ heraus, in der eine Reihe von Aufsätzen die geschichtliche und aktuelle Bedeutung des Gedankens der Arbeit im Judentum darlegen. Dr. E s c 11 e 1 b a c h e r, Düsseldorf, schreibt über den ״Wert der Arbeit und des Arbeiters in Bibel und Talmud“; Dr. Ltibinski, Berlin, gibt einen Uebcrblick über die Entwicklung der ,,Handarbeit unter den Juden Deutschlands“ bis in die neueste Zeit. Es folgen Darstellangen über das Handwerk m Polen, im zaristischen Rußland, in Holland, in Amerika, in Saloniki sowie schließlich ein Aufsatz von Alexander Adler über ״Arbeit und Arbeiter in Palästina“. Emil Bernhard Cohn stellt eine kleine Anthologie über ״Arbeit und Arbeiter im jüdischen Schrifttum“ zusammen. Für Hebräisch-Lernende. In den nächsten Tagen erscheint von N. und B. Berggriin ״Giljonot“, Hehr. Unterrichts- und Lesc-hefte, Heit 5. Es enthalt Erzählungen aus der neuen Literatur mit Vokabular und Konjugationstabellc, ״Giljonot“ Heft 2 in vermehrter und verbesserter Auflage. In diesen Zeiten fahren die Fuhren sehr vorsichtig über den Damm. Und die roten Kopftücher der Bauernweiber auf den Wagen spiegeln sich in beiden Wassern zugleich, rechts wie links, Die Landzunge wäre längst Uberschwemmt, der Damm zerrissen, wäre nicht die Schleuse, die den Abfluß des Sees reguliert. An einer Stelle läuft der Fahrweg über die Bohlenbrücke, und darunter stürzt das schwere Wasser über das Wehr wie eine runde Glasröhre in das tiefe Tal des Dnjepr hinab. Und in seinem Fall zersplittert das Glas in lauter weißen Staub und Schaum, und poltert wie Donner. Die Bohlen zittern unter den rhythmischen Stößen der stürzenden Wasser. Es klingt, als galoppierte Kavallerie dahin, Hunderte von Pferdehufen, jagend, immer neue, hintereinander, hintereinander, ohne Ende. Wo der Damm aufhört, im Dnjeprtal, steht eine hohe Mühle, mit sechs Stockwerken. Ihre vielen kleinen mehlverklebten Fenster Überblicken stolz das ganze Schklow, und auf dem Giebel dreht sich auf einem Bein ein messingener Wetterhahn wie ein Tanzkünstler. Die Mühle hat allen Grund, stolz zu sein! Es gibt kein höheres Gebäude aus Holz in ganz Rußland — vielleicht außer der hölzernen Synagoge in Rischkaki, man sagt, der gleiche Baumeister hat eie beide gemacht Heutzutage würde kein Mensch wagen, 80 viele Stockwerke nur aus Balken zu bauen, auf hölzernen Stützen. Die Fachleute sagen, es wäre ein bewundernswertes Stück. Wenn große Frühlingsstttrme kernmen, stehen di« unteren Stockwerke der Mühle unter Wasser. Und der tobend« Dnjepr überschwemmt das Wehr. Dann stehen die großen Wasserräder still, mit umgekehrten hölzernen Schaufeln, und die Mühle wird mit Dampf betrieben, geheizt mit Seheiton. Denn die riesigen Mühlsteine stehen niemals still. Sie mahlen und mahlen und stäuben, tagein und tagaus* Durch die offenen dunklen Türen und Türlein kriecht kleines mehlbestäubtes Volk, die roten Gesichter bepudert, mit weißen Bärten und roten Augen. Eine weißhaarige, rotüugige Albino-Rasse, die in ewigem Mehl-Nebel lebt. Gegen die Höhe der sechsstöckigen Mühle sind sic nur Karnickel, weiße Mäuse neben einem Elefanten. Diese geheimnisvollen kleinen Wichtel rennen herum, schleppen schwere weiße Säcke voll Mehl aus der Mühle. Und der weifte Staub begleitet sie Überall hin. Hinter der Mühle geht die Straße weiter, den Damm entlang, über die Schleuse und dann bergauf. Um Raum zu gewinnen, haben sich Menschen und Häuser in den Lehm gearahen. Sm Usiaaa »eine ariiae Wülhuits fiiafct nb״-w—»ftuwii das lehmige Fleisch au (gedeckt und eine riesige rote Wand daraus gemacht. Zwei!leihen dunkler verregneter Häuser ducken sich in ihren rötlichen Schatten, Schön ist im Sommer «Ins Fnrbenspicl, wenn die bauchigen weißen Wolken sieh über der roten Bergwand türmen und sie mit hellen Rauchwolken krönen, wie die ausgekühlten Explosionen himmlischer Kanonen. Unter den dannenweißen Wolken verläuft ein Streifen grüner Büsche, und darunter streckt sich das fleischige Rot der Lehmwand. Und tiefer darunter brennt ein heil kupferner rüstiger Ton, eine Decke von samtigem Moos auf den alten Schindeldächern. Und wieder darunter sind die grauen Häuser, mit bunten Schürzen von frischen Garten, gepunktet mit roten Mohnblumen, so daß eine fröhliche Farbe die andere ablrtst und noch saftiger macht, und das Wasser des Sees fügt sein kühles Blau zu der Farbenskala und lächelt. All das zusammen heißt der ״Untcrsbcrg“. Weiter läuft die Straße, zwischen den beiden Wasscrllüchen, über die Landzunge, den schmalen Damm, die Schleuse, an der Häuserreihe des Untersberg entlang. Dann weicht sie dem Wald aus und wendet sich nach links gegen Zlobin bergan, und bergab nach rechts zum Franzoskuwer Wald, wo im Sommer die jungen Leute mit ihren Mädeln spazieren gehen. Auf dem Untersberg wohnt ein besonderer Schlag von Juden, halb städtisch, halb bäurisch. Landwirte und Agenten, Ladenbesitzer und Arbeiter. In ihren Gesichtern, in ihrem Anzug, in ihren Reden zeigt sich diese Mischung. Sic sind die Vermittler zwischen den Dörfern hinter dem Berg und der Stadt am anderen Ende des Dammes. Sie vertreten beide. Die Kinder gehen in den Cheder in der Stadt, aber nach der Schule lernen sie die Pferde satteln und mit den Hühnern umgehen. Mit groben Fingern blättern sie in ihren Ilebräischbüchern und Talmudfolianten, und dann gebrauchen sie diese Hände, wenn sie mit den Eltern in die Gärten hinausgehen und ihnen helfen, Kohl und Bohnen und Gurken zu pflanzen. Beinah jeder auf dem Untersberg hat Pferd und Wasen und ein paar Kühe und ein paar Hühner und Gänse. In den Gärten wachsen gelbe Schwertlilien und schöne Mohnblumen, die neugierig über den Zaun nach den Vorübergehenden gucken. Und dicke Sonnenblumen, die sich herausfordernd strecken und auf ihren erhobenen Hälsen ganze Teller voll Sonnenschein tragen. Zu ihren Füßen ducken sich bescheiden die Stachclbecrhüschc und Klumpen von Johannisbeersträuchern mit ihren langen schwankenden rubinroten Ohrgehangen. (Fortsetzung folgt)