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Jüdische Rundschau · 1936-10-13 · Heft 82 (13.10.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 82 (13.10.1936)
Date
1936-10-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr• $2 / Jahrgang 41 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RDNDSCHAD IdiHftlcIhangiVsrlag b, Amelgenvirwaltiuift BitUnW 19, Melnakeatr.10 Fsrnraf 1 Sanimel-Nammer J1 (Bitxnarck) 9031, — BcMjfiprei* einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5.75, bei Abholung RM 1*88 b*w. RM 539. — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung; Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 173 92 (für das übrige Reich), ln Füllen höherer Gewalt besteht kein Anspruch nuf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgeböhrea. — Erschalnt jaden Blaaitag und Fr«fit«g. BERLIN כ״ז תשרי חרצ״ז DIENSTAG, 13. OKTOBER 1936 Csftltigi Anzeigenpreis!!■!« Nr« 5» Die 12 gespaltene mm ־ Zeile 20 Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit»• anteigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck •Konto Berlin 71618 oder bar Montag b!s Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmeschluß für di« Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F rcitay . Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen nm Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Ende des Araberstreiks Beschluß des Obersten Arabischen Komitees Manifest an die Bevölkerung — Aufruf der Fürsten Wie aus Jerusalem gemeldet wird, hat das Oberste Arabische Komitee gemäß einem am Sonnabend einstimmig gefaßten Beschließ ein Manifest an die arabische Bevölkerung erlassen, in dem die Beendigung des Generalstreiks für Montag, den 12. Oktober, proklamiert wird. Gleichzeitig erfolgt die Veröffentlichung des Aufrufs der arabischen Herrscher in der Form von Einzelbotschaften König Ibn Sauds, König Ghasis vom Irak, des Imams von Jemen und des Emirs Abdullah von Transjordanien. Der Aufruf der arabischen Souveräne enthält die Zusicherung, daß sie sich auch weiterhin zugunsten der palästinensischen Araber einsetzen würden. Der Aufruf der arabischen Fürsten Jerusalem, 10. Oktober. (Paicor.) Der Text der Manifeste, die mit der Unterschrift von König lbn Saud, König ü h a / i und Emir Abdullah veröffentlicht wurden, lautet: ״An unsere Söhne, die Araber in Palästina, durch den Vorsitzenden des Obersten Arabischen Komitees in Jerusalem. Wir haben Uns ausführlich mit der gegenwärtigen Lage in Palästina beschäftigt und haben beschlossen, eine liebereinkunft zwischen Uns und unseren Bruderkönigen und Fürsten abzuschließen, euch zu empfehlen, den Frieden wiederherr.ustel!en, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Wir vertrauen auf die guten Absichten unseres Verbündeten, Großbritanniens, das seine Entschlossenheit ausgedrflekt hat, Gerechtigkeit walten zu lassen. Ihr könnt von unserem Wunsche versichert sein, daß Wir Misere Anstrengungen foFtsetten werden, um euch weiter zu unterstützen.“ Das Manifest des Imams Jachia von Jemen ist noch nicht in Jerusalem eingetroffen. I)as begleitende Manifest des Obersten Arabischen Komitees fordert die alästinensischcn Araber auf, dem königlichen Befehl zu georciien. Der Waad Leumi hat ein Manifest an die jüdischen Gemeinschaften der Diaspora erlassen, in dem er auf die großen Anstrengungen des Jischuw in dem halben Jahr der Unruhen hinweist und die judenheit auffordert, ihre Anstrengungen zum Aufbau des Landes zu verstärken. Eia Brief Auni Bey Abdul Hadis Jerusalem, 10. Oktober. (Paicor.) Im Aufträge des Obersten Arabischen Komitees soll Auni Bey Abdul Hadi, Sekretär und treibende Kraft des Komitees, an Sir Arthur Waucliopc geschrieben haben. In diesem Brief wird erklärt, daB die Araber den Streik mit gebrochenem Herzen heenden; sie setzten jedoch voraus, daß die Regierung sich Nur etwa eine Woche vor dem Ende des sechsten Monats seiner Dauer ist nun der arabische Generalstreik offiziell abgebrochen worden. Palästina kehrt zu normalen Lebens- und Verkchrsbedingungen zurück. .Wie von schwerem Druck befreit, atmet das ganze Land auf. Während diese Zeilen geschrieben werden, laßt sich die Wirkung des Aufrufes der arabischen Könige und des Beschlusses des Obersten Arabischen Komitees noch nicht genau ermessen, ebensowenig sind die politischen Folgen abzusehen. Die Wiederteilnahme der Araber an allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens nach einer so langen Störung des normalen Wirtschaftsablaufs wird eine neue Situation im Lande schaffen, die auch mancherlei Uebergangsproblcme stellen wird. Gemäß den Berichten der letzten Woche hatte der Streik bereits abzubröckeln begonnen, man sah mehr arabische Straßen- Händler, und die arabischen Bauern brachten wieder Lebensmittel zur Stadt. Alan hatte ohnedies angenommen, daß vor Beginn der Oraugensaison der Streik abgebrochen werden wird, denn das Risiko des Verlustes des Ertrags der Orangenernte hätten die Araber nicht auf sich nehmen können, es wäre eine endgültige Vernichtung unzähliger arabischer Existenzen gewesen. Eine andere Verlockung bildet — nach einer Bemerkung des ״Times“-Korrcspondentet1 — die Anwesenheit des Militärs in Palästina, denn die Soldaten geben Geld aus, und dieses kanj bisher nur jüdischen Händlern zugute. Nun wird sich mit einem Schlage das ganze Bild ändern. Wohl dürfte auf manchen Gebieten eine heftige Konkurrenz einsetzen, die Araber werden versuchen, verlorene Positionen zurückzugewinnen, aber die Wirtschaft als Ganzes wird gewiß von der Herstellung des Normal- Zustandes nur gewinnen, und das wird letzten Endes auch der jüdischen Sache zum Nutzen gereichen. Die politische Lage bei Abschluß des Streiks stellt sich etwa so dar; England hat die angekündigte darüber klar ist, daß die Beendigung des Streiks noch keinen dauernden Frieden bedeutet. Die Regierung müsse einschen, daß die Durchführung der beiden Bestimmungen der Balfour- Deklaration, die sich auf die Juden bzw. auf die Araber beziehen, unmöglich ist, und müsse sich daher für eine von beiden entscheiden. Die Araberfrage in Palästina sei kein lokales Problem, sondern ginge die gesamte arabische Nation an. Am Schluß seines Briefes erklärt Auni Bey Abdul Hadi, der High Commissioner würde durch Suspendierung der Einwanderung und Amnestie der im Zusammenhang mit den Unruhen verurteilten Araber viel zum Frieden beitragen. .in Gegenwart von arabischen Zeitungsverlepern trat das Oberste Arabische Komitee gestern mit den Vertretern der Streik-Komitees von Jaffa, Saled, Akko, Tulkerem und Bethlehem zusammen, Das Manifest lyurde von sämtlichen Vertretern bestätigt, die gleichzeitig ihre Bereitwilligkeit zur Beendigung des Streiks ausdrückten. Und der Terror? Jerusalem, 11. Oktober. (JTA.) Das Manifest des Obersten Arabischen Komitees und die Kundgebung der arabischen Fürsten wird wohl kaum sahlagartig eine Beendtgung der Unruhen in Palästina zur Folge haben. Die unter Fauzi Bey kämpfenden Terroristen haben wiederholt erklärt, daß sie sich durch Beschlüsse des Komitees nicht für gebunden erachten. Immerhin wird den weiten Kreisen der arabischen Bevölkerung, die seit langem streikmüde sind, nunmehr die Möglichkeit entschiedenen Widerstandes gegen den Druck der Terroristen geboten. Die militärischen Aktionen gegen diese werden mit voller Energie fortgesetzt. (Weitere Nachrichten Seite 9) Politik, unter dem Druck der Gewalt keine Konzessionen zu machen, wenigstens formell bis zu Ende durchgeführt. Durch das Aufgebot von militärischer Macht hat es seinen Erklärungen Nachdruck verliehen, aber zu der allgemein erwarteten Verkündung des Kriegszustandes, zu dem die Palästina-Regierung durch eine Spezialver- Ordnung ermächtigt worden war, ist es nicht gekommen. Den Anstoß zum Abbruch des Streiks gab eine Proklamation der arabischen Könige, die nicht ohne Zustimmung Englands erlassen worden sein kann. Die Proklamation enthält zwar keinerlei ״Bedingungen‘“, aber doch das Versprechen künftiger Hilfe für die Araber Palästinas, also vom palästinensischen Standpunkt gesehen streng genommen die Einmischung ausländischer Herrscher in die Politik des Landes, eine Sache, die England in einem früheren Stadium (bei der Vcrmittlungsaktion Nuri Paschas) entschieden abgelehnt hatte. Der Aufruf stellt übrigens die unseres Wissens erste gemeinsame Aktion Ibn Sauds und der Haschimiten- Fürsten dar; unter diesem Gesichtspunkt ist sie ein Markstein in der Geschichte des Panarabismus. Ein weiteres Relief erhält die Lage durch den gleichzeitig veröffentlichten Brief Auni B e y s, von dem man weiß, daß er mit dem High Commissioner in guten Beziehungen steht und von diesem sogar ini Konzentrationslager besucht wurde. Auni gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Palästina-Regierung nunmehr zwei Hauptforderungen der Araber, nämlich die Einstellung der jüdischen Einwanderung und die Amnestierung der politischen Verbrecher, erfüllen wird. Während diese Forderungen früher als Bedingungen für den Abbruch des Streiks gestellt worden waren, erscheinen sie jetzt nur in der gemilderten Form der Er- Wartung eines freiwilligen Aktes der Regierung. Wenn man sich erinnert, daß diese Form von vielen eng• lischen Araberfreunden, die zum Teil auch als Vermittler auftraten, empfohlen worden war, dann wird man auf jüdischer Seite die B e f 11 r c 11111 n g nicht unterdrücken können, daß es sich auch hierbei um eine mehr oder weniger vereinbarte Sache handeln könnte. England, das früher in bezug auf Prestigefragen sehr weitherzig war, scheint seit dem abessinischcn Krieg empfindlicher geworden zu sein und hat auch im Palästinakonfliki sein Prestige hartnäckig verteidig־!, — was durch die Formel ausgedrüekt wurde, daß erst nach völliger Wiederherstellung der Ruhe in Palästina die Arbeit der Untersuchungskommission und damit jede weiterc Erörterung der politischen Fragen beginnen könne. Dabei war oft genug in Andeutungen davon die Rede, dal) England erwäge, von sic 11 a u s, also ohne Zwang von außen, während der Arbeit der Untersuchungs- Kommission die jüdische Einwanderung ruhen zu lassen. Einmal — gerade zur Zeit der A.-C.-Sitzung in Zürich — schien es sogar schon nahe daran, daß diese Absicht der Regierung offiziell proklamiert würde. Es ist dann vermieden worden, und die ganze jüdische Oeffentüchkeit sieht jetzt mit großer Erwartung den weiteren englischen Entscheidungen entgegen. Soll doch gerade in diesen Tagen auch die neue Sc he d ule der Ar• bei ter-Ze rt i f i k a t e für das Halbjahr Oktober 1936 bis April 1937 festgesetzt werden. Tausende von Juden warten auf die Möglichkeit, unter normalen Verhältnissen nach Palästina ein/mvandem. Wenn wir im Augenblick von Deutschland absehcii, so sei nur auf Polen hingewiesen, wo die Dinge sidi so /!!spitzen, dal! die polnische Regierung selbst diplomatische Schritte und Erörterungen in Genf zugunsten der Erleichterung der Ein• Wanderung seiner jüdischen Burger in Palästina und andere Länder eingeleitet hat. Sogar wenn inan von den übertriebenen Projekten, die mit Recht hei den Juden Polens Opposition finden, absichf, bleibt die;Masse der Ausvvanderungsbcdürfhgci! noch, immer groß genug. Eine künstliche Beschränkung dm־ Einwanderung nach der eben durchlebten Zeit der Opfer und der Vorbildliehen Selbstbeherrschung des Jischuw würde Ln ganzen jüdischen Volke größte Erregung Hervorrufen. Das jüdische Volk vertraut auf die feierlichen Erklärungen Englands und müßte eine nachträglich auf Kosten der Juden gewährte Konzession doch als Prämie für die arabischen Gewalttaten anschen.!in übrigen wird schon jetzt einige Skepsis geäußert, ob die unter Führung von Fauzi Bey stehenden arabischen Freischärler wirklich die Waffen niederlegen werden. Der Vertreter des Londoner ״Obserrcr“ gibt die Meinung eines prominenten arabischen Führers wieder, der gesagt, haben soll, daß die Mehrheit der Araber sieh fügen werde, falls die britische Regierung bei der Aufklärung mithilft, z. B. durch von Flugzeugen abgeworfene Flugblätter, in denen den Rebellen versichert wird, sie hätten nichts zu befürchten, wenn sie ruhig wieder zu ihrer Arbeit in den Dörfern zurückkehren. Sollten dennoch einige Fanatiker den Kampf fortsetzen, so wird die Regierung mit Hilfe des Militärs* wohl mit ihnen fertig werden. Es ist also aiizunehmen, dal) die unter Vorsitz von Lord Peel stehende Untersuchungs-Kommission vielleicht noch Ende dieses Monats ihre Arbeit in Jerusalem aufnehmen kann. Alle Freunde Palästinas können nur wünschen, daß• nach den Wirren dieses Halbjahres nunmehr die Wege einer K 1 ä r 11 n g der innerpolitischen Lage gefunden werden, und daß Palästina sehr bald wieder zu jener Periode des Aufstiegs und der aufbauenden Arbeit zurückkehrt, die im Gefolge der durch den abessinischcn Krieg erzeugten Erschütterung so jäh unterbrochen wurde.

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