Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 80-81 (7.10.1936)
- Date
- 1936-10-07
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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JDDISCHF PliNnsrHAU Seite 23 Nr 80 7 ,81׳.X 1936 giöse Weltanschauung betonte; sind sie doch auch ihr beson- Jers ans Herz gewachsen, die Chawerim und Chaweroth der Noar Dati, ihrer religiösen Jügendalijah! Und es kam die Zeit, in der Beschluß gefaßt werden mußte über die Zukunft der Jugend, deren Ausbildungs/eit sich ihrem Ende näherte. Wer hat sie gezählt, die Versammlungen und Aussprachen, die im Kreise der Jugendlichen über ״die Zukunft“ ahgehalten wurden? Aber eines war von Anfang an klar: der Weg in die Zukunft soll ein Weg gemeinsamen Lebens, geincinschaftlieber Arbeit und gemeinsam getragener Verantwortung werden. Die Saat, die die große Gemeinschaft des Kibbuz in die Herzen der Noar gelegt hatte, ging auf und brachte Frucht, Allmählich wuchs ein Plan: nicht im gesicherten Hafen des bestellenden Kibbuz, auch nicht in starker Anlehnung an die große Gemeinschaft, sondern auf sich selbst gestellt sollte ein neuer Punkt religiösen k i b b u 2 i - sehen Lebens gestaltet werden. ATm den 30 aussclteidenden Jugendlichen schlossen sich 25 zu einem neuen Kibbuz zusammen, der sich einige der älteren Chawerim des Kibbuz Rodges zu Führern wählte. Fine Kommission erhielt den Auftrag, einen Platz im Lande m suchen, an dem jugendliche, arbeitsfreudige Arbeiter gebraucht werden, an dem aber auch ein Milieu geschaffen w׳erde11 könnte, das der jüdisch-geistigen Auffassung vom Wesen des Aufhaus, so wie wir cs haben, entspricht. Nach längerem Suchen wurde ein solcher Ort in Kfar Jona, einige Kilometer östlich von Natania im märdliehen Scharon, gefunden. Mit heller Begeisterung ging es an die Ausführung des Plans. Geldmittel zur Ausrüstung der Gruppe waren kaum vorhanden. Und doch, was brauchte man nicht alles: Zelte zum Wohnen und Schlafen - nun, die wird die Jewisli Agency wohl als Anleihe gewähren, Küchengeräte, liinrichtung der Machsanim (der Magazine) — die muß der Kibbuz aut Kredit bei seinen Lieferanten entnehmen; Kleidung und Wäsche, denn das vor zwei Jahren niit ins Land Gebrachte war nicht mehr rcpräscntabel genug für den ״neuen Kibbuz des Poel Hamisrachi“ an der neuen Arbeitsstätte — nun, dafür plündert man (selbstredend auf friedliche׳ und zivilisierte Weise) die Machsanim von Kibbuz und Noar. Eine ganze Woche lang steht der ganze Kibbuzbet rieb unter dem Zeichen der Vorbereitungen, die Machsanim arbeiten bis in die Nächte hinein, es wird gewaschen und geplättet, genäht, gestopft und ausgebessert, immer wieder kommt einer der Jungen zur Chawerah Esther Adler: ״Ist meine Schabbathose schon fertig? Kann sic nicht noch ein wenig kürzer gemacht werden?“ (Scliabbathoscn können bekanntlich gar nicht kurz genug werden!) Und endlich, nachdem auch noch die Maskiruth das ihrige durch Ausscl! reiben und Begeben der Wechsel für die Neuanschaffungen getan hat, ist alles abfahrtbereit. Morgens 5 Uhr: Um die zwei Leiterwagen, mit den besten, blankgeputzten Pferden des Kibbuz bespannt, sammeln sich 200 Menschen und nehmen Abschied von der ersten Gruppe der Noar, die zum zweitenmal ein EKeriibaus verläßt, um in das Leben hinaus?.uziehen. Man kann sich dessen nicht erwehren — etwas Wehmut mischt sicli in die freudige Stimmung des Aufbruchs, sind es doch Freunde, Chawerim, in Freud und Leid, die sich trennen. Aber dann überwiegt die freudige Erwartung, der Stolz, in dieser für unser Land so schweren Zeit einen neuen Punkt jüdischer Aufbauarbeit zu schaffen, mit zu denen zu gehören, die der Welt zeigen, daß arabischer Terror den Aufbauwillen des jüdischen Volkes nicht brechen kann, der feste Glaube an die jüdische Zukunft, an die schützende Hand, die über dem Geschick unseres Landes waltet; eine letzte ״Techesakna“ steigt zum klarblauen ־ jüdischen — Himmel, ein letztes ',,Schaloni Chawerim“, man fährt... Sie haben ihren Einzug gehalten in dem sie freudig begrüßenden Kfar Jo n a, haben die Zelte gestellt, Eß■ und Wohnrauni und Küche eingerichtet, und der Alltag beginnt. Schwer und anspruchsvoll ist die Arbeit. Die jungen, bisher nur an halb- oder dreivierteltägige Arbeit gewöhnten Chawerim set/cn ihren Stolz hinein, zu arbeiten wie alte Poalim. Die Pardcssanim verlangen von ihnen auch dieselbe Leistung, die erfahrene, lauge in der Arbeit stellende Arbeiter bieten. Todmüde kommen sie abends, nach 9- und lüstündiger Arbeitszeit, nach Hause. Aber dann finden sie auch ein riehtiges Zuhause in ihrem Kibbuz vor. Die Chaweroth waren den Tag über nicht müßig, alles ist für die heimkehreriden Verdiener des Kibbuz gerichtet, und auch das Geistige kommt zu seinem Recht, Wold schmerzten der Rücken und die Arme, die den ganzen Tag die Turia gehandhabt haben, aber das Bewußtsein, für die Gemeinschaft, nicht nur für die kleine Gemeinschaft des Kibbuz, sondern für die größere Briefe an die Redaktion ״Maf’tir Zagreb, den 29. SeptemUr 1036 Redaktion der ,Jtiri. Rund.ohau“ Zu dein Artikel ,.M-ifhr Jo* nah“ in Nr. 77 vom 25. Scp* tendier 1936 mueliic ich des bemerken: Ich lud*.־ st 11 vielen J<iiuen .sUniiig; die l‘unktiun dc־s Mahir Lim Nat hm u des Jom Kippur ^ch.iU, in Her- Hu aui dein-eh. und liier in Zagreb auf hehr.ו och, und ha!«“ Gelegenheit gch.ibl, mich mit der tieiertu Utdeutung und Nutzan- Wendung des Euclios Jonah ausgiebiy zu hewh.'.iüpein leb idauhe, daß 1111-eie Gc-.< 'z ■sichrer deswe^vii geboten h b?11, diese Kr- Zahlung am heiligten Tui״e des Jahies zu kseii, tlak wir prü- 1end in die Tie i e dc r eigenen Seele schauen so!־ len. Auch der Mensch (gleich jonah) ist von Gut? auf die Erde gesandt, um Gotte:» Willen zu tun; auch der Men ■ch sucht sich, seinem Bcruics unemgedenk, einen undeen Weg. ah den ihm Gott vorgezeit hrict hat. ,.Du glaubst «lieh in dem untersten Raume des Schiffes sicher und gebot gen vor den Untergange; doch .siehe! Dein Nachen wi d von den Wogen des Gew'hirkes gefiirhn und Bewürfen: es toben die Stü׳n1e, der Himmel hat sich umnachtet, und die Steine halten ihren Glanz eingezo;»;■;!; du aber liegst in deinem Schiff■■ und — ü e h 1 ä IG t V' h! naht die Gef.ihr, Leid und Not. umdiohen dich; es hr:ust ein gewaltigcr Orkan, dein Sdnfjuin niibl auf der zürnenden See —■ und — du schläfst! Im loben der Muten und im Kampfe der Welhn, in Krankheit, Not und Gefahr, mahnt dich Gott an deinen Pfad, den du chemviilh» vtale-M. n, an d ineu Bc־uf, den er dir vorgczeichnet; doch dein Ohr bleibt verschlossen und— du sc lila Ist! Die Heize der Sünde luhen dich umgarnt, deine geistige Kraft ist gcStochen: die Him!nel$Mi!ze zucken hernied'. r. und di 011(1 י■ ners GelfLe er>1d1ütu-rt die Einten; dein Schuf ist verlöten, dein Jona” Untergang ist dir sicher, und — du schläfst! Da tritt der Steuermann an dich heran, die Stimme deines besseren Sclb.-t, die Stimme dea Ge- Wissens; sic* rüttelt an deiner Betäubung, sie weckt dich aus, deinem j׳u£ahrvollen Schlummci, und Lut ruft sie dir zu; .,m ih-lVIio mrdom“. warum schläfst du i ,.kam kio <-delauhecio!••, erhebe dich und bete zu deinem Gotte! Und die SchilfMeute umdrangen dich; die guten Tiiel.'c, die du cingeschli• fort. Linet. die fiommcn Gtdanken, die du auf stürmischer Fahrt unterdrückt inut, sie taeten zu• mit dem GewL-en vor dich hin. sie umdrangen dich in der Stunde der Geiahr und 6a ge» dir: ״Erwache und er• inncc dich doch: was ist dem Beruf und wannen kommst du? Welche־; Land hat dH1־ gezeugt, und weh he- Volk nennt dich den seinen B‘ Und nun die Verbindung mit der Awauduh: Einmal im Jahr ging der Hohepriester in das Allerheiligste, einmal im jatir sollen auch wir in unser In־ ne 1 0!יduireten u!ul Rcchnu״ח mit uii.־» beiher halten, den CKwUscm-mminen dco J״m Kippur, dun I ragcu jener S!יו 1:11:1 ivU'.e 1 ( 1 i '! M i , und unjen e IG: h-h!1 l)C:1ll! Wt >1tc:1! ,,mah-m'l Ie,!'.״. c! iU־׳ was ist dein Bend? 1" (icht umsunt 1 ,iud w ir au( < üe hrde HC-ctZt, ,Tij odum V omol jülud‘־, denn zur Mühe ist der MciM-h geboren. Wir!ollen anhauen . in uns und uni Ulla : Arbviicti na aas und am L ande uii'uer Vater! Ihn nun uul DKicln sollen wir nu» roden aiiij unsere mi 1 in lern und aus um: >erem Lande, den Boden umei cs Lebe! .is und Uiwüüs Lajidei, s־j uhei n von dt m Hnkraut, das < he I.uJt t Jitzie) 1! und jedes cd!Je (icwä 1 1:ג> am iduhen hindert. 1.) er jum lvipnur malmt um, 11 an Boden ln un יל und um um uib ar zu m. adieu f ür da.-, Gduiialu: u: .(1 Ev. 1׳* c. Au! jeden mub gerechnet werden, keiner datf .-ich ausschließen! Ein jeder muß Zeit, Kraft und Fähigkeit der Gesamtheit weihen, und keiner darf zurm kireten! ,.Un.-er Beruf־’ ist es, an uns und um uns zu bauen, für uit-cr Volk zu wirken und für Erez Israel! Und die zweite Frage: ״meajtn tuwau“, woher k.mma du? Wenn dich niedere Tri!. I׳c ciiullen, Neid, Haß und Vedeiimdüng — bedenke, von v.unnen du kommst!, wem! deine W rler* ästandskraft ejmatUt. wen» um dich Eigennutz und Bn-heL ihr Spiel treiben, bedenke deine Men,ehemvtmk•! Und nun die wichtigste und bedeutendste Frage: welchem Volke gehörst du an? ..Iv/ri onain h: wVs adonaj elauhe haschomaji m ani jure‘1. ״Und da der Prophet sein Volk bek a n n t e, da e r g r i 11. d! e heidnischen S c h i f f :> - 1 e u t e eine g roßt- Ehrfurcht vor d c m K w 1 g!־ n, und sie taten G e Ui!> d r.1’ Je treuer wir zu m1׳-er־׳m G’lke und unserem Lande :a׳!n 11, um so mehr wiul dm Welt uns einen. Sehr wenig Anerkrnming genießt heule unser Volk. Ihn-'n der M »Ir.־• ׳ h e /.ü h a■!•. dt r Zeit der aller -dnvet >n n Ve״l׳ü- «fuiip: f >cr Nein des K!isi-r» llad.ian wolh׳• si׳'h 7mt Lehre Isiai'L ßekriiGfit. Ei pb.g ZU seinem *)nktl: Ich \s:!l :.־־;!׳ii al, Kauhmum vei-u■. h־n, ich m hi . 1 l 1׳ w ־,■.׳. -r;1. I nd L hend h dt r 1 du -1 : 1 er fr!,!r ( n.dd / Sind dir nicht dir nmn, ''י i.a־zkniiincni aulprnan? Ich will nur dm Men mir ״ An h-1:m k . n: u, antwnrn׳!e er. gib m! t r .־ n l\.n, wie ich in;;iai.cii auii. Nun, .g׳r,i׳ h der!־’umt, wenn da eine Ware ganz niedrig sich 1 111! Prof. Leo Jerusalem, 29. September 1938 Sehr geehrte Redaktion! thier Notiz über 17 of.!,-ס׳ Graetz in Nr. 76 ui hinzu/iifugen, daß Giaetz siv'ii m H einer Reihe vuii J.dnen für da, Autbauwe:k in l’aläotina inteiemacit, Preise! zu Boden gesunken, von keinem Käufer begehrt, *o greife zu und kaufe! Das ist nun einmal so der Weltenlauf. Was jetzt am Boden schwer gedrückt daniedcrliegt. das steigt einmal 7.11 gioßcm, hohen Wert. Ak>d;m ging hin, trat in das Judentum ein, besuchte die Lehrhi.1us.er und ward ein großer!einer in Israel. Und als er nach Jahren wieder vor den Kaiser tritt, fragte ihn dieser: Was ha-t du getan? Ich habe deiner! R;!f befolgt, war seine Antwort. Ich tollte nur nach solcher Ware fragen, die ohne Wert und Preis vom Käufer geling geschätzt wird. Nun habe ich mich überall umge^hen, und unter allen Völkern war keines mehr bedruckt ah Israel Und ich trat cm. Denn ernst wird I׳-racl, dns heut niedrig im Prri.-e steht, der Ruhm und der Stolz der Menschheit werden, \V..s du■ Verfasserin Ihres Artik-l 11 ־,׳ ׳? dm Auflegung des Miduioch. über das Ableben be• ri-'iUet, zumal über die ״Erspa* rung“ den Todes, scheint mir i.i 11t der jude-ehen Auffassung vom 'lode zu entsprechen. Das Eingehen als Lebender ins Pa* v 1 ׳ii 1 - -!.; :!1f mir eine uns ganz h<!״:•׳gm!־ Auffassung. Der Grundged׳nke bleibt natürlich der. 11.1' dem das Buch M'hbr-ßt (de־ gk■׳!' ׳• wi* HG Abrahams (•(b-m 1 ׳ ita6!ich der Zerstörung v!ü1;1 סי־• ml und Gomorrha}, daß die Ibt;!:bei zigkrit Goocs sich deg.ח•!!,׳:<"׳ N'.mdi r:> erbarmt, und d.i G :•eine Sunden ״ins M-ii woikn w׳,!■den‘•, falls er die Sunde aubichhg bereu‘. Mil vorzüglicher Hochachtung iJr. hriut Blumcnthal Gracta io z. B. in ein«• Versammlung in V . . ... :! im Mar* 1032, auf der d< r l'nU rzcirhnrte einen Vor- Irü(׳ über die liebt. Universität hielt, den Vorsitz geführt hat. Mil Zionsgruß A. F r a enkel des Chewer Hakevvuzotli dalioth, und für die ganz große des Volkes zu arbeiten, macht die Arbeit leichter. Und der Schabbat bringt die Entspannung und führt alle wieder zurück in die Atmosphäre geläuterten, durchgeistigten Juckseins. Wieder singt man am Freitagabend die alten Lieder und Nigunim, sitzen die Chawerim und Chaweroth über den Folianten, aus denen die Weisheit und Gottergebenheit der Alten überströmt in die Herzen Her Jahrtausende später gcbereuen Lnkcl und dort neuen Tatwillcn erzeugt und das Leben einer neuen Generation befruchtet und gestaltet, fäer üneg Schabbat setzt den Schlußpimkt hinter eine abgelattferie Arheits- und Aulbauwoche und mit dem Ruf: ״Lajchudim liaj’ta Ora“, in den die Gesamtheit einstinmit, beginnt neue Arbeit zu neuem Erfolg. Alexander Adler Musikalische׳* Preisausschreiben. Iin Nachtrag zu unserer Veröffentlichung über das Preisausschreiben des Reichsverbandes der Jüdische:! Kulturbünde in Deutschland teilen wir mit, daß Karl Wiener als Generalsekretär in der Jury fungiert und die Vorprüfung des Materials vornimmt. Zur Mädchenberufswahl. Nach Krankenschwestern besteht eine beträchtliche Nachfrage. Der Beruf wird noch viel zu wenig ausgenutzt. Utbcr die Möglichkeiten gibt das Jüdische Schwesternheim in Üreslau 18, Kirscliallee 79, Auskunft, ANTWORTEN DER REDAKTION Jecheskel Blum. Wir danken Ihnen für ihre Information; können aber dazu nichts sagen, da in der Praxis die Frage der Namengebung noch uneinheitlich ist. KRANKENVERSICHERUNG I ab Beginn seitens der Gesellschaft unkündbar, «owie alle anderen I I Krankenversicherunas-Möglichkeiten genauesten! unverbindlich durch I I Vorsicnerungstiuno EUROPAG.m ö.H. inn : H.mana8se.«11922 j ■. Bsrlin W IS, Pariser SfraBe 37 ✓ Tel. J 3 «646 . -.* Schenken Sie Bücher PaUntiflia-Kalencfer 5697. Redaktion Dr. Joachim Prinz, mit RM* Bildern von Aenne Mosbacher, Nadnum Gidal und Helmaf Urskt. 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