Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 80-81 (7.10.1936)
- Date
- 1936-10-07
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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יייייייייייייייייייייי^ייי ■יי•■■יי■י■■ייייי«יייייי■■י■■יייייייייי■וpיי^י■י■■י■יייי■■יי■י•■ייייי^■■■■^ יר ״*;״e JÜDISCHE RllNnscHAU Nr. 80/81, 7. X. 1936 Von der Arbeit des ״Bachad“ Anläßlich der Moezah in Leipzig1 Hachscharah des Brilh Chaluzim Datum Für den mir oberflächlichen Beobachter erscheint es, als ob die Hachseharali des Bachact von vornherein problemloser oder m ihrer Problematik einfacher ist als die anderer Bünde, ülaubt man doch schlechthin, daß es sich um die Zusammen- Fassung völlig gleichgesinnter, ja sogar gleichgeartcter junger Menschen handelt, die nur zusammen in den Prozeß der Arbeit eingeführt zu werden brauchen, um schon eine geschlossene Einheit zu bilden, deren kulturelles Leben und Wollen sie schon vor ihrem Eintritt in die Hachscharah zu einer festgefügten Gemeinschaft gemacht hat. Eine solche Auffassung verkennt vollkommen sowohl die geistige und gesellschaftliche Struktur der nun Bacliad kommenden Jugend, als auch die Ziele des Bundes, und vor allem das Leben in Erez Israel, fiir das die Vorbedingungen bei unserem Menschenmateriai genau so erst zu schaffen sind wie bei allen anderen zur Älijah strebenden jungen Juden. Unser Ziel ist nicht die einfache Ueberhihrung von in der (iolah religiös erzogener Jugend nach Erez Ur.uu, die das religiöse Gallithleben mit in die Aufbau.־! bei! 111nei;nrngt, sondern uns tut in Erez Israel eine religiöse Einstellung not, die in all ihren Impulsen und Auswirkungen hingewandt ist zu der Wirklichkeit des neuen Lebens, das hier entsteht, de schöpferisch sein muß, um das ganze Leben des Landes zu erfassen und sich ihm cin/uordnen und ihm ־■eine besondere Note auf/upragen, dir־ aus der Kenntnis!1 •r 'I höre, und dein Willen, tue! nt I eben zu betätigen, eru.i.lo 1. leisere Menschen dniben müssen ein modernes Leben fuhren, das auf Tradition gebaut isi. I)a,11׳ muß man vor ailem die Quellen der Tradition in sich \‘c:arbciu׳t haben und nicht nur als Erbgut, sondern auch a:s Lrkenntnisguit den Willen haben, eine Synthese zwischen!.eben und I,dire hei/!!stellen. Die Herkunft der Menschen Die Menschen des Bachad kommen ans drei ganz verschicdenen Sphären: ans der jüdischen! )!־ükkIomc in Deutschland, aus der ostjüil :sehen in I hutsch'.r'd au (gewachsenen Jugend und aus libeialeu Jugendlichen, denen Rückkehr zur Tradition eine K<;nsc1pu׳n 1 ihies Wege-, vom Liberalismus zum Nationaljudcntum geworden ist, I s ist unsere Aufgabe, zunächst einmal bei diesen lest/nstellen, inwieweit ihr religiöser Wille nur ,äußerliches I linncigcn zu einem Judentum der religiösen Formen oder jugcndln!1 sentimentaler t ־״mutsverfassung ist, oder ob der starke Kern bei ihnen gegeben ist, um den herum sich eine gefestigte Lebensauffassung legen läßt, die auch »len Schwierigkeiten stamlhalterr kann, die sich auf ihrem späteren Lebensweg — auch in Erez Israel, und vielleicht besonders in Erez Israel •— cntgegenstellen werden. Wohl wissen wir, daß man Jugendliche formen kann, daß man ihre Haltung wenn sie etwa zunächst nur am AeuHeren hängt, vertiefen und basieren kann, aber wir können in eien wenigen Jahren, irr denen wir gestaltend auf ihren Werdegang Einfluß nehmen, nicht auf allen Gebieten der Seelenformung und Charakterbikiung Wesentliches leisten, wir gebrauchen die Menschen zu schnell für die Arbeiten des Aufbaus in Erez Israel, so daß wir 1ms dnrauf beschränken müssen, diejenigen frir die Dauer an uns lieranzirziehen, bei denen eine größtmögliche CJetahr dafür gegeben scheint, daß sie hei gehöriger Anleitung und Wegweisung selbst ihren Weg finden und ihn bewußt zu religiöser Tat fuhren können. So findet häufig schon, bevor jugendliche in die Hachscharah eingeordnet werden, die Auslese statt, die es erst ermöglicht, daß hier ein einlicitliebes Milieu entsteht, in dem der (i ei st, den wir in Erez Israel gebrauchen, zur Entfaltung kommt. Schwierigkeiten der Verschmelzung Welches sind die Schwierigkeiten für die VeT- Schmelzung der drei Typen von jugendlichen, die zu uns kommen, um hier zu einer Einheit zu werden? Die Kinder der jüdischen l >1tl!<:dn\ie kommen irr! allgemeinen aus einem gepflegten bürget liehen Mibeu. Nur die anden (iroßstädten kommenden haben jüdische Schulen besucht, in denen sie eine gute (iruinlluge jüdischen Wissens bekommen haben. In vielen Füllen sieht ihr Wissen auf sehr tiefem Niveau. Sie glauben ii.mfig, daß ihre Kenntnis der Formen einen vollen Ersat/ für die Kenntnis der (,)!!eilen hietet und nur lang-am und schrittweise sind sie davon zu überzeugen, daß das religiös,- palästinensische Leben auf einer ganz anderen < irundlagc a's der ihren aufgebmit werden muß. In ihrem Verhältnis zu den o.stjudischcii ( .hawerirn macht sich 21 iw eilen eine gewisse l 'cberbebiielrkoit bemerkbar, die erst in langeiem Zu.-nmincnh-ben mit diesen schwindet, zunächst aber die Bildung der .In.'wra“ emptmdlich stört. Ihre Ein- Stellung zur Arbeit, besonders zur iaiulw irlsehaftlichen, l>€- ruht vielfaih auf rein romantischer Vorstellung vom palästinensisdien Leben, das sic aus der Junendliteratur empfangen haben. I)er < regen-:!‘/ zwischen dem Lehen des Arbeiters, wie cs auch schon in der Mittlcrcnhachsdiarah gelebt wird, und dem Milieu des Llicrnhau-as erschwer! ihnen das Einleben. Es stellt starke Anforderung an die Euhrung, ihre Ein- Stellung zur Arbeit mit den übrigen Erfordernissen in Einklang zu bringen. Die o s t j 11 d i s c h e in Deutschland aiifgewachsene Jugend bringt irn allgemeinen größeres jüdisches Wissen mit. Sehr oft ist auch schon eine (icsamteinstellung des Jugendlichen vorhanden, die eine religiöse־ Ucberzougiing auf (irund angeeigneten Wissens bemerken läßt. Ihre natürlich jüdische Grundhaltung erleichtert ihnen das Zusammenleben mit anderen Juden, wenn nicht, was nicht seifen zu bemerken ist, auch bei ihnen ein Dünkel gegenüber item weniger Wissenden das Zusaninienleben stört. Schwierig ist der Mangel an Verständnis frir äußere Lebensform um! Organisation. Leicht sind sie versucht, alles, was ihnen irn neuen!.eben fremd erscheint, als inijudisch, a’s ״jeckiseli“, ab/ulehnen. Viel jiidische Form ist ihnen so schematisch, daß es schwer hält, bei ihnen noch Verständnis für den tieferen Sinn dieser Formen zu erwecken. Ihre Einstellung zur Arbeit ist natürlicher als die der jugendlichen aus westindischen religiösen Häusern. Das Unhaltbare der Berufsgliederung ihrer Elternhäuser ist sinnfälliger, allem, was handwerksmäßig zu betreiben ist, stehen sie näher, die einfachere Lebenshaltung, an die sie von Haus aus gewöhnt sind, macht es ihnen leichter, sich in das Chcwr,•geben in der Hachseharali einzufinden. Die Jugendlichen aus liberalen Kreisen sind oft jüdisch am leichtesten zu beeinflussen. Sie bringen im allgemeinen nur ganz oberflächliche jüdische Kenntnisse mit in die Hachscharah. Aber gerade sie empfinden das als den stärksten Mangel. Bei den jüdischen Lebensformen fragen sie stets nach dem ״Warum“ und sind für Erklärungen und Vertiefung der Form durch Unterlegung mit Gründen sehr aufgeschlossen. Allerdings müssen diese Menschen zu einer ehrlichen selbstkritischen Haltung gebracht werden, um sich Rechenschaft darüber zu geben, ob es Romantik war, die sie zu uns gebracht hat, oder innerer religiöser Drang, ob ihre Entwicklung wirklich m unserer Grundhaltung tendiert, oder ob sie nicht eine religiös-liberale Richtung atinrhmen, die sie letzten Endes nicht dahin führt, woher wir unseren Ausgang genommen haben — zum verpflichtenden Gesetz, torat Mosche Misinai. Es ist unsere erste und eine unserer schwersten Atrffaben, diese drei Typen zu einer E i n h e it zu verschmelzen, ede von ihnen hat Qualitäten, die den anderen beiden fehlen, und im l eben miteinander müssen alle anerzogene Eigenschäften ablegen, um die Gemeinschaft bilden zu können, die miteinander leben kann. Gerade für 11ns ist es doch besonders wichtig, daß unsere Gruppen so innerlich miteinander verbunden nach Erez Israel kommen, dal! sie dort aliein auf sich gestellt in die Arbeit eintreten können, denn die religiöse Arbeiterschaft in Erez Israel verfügt noch nicht über genügend kibbuzische oder andere Siedlungspunkte, in denen man sie einordnen könnte. Unsere Erziehung mul! daher mit großem Nachdruck darauf gerichtet sein, arbeits- und gesinnungsmäßig gut d u r c 11 g e b i I d c 1 c Gemeinschatten heraiizubildcn, in denen der kibbuzische Geist der Verantwortung gegenüber der Arbeit, gegenüber dem kultureilen Willen und gegenüber der Gruppe, die beides zu tragen hat, stark empfunden wird, so daß eine jede neue Alijahgrrsppe imstande ist, einen neuen eigenen Kibbuz zu schaffen; die Hilfe der alten palästinensischen Chawerim kann die Einordnung der Neukommenden nur unterstützen, nicht gewährleisten. Richtlinien der Arbeit Hieraus ergeben sich die praktischen Richtlinien der Hachscharah des Bachad. In fachlicher Hinsicht muß jede Gruppe, die zur Alijali kommt, über eine genügende Anzahl von gut durchgebildeten landwirtschaftlichen und handwerklich ausgchildcten Fachleuten verfügen, die bereits nach kurzer palästinensischer Praxis in der Lage sein müssen, als Vorarbeiter Verwendung zu finden und die Verantwortung für einen eigenen Meschek zu übernehmen. Durch die verhältnismäßig kurze Hachscharahdauer der letzten Jahre und durch den durch äußere Umstände häufig eingetretenen Stellen- Wechsel während der Ausbildung konnte dieses Ziel in letzter Zeit nicht zu unserer vollen Zufriedenheit erreicht werden. Mit großer Energie werden wir jetzt diesem Ziel zustreben. In kultureller Hinsicht muß es in der Hachscharah über die miüeumäßige Erfassung und den Ausgleich der divergierenden Typen ]iiiiaus ebenfalls die Grundlage für selbständiges Schaffen gelegt werden. Es ist bei landsmannschaff lieh aus Westeuropa zusammengesetzten Gruppen immer schwer, eine intensive Hebraisierung zu erreichen, es wäre völlig abwegig, zu glauben, daß durch gute Kenntnisse in Tnach und Talmud Sprachstudien überflüssig gemacht würden. Diese Kenntnisse werden Sprachschatz und Verständnis für die Feinheiten der Sprache vergrößern, aber neben dem Studium der Traditionsqueller! ist in täglicher Hebung auf das Ancignen der Umgangssprache starker Nt'crt zu legen. Es wurde in Ansehung der Vielseitigkeit unserer kulturellen Aufgaben jetzt auch die halbjährige Tnrbntnfiicht fiir alle Chawerim eingeführt, der entweder auf einer der dem Bachad zur Verfügung stehenden Jeschiwot oder in einem seiner anderen Lernzentren genügt werden muß. Durch dieses halbe Jahr intensiver Tarbutarbeit findet auch ein gewisser Ausgleich im jüdischen Wissen der ans den verschiedenen Kreisen stammenden (!hawerirn statt. In gesellschaftlicher Hinsicht ist das Ziel der Bachad Hachscharah die Schaffung der Chewra, die s'ark gering ist, einen eigenen Kibbuz in Erez Israel zu errichten und zu führen. E)er Bachad leidet noch heute stark unter dem Mangel an geeignetem F ü h r c r ro a t e r i a 1, der sich auch im Brith Hanoar, aus dem unser stetiger Nachwuchs kommen soll, hemerkbar macht. Es scheint, als ob die individualistische Ein- Stellung gerade in der religiösen Judenlieit stärker ausgeprägt ist als in anderen Teilen des Volkes. Die Hingabe an die Gesamtheitsaufgaben, das bedingungs'ose Sicheiufügen in die Reihen der am Aufbau des jüdischen Landes beteiligten Arbeiter, fällt offenbar gerade denjenigen schwer, die nach Er- Ziehung und Veran'agimg berufen wären, das geistige und religiöse Erbe des Juden (ums weiterzugeben mul zu gestalten. Bei der Umwälzung, die sich in der Einstellung der Gesamtheit zu ihrer Lebensführung und in ihrer Berufsgcstaitung vollzogen hat, ist es aber kaum noch möglich, daß derjettige die geistige Formung maßgebend mitbceiiiflussen kann, der nicht auch in den physischen Arbeitsprozeß mit eingreift. Auch schon der werdende Arbeiter des Hachscharahkibbuz will nicht von einem der Arbeit Fernstehenden erzogen werden, sondern er verlangt auch von seinem geistigen Führer die persönliche Konsequenz des Mitarbeitens auf dem Feld und im Stall. Fr verlangt das völlige Aufgehen auch des Führers in der Chewra. und er hat ein Recht, das zu verlangen, nachdem unser Ziel Gleichstellung von Arbeit und Lehre ist. Wir müssen mehr als bisher darauf bedacht sein, solche Führer heranzubilden, und es wird eine unserer wichtigsten Aufgaben der nächsten Zukunft sein, Menschen mit Führerqua'ität zu finden, die diesen schweren Weg zu gehen bereit sind. Erfolge in Palästina Trotz der Unzulänglichkeit, die wir bei unserer bisher!'- gen Arbeit empfunden haben, eine Unzulänglichkeit, die wohl dusch die Größe d?s uns gesteckten Zieles — die Synthese zwischen der Arbeit irn Rahmen des heutigen Aufbaus von Erez Israel und der Jahrtausende alten!.ehre unseres Volkes —- bedingt ist, glauben wir, daß unsere Arbeit erfolgreich gewesen ist. Wir sind stolz darauf, und der Zionismus in Deutschland kann stolz darauf sein, daß wir die religiöse Kibbuzbewegung für und in Erez Israel geschaffen haben. In Deutschland ausgebildete misrachistische Chaluzim, die ihre zionistische Schulung im Misrachi in Deutschland und in der Z. V. f. D. erhalten haben, haben den ersten Kibbuz des Poel I lamisrachi begründe(, haben in den letzten Jahren vier weitere kibbuzisehc Punkte ins Leben gerufen und beispielgebend die Gründling zweier Kibbuzim, in denen vorwiegend Chawerim aus Polen leben, veranlaßt. Auf Initiative unserer Chawerim wurde der Che wer H akcwuzot datiot (Bund religiöser Kibbuzim) ins Leben gerufen, der heute 7 Kibbuzim mit rund 400 Chawerim zählt. In früheren Jahren kamen die Menschen zu uns mit starkem zionistischen, misrachistischen Impetus, Jugend, die bereits längere Zeit im Bund gewesen war, heute kommen sie von der Entwicklung getrieben, ohne hündische Vorbildung oder Eignung, ihre Erfassung erschwert der Führermangel, denn von Halbjahr zu Halbjahr geben wir immer wieder unsere Besten an Erez Israel ab — aber trotz all dieser Schwierigkeiten verfolgen wir unbeirrt unser Ziel. Rudi Herz AHjah nach Klar Jona Eehawdil ben kodesch l'chol — dies wird das Hohelied der Jugendalijah! Vor zwei Jahren sind sie zu uns gekommen. Schüchtern, engbrüstig, städtische Kinder, imhebraisiert — aber gläubig, so gläubig, und mit dem besten Willen zu jüdischer Tat. Und heute gehen sie von uns. Selbstsicher, breitschultrig, sonnengebräunt, hart die Hände, Bauernjungen und -mädel, in neuer Muttersprache redend — ganz andere Menschen, nur die Gläubigkeit ist ihnen geblieben, aber auch diese vertieft unu verinnerlicht durch Wissen, durch Erkenntnis und durch Erleben. Was war damals ihr Glaube? Sie hatten gehört von anderen und glaubten: daß das jüdische Volk aus langem Schlaf erwacht ist und sich ein neues Leben baut; daß säe gewillt und befähigt seien, an diesem Bau mitzuwirken, heute schon, auf allen Gebieten, bei jeder Arbeit; daß im Kibbuz, so wie er heute ist, das Ideal der Lebensgestaltung beschlossen sei, und daß sie ohne Mühe und Umstellung in dieses freie und unbeschwerte Leben der ״Kibbuznikis“ eintreten können, daß Erez Israel das schönste Land der Welt ist, in das Juden nur einzuziehen brauchen, um es schon ganz zu besitzen (nicht nur äußerlich, sondern auch mit der Seele). Heule, wo sie uns verlassen, um ihr eigenes Leben zu führen aut der Grundlage, die ihnen die zwei Jahre Jugendalijah im Kibbuz Rodges gegeben hat, heute glauben sie noch genau so, sind nur noch tiefer gläubig geworden durch all die Erkenntnissc, die ein Leben auf und mit dem Boden Erez Israels ihnen vermittelt hat. Heute wissen sie aber, wie schwer es ist, zu bauen, aufzubauen; wissen, daß inan in jahrelanger Arbeit erst die richtige Proportion findet zwischen dem Ernst und den Anstrengungen der Arbeit und der Freude an dem Erfolg, daß man niemals leicht, und manch mal gar nicht, den Erfolg seiner Mühen erntet, so daß es häufig schwer ist, den Glauhen an den Erfolg nicht zu verlieren, und daß man trotzdem weiter glauben und arbeiten muß; und sie wissen, daß das Leben im Kibbuz nicht unbeschwert ist, sondern die höchsten Anforderungen stellt an Opferwillen, Einordnung und Unter- Ordnung, daß der Kibbuz von heute noch nicht das Ideal (larstellt, sondern daß der Gemcmschaftswille, die Hingabe an die ideale, die erträumte Gemeinschaft konfrontiert wird mit dem primitiven, oftmals harten Leben des Arbeiters, der im Schweiße seines Angesichts ein karges Brot erwirbt, daß der Wille sich erst zu bewähren hat an d er Tat, Und sie haben gelernt, was ״Jiidischkcit“ in Wirklichkeit ist: das Wissen um jüdisches Kulturgut, die Kenntnis der alten Quellen, das Sichvertiefen in die Gedankengänge der Propheten und der Weisen der Mischna und des Talmud, und die Uebertragtmg dieser wissensmäßigen Erkenntnisse in das tägliche Leben, in Arbeit und in Feierstunden, sie haben »'lernt, daß der Jude glauben muß, um erkennen zu önnen, daß aber nur der wissende Jude die rechte jüdische Erkenntnis erwirbt, die ihm zum Glauben wird. In diesem Sinn hat der Kibbuz sie nicht erzogen, sondem sie zu sich heraufgezogen, sie aber waren diejenigen, die sich willig und gerne haben herauf ziehen lassen. Wir haben ihnen nicht nur gegeben, sondern haben auch viel von ihnen empfangen. Der Ernst und die Härte des Lebens hat uns oft zu stark angepackt, hat uns das Leben schwer gemacht und 1ms die Freude so manches Mal verkümmert. An ihrer unbekümmerten Jngendfrische, unbeschwerten Lust und ihrem stets zu harmlosem Unfug aufgelegten Uebermut haben wir uns erfrischt und durch ihren Willen zum Lernen haben wir erst den rechten Stolz auf das von uns in mühevollen Jahren erworbene bäuerliche Wissen empfunden. Und mit welcher Freude hat es uns erfüllt, wenn an jedem Nachmittag über den weiten Hof des Kibbuz aus dem Zrif Hanoar die jugendliciicn Stimmen im Lernsingsang hinschwebten, bezeugend, daß im ״religiösen Kibbuz“ die Lehre am Wirken ist, die Lehre vom Sinai, die aus der kalten üola nach Zion zurückkehrte. Und die Aelteren verschmolzen mit den Jungen zu einer Lebensgemeinschaft. Keine Schranken waren zwischen jünger und äiter, gemeinsam pflügten, säten und ernteten wir. Gemeinsam zogen wir Gräben und bauten Baracken und Häuser, gemeinsam litten wir unter den glühenden Winden des Chainsin; und gemeinsam sangen und tanzten wir am Sciiahbatabend zu Lob und Preis des jüdischen Gesetzes und dessen, der es uns gab, bis Kehlen und Füße den Dienst versagten, und gemeinsam lernten wir am Schabbat Sidra und Midrasch. Es verwischte sich die Grenze zwischen Arbeit und Gottesdienst — unser gemeinsames Leben war ״Awoda“ geworden: ״Arbeit“ und ״Dienst am Höchsten“ zugleich! Es kam eine Zeit schwerster Prüfung für den Kibbuz und für seine jugendalijah. 50 von 10t) Chawerim und Chaweroth des Kibbuz wurden vom Typhus befallen und, als hätten sie unter besonderem Schutz gestanden, nur 3 von 60 Jugendlieben. Da haben die Jungen und Mädchen gearbeitet wie alte Poaliin, haben den ganzen Garten allein weiter bebaut, die Kühe gemolken und den Pardel! gewässert, der Kibbuz wäre zusammengebrochen ohne seine Noar, der Ernst des Lehens war ihnen plötzlich aufgezwungen und sic haben bestanden — da war die letzte Wand zwischen den Jüngeren und den Aelteren gefallen. Und wir klagen gemeinsam um die 5 Opfer, die die Krankheit uns schlug. Aber auch die Feste der Jugend wurden vom ganzen Kibbuz mit als die ihrigen gefeiert. Die Jahresfeier der Jugendalijah wurde zu einem Volksfest weiter Kreise des Jischuw. An tausend Menschen waren zusammengeströmt, denen in (natürlich hebräischen) Reden und Vorführungen der Weg und das Ziel dieser besonderen Jugendgruppe vor Augen geführt wurde, die in Tanz und Lied so ganz jugendlieh sind, ihr Leben aber gestalten nach der Tradition der Alten unseres Volkes. Mit welcher Freude bewirtete der Kibbuz die Hunderte Gäste seiner Jugend, eine Freude, die auch dadurch in keiner Weise getrübt wurde, daß man am Verpflegungsbudget der folgenden Wochen die Auswirkung solcher Gastfreundschaft stark bemerken mußte, denn Etat bleibt Etat, und was einmal verzehrt ist, kann nicht noch einmal ausgegeben werden. Auch solche Dinge sind ״Dienst am Volke“’, der nur im Kibbuz, ermöglicht wird. Und wie wurde jeder Besuch der ״Mutter der tausend Jug endlichen“ vom gesamten Kibbuz freudig entgegengenommen. War es doch jedesmal wie ein Festtag für alle, jung und alt, wenn die zarte, jugendlich anmutende Gestalt von Miß Szold, deren jngendfrische Züge die Umrahmung der weißen Haare Lügen zu strafen schienen, im Kibbuz erschien, um mit ihrem feinen, gütigen Lächeln hier Lob und dort aufrichtige, und daher gerne entgegengenommene, Kritik auszuteilen. Und umspielte nicht manchmal ein befriedigtes Schmunzeln den fcingczogencn Mund, wenn eins ihrer Kinder (mit Absicht lasse ich die Anführungsstriche fort) mit jugendlichem Ucberschwang seine reli-