Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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Ist jlcuun g&tup Ut Vxrt&stUva? Die Araber sagen: nein, die Engländer hallen die Frage für diskutierbar, die Sprache der Ziffern und die Tatsachen der Wirklichkeit sagen ein überzeugendes: Ja. Von den 25 Millionen Duiianr, die Palästina umfaßt — das ist ungefähr die Fläche von Belgier, — sind bis heute kaum (>1 ״ in jüdischem Besitz. Und diese Flächen waren durchwegs vor ihrer Erwerbung durch die Juden tot und unbesieddt. Ein altes taimudisches Wort über Palästina hat seine volle Berechtigung erwiesen: das Land schrumpft ein, wenn ihm die Juden fern sind, und es wird größer, wenn Juden darin leben. Die zionistische Kolonisation hat durch ihren energischen Kampf gegen die Malaria die Grenzen eingerissen, die von Sümpfen eingesetzt waren. Sie hat die Wasserwirtschaft dieser Gegenden revolutioniert, und Steppenbezirke sind durch das neue Straßennetz einem neuen Verkehrsleben angeschlosscn worden. Wissenschaft und Technik sind in ein rückständiges Land gekommen und haben mit sich gebracht, daß auf Flächen, die sonst kaum einer Fellachen-Familie notdürftiges Auskommen bieten, von intensiver Wirtschaft fünf Familien leben können. Wir machen das Land im wahrsten Sinne des Wortes größer. Man kann die Vorgänge in Palästina nur verstehen und die weiteren Möglichkeiten jüdischer Kolonisation nur dann richtig beurteilen, wenn man einer bestimmten Frage auf den Grund gellt — dem Bodenproblcm. Das arabische Palästina ist heute im übeigang von der Feudalwirtschaft zum modernen Kapitalismus. Die Position der großen Grundherren, die ihre Pächter in mittelallerlicher Weise ausnützen und oft in Schuldknechtschaft halten. ist durch die allgemeine Entwicklung, und nicht zuletzt durch das Beispiel der zionistischen Kolonisation, ins Wanken geraten. Gewiß existiert in Palästina eine nationale Bewegung der Araber, aber das Verhol der Bodenverkäufe, das von ihren Wortführern gefordert wird, ist nicht im Interesse des arabischen Volkes, sondern nur in dem vermeintlichen Interesse der Grundherren. Sie meinen, daß sie das Rad der Zeit aufhalten können. Aber die Entwicklung treibt dazu, daß die weiten Brachländereien nicht ungenützt liegen bleiben können. Die Ubergangsposition der Effendis, die ihre Stellung heute halten wollen, aber ihre Existenz in dem unterkapitalisierten Land auch für morgen sichern müssen, drückt sich darin aus, daß sie das Verkaufsverbot fordern, aber andererseits Boden verkaufen müssen. Nur auf diese Weise können sie die Mittel für eine bessere Ausnutzung des Landes beschaffen. Aber auf diese Weise kann, ohne daß jemand von seinem Boden vertrieben wird, Raum für neue kolonisierende Elemente erlöst werden. Wir Juden sind bereit, Dunam um Dunam des Bodens, den wir brauchen, zu kaufen, zu Preisen, die dieser verlassene Winkel des Orients sich nie erträumt hat. Unsere Chaluzim sind entschlossen, in Gegenden Pionierarbeit zu tun, die der ärmste Fellache verschmäht. Unsere Technik und Wissenschaft kommt auch dem Nachbarvolke zugute. Es ist Raum genug für beide Völker in Palästina, und wir Juden werden uns durch nichts beirren lassen, ein friedliches Nebeneinander der beiden Völker auf Boden zu errichten, der durch nationales und übernationales Verantwortungsgefühl und wahren Aufbauwillen der Wüste entrissen werden kann. Blick ins Emek Jesreel. Einst Wüste, heute Raum für 8000 jüdische Siedler Phot. Z. Kluger, Tel Aviv