Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 78/79, 30. SEPTEMBER 1936 Ich lerne jüdisch ... Essays von Theodor Sirnon. Mit 13 Bildbeigaben von Michel F i 11 g e s t e!1; Verla״ Kcdem, Berlin 1930. Hinter dein schlanken, weißen Buche steht ein schlichtes, und in all seiner Schlichtheit erschütternd typisches Erlebnis. Ein alter Mann, Wissenschaftler von Ruf, einer altberühmten jüdischen Familie entstammend, doch durch Erziehung und Laufbahn allein Jüdischen ziemlich ferngerückt, wird durch die Geschehnisse der letzten Jahre um seinen Wirkungskreis gebracht. — Aber dieses Ereignis bedeutet für ihn, wie es ihm später erscheint nicht die Katastrophe, die ihn mitten aus der Bahn herausschleudert, sondern (wie er selbst es einmal in seiner Kurvcn-Spraehe ausdrückt) den ״Umwandlungspunkt“. Das heißt: den Punkt, an dem eine Kurve ihre Bahn ändert — der aber von allein Anfang an in ihrem Gang schon latent ein* geschlossen ist. So ist auch diese Wandlung schon irgendwie vorbestimmt in seiner Entwicklung. — Ob etwa in der Jugendgeschichte seiner Mutter, die Hermann Cohen, der Philosoph des Judentums, wie der Sohn einmal erzählt, ״geschichts* philosophisch ausfragte'‘, ob in der Erinnerung an seinen Urgroßonkel, den berühmten .Major Burg, dessen merkwürdiges Lebensbuch so deutlich den aulreehten, seiner Errungenschäften stolzen Juden der Emanzipationszcit widerspic ,׳ein? R iS r h A r T Buchhandlung Martin Salomon Mi 11 W Be I: EKrlln' No 4*,-:Nnt IUMgaV»n• 7*!. T.l.pho.i; Jedenfalls: dieser wiilihaange Mann setzt sieh mm noch einmal auf die Schulbank er lernt jüdisch, wie es in diesen Jahren ס־ viele :deich ihm taten. Erst hat er ab und zu das überhebliche Gefühl, aus der Weite etiropäi •eher Bildung nun in eine gewisse Fuge /!rik-k/11f,Hieben: das ist wohl ein Zache n, d 1!S er tro 1/ aller Kurse mul aller 1 Bacher über Juden und Initum, a ui die t־r sich stürzt. na! .h einen weiten Weg \׳f׳r sich hat. I Kinn aber wird ihm diese Umkehr bald mehr als ״VITWIIII du! ״iiel!“ ״ Sie wird ihm . ein Wunder“. Denn er 1■!itde ekl, d.ili dH ׳ sch eiubare Beengung unseier Persönlifhkei! in Wirl.ürhk uit ein ״W cg i u s Fre i c“ ist. 1 'ini : rum Seht er \V fit 1 uh! Lehen mit an ulereti Augen an. Da er /fit eine L du *ns r 1 i :nt blmS ein wi-s .eiisehaftliei'.er F nrsr her, Sollt lern ein sc h r k ehemli.'M'r Mensel) mit offenen Aue;cn ״cwe.»1 11 zu Sei! ו ■ chcis 1t, so ist es sehr erfreulich zu hören, wa s d lese ,.,'1Ui ich!■״ Au ::eil״, die er offenbar besitzt wie UH■' t L׳. nkeu y, d c r Türmer, nun in dieser neuen jtnlmciu 1! \XY1 t zu >1׳!n ח־ hek׳ )inüieil. Wir alle kannten wohl diese kieii \ c i 1, anmutig h in^'cs ■ trieb eiten Skizzen , die in den letzten Jak Tt־n in allen j ׳üu isc hc •11 Blättern standen. Aber es ist schön zu sehen, wie sie sieh nun, da eine Anzahl von ihnen in einem Bändchen zusammengefallt vorliegen, zum Bilde eines ungewöhnlich sprachbegabten Menschen abrunden, der ״seinem Schicksal gewachsen wai". —bs. Das Jahrbudi von Cincinnati Hebrew Union College Annual, V0L XI, Cincinnati 1936. Die Jahrbücher der wissenschaftlichen Anstalten pflegen von der Fachwelt stets mit Spannung erwartet zu werden; denn sie stellen gleichsam einen Extrakt von dem dar, was in «lein abgeiaufenen Jahr an der betreffenden Hochschule gearbeitet worden ist. Das jetzt erschienene Jahrbuch der jüdischen Hochschule in Cincinnati wird im Gegensatz zum voriährigen ausschließlich von den Dozenten der Anstalt bestritten (bis auf eine Ausnahme). David Philipsoll schreibt, gestützt auf persönliche Erinnerungen, einen einleitenden Aufsatz über 'isaae M. Wise, den Gründer des Hebrew Union College. Julian M orge 11 stern veröffentlicht den ersten Teil seiner umfangreichen Amos-Studien; ebenfalls ins bibelwissenschaftlielie Gebiet fallt die Bestimmung der Grenzen Eilum* auf (irmnl der neuerten Ausgrabungen durch Nelson G In eck- Fine geschichtliche Untersuchung Sheldon H. Blanks gibt neue Aufsd1lu־-:e über die Entwicklung der universalistischen Ideen im nadliexilischen Judentum. Das »0 stark vernachlässigte Gebiet der jüdischen Folklore wird wesentlich bereichert durch die gründliche Studie Jacob Z. Lauterb a r 11 s über ״Tasclilirh'■, die aber zugleich sehr viele andere Zeremonien in ihren historischen und mngisrhen Verknüpfungen erklärt. Z. Diesen druck liefert einen philosophischen Beitrag •.!her ״Samuel and Moses Ihn Tihbon oh Maimonides' Tlieorv of Providenee״; Henry Engländer einen philologischen Beitrag zur Sprache Raschis. Israel B e t t a n, der im vorjährigen Bande bereits die Predigten Jonathan Lvbenschiit/’ analysiert hatte, gibt diesmal eine Anah -e der l'n digten von Jakob Anatoli. in das Leben des ersten indischen Brückers Gerselmm Soncino führt der Aufsatz von M״ses Marx über Soiieinos Wanderjnlire in Italien. Alnaham C r o 11 h a e h macht mit einem alten Lrbaiiuiio'bueli ״Mril Zedakali" bekannt; der bekannte Erforscher judinner Musik \bra!1:1111 Z. 111 e I s o 11 n vermittelt uns traditionelle Gesäuge der aschkcnasiselien Juden i!1 Italien; und Samuel 8. C 1! ״ o 11 schbefilieli verfolgt den Begriff der Autorität im Judentum von der Bibel an und kommt schließiicli zu neun Thesen, die bemerkcinswefterwei.se in bezug auf die Haltung des religiös-liberalen Judentums zu Palästina nicht so weit gehen wie die Thesen zum gleichem Thema, die Dr. Dienemann auf der 1 et/tcu Tagung der Liberalen Vereinigung tu London aufstellte. Dr. N. Jüdische Geschichte Marvin Lowenthal, ״The Jcvvs of üennany. A Story 0! Sixtcen Ccnturics.“ Verlag: The Jewish Publication Society of America, Philadelphia ly36. Zu den zahlreichen populären Oesrbichtsdarstellungen, lie wir in unserem Kreise in den letzten Jahren kennengclernt haben, gesellt sich nun eine Darstellung von amerikanischer Seite. Marvia Lowenthal hat lange in Deutschland gewohnt und kennt die Probleme der Juden dieses Landes. Er gibt auf über 400 Seiten einen knappen Abriß des Geschehens. Es ist eine schlicht erzählte Geschichte, die weniger zum Studium als zur Anregung gedacht ist. Die Zeit von den ersten jüdischen Niederlassungen bis zur Renaissance, also mehr als 1000 Jahre, kommt kurz weg. Etwas größeren Raum widmet Lowenthal den Epochen der Renaissance, Reformation und Aufklärung, die er unter dem Schlagwort ״Emanzipation“ zusammenfaßt. Die eigentliche Problematik dieser Darstellung findet sieh irn letzter! Abschnitt, der den Versuch unten1i1־׳mt. <be jüngste Entwicklung bis zum Jahre 1935 aufzuzeigen. -nn. Neue Schallplatten. Englische Musikzeitschritten bcsprechen ausführlich die soeben erschienenen Platten jüdischer Künstler: Yehudi Menuhin in Kreislers ״Tarnbourin chinois" und ״Schön Rosmarin“ (H. M.V., DA. 1489), Bronislaw H über m a n in Beethoven, Violinkonzert mit den Kadenzen von Joachim, begleitet von den Wiener Philharmonikern (Columbia, LX, 509-13), Bruno Walter mit den Wiener Philharmonikern in Beethoven, Leonoren-Ouverture Nr. 3 (H.M.V., DB. 2883/6). Sozial- und Wirtschaftsrecht Sozial- und Wirtschaftsrecht. Ausgewählt und bearbeitet für die Bedürfnisse der Juden in Deutschland. Von Ministcrialrat i. R. Fritz Wittcfsliöfer. August 1936. Herausgegeben von der Zcntralwohlfahrtsstclle und der Abteilung Wirtschaftshilfe bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlin-Charlottmburg 2, Kanfstr. 158. Diese Schrift, bei der Regierungsdircktor i. R Kurt F r i e d I ä n d e r, Dr. Georg L ti b i n s k i und Gerichtsassessor a. D. Gerhard Wallbach mitgewirkt haben, will dem jüdischen Sozialarbeiter ein dauernd brauchbares Handwerkszeug und anderen Juden ein Auskunftsmittel für den täglichen Bedarf bieten, wenn sie sieh über die rechtlichen Grundlagen ihrer wirtschaftlichen Betätigung vergewissern oder über die Hilfsmöglichkciten bei sozialer und Wirtschaftschaftlicher Not unterrichten wollen. Die sich hierbei den Juden in Deutschland im täglichen Leben aufdrängenden Fragen sind, nach Gebieten systematisch geordnet, in flüssiger und leicht zu erfassender Form dargestellt (67 Seifen); in einem zweiten Teil (113 Seiten) sind 34 entsprechenden Alaterien angchörende Gesetze, Verordnungen und Vcrwaltungsanordmingen in vollständigem oder auszttgsweisetn Text angeführt, und zwar mit Anmerkungen, die durch Hinweise und Erläuterungen eine Erleichterung im praktischen Gebrauch des Buches bieten. Behandelt sind StaatsangcTiörigkcitsrecht und Rassengesetzgebung, Wohlfahrfs- und Jugendrecht, Sozialversieherungsrecht, Arbeitsrecht, Wirtschaftsreeht, AusländerrecM und Auswanderungsrecht. Schrifttum und Rechtsprechung sind erwähnt, so daß das Buch auch als gute Grundlage für eingellendere Studien von Einzelfragcn verwendet werden kann. Die zitierten Entscheidungen sind, soweit sich in ihnen die rechtliche Sonderstellung der Juden widcrspicgelt, unsern Lesern aus den Berichten der ״Jüdischen Rundschau“ über die Rechtsprechung bekannt. Die im ersten Kapitel gegebene Einführung itt die Begriffe des Rciehsbürgers und Staatsangehörigen, in die Erwerbs- und Verlustartcn dieser Eigenschaften und in die entsprechenden Vorschriften der Rassengesetze enthält auch eine Darstellung des Judenbegriffes, sowie eine Aufzählung der verbotenen, unzulässigen und genehmigimgsbedürftigen Eheschließungen. Eingehender sind dargcsfellf Themen wie Wirtschaftsfürsorge. Gesundheitswesen, Jugendreeht 11ml die Kranken-, Unfall-, Invaliden-, Angestellten- und Arbeitslosen- Versicherung. Bei der Erörterung der Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht, die keine Sonderbehandlung der Juden enthält, wird auch das Antragsrecht der jüdischen Gemeinden und gemeindlichen Wohlfahrtsämter und die Stellung der sozialen Anstalten hinsichtlich ihrer Insassen gegenüber den Bezirksfürsorgeverbänden erwähnt. Mit Recht weist der Verfasser hierbei darauf bi!!, daß es sich empfiehlt, die Frage der Öffentlichen Unterstützung vor der Hcim-(Anstalts-)Unterbringung mit dem Be/irksfiirsorgcverband des Anstaltsortes zu klären. Von besonderem Interesse für Juden ist die Mögliclikeit beschränkter Fürsorge für Neu-Zuzichenilc in Notstandsgebiete. Zu solchen sind fast alle Groß-Gein einden erklärt worden. — Im Kapitel |ugemlrccht wird ti. a. bemerkt, daß sich aut Gebieten wie Pfiegekinderschutz, Schutzaufsicht und Fürsorgeerziehung über Minderjährige den Einrichtungen der jüdischen Wohlfahrt, insbesondere auch den Wohlfahrt«- ändern der Gemeinden, eine Möglichkeit wirksamer Betätigung bietet. Zum Soziaiversichcrungsrecht, für das als Mitwirkende noch Fräulein Gertrud Israel genannt ist, ist im Teil der Gesetzestexte eine Uebersicht über die Sätze der Arbeits* losen-(Krisen-)Untersliitzung beigegeben. Von besonderer praktischer Bedeutung sind die Kapitel Arbeits- und Wirtschaftsreeht. Hier werden Arbcitsverinittlung und Arbeitseinsatz, das Arbeitsverhältnis (Arbeitsordnting, Arbeitszeit, Kündigungsschutz), Berufsausbildung, Arbeitsgeriehtsbarkeit behandelt und die wichtigen Gebiete des Gewerberechts (erlaubnispflicbtige, für Juden g-esperrfe Betätigungen; erlaubnispliichtige, auch Juden zugängliche Gewerbe und dergl.), das Einzclhaiulelssclmt/gesetz, Handwerk und ambulantes Gewerbe in den für die Praxis wichtigsten Punkten berücksichtigt. Im Ausläiulerreeht sind Paßfragen, Ausweisung, Abschiebung und die Bestimmungen über Beschäftigung von Ausländern als Arbeitnehmer dargestellt. Schließlich findet der zur Auswanderung entschlossene Jude eine erste, übersichtliche Information über alle ihn hierbei interessierenden Rechts ragen. Diese kurzen Ausiiilmmgen zeigen bereits die Bedeutung des Buches, das für den interessierten Kreis einem wirklichen Bedürfnisse abhilft. Es kann in seiner Zuverlässigkeit und Gründlichkeit nur empfohlen werden und wird vielen, die es vor Ergreifung wichtiger Schritte oder vor Fassung ihrer Entschlüsse zu Rate ziehen, große Erleichterung und Hilfe verschaffen. o. Psychologische Geschichtsschreibung Francis Hackett: ״Franz der Erste“. Verlag Rowohlt, Berlin 1936. Der Engländer Francis Hackett ist bekannt geworden durch sein ausgezeichnetes Buch über Heinrich Vili. Hackett ist keineswegs das, was man einen zünftigen Historiker nennt, sondern ihn reizt die Darstellung eines geschichtlichen Geschehens hauptsächlich vom psychologischen Standptinkt aus, und so •reiht et sich in die große Zahl populärhistorischer Schriftsteller ein,, die in den letzten Jahrzehnten mit Vorliebe einzelne Figuren in den Mittelpunkt ihrer Bücher stellten — im Gegensatz zur Geschichtsschreibung älteren Stils, die einen gröberen Umkreis des Geschehens abzusehrciten pflegte. Der blendende Stil Hackctts macht jeine Darstellungen ungemein interessant; und wer es liebt, vor allem die Menschen kennen zu lernen, die Geschichte Uevd-Büefe oder dip Buciihändltinj? IAO Edmund Meyer, Berlin W50, Bambcr^cr Str.&l. Postscheck : 81509 * gemacht haben (wer also weniger Wert auf eine gründliche Auseinandersetzung mit den Staatsauffassungen und geistigen Bewegungen einer Epoche legt), wird an dieser leicht einängigeri, mit dramatischer Wucht erfüllten Schilderung seine reude und auch Belehrung haben. Der französische König Franz I. lebt in der Zeit, da Renaissance find Reformation sieh kreuzen und neue Ideen ihren Einzug hielten. Freilich scheint es fraglich, ob über Franz ein Buch im Umfange von 407 Seiten notwendig war; denn er war ein nicht sehr bedeutender Mann, der, abgesehen von einigen Jahren in der ersten Zeit seiner Regierung, inaktiv war und neben seinen Zeitgenossen Heinrich VIII. und Karl V. nur eine bescheidene Rolle spieit. Die gufe Ueber- Setzung ist hervor/uheben; auch die bildmäßige Ausstattung ist sehr reichhaltig. _ N. Literarische Notizen ״Und er kehrte heim“, Samuel L e w i n s Roman, zu dessen deutscher Ausgabe Franz Werfel das Vorwort geschrieben Hatte, erscheint jetzt unter dem Titel ,,Der Opernsänger“ jiddisch zum erstenmal in einer New-Yorkcr Zeitung. Die jiddiscltc Buchausgabe steht noch aus. Menaehem Riblow und Dr. Bernstein sind die Herausgeber eines hebräischen Jahrbuches für Amerika (סם ו המנון ליהודי אמעריקה׳ הוגאת רסתוירות העברית באנלעריקזז) das u. a. einen Essay von Naliuin Sokolow, eine Maiinonides- Arbeit von S. Rosenfeld, einen Aufsatz von Dr. N. Turow über den Philosophen Saidavna, drei von Dr. S. Bernstein entdeckte Gedichte Gabirols und eine Uriel-Acosfa-Novelle enthält. ״Abessinien, Juden in Afrika und Asien“ eine populäre jiddische Darstellung des Lebens der orientalischen Juden, ist die Frucht einer Reise von Noah Mischkowski, soeben erschienen in der New-Yorkcr ״Jugend-Bibliothek“. Ben-Zion Katz teilt seine Erinnerungen an . Maxim Gorki mit; darunter außer einigen auch hier anläßlich von Gorkis Tod erwähnten Einzelheiten über das Eintreten des Dichters für die Habimah und für Bialik noch allerlei Bemerkenswertes. Gorki hatte 1902 in seiner Bibliothek eine eigene Abteilung fiir Literatur über die Judenfrage und den Zionismus. Er führte um diese Zeit einem Briefwechsel mit Seholcm Alejchem über seinen Plan eines Sammelbuchs für hebräische und jiddische Literatur in russischer Sprache, fand aber von den cingercichten Manuskripten nur Bialiks ״Arjeh Baal Guf“ tauglich, verlangte allerdings eine Aenderung darin. Sehatem Asch wäre erst durch Gorkis Publikation einer seiner Novellen in russischer UÜbertragung bekannt geworden. Angeregt von Jabotinskvs lJehersetzung Bialikscher Gedichte wünschte Gorki eine Moses-.Monographie von Bialik, der diesen Vorschlag aber ablehnte. Ebensowenig konnte Dubnow dem Wunsch nach einer Vorrede für ein Sammelwerk, russischer Autoren über die Judenfrage entsprechen, das Gorki im Kriege zusammerstelite. Gustav Mahler Bruno Walter: Gustav Mahler. Herbert Reichncr, Verlag, Wien — Leipzig — Zürich. In der Einleitung zu seinem Porträt Gustav Mahlers sagt Bruno Walter, daß er seit langen Jahren die Neigung und Verpflichtung fühlte, sieh über Mahler aiisziispreehen. Endlich hat Mahlers 25. Todestag ihn dazu veranlaßt, dieses Wort zu sagen. Der Freund spricht über den Freund., der kongeniale Interpret über das Schaffen Mahlers. Eine Bio* graphie soll dieses Wort nicht sein, und das Buch schildert daher kein ״Werden“, sondern es will das Bild wiedergeben und naclizeichncfl, das Bruno Walter von Mahler in sich trägt. So ist das Porträt allein einem einzigen Menschen gewidmet, der Person Mahlers, ohne daß die anderen. Faktoren, die in seinem Leben eine bedeutende Rolle spielten, Erwähnung finden. In zwei Hauptabschnitte gliedert sieh Walters Darstellung: in die Wiedergabe der Erinn crungen, die ihn mit Mahler verbinden, von seiner ersten Verbindung an der Hamburger Oper im Jahre 1894 über die Stationen Hamburg — Steinbach — Wien zu den Begegnungen in den letzten Jahren nach Mahlers Rückkehr aus Amerika. Daran schließt Bruno Walter eine Skizze, die die Hauptfunktionen in Mahlers Schaffen nachzeichnrt: den Operiileiter, den Dirigenten und den Komponisten, um schließlich in einem zusammenfassendeu Kapitel die Linien der Mahlerschen Persönlichkeit darzustellen. Diese Skizze gibt einen tiefen Einblick in Mahlers Wesen, wenn es uns auch aulfallen muß, daß der Jude Bruno Walter nichts über Mahlers seelische Beziehung zum Jüdischen bzw. seine Distanzierung ihm gegenüber sagt. —a Ratgeber für Auswanderer Jüdische Auswanderung — Korrespondenzblatt über Auswanderung«- und S i e d 1 u n g s \v c s e n, herausgegeben vom H ilfs verein der Juden in Deutschland. — Verlag Sehmoller IV Gordon, Berlin, September 1936. Das neue Korrespondenzblatt des Hilfsvercins, das in diesen Tagen erschienen ist, enthält neben einem allgemeinen Teil, der sich in drei Aufsätzen mit den Pflichten, des jüdisehen Auswanderers in! Ausland, der weltwirtschaftlichen Ent- Wicklung und den Eimvanderungsbeschränkungcn und den Aufgaben der Hausfrau bei der Auswanderung beschäftigt, Einzeldarstellungen über die Länder Südamerikas, die als Aufnahineländcr für jüdische Einwanderer in Frage kommen oder in der Diskussion eine Rolle spielen. Die ein• /einen Abschnitte enthalten die erforderlichen Angaben über Einwanderungshedinguiigen, über das Land, seine Wirtschaft und Kultur, über das jüdische Leben, soweit ein solches vorharuien ist, Lebenshaltungskosten usw. und bringen sodann Briefe jüdischer Einwanderer aus den betreffenden Ländern, die ihre Erlebnisse, Sorgen und Erfolge schildern. In einem Anhang sind eine Reihe von Uebersichta» zusammengestellt, denen sich eine Bibliographie für di« einzelnen in Frage kommende» Länder anscnlicßt. Das lieft, das naturgemäß nur einer ersten Information über die Fragen dienen will, die fiir den Auswandmrngslustigen wichtig sind, wird dieses Ziel gut erfüllen, wobei cs klar ist, daß im Einzelfall sodann die Beratung durch den Hitfsvereiii selbst hinzutreten muß. _ Volksausgabe von Dubnows ״Weltgeschichte des jüdisehen Volkes“. Fiir den Herbst dieses Jahres kündigt der Jüdische Verlaß, Berlin, das Erscheinen einer dreibändigen Ausgabe von Dubnows ״Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ an. Sie ist zusammen mit dem Verfasser von dem Ucbersclzcr der zehnbändigen ״Weltgeschichte“, Dr. A. Steinberg, bearbeitet worden. Da kein bloßer mechanischer Auszug hcrgestcllt werden sollte, sondern ein neues Werk, das aber sowohl in den Orundzügem wie in der Darstellung, sowohl im Aufbau wie im Stil die Vorzüge und die Eigenart der zelinhänuigcn ״Weltge:>e!11׳btc“ wahren sollte, nahm die Fertigstellung sieben Jahre i;1 Anspruch. Mit dem ״Kleinen Dubnow“ wild einem seit 1;ingern geäußerten Wunsch weiter Kreise, insbesondere der jüdischen Jugend, Rechnung getragen.