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Jüdische Rundschau · 1936-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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RPRH|llS!iiSPS!! ^mssmmmm z~jupm~ -21G.1S36 י׳;׳ V *■> Nr, 78/79 ✓ Jahrgang 4t Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU Scbrlftleltang,Verlag a. Anxelgenverwal taugt BerlinWlS, MetDtkft1tr.il Fereraf! Semmel-Nammtr J 1 (Bismarck) 9031• — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,~ fe Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw, RM 5^9. — Postscheck * Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 (für Groß - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewult besteht kein Anspruch ndf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. - Erscheint jeden Dienstag and Freitag• Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die BERLIN י" ד תשרי תרצ״ז MITTWOCH, 30. SEPTEMBER 1936 Schaffung einer dffenilich ־ rechtlich gesicherten Gültig t Anzftlgenprelsliste Nr, 5• Die 12 gespaltene mm •Zeile 20 Rpf., für Familien Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keino Gewähr geleistet. Gelegenheit*• anzeigen nur jgegen Vorauszahlung auf Postscheck «Konto Beriin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmcschluß für die Dienstag * Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag -Ausgabn Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Kronrat über Palästina Vollmacht iür die Militärbehörden ■ Auf Schloß Balm oral in Schottland hat unter den! Vorsitz König Eduard VIH. ein Kronrat stattgefunden, an dem in Anwesenheit führender englischer Staatsmänner eine Reihe politischer Fragen behandelt wurde. Die Politik der englischen Regierung in Palästina wurde, wie ״S u n d a y Express“ berichtet, in dieser Sitzung gut geheißen und die zuletzt in bezug auf Palästina getroffenen Maßnahmen durchaus gebilligt. ״Daily Mail“ veröffentlicht einen Bericht ihres politischen Korrespondenten, demzufolge der Kronrat in Balmoral zu dem Ergebnis geführt hat, daß für die strategisehen Punkte in Palästina d a s K r ie g s r e c h t verkündet werden soll, falls die Araber nicht in letzter Stunde durch einen Beschluß das Ende der Terrorkampagne herbeiführen. Der König, so heißt es in dem Bericht weiter, genehmigte In der Sitzung des Staatsrats die von der Regierung aufgestellten Vollmachten und Unterzeichnete die erforderlichen Verordnungen. An dem Kronrat, der 20 Minuten dauerte, nahmen auch Kolonienminister O r m s b y - Q o r e, Innenminister Sir John Simon und der frühere Privatsekrelär des Königs, Lord Wigram, teil. Die Kriegsrecht für bestimmte Gebiete Dokumente wurden nach Unterzeichnung durch den König eiligst nach London gebracht; ihr Inhalt wurde sofort telegraphisch nach Palästina weitergegeben. Durch die Orders in Council werden den Militärbehörden umfassende Vollmachten zur Unterdrückung der arabischen Revolte und zur Bestrafung gesetzwidriger Handlungen erteilt. Es ist unwahrscheinlich, daß das Kriegsrecht gleich für das Gesamtgebiet von Palästina verkündet werden wird. Man erwartet vielmehr, daß die Zivilverwaltung zunächst nur für bestimmte Gebiete außer Kraft gesetzt werden wird. Sollte sich dies als unzureichend erweisen, so wird das Kriegsrecht über das ganze Land verhängt werden. Kolonienminister Qrmsby-Gorc konnte dem König bereits den letzten Bericht des High Commissioners Sir Arthur Wauchope vorlegen, in dem dieser erklärt, es sei keine Besserung der Lage eingetreten, er hoffe aber, daß energisches Vorgehen auf die Araber Eindruck machen und zur Einleitung von Friedensverhandlungen führen werde. Die Verkündung des Kriegsrechts für die von den Unruhen am meisten betroffenen Gegenden Palästinas wird in London für Dienstag, den 29. September, erwartet. Die betreffenden Verordnungen sollen Dienstag abend veröffentlicht werden. (Siehe auch Palästina-Blatt S. 17 ff.) Ein Recht und ein Wille Weszmanns Rede und die neue Siedluiagsaktion Die Rede, die Dr. Weizmann vor einigen Tagen in Amsterdam gehalten hat (s. ״J, R.“ Nr. 77), ist gewiß von mehr ais lokaler Bedeutung. Sie gab Gelegenheit, vor der ganzen Welt die Ansprüche des jüdischen Volkes in Palästina und die grundsätzliche Haltung zu den heute umkämpften!־'ragen darzulcgen.!)er Präsident der Jewisli Agency hat zum erstenmal seit der Zuspitzung des Konflikts und nach eleu Erklärungen der englischen Regierung in der Oeftentlichkeit das Wort ergriffen. Er spricht in erster Reihe zu den Juden seihst; im Rahmen der vom Aktioiis-Comite besclilossenen Aktion für Festigung und Sicherung des Palästina- Werkes, ״Bizzaron l hvitaäion“, richtet der erste Mann des jüdischen Volkes seinen Appell um aktive Hilfe an alle Juden. Denn was in Palästina vor such geht, geschiebt nicht um einiger Zehntausende oder sogar Hun* derttauseiulc in Palästina lebender Juden willen, sondern für die jüdische Gesamtheit, die lieute ohne das moralische Zentrum Palästinas gar nicht mehr denkbar ist, ja für die jüdische Geschichte. Ueberzeugend ging das aus Weizmanns Worten hervor. In seiner einfachen und dabei so erschütternden Art vermochte er in wenigen Strichen das Wesentliche zu zeichnen. Die Macht des Irrationalen, so zeigte er, die Macht von Gefühl und Gedächtnis, ist stärker als noch so gutgemeinte Projekte, die sich auf Technik und Geld stützen. Schöpferisch ist nur die Sehnsucht und der geschichtliche Wille. Die Rede zeigt aber Weizmann auch als den jüdisehen Staatsmann, der sich bewußt - ist) daß es darauf ankommt, ein konstruktives Programm zu entwickeln, das eine Lösung der Schwierigkeiten verspricht. Er tut cs unermüdlich. Schon in einem Vortrag, den er ain 9. Juni in London in der ״Royal Society for International Affairs“ gehalten hat, legte er einen sol-, chen Pinn vor. Dieser Vortrag ist jetzt auf der Frontseite der Neujahrs-Nummer mehrerer palästinensischer Zeitungen erschienen und dadurch einer weiteren Leser- Schaft zugänglich. (Die englischsprachige ״Palestinc Post“ bringt ihn unter dem Titel ,,Palästina heute“ mit dem Untertitel ,,Ein gemeinsames Vaterland für Araber und Juden“; in der hebräischen Version des ״Haarez“ fehlt dieser Untertitel -׳- warum?) Wei/.tnaims Programm ist lapidar, und es hat eine politische und eine wirtschaftliche Seite. Politisch fußt Weizmann auf dem Grundsatz, der ״P a r i t ä t“ beider Völker, die in der häufig gebrauchten Formel, weder Juden noch Araber sollen ״herrschen oder beherrscht werden“, einen zunächst allgemein gehaltenen Kornmentar findet. Man kann aus Weizmanns Rede die Er- Wartung hcrauslcsen, daß die Juden künftig einmal die numerische Mehrheit in Palästina sein werden; 11m so wichtiger ist darum die Festlegung auf das Prinzip der staatsrechtlichen Rarität. Denn, so sagte Weizmann in. seiner Londoner Rede vom *). Juni noch deutlicher als in Amsterdam, wir müssen mit der Tatsache rechnen, daß eine legitime Furcht der Araber vor einer Ueberflutung durch die Juden in der Zukunft besteht. Darum müsse ausgesprochen werden, daß Palästina nach Anschauung der Juden das gemeinsame Vaterland beider Völker sei. Und was das Wirtschaftfiche Moment betrifft, so legt Weizmann den Nachdruck auf die Notwendigkeit der Entwicklung und Erschließung der Landreserven. Auf Grund fundierter Berechnungen ergibt sich, daß bei Ausniitzung aller Möglichkeiten des Landes, die ja durch die Investition von jüdischem Kapital, Intelligenz und Arbeit zu ungeahnten Ausmaßen gesteigert wurden, nicht nur viele Hunderttausende von Juden noch in Land und Stadt Platz finden können, sondern auch die Araber für die nächsten zwei bis drei Generationen — und wer könnte weiter vorausdenken — ihr volles Auskommen finden können. Dies ist das Z 11 k u n f t s p r 0 g r a m in, zu dessen Durchführung alle aufgefordert werden: Engländer, Araher und Juden. Was aber die aktuellen Streitfragen betrifft, so erklärt Weizmann mit aller Entschiedenheit, daß die jüdische E i n w anderung keinen Augenblick unterbrochen werden darf. Trotz der neuesten Entwicklung erhalten sich immer noch die Gerüchte, es könnte zu einer vorübergehenden Sperrung der Lin- Wanderung 'kommen. Die gewöhnlich gut informierte Zeitschrift ״Great Britain and the Last“ meint, eine Entscheidung darüber sei das ״Geheimnis“ der Regierung; erst wenn die Gewalttaten zu Ende sein werden, werde sich zeigen, ob England die Einwanderung sperrt Dizengoffs (Jeher die _ Bdsdnmgsfeierlichkciten für Dizengoff am5 24. September in Tel-Awiw wird noch berichtet: Die Zahl der Menschen, die dem Leichenbegängnis im Zuge und in dem Spalier auf dem Weg vom- 'Städtischen Museum, wo die Leiche aufgebahrt worden war, bis «im Ra|J1aus beiwohnten, wird auf etwa 120 000 geschätzt. Tiefstes Schwaigen herrschte, wahrend der Zug sich durch die Straßen bewegte. Vor dem Rathaus wurde Hait gemacht und das El inole rachamim rezitiert. Dann bewegte sich der Zug zum Friedhof weiter. An seiner Spitze marschierten die Abteilungen der jüdischen Polizei von Tel-Awiw und der englischen Polizei. Es folgten Ab- Ordnungen des Roten Magen David, die jüdischen Sportverbände Makkabi und Hapoe! in geschlossener Formation, die jüdischen Pfadfinder und die Betarim. Sodann kamen die Schulkinder und Angehörigen der verschiedenen Jugend- Organisationen, ihnen folgten die Mütter, w ie der Verstorbene es in seinem am Todestage veröffentlichten letzten Artikel gewünscht hatte. Vor dem sich anschließenden gewaltigen Zug der Tel-Awiwcr Burg, ischaft schritten der Adjutant des High Commissioners, der Vizebürgermeister von Tel-Awiw, Israel Rokach, der Dislriktskommissar für eien Si'uldistrikt, C r o s b i e, der Kreischef Jaffa, F 0 1 e y, und das Konsularkorps. H inter dem Konsularkorps schritten weitere Polizciabteilungen, dann kamen die mit Kränzen bedeckten Blumenwagen. Unmittelbar vor dem Sarg schritt der Fahrer Di/.engoffs mit einem Kissen, auf dem die Orden des Ver- .Storbcncu ausgeiegt waren. Der schwarzverhüllte Sarg war mit einem Talit bedeckt. Hinter ihm schritten die Delegationen der palästinensischen Verbände. Eine große Gruppe von Scphardim sang Psalmen. Von den dichtbeset/ten Baikons längs der Traiierstraße klang verhaltenes Weinen der Frauen. Infolge der Ueberfüllung ereigneten sich einige Unfälle, bei denen Frauen verletzt wurden. Fine von ihnen mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Ussischkin schüttete die ersten drei Schaufeln Erde in das offene Grab. Nach ihm kamen Mitglieder der Jewish Agency, die überrabbiner, die Mitglieder des Stadtrats und des Waad Leumi. Das Grab des Bürgermeisters befindet sich neben dem seiner vor wenigen Jahren verstorbenen Gattin. Zum Andenken an Mcir Dizengoff soll an der Hebräisehen Universität ein Lehrstuhl geschaffen werden. Der Keren Kajemctli pflanzt einen Wald, der Di/engoffs Namen tragen soll. Das neue Stadtviertel im Osten Te!-Awiw׳s wird den Namen ״Kirjat Meir“ erhalten. י Gedenkfeier. vor dem, Gebäude dec Stadtverwaltung Fotoi R. Weiisenitftio, Tel-Awiw; •Kim F״> ׳*:*׳׳

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