Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 76 (22.9.1936)
- Date
- 1936-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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24 9.1536 ר Nr.76/ Jahrgang 41 Prel* 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAU nnniM aaia! fcfariftleltang,Verla? n. &.nzelgrenverwralttmg: Berlin W15, Melnekoetr.l• Femrtif t Sammel - Nmnm»r J1 (Bkamarck) 9031. — B*tt1£8prels ein»«Hi«Wich Srstellgrki jo Monat RM 2,—, j« Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1*88 b*w. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertriebs . Abteilung? Berlin 71573 (für Gr©8 ״ Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt gesteht kein Anspruch *uf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag and Fmltag. BERLIN ו׳ תשרי תרצ״ז DIENSTAG, 22. SEPTEMBER 1936 Gfiltigf AnxefgenpreUliste Nr. 5, Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder aa bestimmten Plätzen wird keine Gewahr geleistet. Gelegenheit»• anreigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. AnnahmesdhluS für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien ■ Anzeigen am Tug vor Erscheinen 13 Uhr) Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Der Zionismus erstrebt fOr das (Qdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Neue Vermittlung? Vorläufig: kein Krleg:srecht In Palästina Der Kabinettsbeschluß London, 20, September. (JTA.) Am Freitag wurde In London ein Ministerrat abgehalten, bei dem auch die Lage in Palästina eingehend erörtert wurde. Eine Reihe von Vertretern des Kolonienministeriums, unter ihnen der Ständige Unterstaatssekretär Sir John M a f f e y, wurden bei dieser Gelegenheit zu Rate gezogen. Das Kabinett kam zu dem Beschluß, vorläufig das Kriegsrecht in Palästina noch nicht zu verkünden. Fortsetzung: des Streiks? Jerusalem, 20. September. (Palcor.) Die für den 17. September angesetzte Konferenz sämtlicher Streik-Komitees ist von der Regierung verboten w׳orden. Daraufhin fanden am Freitag Sitzungen der örtlichen Streik-Komitees statt, die Uber die Frage der Fortführung des Streiks berieten. Am 19. September trat sodann das Arabische Oberste Komitee zu einer Sitzung zusammen, an der auch eine Reihe Notabler teilnahmen. Es wurde aut Grund der Entscheidungen der lokalen Streik-Komitees beschlossen, den Streik tortzusetzen. (Nach einer Jta-Meldunp aus Jerusalem ist das Arabische Oberste Komitee in dieser Sitzung noch zu keinem endgültigen Beschluß gelangt und hat sich auf den 22. September vertagt.) Besuch in Amman Der High Cotnmissioncr und Generallieutenant Dill begaben sich im Flugzeug nach Amman, wo sie mit dem Emir Abdullah speisten. ״Europapreß“ meidet zu diesem Besuch folgendes aus London: ״Obwohl 'die Organisation einer militärischen Oberleitung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gefördert wird, sieht man in Jerusalem in diesem Besuch einen erneuten Versuch, jegliche Vermittlungsmöglichkeit aut ihre Tragfähigkeit hin zu prüfen, eheeine Entscheidung gefällt wird. Der durch Verhandlungen mit den lokalen arabischen Ausschüssen in seiner Stellung neu gefestigte obere arabische Ausschuß hat, wie verlautet, ebenfalls wiederum Verhand- Jungswege auf Umwegen beschritten. Er hat sich unter Ein- Schaltung des diplomatischen Agenten von Ihn Saud in Kairo an diesen gewandt. Ein Mitglied des arabischen Ausschusses ist am Freitag nach Kairo geflogen, um dort aut diese Weise die Verbindungen mit Ihn Saud aufzunehmen.“ Angebliches Angebot Weizmanns DNB. meldet aus Jerusalem vom 16. September u. a. folgendes: ״Die englische Unterbindung der arabischen Fürstenintervention wird mit britischen Prestigerücksichten erklärt sowie mit der Vorbeugung einer späteren Anmeldung etwaiger panarabischer Ansprüche auf Palästina, denen der gegenwärtige Völkerrechtsstatus ebenso wie die Möglichkeit eines späteren Einschlusses Palästinas in das Imperium entgegensteht. Ebenfalls aus Prestigcriicksichtcn ist nicht mit der von den Arabern verlangten Einwanderungssperre für die Juden vor dem Eintreffen der britisehen Kommission zu rechnen. Der Zionistenführer Wcizmann hat in London, wie bekannt wird, einer vorübergehenden Unterbrechung der jüdischen Einwanderung seihst zugestimmt, die zwar nicht für Kapitalisten, deren die Wirtschaft Palästinas bedürfe, aber für Arbeiter gelten solle angesiehts der jüdischen Arbeitslosen in Palästina. Eine solche, wenn auch nur vorübergehende Einwandcrungssperre soll einen moralischen Augenblickserfolg für die Masse der Araber bedeuten, ohne die jüdischen Belange ernstlich zu stören. Somit dürfte bereits der Endausgang der nun fünf Monate dauernden Streikunruhen erkennbar sein, der vermutlieh nur unwesentliche Acnderungen des Status quo bringen, Polnischer Vorstoß im Mandatsaussckaß Da« Auswanderungs- und Kolontalprobletu In Genf ist am 19. September ein Vorstoß des polnischen Außenministers Bcck erfolgt, der sicli auf das Gebiet der Kolonialfrage bezieht. Minister Reck bekundete dem neu gewählten Vorsitzenden der Mandatskommission Lord H a i 1 e y, sein Vertrauen und sagte bei dieser Gelegenheit: ״Ich gebe bei diesem Anlaß der Hoffnung Ausdruck, daß die ständige Mandatskommission die Möglichkeit einer Erweiterung ihres Kreises prüfe. Dadurch könnte auch eine Vertretung anderer Staaten in der Kommission geschaffen werden, die an den hier erörterten Fragen ein lebhaftes Interesse besitzen.“ Die polnische Presse kommentiert diesen Vorstoß ausführlich. Die offiziöse ״G a z e t a P o 1 s k a“ sagt u. a.: ״Für Polen handelt es sich nicht um irgendein Mithestimmungsrecht in der Frage des Ansiedlungsrechtes für polnische Staatsbürger in Palästina, welche das meiste jedoch beim alten lassen wird, wobei allerdings die Frage offen bleibt, wie die Araber sich abfinden werden.“ Eine Rede Ormsby-Gores ״Europapreß“ meldet aus London: ״Der Kolon ialminister Ormsby-üorc hielt am Donnerstag in Stafford eine Rede, in der er auch auf die Lage in Palästina zu sprechen kam. Er erklärte, die englische Politik könne auf ihrem Weg nicht durch Schüsse auf engiische Soldaten, noch durch Terrorakte und Gewalttätigkeiten abgelenkt werden. Die englische Regierung arbeite tür den Frieden und lasse sich nicht b e irren.“ Verhandlungen 1n Palästina Nach einem Bericht der ״Times“ vom 17. September suchen die arabischen Führer nach einem Ausweg aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten. Mehrere wichtige arabische Führer glauben, daß sie im Falle einer Beendung der ganzen Protestaktion vor dem Einsatz weiteren Militärs in einer stärkeren Position vor der Kgl. Kommission stehen würden, als cs nach einem langen Kampf der Fall wäre, der nur die Nation schwächen und die Sympathien für die arabische Sache vernichten würde. Ein wichtiger Führer drückte es folgendermaßen aus: ״Wir sind jetzt in der Lage, vielleicht 30 0/0 unserer Forderungen durchzusetzen. Wenn wir fortfahren, der Regierung Widerstand zu leisten, können wir vielleicht noch 5 «׳» gewinnen. Aber die Frage ist, ob dieser kleine zusätzliche Gewinn eine Kompensation für den Verlust an Leben und Eigentum darstellen würde, der sich aus dein bewaffneten Widerstand ergäbe, denn wir wissen, daß wir nicht lange gegen die britische Armee kämpfen können.“ Der Berichterstatter der ,,Times“ schreibt, daß man viele solcher Bemerkungen unter denjenigen Arabern hören kann, die verstehen, was es bedeutet, auf dem bisherigen Wege weiter zu gehen. Aber sie und das gewöhnliche Volk fragen immer wieder, ob sie der Regierung vertrauen können, daß sie die Ergebnisse der Untcrsuchungskemmission verwirklichen wird, wenn sie zugunsten der Araber ausfallen, da sie bei so vielen Gelegenheiten solche den Arabern günstige Resultate beiseite geschoben habe. Auch stellen die Araber Vergleiche mit der Behandlung an, die Frankreich Syrien und England Palästina zuteil werden läßt. Das Oberste Arabische Komitee hat eine Botschaft gesandt, in der es der syrischen Delegation in Paris dazu gratuliert, daß sie den neuer! Vertrag erreicht hat, und Frankreich als den Freund der unterdrückten Völker feiert. Das Komitee bemerkt, daß Frankreich jetzt die panarabische Idee aufnimmt, die es früher bekämpft hat, und es drückt die Ansicht aus, daß Frankreich dank seinem Kompromiß mit den Syrern kein Prestige verloren, sondern eher dabei ge- Wonnen hat. Am 17. September setzte nach dem Bericht des Jcrusalcmer Korrespondenten der ״Times“ die Regierung ihre Anstrengungen fort, die Araber zum Abbruch des Streiks zu bewegen. Der Distriktskommissar Mr. Crosbie empfing die arabischen Notabein von Jaffa und trug ihnen die Proklamation des High Coinmissioners an das Oberste Arabische Komitee vom vergangenen Sonnabend vor. Daran schloß sich eine Diskussion, aus der sich ergab, daß die Notabein sich für unfähig erklärten, irgend etwas zu tun, die Situation zu erleichtern, wenn sie nicht ihren Leuten irgendeine kleine Befriedigung ihrer Ansprüche seitens der Regierung bieten könnten. Uebcrdies bekundeten sie ihr Vertrauen zur Füllrung des Obersten Arabischen Komitees. In Jerusalem sprach der Distriktskommissar Mr. Campbell mit 100 Notabein in kleinen Gruppen. Er soll versucht haben, ihre Zusammenarbeit zu einer schnellen Beendigung des Streiks zu erreichen, aber es habe sich herausgestellt, daß sie trotz ihrem starken Friedenswillen nicht von der bisherigen arabischen Position abweichen wollten. Ein Teilnchmer faßte die Situation dahin zusammen, daß zwei Dinge zu berücksichtigen seien, nämlich die Öffentliche Mcinungund die Banden in den Bergen, die beide durch ein einziges Wort der Regierung darüber, dal! die Einwanderung eine Zeitlang gesperrt werden würde, zufriedengestellt werden könnten. unserer Regierung am Herzen hegt. Wo immer auf internationaler Basis Probleme behandelt werden, die mit der ungeheuren Mehrung der überschüssigen Arbeitskräfte zusamatenhängen, hat Polen viel zu sagen.“ Der oppositionelle ״Kurjer W a r s z a w s k i“ weist darauf hin, daß für das ganze Land die Frage der Auswanderung eine vitale Beäcutung besitze. Eine innerpolitische Lösung des bevölkerungspolitisclien Problems gebe es nicht. Es stehe nicht nur die Frage der jüdischen Auswanderung nach Palästina, die besonders wesentlich für Polen sei, zur Debatte, sondern es gehe darüber hinaus um die Gesaintsorge, die sich aus dem übermäßigen Rcvöikerungsüberschuß Polens ergehe. Dieses Thema werde wälirend der jetzigen Sitzung des Völkerbundes noch einmal v'orgebracht werden. * Lord H a i 1 e y, der neue englische Vertreter in der Mandatskommission, stellt im 64. Lebensjahre. Er gehörte in den Jahren 1919 bis 1923 der indischen Regierung als Finanz- Sekretär an und war 1924 bis 1928 Gouverneur des Pundschab. 1928 bis 1930 war er Gouverneur der Vereinigten Provinzen, 1934 wurde er Direktor des African Research Survey. Zwischen den Festen Tage der Besinnung — Zur Lage in Palästina — Polens Palästinainteresse — Um unseren Lebensraum — Die Aufgabe Die Rösch Hasehanah-'Tage waren für das jüdische Volk in allen Teilen der Welt auch in diesem Jahre wahre Tage der Besinnung. Kommt schon iin Ablauf des täglichen Lebens der besondere Charakter des Judenschicksals uns eindringlich zutn Bewußtsein, um wieviel mehr noch in jenen Tagen, die der S e 1 b s t h e s i n n u n g gewidmet sind, die uns unser Dasein als Juden von jeher eindringlieh klarmachten! Heute ist es ja so, daß vieles von dem, was einer früheren Generation abstrakt und in den Bezirkeri des Ideellen schwebend erschien, zu einer Wirklichkeit des realen Lebens geworden ist, daß die Sorgen und Nöte, die aus den Worten der Gebete sprechen, die von vergangenen Geschlechtern geprägt wurden, wieder im Herzen des Menschen nachempfunden werden, weil diese Worte seine eigene Not /um Gegenstand haben. In allen Gemeinden Deutschlands war dieses Gefühl lebendig, und es kam in den Ansprachen zum Ausdruck, die vor vollen Synagogen gehalten wurden, Aber auch über die Grenzen dieses Landes hinaus war Rosch Hasehanah wirklich ein Termin besonderer Bedeutung, offenbart sich doch gerade in diesen Wochen Judennot und Juden- Schicksal in eindringlicher und zu Herz und Gemüt sprechender Weise. * Während der Feiertage blickte das jüdische Volk mit banger Sorge nach Palästina. Der Rosch Hasehanah- Tag selbst ist — wie gemeldet wird — im Lande im großen und ganzen ohne bedeutende Zwischenfälle \ erlaufen. Dennoch gehen Streik und Terror von arabischer Seite aus weiter, und der Terror hat soeben erst wieder ein jüdisches Opfer — diesmal ein Kind — gefordert. Die arabischen Instanzen scheinen nach mancherlei Verhandlungen die Fortführung des Streiks beschlossen zu haben, wobei sie gewiß — wie aus Acußcrungen hervorgeht — unter dem Druck der radikalen Elemente im eigenen Lager und der Terroristen stehen. Die militärischen Vorbereitungen werden indessen fortgesetzt, und dauernd treffen neue militärische Transporte aus England in Haifa ein. Das britische Kabinett, das sicli wiederum mit den Palastina-Problemcn beschäftigte, hat indessen noch keinen Beschluß auf Verhängung des Kriegszustandes gefaßt. Man geht wohl nicht in der Annahme fehl, daß diese Verzögerung auf den Wunsch zurückzuführen ist, noch einmal eine Frist zur g ü 1 - liehen Beilegung des Konflikts auf dem Verhandlungswege zu geben. Die Besprechungen vor und hinter den Kulissen sind in der Tat in den letzten Tagen hesonders eindringlich geführt worden. Ls ist sicher verstandlieh, daß die Mandatsvcnvaltung und das Londoner Kabinett nichts unversucht lassen, um ohne aulierordentliches Blutvergießen den jetzigen Zustand zu liquidieren. Ohne Zweifel gibt cs auch Kreise, die von einem scharfen militärischen Zupacken in Palästina abraten, weil sie für England unangenehme Rückwirkungen in den umliegenden arabischen f. ä n dem befürchten. Dennoch muß man darauf hinweisen, daß der gegenwärtige Zustand durch seine lange Dauer nicht weniger verbitternd wirken muß, und zwar sowohl auf arabischer Seite, die Tag für Tag zahlreiche Todesopfer zu melden hat, wie insbesondere נ in jüdischen Jischuw, dessen Geduld und Disziplin auf eine allzu harte Probe gestellt werden. Das Palästina-Problem als solches scheint auch auf der gerade jetzt in G e n f beginnenden Tagung des Völkerbundes eine gewisse Rolle spielen zu sollen. Die Initiative hierzu geht von Polen aus, das bekanntlieh schon seit längerer Zeit auf dem Gebiet der Kolonial-Politik Aktivität entfaltet und in diesem Zusammenhange das polnische Judenproblem als eines seiner stärksten Argumente ins Treffen führt. Wir haben erst in der vorigen Ausgabe über die Intervention des polnischen Botschafters in London in der Frage der Einwanderungssperre sowie über die Verhandlungen Jabotinskys in Warschau und den von ihm vorgeVgten Ausvvanderungsplan berichtet. Nunmehr scheint es, daß Polen, um seine kolonialen Ansprüche stärker zu fundie״ ren, einen Sitz in der Mandatskommission fordert. Dabei handelt es gewiß zunächst aus eigenem In• teresse, und dies wird auch in den Kommentaren der polnischen Presse betont. Soweit jedoch die Judenfrage hierbei eine Rolle spielt, zeigt es sich, daß gerade auf diesem Gebiete eine Kooperation der Weltmächte