Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 74-75 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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ייוויויוויממיייי״ז P» B| 1f .V1 Seite 20 JÖDISCHE RUNDSCHAU Wie ^eNialie ieh den §chaR»bal? Für Schabbat, 19. September Wochenabschnitt: ״Hsasinu“ IV. B. M. Kap. 32, 1—52. I. Wir beginnen den Oneg Schabbat mit dem Lernen der Haftarah, deren erstes Wort unserem Schabbat den Namen gegeben hat und schließen eine Unterhaltung über Sinn und Bedeutung der Umkehr an. Als Literatur empfehlen wir aus dem Buche ״Sendung und Schicksal“ das Kapitel ״Uebcr Ruße“ (S.!03 -21-1), aus Martin Huber ״Die chassidischen Geschichten“ den Abschnitt ״Von der Umkehr“, hörtgeschritteneren empfehlen wir, die ״Hilchot Tschuwa“ des Rambarn zu lernen, die in einem leichten und schönen Mebräisch geschrieben sind und das Wesen der Tschuwa klar herausarbeiten. Auszüge sind im Arbeitsplan ״Jamim Noraim“ übersetzt, zusammen mit wichtigem anderem Quellenmaterial zu dieser Frage (S. 100-115). II. Wir werden uns weiterhin mit der Vorbereitung des ״Jom I lakippurim“ befassen und uns zunächst über das Kol- N'idre-( iebet unterhalten und darüber, welche Rolle die falsche Interpretation dieses Gebietes in unserer Geschichte gespielt hat.!)er oben erwähnte Arbeitsplan enthält viel Stoff gerade zu dieser Frage (>. Ql— OS). Wir versuchen dann ein lebendiges Bild von der ״Awoda“ zu geben und an Hand der Schilderung des Machsor lierauszuarbeiteu, wie der ״Jom Kippur“ durch die Awodn den Charakter eines großen Festes erhielt, an dem das ganze Volk Anteil nahm.’Zum Schluß lesen wir dann die Haftarah von ״loin Km'iitr“, leschaja (57, 11 -5S, 11) vor und analysieren sie;m Hand des oben erwähnten Planes. Aeitere werden sich vielleicht noch über die Rolle dieser Haftarah in der Auseinandersetzung zwischen dem gesetzestreuen und Reform-ludentuin unterhalten, wobei sich I. E. geset die Thesen aus dem Text ergeben. Rückschau und Einkehr Der kommende Sehabhat ist der Scbabbat der Einkehr, der T e s c h u w a, mul der Besinnung über unsere Taten. Wir wollen deshalb eine Rückschau über die Ereignisse des letzten Jahres int inncrjüdischen Bezirk Italien, W’jr werden dabei von dem nrjudischcn Oedanken atis/ugehcn haben, daß die Teschttwa noch vor der Erschaffung der Welt vorhandelt war, daII sic sozusagen zu den 1 'rbcständen des kosmischen Abw irklüiigspro/esscs gehört lind eines der Fundamente der präexistenten Welt war. -.- Wir werden uns in diesem Zusammenhänge zu fragen halten, ob wir uns in all den Jahren innerer wie .äußerer Not als Juden bewährt haben, ob unsere Einkehr eine wahre und innerliche war, ob wir zu den Urelemente•! unseres Judeseins zuruekgekehrt sind. War die Erkenntnis unserer Schuld und unserer Verfehlungen nur eine äußere, ein Bekenntnis der Lippen, die zur Feststellung eines Tatbestandes geführt hat oder hatte sie eine tiefe innere Erschütterung zur Folgt■ und sind wir von der Erkenntnis unseres wahren Zustandes tief erfaßt und ergriffen worden? Ist Judentum und Palästina für uns weiterhin ein bloßer Begriff geblieben, eine Rettung aus der momentanen äußeren Not, oder bedeuten sie mehr als das? Haben sie uns zur inneren Finkehr, zur Rückkehr zu unserem Ursprung, zur eigenen Wurzel geführt? War damit ein innerer Prozeß des organischen Werdens, ein Hineinwaehsen in die Volksgan/heit verbunden? Wir dürfen in Palästina nicht nur das Judenland par exellence sehen, das Fand der Tradition und der jetzigen Immigration, der Zuflucht vor den Nöten des Tages, sondern es wird zum geheiligten Roden der in ner e 11 F inkehr, zmn lande d e s b e w 11 fi t e n J 11 d e s e i n s ohne jede Voraussetzung, es wird znrn gemeinschaftsbildenden Faktor und zur s c h ö p f e r i s c h 0 n 1 d e e des Judentiims, hinter dein der lebendige jüdische Mensch steht. Zu dieser wahren Erkenntnis kann uns niemand so verhelfen wie der ständige Mahner lind Künder dieser Wahrheilen Martin Huber, dessen Ruch ״Die Stunde und die Erkenntnis“ (Sehocken-Verlag, 1936) wir in diesem Zusammenhang zum Thema der Besprechung machen werden. Mit elementarer Gewalt zwingt uns hier Ruber zum Aufhorrnen und?um Ablegen einer inneren Rechenschaft, indem er uns unsere Verantwortung eiitgegenlialt, uns vorbehaltlos nach unserer jüdischen Haltung fragt und zum bedingungslosen Erfüllen aufruft. Wir müssen vor allem Gemeinschaft üben und IJ11mittelbarkeit wahren, denn uns ist das Tin! als Aufgabe gegelien. Nur ans eigenen Urkräften heraus kann die innere Wiedergeburt des jüdischen Geistes erfolgen. Die folgenden Abschnitte des obigen Ruches werden bein, die Stellung Huberts klar lu’rauszuarhei- Erneuerung‘‘ (s. 2? f.), ״Freiheit lind Auf- ״r |mie in der We't1 ״'S. 11 f.l, ,Trkenntö, ״Die 1 .ehre und die Tat“ (S, 01 ff.), ״Ril- .haiiung“ (S. H i ff ). J.M. sonders geeignet - teil: ״Gericht;1 ml gäbe“ (S. ii f 1, .. 11 is tut not" (b. 57 düng und Wclim! Aus dem Reich Von unseren BorichieMiiatUrn Buchen (Ö.uL K■! K ofth us. Ami!e .,[m k ruj•: um I’: > Rostock. A:n '. S; er S■ 1;av׳ A (): Ankündigungen Harburg* Wtlhc!m«hurg: Zion. Ort•״־ruppc. An l'hi, im י icmf׳i,,d-.׳l׳,u1m, \’nnu!־!<! ׳. H. Brol tUK i Ikwdh 22. A׳׳!itoui! stin.i-Mnmu .1 n-tulHin^vi Zn<;. Am rr! hu, 2 T Mi Kirz 1'M.fuj krvn 1!;י!!. Am um 20.45 I hr 21. S< ל׳! t'inlßT. ■iptTl, < A־f f Kopk t| 1ri-f. Straliund: /<>H. Am im י ienit'infl! ziniMno , T.:1n^p>;M\ 09 ,,PaA-זinri Mbthrrnsi <lrr 1’p.Mihen; ׳■uv.,! L! vmi׳tlen jn wähl! dir ״r und l.fiuur M’t rtheimer. 1: 1 i vs׳ n r 1 vlnT dus Thema: i;C /T M■ M־h 11׳ '־!■ /.< >H. e!n<‘n Oneg Kr׳•/ I-t.ud ^־'widmet war. 22. September, 20.30 v Hamburg: ,.Kampf in d;us<-n Ihiptip‘. —י Kblnt ZOG. Am;intmhing. X'orbiiirung der neuesten Palä- 21־. September AK»■<11׳ ^kr<׳iי. Heide Verim Heim, (Tri!r. 18-22. — Stettin: 2<l30 I dir, Frmdri, h-Kar!-Str. 3. Hof, >w-k! bcriuhu’t über seine Palästina- 20. Scptrrr»l>cr. 20.30 Fht, Vortrag (ienig Kn|-n׳dlnwbki, Stettin, iiHer: ein Rui-olwrirh:‘‘. Familien - Nachrichten IIt־!r Max I m;1 A יי I-. 1, Krimi, Xeuworksfr. 9. begeht am 24. Sep- I<־mbrt dt n 70, ( ׳vhurtx■?,!״. l’-au!״•«•lim* K au i mann. »uh. I.azar, Trier, Saarstr. 23. begeht am 20. September th׳n 75. GH״!rl*t ng. Flau Maibna Mayer Wwc., Plauen (Vogt!.), Tischendorfstr. 12, (zur /.ei! )!<dland-S< hrveningen, Leuvcn-eheOraat 35, bei Groß), beging am 15. September den 70. Geburtstag. Bar Mizwah -Termine Am 19. Sr: 1 ■ <■ 1 -1 3) 1׳, Tw-lui): Heinz. I! a u rn, Solm von Leopold Baum, Uiltnßu g. lllu ׳, eusl.alie. — Kal Gans, Sohn von Sallv (ßn>, 11anibuig. - Walit-r < 1! u n ׳. t e i n. Solm von Allred Grünstein, Kunkturi ,1111 Main, l1.׳rk.-tr. 5. — Sascha Sch eiermann, Sohn von Rafael Scheitrmann, Oflcnburg, GildastraÄe. Nr. 74/75, 16. IX. 1936 Karlsbader Brief Karlsbad, im September 1936 In den Zeitungen ist in den letzten Tagen ein Streit darüber entstanden, ob die Saison in Karlsbad gut war oder unbefriedigend. In der Tat ist zu konstatieren, daß die Zahl der Besucher sich wesentlich verringert hat und da bekanntlieh ein großer Prozentsatz der Kurgäste dem Judentum angehört, so ist auch das jüdische Element in dieser Saison weniger hervorgetreten. Auch aus Palästina, das im vorigen Jahr Tausende von Besuchern in die böhmischen Bäder geschickt hat, sind in diesem Jahr nur einige hundert gekommen, und zwar meistens ohne Frau und Kind. Immerhin haben sich eine ganze Reihe prominenter jüdischer Person-!ichLeiten an unseren (.)ließen gesundgetrunken. Dr. Wcizmann war irn Gegensatz zu früheren Jahren nur zwei Wochen hier. Am jüdischen aktiven Leben hat er nicht teilgetrommen, weil er nur seiner Erholung leben mußte. Ebenso hat der Ar/t Ussischkin jede Teilnahme an dem hier kräftig pulsierenden jüdischen Lehen verboten. Dagegen hat David J c 11 i n, den wir ebenfalls hier wieder begrüßen konnten, an jeder Tagung der zionistischen Ortsgruppe teilgenommen und wiederholt selbst am Rednerpult gestanden. Die zionistische Ortsgruppe Karlsbad kann nicht mit irgendeiner Provinz-Ortsgruppe verglichen werden. Die berühmten Donncrstag-Abcndc weisen eine vielhundertköpfige Ztihörerschar aus allen Teilen der Welt auf. Die pro minentesten Juden stellen sieh für Vorträge zur Verfügung, denen meistens eine auf hohem Niveau stehende Diskussion folgt. So hörten wir den Oberrabbiner von Schweden, Dr. Ehrenpreis, den Her/I-Biographen Dr. Nussenhlatt, den Statistiker Jacob L e s t s c 11 i n s k y, Dr. W o 1 f s b e r g, jetzt Jerusalem, und viele andere. Die bekannten Gestalten aus den polnischen Juden- Zentren waren diesmal in weit geringerer Zahl auf der Promenade zu sehen. Der W i s c h 11 i t z e r Rebbe hat mit gro- Bern Gefolge wie alljährlich hier wieder Wohnung genommen. Ein Freilag- oder Sonnabend-Abend bei ihm und seinen Anhängern hinterläßt dem westeuropäischen Juden einen unvergeßlichen Eindruck. Schon der Gottesdienst am Freitag- Abend, den der Wischnitzer Rebbe leitet und an dem Hunderte seiner Getreuen in dem Saal des Hotels, in dem er abgestiegen ist, teilnclunen, ist ein Erlebnis. Einer der Betenden schlägt sich an die Brust, ein anderer hebt die Arme zum Himmel, ein dritter rennt mit dem Kopf gegen die Wand, ein vierter geilt beim Beten ruhelos hin und her und das überaus laute Gebet erfüllt den Saal. Unwillkürlich fiel mir eine kleine Episode ein. Als Hermann Struck, der übrigens auch hier war, während des Krieges in einem polnischjüdischen Städtchen mit dem Dichter Eulenberg die Svnagogc besuchte, sagte letzterer: Hier habe ich den Begriff ״der betenden Gemeinde“ erfaßt. Nach dem Gottesdienst hält der Wischnitzer für seine Getreuen in einem intimen Zimmer Hof. Etwa fünfzig Chassidim sehen zu, wie ihm die Speisen vorgelegt werden. Er selbst genießt von all dem nur ganz winzige Brocken und sofort stürzen Dutzende seiner Anhänger auf den Rest, um vom Tisch des Rabbi gegessen zu haben. Wundervolle chassi- Gische Melodien werden von ihm selbst, der übrigens recht musikalisch ist, und von seinen Oabboim angestimmt Natürlich soll der Gottesdienst in der prächtigen Svnagoge keineswegs herabgemindert werden. Im Gegenteil, zu den Freitag-Abenden drängen sich die Kurgäste 111 solcher Zahl, daß der Betraum bei weitem nicht die Anzahl der Beter fassen kann und HundcHe in den Gängen stehen müssen. Der greise Rabbiner Dr. Ziegler versteht es aber auch, die Zuhörer mit seinen gehaltvollen Predigten, die er während der Saison an allen Freitag-Abenden hält, zu fesseln. Und wahrlieh, er hat ein sachverständiges Publikum vor sich. An einem Freitag-Abend konnte man den Oberrabbiner von Schweden, Dr. Ehrenpreis, den Oberrabbiner von Jugoslawien, Senator Dr. A I c a 1 a i, den Oberrabbiner von Rumänien, Senator Dr. Niomirowtr und zahlreiche andere Rabbiner sowohl aus Deutschland als aus anderen Ländern bemerken, Es ist erstaunlich, mit welcher geistigen und körperliehen Frische dieser Seelsorger, der nächster Tage seinen o. Geburtstag feiert, sich den Institutionen der Gemeinde widmet. Seine größte Fürsorge schenkt er dem von ihm gesihaffeneii Altenheim, zu dessen Gunsten er auch dieses Jahr wieder ein Konzert mit Tombola veranstaltet hat, und zu dem er ״alle, die reinen Herzens und guten Willens sind“, einlud. Auch ein Blumentag ist von der Bezirksbehörde dem Altenheim gestattet worden. Die Wizo, die sich einer sehr rührigen Leitung erfreut, hat cs ebenfalls an Aktivität nicht fehlen lassen. Heitere Abende, Konzerte und Tanztees sind von ihr arrangiert worden und haben der Kasse erhebliche Einnahmen eingebracht. Fs bleiben noch die Mittwoch-Abende der Loge ״K a r 1 s b a d“ zu erwähnen, die auch ein zahlreiches Publikum aus aller Herren Länder bei sich sehen, das den Rednern, die meistens aktuelle jüdische Themata behandelten, aufmerksam zuhörte. W. DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Alle Rechte Vorbehalten Ch. Wlnawer W’rfiol maaminini Nachdruck verboten mes. mesmi. nim, ms - «י• mi rnJ. mt . rr>777 *>'<7)0! mst. mt . _ _ _ 71 * MV drei f ms-S. m! .mn* mss.mi.ni7n rtefyol rn im W’sseroe lefonedio JLs»nqs7tm Ar ie./o ■K-fc.—״v V-5.s־<* - rc «7. . Jtp . Jo e . o _ Je sei J7S — 1 ז ז ז t'v . ro cm Or<>t _ .rtu ctSfsCfyek A* - *H*> TI n o. eftj*S srh n flirr oj Je - jo _ ne.ctyo_ s-kede! fc)]eoJ<sd 1 Zum Tode von Max Widetzky. Mit Max Widcfzky, dem in Berlin bekannten und geschätzten jüdischen Konipo■ nisten, Sänger und Dirigenten, der vor kurzem in Nauheim einem schweren Herzleiden erlegen ist, ist eine interessante Persönlichkeit dahingegangen. Als Kind schon war er in seiner Vaterstadt Riga, die so auffallend viele musikalische Talente hervorgebracht hat, als ״Wunderkantor“ angestaunt. In Berlin studierte er bei Max Loewcngard und Eduard Behm Musik, und in Mailand bildete er sich zum Sänger aus. Sein Ehrgeiz aber richtete sich vor allem auf die Komposition. Leider gehörte er zu denjenigen Künstlern, die, nachdem sie Wertvolles geschaffen, nicht mehr danacli fragen, nicht nach einem Verleger jagen, um dem Druck die ״Ewigkeit“ und den Ruhm abzutrotzen, und schon zu einem neuen Werk eilen. So kommt es, daß eine Menge schöner Lieder (von denen ich die auf Goethesehe Texte hervorhebe, die mir schon vor zwanzig Jahren durch ihre tiefe Gestaltung auf fielen), Chöre und Orchestemummem den ungedruckten Nachlaß bilden. — Als spezifisch jüdischer Tonsetzer wirkte er in Vorträgen, in denen er als eindringlieber Redner und Sänger sich gab, und als Bearbeiter vieler jüdischer Volkslieder. — Lieber alle seine Tätigkeit aber strahlte von innen eine suchende, ringende Seele. Er war, trotz seinem ewig höflichen Lächeln, der Lehre Schapenhauers ergeben, und so ist es begreiflich, daß er den Gemischten Chor ״Sonne“ (mit Orchester) von John Galsworthy als seinen Totengesang bezcichnctc. ״In dieser Welt, wo Leben wächst aus Tod, wo vor dem Los des Sterbens keiner frei, wo Kampf Gesetz, ist... sing ich der Sonne Preis“ heißt es darin. Und ferner: ״Senkt man mich zur Ruh, o du, geliebte Sonne, deck mich zu.“ — Mögen jüdische Sänger und Konzertvercinigungen sich der vielen teilweise vorzüglichen Schöpfungen Widetzkys annchmen, bevor sie in unverdiente Vergessenheit geraten. Vor allem müßte recht bald die oben erwähnte Chorkomposition aufgeführt werden, die eine glückliche Mischung von stilreinem Klassizismus und gewagter Modernität darstellt. Arno Nadel - ro.jjom o >0irtU ejs cJiji-rfoA ie.no. Vor» den ימים 11ראים-Gesängen in der ostjüdisdien Schul Schon der Alltag des Ostjuden ist erfüllt von Melodien. So hat jeder seinen Nigtin für gute und böse Zeiten, den er vor sich hinsummt in der Stille seiner Stube; es gibt für jede Cieiegenheit eine Tonart, die sieh schon kundtut in den Gesprächen des Alltags, und wenn der Jude, dem Profanen der Umwelt entronnen, sich dem Studium der Schrift hingibt, so erklingt, kaum daß das ״Sefer“ aufgcschlagcn ist, schon der bekannte ״Gemore-Nigun“. — Kommen nun die ״Jomtoiwim“ in das ostjüdische ״Stadt!“, rückt gar der Monat Elul heran, so eilen den heiligen Feiertagen schon als erste Boten die besonderen Festtags-Nigunim voraus: ein Singen und Klingen erhebt sich schon in aller Frühe aus den Fenstern der kleinen Judenhäuser, und erst zwischen Mincha und Maariw, wenn der Roseh Haschono-Nussach zum ersten Male hinausdringt in die Gasse, wird einem schon sehr ״elukiig׳• zumut: das sind die Baalc-Tefilla, die da mit ihren ״Meschorerim“ (— Sängern) die Joritef-Nigunim einiiben. Diese Elul-Stimmung im jüdischen Städtl ergreift alle seine Bewohner, der Klang des Scholars, den der Bläser übend durch die Gasse schickt, läßt eine Ahnung von der ehrfürchtigen Schwere der ״lomim noiroim“ aufsteigen, die alle erfaßt, auch den ״poscheten“ kleinen Mann in seiner Werkstatt, und wenn man in dieser! Tagen durch die Judengäßchen kommt, ist es durchaus nichts Besonderes, den Schuster beim N •!schlagen ein Jontef-Nigundi summen zu hören, und auch der Schneider brummt sich eine von den Tefilla-Melodien, die er dem übenden Vorbeter abgelauscht hat. Die Gebete der hohen Feiertage sind voll von Melodien eigener Prägung; ״Schaeharis“ und ״Mussaf“ bergen einen Schatz an jontefdigen ״Nusschaoth“. In der Schul des Ostens herrscht der Brauch, bei bestimmten Absehnil ten des Gebets, — so z. B. bei Wiederholung der ״Schmone-Fsre“ durch den Chasan, — mit eiir/ustimmen, um den Vorbeter, der bei seinem Roseh Hasehono-Mu--saf eine anstrengende Leistung zu vollbringen hat, 711 unterstützen. Das ,,Weehol maaminini“ unseres heutigen Singblattes ist solch eine typische Steile, sie wird von den Betenden ais Einleitung zu jedem ״Weehol maaminin1“-Vers gesungen und leitet den Nussach des ״Weehol maam!nim“-Re/itafivs ein, — eine charakteristische jüdischliturgische Melodie. (Das ״Weehol maaminini“, wie man es hierzulande zu singen pflegt, ist im Osten völlig unbekannt, dort, wird es gerade in einem bekannten Nussach vom Kantor rezitiert.) Unser zweiter Jontef-Nigun, das ״Wsscorew lefonecno“ (aus der Mussaf-Schmonc-Fsre), das, wie mir scheint, von Nisje Belser stammt, — einem berühmten Chasan aus Berdytschew, dem Verfasser zahlreicher wertvoller synagogafer Koni- Positionen —, ist ein im Osten besonders beliebtes ״Stückl“, das, mit seinen Terzen, seinen besonderen Reiz entfaltet, wenn es von Knaben stimmen gesungen erklingt. Es ist ein Glanzstück alter synagogaler Musik des Ostens, die eine besondere Vorliebe für" Terz-Begleitungen zeigte, auch paßt sich die Melodie dein Text des Gebetes in nahezu vollendeter Weise an. Beides sind noch nicht gedruckte Original-Melodien. Chem jo Winawer Ich hab• Interessenten für I. Hypotheken Werner Pinner, Bankgeschäft Berlin NW 7, Unter den Undtn 40-41 / A6 0*2«