Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1936)
- Date
- 1936-09-11
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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JODISCHE RUNDSCHAU NR. 73, 11. SEPTEMBER 1934 Aufruf zur Mitarbeit Die Dritte Beethovens unter Steinberg Orchesterkonzert im Kulturbund Das Erlebnis des Abends war die Reethovctt-Sinfonie. Steinberg kümmerte sicli wenig um die ״Gloriole der Dämonie“, die populäre Schriftsfeiler um den Komponisten gewoben haben, um das gedankliche Programm, das angeblich da sein soll. Für ihn galt allein das wunderbare Werk des Baumeisters, das gestaltete Material. Man fühlte beglückt, daß er über das Erlebnis der Zeitgenossen — vielleicht Strawinsky —, durch das fast unsere ganze musikalische Vorgangcnlieit mit einem Schlage erleuchtet wurde, zu Beethoven gekommen ist: er zeigte Beethoven als den großen Rlivlhmiker, den größten, den es bisher gegeben hat, — Rhythmus d. h. hier: gespannter Bewegungsablauf der motivischen, harmonischen, sowie auch der instnimentelleii Arbeit. So werden die Zeiten übersprungen: Beethoven gehört zu uns. Da werden obstinate Bläserakkorde und Begleitfiguren, schrillste Sekuiulschlüge (Durchführung des ersten Satzes), schärfste Härten der Stimmführung, erbarmungslose Kontra• te <lcr l.autstufung klar, hcrausgesteilt und ganz simple, sonst vielleicht triviale Motive und Figuren, aus denen kühn rhythmisch durchpulste Flächen aufgerichtet sind. Die stärksten Eindrücke der Sfeiuhergschen Interpretation gingen von dem C-Dur-Teil des Tratimiiarsehos aus, mit seiner edlen 1 lolzbläsermelodie und seiner ergänzenden Streicher- Stützung, dem Scherzo, in dem eine melodische Linie ans nichts als reiner Bewegung aufsteigt, dem letzten Satz, dein Rondo, das Beethovens geniale Verwandlungs- und Vaiiierungskunst geschaffen hat. Es folgte eine D-Dur-Si 11 fonie von Mozart (KV. 50-1), ein ganz reifes Werk. Es hat einen herrlichen Mittelsatz, voll Ueherirdischkeit, fast verhauchend, alles nur angedeutet, mit einem Ton, einer kurzen Rh rase, einem zarten Akkord, einer Bläsermischung. Steinberg liel! sie anders spielen als wir gewöhnt sind: er gab dem Mozartsclien Temperament eine straffere Haltung. So nahm er die Forti mit Furor, und die balancierte Hurtigkeit des letzten Satzes mit ernster Exaktheit. Am Beginn des Abends stand wieder das Concerto grosso von Ernest Bloch, dies geschickt geformte Werk (es wurde anläßlich des ersten Stciiiberg-Kcm/crtcs besprochen), dessen gute Klangwirkungen eklektische Teile nicht beleben können. ,Man hält sich an den ersten Satz, dessen Geschlossenheit auch mehrmaliges Hören verträgt. Dr. Hans Nathan Musikalische Reisebifder. Es war ein guter Einfall Dr. Anneliese Landaus, für ihren letzten Sommervortrag das bezeichnende Thema ,,Musikalische 1<ei>ebilder“ zu wählen. Sie schritt leichtfüßig die Reihe der Komponisten ab, deren Musik in Beziehung zu Landschaften steht; das Problem allgemeiner, unterirdischer Bindungen und stiller Preisungen der wachsenden Welt schloß sie aus und hielt sich im wesentlichen an Stücke, die durch einen Text oder eine Ueberschritt eindeutig gekennzeichnet waren. So erwähnte sie ein Harzlied von Schubert, Khcinlicder von Schumann, auch eine Rheinische Sinfonie, Vcnctianischc Gondellieder von Mendelssohn, Liszts musikalisches Tagebuch seiner Rcisei! mit Marie d’Agoult in der Schweiz, in Italien, ferner — um auch die Gegenwart nicht zu vergessen — das Reisetagebuch aus den österreichischen Alpen von Ernst Krcnek u. a. Walter Olitzki sang; seiner Stimme ist alles Charokteristisclie angemessen; Kreneks vergnügliche Genrebilder erhielten so besondere Pointen. Wolfgang Rose ist ein vorzüglicher Begleiter. Seine Qualitäten entfaltete er erst ganz als Solist; er spielte Liszt, sehr geistreiche Klangbilder aus den ״Annees de Rele!inage“. Seine Art ist hesteelieiul sauber; er spielt alles aus, bis zu Ende, durehdringt jeden Winkel der Form, bringt Läufe, Passagen mit Disziplin der Schnelligkeit und des Gewichts. Dabei bleibt er etwas kühl — was keinesfalls unbeteiligt heißt sein Ton ist bestimmt und sachlich; er hat schon bewiesen, daß die Mechanik Toclischer Stücke durch dies e Art seines Spiels eine fast restlos adäquate Wiedergabe erfährt. D. H. N. Zwei große Versammlungen der BZV. Wie stark das Bedürfnis großer Kreise des Berliner Judentums ist, zu den gegenwärtigen Ereignissen in Palästina Stellung zu nehmen, bewiesen die beiden Kundgebungen, die die Berliner Zionistische Vereinigung am vergangenen Montag und Dienstag veranstaltete. Beide Versammlmigen waren überfüllt und hinterließen bei allen Teilnehmern einen außerordentlich tiefen Eindruck. Am Montagabend sprach im liackeschen Hof Dr. Franz Meyer in mitreißender Rede von der neuen Beziehung, die die Juden in den letzten Jahren zu Palästina gewonnen haben und der gestiegenen Verantwortung für das Aufbauwerk. Er schilderte die politische Bedeutung und den moralischen Eindruck, den die Zurückhaltung des Jischuw in der Welt hinter• Kulturausstellung der Berliner Zionistischen Vereinigung 6.—13. September, Logcnhaus,Klciststr. 10 Geöffnet täglich von 9 — 22 ühr IViir noch Ms zum 13. Sept. geöffnet 9-33 Uhr Jederaelt sachverständige Führungen Eintrittskarten: RVf -.50; für Mitglieder der BZV (mit Mitgliedskarte) RM -.40; Erwerbslose (Ausw.) RM-.20 Sonnabend, 12. Scpt., bleibt die Kasse bis Sdnabbnt- Ausgang geschlossen. Die Ausstellung kann nur mit im Yorvcrk. erworbenen Karten besudit werden. Vorvcrlta 11 fssteilen t Mclnekestraßc 10 (Laden), BZV»Helm, Kantstr.54, Papierhandltf. IJppmann.TrnuCcnaustjr. 10, Buchverleih Rekord, Charlottenburjf, Berliner Straße 49, Komiitorci Hnnsn, r1cn*bur«(c*r Str. 19, Atlantic rxpresn,rriedrhhs(r.l(W, Butblmndhing Salles, Crenncllcrstr.30, Budshnndl^.tionyer, Oranienburger Str.20, Papierges1i*iift Hepner. Inscbtr. 8a, Rest. Klmrlfcld, Koscnthalcr Str. 32, Schwall», Neukölln,!!ermannstr. 46, Felg, Strausberger Str. 24 BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG lassen hat, eine Disziplin, die nicht Selbstzweck war, sondern um dcreruilh'ii geübt wurde, für die das Land offcngehaltcn werden soll. I)r. Mevcr nannte auch die• Schwierigkeiten, die uns in der körn inenden Zeit erwarten werden und denen wir ins Auge scheu müssen. Andererseits ist unser Reciit auf Palästina yerbiicft, mul wir werden es nicht preisgehen. Das Ziel jedoch ist, über diese Periode hinweg zu einem W ege f r i ed I i e I! e r V e r s t ä :1 d i g 11 11 g zu gelangen. Alles aber bängt davon ab, ob die Juden der Golali die richtige Antwort auf die Ereignisse geben. Wir müssen mit aller Kraft die palästinensische Wirtschaft stark machen, damit d e r VC' e g z u w eite r e r E i n \v ander u n jg offen bleibt; hier liegt eine der wichtigsten Forderungen dieser Tage. ln Fortsetzung dieser Gedanken entwickelte Dr. Hans Friedenthal die Bedeutung der zioiLstisclum Idee im modernen jüdischen Leben. Wir leiden an dem Mangel, daf) wir nicht zu einer einheitlichen Wülenshiidiing gelangen, u.ie Schwäche, die als eine DegenerationscreclK'ümiig der (üil 11:11 zu erklären ist und durch die Erziehung zum /.iuiiisiuu.s überwunden wurden muß. 111 temperamentvoller Weise set/ie si! h der Redner mit den jüdischen Gruppen auseinander, die immer muh keine posilive Einstellung zu PalaMüia gefunden haben. Wir alle müssen uns darüber klar sein, daß wir die Aufgabe Palästina nur meistern können, wenn alle ihre Pflicht erkennen. Die Tatsache, daß die Judi'iifrage nur mit politischen Mitteln gelöst werden kann, untersti ich Dr. Joachim Prinz Wir können nicht be-fehen, wenn wir nicht an uns selber glauben; und wir stehen :1;1 Abgrmiel, wenn wir uns nicht selber hellen, Damm ist es die peile I r/iehuiigsaufgabe, d e n J 11 d e 11 11 e 11 Gl a 11 b e 11 w 1 e d e r / 11 g e b e n, daß man siel! selbst aus dem (n;]!1s 1k freien kann und daß es einen Weg zur Wiede!gelnirt!gibt. 111 dieser Zeis als Nicht- Zionist zu leben, nicht am Aufbau des l aiuies teil/unehmeu, ist sehr kkigl!eil: cs ist Radosigkeit, Die meisten unter Uns wissen noch nicht, daß es ein Gluck ist, in diesem jüdischen Volk zu leben. Solidarität;st die g!oi!e Forcierung der Stunde, und 711 gleich muß ein jeder das (iefuhi dafür bekommen, dall uns ein Reciit auf Palästina zustellt. In der Kundgebung im Brüdcivereimshaus sprach als erster Dr. Joachim Prinz, der wiederum eingehend die politische Lage analysierte und die Juden zu einer entschiedenen Haltung aufforcierte. Dr. Michael Traub wies in seinem Referat darauf hin, daß die Entscheidung der Engländer nicht mir erfolgt wäre, weil die Juden in England großen Einfluß ausgeübt hätten. Man entsende Truppen nicht nach Palästina, weil man den Juden einen Gefallen tun wolle. Das Prestige des englischen Imperiums war bedroht. Dies habe man in England sehr deutlich gefühlt und habe sich deswegen zu so schwerwiegenden Schritten entschieden. Nach dem Ansgang des italienisch-abessinisclien Konflikts und nach dem Zunickwcieiien in Aegvpfeti sei cs England unmöglich gewesen, noch einmal eine Niederlage hinzuudimeri, Dr. Traub wies auf die Widerskmdsfäliigkcif des Jischmv während der Unruhen hin. In eindrucksvoller Weise schilderte er das tägliche Leben in verschiedenen jüdischen Siedlungen: am Tage bei der Arbeit, nachts auf Wache. Der Jischuw kämpft heute nicht für sich seihet. Denn wenn es sich nur um seine eigene Ruhe mul Sieherhcit lianJeln wurde, könne er sie nach. 21 Stunden durch Ver/ichl auf weitere Liinvatulerillig haben. Nicht darum handle es sich, sondern der Jischuw sei der V o r 1; ä in p f e r d e .s g e s :1 in t e 11 j ü d i s c h e 11 Volkes in der Golah, dem er weitere L.inwamlerimgsinöglichkeiten offeulialti-11 wolle. Heine wende *der [isdiuw sieh an die ganze Welt und fordere von den Juden in der Golali, daß der Kampf um Lihaittuig und Fvitsctziuig des Aufbau- Gottesdienst der Berliner־ Zionistischen Vereinigung und des Misrachi an den hohen Feiertagen in den Raumen der ZViD Melnekeslr. IO Karten nur noch zum Preise von XX 4.- und 5.-. VorverKoui in der Anzener.annonme der Jüdischen Kundschau. McänPkefiraSe IO Ferner veranstaltet die BZV Gottesdienste noch altem kitus in Ihren Heimen: *־ BrUckenslr. 9 Vorverkauf bei hepner,!nseistraSe 60, und bei Silber, Lothringer Straße CO Kanislr. 54 Vorverkauf fm Heim und In der Anzeigenannahme der Jüdischen Rundschau, MeineKestr. IO Rosenlhaler Str. 44 Vorverkauf in der Buchhendluna Salles, ürenodierstr. 30, und bei Meytlnnrdf Nach!., posemhaler Strafte 42 Preise der Plätze: JUt 1.-, 2..- und 3,- lm Beeihoven-Saal Köthener Straße 32 Predigt: Rabb. Dr. Joachim Prinz Karten zu XJt und 10.— in den V orverkau t s s teil en: MeineKestr. 10 (Laden), BZV-Heim;Kanfsfr. 54 Uppmann, Troutenausfi. 10, Atlantic Express, Priedrichsfr. 100, Kondlt. Hansa, Flensburger Sfr. 10 Klavierstimmer PEREZ, 62 Steglitz 1®*0 .mt Restaurant zäjßv Gorodecki כשר FrledrlcHatraßa 183 gegenüber C«f& Imncrator * Al 3420 Gutbfir^rrlicher Mittag-11. Abendlisch Berlin C, A. d. Spandauec Brücke 4-5 I. 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