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Jüdische Rundschau · 1936-09-08 · Heft 72 (8.9.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 72 (8.9.1936)
Date
1936-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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10. 9-1S36 Nr. 7^ / Jkbfaiig 41 im Preis 25 RpL> RUNDSCHAU M1Ulh1ltaa1,V«ltg a. Ajnalgemvcrwaltangi BerlinW15, Meinekcatr.lO rammt t Sammal - Nummer J 1 (BUmarck) 9031. — Btrupiprti■ eimdilieBlich BertellSfeM je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 biw. KM 539. — Postschedr . Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 (für UroB - Berlin), Berlin 17392 (für da» übrige Reidi). ln Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa aciion gerahlter Bejugagebühren. — Erscheint jeden Dlansta{ and Freitag. BERLIN כ״א אלול תרצ״ו DIENSTAG, 8. SEPTEMBER 1936 Gültig! Anxelgenpreisliate Nr. 5. Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf, für Familien! - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit»- anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Famiiiet»-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Heimstatt« ln Palästina. (Baseler Programm) Der Zionismus erstrebt IQr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Bialik“ eröffnet R.-A. Benno Cohn spricht. Am Vorstandstisch S. Tschertoh und Dr. FranzMeper Feto; Herbert Sonnenfeld• Eröffnung der ״Jemej Bialik' Die große Kulturausstellung der Berliner Zionistischen Vereinigung, die in diesen Tagen in Berlin unter dem Titel ״Jemej Bialik“ stattfindet, wurde am letzten Sonntag eröffnet. Damit hat die Leitung der BZV. ein außerordentlich bedeutsames Unternehmen der Beurteilung der Ceffentlichkeit unterbreitet. Wir glauben, daß irr der gegenwärtigen Lage der Judenheit in Deutschland den weitesten Schichten nichts so sehr nottut, als den Weg des Siclnviederfinderis zu gehen, den Anschluß an die großen Güter unserer Vergangenheit und an die lebendigen Kräfte der jüdischen Gegenwart zu gewinnen. Auf diesem Weg sind für eine Gruppe des jüdischen Volkes, die in hohem Grade entjudet ist, besondere Schwierigkeiten zu überwinden. Gerade diejenigen unter uns, die am ehrlichsten um ihre Wiedereinwurzelung im jüdischen Volksleben ringen, empfinden diese Schwierigkeit bei ihrer persönlichen Bemühung Tag für Tag. Um so notwendiger ist es, nicht allein im Grundsätzlichen den Weg zu weisen, der zu diesem Ziele der nationalen Regeneration führt, sondern zugleich praktische Mittel an die Hand zu geben, die hierbei Hilfe leisten können. Die Kulturausstellung in Berlin, die auch in anderen großen Gemeinden Deutschlands gezeigt werden wird und so einem erheblichen Teil der Judenheit Deutschlands bekannt werden dürfte, erfüllt eine solche Aufgabe in hervorragendem Maße. Die Veranstalter haben mit außerordentlichem Geschmack eine Ausstellung aufgebaut, die auch höchsten Ansprüchen Genüge leisten kann. Durch eine kluge Auswahl aus dem schier unübersehbaren Material, das zur Verfügung stand, ist es gelungen, einen vortrefflichen Querschnitt durch das jüdische Kulturleben der Gegenwart zu geben und dabei die Rolle Palästinas hervortreten zu lassen. Soweit es nottut, finden wir in der Ausstellung auch die historischen Anknüpfungspunkte eingefügt, die zum Verständnis der Gegenwart erforderlich sind. Wir glauben, daß die Ausstellung für all die Zehntausende, die sie im Laufe der Zeit besichtigen werden, außerordentliche Anregungen vermitteln kann, daß sie geeignet ist, besonders der Jugend eine Fülle des Lehrstoffes zu vermitteln, und zwar in einer Form, die nicht trocken ist, sondern zum Verstand und zum Herzen spricht. Wir berichten nachstehend über die Eröffnungsfeier und über das Gesamtbild der Veranstaltung und eine Reihe besonders interessanter Ausstellungs- Objekte. Die Eröffnungsfeier Die feierliche Eröffnung der Ausstellung ״Jemej Bialik“ fand im Vestibül des Logenhauses unter dem Symbol des Bialik-Bildes statt. Zahlreiche Gäste waren erschienen, die die führenden Körperschaften der Judenheit Deutschlands vortraten. Rechtsanwalt Benno Cohn eröffnete die Veranstaltung im Namen der Berliner Zionistisehen Vereinigung und 'begrüßte unter den erschienenen Gästen besonders Professor Otto War bürg sowie Vertreter der Reichsvertretung, des Preußischen Landesverbandes, des Präsidiums der Rcpriiscntantonvcrsammlung der Berliner Jüdisehen Gemeinde, des Hilfsvereins der Juden i!1 Deutschland, des Jüdischen Ccntral-Vercins, der ZVfD und der ihr angcschlosscnen Organisationen, der Logen, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, der Frauenbünde und Lchrhnuscr. R.-A. Benno Cohn wies sodann auf den Kampf hin, der gegenwärtig in Erez. Israel geführt wird und der die Schicksaisfrage nach der Kraft der Judenheit erneut gestellt hat. Unser Ruf gilt heute einer wahren geschichtlichen Aufgabe, denn der Zionismus hat die Isolierung des Einzelnen überwunden. Der Zionismus hat dem jüdischen Volk das Bild einstiger Größe wieder ins Gedächtnis gerufen und ihm gezeigt, daß das Vergangene in Wahrheit unvergänglich ist. So ist in uns der Wunsch nach Erneuerung der jüdischen Kultur und der hebräischen Sprache erwacht. Die Kulturarbeit ist für den politischen Zionismus wesentlich da sie seine Ergänzung ist. Herzls und Aehad Haams Ideen bilden für uns Heutige eine Einheit, und B i a I i k ist das Symbol dieser Synthese geworden. Auch für uns Juden in Deutschland ist er der Wegweiser, obwohl wir die Schwierigkeiten dieses Weges für uns nicht verkennen. Wir wollen in der Sprache des Juden alle humanistischen Gedanken Europas ausdrüeken; so ist der Weg zurück für uns zugleich ein Weg vorwärts. Die Neuartigkeit des Versuchs dieser Ausstellung mag zunächst ins Auge fallen; Anschaulichkeit scheint uns aber besser als Abstraktion in Worten. Dem gleichen Ziel wie die Ausstellung dient auch die Tagung der Kulturbünde, und beide Veranstaltungen sollen dazu führen, den Judenin Deutschland Impulse für ihr Kulturschaffen zu geben. R.-A. Cohn schloß mit einem Dank für die Mitarbeiter der Aus- Stellung und nannte in diesen! Zusammenhang besonders nerm Tschertok, dem Idee und Durchführung der Aussteifung zu danken sind, Dr. Borodianski und Dr. Bros er als wissenschaftliche Berater, Herrn Cond eil sowie das Büro der BZV, die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer der BZV und ihrer Junggruppen und die Institutionen, die durch Leihgaben das Material der Ausstellung vervollständigt haben. Besonderer Dank gebührt Otte Wallisch, dem wir die unerhört lebendige Art danken, in der die Ausstellung das Wissen um die jüdische Kultur vermittelt. Bei den gegebenen technischen Schwierigkeiten in der knappen Vorbereitungszeit an Ort und Stelle, in einem improvisierten Atelier, im wesentlichen mit Hilfe ergebener, aber ungeschälter Mitarbeiter ist nicht nur die künstlerische, sondern auch die organisatorisch-technische Leistling einer Hervorhebung wert. Der Ausstellung ist ferner in besonderem Maße die Mitarbeit und die große Erfahrung von Dr. Ernst M ec 1111er (Tel-Awiw) zugute gekommen. Sodann sprach S. Tschertok der einleitend auf die Leistung der zionistischen Sprach- Fanatiker hinwies, von deren Wirken die Ausstellung Dokumente birgt. Berlin war von jeher ein Zentrum der hebräischen Bewegung in der Welt und galt als solches im Ausland; den Juden hier war aber davon nichts bekannt. Wenn heute in Berlin eine hebräische Massenbewegung besteht, so hat diese keine Kontinuität mit jenen Gruppen; die Heimkehr zur hebräischen Sprache ist nicht die Frucht lediglich einer inneren Ucberzeugung. Die Juden in Deutschland haben die hebräische Bewegung vielfach mißverstanden und haben geglaubt, man müsse Die Ausstellung, die im Zeichen Bialiks aufgebaut wurde, erreicht ihre Wirkung durch die unerhörte Lebensnahe der Bilder und der Worte, die sie uns vermittelt. Gewiß sind wir sehr gereift und noch nie so aufnahmebereit gewesen für die Dinge, die wir hier zu sehen bekommen. Und cs ist gar nicht einmal der optische Eindruck allein, der entscheidet; der schlägt nur den Ton an, erzeugt Assoziationsbilder aus Vergangenheit und Gegenwart, aus der Gegenwart besonders, denn alles ist hier lebendige Gegenwart geworden, das Leben unserer Tage. Die Eingangshalle Etwas dem Wesen und Wollen Bialiks durchaus Kongeniales, im Sinne seines Vermächtnisses Gedachtes ist hier verwirklicht. Und so fühlen wir uns, bereits am Eingang der großen Wandelhalle des Hauses, die gar nicht wiederzuerkennen ist, gelangen von dem von Zorn und Liebe zerwühlten Gesicht Bialiks, das uns überlebensgroß gegenübertritt, ln Schlagworten, die wir unwillkürlich selber formen, reden Hebräisch aus Nützlichkeifsgri'mden betreiben. Mit dieser Aus- Stellung soll gezeigt werden, daß die hebräische Sprache etwas anderes ist, und daß ihre Position eine andere sein muß als die anderer für die Auswanderung nützlicher Spraehen. Jetzt kommt es darauf an, in einem Augenblick, in dem die hebräische Unterrichtsbewegung nicht mehr weiter ansteigt, innere Anteil 11 a 11 in e zu beweisen. Die Verbindüng der Juden in Deutschland mit dem Hebräischen riß erst vor 120 Jahren ab, und wir!missen daher an das Gewissen der Juden appellieren, diese kurze Spanne in ihrer Geschichte nicht mehr gelten zu lassen als die ganze Größe der jahr* tausendealten hebräischen Kultur. Der Inhalt d e r A 11 s s t e 1111 n g dient nicht propagandistischen Bedürfnissen, sondern den Notwendigkeiten unserer Arbeit. Zwischen dein Willen zur Heimkehr zum Judentum und der Fälligkeit, jüdische Kultur zu empfinden, steht eine tiefgehende E 111 f r e m d u n g, deren Ueberwimlung diese Ausstellung dient. Wir haben den Versuch gewagt, das zu zeigen, was in einer knappen Ausstellung aus der Gedankenweit des Judentums gezeigt werden kann. Die Schwierigkeiten der Verwirklichung eines solchen Unternehmens waren groß, und so kann denn auch nur einiges gezeigt werden, was das Leben der Juden in der (iolah, in Deutschland und in Palästina hervorgebracht hat. Tschertok dankte nochmals Otte Wallisch und Dr. Ernst M ec h 11 er, Tel-Awiw, für Mitarbeit bei der Vorbereitung der Ausstellung und verlas einige Telegramme, die bei der Ausstcllungslcitung von den zentralen jüdischen Institutionen irr Palästina und der Flebräischen Universität cingel,־rufen waren. Sodann führte er die Teilnehmer an, der Eröffnungsfeier durch die Säle des Hauses, zu 11ns die großen meistens stummen Bilder: Kinder, die Techesakna singen, der Titusbogen, das Zeugnis unserer Niederlage, die wir tausendfach und immer wieder erleben, Gräber, ob atis Worms oder aus Mainz, was liegt daran, alte Gräber der Golali. Und dann sind es wieder Kinder und zuletzt die Stadt Jerusalem. Ein Jerusalem, dessen Silhouette nicht mehr allein durch die .Moscheekuppel bestimmt wird, sondern durch den Komplex der Universitätsbauten am Skopus. Es ist ein elementarer Anschauungsunterricht, was uns da geboten wird, und wir sind dankbare Schüler. Kunst-Ausstellung Und wie der Schulunterricht mit der Heimatskunde beginnen soll, damit man vom Nahen und Vertrauten zum Ferneren und Fremderen schreiten kann, so beginnt auch die Schau mit den uns bekannten Gestatten und Namen. Es grüßen uns von den Wänden des kleinen Saales links die Gemälde Berliner Künstler, einige wenige nur, Stichproben gleichsam, denn wir sollen uns ja nur etwas heimischer Rundgang durch die Ausstellung

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