Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 JÜDISCH!: RUNDSCHAU Nr. 71, 4. IX. 1936 Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Bamberg. Am 24. August sprach in einem Schulungsabend der ZOG. I)r. Schloß borg über zUmUtLche Außenpolitik. Gelsenkirchen. Am 27. August spra־׳־h Jhm.s Da midi in der ZO. über: ,.Ge.-a'hu h!e und IV־li; ik der Aialx‘1“. Konstanz. Am 15. August verah-uhiuilctc• sich Buzirksrabbinor Pr.!!ermann C!1 ס n e, der wahrend 27 Jahu-n in <!vr G»'ni«‘infie tätig war, um nach Pai.tuina zu wemdem. Den Dank des Obermics iÜK'rbrachte K0hk־rt־r./.r.1Ul)im'r Dr. Schiit, ah Lehrer und Iheund sprach Kantor Hrav niaiin und de־־ VornehiT, Reuilt-.ijjw nh ft 1 <j c h, >a<׳!o den Pank der Gern,, jnde, und tu.11 bekannt, daß 27 Baume ah Ai><1!־׳iu1U׳Tt- -rhrnk der Gemeinde, der z!o״i .׳hen Ort>gru!1pe de־ Jugettdvcr! ins dc> F; aürnvrrcin; und de.־ Synagogenchors für Herrn Dr. (,hone gcsiiidet wo*־<Pn seien. Kudowa. Am 5. August •;pntrh Dr. Hans Kuhn, K-iner?־,. über Pnla.stinaprobleme. Dr. Ucihar '1' i e h a u e r iiihrte den neuesten Palast inafilm vor. Laasphe. Fine Gedenkfeier für Herzd und für die Opfer in Erca Drae!!and hier statt. Pie Gedmikiedo hielt Lehrer Herm a n n. Leipzig. Am 29. Juli sprLdi Dr. :*iegt!;<־d K .1 n o w i t z. Tel- Awiw, über: ,,Die Mvjulcn Probleme in Ra!a Ln.1־'. Am Abend fand eine öffentliche Kundgebung um:, m <’״!׳׳ p!. K־mowitz ü!k.t das Thema ,,Kampf und Schop:ung m Kre/. I;a<v־ sprach. München, ln einem von! ()!!■!i-.g r k-r h! י .-hen jugeiah erbande Man die ns ein; »rnt! e:)tM! \h .!! 1 ug :: : p ׳11!: ׳!, :׳ >; i י K i s c 11!; t a e d t, Berlin, zum T!:׳!na .,j u, i; 1 ־׳־:e Pömbsen (Westf'). 1 h■־;p, י In־.־;,; -.׳־־, ,״:w• gru.dnde Ivging w a ] d fik-nbrn) :;.״ו!•!!c An,;!P׳ ■׳ b ־ O ׳!׳ e -J i n -,׳:■■■ tiher- Rhaunen. llerr L׳.h!r1 und Kam׳)? G : LG n-iertc am 12, Aug. Saarbrücken. B■ i der Ihr;: G. ,1 ׳ k;Gt־r hielt d! (iedenkieds* Ilmn־ rieh llrrniM 11 di׳■ v!!1! (Gor- und L:ed< 1 \ n 1g!-n von Chawcrini (G '{G.k.d•׳. iLt/a.i u:nr.d!mf w,!r. Ankündigungen Bamberg: ZOG. Am 8. Sept., 20 Uhr, ״Weißc-Tau!x:“־Saal, Vortrag Dr. Pomeranz, Frankfurt: ״Kroz Israel Augenblick und Zukunft — I’iüfung und Bewahrung4־. ■—■ Breslau: Abschieds-Abcnd BeattLc l־'re11<lemhal-\VaghaIu1׳: ..Kleine bunte Lieder aus der großen Welt־* im Kulturbund am?. Septemlntr, 20.15 Uhr. — Frankfurt am Main: \Grt1ag Dr, Hans Pomeranz am 5. Sentcmber, 20.45 Uhr, ’ Lite? iindaii 21, über: ..Kngland und PaliUtinu“ (unter Benieksiehtigung inne'zis-nial-dier Sti eitfragen). — Köln: Zion. Vereinigung. Am 7. Seph, \'o!trag Dr. jo.-ephlhal, Berlin: ,,Zionistische Aubc:1j>olitik in die ־er Zeit‘‘. Atn 10. Se|>t.: ArlK־it>kreis. Beide Veranstaltungen um 20.45 Uhr im Heim, (bnülienstraße. — Clmg Iwri: Am 6. Seph, 20.30 Uhr. itti Jugendheim, Mnuri?ius-Steinw׳eg, mit Josef Brecher, Ks-aui. — Remscheid: X()G. Vortrag Dr. Ikenberg. Köln, am 8. Seph iitK־r: ..Palästina, August 1936’*. {Bericht einer RG<e.) — Rostock: Jiid. Kulmibund. Am 7. Scpteml>cr Kleintoinsj «i>en<l: Bruno und Widv Bendix. Augm.nnenstraße 101, um 20.30 l tu. — Schwerin (Mecklenburg)5 Jiid. Kulturbund. Am 6. September, 20.30 Uhr, KU’it.kuu.-uabelid, augeiührt von Bruno und Willy Bend ix. Familien - Nachrichten Herr Siegfried Kamm, Lauhan (Schlesien), Naumburgcr Str. 10, begeht am 25. Septc111l>cr den 60. (;dmrtstng. Herr Louis I. otwenstein, Königs'tx'rg (Pr.), Klapperwiese 5-6, I pegelu am 6. Septemlter den 60. < ichiirtstag. Herr I. S u ß k i n d und Frnu Hulda, geh. SHiiarhcis. Hamburg 24, l.iiliecker Str.?8, begehen am 6. Septetnlx-r die goldene Hochzeit. Frau Berta Wallach, gcb. Stiauß, Oherattla, begeht atn 12. September den 77. Geburtstag. Bar Mizwah-Termine Am 12. September (25. 101,11): Erwin M i n k e 1, Sohn von Motitz Minkei, Andernach am Rhein, KenneLtr. 16. Die Sängerin Mascha Benjaknnsky;tus Berlin sang am i'reit.igalH'ml, dein '2$. August, jiddische und hebräische Lieder im litauisciit'ii staallichcn Ruiulfunk in Kowno. Sie hatte he! der judistheit Bev״!keni:u: groben Erfolg. Kapellmeister Hans Bernstein tbnuieric am 22. August das ()reiiestra Stabile von Hören/, und errang einen großen Erfolg. 444444-»»»44»»444»4444-4444>444»44 44 l Solidarität mit Kitz Jisrad Die Zionistische Vereinigung für Deutschland sprich! zur gegenwärtigen Lage 7. September In Ulm Dr. David Schloßberg 8. H ״ Bamberg Dr. Hans Pomeranz 8. M ״ Konstanz Dr, David Schloßberg 9. M ״ Freiburg Dr, David Schloßberg 9. H ״ Cottbus Dr. Hans Capell 9. ״ Hagen Dr. Max Nußbaum 10. tl ״ Kassel Dr. Max Nußbaum 10, M ״ Karlsruhe Dr. David Schloßberg 10. H ,, Stettin Dr. Joachim Prinz 10. tl ,, Mannheim Dr. Hans Friedenthal 12, H ״ München Dr, Franz Meyer 20. M ,, Nürnberg Dr, Franz Meyer 21. II ,, Stuttgart Dr. Franz Meyer und Dr. Georg Josephthal Zionistische Vereinigung für Deutschland : j Berlin W 15, MeineOstr, 10 / Postscheck Berlin 28247 J ♦! : ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentunis.“ Das Juli'August-Heft ist soeben erschienen. Es enthält einen Aufsatz über ״Maimonides und die jüdische Mystik״ von Alexander Alt mann, der zeigt, daß Maimonides der Sinn für das Geheimnisvolle in der Religion keineswegs abgeh! und daß er mit der Kabbala insofern zusammengcht, als auch er die Lücken der mystischen Tradition durch Nachdenken aiiszufüllen sucht; was ihn von den Kabbalisten scheidet, ist die Stellung zum Problem des Bösen, dem er eine selbständige Existenz nicht /!!sprechen kann. Das gleiche Heft enthält eine Untersuchung; über die literarische Form des Gebets von Arthur Spanier, in welcher aut die gemeinsamen Gründe des jüdischen und des christlichen Gebets hing'ewiesen wird. — Man abonniert die ״.Monatsschrift“, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlicher! Mindestbeitrag von 10 M. an die Gesellschaft (Postscheckkonto: Berlin Nr. 7030) sendet. Philobiblon. Das August-Heft der Zeitschrift für Bücher- Jiebliaber Philobiblon (Herbert Reichner Verlag, Wien, Leipzig, Zürich) beginnt mit Arthur Riimanrrs Beitrag ״F m - blemebiichcr des 16. und 17. Jahr h uniert s“, illustriert mit 31 Abbildungen. Die Emblemebücher waren einst große Mode. Ihren Ursprung verdanken sie der Beschäftigung der Humanisten mit den Hieroglyphen der alten Aegypter. Otto R. C. Rulinke erzählt die Geschichte der f r ü h estc n Illustrationen zu den Dichtungen Fritz. Reuters, vor allem der Zeichnungen Otto Speckters zu Hanne א ii t e. Ferdinand Raimund widmet Fritz Brukncr seine bibliophil-bibliographische Studie. Fr berichtet von der! mannigfachen Schicksalen der Raimurulschen Handschritten und Briefe und den großen Schwierigkeiten, unter denen die Werke erschienen. In einer Beilage finden wir Johannes Lcbeks Bericht in Holzschnitten: Vom Baum, d e r d e n Frühling nicht erlebte. Briefe an die Redaktion Die jüdisdten Angestellten an den hohen Feiertagen Dresden, d«1 1. September 1936 Sehr geehrte Redaktion! Eine Schwierigkeit, di« ich mit meinen jüdischen Chefs hultc, veranlagt mich, in dieser Angelcgenheii um ihre Meinung zu lütten. Vor einigen Tagen wurde mir eröffnet, daß ich am Freitag (an dem bei uns sonst nur bis zum Nachmittag gearbeite; wini) länge.׳ dablcibcn sollte, da ich die Feiertage vor- bzw. nacha׳ beiten sollte. Ich war schon früher in einem jiidiselten Hause angestellt, alter dort bin ich niemals dazu autgefordert noch gezwungen worden, nachzuarbeiten. Ich glaube auch nicht, daß dies üblich ist. Zwar gib! es kein Gesetz, das meine Firma hindern könnte, ihre Forderung aufrechtzuerhaltcn; aber ich vermag nicht einzusehen, daß eine solche Handlungsweise mit jüdischer Auffassung übereinstimmen würde. Ich glaube, es wäre notwendig, daß sich die jüdischen Firmeninhalter zu einer klaren Haitung in dieser Frage durchringen. Schalom! Erwin Kerstenl A n m. d. Re d. In der T at glauben auch wir, daß die Bemerkungen des Einsenders ein ernstes Problem berühren, das in jedem Jahre zu den Feiertagen aufzutauchen pflegt. Wir sind der Auffassung, daß man der Würde und dem Sinn unserer Feiertage nicht gerecht wird, wenn man sie von ökonomischen Gesichtspunkten her betrachtet. Es wäre im allgemeinjüdischen Interesse dringend zu wünschen, daß die jüdischen Geschäftsleute ihren Angestellten die Feiertage ohne Einschränkungen freigehen würden, um dem Wert und der Bedeutung dieser Feste keinen Abbruch zu tun. Zur gegenwärtigen Lage sprechen in MANNHEIM Donnerstag, 10. Sept., 20.30 Uhr DR. HANS FRIEDENTHAL Im Kampf um Palästina und die jüdisdie Zukunft S T E T T I N Donnerstag, 10. Sept., 20.30 Uhr DR. JOACHIM PRINZ Die Unruhen in Palästina und die Politik des jüdischen Volkes MÜNCHEN Sonnabend, 12. Sept., 20.30 Uhr DR. FRANZ MEYER Der Kampf um Palästina und die jüdische Zukunft ZIONISTISCHE VEREINIGUNG FÜR DEUTSCHLAND Berlin W 15 Meinekestraße 10 HAMBURG Montag, 7. September, 20.10 Uhr Conventgarten / Theatersaal Jüdische Jagend steht zu Palästina Kundgebung jödisdier Jugend Hamburgs Daniel Brodies Ernst Mayer Schimon Reich Jüdische Jugend sucht jüdisdie Gemeinschaft * Der Weg in eia neues Leben Krisis u. t!״ordnung * Im Kampf um jüdisdie Arbeit * Heldentum ohne Pa- :hos » Zwei Generationen beim Aufbau Spredtchöre » Palästinabilder * Rezitationen Nationaljüdischer Jugendring Brit Hanoar * Zeire Misraehi Habonim noar «hatozi * He<balas ' Makkabi Ilazair י Hasdiomer Hatair Brit Chatuzim Datiim zionistische )ugeadgruppe <ZIST> Wiehern der Pferde, das Krachen des Wagens, der drohnende Hufschla״, Nein■« sich sah er zwei aufgerissenc Wolfsschnauzen mit lileckendcn Zähnen. ,,Höre, Israel...“ st!ווווmehe er mit Ir!« kenen Lippen. Und plötzlich sali er inmitten von alledem Pandre, seinen Kutscher, hochaufgerichtet auf dem Bra k und den eisernen Haken in der Hand,׳ wie er sieh von den Kufen h erabzuv. erfen schien und die Arme schwang wie Flüge!. Fs sali aus, als flöge er davon. Bin furchtbarer Schrei erscholl unterm Schlitten, und die Pferde jagten noch wilder, Weiler und weiter, im Zickzack. Sender hatte Angst, sie würden den Hals brechen. Hchmendrik zog nach links und Djirka /<״,׳ alle Augenblicke nach rechts und Schmnrwoz in der Mitte wußte nicht, was er machen sollte. Plötzlich wurde es Sender schwarz vor eien Augen. Er konnte die weiße Straße nicht mehr sehen. Die Kutsche machte einen Satz und stand still. Sender warf sieh herum. Er konnte sich kaum aufrecht halten, indem er sieh mit beiden Händen auf dem Silz, stützte. Klampen von Schnee fielen von den Bäumen auf seinen Kopf, Er hockte da wie unter einem Dach. Er schaute um sieh. Die Pferde hattep den Schütten mitten zwischen die Tannen gezerrt, den Berg hinauf, waren da stehen geblieben und schnaubten. Und weit und breit war kein Welf zu sehen. Und kein Pandre. Sender begann den Kutschbock abzutasten wie ein BetSubter. Der kalte Schweiß brach ihm aus unter dem pelzgefütterten Kutsclicrhut. Großer Gott! Was war geschelten? Sender faßte die verwirrten Zügel, die Pandre noch einen ’Augenblick vorher in seiner starken Hand gehalten hatte. Nun hingen sie vom Bock herab und schleppten im Schnee. Er zog nach rechts und nach links, aber der Schlitten rührte sich nicht. Die Pferde hatten ihn zwischen Bäumen festgekeilt und staken bis /.um Hals in einer Schneegrube. — Und kein baut von Pandre. Sender drehte den Kopf rundum, und mit betender Stimme, als wäre er im Tempel am Versöhnungstag, rief er: ״Noah! Noah!“ Und das Echo antwortete aus dem Walde und neckte .ihn in der leeren Dunkelheit: ״No-ab!" ״Gott sei mir gnädig“, nnirmette Sender mit abgestorbenen Lippen. ״Sie haben ihn verschlungen! In einer bösen Stunde halte ich über die Wölfe geredet, so sind di« Wölfe gekommen!“ Weißer Dampf stieg von den Pferdeleibcm. Djirkas Maul steckte zwischen zwei Stämmen und triefte von Reif. Sie wendete ein Atige nach ihrem Herrn und rollte bittend das Weiße des Augapfels wie ein hartgekochtes Ei: ״Sender, mir ist 80 kalt!“ Aber Sender hatte andere Sorgen im Kopf. Er dachte reuevoll, wie er Pandre mit den alten Geschichten geschreckt hatte. — Nun hast du’s, dachte er. — Nun sitzt du da. ״Noah! Noah!“ schrie er verzweifelt in die Nacht. No-ah! machte der Widerhall, und veredelte seine Stimme, als wollte er sagen: so ruft man, nicht so rauh und heiser, wie du, Grobian! z\ber gleich darauf hörte Sender eine ganz schwache Stimme in großer Weite: ״S-e-e-n-der!“ Freudiger Schreck durchzuckte Sender in allen Gliedern: Noah! der Jung! Er ist ganz! Mit Müh und Not kletterte Sender mit allen seinen Pelzen vom Schütten herunter, ließ die Pferde für sich selber sorgen und rannte den Hang hinunter, aus Leibeskräften rufend: ״Noah! Noah!“ ״Se-ender!“ horte er nun Pandres Stimme, ganz deutlieh, aus dem Walde. ״Was ist das?“ sprach Sender zu sich selber, angespannt lauschend. Er hätte schwören mögen, es war ein sieghafter Klang in Pandres Stimme. Das klang nicht nach jemand, den die Wölfe gefressen haben! * Am nächsten Morgen in der Frühe war die ganze Stadt auf. Auf dem Marktplatz, vor dem Haus der Fuhrleute, lag auf dem schmutzigen Schnee eine riesige graue Bestie, den gelben Bauch nach oben. Die Zähne lagen bloß und waren blutig. Die Pfoten waren verkrümmt und steif, und der struppige Schweif ausgespreizt. Durch den zerschmetterten Schädel war der eiserne Haken gebohrt, um zu zeigen, wie Pandre den Wolf getötet hatte. Außerdem kann man mit Wölfen nicht vorsichtig genug sein. Kann man wissen, ob so einer nicht auf einmal wieder aufsteht? Also lieg, wo du liegst! Noah Pandre selber, der Held des Tages, war nicht zu sehen. Er blieb bescheiden im Gildehaus am Schanktisch und trank eins mit seinen Mitkutschern. An seiner Stelle stand Sender Pardon da, die Peitsche unterm Arm, inmitten der Menge und erzählte langsam und bedächtig, was in der Nacht mit ihm im Kopuster Wald geschehen war, und was für ein großartig starker und tapferer Kerl sein Kutscher Noah Pandre wäre. Wer hätte das?;edacht! Während der Schlitten dnhinflog, während er die ,ferde mit fester Hand zügelte, hatte er noch die Wölfin fertiggemacht. Mit einer Hand, im Stehen, hatte er ihr den eisernen Haken in die Gurgel gebohrt und sie an den Boden gespießt. Dabei hatte ihn die Wucht des Hiebes umgeworfen, und er •war aus dom Schlitten geflogen. Und wohin fiel er? Mit dem Kopf auf den Bauch des Wolfes! Was sagt ihr dazu? Jeden anderen hätte die Wölfin mit ihren Krallen zerrissen. Aber Pandre sprang auf wie der Blitz und trat; sie mit den Stiefeln in den Bauch. Trat ihr die Rippen ein. — Da machten die jungen Wölfe kehrt und flüchteten. ״Als wir einander wiederfanden, fast eine Stunde später, da kam er durch den Wald auf mich zu, dieser Pandre, erhitzt und aufgeregt, und hatte den Eisenhaken um den Hals gehängt und an dem Haken über seine Schultern die Wölfin, daß er aussah, wie Sftlomo, der Fischer, mit einem Netz voller Fische über den Schultern. Sie zappelte noch mit den Pfoten, als ich sie fand, und ihr lilut sickerte noch in Pandres Pelz. Als die Pferde den Geruch des toten Wolfes witterten, wollten sie wieder ausbrechen. Das war eine Not, die drei Gäule und den Schlitten wieder auf den Weg zu kriegen! Und dann warfen wir ihnen den toten Wolf vor die Füße. Da, schaut euch ihn an. Der ist tot! — Und Schmendrik hob den Huf und trat ihm auf den Kopf, Was sagt ihr dazu?“ schloß Sender seine Geschichte. ״Mit einem toten Wolf kann sogar ein junger Hengst wie Schmendrik den Helden spielen!" Vetter Sehlome, der Kürschner, kaufte den Pelz. Und als Pandre die paar Rubel dafür gelöst hatte, zahlte er eine Runde für alle Fuhrleute und gewann ihr Herz. Von dem Tage an war er einer der ihren. Alle hatten Achtung vor ihm. Und die Dienstmädchen starrten ihm nach, aus allen Fenstern, in allen Gassen. Aber am stolzesten waren doch die Schuljungen auf ihn. Sie hatten ihn schon immer vergöttert seiner Stärke wegen, schon als er noch ein Fleischerlehrling war. Sie glaubten immer, er wäre ein neuer Samson, der eines Tages aufstehen würde und alle Juden in Schklow befreien, und nun hatten sie cs mit eigenen Augen gesehen! Er war Samson selber. Und der Wolf war der junge Löwe, Hen Samson auf seinem Wege getroffen und zerrissen hatte. — Und wo war der Honig, den Samson aus dem Aas des Löwen genommen hatte, als er das Weib der Philister in Timnath besuchte? Das mußt« wohl die Wagenschmiere sein, die Pandre immer an den Fingern hatte. Komischer Honig, schwärzlich-braun und schwer abzuwaschen. Aber was fragst du viel, wenn du es mit Samson zu tun hast! (Fortsetzung folgt.)