Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU ERRUNDSC NR. 71, 4. SEPTEMBER 1936 Die, ,Menge der Abschiednehmenden auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin ״‘״יי : u«rb»rt sonn«»*•« ־׳ך־ףג' ןני״ך ר ן׳^ |jS Ä™ \.*י-ג3 , f,2 ■ 1300 Olim aus Deutschland! Abschied von Berlin Viele von uns haben schon einige Alijah-Transporte miterlebt. Wer aber letzten Dienstag morgen am Anhalter Bahnhof war, um bei der Abfahrt des bis jetzt größten Alijahtransportes aus Deutschland dabei zu sein, der hat besonders starke Eindrücke mit nach Haus nehmen können. Etwa 300 Menschen fuhren in einem Sonderrug von Berlin nach Marseille und von dort mit dem französischen Dampfer ״Patria“ nach Palästina. Aus dem Reich kamen unterwegs noch über 300 dazu. Viele von ihnen hatten ihre Alijah beschleunigt, um der Gefahr einer etwa kommenden Sperre der Einwanderung zu entgehen. Eine besondere Stimmung lag über den Abfahrenden und den Daheimbieibenden. Jeder war sich des besonderen Ernstes der Situation bewußt, in dieser Zeit der größten Spannungen und Unruhen nach Palästina auszuwandern. Schon in der Bahnhofshalle waren unübersehbare Menschenmassen, die alle zu dem Zuge strebten. Der Bahnsteig selbst hot ein eindrucksvolles Bild. Man stand vor den einzelnen Abteilen in dichten Reihen gedrängt, eine Reihe nach der anderen, bis zum nächsten Gleis, so daß es nicht leicht war, überhaupt hindurchzukommen, wenn man jemanden im Zug zu suchen hatte. Auf alien Gesichtern lag Ernst; bei jedem Abfallenden fühlte man, daß er sich der ganzen Schwere seiner Alijah im jetzigen Moment bewußt war. Und trotzdem sprachen Stärke und Zuversicht aus ihren Zügen. Es fuhren diesmal alle nur vorhandenen Gruppen, Chaluzim, die ihre Hachscharah beendet hatten, Kapitalisten, ältere Ehepaare, jüngere mit Kindern, eine Gruppe der Jugendalijah. Diese bot in ihrer Frische und Erwartung das schönste Bild. Aus ihren Abteilen sahen sie zu 6 und 8 aus den Fenstern heraus, einer über dem anderen stehend, um noch einen letzten Blick und Gruß von ihren Eitern und Freunden zu erhaschen. Der Abschied fiel auch ihnen gewiß nicht leicht, aber manches Mädel und mancher Junge ermunterte die Eltern und versuchte, ihnen den Abschied nach Möglichkeit zu erleichtern. Als sich der Zug in Bewegung setzte, hatten wir Zurückbleibenden nur den einen Wunsch, daß sich diese Alijah im Lande so in Ruhe und Sicherheit einordnen möge, wie wir und sie es sich vorstellen. Ch. F. Uebcr die Durchführung der Alijah-Transporte erfahren wir noch folgendes; Am 2. September sind von Berlin zwei große Transporte mit Palästina-Auswanderern abgegangen. Der eine Transport von 600 Personen, darunter 100 Jugendlichen, die durch die Jugendalijah nach Palästina abgefertigt werden, ging über Marseille, ein zweiter von 180 Personen über Triest. Am 26. August sind etwa 200, am 28. August rund 140 Palästina-Auswanderer von Berlin abgereist. Am 9. September soll noch ein Ergänzungstransport von etwa 150 Auswandcrem abgehen, darunter zahlreiche Eltern und sonstige Angehörige schon früher nach Palästina gegangener Juden aus Deutschland. Insgesamt wurden somit duren das Palästina-Amt der Jewish Agency in Berlin innerhalb eines ganz kurzen Zeitraums fast 1300 Palästina-Auswanderer abgcfertigt. Der am 2. September abgegangene Transport von 600 Personen war der größte, der bisher Deutschland verlassen hat. Die Welt des Chassidismus Einen Tag vor der Erstaufführung von Perez’ ״Goldener Kette‘׳ hielt Dr. Max Nuß bäum für daS Kulfurbund-;Publikum einen Einführungsvortrag in das׳ Wesen des Chassidismus, ohne dessen Kenntnis man die Bedeutung jenes Elramas nicht versteht. Dr. Nußbaum zeigte, wie der Chassidismus ähnlich wie die Kabbala eine Bewegung ist, die durch Uebervvindimg der Ratio, durch das Gefühl den Weg zu Gott sucht. Was ihn von anderen Bewegungen im Judentum unterscheidet, ist schon äußerlich die Tatsache, daß er eine M a s s e 11 b ewegung werden konnte. Dr. Nußbaum legte dann dar, welche philosophischen Grundlagen der Kabbala und dem Chassidismus gleichermaßen zu eigen sind; vor allem die Auflehnung gegen ״Scliilton Hassccliel“ (die Herrschaff der Vernunft); zugleich aber ist der Chassidismus gegenüber der Kabbala eine höhere Stufe der Verinnerlienung, er lehnt die Askese ab und schafft den Massen ein neues Lebensgefühl: Freude, den Glauben an die Wundermacht des Rabbi, und er gibt dem Volk sein Selbstbewußtsein wieder. Man versteht die Bedeutung dieser Bewegung erst völlig, wenn man sich die geschichtlichen Hintergründe klarmacht, auf denen der Chassidismus seine Wirksamkeit entfaltet: die Zeit schwerster Verfolgungen und Pogrome in Polen, der Zusammenbruch des wirtschaftlichen und geistigen Lebens, die wachsende Spannung zwischen den Vertretern der Lehre und dem Volk. Der Chassidismus half dem Volk die harte Wirklichkeit überwinden, indem er seinen Blick auf die ewigen Werte des Judentums lenkte. — Zum Schluß gab der Vortragende einen Ueberblick über die verschiedene Be- Wertung, die der Chassidismus erfuhr, um dann noch das Stück von Perez im einzelnen zu analysieren. Die Zuhörer dankten ihm mit lebhaftem Beifall. N. Ankündigungen In der Woche vom 6. bi* zum <3. September finden keine Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. «tatt. Sämtliche Bezirke und Gruppen besuchen die gemeinsamen Führungen durch die Ausstellung ״Jemcj Bialik“. Zu den Führungen ergehen schriftliehe Einladungen. Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina. Am 10. September! An Stelle des Tee-Nachmittags und Referats gemeinsame Besichtigung der Kulturausstellung ״Jemej Bialik“ unter Führung von Frau Susi Cohn. Treffpunkt: 17 Lfhr im Vorsaal des Logenhauses, Kleist- Straße 10. — Unser Büro befindet sieh Meinekestr.iße 10 und ist Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr geöffnet Außerhalb dieser Zeit Besuche und Telcphonanrufe zwecklos. Jüdisches Lehrhaus. (Sekretariat: Marburgcr Str. 5, Tel. B 4 5587.) Zur Zeit laufen einige englische und spanische Sprachkurse; Auskunft im Sekretariat: Montag bis Freitag von 10—13 Uhr und 16—18 Uhr. — Otto Treitel: ,,Bau und beben der Pflanzen und Tiere“ (Mikroskopische Ucbungen), letzter Abend: 8. Scpt., 20.30 Uhr, Marburgcr Straße 5, III. Otto Treitel: ״Wanderungen in die Natur“, letzte Wanderung: Velten.Kriitner—Vehlefanz, am 13. September; Treffpunkt: Bahnsteig Velten, 9.07 Uhr. — Das Wintersemester beginnt Mitte Oktober; der Lehrplan ist: in Vorbereitung. Synagoge Münchener Str, 37. Mit Rücksicht auf die am Sonnabend im Vormittag-׳(',ottesdien-t erfolgende Einführung Dr. Altmanns ab Oemeindcrabbincr werden die Besucher gebeten, ihre Plätze bis 9.10 Uhr einzunebmen. Der Gottesdienst der hohen Festtage. Veranstaltung am 5. September, 20 Uhr, mit Rab!!. Dr. Swarscnsky, Oberkantor Davidsohn und Organi-t Altmann im V .׳!teig- .1;,׳ der Svn. Kasanenstraße. Kinderjahrmarkt auf der Luftballonwiese. Kinderfest des Jüdischen Seminars für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen am 6. September, 15.30 Uhr. in: Garten, Dahlem, Messelstr. 19. Neue Ausstellung des Sekretariats für bildende Kunst Nach der Sommerpause beginnt das Sekretariat für bildende Kunst in den Raumen des jüdischen Frauenbundes, Marburger Straße 5, eine nette Reihe seiner Ausstellungen: Graphik, Plastik, Kinderspiele, Puppen. Frau Lisbeth Cassirer hat mit dieser Ausstellung der neuen Reihe einen guten Auftakt gegeben. Das schönste ist der Raum mit Edith. Samuels Puppen. Mau vergißt kein! Betrachten der ein- *einen Kindergestalten, seien sie aus Wolle oder Bast, daß es sich urn Puppen handelt, so bald fühlt man sich völlig umgeben von dem menschlichen Ausdrucksreichtum von Edith Samuels Umwelt. Die Illusion wird vollkommen, denn auf einem der kleinen Tische, die alle in kleine Bühnenausschnitte umgewandelt sind, steht sie selbst mit ihren Schnecken, den Kopf ein wenig vorgebeugt und im weißen Arbeitskittel. Neben ihr ein kleiner Junge,’ in eine Zeitung vertieft, und am Boden liegt ein kleines ' Made! und liest in einem Buch. Auf einem anderen Tisch steht ein träumerisch nachdenklicher Junge mit dem Gesichtsausdruek Eliaschofs, dessen Kopf sie auch als Porträt modelliert hat. Schüchtern, betrübt, nachdenklich steht nicht weit davon ein Junge mit einem Lockenköpf und ein kleines Mädel, der man ohne weiteres die Zugehörigkeit zum ״Bund“ ansieht, ein I labonimmäde! in rosa Bluse und braunrotem Rock, prüfend, suchend, wartend ist Edith Samuel: Selbst porträt und Puppenkinder Foto; Herbert Sonnenfelä ihr Gesichtsausdruck. Eliaschof als junger Bocher aus den grünen Feldern paßt in diese kleine Welt wunderbar hinein. Wie in seiner Rolle in den ״Grünen Feldern“ stellt er hier unter einer improvisierten Tür zögernd, fragend, innerlich gesammelt und selbstbewußt, mit hängenden Armen und den strähnigen Haaren. Noch einmal als Marionette in Holz geschnitzt, wunderbar beweglich mit langen Beinen sitzt er auf der Tür, die Augen abgeschlagen, aber man sieht es diesen Augen an, daß sie in eine seelische Landschaft blicken und nicht in die äußere Umwelt. So hat jede dieser Puppen ihre kleine Umwelt, ob sie in Unterhaltung zusammenstehen oder einzeln bei einem Ausruhen mitten im Spiel an einer Wand lehnend überrascht sind und aufgespürt von Edith Samuels Gestalterlust. Es sieht alles aus, als sei es ein Spiel, aber es ist ein Spiel aus großer Kunst und immer, auch in den entzückenden Aquarellen des Spielbuchs mit der Luftballonfahrt oder dem noch schöneren Quartettspiel, sind Form und Farbe und Ausdruck aus gleichem sicherem Feingefühl mit Beherrschung aller künstlerischen Ausdrueksmitte! entstanden. Ganz reizend ist die Karte ״Zähre“ aus dem Quartettspiel, Aus der Serie ״Die Judengasse‘’ ist vorläufig nur das ״Mottelche“ zu sehen, ein!deiner Bocher mit Käppchen, in der Gruppe ״Gottesdienst“ ein kleiner Barmizwah-Junge, eine Thora und eine Gruppe ״Thora-Vorlcsung“. Ein Umzug zu Simchath Thora, entzückend aus Bastpuppen geformt, steht auf seinem Podest. Die Junget!, die Mädel sind so naturecht in Haltung und Ausdruck und so nett und bunt ange/ogen, daß man das Lokalkolorit zu spüren glaubt. Edith Samuel ist 11 och weit vielseitiger als cs diese wenigen Proben zeigen. In ihren Radierungen zeigt sie zwei Mädeltvpen aus den! Industricrevier. Mit Humor und Satire gibt sie in Sk!/.,-••!! den Kampf mit dem störrischen Bildhauer-Material wieder. Paul H annc ni a n n, der Plastiker, zeigt: wenige Arbeiten, aber man kann auch hier von einem Versprechen für Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV Sonnabend Ober scher! e weide, Wühcimineiihofstraße 11 Obersprte 5. SepL, 20,30 Uhr Palästina im Lichtbild Sonnabend[ BZV.-Heim, Rosenthaler Straß« 44 Zentrum-Norden 5. S«PL 20,45 Uhr Chug Iwri BACHSAAL Berlin W 35, Lijtzowatrti&e?6 Sonntag, den 13. September, 20 Uhr, anläßlich der Kultur- 1tusgteilun&; *Jemej Bialik", Uraufführung de« Oratoriums Moses von MAX ETTING ER Ausfuhren de 1 l)ie jüdische Cliorvereinigung l»ie jüdische Orr-iiestervereinigaog Soliatem AN SV MOI.NAI1 (!Sopran) PAULA »UOMON-I INimmf; (Ali) HERMANN SCIHiY (Ball) BI1LNO I LKO (Tenor) Musik. Leitung! l.l-.O KOPF Ansprache t DR. J O A C H IM PRINZ Eintrittsworten zu 1.80, 2-, S.-.4.- ™Vorverkauf. Meinekcstr. 10 (Laden) . »״,A- Heim. Kantstr. 54 , Atlantic Eipress, Friedrichstr. 100. Pspicrli.Uppmann.Trautenaustr. 16 * Bnrhhl.achmann, Bayer. PI. 15-14 . Konditorei Hansa, Flensburger Str. 19 . Iluclih. Salles, Lrenadier.tr. *0 BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Manuskripte bitte deutlich zu schreiben Gottesdienst der Berliner Zionistischen Vereinigung und des Mi 5 r a c hi an den hohen Feiertagen in den Räumen der ZVtD Metnekestr. IO Korten zum Preise von Mt 1.5C, 2.50, 4.—, 5.—. Vorverkauf in der Anzeiger tennahme der Jiddischen Bund- גdnau. Meinekesirafte IQ Ferner Veranstalter die BZV Gottesdienste nach altem WIfus in ihren Heimen: Brtlckensfr. 9 Vorverkauf Del hepner, InselstraBe 6 a, und bei Silber, Lothringer Straße CO Kantstr. 54 Vorverkauf im Heim und in der Anzeigenannahme der Jüdischen Rundschau, MeineKestr. 10 Rosenlhaler Str. 44 Vorverkauf in der Buchhandlung Salles, Grenadiers«30 .־, und bei Meyerh.ardf Nacht., Roserehaier Straß® 42. Preise der PI ätze: JUt 1.-, 2,- und 3,- Gottesdienst der BZV zu Roschhaschana und Jomkippur Inn Deethoven»Saal Köthen er Straße 32. Predigt: Rabl». Dr. Joachim Prinz Harfen zu Mt 3.—, 5— und 10.— in den Vorverkoufssreiien: Meinekesfr. IO (Laden), BZV-Heim, Konfsfr. 54, Uppmann, Traufenausfr. 10, Atlantic Express, Friednehsfr. 10O, Kondit. Hansa, Flensburger Str. 10 Fachmännischen Rat dtirch Olivaer Med. Drogerie Apotheker F r i t * Beier M. d, j. G. Olivaer Platz 2, Fernsprecher J 2 0309 UIAN7FH *>«יי® ******י■• cm, WHn1.cn Ga» «na Störung FRIEDRICH WAQNER Columbu«-Appar»tt»V»rtri«b Nikolsburger PI. 2 / H 7 6193 Max Berg ZIGARREN W 30, MartIn~Lnih*r״Strftfi« 2 Femapr.: B5 Barbarossa 2347 Leo Abramczvk Chsrtsttcnburq, Reichsstr. 1 / J 9 5415 Herrenartikel * Damenwäsche Strümpfe Klavierstimmer »ERBI C2 Steglits 1930