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Jüdische Rundschau · 1936-09-04 · Heft 71 (4.9.1936) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 71 (4.9.1936)
Date
1936-09-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 71 4. IX. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 15 Kohlensäure — ein neuer Exportartikel Der entwickeltste Zweig unserer jungen Industrie ist sicherlich die Herstellung von Lebensmitteln. Aut einem besonders hohen Niveau steht seit einigen Jahren insbesondere die Gctränke-Industrie. Das in Risclion-le-Zion erzeugte ״Nescher־״Bicr hat sich durch seine Schtnackhaftigkeit schon einen guten Absatz schaffen können, aber das palästinensische Nationalgetränk ist und bleibt die Brauselimonade, von Juden und Arabern ״Gasos“ genannt. Der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung ist höher als in irgendeinem anderen Land der Welt. Man kann sich einen Begriff von dem gewaltigen Konsum machen, wenn man erfährt, daß allein in Tel-Awiw und nächster Umgebung 22 Gasosfabriken arbeiten. Mehr als 200 Kioske und Restaurants in der Stadt Tel-Awiw haben eigene Soda-Fontänen. Dagegen bevorzugen die Araber Limonade in Flaschen. In Jaffa gibt es zwei modern eingerichtete Fabriken und insgesamt nur acht Soda-Fontänen. Es ist bei diesen Verhältnissen nicht zu verwundern, daß die zur Herstellung von Gasos erforderliche Kohlensäure ebenfalls im Lande hcrgestcllt wird. Seit 1028 gewinnt die Spiritusfabrik Poller in Jaffa das Gas als Abfallprodukt, und in den letzten Jahren sind noch zwei andere Alkoholfabriken dazu übergegangen, Kohlensäure aufzufangen und in Stalilflaschen zu füllen. Gleichwohl sind selbst 1034 noch 50 OCX) kg eingeführt worden, größtenteils aus Aegypten und Holland, da die beim Gärungsprozeß gewonnene Kohlensäure nicht allen Ansprüchen in bezug auf völlige Geruchs- und Geschmacksreinheit genügte. Anfang April dieses Jahres ist eine von Einwanderern aus Deutschland gegründete Koks-Kohlensäurefabrik in Nachlath Jizchak bei Tel-Awiw in Betrieb genommen worden. Das neue Werk, das eine Produktionsfähigkeit von über 400 000 Kilogramm jährlich besitzt und nach dem modernsten Verfahren arbeitet, konnte schon in den ersten Monaten durch die Qualität seines Produkts und die zweckmäßige Absatz- Organisation mehr als die Hälfte des Marktes beliefern. Einem heftigen Konkurrenzkampf, bei dem der Erlös weit unter die Selbstkosten zurückging, ist vor kurzem durch eine Verständigung der Fabrikanten ein Ende gesetzt worden, doch liegen die Preise noch immer niedriger als in Europa. Nachdem schon im vorigen Jahr gelegentlich kleine Posten Kohlensäure nach Syrien und Aegypten verkauft wurden, hat die Firma jetzt die Organisierung des Exports in die Hand genommen. Die Regierung hat die Genehmigung gegeben, die vom Ausland zur Füllung körnmenden leeren Stahlflaschen in Tel-Awiw an Land zu bringen. In den ersten Tagen des August sind mehrere größere Posten Gas mit dem jüdischen Dampfer ״Amal“ von Tel- Awiw nach Port Said verladen worden, von wo sie nach Abessinien, Arabien und Indien weiterverschifft werden. Dies Ereignis ist von der Presse des Landes mit Befriedigung mitgeteilt worden. Es kann als sicher gelten, daß es gelingen wird, auf ■den Nachbarmärkten den europäischen Wettbewerb zurückziidrängen, dank der kurzen Liefertrist, den niedrigen Frachten und der tadellosen Beschaffenheit der jetzt in Palästina erzeugten Kohlensäure. Dazu kommt bei Syrien noch die Zollfreiheit für palästinensische Produkte. Bei Verschiffungen in die östlichen Länder wirkt es sich verteuernd aus, daß dorthin noch keine direkte regelmäßige Schiffsverbindung besteht, und alle Güter in Port Said umgeladen werden müssen. Trotzdem sind auch hier die Anlänge vielversprechend. Erich Kwilecki, Giwaih Rambam Das Schicksal der Juden in Rußland Die orthodoxe Monatsschrift ״Ha 11 cd“ bringt folgenden Bericht auf Grund der Erzählungen eines vor kurzem von Rußland nach Palästina eingewanderten Rabbiners: Unsere Gemeinde von 70000 Seelen zählt jetzt mir noch 12 000 Juden. Die Alten leben meist auf Rechnung ihrer arbeitenden Kinder, cs arbeiten fast nur junge Menschen. Die meisten Alten sind Handwerker: Schuster, Sattler, Schneider, Tischler usw. Das Handwerk durfte bis jetzt noch in der Privatwohnung ausgeübt werden, und so war es für Handwerker noch möglich, falls sie wollten, den Schahbat zu halten. Seit einem halben Jahre aber ist ihnen die Berufsausübung in ihrer Wohnung verboten und sie müssen in den Fabriken der Regierung arbeiten und dabei den Schahbat entweihen. Aeltere Leute gewöhnen sich daran sehr schwer. Dabei ist der Lohn gering, und nur durch Ueberstunden kann man sich den vollen Lebensunterhalt verdienen. Arbeiter, die in die Synagoge gehen, werden entlassen. Es gibt heimliche Bctstuben, in denen die Menschen zu früher Stunde wie die Maranncn Zusammenkommen, uni die Gebete zu verrichten. Die Türen werden bewacht, um Ueberraschtwerden zu verluden. An der Religion hängen aber im allgemcinen nur die älteren Leute, die jungen Menschen in den zwanziger Jahren wissen überhaupt nichts mehr vom Judentum. In der Gemeinde ist von neun Synagogen nur eine geblieben. Ein Andrang zum Gebet ist nur an dcn_ hohen Feiertagen, am Jom-Kippur kommen 3000 Menschen in die einzige verbliebene Synagoge, an einem gewöhnlichen Schabbat aber findet man dort nur etwa zwanzig Menschen. Jüdische Arbeiter bemühen sich, ihrer, jährlichen Ferienmonat aut die Zeit der hohen Feiertage legen zu lassen, um unbemerkt den Gottesdienst besuchen zu können. — Religiöse Erziehung ist nicht erlaubt. Die Kinder besuchen die Rcgicrungsschulen, und nur vereinzelt unterweisen filtern ihre Kinder selbst in der Religion. Die Schulen (einschließlich der jiddischen) haben antireligiöse Tendenzen und erziehen die Kinder zum Haß gegen die angestammte Religion. Trotz allem findet sich 11! den Großgemeinden wie in Moskau mit seinen 30 00(1 judisehen Seelen auch eine, wenn auch geringe Anzahl Orttiodoxer unter der Jugend. Man versuchte die Errichtung einer Jeschiwa, aber die Regierung verschickte den Leiter dieser Anstalt. Auch der Zionismus ist streng untersagt. Von der Woche Im Laufe des Monats August kamen 2865 jüdische imitfranten nach Palästina, davon 1800 nut Zertifikaten. Einschließlich der Touristen, deren Status später legaiert wurde, beträgt die Gesamtziffer für August fast 3000. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Bombenanschläge, die letzter Zeit auf die zwischen Tel-Awiw und Bajit wegan rkehrenden Autobusse verübt wurden, ha. <1e Autobusoperative für den Personen- und Güterverkehr ge pa n- : r t e Autobusse auf dieser Linie in Dienst gestellt. Das landwirfschaftliclie Bulletin der ״Offkial^ Gazette‘ It mit, daß in den ersten drei Monaten der Urininen 36000 einst öcke vernichtet wurden. An dem demnächst in Brüssel stattfindenden Inter* 11 i o n a 1 e n Kongreß für den frieden wird eine s Juden und Arabern bestehende Delegation aus I alastma!nehmen. Arabisches Dorf Blauer Rauch steigt in die Höhe; es riecht nach verbrennendem Kamcimist. Kaktusliccken stehen mannshoch am Wegrand. Ihre gelben, birncnähnlichcn Früchte sitzen oben auf ihnen, nur mit dein schmalen Teil am Blatt angewachsen — wie im Kopfstand! Die Lehnihäuser sinci mit Stroh gedeckt, sehen rauchgeschwärzt und unfertig aus. Terrassenförmig ansteigend stehen die Häuschen an der Bergwand, von weitem gesehen reicht eins dem andern bis zum Halse — hätte es einen. Ein solches Haus ist für europäische Begriffe cigentlieh eine Ruine. Die vier Grundmauern sind oben nicht einmal glatt, sondern stufig und höckerig. Wenige Häuser haben ein richtiges Dach, bei den meisten ist nur ein Winkel mit auf Balken gelegtem Stroh gedeckt. In dieser geschützten Ecke sitzt man beim Regen. Neun Monate lang regnet es nicht, wozu braucht man also ein Dach? Die Straße mit ihren Häusern entbehrt für unsere Augen alles, was uns von Kindheit au den Begriff ״Straße“ gebildet hat. Keine Fenster mit Glasscheiben, keine Trottoirs, keine Laternen auf hohen Schäften, keine bunten Schilder, keine Farbe an der Hausfassade! Graubräuniich sind die Steine aufeinander gestellt und mit Lehm verbunden. Die Oeffnungen in den Mauern, durch die Licht Unfällen soll, sind mit Eisenstäben vergittert. Diese Eisenstäbe beleben als einziges Ornament die lastende Eintönigkeit des Steinbaukastens. Man ist dankbar für jedes Fleckchen Farbe, das man bei genauem Hinschauen schließlich entdeckt. Die Eingänge sind mit hellblauer Oelfarbe markiert. Diese Färbung schützt vor den Dämonen und läßt sie nicht durch die Türe eindringen. Auch an manchen Fenstern ist der himmelblaue Rand zu sehen, denn diese Teufel könnten sogar durch die Stäbe schlüpfen. Schieben wir ihnen einen Riegel vor. Wirkliche Schlösser lind Riegel kennt man sonst nicht. Drei schwere Steine vor die Tür gelegt bedeuten, daß sie verschlossen ist. Kehrt der Fellache abends heim, so schiebt er die Steine weg und tritt ein. Er braucht kein Schloß. Was für Schätze sind denn schon in dem halhdunklcn Steinraum verwahrt? Der Raum würde von uns Stall genatint werden. Ein Drittel von ihm ist durch eine zwei Meter hohe Bretterwand abgeteilt. Hier sind Getreidesäcke, Kartoffein und Brennholz aufgestapelt — nicht eben viel, aber es reicht für die Regenzeit oder vielmehr: es muß reichen. In der Ecke steht ein Esel, Neben ihm auf dem Boden liegen Sattelzeug und zwei Tragkörbe, die man dem Esel auf den Rücken legt. Zwei Frauen sticken an schweren schwarzlcincnen Stoffen, die Feiertagsklcider werden sollen. Eine der beiden Frauen ist von unerhörter Schönheit des Gesichtes und der Hände, mehr ist von ihr nicht zu sehen. Um sie herum: Kinder, Kinder, Kinder! In allen Größen und Sorten. Das kleinste liegt auf der Erde und sieht so blaß und kränklieh aus, daß man seine Tage für gezählt hält. Unter einem Olivenbauin im Vorhofe reparieren zwei Männer einen Pflug, dessen Form die gleiche ist wie die, den ihre Vorfahren vor 1500 Jahren benutzten: ein Stamm, der glatt am Boden anlicgt, schwingt sich in S-Porm nach oben. Am Unterteil ist das Pfltigmesser befestigt. Ein Kamel zieht den Pflug durch das Feld, der Fellache hält den S-Bogen in der Hand und steuert mit leichtem Druck das Messer durch die Felder. In diesem einen Raum von 6x6 Meter Größe, der durch den Platz für Lebensmittel und Brennmaterialien noch um ein Drittel verkleinert ist, leben 2 Männer, 2 Frauen, etwa 9 Kinder, viele Hühner, ein Esel, ein kleiner Hund. Die Feuerstelle ist direkt an der Tür, damit der Rauch abziehen kann. Hier wird gekocht — meistens eine Grütze, nur am Feiertag hin und wieder Hammelfleisch. Im Hofe ist ein Backofen, den die Nachbarn mitbenutzen, um Brot Das schönste ר״ה Geschenk * I PB PM TSU KLtNÜ ' i VfRLAC JlbHH-Ht *MlH I- »lltj.1v■ W 14 mit Gedenktagen, Schabbatzeiten usw, Redaktion: Dr, Joachim Prim Bilder: Aenne Mosbacfier« Kassel Nahum Gidal «Jerusalem u. a. m. Herausgegeh.von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Preis RM 1,90 Wieder Verkäufer erhalten Rabatt Erhältlich in den jüdischen Buchhandfungen oder luzügl. 15 Rpf, Porto direkt bei dem VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU £׳fr Berlin W 15, Meineke Straße 10 Postscliedckonto der VerlagaabteUang Berlin 71576 zu backen. Er sieht wie ein geschwärzter Kegel aus mit einem Feuerloch in der Mitte. Das Haus war lange unbewohnt. Das ,Haus des Scheich“ sollte weiter unbewohnt bleiben, niemand sollte es betreten, weit sein Geist noch umginge und die Entweihung seines Hauses rächen könnte. Aber die Angst vor dem Regen und der Obdachlosigkeit waren doch stärker als die Angst vor dem großen Toten. Nur die beiden Dachräume betritt man nie, denn hier hatte er in der Dämmerung gebetet und allein meditiert. Vom Dache des Hauses sieht man den Brunnen am Schulhause. Zwei Kamele lagern dort, sie werden abgeladen. In ihren Tragkörben ist feiner Sand zum Zementmischen. Die Mädchen kommen zum Wasserschöpfen. Fis sieht da unten aus wie ein Bild zu dem Text: ״Niederknien ließ er die Kamele draußen vor der Stadt am Brunnen, abends zur Zeit, da die Wasserschöpfcrinnen heratiskamen“ (Mos. I 24, 11). Sie leben in enger Gemeinschaft tnit den Tieren. Sie schlafen auf dem Boden, den sie mit ihren Händen bearbeiteil, sie essen selbstbercitctes Brot. Für den Europäer — auch für den, der ein Baucrnleben geführt hat — ist es fast unmöglich, sich in den Gedankenkreis der Fellachen hint'irizudeiiken. Ihre Snraehe spricht er nicht oder kaum, ihre Freude und ihre Trauer deutet er nach seinen Begriffen und sicherlich oft falsch, ihre Lehren und ihren Aberglauben kennt er nur aus der Lektüre, aber er hat sie nie erlebt. So ist es jedenfalls in den meisten Edlen, und er kann sich daher nur einen Begriff machen von diesen kindlichen, wilden, ungezügelt leidenschaftlichen Menschen, indem er aufzählt, was ihnen nach seiner Vorstellung von Lebenshaltung gänzlich fehlt. Es gibt keine Reinhaltung der Wohin du me, der Kleidung, des Körpers; keine Hygiene, keine Krntikenfiirsorge (oder doch nur sehr mangelhaft), keine Lektüre. Der Prozentsatz der Analphabeten verringert sich!־!וזי sehr, sehr langsam, — also keine Briefe, keine Zeitung, keine Schulung, keine Bildimg, kein Fortschritt in unserem Sinne der Entwicklung von Charakter und Persönlichkeit. Zum Arzt gehen sie nur im äußersten Notfall. Mit hohem Fieber reiten sie stundenlang und verlangen dann vom Ar/t, daß er sie auf der Stelle heile! Eine Einspritzung in den Arm, und sie reiten nach Hause. Geht das Fieber weg, סי war der Arzt gut, und jeder im Dorf, der irgend,wie krank ist, wallfahrtet zu ihm. Stirbt der Mann, so taugt der Ar/t nichts! ... ״ausgelöscht sei sein Name aus dem Gedächtnis alier Gläubigen!'‘ An eine Behandlung, an eine Kur, die längere Zeit dauert, denkt der Fellache nicht. Das Nt vielleicht etwas für Europäer. Es gibt eine große Schiebt gebildeter und kultivierter Araber. Hier ist nur die Rede von den Fellachen in den winzigen Dörfern des Landes. Religiöser Glaube und Aberglaube he stimmen ihre Handlangen. Sie sind ungemein leicht beeindruckbar und lassen sich schnell hinreißen, heim Streit das Messer zu gebrauchen. Der Muctitar, der Dorfvorstclier, verhandelt mit der Regierung, regelt die Steuerabgabe, schreibt die nötigen Briefe, leitet die Versammlungen und ist der verantwortliche Mann für alles. Den Weg zum Tal herab schreiten Frauen. Sie schreiten wirklich. Auf dem Kopfe tragen sie runde, flache Strohkörbe — Strohschalen könnte man sagen. Ihr Gang ist von natürlicher Anmut, ihre Haltung sehr aufrecht und stolz. Wir wissen, daß sie ungepflegt und schmutzig sind, und doch ist es schön, sie gehen zu sehen. Es ist eine Bewegung, die nicht wegziidenken ist aus dem Bild des arabisehen Dorfes. Sie ist so weni״ wegziidenken wie die Wasser- Schöpferinnen, die kleinen Esel 1111t ihren Tragkörhen, die Kinder am Brunnen, die nicht müde werden, um Rakschisch zu betteln. Die Eintönigkeit ihres Arbeitstages ist ebenso groß wie die Eintönigkeit ihrer Dorfstraße, ihrer ewig braunen Steine, ihrer immergrünen Olivenbäuine, ihrer braunen Haut und des Flatterns ihres Kopftuches. Wir sind gewohnt, sie vor unseren Türen zu sehen, wenn sie Waren anbieten, wenn sie feilschen oder fluchen. Sie sind im fremden Milieu geradeso befangen, wie wir es in ungewohnter Umgebung waren. Ein Blick hinter die Kulisscn überrascht und eroaunt mehr, als man schildern könnte. Ein Tanz, ein einfacher Volkstanz: 5 Männer fassen sich an den Händen, um sie herum stehen der Flötenspieler lind der Chor der Singenden. Die arabische Dopnelfiöte von ermüdender, einschläfernder Eintönigkeit, gibt eigentlich nur akzentuierend den Rhythmus. Zuerst stellen die 5 auf der Stelle, die Augen geschlossen. Noch kann ich skeptisch und ein wenig verächtlich sein: ״ancli ein Tanz!“ Ein kleines Zucken in den Händen, aut und nieder, immer abgehackter, ruckartiger, kürzer, spitzer, ־ dann beginnen sie, alle gleichmäßig, als würden sic an 1 ■',Ulen!.;emgen, den Fuß zu bewegen. Die Bewegung ist fast gar nicht wahrnehmbar. Die Zehen heben sich jetzt, der Ballen, Zehen, Ballen, Ballen, Zehen, dann das Bein und nun -- ein kleiner Tanzschritt. Der linke Fuß wird hinter den rechten gesetzt, immer noch ganz gemessen und mit cunr Pulte, die schwer mul feierlieh wirkt. Bis zu ungeahnter, unvorstellbarer Gesell windigkeit steigert sieh der ״Debkah“, der arabische Rmnltanz, <lem unsere ״Horrali“ xi.iehgebiklet ist. Dieser wilde Tanz, der ekstatische Züge anneltmeu kann, erinnert an den Dertvischtanz, der sieh zur rkstaog zur Sclbstvergessenheit, ja bis zur krankhaft übersteigerten Hingabe und Auflösung erhebt. Dieser Tanz im arabischen Dorf, mitten im judäischcn Bergland, ist erschreckend schön. Wer sind sie? Wer sind wir? Hier ist der Orient in seiner Rätselhaftigkeit. Wir sind ergriffen, aber er ist uns fremd. Anselm Bing, Jerusalem Musik ln Jerusalem. Im Hau.sc des Dr. Erich Cohn fand ein Hauskonzcrt alter Musik statt. Es wurden Werke für Violine und Klavier von Bach, Händel. Loeatelli, Korelli, Vivaldi und Beethoven vorgeführt. (Violine: Elisabeth Lesser* €01111.) Als Einleitung spielte die Begleiterin, Miß Kaplan, die ״Chromatische Phantasie und Fuge’‘ von Bach. — Der Bariton ist Alexander Bodanoff ist aufgefordert worden, die ״Gesellenlicder“ von Mahler, die er am 2׳. September im Palästina-Rad io in hebräischer Sprache 711m ersten Male aufführte, am 5. Oktober im Radio Kairo in deutscher Sprache zu wiederholen. - Der Gitarrist Alfred Klausner veröffentlicht (im Selbstverlag) eine Reihe von Cembalostücken von Händel und 1 riedemann Bach, die er für Laute eingerichtet hat. Kurse palästinensischer Papiere. Am 27. August hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere in Tel-Awiw folgende Kurse: Allgemeine Hypothekenbank 5 ״'oige Pfandbriefe 38 55 97, 6 ״/״ige Pfandbriefe 34/54 1021'!, 6 ״״ige kum, Vorzugsaktien 106 V,, gewöhnliche Inhaberaktien 1085/». P. L. D. C., gewöhnliche Inhaberaktien, 99, 6 ״״ige kum. Vorzugsaktien 951,), Keren Kajemeth Lejisrael 2' <>,׳,ige Pfandbriete 65, Bizur Ltd. 6 ״״ige Pfandbriefe 99, Palestine Potash Company 5V3 /״ige Vorzugsaktien sh. 16/6. (Schluß des Palästina-Teil»)

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