Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 71, 4. IX. W36 Musiker-Memoiren Geschichte aus der Nähe Sir Galahad: ״Bvzan/. Von Kaisern, Engeln und Eunuchen“. A. G. MacDonell: ״Napoleon und seine Marschälle“. Verlag; E. P. Tal, Leipzig-Wien 1936. Es ist eine Eigentümlichkeit unserer Epoche, daß sie es vielfach lieht, Geschichte aus der Nahe des Menschlichen zu schreiben. Die weit überschauende, die großer! Querverbindüngen herstellende Geschichtsschreibung eines Ranke etwa sagt heute vielen Menschen nicht mehr sehr viel. Zu den vielen Beispielen dieser Art von Geschichtsschreibung—guten und schlechten — gesellen sich die beiden eben im Verlag Tal erschienenen Bücher. Sir Galahad (ein Psetidoiivm, hinter dem sich eine Frau verbirgt) ist bereits mit dem bekannten Buch ״Mutter und Amazonen“ hervorgetreten. Mit dem Buch über Byzanz greift die Verfasserin ein Thema an, ■das nicht nur in der wissenschaftlichen öcschichtsschreihung bisher sehr kurz gekommen ist und darum noch viel Unbekanntes birgt, sondern eins auch der Darstellung für eine breitere Oefientüchkeit wert ist, weil zahlreiche Motive von einzigartiger Schönheit eine wahre Märchenwelt erstehen lassen Die Geschichte des byzantinischen Reiches zieht wie ein Traum aus ״Tausend und eine Nacht“ am Leser vorbei und enthüllt ihm eine Fülle bedeutender und kleiner Menschenschicksaie. Etwa die Darstellung der religiösen Bcdeu* tung Byzanz (das hier fremdartig ״die himmlische Jerusalem“ genannt wird) durfte der erste Versuch sein, diese komplizierte Hierarchie in einem Gesamtbild zu zeichnen. Auch der Versuch des Engländers A. G. MacDonell, die Geschichte Napoleons einmal unter dem Gesichtswinkel seiner Marschälle zu schreiben, ist zumindest interessant und zuweilen auch amüsant. Mit großem Fleiß ist hier alles zusammengetragen, was man über die Generäle Napoleons weiß; und wenn auch manche der angeführten Anekdoten nicht immer restlos den Ergebnissen der Forschung standhalten, so sind sie doch;11 allgemeinen zuverlässig ausgewählt und mit Kritik Vera rlicitel. Im ganzen bestätigt dieses Buch, daß Napoleon selbst alle seine Aktionen mit genialem Instinkt zu einem guten Ende zu leiten wußte, daß aber seine Generale, sobald sie ohne Weisung blieben, nicht 1 echt weiterkamen. Gegenüber ‘.Irin Genie waren sie nur sehr mittelmäßige Heerführer, die allerdings m der überwiegenden Mehrzahl durch einen bedeutenden persönlichen Mut ausgezeichnet waren. — Die Ueberset/ung des Werks besorgte Herbert!•! E. Heriitschka in sorgfältiger Weise. Dr. N. Bihelkunde in englisdicn Sduilen The Bible Guide Book. A Compauion to Bible Study for Young People am! their T hea-chers. Arranged bv M. Entwistle. Student Christian Movement. Eine englische Padagog in, Marv Entwistle, hatte Palästina und die jüdischen Siedlungen dort im Lande aus eigener Anschauung kennengelernt. Als sie mm den Plan vorwirkiiehte, ein neues I tandlmih für Bi bei-Studien zu schreiben, hielt sie sich immer den landschaftlichen Hintergrund der Biblischen Erzählungen vor Augen; und so gelang ihr eine große Anschaulichkeit und Farbigkeit der Schilderung. Gewiß nutzte sie überall die Ergebnisse neuerer Bibelkritik; auch sie erklärt den Einsturz der Mauern von Jericho nicht Riirhar? Buchhandlung Martin Salomon wM *J W i l l» ■o B«rlln KO «3. Hau* König«׳ *7 •«•׳ T««gl10n: 6 3 7635 als ״symbolisches Ereignis“, sondern als historische Tat- Sache, einen Einsturz, infolge eines Erdbebens, den die geschichtliehen Berichte festhielten. Manchmal bieten ihr die Erlebnisse ihrer Reise durch Palüstina auch Stoff zur Be- Streifung verbreiteter wissenschaftlicher Ansichten. Wenn Sir G. A. Smith meint, Palästina wäre niemals dichter bewaldet gewesen als zu der Zeit, da er seine ״Historische Geographie des Heiligen Landes''‘ schrieb, so hat sie das rasche Wachstum der Wälder in den zionistischen Siedlungen vor Augen und bekämpft mit Recht seine Ansicht. Es ist der Hauptreiz ihres ״Bible Guide Book“, daß sie sich nicht scheut, manchen intcressanu• 11 Vergleich zwischen dern Palästina der alten klassischen Zeit und dem Palästina, wie sie es aus ihren Wanderungen kennt, zu ziehen. bs. R. Binjamin: Par/.ufim (Physiognomien), Tel-Awiw 1034. Der breurnl der hebräischen Literatur begegnet R. Binjamin und seinem literarischen Werk auf Schritt und Tritt. Der vorzügliche Redakteur des ״Hahcil“ ist auch dessen fruchtbarster Autor. Man mag der Tendenz, die Rabbi Binjamin mit seiner Zeitschrift und manchen seiner Aufsätze vei folgt: die Vereinigung der < )rthodoxie und ihre Stärkung, insbesondere 1111 I )!em-tc Palästinas, vor allem durch Um- Werbung des imransigi iiieii riiigtls zu erreichen, Bedenken fntgegenstellen: sein Ruhm;11- .Autor Kt unbestritten. Und so zieren seine Beitr!ge die besten Zeitschriften und Zeitungen. Er ist einer der gl.iti/endsten l Qbei'set/er und Kritiker. Die großnstilistische Bcinliigung dieses Autors, seine Belesenheit, sein Geschmack, seine Meisterschaft im Hebräiscltcn über raschen auch, den, der verwöhnt ist. In dem Bande, der vor miliegt, bewahrt sielt R. Binjamin als Interpret und P'orti .1 sist in außerordentlichem Maße. In die verschiedensten Zeiten und Kultur kreise hat er sich eingdebt und kann er mit kundiger Hand den Leser, hesonders den hebt.usclieii, eie tri vieles fremd ist, einführen. Künstler, Politiker und grolle revolutionäre Menschen, die sich in den Dienst ■der Gesamtheit gestellt haben, stellt er dar. Neben Mark Aurel linden wir Amiie Besaut, Fr. Nansen, neben Lassnlle Mac! )onald. Gerade in der Gegenwart fesselt ihn das Fremdartige, Exotische, Ferne, und so kreist sein Denken immer wieder um Indien. Dort beschäftigt ihn nicht nur Ghandi, sondern auch Curzons Verhältnis zu jenem rätselhaften Land. Männer der Dichtung unserer Zeit, Anatole France, Thomas Mann, H. Bahr finden in ihm einen Darstcher — man versteht leicht, wenn man R. Binjamin kennt, warum gerade sie auf ihn attraktiv wirken. Natürlich ist ihm auch Jean Paul nahe. Dieser Band ist ganz niehtjiidischen Gestalten gewidmet. R. Binjamirt, läßt die Helden möglichst selbst zu Worte kommen. Wie vorzüglich gibt er hebräisch wieder, was sie in ihren Sprachen gesagt und gedacht haben! Manchmal möchte man etwas mehr den kritischen Standpunkt des Autors vernehmen. Aber alle werden ihm für den treuen, kiinstkrischen Dienst danken, und jeder wird gern neue ״Köpfe“ und ״Physiognomien“ von R, Binjamius Künstlerband skizziert sehen wollen. Oskar Wolfsberg Igor Strawinsky: Chroniqucs de m a vie. Verlag Denocl & Steel, Paris. Wenn ein Künstler wie Igor Strawitisky — der wohl begabteste und vitalste Komponist unseres Jahrhunderts — etwas über seine Arbeit schreibt, so bedeutet das ein Ereignis. Strawinsky repräsentiert das Gewissen der neuen Musik in einer Zeit, in der die einzelnen Musiker isoliert sind. Die zwei Bände ״Chroniqucs de rna vie“ sind von höchstem Interesse keinesfalls nur für den Musiker, sondern für jeden, der an der! geistigen Bewegungen der Zeit Anteil nimmt. Strawinsky sagt selbst ganz deutlich, daß er mit der Veröffentlichung nichts anderes beabsichtige, als ohne Umschweife zu sagen, ״was ich für wahr halte“, um dabei auch den Nebel von Mißverständnissen zu durchlrahren, der über seinem Werk lagert. Es ist kein Selbstporträt entstanden, denn Persönliches ist fast ganz ausgeschaltet. Strawinskv spricht nur von seinen Werken als Lösungen rein musikalischer Probleme. Seine schlichte Haltung ist die des Komponisten des 20. Jahrhunderts, der es abgelehnt hat, sich romantisch zu isolieren, der sich allenfalls als ein begabter Arbeiter vorkommt und sich mit allem Produktiven auf dem Gebiet jeder menschlichen Betäfigttng verbunden fühlt. Strawinskv behandelt i!1 seinen Chroniques fast nur seine Arbeiten; wir folgen ihm von seinen ersten Versuchen bis zur ״Persephone“, die 1934 uraufgeführt wurde, Wenn sich allgemeine Betrachtungen hin und wieder ergeben, so geschieht es nur nebenbei und immer irrt An- Schluß an ein bestimmtes Werk, das erläutert wird. Der Mann, der Zeit seines Lebens für das Ballett gearbeitet hat, stellt sich überraschend auf den Standpunkt der Ablehnung der Geste. Er komponiert als reiner Musiker. Es ist eine der wichtigsten Ueberzeugungen Strawinskys, daß man Musik richtig nur von ihr allein aus, ohne Nebenvorstellungen verstehen kann. Seine Forderungen an den Hörer sind dann nur konsequent; er lehnt das Hören mit geschlossenen Augen ab — vorausgesetzt, daß die Ausführenden nicht mehr als die notwendigen und zweckentsprechenden Bewegungen machen — weil er mit Recht vermutet, daß man die natürliche Sicht nur deswegen vermeiden will, um sich Träumereien zu ergeben und diese mehr zu lieben als die Musik selber. Wir verstehen jetzt erst richtig Strawinskvs ״Russentum“, das er ja oft in der Wahl von Texten und Stoffen bekundet hat. Romane — kurz angezeigt Begegnung aut dem Schulweg. Eine Liebesgeschichte von Maria K r e i t n e r, Herbert Reichner Verlag, Wien, Leipzig, Zürich 1936. Ein eigenartiges Buch. Menschen, wie wir sie täglich um uns haben, Alltagsmenschen, die auch in dem Buch Alltagsmenschen bleiben, aber durch die feine Charakteristik der Schriftstellerin aus ihrem Rahmen fallen und den Leser stark berühren. 1111 Mittelpunkt N’ikoletta, die äußerlich gesehen noch wie ein richtiges Schulmädchen aussieht, mit der Eckigkeit ihrer 13 Jahre noch vollkommen als ״Kind“ wirkt und doch schon in ihrem erwachenden Herzen als Frau stark empfindet und erlebt. Sie begegnet auf ihrem tagliehen Schulweg ihrer ersten Liebe, und zwar erlebt sie so tief und echt, daß sie aus ihrem Kindsein hinauswächst und alle Höhen und Tiefen einer echten Liebesbeziehung auskostet. Durch die große Enttäuschung, die ihr der Mann bereiten muß, da sie trotz ihres starken Gefühls zu ihm doch ״das Kind“ bleibt, das er wohl anbeten, aber nicht besitzen kann, muß sie sich hindurchkämpfen und die Kraft besitzen, diese Enttäuschung zu überwinden und ihre Zeit herankommen zu lassen. — Ein Buch mit viel Verständnis und Zartheit geschrieben, mit großen Spannungen und psychologischem Können. Hochzeit in Europa. Von Marianne Philips, Verbano Verlag, Locarno. Aus dem Holländischen übersetzt von Hanna Waldeck. Der Roman stellt uns ins jetzige Wien und vermittelt uns durch die ausgezeichnete Menschenkenntnis der hoiländisehen Schriftstellerin ein anschauliches Bild der verschiedenen Charaktere, die wir kennen lernen. Wir erleben einen einzigen Tag, an dem ein Malcrmeisterehepaar Hodi im Kreise seiner" Verwandten und Bekannten seine goldene Hochzeit feiert. Viele interessante Gestalten reihen sich an diese beiden Menschen und viele Schicksale. Uns intercssieren aus der Fülle der Gestalten besonders die des alten achtzigjährigen jüdischen Gemcindeschreibers Meyer Jonathan und seines ״Enkels Daniel, eines jungen Wiener Studenten. Beide wohnen auch in dem großen Mietshaus des Ehepaars Hodl. Der alte Jude lebt nur seiner Arbeit und für seinen geliebten Daniel, der in politische Streitereien der Studenten hineingezogen und am Abend der goldenen Hochzeit verhaftet wird. Wundervoll, wie die Verfasserin die Figur des alten Juden herausfeilt, der nur durch seinen tiefen üottesglauben und seine unvermindert starke Liebe zu Daniel sein schweres Leben erträgt. Paris In Baden-Baden. Von Paul Oskar Höcker, A. H. Payne Verlag, Leipzig 1936. Ein Roman, der in aristokratischen Kreisen zur Zeit Napoleons flf. in Baden-Baden spielt. Der Verfasser ist bemüht, diese Welt der Vornehmheit und des mehr nur äußerlichen Adeis vor uns erstehen zu lassen, aber man spürt zu sehr die Bemühungen darum, so daß sein Versuch nicht recht gelingt. Es liegt auch an der Wahl des Stoffes, der vieles Unproblematische zu gestalten versucht, was in Wirklichkeit nie ein echtes Probern war. Da geht es hauptsächlich darum, daß die junge Adlige Steffi, Tochter eines bekannten Rennstallbesitzers, einen Jugendfreund liebt, der bürgerlich ist und den Ansprüchen des Vaters und der Gesellschaft nicht entspricht. Außerdem bildet sie sich als Sängerin aus und hat auch auf diesem Gebiete viele Kämpfe mit dem Vater auszufechten. Garantiert echt. Eine Cieschichte von Bildern und Antiquitäten von Paul Flarrison, Saturn-Verlag, Wien 1935. Ein unterhaltendes Buch, da es Harrison versteht, die oft undurchsichtigen und für Laien unverständlichen Auktion*- geschäfte alter Bilder und Antiquitäten zu entschleiern. Es ist mit viel Humor geschrieben und zeichnet eine Fülle merkwürdigster Hochstaplergcstalten und Samtnlertypcn. Er erzählt, daß es patriotische Gefühle waren, die ihn im Kriege dazu veranlallten, sich mit russischer Lyrik zu beschäftigcn. Das lag noch vor jedem künstlerischen Prozeß. Was den Komponisten zur Vertonung reizte, war aber nicht die Atmosphäre, sondern das Material, ״die Verkettung der Worte und der Silben, sowie der Rhythmus, der heryorgerafen wird und auf uns eine Wirkung ausübt, die der Musik glcichkommt.“ Man darf mit Recht annchmen, daß Strawinsky sich von russischer Folklore nur deswegen hat anregen lassen können, weil sie eine Vitalität und ״Brutalität“ hergab, die seinen Atisdrucksmitteln einigermaßen entsprach. Den eigentlichen Folkiorismtts (ein Produkt des 19. Jahrhunderts), der Volksmelodien um ihrer selbst willen symphonisch steigert, lehnt er als ״ästhetische Doktrin“ ab. Einige spüren die Notwendigkeit einer Erneuerung der Musikwissenschaft, die sich bis jetzt nur mit wichtigen Nebenarbeiten abgemüht hat, aber noch nicht zu prinzipiellen Fragen gekommen ist. Deswegen steht ein Künstler wie Strawinsky mit Recht mißtrauisch und ablehnend Musikhistorikern, die aus Philologie kein sensorisches Verhältnis zum Kunstwerk und kein Verhältnis zur Moderne haben, gegenüber. Es sei unmöglich, eine ältere Epoche zu verstehen, sagt er, ״ohne ein unterscheidendes und lebendiges Gefühl für die Heutigkeit zu haben und ohne mit vollstem Bewußtsein an dem Leben, das einen umgibt, teilzunehmen“. Die musikalisch« Erziehung solle mit der Gegenwart beginnen. Die Stellung des Nichtjuden Strawinsky den Juden gegenüber ist positiv wie zu jeder anderen Menschenart. Einer Reiner besten Freunde ist der jüdische < seiger Samuel Dushkin, von dem er sich beim Schreiben seines Violinkonzertes hat beraten lassen. Ueher jüdische Geiger sagt er folgendes: ״Die größten Namen dieser Virtuosen sind in der Tat jüdischer Abstammung. Ihre Träger sollten darauf stolz sein, und man verstellt nicht recht, warum sie sich darauf versteifen, sich verkürzte russische Namen beizulegen, die m Rußland nur im Familienkreis gebraucht werden. Anstatt Alexander nennen sie sich Sascha; anstatt Jakob oder Jacques Jascha; anstatt Michael Micha...“ Wie den Geigern, so gibt er auch dem Dirigenten Klentperer Worte höchster Anerkennung. Dr. Hans Nathan In Jenen Jahren. Von Rudolf Schneider-Schelde, Zeitbild-Verlag Leipzig Wien 1935. Ein Roman mit Menschen, wie sie nicht sein sollen, Zustande, die nicht danach rufen, beleuchtet zu werden. Das Schicksal eines jungen Schriftstellers, der schreibt, ohne schreiben zu müssen, und als er dann mit bcsserem Gewissen zu schreiben anfängt, keinen materiellen Erfolg hat und in Not und Elend gerät. Man kann nicht mit ihm mitgehen, man kann keine Sympathien für ihn erwerben. Es fehlt jedwede Resonanz. Ch. F. Die guten Willens sind Jules Romains: “Eros von Paris“. Vierter Band der Serie: ״Die guten Willens sind“. Rowohlt-Verlag Berlin. Wir haben an dieser Stelle bereits früher (in Nr. 13 und 29) auf diese Romanserie hingewiesen, die in einer vorzügliehen deutschen Ucbersetzung von Franz Hessel erscheint, und die Jules Romains mit dem Ziele begonnen hat, in einer eigentümlichen Darstellungsart eine bestimmte Epoche französischen, oder besser Pariser Lebens ztt zeigen. Mit dem vierten Band, der nunmehr deutsch vorliegt, ist, wie der Verfasser seihst in einem Nachwort sagt, die erste Etappe dieses Unternehmens beendet, indem der Leser mit der Epoche, um die es geht (die Bände spielen Ende 1908) in möglichst breite Berührung gesetzt worden ist. In den weiteren Bänden sollen nun bestimmte Ereignisreihen und Personen längere Zeit begleitet werden. Späterhin wird dann die bisherige Darstellungsart, wie sie in den ersten Bänden gewählt wurde, wieder aufgegriffen werden, d. h. daß ein Mosaikbild des Lebens, so wie es ist, gegeben wird, ohne daß der Roman sich längere Zeit an die Schicksale einzelner Helden kettet. Blickt man auf diesen ersten Teil des gesamten Werkes zurück, so muß man Romains zugestehen, daß das Paris jener Jahre mit all seiner Bewegtheit, seinen Problemen und seiner Buntheit nicht ohne Eindruck auf uns geblieben ist. Dennoch wissen wir nicht genau, ob diese ״Relativierung“ des Lebens, wie sie von Romains unternommen wurde, die Auflösung in zahllose unverbundene Elemente, wirklich das Leben darstellt. Vielleicht ist die Widerspiegelung seiner ganzen Fülle in der Gestalt eines Einzigen doch der Realität näher als dieser Versuch. Darüber etwas Endgültiges aus- Zusagen, ist aber wohl bet dem gegenwärtigen Stand der Veröffentlichung noch nicht an der Zeit. Der vierte Band jedenfalls, iri dessen Mittelpunkt, wie der Name sagt, der Eros in vielen Formen steht, obwohl auch manche andere Motive, nicht zuletzt auch der politischen und sozialen Bewegung, angeschlagen werden, ist für den Leser mehr als fesselnd. —מ• Jamim Noraim. Arbeitsplan und Stoffsammlung von Bernhard S. Jacobson. Herausgegeben von der Bundesleitung des Brith Hanoar schcl Zeire Misrachi für Deutschland. Rechtzeitig vor den hohen Feiertagen ist diese Broschüre herausgegeben worden, die sich an die von der gleichen Stelle seinerzeit veröffentlichte Peßach-Broscltüre anschließt und eine ganz vorzügliche Zusammenstellung des Materials bringt, das zur Einführung in den Geist der Feiertage erforderlich ist. Das Heft wird daher sowohl in den Jugendbünden als auch in den Schulen ganz vorzügliche Dienste leisten können und ist nicht zuletzt dazu angetan, auch dem Erwachsenen, der sich geistig auf die Feiertagszeit vorbereiten möchte, viele Anregungen zu geben. Besonders begrüßenswert ist es, daß durch zahlreiche Hinweise auf die Quellen die Möglichkeit gegeben ist, von dieser Material- Sammlung aus weiter in den Stoff einzudringen. Der Herausgeber hat sich mit der Sammlung ein großes Verdienst erworben. —n. Dr. Theodor Simon: Essays mH dreizehn Bildbeigaben des bekannfen Graphikers M. Fingesfen Bibliophile Ausgabe KM 3.50 Jaakow Simon: ״Lastträger bin Icti** Neue jugendgesdilchten aus Polfisllna; mlf Uber 30 Bildern und farbigem Schufzumsddag 2.40 von Bernhard Geioart Erhältlich ln allen B!1 iitihondlungen Berlin»Charlottenburg, Dahimannslraße & / VERLAG KEDEM / Telefon: Je Bleibtreu 1141 Potltcheck-Koma: 100319