Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-09-04 · Heft 71 (4.9.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 71 (4.9.1936)
Date
1936-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653990--29419-2690948
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

p8r«71 ✓ Ja]irgaag 41 fl«fcriftleUung,Vft»Uj a. Anzelgenverwalfoxigt BcrllnW 15, N«!aeVeBtr.19 Vannft Sammel־Kammer J1 (Bismarck) 9031. - Bezugspreis einschließlich BasteUffald je Monat RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 b*w. RM 5,39. — Postscheck ־ Konteo der Vertriebs - Abteilung^ Berlin 71573 (für GrsC - Berlin), Berlin 173 92 (für das übrige Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Asspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Beragsgebühren. — Eracbnlnt Jaden Dienstag und Freitag* BERLIN י״ז אלול תרצ״ו FREITAG, 4. SEPTEMBER 1936 - a M'j Preis 25 RpE. JÜDISCHE RUNE Dar Zionismus erstrebt 101־ das Jüdische Volk die Schaltung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palast! anxeigee bar Mae Dienstag Mittwoch 13 20 Rpf., für in bestimmten Gelegenheit»* rlia 71618 oder e Schluß für die itag *Ausgabe Erscheinen 13 Uhr) Programm) Keine Alijah-Sperre! Die Ergebnisse der Londoner Kabinettssitzung - Ein Brief Ormsby-Gores an Weizmann London, 3. September (JTA.) In der heutigen Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency verlas der Präsident Professor Herbert Speyer ein von dem Kolonienminister Ormsby-Gore an Dr. Weizmann gerichtetes Schreiben, in dem versichert wird, daß die Palästina-Regierung Keine Verhandlungen mit dem irakischen Außenminister Nuri Pascha auf der Basis einer Einstellung der jüdischen Einwanderung führt. In dem Brief wird auf die in der Tageszeitung ״Palest ine Post“ veröffentlichten angeblichen Friedensbcdingungen des Obersten arabischen Komitees Bezug genommen und erklärt, daß weder der High Commissioner, noch die englische Regierung derartige Bedingungen entgegengenommen und zur Grundlage von Verhandlungen gemacht hätten. Auch die in einem Schreiben der Jewish Agency an den High Commissioner vom 31. August geäußerten Befürchtungen in bezug auf gewisse Maßnahmen, darunter auch die der Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Beendigung der Unruhen, seien völlig unbegründet. Weder habe High Commissioner Sir Arthur Wauchope Nuri Pascha ermächtigt, dem Obersten arabischen Komitee die Zusicherung zu geben, daß die Regierung im Falle der Beendigung der Unruhen solche Maßnahmen treffen werde, noch habe Nuri Pascha selbst eine solche Forderung überhaupt gestellt. Dem irakischen Außenminister seien keinerlei Versprechungen betreffend eine Einstellung der jüdischen Einwanderung oder Uebertragung der Vermittlerrolle zwischen Regierung und palästinensischen Arabern an ihn gegeben worden. Zum Schluß wird Dr. Weizmann ermächtigt, den Inhalt dieses Schreibens zu veröffentlichen. * Unter der Ueberschrift ״Kein Pakt mit arabischer Unordnung“ widmet heute die Zeitung ״Daily Tclegraph“ der politischen Lage in Palästina eine Betrachtung im Lichte der ges t r i ge n Ka b ine 11 sbe sch 1 ü sse. Ausgehend von der Feststellung, daß seit der Bekanntgabe der Zusammensetzung der Kgl. Kommission für Palästina durch den Kolonienminister schon fast fünf Wochen vergangen sind und der arabische Terror in dieser Zeit unvermindert angedauert hat, erklärt das Blatt, daß viele Engländer ein schärferes Vorgehen in Palästina wünschen, als es bisher infolge des Zögerns der Palästina - Verwaltung, das Standrecht zu verkünden, möglich war. Weiteres Unbehagen sei durch die Gerüchte hervorgerufen worden, daß die englische Regierung die Vermittlungsversuche Nuri Paschas wohlwollend verfolge und im voraus angedeutet habe, daß sie eine Amnestie für die Mörder und die Einstellung der jüdischen Einwanderung während der Arbeit‘1der Untersuchungskominission erwägen wolle. Ein Ausgleich unter solchen Bedingungen würde jedoch durchaus den Zusicherungen widersprechen, die der Kolonienminister dem Parlament gegeben habe. Diese Gerüchte, schreibt ״Daily Telegraph“, haben sich auf Grund der gestrigen Entscheidung der Minister, daran fqstzuhalten, daß die Kommission nicht zusammentreten und der jüdischen Ein- Wanderung keine Einschränkung auferlegt werden soll, solange die gegenwärtige Herausforderung an Frieden und zivilisiertes Verfahren andauert, glücklicherweise als unrichtig erwiesen. Die Bekanntgabe dieser Entschlossenheit sollte aus dem Geiste der Araber jeden Gedanken an die Möglichkeit vertreiben, daß die von Nuri Pascha vorgeschlagenen Bedingungen für die Mandatarmacht annehmbar sein könnten. So gut gemeint die Bemühungen Nuri Paschas auch sein mögen, heißt es in der Notiz des ״Daily Telegraph“ weiter, sie haben zu nichts geführt, nicht einmal zum Abbruch des Streiks. Die Untersuchungskommission, deren Zusammensetzung eine unparteiische Prüfung der arabischen Beschwerden gewährleistet, könne nicht zusammentreten, solange die jetzigen Zustände andauern. Auch könne der Frieden nicht durch Bedingungen erkauft werden, die eine Ermutigung zu weiteren Forderungen und künftigen Unruhen wären. Die Mandatarmacht in Palästina und die englische Regierung bleiben fest bei ihrem Entschluß, daß auf Unruhen als politische Waffe verzichtet werden und zwischen arabischen uno jüdischen Führern ein Abkommen zustande kommen muß, das beiden Gemeinschaften ein Leben unter gleichen Bedingungen und unter einer unparteiischen Verwaltung ermöglicht. Es wäre klug von den arabischen Führern, die Ent- Scheidung der englischen Regierung als klaren Hinweis darauf aufzufassen, daß ihre Agitation in der gegenwärtigen Form nicht weitergehen kann. __ Die arabischen Bedingungen Jerusalem, 1. September. (Palcor.) Die heutige Morgenausgabc der ״Pa lest ine Post“ veröffentlicht die von dem Obersten arabischen Komitee akzeptierten Bedingungen, auf Grund derer der Abbruch von Streik und Terror erfolgen soll. Nach <11111־ Bericht handelt es sich um folgende!Hinkte:!.Allgemeine Amnestie für sämtliche während der gegenwärtigen Unruhen verurteilten Araber; 2. Suspendierung der jüdischen Einw anderung während der Untersuchungen der Royal Commission; 3. Eine Zusage der palästinensischen Regierung, daß solche Beschränkungen der jüdischen Ein- Wanderung von der Royal Commission empfohlen werden, die keine Befürchtungen für die zukünftige Stellung der Araber im Lande aufkommen lassen; 4. Ein Vertreter der Regierung des Irak soll berechtigt sein, vor der Royal Commission zu crscheinen, um die Forderungen der Araber in Palästina zu unterstützen; 5. Nach Abschluß der Untersuchungen der Royal Commission soll die Regierung des Irak mit der englischen Regierung in Verbindung bleiben, um die Durchführ 11 ng der für die Araber günstigen Empfehlungen der Royal Commission zu gewährleisten und für Annullierung der für sie ungünstigen Empfehlungen Sorge zu tragen. Weizmann und Ben Gurion bei Ormsby-Gore London, 31. August. (JTA.) Der Präsident der Zio- Bistischen Organisation und der Jewish Agency, I>r. Chaim W c i z 111 a 11 n, und der Präsident der Palästina-Exekutive, David Ben Gurion, sind am Montag von dem Kolonienminister Orinsbv-Oore empfangen worden. Sie hatten mit ihm eine längere Aussprache über die Lage in Palästina. Ein arabischer Aufruf Jerusalem, 31. August. (Palcor.) Auf der gestrigen Sitzung des Obersten arabischen Komitees wurde endgültig beschlossen, sämtliche lokalen Streikkomitees zu einer Konf e r e 11 z nach Jerusalem einztiberufcn und gemäß den Vorschläge von Nuri Pascha die Beendigung von Streik und Terror zu befürworten. Ein Gesuch um Genehmigung zur Abhaltung dieser Konferenz ist bei der Regierung eingereicht worden. Das Komitee hat folgenden Aufruf an das arabische V o I k erlassen: ״Zwischen dem Obersten arabischen Komitee und dem Außenminister des Irak, Nuri Pascha, sind längere Verbandhingen geführt worden, deren Zweck die Herbeiführung einer befriedigenden Lösung des Palästina-Problems war. In den durch gegenseitiges Vertrauen und Aufrichtigkeit gekennzeichneten Beratungen wurde eine Verständigung bcziiglieh einer Intervention der arabischen Könige und Fürsten erzielt, deren Vermittlung beiderseits größtes Vertrauen entgegengebracht wird. Nuri Pascha wird daher die erforderlichen offiziellen Verhandlungen führen, während das Oberste arabische Komitee durch Einberufung einer Konf e r e 11 z sämtlicher S t r c i k k o m i tces die Frage dem Wortlaut des Manifestes des A.-C. an das jüdische Volk auf Seite 2 arabischen Volke zur Entscheidung vorlegen wird. Der Generalstreik wird von der Nation im selben Geiste wie bisher weitergeführt werden, bis das erhoffte Ergebnis erzielt ist, das dieser ehrenvollen Nation ihre Grundlagen und Rechte erhalten und sie dem ersehnten Ziele entgegenführen wird.“ Die arabische Presse berichtet über die Sitzung des Obersten arabischen Komitees und bemerkt, daß der Beschluß, die endgültige Entscheidung über einen Abbruch des Streiks der Konferenz der lokalen Streikkomitees zu überlassen, unter dem Druck des Mufti und seiner Anhänger und gegen den Wunsch der anderen Parteien angenommen worden sei. Die Zeitungen ״Adifaa“ und ״Feiest in“ wenden sich scharf gegen diesen Beschluß, da das Oberste arabische Komitee den Willen der arabischen Nation verkörpere und selbst in der Lage sei, über den Abbruch des Streiks zu entscheiden. Nach der Entscheidung1 Die Nachricht, die über das Ergebnis der Londoner K a b in e 11 s s i t 1 11 11 g bekannfgegcbeii wurde, wird in der ganzen jüdischen Welt Befriedigmig lu; r vor ruf 011. Die letzten Tage waren durch eine beinahe mienraglirhe Spannung gekennzeichnet, und die bange trage schwebte auf den tappen eines jeden Juden, ob die Einwanderung 11.1,11 Palästina wirklieh gesperrt werden wurde. Ein Aufatmen geht durch das jüdisehe Volk in allen Landern der Welt und nicht zuletzt auch durch die Jude n heit Deutschlands, die durch tausendfache Beziehungen persönlicher Alt mit dem hortgang des Aufbauwerkes in Palästina verbunden ist und die 1111gestörte Fortsetzung der Ein« andermig als eine I.eben״11-־t- Wendigkeit empfindet. Noch in den letzten Tagen ist eine starke Alijali in das Land in Gang gebracht wordm, weil man befürchtete, daß eine h'imvandeningssperre, die etwa kommen könnte, auch diejenigen treffen würde, die bereits dicht vor ihrer Abreise standen. Mit hangen Gefühlen ist mancher in diesen Tagen abgefahren, fürchtete er doch, zu den letzten zu gehören, die vorerst ins Land kommen. Wenn diese Gefahr nunmehr abgewendet ist, so werden besonder#־ alle diejenigen, die sich auf die Uebcrsicdlung na oh 14lästina vorbereiten, um sich in den Schaffensprozeß ift^Lanac einzugliedern, die Nachricht mit großer Freude und innerster Anteilnahme empfangen. Die öffentliche Meinung Englands hatte schon in den letzten Tagen, die der entscheidenden Kabinetts- Sitzung vorartgingen, die Schwere der Entscheidung deutlich erkannt. Man empfand, daß cs hier nicht um eine beliebige Sache geht, bei der man so oder so sein Votum abgeben könne, sondern um die Einlösung eines W o r t c s d e r britischen Regierung, ־um die Aufrechterhaltung ihres Prestiges und um eine moralische Frage. Wir veröffentlichen an anderer Stelle unserer heutigen Ausgabe einen Artikel der ״Times“, der diese Gedankengäiige in präziser Form zum Ausdruck Bringt. Das jüdische Volk hat in diesen cnlsrlu׳i!!1111gsreid1en Tagen eine seltene F i 11 m!11 i g k c i t gezeigt. In allen seinen Gruppen hat es gegen die Gefahr protestiert, die über ihm schwebte, und das zionistische A k t i o 11 s - C o m 11 e wie auch das Administrative G o in m i t t e e der Jewish Agency haben dem Ausdruck gegeben. Nun gilt es, F.tiischlossenkeif und Einigkeit auch weiterhin zu bewahren. I ienn wir wissen, daß uns noch Nclnvere Tage und Monate bevorstellen. Mit dem Terror in Palästina muß endlich Schluß gemacht wurden, um da» Land wieder zur ruhigen Arbeit ztirückztiftiliren. [)er jisehuw hat einebewumlerungswürdige Disziplin und Zuruckhallimg in diesen Monaten bcwahrt und damit dazu beigetragcn, da 11 die moralische Position des jüdischen Volke-- 111 den Augen der Welt und Englands gestärkt wurde. Wir hoffen, daß die Regierung nunmehr unter Anwendung aller ihr zur Virt'ugirig sichenden rechtlichen und militari^!11-11 Machtmittel dem Lande den von allen atifbauwilligni mul ruhigen Elementen so heiß ersehnten Friegen wicdcrgeln-h wird,!)aß der Juchiiw ihr hierbei zur Seite stehen wird, kann gewiß sein. Wir brauchen die A t m o s רן h ä r e d e r R!1 h e 11 n d des Friedens für unsere Arbeit. Nichts anderes wollen wir ja als das Land entwickeln zum Segen aller seiner Bcwohner. Das Aktions-Comite hat in seinem Manifest an das jüdische Volk jetzt diesem Gedanken erneut Ausdruck gegeben lind seine Bereitschaft zur friedlichen Kooncration mit dem arabischen Volk in Palästina ausgedrückt. Die Pazifizierung des Landes muß der nächste Schritt sein. Dahinter allerdings steilem die großen Probleme der Politik und des Zusammenlebens der Volker in diesem Land, an denen wir nicht Vorbeigehen können und wollen. Sie zu bewältigen — sowohl vor der in Aussicht genommenen Untersuchungs - Kommission als auch im Verlauf unserer weiteren Arbeit — lind uns auf ihre Lösung vorzuhereiten, wird eine der dringlichsten Aufgaben sein, die die zionistische Bewegung zu erfüllen hat. Schwere Tage durchlebt das jüdische Volk. In vielen Ländern ist es in drückende Sorgen verstrickt, und große Widerstände haben sich zusanimcngctan, um seine nationale Erneuerung in Palästina zu verhindern oder zu erschweren. Wenn nunmehr der Fortgang der Einwanderung, der einige Tage hindurch bedroht schien, wieder gesichert ist, so wird dem Volk dieses Ergebnis ein Ansporn sein, die eigenen Kräfte zu verdoppeln und die historische Stunde ausztinutzen, die ihm gegeben ist, um sein eigenes Schicksal neu zu gestalten. _________

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.