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Jüdische Rundschau · 1936-09-01 · Heft 70 (1.9.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 70 (1.9.1936)
Date
1936-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IN*. 70 / Jahrgang € Preis 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAU Mirlftteltiutiff'Vnrlaff u. An»lgeav«rw«ltnDg1 Berlin W15, Melnekeitr.10 Fnrarnf 1 Summe! - Nnmmer J1 (Blamarck) 9032. — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 btw. RM 5^9. — Postscheck - Konten der Vertriebs •Abteilung: Berlin 71573 (für Grofi Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag und Freitag. BERLIN י״ד א<ול תרצ״ו DIENSTAG, 1. SEPTEMBER 1936 Gültig t Anselgenprelsliate Nr, 5־ Die 12 gespaltene mm-Zeile 20 Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anreisen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheits- Anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 —18 Uhr. Annnhmesdhluß für di« Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr, (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Der Zionismus erstrebt für das jOdlsche Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Noch keine Entscheidung: Schluß der A.- C.-Sitzung — Council-Tagung in London — Nuri Pascha verhandelt weiter Entscheidende Kabinetts-Sitzung am Mittwoch Abgebrochene Sitzung Zürich, 31. August (telephonisch) Die A.-C.-Sitzung packt ihre Koffer und übersiedelt nach London. Genauer gesagt, die A.-C.-Sitzung ist geschloss e n, und das Administrative Committee der Jewish Agency beginnt seine Tagung am kommenden Mittwoch in London. Zum ersten Mate hat sich die Zweiteilung der Organisation bewahrt, obwohl noch sehr zweifelhaft ist, ob sieh die Dispositionen der einzelnen Mitglieder des Administrative Committee, die sich bereits auf Zürich eingerichtet hatten, so schnell werden umstellen lassen, und ob daher die Londoner Sitzung das Schwergewicht haben wird, das sie in Anbetracht der zu entscheidenden Gegenstände haben müßte. Noch nie hat sich so deutlich gezeigt wie diesmal, an welchem inneren Widerspruch, alle Sitzungen der zionistischen Instanzen leiden. Früher konnten die Sitzungen die Haltung der Organisation auf lauge Sicht bestimmen oder man meinte wenigstens so. Heute aber geht die entscheidende Entwicklung im Leben selbst vor sich, viel schneller, als Beratungen und das Denken folgen können und getrieben von ganz anderen Faktoren, als im hergebrachten zionistisehen Denken vorhanden sind. Diese Sitzung stand unter einer ganz eigentümlichen Stimmung. Im Vordergrund stand das Interesse für die Nachrichten aus Palästina. Dieses Interesse war begreiflicherweise viel größer als das an den Vorgängen der Sitzung seihst. Man weiß, daß Entscheidendes vorgeht, und besonders die Palästinenser sind hier unruhiger als in Palästina selbst, wo der direkte Kontakt mit dem palästinensischen Leben, sei es auch noch so erregt, beruhigend wirkt. Auf der anderen Seite ist aber das Bestreben zu merken, die A.-C,-Sitzung so durchzuführen, wie man es gewöhnt ist: mit Kommissionen aller Art zu politischen, finanziellen, wirtschaftlichen, organisatorischen Fragen. Man tut, als ob die Routine einfach weiter ginge. Einen Tag — vorigen Donnerstag — hat man auch in Zürich den Ernst der palästinensischen Situation gefühlt, dann aber, als die ersten übertriebenen Nachrichten sich nicht als wahr erwiesen, ist die Sitzung sofort wieder zurückgesunken in ihre gewöhnliche Haltung. Man vermißt in diesem Kreis eine entscheidende politische Initiative, die sich wirklich auf die neue Situation umstellt, und den Einbau der neuen Faktoren in die gesamte Anschauung des Zionismus. Im Grunde sind die Methoden dieselben wie früher, und auch der lnhalt der Reden und Resolutionen unterscheidet sich nicht wesentlich von dem gewohnten Stil. Die Tatsache des Abbruchs der Sitzung zeigt aber die wahre Lage. Zwar hat man auch nach der Abreise von W c i z m a n n und anderen Mitgliedern der Exekutive die Kommissionsarbeit fortgesetzt. Aber diese Sitzung führt nur eine Art Schattendasein. Konsequenterweise werden aucli nur wenige Beschlüsse gefaßt. Die Exekutive selbst hat, wie Ben G 11 r i o n gleich im Anfang sagte, ein Interesse daran, daß möglichst wenig Beschlüsse gefaßt werden, um freie Hand zu behalten. Leider aber ist man auch diesen Weg einer Uehertragung der Ent- Scheidungen auf einen kleinen bevollmächtigten Ausschuß nicht zu Ende gegangen. Mau hat die Vollmachten an ein Engeres A k t i o n s ־ C o m i t e abgetreten, das im wesentlichen aus den palästinensischen Mitgliedern des Aktions-Comites besteht und in Palästina selbst von Fall zu Fall die Ent- Scheidungen treffen soll. Diese Körperschaft ist aber auch unter den Gesichtspunkten ausgewählt, die für den Zionisten- Kongreß maßgebend waren und die schon wegen der Zugrundelegung des Parteischlüssels ganz andere sind, als jetzt notwendig wäre. In Zürich, verfolgt man mit großem Interesse die Vorgänge in London. Heute findet eine Unterredung von W e i z!n a n n mit dein Kolonie!',uinister Ormsby-Gore statt, und nach dieser Aussprache wird man klarer sehen, als es jetzt der Fall ist. Denn die Nachrichten der letzten Tage waren sehr verwirrend und widerspruchsvoll. Erst hieß es, daß Freitag der Streik abgebrochen werden sollte, jetzt zeigt sich, daß diese Nachricht vorzeitig war. Die Nachrichten der letzten Tage geben wieder ein anderes Bild. Es scheint, daß wir noch weiter vom Abschluß der Unruhen entfernt sind, als man ursprünglich geglaubt hatte, und daß auch der Terror und die Gewalttaten weitergehen. So sehr dieses neuerliche Blutvergießen hier bedauert wird, so ist doch andererseits daraus zu entnehmen, daß auch über die arabischen Forderungen noch keine Einigütig in der Regierung erzielt wurde, und daß die angedrohte Einstellung der Einwanderung noch nicht verhängt um! nicht fest zu gesagt ist. Es ist bemerkenswert, daß infolge der zahlreichen Pressemeldungen, die von der Einstcllung der Einwanderung sprachen, die Meinung entstanden war, daß dies schon eine beschlossene Sache ist. Zwar hat die Regierung erklärt, daß sie nicht vor der Gewalt zurückweichen wird, aber das allgemeine Mißtrauen gegen diplomatische Redewendungen hat auch auf die zionistische Bewegung übergegriffen. Man ist fast überzeugt von dem Gegenteil dessen, was die Regierung gesagt hat, und diese Meinung wird durch die Pressemeldungen aus England und den zahlreichen Meldungen der Schweizer Zeitungen noch bestärkt. Die Exekutive bemüht sich mit allen Mitteln, zunächst die Gefahr einer Einwanderung s sperre abz u w e h r e n. Entschiedene Vorstellungen in dieser Richtung werden noch in letzter Stunde gemacht. Ferner ist die Frage zu klären, ob das Recht der ausländischen arabisehen Könige und Staatsmänner, in palästinensische Angelegenheiten einzugreifen, anerkannt wird, und ob sie als Vertrags- bzw. Verhandlungspartner betrachtet werden sollen. Es besteht in leitenden zionistischen Kreisen die Besorgnis, daß in einem solchen Falle unausgesprochen die Meinung aufkommen könnte, als ob auch die anderen Beteiligten die Zugehörigkeit Palästinas zu dem arabischen Länderkomplex anerkennten. Es könnte dann auch die Frage der Verfassung Palästinas und der Existenz des Mandats von nicht als kompetent angesehener Seite aufgeworfen werden. Die Zionistische Organisation steht auf dem Standpunkt, daß diese Frage keineswegs eine Angelegenheit des gesamten arabischen Volkes oder der außerpalästüvensischen arabischen Reiche sein darf. ä, i Das Aktions-Comitl hat'ihren Auf ruf an das jüdi sc he Volk beschlossen, der einen Ueberblick über die letzten Monate gibt und eine Bilanz aus dem Verhalten der Araber, der Juden und der englischen Regierung zieht. Zum Schluß wird ein dringlicher Appell an das jüdische Volk gerichtet, in dieser Zeit seine Einigkeit zu beweisen und alle Kräfte für den Schutz der nationalen jüdischen Rechte in Palästina einzusetzen. Man hofft, daß die Londoner Sitzung ein Bild der Entschlossenheit und der politischen Initiative geben wird. Die zionistische Bewegung weiß — und auch die im Aktions- Comite nicht vertretenen zionistischen Kreise wissen und fühlen das genau —, daß sich der echte Zionismus jetzt unter allen LJmständen zu bewähren haben wird. Es geht darum, die Treue zum zionistischen Ideal und zu dem zionistischen Werk zu verbinden mit der politischen Klugheit und Weitsicht, die die realen Verhältnisse des Augenblicks erfordern. Der Tagungsverlauf Zürich, 28. August. (JTA.) Angesichts der außerordentlichen Zuspitzung der politischen Situation in Palästina hat das Aktions-Comitfi beschlossen, seine Tagung in Zürich am Sonntag abzuschlicßcn und am kommenden Mittwoch in London ergänzende Beratungen von Mitgliedern des A.-C. aufzunehmen. Bei diesem Beschluß ging das Aktions-Comitö von der Lieberzeugung aus, daß im gegenwärtigen Augenblick ein dauernder persönlicher Kontakt der zionistischen Führung mit den maßgebenden Regierungsstellen in London unerläßlich sei. Der Präsident der Jewish Agenev und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim \V c i z in a n n, ist sofort nach London ab gereist, um am Montag in einer Unterredung mit Kolonicnministcr Ormsby-Gore zu versuchen, eine Klärung der Lage herbeizuführen. Z ii r i c h, 30. August. Die Kommissionen nahmen Sonnabend abend die Arbeit wieder auf, um die Beschlüsse für die Plenarsitzung fertigzustellen. Wie Paleor erfährt, soll infolge der ernsten politischen Situation ein das Aktions-Comitd repräsentierendes Komitee, in dem sämtliche Parteien vertreten sind, gewählt werden, das mit der Exekutive in Jerusalem kooperieren soll. Die Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency, die im Anschluß an die Tagung des Aktions-Comitös stattfindet, ist nach London verlegt worden und wird am 2. September beginnen. Das Zionistische Aktions-Comite hat in der am Sonntag abend abgehaltenen Plenarsitzung einen Etat von 327 000 Pfund für das Jahr 1937 angenommen. Außerdem wurde eine Reihe von Beschlüssen angenommen, darunter der, einen Wirtschaftsrat für Palästina mit Zweigstellen in Jerusalem, Tel-Awiw imd Haifa zu schaffen, der in allen die palästinensische Judenhcit betreffenden Wirtschaftsfragen mit der Zionistischen Exekutive Zusammenarbeiten soll. Vorher erstattete Jizchak G r ii n b a u m und Dr. Arthur H a n t k e ihre Referate über die Arbeitsbeziehungen in Palästina und die Arbeit des Keren Hajcssod. In der Kommission für Wirtschaftsfragen wurde der Be- Schluß gefaßt, Sammlungen für einen speziellen H i I f s - fonds für den Jischuw zu proklamieren. Mit Hilfe dieses Fonds sollen die durch die Unruhen verursachten Schäden wieder gutgemacht und die Grundlagen für die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Jischuw׳ gefestigt werden. (Schluß des Berichtes Seite 2) Forderung des Volkes Das jüdische Volk 111111! in diesen Tagen eine schwere Nervenprobe bestehen. Waren bereits die letzten 41•״ Monate von täglicher Spannung darüber erfüllt, welche neuen Nachrichten aus Palästina eintreffen würden, so ist zu dieser Quelle der Beunruhigung ein weiterer Faktor hinzugetreten. Die Verhandlungen, die über die Beendigung der arabischen Unruhen in Palästina sowohl in Jerusalem wie in London geführt werden, erwecken die leidenschaftliche Anteilnahme des ganzen Volkes, und aus allen Teilen der Welt, wo immer Juden wohnen mögen, blicken ihre Augen dorthin, wo über das Schicksal Palästinas verhandelt wird. Während diese Verhandlungen fortgeführt werden, geht der arabische Terror in Palästina selbst weiter. Nachdem es einige Tage lang den Anschein hatte, als ob im Zusammenhang mit der Vermittlungsaktion des irakischen Außenministers die Weile des Terrors abgeebbt hätte, sind in den letzten Tagen eine große Anzahl von Attentaten, Ueberfällcn und Sabotageakten vorgekomrnen, denen auch wieder zwei jüdische Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Die Vcrna.idlungen selbst sind noch durchaus in der Schwebe. Wie gemeldet wird, sind die Widerstände im arabi• sehen Lager, die sich gegen einen Abbruch des Streiks auf Grund der Vorschläge Nuri Paschas w׳enden, außerordentlich stark. Die extremistischen Elemente und besonders die Terrorgruppen wollen sich mit dem ihnen Gebotenen nicht zufrieden gehen. Nach den neuesten Meldungen wurde auf arabischer Seite der Beschluß gcfaßt, Nuri Pascha auf Grund seiner Vorschläge zu weiteren schriftlichen Verhandlungen mit der Mandatsregicrung zu ermächtigen. Leber den Inhalt der Zusagen, die Nuri Pascha den arabischen Führern machen konnte, herrscht vorläufig noch Unklarheit. Wie verlautet, soll von der Regierung der Erlaß einer zeitweiligen Einwanderungssperre für einen Termin 14 Tage u a c 11 Abbruch des Streiks und Einstellung des Terrors in Aussicht gestellt worden sein. Mari wird aber nicht fehlgehen, wenn inan anniinmt, daß die Verhandlungen, die in 1.0 11 do!1 seihst geführt werden, von nicht geringerer Bedeutung sind als die Jerusalemer Besprechungen. Dr. W e i z m a 1111 wurde gestern vom Kolonicnministcr Ormsby-Gore etnpfangen. Die Entscheidung selbst soll nach Londoner Pressemeldungen bei einer K a b i 11 e 11 s s i t z 11 n g, die am Mittwoch stattfimlet, fallen. Es kann ja auch kein Zweifel darüber bestehen, daß das Problem, um dessen Lösung es geht, so zentrale Bedeutung besitzt, daß es zur letzten Entscheidung in London selbst kommen muß. Die Beratungen des Aktions-Comites sind inzwischen in Zürich beendet worden. Ibas A d m i ־ nistrative Co m m i 11 e e der ■Jewish Agency wird in London zusammentreten. Die A.-C.-Beratungen schlossen mit einem Manifest an das jüdische Volk, in dem der Anspruch des Volkes auf Offcnlialtung der Tore des Landes eindrucksvoll dargelegt wird. Dies ist ja in der Tat die Voraussetzung des jüdischen Aufbauwerkes und damit der Erfüllung des Mandates. Es bedeutet zugleich die Gewährleistung einer Lebensmöglichkeit für all die Tausende, die ins Land kommen, und die Erhaltung einer Zukunfts* hoff nung für die ungezählten jüdischen Massen, deren Wünsche sich mit Palästina verknüpfen. Der einheilige Protest des polnischen Judentum s, der sich gegen die Möglichkeit einer Einwanderungssperre richtete, und die Stimmen aus allen anderen Teilen der Welt, die in diesen Tagen vernehmlich zu hören sind, werden gewiß nicht ohne Eindruck bleiben. Es geht ja in Palästina nicht allein darum, ein lokales Problem zu lösen, sondern alle Partner, die an diesem Lande interessiert sind, haben die Aufgabe übernommen, zu

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