Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1936)
- Date
- 1936-08-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653988--29387-2690914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU NS. 69, 28. AUGUST 1936 Forderungen des Jischuw Chronik des Terrors Zu einem Gefecht kam cs zwischen einer Abteilung Truppen und einer bewaffneten Araberbande, die auf das Gefangeneniager in N ti r s 11 a m Schüsse abgefeuert hatten. Zwei der Banditen wurden verwundet. Bei einem Uebcrfalt auf eine Militärpatrouille in der Nähe von Hebron wurde ein englischer Armee-Offizier verwundet. Nördlich von Nablus traten Truppen zusammen mit Flugzeugen in Aktion gegen eine Araberbande, ■die mehrere Verluste erlitt. Aut der J e r i c 11 o - C 11 a u s s e e wurde von einem jiidischen Arbeiter ein verwundeter Araber aufgefunden; im Spital wurde festgcstellt, daß die Wunden von einer von ihm selbst geschleuderten Bombe lierriilirton. In Jaffa schleuderte heute ein Araber eine Bombe aut einen voriiberfahrenden Autobus mit jüdischen Arbeitern; die Bombe explodierte jedoch, ohne ihr Ziel zu erreichen, und verletzte einen Araber und eine Araberin. Beim Gütertransport aus einem Jaffa er Warenlager nach Tcl-Awiw wurden drei Juden durch eine auf sie geschleuderte Bombe verwundet. Aut der Grenze zwischen Tel-Awiw und Jaffa feuerten vier Araber auf Juden Schüsse ab, die jedoch niemanden trafen. Die Täter wurden verhaftet. Am 10. August wurde auf dem Jaffaer Postamt ein 3 kg schwerer Koffer aufgegeben, der dem jüdischen Kaufmann Schriebcr in Tel-Awiw zugestellt werden sollte. Die Auslieferung war versehentlich heute vormittag unterblieben. Das Gewicht und der am Koffer hängende Seh'iissel erregten Verdacht, und man verständigte die Polizei, die heim Ocffnen des Koffers eine Bombe mit einer Dynaniituhr fand. Die Polizei nimmt an, daß ähnliche Sendungen noch an andere Personen in Tel-Awiw aufgegeben wurden. Ein Araber wurde in Haft genommen. 30 junge Araber ans den vornehmsten Familien des Landes sind nach einer von englischem Militär im Jaffaer Fußballklub durchgefiihrten Haussuchung verhaftet worden. Eine Anzahl von Bomben sowie mehrere Höllenmaschinell, die zur Versendung bestimmt und für die Explosion bei Entfernung der Verpackung eingerichtet waren, wurden gefunden. Die Polizei hat durch den Rundfunk eine Warnung vor O e f f n u 11 g von Paket c n unbekannter Herkunft erlassen. Man müßte damit rechnen, daß solche Pakete Höllenmaschinen enthalten. Weitere Todesopfer Die 17jährige, ans Plon.sk in Polen stammende Soshana Laznicki, die bei dem Ueherfall auf jüdische Arbeiter in der Nähe von Kfar Saba am 2!. August verwundet worden W'ar, ist ihren Verletzungen erlegen. Nach einem Gefecht bei Rajit Weg an wurden drei Araber tot aufgefunden. Zu einem Zusammenstoß kam es zwischen einer Polizei- Patrouille und Arabern, die aus Plantagen in Sarona Schüsse abfeuerten. Man nimmt an, daß einer der Araber getötet und mehrere verwundet wurden. In dem arabischen Dorf Tireli am Karmel, das in der ,vergangenen Woche im Zusammenhang mit dem Mordiibertall aui vier Juden am 14. August mit einer Kollektivstrnfe von £P 500 belegt worden war, kam es zu einem wilden Handgemenge unter den Bewohnern, in dessen Verlauf ein Araber tödlich verwundet wurde. Vor seinem Tode machte er drei der Angreifer namhaft, von denen zwei verhaftet wurden. Von den Gerichten Vor dem J e r u s a 1 e in er Kriminalgericht stand der erste Strafprozeß zur Verhandlung, hei dem es sich um ein Vergehen handelt, für das in den Notverordnungen die Todesstrafe vorgesehen ist. Angeklagt waren zwei Araber, die auf Truppen geschossen hatten. Beide wurden wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu je 7 Jahren Gef äugnis verurteilt. Bei der Urteilsverkündung erklärte der Richter, die Angeklagten hätten Glück gehabt; der für sie so günstige Verlauf des Prozesses sei nur auf eine gewisse Nachlässigkeit seitens der Staatsanwaltschaft zuriicK/ufüliren. Wäiirend des Prozesses schon hatte der Richter die mangelnde Systematik in den Methoden der Anklage-Erhebung gebrandmarkt. Der Staatsanwalt ist ein Araber. Wegen eines Bombenanschlages auf ein jüdisches Haus in T i b e r i a s wurden zwei Araber in Haft genommen. Die jüdische Deputation beim High Commissioner Die beim High Commissioner erschienene Deputation des Jischuw, die die von der Asscfath Haniwcharim gefaßten Resolutionen überreichte, brachte ,gleichzeitig die Forderungen 11 n d Besorgnisse des Jischuw zum Ausdruck. Als erster ergriff Ben Z w i das Wort, ihm schlossen sich fast alle übrigen Mitglieder der Deputation an. Es wurde darauf hingewiesen, daß infolge der Nichta n w c 11 d 11 n g der Notvcro r d 1111 n g e n der T error immer weiter tun sich greife mul daß mit den bisherigen Maßnahmen es nicht gelungen sei, Ruhe und Ordnung wiederlierztistelleii. Der Jischuw stelle daher folgende Forderungen: 1. Jüdische Wachen an den Chausseen, Eisenbahn- und sonstigen Verkehrsverbindungen; 2. Mitwirkung der jüdischen Jugend bei der Bekämpfung der Araberbanden; 3. Eingliederung der jüdischen Grenz.viertel in Jaffa in den Tel-Awiwer Stadtbezirk; 4. Fertigstellung der Chaussee von Tel-Awiw nach Haifa. Der Jischuw verlange ferner von der Regierung, die arabischen S t r c i k f ü h r e r für die A ti s s e h r e i - fünften verantwortlich zu machen und eine Ent- Schädigung für die Opfer der Unruhen zu gewähren. Ein jüdischer G 11 a f f! r, der unter dem Verdacht, einen Araber bei Kfar Saba verwundet zu haben, verhaftet worden war. ist freigesprochen und zum Dienst wieder /.!!gelassen worden. Auf eine Anzeige von Arabern wurden in R i c h o n le Zion vier Juden wegen Mordversuchs verhaftet, obwohl in ihren Wohnungen keine Waffen gefunden werden konnten. Von den beiden Juden, die in! Zusammenhang mit dem Ueherfall auf drei Araberinnen auf dem Karmel verhaftet worden waren, ist einer wieder freigelassen worden, nachdem eine Identifikations-Vorstellung ergebnislos verlaufen war. Der andere wurde noch in Haft behalten. Jüdische Proteste [Die jüdische Presse protestiert energisch gegen die der Siedlung Ä 11 u z a t Herbert Samuel auferlcgte Kollektivstrafe und fordert deren Annullierung. Itn .,Dawar“ wird darauf hingewiesen, es seien keine Beweise dafür vorhanden, daß es sich bei den Tätern um Juden handele,!durch' diese Strafe werde eine jüdische Siedlung, die niemals, weder in Wort noch Tat, antiarabische Tendenzen an den Tag gelegt hat, auf eine Stufe gestellt mit arabischen Dörfern, die in den vergangenen vier Monaten fortgesetzt Ucberfulle auf Juden organisiert haben. f Die jüdische Presse veröffentlicht ein an Dr. K 11 a I d i, den Bürgermeister von Jerusalem, gerichtetes Mc worand u m der jüdischen Stadtr.it e, die gegen dessen Mitgliedschaft im Obersten arabischen Komitee protestieren, die zur Vernachlässigung seiner Amtspflichten geführt und das Rathaus in ein antijüdischcs Tätigkeitsfeld für die arabischen Beamten verwandelt habe. Neue Truppen London, 25. August. (JTA.) Wie das Krlegsministerium bekanntgibt, hat ein Bataillon der King’s Own Scottish Borderers Befehl erhalten, am 26. August von Malta nach Palästina abz.ugehen. _ lieber Bethlehem wurde der Ausnahmezustand verhängt. Aut der Chaussee von Jaffa nach Tel Mond wurde ein arabischer Schafhirt tot aufgefunden. Man nimmt an, daß es sich um die Folgen eines I ainilienstreites handelt. Der Gouverneur für den Südbe/irk hat dem Antrag der Tel-Awiwer Stadtverwaltung aut Errichtung eines Gef ä n g n i s s e s in Tel-Awiw stattgegeben. Die Delegierten bemerkten, daß die Regierung die Not ver- Ordnungen im gleichen Maße gegen die Verteidiger wie gegen die Angreifer zur Anwendung bringe. Sie legten auch Profest ein gegen die Verbannung von zwei Juden aus T i b e r i a s. von denen einer in der Deputation anwesend war. Schließlich wurde die Besorgnis des Jischuw׳ zum Ausdruck gebracht über eventuelle politische Konz e s s i o n e n 11 n t e r dem Druck des Terrors und über die A n d e 111 11!1 g e i n e r Suspendierung der E i n w a ti d e r 11 n g; solche Maßnahmen würden die Juden in ihrem Vertrauen zur Regierung schwer erschüttern; die von den Juden trotz alter Provokationen bewiesene■ Selbstbeherrseliniig beruhe auf ihrer festen l/eberzeugtuig, daß ihre politischen Rechte nicht angetastet: würden. In seiner A n t w o r t erklärte der H i g!ו C o m m i s s i o - n e r, daß er bezüglich der Trage der Einwanderung der von Ormsby-Gorc im Unterhaus abgegebenen Erklärung nichts hinzu fügen könne; die Regierung sei in erster Lmie bemüht, dem Terror ein Ende zu bereiten, der letzten Endes doch unterdrückt werden würde. Unter Hinweis au! die kürzlich erfolgte Yerstärkurg der jüdischen Hilfspolizei erklärte er sich bereit, w e! t e r e ä 11 n I i c h e M a ß - 11 a h m c n i n E r w ii g 11 11 g z ti 7 i c h e n. Was die Ein- Ordnung jüdischer (iren/vierud in Jaffa in den Tel-Awiwer Stadtbezirk anhetrefie, so werde die-e Trage ernsthaft erwogen werden, l'ebcr eine 1' 11 I > e h ä d i g 11 n g könne vor Wiederherstellung der Ordnung nicht diskutiert werden; außerdem sei die endgültige Entscheidung über diese Frage dem Kolonienniimster Vorbehalten. Presseschau England und der Zionismus In der ״S11 11 d 3 v Times“ unterzieht der bekannte Publizist Scrut a t o r das ,,I ur und Voder“' des Palästina- •problems einer eingehenden Betrachtung, I )as B ü n d n i s z w och e n Eng! a ri d und de m Zionismus, schreibt Serin,׳!tor, war nicht eine Schrulle, Baitours, sondern ist ein gemeinsamer großer Versuch, der zu einer segensreichen Leimung des englischen Imperialismus im Nahen Osten fuhren könne. Der Verfasser warnt davor, das Palästiuaproblcm als (■!neu bloßen Streit zwischen. Arabern unu Juden aufzufassen. Es sei vielmehr notwendig, sich der Auffassung ziizuwendeii, daß ein Werk, welches für England als Macht im Osten so vielversprechend sei, zu tu Erfolg geführt werden müsse. Was zionistische Energie an diesem Werke schaffen konnte, sei geschehen, «aber der englischc Partner, von dem man eine bedeutende Rolle erwarten konnte, scheine n a c h z ti 11 i n k e n und zu zögern. (iahe es keine Juden in Palästina, dann wäre es für England ani ratsamsten, das Land zu verlassen. Gäbe es dort keinen Zionismus, dann müßten wir ihn entweder erfinden, oder zu dem Schluß kommen, daß cs sich nicht! lohnt, Palästina zu halten, trotz seiner wundervollen strategischen Lage. Die Bloße Einsetzung einer Kgl. Kommission, schreibt er, ist ein Anzeichen dafür, daß man etwas für verkehrt hält. Der außergewöhnliche Vorschlag, daß während der Arbeit der Kommission die ganze jüdische Einwanderung aufhören soll, könnte den Gedanken nahebringen, daß der Fehler nicht bei jenen ■— vermutlich eine kleine Minderheit darstellenden — Arabern liegt, die, oft durch sehr verwerflielie Mittel, versucht haben, den Fortschritt des Landes autzuhalten, sondern bei den Juden, weil sie ihn gefordert haben. Es ist gewiß unvorstellbar, daß die Kamntission damit beginnen sollte, dem Verbrechen alles, was es verlangt hat, wenn auch mir vorübergehend, zu/ugcstchen und diejenigen, die in einer Arbeit, weiche ebenso diejenige Englands als ihre eigene ist, Energie und angesichts außerster Provokation soviel Zurückhaltung bewiesen haben, dafür, wenn auch nur vorübergehen׳!, zu bestrafen. Es wäre unfair, alle Araber für die (iewnlttnffgkeifert einer kleinen Minderheit 711 tadeln: was geschehen ist, darf nicht der Anlaß sein, um der Politik, die vorges-dtlagen werden soll, den Arabern gegenüber mehr .als den Juden gegenüber den Beige-whmack der Strafe zu geben. Es handelt sieh bei dem Profilern weiter darum, die Araber für die Zusammenarbeit mit den Juden zum Besten Eine neue Stadt wird gebaut iljgljf: ׳ * - )*< l\ 1, י ־ r v*״ w 7,» ד«!׳ ■׳. eTSjÄA * *tMM :־׳■?■' ä mm 1l׳lll Ijlilllll I»* ׳ י*. Im Südosten Tet-Awiws hei Mihweh Israel wird eine neue Stadt gebaut, deren Fläche 2*'2 mal so groß ist wie die Fläche 7'el-Awiws. Der Stadtplan liegt bereits vor und eine Reihe von Vierteln ist im Hau. Eine Chaussee verbindet die neue Stadt mit Tel-Awiw, durch die auch die Verbindung zu den südlichen Kolonien erheblich abgekürzt wird. Das Industrieviertel der Stadt beherbergt eine Reihe großer Unternehmungen mit insgesamt 900 Arbeitern■ Das Bild links zeigt einen Blick auf die Bauplätze, das Bild rechts eine der Straßen ‘ 10»ז!: /.. K.1ng«, tu -A.wiw