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Jüdische Rundschau · 1936-08-28 · Heft 69 (28.8.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 69 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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31. 8 1336 Jüdische rundschad Sdtriftleitung,Verlag n. Anrelgenverwaltungi BerlloW IS, Meliickeatr.1• Fanraf( Sammet * Nummer J1 (Bismarck) 9031. — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,־-׳, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bxw. RM 5,39. — Postscheck - Konteo der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa ichon gezahlter Bezugsgebiihren. — Erscheint jeden Dienstag and Freitag. BERLIN י" אלול תיצ״ו FREITAG, 28. AUGUST 1936 G&ltlgt Anzeigenpreisliste Nr. 5. Die 12 gespaltene mm-Zeile 20 Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in heshmmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. GelegenhrilHanzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder har Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag -Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien ־ Anzeigen um Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt fdr das jOdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Vor Abbruch des Streiks? Nuri Said Paschas Vermittlung — Um die Einstellung der Einwanderung A.-C.-Sitzung eröffnet Jerusalem, 25. August. (Palcor.) Die nächsten drei Tafte können möglicherweise die Situation entscheidend beeinflussen. Morgen findet eine Sitzung des Obersten arabischen Komitees statt, bei der die Entscheidung iiber die von dem irakischen Außenminister Nuri Said Pascha gemachten Vorschläge fallen wird. Im Falle der Annähme der Vorschläge wird man Nuri Pascha, der sich von Jerusalem iiber Amman nach Alexandrien begeben hat, für Donnerstag nach Jerusalem einladen; am gleichen Tage trifft auch dis aus London zurückkehrende arabische Delegation ein. Man nimmt an, daß, falls die Vorschläge akzeptiert werden, eine öffentliche Bekanntmachung darüber am Freitag erfolgen wird. Die verminderte Aktivität der Terroristen während der letzten drei Tage ist darauf zurtickzuführen, daß man in arabischen Kreisen unschlüssig darüber ist, ob die Unruhen durch Annahme der Vorschläge liquidiert werden sollen, oder ob im Gegenteil der Terror verstärkt qinsetzen solle. Nuri Paschas Vorschläge Wie Palcor erfährt, ist in Nuris Vorschlägen ein Aufrut der Führer zur Beendigung von Streik und Terror vorgesehen. Falls der Terror abgeblasen wird, würde die Regierung eine Reihe von Konzessio- 11 en ankündigen, u. a. auch die Suspendierung der Einwanderung, Amnestie für gewisse Verb reche r und Freilassung der Internierten. Die Nashashihi-Gruppe setzt sich stark für Annahme der Vorschläge ein, während der Mufti und die Istaklalisten unschlüssig sind und die Suspendierung der Einwanderung vor Abbruch von Streik und Terror fowlern. Der Mufti fürchtet die Verantwortung, die ihm zur Last fiele, falls er die Initiative ergreift und einen öffentlichen Aufruf zum Abbruch des Terrors erläßt. Er ist der Ansicht, daß diese Frage von den lokalen Streikkomitees entschieden werden müsse. Die jüdische Oeffentlichkeit steht diesen Verhandlungen hinter den Kulissen sehr skeptisch gegenüber. Man sieht darin den Versuch, Frieden auf Kosten jüdischer Rechte und Interessen zu erkaufen. Arabische Beratungen Jerusalem, 26. August. (Palcor.) Wie verlautet, trat das Oberste arabische Komitee heute zusammen. Anwesend waren Vertreter verschiedener lokaler Streikkomitees, sowie die aus London zurückgekehrte arairische Delegation. Es wurde beschlossen, Nuri Paschas Vorschläge zu akzeptieren, worauf dieser nach Jerusalem eingeladen wurde. (Wie die fta hierzu mitteilt, wurde keine sofortige Entscheidung getroffen, obwohl Sir Arthur Waiichope angekündigt hatte, daß im Falle des Scheiterns der Verhandlungen das Kriegsrecht proklamiert werden würde. Es wurde vielmehr beschlossen, die Rückkehr des irakischen Außenministers abzuwarten.) _ Wie die arabische Zeitung ״Adifaa“ meldet, sind weitere dreißig der in Sarafend Internierten freigelassen worden. Auni Bei Abdul Ha di wurde heute beurlaubt, da er an der für heute einberufenen Sitzung des Obersten arabischen Komitees teilnahm. Moshe Schertok wurde heute vom High Commissioner empfangen. Gegenstand der Unterredung war, wie man annimmt, die Entwicklung der politischen Lage im Zusammenhang mit den Vorschlägen von Nuri Pascha. Vor Einstellung der Einwanderung? Ankündigung nicht vor Mitte nächster Woche Zürich, 27. August. (JTA.) (Telephonisch.) Obwohl in den Kreisen des Aktions-Comitds von allem Anfang mit der Möglichkeit gerechnet worden war, daß die zeitw eilige Einstellung der Einwanderung nach Palästina noch im Verlaufe dieser Tagung verkündet werden könnte, wirkte es auf die Versammlung alarmierend, als der Präsident der Jewish Agencv, Dr. Chain! We i z m a n n, am Mittwoch in vorgerückter Abendstunde eine ihm von privater Seite zugekommene Mitteilung verlas, der zufolge nach bisher unbestätigten Berichten aus arabischen Quellen High Commissioner Sir Arthur Wauc h o p e den arabischen Führern bei den am Mittwochnachmittag stattgefundenen Beratungen versprochen haben sollte, die Einstellung der jüdischen Einwanderung am Freitag, dem 28. August, zu verkünden. Das Aklions-Comitd wandte sich daraufhin mit einer Anträge an die offiziellen Stellen in London. Durch die Antwort, die am Donnerstagvormittag von London aut diese Anfrage eintraf, wird die Mitteilung aus Jerusalem weder dementiert noch bestätigt. Es wird nunmehr erklärt, daß, falls eine offizielle Ankündigung über die Einstellung der Einwanderung nach Palästina erfolgen sollte, dies nicht vor Mitte der kommenden Woche geschehen werde. Fieberhafte Tätigkeit in Zürich Zürich, Donnerstag nachmittag (telephonisch). Die Verhandlungen des Aktions-Comites, die am 25. August begonnen haben, wandten ihr Hauptinteresse natürlich der neuesten politischen Entwicklung in Palästina zu. An den ersten Tagen, die mit politischen Referaten von W c i / m a!111 und Ben (i urion eingeleitet wurden, stand im Mittelpunkt die Frage, wie sich die Jewish Agencv gegenüber der U n t c r s ti c 1111 n g s - K o in 111 i s s i o n verhalten soll, falls entgegen allen ausdrücklichen Versprechungen der englischen Regierung doch die Einwanderung eingestellt werden sollte. In den Referaten wurde die Situation ausführlich klargelegt, die Wirksamkeit der verschiedenen Faktoren geschildert und über die Verhandlungen mit der englischen Regierung berichtet. Dabei wurden auch die sich aus der Weltlage und besonders der Lage im Orient ergebenden Momente, die besonders die englische Haitung beeinflussen, behandelt und in der ()chatte wurden die verschiedenen Anschauungen über grundsätzliche Fragen des jüdisch-arabischen Zusammenlebens durchgesprochen, wobei in den wichtigen Punkten keine wesentlichen Unterschiede ״ e g e ri ii b e r d e 11 Debatten im Jahre 1929 oder 1931 hervorgetreten sind. Große Aufmerksamkeit und Erregung riefen die neueste ri Nachrichten aus Palästina hervor, daß die Verhandlangen mit den Arabern in ein entscheidendes Stadium treten und daß Freitag ein Aufruf zur Beendigung des Streiks veröffentlicht werden soll. Lebhaft erörtert werden insbesondere die damit zusammenhängenden Pressetncldungcn über die 'angeblich bevorstehende vorübergehende Einwanderungssperre. Man fühlt hier allgemein, daß sich in diesen Tagen wichtige Entscheidungen zusammenballen, und daß es auf die äußerste Energie ankommt. Die Exekutive entfaltet von hier aus eine lieberhafte Tätigkeit, um den Standpunkt der Jewish Agency zur Geltung zu bringen. Sie steht in ständiger telephonischer Verbindung mit London und Jerusalem, und diese Verbindung soll, wenn notwendig, in den nächsten Tagen auch durch persönlichen Kontakt von hier aus unterstützt werden. Die ersten Sitzungen Zürich, 2<>. August. (Palcor.) Bei Anwesenheit fast sämtlicher Mitglieder aus allen Ländern wurde am 25. August, vormittags 11 Uhr, die Tagung des Aktions-Comites vom Vorsitzenden U s s i s c 11 k i n eröffnet. Sämtliche Mitglieder der Zionistischen Exekutive waren zugegen, mit Ausnahme von Moshe Schertok, der in Palastma geblieben ist; auch der größere Teil der palästinensischen Mitglieder war auf Grund der dortigen Situation am Kommen verhindert. Die Eröftmingsisitzung zählte insgesamt ungefähr 100 T e i I n c h m e r einschließlich der Mitglieder und Frsalzmitglieder. Auf der Tribüne, hinter dem Rednerpult hingen die mit Trauerflor umrahmten Bilder von iierzl und Sokolow. Nachdem U s s i s c 11 k i n in seiner E röffnungsr c d e das Andenken der im ietzten Jahre verstorbenen Zionisten Prof. Gottbeil, Dr. Eder, Goldberg, Wilensky, Hillcl Jaffe und Naltum Sokolow gewürdigt hatte, trat eine Pause ein, die dem Andenken von Sokolow gewidmet war. Dr. Weizmann gab sodann einen Ueberblick über die Lage in Palästina in Verbindung mit der Situation in der Welt, wobei er die feste und disziplinierte Haltung des Jisehuw würdigte, der sieh angesichts barbarischer Morde Wiedervergeltungsakte versagt hat. Obwohl wir einer ernsten Situation gegenüberstehen, dürfen wir nicht verzweifeln, sondern müssen mit allen verfügbaren Kräften f ü r die Rechte 11 n d Inter e sstn d e s jüdischen V o I k e s kämpfen. Eine Sus p e n d i e r w tt g der Einwanderung während der Arbeit der Royal Commission betrachte er als die größte Gefahr, deren Bekämpfung unsere dringendste Aufgabe ist. Nach ihm ergriff Ben Gurion das Wort, der zunächst sein Bedauern darüber ausdriiekte, daß die Tagung nicht in Palästina stattfand und daß Moshe Schertok, der seit dem ietzten Kongreß für die zionistische Politik verantwortlich war, Jerusalem auch nicht für wenige Tage verlassen konnte. Er gab einen Ueberblick über die Entwicklung der politischen Lage seit dem letzten Kongroß und über die lirsachen der Unruhen. Bezüglich der drohende!1 Suspe 11 d i c r u n g der Einwan d e ־ rung erklärte er, daß eine solche Maßnahme jetzt Verhängnisvoller sein würde, als wenn dies itn Jahre 1921 oder 1930 geschelten wäre, nicht nur weil die Lage der Juden in der Gegenwart unendlich schlimmer ist, sondern auch, weil eine Suspendierung der Einwanderung einen moralischen Betrug Einen außerordentlichen Limlrtuk machte heute vormittag das Wirt s c h a f t r e f e r;1 t von Elieser K a p 1 a n, Kaplan gab einen umfassenden Ikhcrblick über die wärt- Schaft licht' und finanzielle Situation. Er betonte die Schwierig- Leiten der Lage, die man :lieht unterschätzen, aber auch nullt übertreiben soll. Die Kernfrage der heutigen Krise bildet die Krage der A r b e i t s I u s 1 g k e i t. Hierzu gab Kaplan eine Reihe von außerordentlich interessanten Ziffern. Er wies zunächst darauf hin, daß in der letzten Zeit 301H1 n e 11 e Arbeitsplätze auf dem Itori geschaffen worden sind. Besonders in Petach Tikwah und Klar Salta sei zum erstenmal jüdische Arbeit Sh- bis 1011 i״. In der letzten Zeit hat ane' 11 Rechowoth!)(1gönnen, sich aut jüdische Arbeit um/ustellen. Ein weiteres Moment zur Verminderung der Arbeitsiosigkeit bilden die mit Zustimmung der Regierung eingestellten 2S00 Hilfspolizisten und 1200 Wächter — zusammen 4000 Mann —, deren Kosten allerdings zur Halfie von der Jewish Agencv getragen werden müssen. Kaplan schätzt die Zahl der völlig Arbeitslosen auf ungefähr 4000, also ebensoviel wie zu Beginn der Unruhen iin April, während im November v. j. die Zahl der Arbeitslosen 7000 betragen hat. Die Arbeitslosigkeit bat sielt also durch die Unruhen nicht vergrößert. Es ist aber hervorzuheben, daß der Lc'b-ensstandard des Arbeiters sehr gesunken ist, insbesondere da diese Arbeiter nur einige Tage in der Woche arbeiten lind daher mit einem sehr kleinen Budget auskommen müssen. Kaplan legte dann dar, daß fiir das nächste Jahr neben dem regulären Keren Hajessod-Budget ein zusätzliches außerordentliches Budget (״Kriegsbudget“) aufgestellt werden ntitsse. Dies sei erforderlich fiir die Kostern des Schutzes, der Straßeuarbciteii, des Häuserhaus, des Ausbaus der notleidenden Wirtschaftszweige. Dieses außerordentliehe Budget schätzt Kaplan e 11 e 11 so hoch ein wie das Keren Hajes s o d - B tt d g e t. Es s< 111 in einer S o n d er- Aktion im laufe der nächsten Monate aufgebracht werden. Die Rede Kaplans, die großzügig aufgebaut war, machte auf das Aktions-Oomitc einen sehr tiefen Eindruck. Es wurde spontan beschlossen, die Rode itn Wortlaut zu veröffentlichen und zu verbreite». darstellen würde, der den Anschein erweckt, als ob die Regierung Konzessionen unter dem Druck arabischer f rrroti-ten mache, die später wieder einen Druck au-mben winden, tim eine Wiederaufnahme der Eiinennderung zu verhindern. Schließlich würdigte er die außerordentliche S e I b s t h c h e r rs c 11 u n g d e s J i s c h u w und der zioiitslisehen Bewegung sowie der Judcnheit in der ganzen Welt. Abends um 8.30 Uhr begann d׳e politische Debatte; die Redner waren Abrnluin Knt/nelsnn und Men׳ Berlin. Die!)chatte wurde heute vormittag fortgesetzt, Fs sprachen: Z u e h o w i t / k \, S eh w a r z b a r t 11. <1 r <> ß - m a n n, L o c k e r, 1׳ a r Iw 1 e 1!1, |i I u 11t c 11 f e I d. N a 1 - d i t s c 11 und Bart 11. Sämtliche Rediicr betonten, daß ׳:.e[!wt eine zeitweilige Suspendierung der i inwamiennng itn Wider- Spruch stehen würde mit der I rIJamng der Regierung, sieh nicht durch Tenor beeuifiti'-en zu lassen, und außerdem eine Verletzung des Mandates und der jüdischen Interessen darstelleii würde. Im Zusammenhang damit setzte eine lebhafte Diskussion ein über die der R o v a I U o 111 nt i י s i ״ ti gegenüber eiit/unchmemie Haltung. Die Redner betonfen du■ Notwendigkeit einer sofortigen p o i i 11 s e 11 e n M n b i I i s i e r u n g der jüdische 11;V* sssen in <1 er g an 7 e n Welt und d i c f i n a rt z i e! I e n f: r f o r d e r n i s s e für eine Stärkung des Jiscdiinv und der Arbeit der Jewish Agencv. Ussischkin kündigte hierauf die Einsetzung einer ans 18 Mitgliedern bestellenden P o I 11 i s c h e n K o in m i s s i o 11 an, die nach Beendigung der politischen Debatte• die einzelnen Fragen behandeln soll. Abschluß der Generaldebatte Zürich, 27. August. (JTA.) Die allgemeine Aussprache über politische Fragen wurde im l’b'itiun des Aktions-( .otnites am Mittwoch abend mit einer zweistündigen Rede des Vorsitzenden der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, abgeschlossen. Ben Gurion antwortete den Vertretern aller Gruppen, die in der Generaldebatte nt Worte gekommen waren, und gab nochmals einen Ueberblick über die Hauptprobleme, die sich aus der gegenwärtigen politischen Konst c 11 at ion erg eben. Die weitere Behandlung der politischen Fragen wurde der politischen Kommission überlassen, in der samtliehe Richtungen ihrer proportioneilen Stärke gemäß vertreten sind. Die am Dounersiag vormittag abgehaltene Sitzung war von Referaten Elieser Kaplans und Jizchak G r ti 11‘b a 11 m s über finanzielle und wirtschaftliche Fragen des Palästina-Aufbaus ausgefüllt. 1 s I

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