Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 65 (14.8.1936)
- Date
- 1936-08-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JODISCHE RUNDSCHAU Nr 65, 14 VIII. 1936 Briefe an die Redaktion Der Roman ״Noah Pandre“ von Salman Schneur Das Genus der hebräischen Substnntiva Stuttgart, den 9. August 1936 Sehr gct'lirk• RmDkLon! \\>!׳he i iauptwnrt*’ Im H- ■ blau-( heil mannhrh und weirhe weü-lh־!! kann dm Hie hehuu-rh!׳ Sprm he Lrnvmde >xU 1•■]! :!׳ innk( n. Ali'11 ־auptdi־׳ in. l;1 \w״i!׳k1 11 And. ix hen aÜc־' Starke, (IroDe und (lute al> männlich gdn Doch sclieint mir Prnicsscr Fr irdiander!ח da, andere K\lmn zu ia’den, wem» er meint. daß der He* luurr alles Starke us»v. .»!- weihiirh bezeichnet. A* hi y' F^u’־ 1!tut. עסיית Niedrijkeit dnd sind Mdb-n I .he weh ■in rn Sn m-nun;%•;» a!>rr eben m!1 Betra* h- ,-.kr 1 * nt mai; an ih!vn F!al Ul.!/('!»!uni.H'11 dem LätiRlr ׳:! «in׳ Genusw 1c ה u׳1 >,u •יוז> •ת׳ k.:m - C1H -1!')!־!I!11» n!< hi hr!/11b •mnsnr». i trt:׳ographi>rlHv 1 fjrum itri l .t UMu. a!1t.h dann. nu n 11( s'\ B,׳■ wenn rr .!! h 11a - « < T >11 hr (,rm!« c u viel(־ \Vcrk/eup׳' und vier Wer k/rllp d.tmif niklart. t >; .ihC «1( י K1״p, r... (< •e M'rini' dal.; יi rm 1■.II ״״ »MOT als die 1 ät; 1י י neiü voll: ז; lymun m-r.il ״״k. tןי!w ז:! Irr». Ahoi ge- י־>!< Iv,,;. er וי״ In■ l*״rr יי1. 'ro.lt G Wort lur von ,«Ui'ti L h M: i'.d>,;rvn י iru.t- (R* hx 2־י is 1 mannli rh. L h \\i.A cRndc dtr-kilh nie me W)#» s *י 11 rz. מחול M i' j י d;1h i־ u 1 Itdü'u-rh ■n לוע S1 1 iniud u-w. -.nd 1 Ftin dur p 1 a < h k 1 .1 n l! trl־׳r Suh- Au - nu!;u r de־!'!, di׳ eiik־ v rüt- U.111t1\,1!1; ir liir <M11־n'L;ldnn£ lidic }.!!■! «!. ■־!■',; lÜ.-i, ן יחי' t •>!,r :d i Lt. / u tler. in mu- \\ ■ , ן 1 ms r! -tun l inpr -.111(11 erwähn- Du is. V ־ ) I . 1,11 K 1.1 t n V(־ וי m tnnl!el»en L... .) _ ך,, r , . } I .1' 1 j י 1 \\? י:! r II 1 U i_r »■ Ir 11 n-H־'h r v.il An-, w *hinzu wie ה! seile חיל Heer, < : : •1 01־ k.kr ^זי **»■]naiim, ין ן \Vaffe . . . r א• ‘י,־" 11' ד ט - 5 יי: A1 Rrmeii nind restlos דל , i ( n ז n, iunio 3. M.,n 1 ...11 .11-11 den \\ 1 , ,! , u ־! n;h י1.־ל , -! >nt1\cn ihr 1 ׳ ' 1■ K Mn l \ 1 n 1 . - . י!;. - ׳׳ R •■׳' 7' y : ז ,...י, , ID. k.,. k'ur 1-.v״l! . .־ ) 1 «1■ , d-i- :n ■ ■־:71 uI7 K!: unr r! 1r. H . A :1er h a c h Meir Aaron (lolckifimicit k ■»;•,Mik ,.11 ,11 >׳. 8. 36 ־.--,׳•־ Ui׳ f.fOn k ־ u;!; t, tl*־־nn im He- \i:;u . h! I 1.1 IO :;ro vi rd der RL, r Mr R . - n: \ M, i ־ Am: ז1>וו!:ו1יי 1..M י ri 1 1 זז-״ו ׳- 1 / \V, h 11:a:in; 1nv.iu ''Gl- Ui.׳ nur d׳- .1! H. k׳ nnuu». ir! וייס 1 ■;!. Rin; : ־ sm" \ t > n 1 ״ |,Mc '■ 10111 lud.-) 7. Vf m! In -,י 1׳ י־(-; M־;;!t - Kmvr׳L1ii:׳ü -rin. 11 11 ח ■.fim־׳ judiriiu. kt' % ■- :; r : 1! R r .-a' m I > , •M ..■;,,'II l■'!.■ ■ ddunpt n pdf cu aL n. 1 r k.!.. ו:י־■^ hon en! l!l:־r ,!. i'r:!r־t d.i: ו ,7 ־-!, N«1׳ vr Mvnkunst.! ז;■־t- . "t'iil 1 -uur..״r, : 'u/uitI l>״n (.dniHH’ ah-ri k; ui!!•». d!h oeine! i e - 1 i,-T \\ fl:1> ,:».»׳■ 11:, hda! i -!!m l )OMpr,. :!im i iu-h außei ־ irr \L־a \,o.il ( 7n , n 1,1 nur ־! h.i't' ilf.״ Kici.v der I.lo-riiiuraR r - י',1 l)..r!- Khid.cumd(־; 1 gclcc n vs er 5־־n, und auch» wenn der Streit zwischen ihm und Kierkegaard schon vergessen sein wird, witd er immer seinen Platz in der dänischen Jdteramrge^chichte finden als ein typisches Kind der F.maruipanon, Jüdische Zeitung in Giwat (hajim, 5■ August 1936 Sehr geehrte Redaktion! Zur Frage der Herausgabe einer jüdischen Zeitung, die der mal i ■chsnrechendcn Welt unseren Standpunkt verdolmetschen soll, scheint <s mir notwendig, noch aul einen Gesichtspunkt autmerksarn zu ma! hen. Ihese Zeitung wird nicht stumm an den l.ivigniesen in der aruhn,i hen Welt voiiibeigehen dur et» und 7(1 mancherlei F'ingcn Stellung nahmen rnu-sen. Sie wird eine politische . Linie hnden mueni. um steh in einem komplizierten und oft hin hm. subtilen Pioblemgewirr zurechtzu mden und zugleich den zmm-tw'hen Standpunkt \or einem n<m,n t igen Forum und rinn iüi die zmn׳-t!.-יdie Bewe• gung neuen Welt vo» z!111 age-n habiir. Bei der Bewalt!gung di יser beüden \urgaben wird sie und das scheint mir der Kernpunkt zu sei!'. auf g׳nzlieh unzurei» hende \"!»rarbeiten angewiesen sein. Aber auch die journalistische AiPgahe wiid keinesfalls!eicht zu lo.-en sein. Line Zeitung, di!!elendig und interessant?.ei!» will, muh sich .־mf einen breiten M itarlveiterkreis stutzen können. Wie* grob ist jedoch die Zahl derer in der zionistischen Bewc• gung. die durch ihre Kenntnis der arabLdicn Welt und durch ständige f ek’iire der;1r,1b1.mhf׳n Pr(s>c zu dieser Mitarbeit berufen sind.־" l’nd not h eins: Die arabische Pre.se Palästinas hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, quantitativ und qualitativ bcein Mensch, der mit seinem Judenproblem, ־-einer Stellung als Dane und Jude nicht fertig werden konnte. 1 Itx'harhtungsvol! Michael H a r t v i g arabischer Sprache a< hthehe Fortschritte gemacht. Kenner dieser Preise weisen ständig daraufhin. wie lelsendig und durchdacht sie den aiahischen Standpunkt verlieht. Die arabische Presse Palästinas scheint aKo bereits dm Stadium fies Provinzialismus überwunden zu lud>en. I nnere arabische Zeitiing, die mit ihr um das Interesse <4<יי arabischen Lesers konkurrieren soll, wird also auch qtiali'a iv ־ vor hohe. Anforderungen gestellt sein. Dies alles wird nicht etwa als!Anwendung gegen die Forderung nach Scm.1 fung einer zioni;t1sc!;eu Zeitung in arabischer Sprache vorgebraeht. die. je fruher. je hrsser, endlich ersebeinen soll. Alver es :soll rechtzeitig auch aut die Schwierigkeifen hingew 1e--( n werden. Im Zu -.׳unmenhang d*m1! ).nicht eine alte Foulrmng aut, die noch immer in nur ganz unzureichendorn Maße behandelt wird. Die Kenntnis der a r a b i ־ sehen Welt ist bei den Juden, sogar im palaGincnsLchen Jisrhuw. ersrhretkend minimal. Wa; weiß man von Geschichte, Religion. Sitten und Gebräuchen, von der politischen, whtwhaAlu hen und kulturellen Struktur unseres unmittelbaren Nachba! nWarum wenden sich nicht jüdische Verleger diesem Gebiete zu.׳־ Das Interesse für alles, was zur geistigen Fischlicßurig der arabischen Welt heiträgt, ist heute in zionistischen Kirren sehr groß und wird wohl » leicht in den Hintergrund treten. Dr. II aas L i c h t w i t z Ankündigungen aus dem Reich Breslau: l lei ■:.׳:>• in• Sp!dehwlmlo. Beginn des Lmrnichtcm 17. Aug. (WalLtr. Lh /.mhiht 4. und W:»!L:r. '9. /immer 5. 6 und 7). Für Lori gc.-cbi iur:,c: spezi־ be Kur 111 ס-י r T'irm h, M! -.11111.1־, Agudm < ז׳ am׳ inaiik, m1:1b1iic ju hr und neu־.׳ Lim.um. NVu׳■ At»l.tngc*r-Kur־v0 für l׳ir\» arli-rtit? mul Jugendliche. Anmeidungen zu allen Kursen Montag Ls Don iw!יי ag vu.n 18--19.15 Lhr in der Sprachwhulr (W.-dlatr. 14), Sprechouiific de.־. Herrn K<־znicov: Müiwmh von 18---19 Lhr. Wall-?•!:aik* 14, oder tchq:!!0;11׳י h Di11 ׳-t sg und!־heitag von 11- -12 l hr ׳Nr. 85 496!.! IGn,!i-׳ her Lehn־1 ־*־mduIdung-• Kur -m.. Beginn des l’nfciii* h!e : 18. Aupii •18.15 ,׳ Lhr. W*. ilLtr. 14, , Zimmer 4. AnüHHsjm i^e:! u: 1d Au-kun! t Lei 1 hu ז!! Rr7.n1׳ ׳ iv : Spre׳! 1- 1׳ undr : M 1!t wot'h \1*u 18--1U 1 nr, Köln: K/AL Am 2G Aul ׳u»1, At!>en-.kreis, 271.45 Lin, 1 >.m .G ■ W־d:! ■(־hm 1 u!!!!, ( a 1um e!1. 18 2: 2. - Magdeburg: Am 15. Au pu-H 21 ( hr, in dm Aula dm S: n,t׳p .'^m 1p.■meihde׳, Gr, S GL•*!. 2■־. Die \or!1׳h1t1:m der neun Men K Kl ,-!.sch! hiLLtrcifon. Herr G. Li ק p m a n n, Kalhes (Pommern), begebt am 14. August den 75. Geburtstag. FrL Fanny R o s t n 1! e r g, Amelunxen (Kreis Höxter), begeht am 17. August den 70. ,«Geburtstag. Bar Mizwah-Termine Am 15. August (27. Aw): Martin Rosen ha um, Sohn von Dr. Rosenbaum, Hannover. Georgstr. 34. — Am 22. August (4. Flui): Waher Wolf Block. Sohn von Rechtsanwalt Flock. Hannover, Gellertstr. 26. •— Heinz Kurt G e r s f 1 e, Sohn von Frau Selma Helfgott, Kaiserslautern. Stiftsplatz 6. ■— Gunter!1 artmann, Sohn von Siegfried üanmann, Horneck O.-S. ((näher Tworog). — Walter llotzner. Sohn von Hermann Hotzner. Hamburg. Born- Straße 27. -— Am 29. Anguö (11. Flui): Horst M orf n 1.1 nder, Sohn von Ludwig Merenländer, Frankfurt a. M.. Bessmierstr. 16. autorisierte Uebersetzung von Grete Fischer, beginnt in der nächsten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ zu erscheinen. Er erzählt Leben und Abenteuer eines ungeschlachten Dorfjuden im alten zaristischen Rußland der Vorkriegszeit. Pandre ist eine Figur von ungestümer Vitalität, ganz anders als die volkstümliche Vor- Stellung des über Folianten gebeugten weltfremden Ostjuden, und zugleich von echter Menschlichkeit und Herzensgute. Der Roman, der zugleich ein von lebendigem Lokalkolorit erfülltes Zeitbild aus einer heute versunkenen und für das Judentum sehr wichtigen Epoche gibt, hat in der englischen und französischen Uebersetzung großes Aufsehen erregt und eine überaus freundliche Aufnahme bei Publikum und Presse gefunden. Juden und Jüdisches im Rundfunk Freitag, 14. August: Wirr» (506), 13.25: Fall Korngold: Potpourri at1.s ״Ro'Cn au-. Florida“; 16.05: Scliallplatton: Richard Taubor, u. a. Mn:,zkowski: Licbo, kleine Nachtigall. — Straßburg (349), 17.15: ,.Die Tragödin Rachel׳‘, Vortrag von Prof. Ginsburger. — Laibach (569), 18: Oticnbach: Ouvertüre z!1 ,,Orpheus'*. — Ct. d'Azur (235). 20.20: Operetten von Offenbach. — Reval (410), -MAGISTER KIRSCH—. Der gute Likör Magister-LikörtabriK, München VII 20.35: Moszkmvski: Malagueria. — Luxemburg (1304), 22.10: Rubinstein: Melodie l'-Dur. Offenbar{»: Fantasie aus ״Hoffmanns Erzählungen“. — Radio Lite (280), Sonate Nr. 3 (Brahms), ausgeführt von Jehuda und Chefziba Memihim. Sonnabend, 15. Angu&tt Strahlung (349), 11: Meyerbeer: Fantasie aus ,,Der Prophet״. — Paris (1648), 12.15: LL a. Mendelssohn. — Budapest 1 (550), 14: Moszkowski: Polonaise. — Kalundborg (1263), 14.50: Oftenhach: Potpourri aus ״Orpheus“. — Rennes-Bretagne (288). 16.30: II. a. ,,König David“, von Honeggcr. — Radio Cite (280). 18: Konzert von Mendelssohn. — Budapost I (550), 10.40: MendeL-ohn: Sinfonie Nr. 3. — Lille (247), 20.30: ,,Esther", Tragödie von Rarine, ׳— Hilversum 11 (302). 21.15: U. ä. OHenhaeh, Sonntag, 16. August: Mden (507), 10: 1 . a. Offenhach-Phantasic; 11.45: L. a. Goldtn.irk. — Radio Lite (281), ]6.45: Kipnis singt. . — Brünn (325), 17.35: tb a. t )!setihneh-Potjpourri. —- Wien (507), 21.15: Festempfang anlaßlieh d<־r 100. Autfulining von ..Jerlermann" in Salzlnirg. Montag, 17. August: Wien (507), 14: Schallplatte!־!: Mark Hamhourg (Klavier). —■ Prag (470), 17.40: L. a. Rubinstein. ■— Wien (507), 24: Arnold Schonberg: ״Verklärte Nacht־‘. Patds4 ina 41114 fiedin BKA 3KW1SU «6ENCY BOA P ALESTINK Berlin W 15, Meinekestraße 10. Telefon: Sammel-Nummer J 1 (Bismarck) 9031. Familien-Nachrichten Hen־ L. Hn< i! m .! n n und!־'rau, M-cmh׳ n׳n L. 6.14, begehen am Ib-rr licMiMiiii K u ז n 1 k und!,"rrm geh. Gabriel. Rvdgn-zcz. zur /י1*י '•'.iv-ivdl 1־>׳׳, /.ugjv;;, Sudor. 12-14, iH'grh^n am 10. August die ide1׳e i b־>. ,./r;:. ANTWORTEN DER REDAKTION Dr. Martin Baeck, Liegnitz. Die Prophetenstelle, in der das Wort ״T e 1 - A w i w“ vorkommt, ist bekannt. Von dort wurde das Wort ursprünglich von Sokolov zur Ueber- Setzung von Herzls Titel ״Altneuland“ gewählt und dann als Name der ersten jüdischen Stadt übernommen. Umzugsgutversicherung Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen, daß betreffs unserer Veröffentlichung in Nr. 57 der ״J. R.“ die Möglichkeit, Umzugsgutversichcrungen abzuschließen, die Tumultschaden usw. enthalten, außer bei den seinerzeit genannten Firmen auch bei anderen Versicherungsmaklern und Vertretern, die dieses Geschäft betreiben, besteht. mehr eebeten, von der Zeit in Tamantarchan zu erzählen, obgleich sie die Einzige war, von der man etwas über diese Zeit hören konnte. Sie sollte sieh nicht cinhildcn, daß er sich deshalb alles \r>n ihr gefallen lassen müsse. Wenn sie abends vor dem Zubettcgehen der kleinen Batsun davon zu erzählen begann, blieb er nur deshalb auch in der Küche, weil Kult sieh da in der W ärme wohl fühlte und ohne ihn nicht hier geblieben wäre. Ganz fern bei der Tür saß dann Bulan, spielte mit Kutt und lachte innerlich nicht wenig darüber, daß Dinah unermüdlich fortcr/ahlie, obwohl Batsua sich sichtbarlich nicht viel daraus machte, ja, manchmal sogar mitten in den Schilderungen einsehlief. Entfuhr Bulan zuweilen eine Frage bei einer unglaubwürdigen oder unklarem Stelle des Berichts, antwortete sie hereitwiUiR, als wundere sie sich gar nicht darüber, ja, als sei zwischen ihnen beiden gar nie etwas vorgcfallcm. Sie erzählte auch ruhig weiter, wenn Batsua schlier und immer gerade die Dinge, von denen sie. wußte, daß sie Bulan besonders interessierten: Vom Bau und der Bemannung der Galeeren, von der Bewaffnung der griechischen Hilfstruppen, vom Glanz des Hofes. Alte Leute, stellte er innerlich fest, haben keinen Charakter, An die Flucht aus Tamantarchan erinnerte sieh Bulan selbst noch genau, an die beschwerliche endlose Wanderung über viele hohe Berge, an Hunger und Durst, an Nächte auf steiniger Erde unter freiem Himmel bei Wind und Regen. Er war damals wohl kaum fünf Jahre alt gewesen. Am stärksten war die Erinnerung an die letzten Stunden in dem großen schönen Hause am Meer, an das wütende Schreien und Toben der Menge vor dem Hause, das Pfeifen und Singen, das dröhnende Hämmern gegen das Tor. Und in den Zimmern das Durcheinanderrennen der weinenden zitternden Frauen in ihren Nachtgewändern, das Heulen des Hundes, das plötzlich abriß — das war das Grausigste. Die Eindringenden hatten den Hund als ersten erschlagen. Wie sie dann hermifpoltertcn, das Zimmer erfüllten, der eine hinter der Mutter her, ihr langes Gewand erhaschte, daß es zerriß und sie bei den nackten Beinen in die Höhe hob — Bulan wußte nicht, wie er von dort fortgekommen war. Es schwebte ihm nur vor, daß Dinah ihn und Batsua auf den Armen lange, lange durch ein endloses Dunkel trug — ob das aber damals in jener Nacht gewesen war, konnte er nicht sagen. An die Zeit des Glanzes vorher freilich, als der Vater einer der angesehensten Männer jenes Reiches, das Bosporus hieß, gewesen war, konnte Bulan sich nicht erinnern. Und diese Zeit war es, von der Dinah ohne Ende zu erzählen wußte und über die Bulan immer wieder, immer mehr und immer Genaueres wissen wollte. Es war ja auch zu seltsam, hier in der ärmlichen Hütte, in dem rauhen Lande und dem langen Winter inmitten des wortkargen wilden Volkes aus jenem sonnigen Reich der Herrlichkeiten zu hören, von den ausgedehnten Gärten und Ländereien des Vaters mit den üppigen Gewächsen, deren Blüten wie die Gewürze Indiens dufteten und zu einer Fülle abwechslungsreichster leckerster Früchte reiften. Viele hundert Sklaven hatte er, und zu seinen Gast mählern kamen die hohen Herren aus dor Stadt Bosporus am anderen Ufer auf ihren festlich bekränzten und bewimpelten Schiffen hefüber. Der Vater hatte mit anderen Vornehmen seines Glaubens unter dem grausamen Zwang des Kaisers zum Schein das Christentum annehmen müssen. Seine Feinde und Neider verdroß es, daß ihn* dieser Ausweg geblieben war. Sie hatten gehofft, er würde — wie alle die weniger Begüterten und auch manche der Reichen — alle Habe im Stiche lassen und eilig in die Fremde flüchten, um dem Zwange zu entgehen. Als einmal der Vater und andere führende Herren aus Tamantarchan durch Boten zu Hofe befohlen waren, brach der Pöbel in die Paläste ein, um nachzuprüfen, ob die Herren nicht heimlich ihrem abgeschworenen Irrglauben weiter anhingen. Und man fand die Beweise. * Bulan sprach oft über diese Dinge mit Cbarasehan. Mit wem hatte er sonst darüber reden sollen? Seit er nicht mehr ins Lehrhaus ging, konnte er fast alle Tage atn frühen Morgen mit Charaschan auf die Jagd gehen. Es war eine Lust, die Kraft und Gewandtheit des graubärtigen Riesen mit dem einen Arm zu beobachten. Charaschan urteilte ganz anders über jene Dinge als Dinah oder der Vater oder Bulan selbst. Er sagte: ״Die Juden haben Gott lieber als ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Frauen und Kinder. Das nützt ihr Gott aus und nährt, sich von ihnen. Würdest da nicht hineinbeißen, wenn du Hunger hättest und es hinge dir ein gebratener Fisch vor deinem Munde?‘ Bulan verstand nicht gut, was Charaschan damit sagen wollte. Er ahnte nur ganz fern etwas davon. Aber Charaschari durfte man nicht nach Erklärung seiner Worte fragen. Da wurde er ungeduldig. Darauf verstand er sich nicht. So wie er es sagte, meinte er es. Und wenn man es nicht verstand, konnte er eben nicht helfen. Bulan lernte bei ihm ganz wunderbar, mit der Stein- Schleuder Vögel und Klein(icre jagen, später auch mit Bogen und Pfeil. Charaschan sagte ihm, daß die Chasaren die besten Bogenschützen der Welt seien, noch bessere als die schwarzen Bulgaren. Charaschan wußte erstaunliche Vorteile beim Klettern, Springen, Laufen, beim Schnitzen von kurzen Wurfspeeren und langen Lanzen und schlauen Tierfallen. Erst lehrte er Bulan, mit leichten Ilolzsehwertern, dann mit richtigen eisernen Mannesschwertern fechten. Er war sehr schwer zufrieden z.u stellen. Ehe er Bulan wegen seiner Ausdauer auf einer Wanderung lobte, war Bulan schon w׳und und lahm, daß er dachte, keinen Fuß mehr vor den anderen setzen zu können. Wenn Bulan an Geschicklichkeit oder Schnelligkeit mit äußerster Anspannung Leistungen glückten, di« keiner seiner Kameraden zuwege gebracht hätte, hatte Charaschan ein nachsichtiges Lächeln und sprach cs nur «us Schonung nicht aus: ״Das ist also alles, was ich bei dir erreicht habe?“ Nur ein einziges Mal hatte er eine Anerkennung für Bulans Tapferkeit. In einer der letzten Nächte eines endlosen harten Winters kamen hungrige Wölfe bis an die Hütte heran, die die letzte der Sehechuna war, uad umkreisten sie heulend. Die Mutter schrak aus dem Schlaf auf, lauschte ängstlich — sie ertrug Schrecken so schwer! — Batsua weinte, Dinah betet« hebräisch, chasarisch, griechisch zu allen möglichen Gottheiten. Bulan kroch auf das steinbeschwerte Strohdach, aber die Tiere unten rasten wie irr; er bekam sie nicht zum Schuß. Er kletterte auf den alten Nußbaum, der seine Aeste bis über das Dach hinstreckte und ließ von einem niedrigen Ast •eine Beine hinabbaumeln. Die Tiere schossen herbei, sprangen hoch, schnappten. So hatte er »ein Ziel, schoß in die Funkelnden Augen, in die dampfenden Bachen. Die vier Wolfsfelle waren so groß, daß man, obgleich solche Felle in diesem Winter niedrig im Preis standen, für sie eine Ziege, die eben zum ersten Male geworfen hatte, und zwei junge Hennen bekam.