Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 65 (14.8.1936)
- Date
- 1936-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 65 / Jahrgang 41 Praia 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU Schrlftleitung,Verlag a. AnzelgenverwaUangt BerllnWli, Melnekeitr.10 Fcrnrati Sanmiel-Nummer J1 (Bismarck) 9031. - llcziijrsprcis rinsrliiirBlich Bfrtellgeld je Monat HM 2,-, jo Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,R8 hzw. RM 539• — Postscheck . Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 <für GroB Berlin), Berlin 17392 (für da» übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Baugsgebüliren. — Erscheint Jeden Dienstag sind Freitag. BERLIN כ״ו אב תרצ״ו FREITAG, 14. AUGUST 1936 GfiHigt AnzeigenprciflUte Nr• 5. Die 12 £cspall«ne mm - Zeile 20 Rpf.a für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten► Ausgaben oder ar. bestimmten FUtzen wird keine Gewahr geleistet. Gelrgenheitsa nnreigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmenchluß für <1io Dienstag - Ausgabe Montag iö Uhr. für die Freitag ־ A u מ g « h 0 Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr Der Zionismus erstrebt für das jddische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Jude und Franzose Leon Blum über ״zweifache nationale Loyalität“ _ f10 Anschluß an den Amtsantritt des französischen Minister- Präsidenten Leon Blum ist in der französischen Oeffentlichkeit wiederholt die Fraise erörtert worden, ob man gleichzeitig Jude und 1־ r a 11 z o s e sein könne. Zu dieser Frage nimmt Ministerpräsident B I 11 in nunmehr seihst Stellung, indem er sie in einem umfangreichen Aufsatz erörtert, der in zahlreichen Zeitungen auch außerhalb Frankreichs erschien. Zu Beginn des Artikels schreibt Ministerpräsident Blum, daß die Juden Frankreichs nicht Ungelegcnheiten kennen, die aus ihrem Judentum heiriihren. Sie haben stets Sicherheit und volle bürgerliche Rechte genossen. Es werde jedoch olt die Frage aufgeworfen, oh nicht ■durch die Beteiligung an der zionistischen Arbeit die These der Antisemiten, der Jude sei kein ״ganzer, ungeteilter Franzose“', bestärkt werde. Was mich persönlich betrifft, so sagt Blum weiter, so bin ich ein französischer Jude, tmil ich kann gewissenhaft behaupten, daß ich ein guter!•'ranz ose bin. Blum verweist auf die Tatsache, daß er in Paris geboren, daß seine Eltern und Großeltern in Paris gelebt und seine Ahnen Elsässer, also auch Franzosen gewesen seien. Er sei als Franzose erzogen worden. Er habe für Frankreich gearbeitet. I )ie französische Kultur habe ihn zum größten Teil gebildet und sei so auch ein T eil von ihm geworden. Kein Fdement des französischen Geistes, des französischen Ehrbegriffes oder der fran/.ösischeu Kultur gehe es, das ihm fremd sein könnte, Ministerpräsident Blum schreibt sodann: ״Und doch, ob- Wohl ich mich als echter Franzose fühle, weiß ich, daß ich gleichzeitig Jude bin. Ich habe auch nie den mindesten Widerspruch in diesen beiden Phasen meines Bewußt- Seins verspürt. Ein Mensch kann durchaus einer zweifachen nationalen Loyalität unterworfen sein. Die Zugehörigkeit zu einem Lande schließt nicht aus, daß sich das .Individuum als Teil auch einer anderen Gruppe, einer anderen menschlichen Gesellschaft fühlt. Wir können vollkommen französisch fühlen und doch die Möglichkeit haben, uns noch mit einer anderen gesellschaftlichen Einheit verbunden zu fühlen. Wir können der jüdischen Gemeinschaft mit Körper und Seele angehören und doch in unserem Empfinden vollständig französisch sein. Da gibt es keine Schwierigkeit und keinen Widerspruch. Ein Jude kann Franzose in jeder Beziehung sein, ohne daß er das Baud löst, das ihn mit seiner jüdischen Gruppe verbindet. Man kann solche Beispiele einer doppelten Loyalität in allen Zeitaltern nachweisen. Als Franzosen leben wir sehr glücklich in Frankreich. Aber sollten wir trotz dieser persönlichen Sicherheit vergessen, daß es in anderen Ländern Juden gibt, deren Leben weniger friedlich ist als das unsere? Dürfen wir vergessen, daß es nötig ist, die jüdische Situation in anderen Ländern zu verbessern? Und zwar deshalb, weil!11. E. der Zion i s in u s nicht als eine 11 a t i o 11 a I e F ordern n g geboren wurde —- und es auch heute nicht ist —, son• dern nur dadurch, daß Millionen Juden, die Mehrheit des jüdischen Volkes, in den Ländern, in denen sie leben, nicht unter normalen Bedingungen existieren, und daß es daher notwendig ist, einen Ort zu finden, an dem das möglich ist. In den diplomatischen Dokumenten wird dieser Ort ״Nationale Heimstätte‘־ genannt. Die Juden müssen dieses Heimatland einfach deshalb haben, weil die Länder, in denen sie gewohnt haben, es nicht mehr zulassen, daß sie sich dort geselzlich oder faktisch zu Hause fühlen. Das dürfen wir nicht vergessen. Wer sich in einer besseren Position befindet, darf das nicht als Grund betrachte״, jenes S o 1 i d a r i t ä t s - ge fit hl zu verlieren, das ihn mit weniger glücklichen, Weniger sicheren Juden verbindet. Unsere Rasse ist mit viel Sinn für die Realität begnadcl. Der Jude erkennt gewöhnlich vollendete■ Fakten an und rechne( mit ihnen in seinen Gedanken und Taten. Heute brauchen wir nicht darüber naelizudenken, ob es richtig oder falsch ist, Zion ist zu sein, da Zion bereits existiert. Wir braudieii 1111s auch nicht zu fragen, oh es richtig oder falsch ist, für diese Bewegung zu werben, weil diese einer bereits Wirklichkeit gewordenen Sache dient und ihr Resland nicht von uns abhängf. In unserem Interesse liegt es, daß Frankreich an dieser Bewegung Anteil hat. daß französischer Geist 11ml französischer Einfluß ihre Entwicklung berühren. Ein Beispiel, daß französische und zionistische 11ationalc Interessen nicht entgegengesetzt sind: es war dank den zionistischen Bemühungen, dank der Arbeit von Prof. Dr. Chaim W e i z m a ״ n gelungen, daß der Völkerbund sei- Derzeit das französische Mandat über Syrien ratifiziert und anerkannt hat. Ob das Mandat gut oder schlecht in seinen Folgen war, sieht hier nicht zur Diskussion. Frankreich selbst hat es gewünscht, es war ein wichtiges politisches Ziel Frankreichs, und dieses ist mit Hilfe der zionistischen Bemühungen erieicht worden. Liegt es im Interesse Frankreichs, daß der französische Gedanke, französische Wissenschaft oder französische Kunst nicht an der J e r 11 s a! e m er Universität, im knlturellen Zentrum Zions, vertreten sein soll? Ich glaube: nein. Ich glaube, daß cs im Interesse! ninkrtiehs, dessen Juden seine Vertreter in dieser Sache sind, liegt, daß es 111 allen diesen Bestrebungen seinen berechtigten Platz erobeit Dieser Platz ist nicht der letzte. Niemand kann sagen, daß die jüdischen und französischen Interessen hier im Konflikt stc- Hen. Im Gegenteil: sie laufen parallel. Und dies stimmt vollständig damit uberein, daß unsere Liebe zu unserem Fand und unsere Loyalität zum jüdischen Ideal in unserer Gedankenwelt harmonisch nebeneinander bestehen Können. * Leon Blums Aeußcnmg rollt zwei Fragen auf, die für uns von außerordentlichem Interesse sind: Es ist einmal das Problem, ob sein Judentum und sein Fran/osentum kollidicrcn oder miteinander in Harmonie vereinbar sind. Blum beantwortet die Frage positiv, indem er den Satz, von der ״z w e i f a e h e 11!1 a t i o 11 a I e 11 I. o v a 1 i t ä t“ aufstellt, der ein Mensch untciworfen sein kann. Damit grenzt sieh Leon Blum mit aller Schärfe gegenüber denjenigen im jüdischen Lager ab, die, wenn sie im Leben der Allgemeinheit zu Geltung gelangten, sieh bemüht haben, die Welt ihr Judentum vergessen zu lassen, oder gar selbst krampfhaft darum rangen, ihre jüdische Herkunft zu vergessen. Im Gegensatz, zu dieser assimilatorischen Haltung betont Leon Blum in seinem Artikel erneut mit aller Eindringlichkeit seine untrem!- bare Verbindung auch zur jüdischen Gruppe. Die Frage, die hierbei berührt wird, hat in vielen innerjüdischen Diskussionen eine Roile gespielt, die in der Vergangenheit geführt wurden. Es wird ja stets so sein, daß Menschen, die in sieh Beziehungen zu zwei verschiedenen Gruppen vereinen, die jedoch nicht nebeneinander in ihnen existieren, sondern praktisch in ihrem Wesen einander durchdringen, entweder das Gefühl der Einheit ihres Wcsens erlangen, d. h. meinen, daß jener Satz, von der ״doppelten Loyalität“ sich in ihnen verwirkliche, oder aber daß sie die Spannung, die zwischen den beiden Kreisen in ihrem eigenen Wesen entsteht, stärker empfinden. Es scheint uns, daß diese Frage weniger eine Angelegenheit weltanschaulicher Differenzen ist als ein Problem der persönliehen Art und Entscheidung. Martin B u b e r hat dem Problem einst die treffende Formulierung gegeben, wenn er sagte, daß es darum gehe, oh man dieser Problematik und der ihr zugrunde liegenden Mischung unterliege, oder — worauf es eben ankomnic - sieh zum Herrn des Pro■ bl eins mache 111:d dadurch einen neuen Weg im Leben als Jude finde. Wenn Leon Blum jetzt das Wort von der zweifachen nationalen Loyalität ausgesprochen hat, so dürfte er damit dem Gefühl der Juden Ausdruck gegeben haben, die in einer Welt leben, die eine europäische ist, und die mit dieser Kultur aufs engste verbunden sind, die aber dennoch und zugleich ihre 'jüdische Herkunft und ihre jüdischen Aufgaben als nicht weniger stark empfinden. Allerdings besteht für die Gültigkeit dieser Formulierung die — für Leon Blum zutreffende - Voraussetzung, daß die nationale wie überhaupt die (iruppenziigehorigkeit weitgehend eine Sache der persönlichen Sphäre ist, der von seiten des Staates nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt wird. Im ״totalitären“ Staat wird das Problem schwieriger. Auch über die Aufgaben, die es in der jüdischen Sphäre zu lösen gilt, hat sich Blum in diesem Artikel geäußert. Fr sieht sie im Zionismus, obwohl er bekanntlich ein ״Nichtzionist“ ist, wie dies Wort in der Terminologie des innerjüdischen Lebens geprägt wurde. Es ist klar, daß einem Mann von politischer I rfahru 11״ und über die Grenzen der Länder hinausgehendem Blick der Zionismus und der Aufbau Palästiuas als d i e jüdische Aufgabe erscheint, mit der er sieh persönlich verbunden fühlt. Fr betont dabei, daß die Juden Palästina als Heimatland deshalb haben müssen, weil die Länder, in denen sie gewohnt haben, es nicht mehr zulassen, daß sie sich dort gesetzlich oder faktisch zu Hause fühlen. Damit hat er gewiß einem Gefühl Ausdruck gegeben, das für das jüdische Volk charakteristisch ist. Zugleich ist die Art, in der Leon Blum den Zionisimis auffaßt, für die Befrachtungswcise interessant, die besonders in westlichen Fandern vielfach vorherrscht. Fr glaubt nämlich, daß es sich hierbei einzig 11 n d all e i 11 11 in e ine E x i s < e 11 z - frage handelt, die für Millionen Juden akut ist, und meint, daß ״der Zionismus nicht als eine nationale Forderutig geboren wurde“. In der Tat muß dieser Eindruck bei vielen entstehen, die den Zionismus etwa in Amerika oder auch in den Westländerri Europas studieren, in denen es sich nicht so sehr darum handelt, daß der Zionismus eine Lösung persönlicher Note anstrebt, eine Wahrung der Ehre lind Freiheit, die auch den ein✓ einen angeht, als vielmehr darum, daß er den Massen des jüdischen Volkes in Ost- und Zentral- Europa einen Weg ins Freie bahnen will. Es ist jedoch einseitig, wollte man diese Art der Befrachtung des Zionismus als die gültige akzeptieren. Auch Theodor II e r z I, der gewiß von der Judemiot als der treibenden Kraft ausging, die den Zionismus erfordert, sah zugleich die I m p o n 11 e r a b i - lien, die dieses Werk in Gang halten sollten, und es war nicht zuletzt sein Gefühl dafür, daß ein Teil des Volkes, der an sich die Möglichkeit dazu hatte, ״sieh nicht assimilieren Wollte“, weil dabei seine Ehre und Würde auf dem Spiele stand, das ihn dazu trieb, seine große Konzeption nieder- /!liegen. Im Zionismus, der in den jüdischen Volksmassen lebendig ist, war stets auch der Gedanke wirksam, den Leon Blum iüer mit ״nationaler Forderung“ umschreibt, und den man wohl dahin definieren kann, daß es um die Erhaltung des Volkes, des Volkstums als solchen, um seine geistige und zugleich physische Wiedergeburt geht. Diese Idee ist einer der treibenden Motoren, die den Zionisnius befähigen, auch Zeiten zu überstellen, in denen sein konkreter ״Nutzeffekt“ für die Volksmassen nicht so stark hervortritt. ״Die Stadl Gottes“ Zu dem Buch von Reginald Coupland: ״Das Weltreich in diesen Tagen“. (Verlag, Macmillan, London, 1935.)ן Von Julius Köllen sc her, London j Wenn der Oxfordcr Professor der Kolonialgeschichte Coupland, nach Beendigung der Unruhen, als Mit-!glied der Untersudningskommis-ioi! nach Palästina gehen wird, kann ihm das Land und die Stadt Jerusalem wenigstens gedanklich nicht mehr Neuland sein. ln seiner Rüssel-(iedciikvorle-u 11 g ״Freiheit und Einheit“, die die < mindgedanlw•״ der in diesem Buch vereinigten Vorträge und Schriften enthält, ist ein Brief des im Weltkriege in I’.!Listin;t gefallenen Professor Russe! gleichsam als Motto an die spitze gesteift, verfaßt wenige Tage vor dem lode des Schreibers ,,Mit dem Blick in der Ferne auf eine ummauerte Stadt, auf einem 1 lüge'! gelegen, die wir für Jerusalem halten“. Und, um es gleich vorweg/iinelinieii, Professor G'oupiatid konnte dem Geist seines Hehlen nicht he wo gerecht werden, wenn er seine Vorlesung mit den Worten schließt: ״Wenn wir unseren Kurs von diesen zwei Sternen der Freiheit und Lauheit leiten lassen, werden wir vielleicht finden, daß ein neues Zeitalter ries Friedens und der Kameradschaft schließlich doch kein unmöglicher Traum ist. Vielleicht war die Stadt, die Rüssel sichtete, bevor er starb, weit weg auf den Hügeln, letzten Endes doch, die Stadt Gotte s.“ Freiheit und Einheit ist der dauernd wiederkehrende Refrain in allen diesen Studien, oh sie sieh mit den tinabhängigen Dominien, mit Indien oder mit dem afrikanischen Kolonialreich befassen. Lord Balfour, Burke und der Italiener Ma/zini werden immer wieder als Krönzeugen dieser politischen Philosophie angerufeii, die sich bewußt fernhält von der Gefahr des Theoretisiercns und die der Verfasser deshalb lieber in volkstümlichen Wendüngen wie ,,leben und leben lassen“ nusdriiekt. oder an einer Stelle mit dem drastischen englischen Sprichwort: Man kann ein Pferd ans Wasser Irringen, aber man kann es nicht zum Trinken zwingen. Das Wort Lord Balfours ״Wir sind die ewigen Vor- Kämpfer der Freiheit“ wird von der Pflichtseite 11er gedeutet: Dienst ist vollendete Freiheit. Aber Cotipland geht weiter. Nationale Frei heil ist nur ein Teil der Aufgabe, die andere fLiffte ist internationale Ein 11 eit, eine Vereinigung freier Nationen, wie sie im Britischen Weltreich angestrebt wird mul teilweise schon verwirklicht ist. Wir vergessen off, daß die vier Nationeu, die heute auf den Britischen Inseln friedlich zusainmenlehen, die gleichen Schwierigkeiten durchgciiiaclit haben, die vielfach auf dem Kontinent noch ungelöst sind. Der Verfasser als Engländer kann von sich sagen: ״Ich zähle viele Schotten und Walliser zu meinen Freunden, aber ich würde das Freundschaftsverhältnis sehr überspannen, wenn ich so kühn wäre zu behaupten, daß sie ihr schottisches oder wallUoebes Nationalbewußtsein verloren hätten.“ Professor Coupfand Hält das Problem der Natio- 11 a 1 i t a t für die wichtigste Aufgabe, die der politischen Wissenschaft gestellt sei. Um sie zu veranschaulichen, fuhrt er uns in das große f aboratoriiim des Britischen Weltreichs ein, wo bisher alle Experimente die glückliehe Formel ergeben haben: vermischt, aller doch geschieden, vereinigt, aller frei. Fs lohnt sich, dem Verfasser etwas weiter in die Werkstatt zu folgen, wo wir besonders bei der Entwicklung der Dominien wiederholt auf Probleme stoßen, die uns an Palästina erinnern. Als vor 150 Jahren Kanada in englische Hände fiel, war es ausschließlich von Franzosen bevölkert. Dann kam die englische Einwanderung, deren Finheitsanspriiche zunächst der Freiheitsfordening der französischen Be- YÖlkeruiig diametral entgegengesetzt waren. Aber nach 20—30 Jahren der Unsicherheit und Schwierigkeit fanden die Kanadier die Lösung. Nach einer Schilderting der Primitivität der französischen Landbevölkerung, ihrer Resignation und Ausdauer fährt der Verfasser fort: ״Ich hoffe, Sie werden nicht zu sehr entsetzt sein über ihren relativen Mange! an Erziehung, ihren beschränkten Horizont, ihre Unfähigkeit, mit dem Sturm der wirtsdmftlichen Entwicklung Amerikas Schritt zu halten. Für wirtschaftliche Entw icklung bleibt noch genug Zeit. Einstweilen sind die Tugenden eines Bauernvolkes immer noch fügenden.“ Noch näher fühlen wir uns berührt, wenn der Verfasser von der Bure 11 frage in Südafrika spricht, wo man ein längeres Zwischenstadium zu durchlaufen hatte, bis die Frage des Zusammenlebens der beiden weißen Rassen gelöst wurde. ״Wie die französischen Kanadier