Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1936)
- Date
- 1936-08-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 4. VIII. 1936 ״Die Arbeit steht nicht still“ Griinbaum berichtet über die Lage Presseschau Die europäische Idee des Nationalismus als Waffe gegen Europa Die ״Frankfurter Zeitung*“ veröffentlicht am T. August einen bemerkenswerten Artikel 100״ Tage Streik in Palästina“, der sieh mit den Folgen befaßt, die die Vorgänge m Palästina für die europäischen Kolonialmächte haben können. Iri dem Artikel wird zuerst die Möglichkeit erwähnt, daß der Guerillakrieg bis zum F i n t r i 11 der Regenzeit dauern könnte; auf beiden Seiten sei feste Entschlossenheit vorhanden. Es heißt dann weiter: ״I>ie Folgen des arabischen Aufstand«, wie immer sein Ergebnis sein mag, werden die palästinensische Politik auf Jahre hinaus bestimmen. Die Lehren, die aus ihm abzuleiten sind, gehen nicht nur Palästina an. Denn in der Geschichte der Emanzipation der Kolonialvölker wird die Revolte der palästinensischen Araber einen wichtigen Platz cinnelinien. Einerlei ob Sieg oder Niederlage, — schon die Hartnäckigkeit des Widerstandes, die Wahl der Kampfmittel haben bewiesen, daß die Auseinandersetzung zwischen Europa und den beherrschten Völkern in ein neues Stadium zutrden in Begriff ist, wenn das Beispiel Palästinas Schule machen sollte. lias bemerkenswerteste und überraschcndstc Ergebnis, das der Betrachter feststellen kann, scheint die Tatsache zu sein, daß sich die europäische Idee des Nationalismus mit außerordentlicher Intensitat eines Volkes bemächtigen konnte, das zu 00 0״ aus Analphabcfcn bestellt, dessen Lebensführung und soziale Struktur zu überwiegendem 1 eil noch mitteialte; liehe Züge anfweisen und das von einer kleinen Schicht selbst nur halb euro- ־>ai-.iertrr Pntrizicrfnmucn und Intellektueller seine politischen fichtlinien erhalt. Ihr Nationalismus ist von allem europaischen t iedankemgiit das erste um! oft das einzige f. I e in e n t, da- -11־! in den Hetzen mul Köpfen der unterworfelten Volker fest-et/j. Er dntuu auf der ersten tteticebaufeti (.haii'sce e:!t, i.lPit siel! in der er׳.jr;1 neu gehanten Schule nieder und wird von der ersten.;!;!.:11! uroo.iischen Vorbildern unbeholfen mn: knittertet] /rittmg verbreitet. Es wäre eine l11׳ters11chmtg wert, einmal fest/nsteilen, wie sich der europaische Nationalismus auf fremden Boden mit verwandten aber doch nicht wesensgleicher! Svc'enbotuiitltcileti verm.scht: mit dem uralten I remdetihaß des Islam, mit der primitiven Freiheitsliebe eines!eilen ursprünglichen Volkes, mit den Kampf- und Beute-! 11*4111 kten des Beduinen. I wir die politische Betirteilung genügt zuuadist die Feststellung, da ft und in welch gelaltrhchem Malle hier ein e u r o p a 1 s c h e r I: x p o r t a r f i - k e I zu einer W a! i e i in! m a 11 z t p :1 t i o 11 s k;>. m p f von Europa geworden 1 - t. Be-omlers gefährlich wird die Waffe, weil hier zum ersten Male die ihr gleichwenige t aktik zur Anwendung gekommen ist: Passiver Widerstand und (/ne!illakrieg, bekli s gleich schwer zu bekämpfen, beides gleieh ladtg dir die Mnmlanmacht. Auch hier wieder sind a u s I :! n d i s c I! e Einfluss e rl,1!׳:ln:h festzustellen: die N01!־rooperat10n-Bewegm1g da 1; d hi s, die politischen Streiks in Strien, der llainleiiki ieg in Marokko und nicht zuletzt auch die europäische Jugendbewegung und da» Sturmtrupp- System des F aschiMiiu.s. Alles das wird teils bewußt, teils unabsichtlich aus du־ Gleichheit der Situation heraus nachgebildet. Auch liier mischen sich fremde und bodenständige Elemente; schwerlich konnte der Streik solange fortgeführt werden, käme nicht dem orientalischen Hang zur Untätigkeit die erzwungene Arbeitsruhe recht gelegen. Der Hohe Kommissar für Palästina, Sir Arthur Wauc h o p e,^ Soldat von Jugend auf, Mitkämpfer Kitcheners im Sudan, ist heute in Palästina der wichtigste und ausschlaggebende Vertreter jener Kreise, die glauben, durch größtmögliche Zurückhaltung, durch gutes Zur c d e n u 11 d Geduld den Sturm am besten beschwören zu können. Fr gilt bei allen, die ihn kennen, als Vorbild des echten Gentleman; ah solcher hat er in besonderem Maße die aristo kratische N a i v i t ä t d e s G e n 11 e in a n auch im Gegner s.e inesgleichen zu sehen, von dem ihn mir hedauerliehe, durch vernünftige Unterhaltung leicht aufklärhare Miß- Verständnisse trennen. Fine Radioansprache, die er vor kurzem an die palästinensische Bevölkerung hielt und von der er sich allen Ernstes eine Wirkung auf die arabischen Massen versprechen zu haben scheint, war ein charakteristisches Beispiel dieser Seelenhaltung: ein Gentleman beschwor einen anderen, sich doch von der Unlogik und U11 Zweckmäßigkeit seiner Handlungsweise־ Rechenschaft zu geben und dementsprechend seine Täaktik zu andern. Fine ausgezeichnete An- Sprache; — schade nur, daß der Gespräch spartn c r, .1 11 <i e n c i e s i e h w a 11 dt 0, nicht existierte. Auf die Araber hat es wenig!:ühlrui k gemacht, daß er ihnen Idar/umachen versuchte, wie -chädlkh ihre Handlungsweise für die Finanzen der Regierung sei. Oie Frage bleibt, wann das Ende erreicht werden wird. Aber die (icxchidite i-4 noch nie geraden Weges gegangen, und manches töricht dafür, daß sie gerade jetzt zu einer Umkehr - ich an schickt.“ ״Zweierlei Maß“ fn ״M i b b i f n i m״, dem Organ des Kibbuz nk'uchad, wird Klage darüber geführt, daß die j u g 1 n d :1 1 i j a 11;1 u s Deut»chland in der Kwuzali unter wesentlich besseren Bedingungen lebt, als ihre Alttirsgcno'wn von der palästincnsischen ״Noar ha-owed“, die sich häufig zur Hachscliarah am selben Orte befindet. Die Ein-emierin schreibt Über die Verhältnisse in Givvath Brenner; ״Der Jugctuialijah •bll im Kibbuz das Streben nach O c• r e c h t i g k e i t in der menschlichen Gesellschaft eingepflan/t werden. Und zur seibet! Zeit kommen ihre Altersgenossen aus Palästina in den Kibbuz, eine ganz andersartige Jugend nach ihrer Erziehung tind Vorbereitung. Und beide Jugendgemeinschaften leben unter uns unter ganz verschiedenen Brdin g u n - cn. Für die Jugcndalijah aus Deutschland stehen Mittel zur erfiigung, für die Ausbildung der p a I ä s t i n e n s i - *chen Jugend aber gibt es kein Budget. Sie wohnen wie jeder Neuling in der Kwuzah im Zelt oder in der Baracke. Die Jugend aus Deutschland hat ihre besonderen Lehrer und Erzieher und einen groß angelegten Ausbildungsplan, die palästinensische Jugend hat nur einen Jugcmifiihrer aus ihrer Mitte, der den ganzen Tag körperlich arbeitet und am Abend noch freiwillig unterrichtet. Natürlich kommt ein solcher Unterricht nicht immer zustande. Und das Resultat ist: Die Jugend aus Deutschland hat anständige Wohnbedingütigen, ist gut gekleidet, arbeitet nur fünf Stunden am Tage una lernt die übrige Zeit, während die Jugend aus Palästina schlechte Wohnbedingungen, häufig unzureichende Kleidung hat, den ganzen Tag arbeitet und sehr wenig lernt. Dieser Zustand hat schon zu inneren Schwierigkeiten geführt. Für thilanthropischc Einrichtungen ist im Kibbuz nicht der Ort. s darf in der Er/iehungs- und Ausbikimigsarbeit des Kibbuz keinerlei Bevorzugungen geben. Wenn junge Menschen in diesem Alter ein Budget für Verbesserung der Wohnbedin- Kngen und für Unterricht brauchen, so gilt das für alle gcndlicben. Wenn den jungen Menschen aus Deutschland die hebräischen Kenntnisse fehlen, so fehlt den andern die Allgemeinbildung. Auf keinen Fall aber können wir es dulden, daß eine privilegierte Jugend neben einer benachteiligten lebt. Nur hei Beseitigung solcher Unterschiediichkeif kann die Spannung zwischen den beiden Jugcndgemeinschaften schwinden.“ Warschau, 30. Juli. (JTA.) Der gegenwärtig in Warschau weilende Leiter des Organisationsdepartments der Zionistischen Exekutive, Jizchak Grünbaum, sprach in einer Pressekonferenz über die gegenwärtige Lage in Palästina und über seine Eindrücke, die er von den Geschehnissen im Lande erhalten hat. Für eine abschließende Bilanz, so meinte er, sei noch nicht die Zeit gekommen, weil das gegenwärtige Stadium der Dinge dies nicht zulasse. Aber eine vorläufige Bilanz zeige, daß wir Positives und Negatives äufzuweisen haben, im übrigen genau wie die Araber. jizchak Grünbaum warf die Frage auf, was der Jischuw verloren habe. Da sei zuerst der Verlust an M c 11 s c 11 e n 1 e b e n. Er habe Angst davor, zu sagen, daß diese Verlustliste noch nicht geschlossen sei. Es sei wohl möglich, daß der Streik zu Ende gehen werde, aber der Tenor und die Sabotageakte werden noch weiter anhalten, Es ist den Arabern nicht gelungen, in unsere Positionen einzudringen und auch in Zukunft wird dies ihnen unmöglich sein, weil die Verteidigung noch intensiver ist als früher. 3000 jüdische Jugendliche sind als Hilfspolizisten über das ganze Land verteilt. Die Versuche der Araber, die Transport- und Verbindungswege zu sperren und damit die Städte auszuhungern, sind zusammengebrochen. Von Jerusalem nach Tel-Awiw fahren jüdische Kraftfahr• zeuge ohne Begleitmannschaft. Auch die Bahnverbindungen kann man nicht stören. Die Bahnen sind überfüllt ebenso wie die Autobusse. Die Zufuhr von Lebensmitteln geht ungestört vor sich, vor allem auch aus dem Ausland. Das gewöhnliche Leben in Palästina geht weiter. In Jaffa wird gestreikt, in Haifa aber nicht, was den Hunderten von jüdischen Hafenarbeitern zu verdanken ist. Griinbaum ging sodann auf die Schaffung des Hafens von T e I - A \v i w ein. Er würdigte den Beginn einer neuen jüdischen Position, die damit begründet worden sei und betonte, vollständige Sicherheit bestehe darüber, daß der H a f e 11 bleiben werde. Die Araber haben geglaubt, so fuhr Grünbaum fort, daß sie die jüdische Wirtschaft durch Boykott und Sabotageakte erschüttern könnten. Dies ist ihnen aber nicht gelungen. Es ist wahr, daß die Wirtschaft in Mitieidenschaft ge zöge n worden ist, aber die Fabriken arbeiten weiter. Die Araber rechneten damit, daß es Zehn- Der Moschaw nähert sich der Kwuza Aus Tel-Awiw wird uns berichtet: Schon seit längerer Zeit wird in der hebräischen Presse die Frage der Reform des auf Sclbstarbcit und gegenseitige Hilfe der Ansiedler aufgebauten Moschaw erörtert. Diese Form der Siedlung hat neben der (kollektivistischen) Kwuzah für die Arbeiterschaff einen Reiz gehabt. Es zeigte sich aber, daß die aut Selbstarbeit gestellte Wirtschaft all 7 11 starke Anforderungen an den Ansiedler stellt. Lin 13—1-1 s t ü n d i g er Arbeitstag aller Erwachsenen, pausenlos durch viele Jahre hindurch ohne richtige Arbeitsruhe, hat die Kraft der ersten Ansiedler vorzeitig aufgezehrt. Die ״gegenseitige Hilfe“ der Siedler konnte den Zustand nicht erleichtern, da die Erschöpfthcit eine allgemeine Erscheinung war. So ist man in letzter Zeit dazu übergegangen, die individuelle Bewirtschaftung durch eine kollektive zu ersetzen. Im ״Dawar“ berichtet jetzt ein Siedler aus dem Moschaw Tel-Adas c!1 i m über den gelungenen Versuch, der dort mit kollektivem Getreidebau gemacht wurde: Der Versuch ergab eine große Einsparung an Arbeitstagen durch Rationalisierung und Mechanisierung der Arbeit. Auch die Möglichkeit, große zusammenhängende Flächen auf einmal in Bearbeitung zu nehmen, wirkte sich zeitsparend aus. .Auch die Anpflanzung von Fruchtbäumcn wurde kollektiv in Angriff genommen. Alle beteiligten Arbeitskräfte, auch die Facharbeiter erhielten gleichen Arbeitslohn. Der Anteil an der Ernte ist für alle Beteiligten der gleiche. Kranke und Invaliden haben nicht mehr unter den Folgen ihrer körperlichen Schwäche zu leiden. Die ״gegenseitlge Hilfe“, die früher nur unvollkommen für solche Schäden aufkoinmen konnte, ist durch die neue Organisationsform der Bearbeitung ganz überflüssig geworden. Freilich ist Oel aus Arabien Wie aus London berichtet wird, hat die Irak-Pctroleum Co., an der englisches, amerikanisches, französisches und holländisches Kapital interessiert ist, und die durch die Pipe-Li 11c nach Haifa auch mit Palästina verbunden ist, von Ihn Saud eine Konzession für die Ostk ü s t e von Saudi-Arabien auf einem Streifen von 100 km landeinwärts erworben. Gleichzeitig wird gemeldet, daß die California-Arabia 11 Oil Co. (Standard Oil K011zern), die bereits im Juli 1933 eine Konzession in Saudi- Arabien, und zwar in der Provinz Hasa erwarb, ihre ersten Oelbrunnen fertiggestellt hat, die nunmehr täglich angeblich 400t) Barrels — also vorerst eine bescheidene Menge — liefern. Im vorigen Jahre betrug die Oclproduktion auf den B a h r e i n -111 s e I n, östlich Suez, 175 0001. Dagegen erwartet man im laufenden Jahre eine Erhöhung der Bahrein- Erzeugung auf rund 500000 t. in diesem Zusammenhang sind auch die wiederholten Meldungen über Oelvorkommeii in Südpalästina (s. ״J. R.“ Nr. 60) von Interesse. ln einem amtlichen Communiqul dementiert die Palästina-Regierung die von palästinensischen Z e i - tnngen gebrachte Meldung, daß die jüdischen Polizisten in Tiberias entwaffnet worden seien, während man Araber bewaffnet habe. Ferner wird erklärt, es sei unrichti g, daß der stellvertretende Poli/eikommandant von Reer Schcwa, Ronald Broadhurst, zusammen mit Arabern photographiert worden sei, die gerade Steine gegen Juden schleudern. Der jüdische Wächter Josef U r p h a I i, der wegen Mordes während der Unruhen des Jahres 1929 zum Tode verurteilt und später zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt wurde, ist auf Grund der anläßlich des Regiemngs- Jubiläums König Georg V. verkündeten Amnestie am Sonnabend gleichzeitig mit mehreren anderen Gefangenen in Freiheit gesetzt worden. Der zweite Jude, der nach den Unruhen von 1929 zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt worden war, Simcha Hinkes, ist schon im Juni 1935 frei gelassen worden. tausende Arbeitslose geben werde, in Wirklichkeit sind es nur 5000 bis 6000. In den Kolonien herrscht keine Arbeitslosigkeit. Viel? Juden haben die Arbeitsplätze der streikenden Araber eingenommen. Es hat sich hcrausgestcllt, daß die Frage der jüdischen Arbeit nicht nur ein Wirtschaftliclies Problem ist, sondern auch «ine Angelegenheit der jüdisehen Sicherheit. Den Flüchtlingen wird auf konstruktivem Wege gehalfen werden. Ein Notfonds wird dafür geschaffen werden. Man erwartet, daß die gesamte jüdische Wirtschaft dadurch gestärkt wird. Eine bedeutende Zahl von Kleinhändlern und Fabrikanten hat unter den Verhältnissen gelitten. Aber auch hier wird alles getan werden, um auf konstruktive Weise die jüdischen Wirtschaftspositioncn letzten Endes noch stärker und fester zu gestalten. Die Aufbauarbeit ist auch nicht einen Tag lang eingestellt worden. Im Süden von Jaffa entsteht eine 11«uc Stadt mit Hilfe der Gesellschaft Bizur, die 300 000 Pfund für diese Zwecke zur Verfügung gestellt hat. In etwa einem Monat werden 44 Häuser fertiggestellt sein. Vor unseren Augen entsteht eine neue Stadt in einem viel schnelleren Tempo als es bei Tel- Awiw der Fall gewesen war. Das gleiche ist in Haifa mit Kirjat Chajim. Kirjat Bialik und Kirjat Motzkin der Fall. Dort werden Planierungs- und Entsumpfungsarbeiten vorgenommen. Es sollen dort mehrere hundert Häuser gebaut werden. In verschiedenen Teilen des Landes werden neue Chausseen gebaut. Wir haben immer von der Regierung verlangt, daß sie neue Chausseen zu den jüdisehen Siedlungen baut, die die arabischen Dörfer meiden. Dies ist endlich jetzt erreicht worden. Die neue Verbindung von Tel-Awiw nach Haifa führt ausschließlich durch jüdische Siedlungen. Diese Verbindung wird zu Beginn des Winters fcrtiggestellt sein. Diese und andere entsprechend geführte Chausseen werden für die jüdische Sicherheit von großer Bedeutung sein. Nachdem er sich noch gegen jede Beschränkung der Einwanderung ausgesprochen hatte, erklärte Grünbaum, der Kampf müsse auf allen Fronten gekämpft werden. Er ist langwierig, sehr schwer und wird noch viele Opfer fordern. Aber der Sieg werde unser sein. Palästina sei für England eine Notwendigkeit und sicherlich kein arabisches Palästina. Darüber sei man in England nicht im Zweifel. damit noch nicht das ganze Problem des Moschaw gelöst. Dem einzelnen Siedler bleiben noch immer der Kuhstall, die Geflügelwirtscliaft und der Futterbau. Solange diese Zweige der Wirtschaft nicht ganz oder teilweise kollektiviert sind, wird der Siedler noch immer nach dem Arbeitstag für die gemeinschaftlich bearbeiteten Wirtschaftszweige mehrere Stunden in seiner Privatwirtschaft arbeiten und auch seine Familie wird überarbeitet sein. Das darf aber nicht sein. Es muß erreicht werden, daß der Siedler im Moschaw einen normalen Arbeitstag erhält, der ihm ermöglicht, den wöchentlichen Ruhetag und die Feste einzuhalten und ein Buch und die Zeitung in wachem Zustande und nicht im Halbschlaf zu lesen. Es ist nicht der Sinn der Chaluziuth, daß die Menschen, die ihr anhangen, zu invaliden werden. Auch tragen diese privaten Teile der Wirtschaft mit ihren verschiedenen Einsätzen an Geld und Arbeitskraft nur Ungleichheit in den Moschaw, die seinem Wesen und der Absicht seiner Gründer fremd ist. Der Siedler schlägt deshalb vor, innerhalb von drei Jahren einen gemeinsamen Kuhstall aufzubauen, zu dem jeder Siedler zwei Kuhkälber und eine Kuh beitragen soll. Der Futterbau soll dann ebenfalls gemeinschaftlich betrieben werden, der private KuhstaU soll verschwinden. Auch die Geflügelzucht soll gemeinsam betrieben werden. Nach Beendigung des Vereinheitlichungs- Prozesses wird der Obst- und Gemüsebau genug Arbeitsgeiegenheit für die Familienmitglieder des Siedlers geben, und sollte die Arbeit sie dort nicht voll beschäftigen, so wird die kollektive Geflügelzucht oder der kollektive Kuhstall inzwischen so sehr erweitert sein, daß sie zusätzliche Arbeitskräfte werden aufnehmen können. Auf diese Weise meint der Einsender des Vorschlags auch den Moschaw für die Jugend anziehender zu machen, die sich in letzter Zeit neuen Siedlungspunkten zugewandt hatte. Ein Moschaw, der sich von der untragbaren Last der ״Selbstarbeit“ durch die Kollektivbewirtschaftung befreit hat, wird auch der Jugend wieder als Ort ihrer Zukunft erscheinen. Illegale und Polizei Der Abgeordnete Colonel Wegclvvood fragte im englischen Unterhaus clcn Kolonienminister, wieviele Juden sich gegenwärtig als illegale Einwanderer in den Gefängnissen Palästinas befinden, und ob im Hinblick auf die gegenwärtige Lage in Palästina diese loyalen Elemente in Freiheit gesetzt weiden würden. In einer schriftlichen Ant* wort erklärte Kolonienminister Ormsby-Gore, daß er in bezug auf den ersten Teil der Anfrage keine entsprechenden Unterlagen bähe, daß er sie aber vom High Commission er an* fordern würde. Wedgwood fragte weiter, wieviele Juden, Araber und Engländer gegenwärtig in der palästinensischen Polize! oder als besondere Sicherheitsbeamte beschäftigl sind, ob die besonderen Sicherheitsbeamten bewaffnet und ob die jüdischen Polizisten aus öffentlichen Mitteln oder von den Juden selbst bezahlt werden. Kolonienminister Ormsbv-Oore erwiderte, die palästinen* sische Polizei habe am 31. Dezember des vergangenen Jahres aus 746 Briten, 1456 Arabern und 365 Juden bestanden. Seit diesem Zeitpunkt sei die aus Palästinensern bestehende Polizei um über 200 und der britische Teil der Polizei um 150 verstärkt worden; außerdem seien mehr als 2000 Hilfspolizisten besonders zur Verteidigung der jüdischen Siedlungen aufgestellt worden. Der Sold von einigen von ihnen — er könne nicht sagen bei wievielen — werde von den beteiligten Gemeinden getragen!. Ich habe erfahren, so sagte Kolonienniinister Ormsby-Gorc weiter, daß die Hillspoiizei mit den verschiedensten Waffen ausgerüstet ist, aber ich habe keine Einzelheiten in bezug auf die Ausrüstung irgendeiner besonderen Zahl von ihnen. Die Regierung hat der Exekutive der Jcwish Agency mügeteilt, daß die T e! - A w i w c r Auf- und Ausladestelle zu denjenigen Häfen gezählt wird, über die Zitrusfrüchte ausgeführt werden dürfen. Bis jetzt ging der Zitrusexport nur über Haifa und Jaffa. (Schluß des Palästina-Teils)