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Jüdische Rundschau · 1936-08-04 · Heft 62 (4.8.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 62 (4.8.1936)
Date
1936-08-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 62, 4. AUGUST 1936 Die Diskussion geht weiter Mit der Einsetzung der Königlichen Untersuchungskommission ist die ganze Palästinafrage in ihren politischen und wirtschaftlichen Aspekten neu aufgerollt. Ganz abgesehen von dem sehr lebenswichtigen Problem der Beziehungen zwischen Juden und Arabern, das uns seit Jahren bewegt, ist jetzt die Frage, in welcher Weise von jüdischer Seite die jüdische Sache und die jüdischen Ziele vor der Königlichen Kommission dargcstellt werden sollen, von allerhöchster Bedeutung für die Zukunft des Jüdischen Nationalheims. Die ״Jüdische Rundschau“ hat oftmals die Anschauung vertreten, daß das politische Ziel als die Schaffung eines bi nationalen Palästina formuliert werden kann, in welchem die politischen Rechte der Juden, aber auch der Araber unzweideutig garantiert werden, so daß der größte Hemmschuh der Entwicklung, nämlieh die Furcht der einen Nation vor der anderen, wegfalle. Nach unserer Meinung ergibt sich aus dem Studium aller offiziellen englischen Dokumente und aller maßgebenden englischen Aeußerungen, daß wir nur mit einem solchen Programm die für uns unentbehrliche Unterstützung Englands und die englische öffentliche Meinung gewinnen können. Im Gegensatz zu dieser Auffassung wird von anderen (wohl der Mehrheit) die Meinung vertreten, daß nur der Kampf für Maxinialforclerungcn die richtige Haltung sei. Das Problem der jetzt vor dem Zionismus stehenden poli* tischen Aufgabe wird zweifellos in den nächsten Wochen stark diskutiert werden. Wir haben bereits eine Reihe von Beiträgen zu dieser Diskussion gebracht und veröffentlichen heute als weiteren Beitrag zur Diskussion: die Acußcruiig eines aus Deutschland stammenden Zionisten und führenden Mitglieds der ״Judcnstaatspartei“. (Red.) Die politische Aufgabe Von Richard L i c h t h e i m, Jerusalem Der Artikel von Erich Cohn in Nr. 53 der ״Jüdischen Rundschau“ gibt reichlichen Stoff zur Diskussion, da er ziemlich alle Probleme unserer I’olitik aufrollt. Nun bleibt es aber immer wieder ein vergebliches Bemühen, im Rahmen eines kurzen Aufsatzes den Gesamtkomplex unserer politischen Probleme darstellen zu wollen, und so wird jede Äeußerung und jede Erwiderung in Form eines Zeitungsartikels immer den Charakter der Uiivollständigkeit tragen. Dennoch darf die politische Diskussion nicht ruhen: sie muß trotz der Vielfältigkeit der Probleme vor der jüdischen Oeffentlicbkeit weitergeführt werden. I. Es ist richtig, daß es sich in Palästina um einen Aufstand handelt, der mit antijüdischen Aktionen in anderen Lindem nicht in Parallele zu setzen ist, sondern sich gegen ״die Eindringlinge, d. h. die als solche empfundenen Erschlieller des Landes“ richtet. Dagegen erscheint es zweifelhaft, ob_ — wie Erich Cohn meint — das Abwehrmotiv hauptsächlich in dem Wunsch der primitiven Bevölkerung besteht, ״in ihrer Primitivität und Bedürfnislosigkeit zu verharren“. Der Widerstand gegen die jüdische Kolonisation erscheint im wesentliehen doch als das Ergebnis einer nationalen Bewegung, die von einer noch kleinen Führerschicht mit l.eictcn- Schaft geführt und mit den Mitteln des Terrors der Masse aufgezwungen wird. Soweit die Masse überhaupt mit Bewußtsein handelt, und soweit sie den jetzigen Kampf aktiv mitmacht, folgt sie der nationalen Parole: Palästina für die Araber! Von einem ״Heiligen Krieg“ zum Schutz der Bcdürfnislosigkeit ist nichts zu bemerken. Zugleich muß betont werden, daß nicht nur die Zahl der• Führer, sondern auch die der aktiven Mitkämpfer ziemlich klein ist. Nach Schätzungen girier Kenner beträgt die Zahl der arabischen Gewehre, die an dem Bandenkriege beteiligt sind, höchstens eintausend. Eine Anzahl junger Nationalisten aus den Städten und Dörfern ist in die Berge gegangen und hat sich dort mit den räuberischen und kampfeslustigen Gruppen vereinigt, die nie ganz aufehört haben, das Land zu beunruhigen. Durch die nationale arole haben, diese Gruppen einen erheblichen Zugang aus den Dörfern erhalten, und der Terror führt ihnen immer wieder neue Mittel und Mitglieder zu. Daß ein großer Teil der an sich friedlichen und an den Kämpfen gar nicht teilnehmenden arabischen Bevölkerung mit diesem Aufstand sympathisiert, ist ohne weiteres klar. Die Dörfer decken und verstecken die Aufständischen, teils aus Furcht vor Repressalien, teils aus primitivem Vergnügen an den Ueberfällcn und Attentaten der ״Nationalen Helden“. Aber man darf den Charakter der ganzen Bewegung nicht verkennen. Würde es sich um eine echte, tiefgreifende nationale Bewegung handeln, an der das ganze Volk Anteil hat, so würde sie gewiß mit besseren Waffen geführt, wäre aber auch weit gefährlicher. Befände die Gesamtheit der Araber sich im Aufstand, so würden die Kämpfe einen völlig anderen Charakter haben. Daß es den Engländern noch immer nicht gelungen ist, mit den erwähnten 1000 arabischen Gewehren fertig zu werden, obwohl sie schon 12 000 Soldaten im Lande haben, mag zum Teil auf die anfängliche Unentschlossenheit und eine gewisse Langsamkeit der Regierung zurückzuführen sein, haiiptsächlieh wohl aber darauf, daß gerade ein Guerillakrieg dieser Art, der von hier und da auftauchenden Banden geführt wird, äußerst schwer zu beenden ist. Ebenso schwierig ist es, •die permanenten, aber doch vereinzelten Terroraktc zu verhindern, das Bombenwerfen und Brandstifien in Stadt und Land. Was aber in diesem Zusammenhang deuilieh gemacht werden muß, ist die Tatsache, daß die aktiven Teilnehmer an diesem ״nationalen Kampf“ an Zahl gcring sind und daß ihr schließlicher Mißerfolg nur eine Frage der Zeit sein kann. II. Mit diesen Feststellungen ist die ״arabische Frage“ gewiß nicht gelöst. Sie besteht weiter, wie sie von jeher bestand. Andererseits erscheint es nicht zulässig, die Juden im allgemeinen oder die zionistische Führung in1 besonderen dafür verantwortlich zu machen, daß die Lösung dieser Frage bisher nicht gefunden wurde. Wenn dieser Abschnitt in den Ausführungen Erich Cohns mit den Worten ״Die nicht erkannte Aufgabe“ überschricben ist, so muß man hiergegen Einspruch erheben. Die Aufgabe ist immer erkannt worden. Aber es genügt nicht, eine Lösung zu verlangen, man muß vielmehr genau sagen können, w i e man sich diese Lösung vorstcllt. was hätten die Kongresse beschließen sollen? Welche ״Träume“ galt es zu zerstören? Wie sollte die ״kluge Selbstbescheidung“ sich äußern? Sollten die Kongresse auf die Balfour-Dcklarat'ion verzichten'? Sollten sic die Einwanderung schärfer drosseln, als es die Engländer schon taten? Sollten sie erklären, daß die Juden in Palästina nur die Absicht hätten, eine jüdische Minorität in einem arabischen Staate zu bilden? 111 der Tat sind die Kongresse in der ״klugen Selbstbesclieidung“ sehr weit gegangen, viel weiter, als manche zionistische Gruppen es für wirklich klug hielten. Die Kongrosse haben nicht nur die ״Bereitwilligkeit zu freundschaftfichcr Zusammenarbeit mit den Arabern“ erklärt, sie haben vielmehr das Prinzip der nationalen Parität aulgestellt lind in Resolutionen — mit denen viele von uns nicht einverstanden waren — die Mitarbeit der ״beiden Völker“ an deni Aufbau der ״gemeinsamen Heimat“ gefordert. Die ״Zielsetzung“ des Zionismus, die Forderung, daß die Erreichung der jüdischen Majorität als notwendige Voraus- Setzung für die Erreichung der nationalen Heimstätte gelten müsse, ist von der herrschenden Richtung abgclchnt worden. Ob dies richtig war oder nicht, sei hier nicht erörtert; man könnte aus der jetzigen Situation ohne Schwierigkeit ablciten, daß diese Haltung der Kongresse falsch war. Worin bestand also das ״leichte Extrcmisiercn“, das den Kongressen vorgeworfen wird? Erich Cohn macht dies durch sein ״leichtes Ironisieren“ nicht deutlicher. Gewiß kann man sagen, daß ein durchdachter und konkreter Plan zur Verständigung mit den Arabern niemals aufesteilt wurde. Aber warum geschah dies nicht? Warum aben die Verfechter der Verständigungspolitik diesen Plan in 15 Jahren nicht entworfen? Und warum beschränken sie sich auch heute noch auf allgemeine Anklagen, statt ihre Verständigungswünschc zu konkretisieren? Die Antwort ist einfach: Weil der Zionismus mit den politischen Aspirationen der Araber unvereinbar ist. Die arabischen Politiker haben (von der Fcisal-Episode abgesehen) das Mandat und die Balfour-Dcklaration niemals anerkannt, sondern unaufhörlich dagegen protestiert. Was sic wollen, ist klar: Sic wollen ein arabisches Palästina unter einer arabischen Regierung. Solange die Zahl der Juden in Palästina gering war, konnten die Araber noch immer hoffen, bei günstiger Konjunktur ihre Wünsche durchzusetzen. Jetzt, da die Juden bereits ein Drittel der Bevölkerung bilden und die jährliche Einwanderung gewaltig gestiegen ist, sehen sie ihre politische Zukunftshoffnung bedroht, und daher rührt der verzweifelte, mit Desperado-Mitteln unternommene Versuch, die Sperrung der jüdischen Einwanderung zu erzwingen. Daß in dieser Situation keine Möglichkeit zur Verständigung besteht, ist klar. Aber auch in der Vergangenheit bestand diese Möglichkeit nicht, weil die arabischen Führer damals noch weniger als heute eine Veranlassung sahen, den Wimsehen der Juden Konzessionen zu machen. Eine völlig andere Frage, die das Verhältnis zu den Arabern betrifft, ist die des ״tn e n s c bliche 11 Verhaltens“, der persönlichen Beziehungen. Manche der in diesem Punkt von Erich Cohn erhobenen Forderungen sind begründet, ihre Verallgemeinerung aber führt ihn zu ganz ־ungerechten Anklagen. An vielen Stellen des Landes haben Jahre hindurch freundnachbarliche Beziehungen zu den Arabern bestanden. Auch in den Städten gab es Berührungspunkte wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Art. Aber diese Frage ist ohne Bedeutung im Verhältnis zu dem national-polit i sehen Kampf, der zur Zeit ausgcfochten wird. Begreift man unter ״Verständigung“ einen umfassenden politisch-ökonomischen Plan, der die Verwirklichung des Zionismus bei friedlicher Kooperation mit den Arabern möglich machen sollte, so war und ist ein solcher Plan angesichts der arabischen Intransigenz u n m ö g 1 i c h. Es bedeutet daher eine Problemverschiebuug und eine Verwirrung der öffentlichen Meinung, wenn immer wieder gepredigt wird, daß wir Juden die Verständigung versäumt hätten. Man kann vorhandene große politische Schwierigkeiten nicht dadurch beseitigen, daß man einen vagen Appell an das Gefühl richtet und die objektiven Schwierigkeifen als ein Resultat mangelnden guten Willens darstellt. Dabei aber übergeht Erich Cohn ganz und gar den Faktor, von dem die Verständigung (soweit eine solche überhaupt möglich war) in erster Reihe abhing: England. m. L>ie Rolle Englands in Palästina in den 19 Jahren seit der militärischen Okkupation ist noch nicht im Zusammeuhang beschrieben worden. Aber eins ist sicher: Die Schwierigkeiten, unter denen wir heute leiden, sind zu einem großen Teil auf die Sabotage der Balfour-Dcklaration durch englische Militärs und Beamte zurückzufiihren. In dem Bericht der ״Zionist Commission“ an den ersten Kongreß nach dem Kriege im Jahre 1921 steht zu lesen, wie die Militärs die Balfour-Dcklaration verstanden: ״ln allen Offiziersin essen von Dan bis Bersheba war ein Gelächter über die Zionisten.“ Erich Cohn meint, es lasse sich, da der Versuch nie gcmacht wurde, ״weder beweisen noch widerlegen, daß es einmal eine Zeit gab, in der das Problem der Verständigung zwischen Juden und Arabern lösbar war“. Uns scheint eines gewiß: Der Versuch konnte nur dann gelingen, wenn die Mandatar macht den Zionismus von Anfang an eindeutig und aktiv unterstützt e. Da diese Unter- Stützung fehlte, da die englische Verwaltung in Palästina sich häufig feindselig, bestenfalls passiv verhielt, da sie sich, ohne ihre eigene Politik auf Grund der übernommenen Verpflicht!!!!- gen wirklich deutlich zu machen, mehr und mehr auf die Schiedsrichter- und üendarmenroilen beschränkte, da die arabisehen Führer wußten, daß sie immer wieder ungestraft gegen das Mandat Sturm laufen durften, weil starke Sympathien in der englischen Beamtenschaft für ihre Sache wirkten (und noch heute wirken), so war jeder Verständigtingsversuch von jüdischer Seite aussichtslos. Es geht nicht 'an, bei der Erörterting des Problems der Verständigung die Rolle Englands einfach zu ignorieren oder das mandatswidrige Verhalten maßgehender Kreise der Verwaltung als gottgegebene Notwendigkeit hinzunehmen. Dieses Problem — die Haltung der englischen Verwaltung — ist heute für uns wieder von höchster Bedeutung. Sehr zutreffend skizziert Erich Cohn die Gründe, die England zur Unterstützung des Zionismus veran lassen sollten. Wir sind die natürlichen Verbündeten Englands im Vorderen Orient, und wenn die englischen Staatsmanncr Mut und Phantasie genug besäßen, so hätten sic längst erkennen müssen, was ernsthafte Förderung des Zionismus für das Imperium bedeuten könnte. Es scheint, daß manche englische Staatsmänner, ermutigt durch die praktischen Erfolge unserer Arbeit, heute auf dem Wege zu dieser Erkenntnis sind. Aber die Rout inc-Vorste II ungen der Kolonialbiirokratic haben diese größeren Gesichtspunkte bisher immer verdunkelt. Die Zeitschrift ״Great Britain and the East“ ist der deutliche Beweis dafür, daß die weitschauende politische Konzeption, auf die wir unsere Beziehimgen zu England gründen wollen und müssen, von cinflußreichen Kreisen der englische!! Kolomalpolitik nicht verstanden oder a b g e I e 11!1 t wird. I) a g e g e 11 müssen wir ankämpfen. Das P a r I a m ent, das Kabinett und die Royal Commission gilt esoweit für uns zu gewinnen, daß jene verhängnisvollen ai1ti/i״n;-1i>che1i Tendenzen in der englischen Beamtenschaft verschwinden. Das und nichts anderes ist die politische Aufgabe des Tages Kann sie nicht erfolgreich gelost werden, so gibt es keine Sicherheit für die Fortführung mocrer Arbeit lind auch keine Möglichkeit eines jüdisch-arabischen Ausgleichs — es sei denn um den Preis der Liijuidieruug des Zionismus —. Was Erich (.olin ״Realpolitik״ nennt - verständnisvolles Eingehen auf L.tiglaiuU Inuuessen, Aufstellung eines Palästina- Programms durch uns, das I.iigkmcl nicht 111!!!!er Feindschaft der arabischen \X eit belastet, Bekundung unseres Vertrauens, daß England zwar nicht Alles, wohl aber das Mögliche für lins tun wird, --- das ist, in dieser Allgemeinheit gesagt, eine ganz, zutieficiide Forderung an unsere politische Einsicht. Wir haben Verständnis für die englischen Schwierigkeiten, wir wollen sie nicht unnötig׳ vermehren und uns als vernünftige Bundesgenossen orwci-.cn. Aber gerade im entscheidenden Punkt,!lilmlii'li in bezug auf das jüdischarabische _ Verständigungsprogrnntin - bicibt Erich Cohns Rezept wieder durchaus unbestimmt und damit irreal. Wiederum operiert er mit der Fiktion, a I s o b es ein für die politische Führung der Araber annehmbares zionistisches Programm gäbe, welches wir bisher aus Mangel an gutem Willen noch nicht formuliert und daher auch der Approbieruug durch England vorenthalten haben. Wurden wir rechtzeitig dieses Programm entwerfen, so konnte es nach Meinung Erich Cohns als die obere Grenze des Möglichen von den Engländern gewahrt werden; stellen wir dieses Programm nicht auf, so müßten uns die Engländer mit einem M i n i m u m abspeisen. Diese Konzeption ist völlig irreal und durch nichts ztt begründen. Wie soll dieses Programm ausschen? Und warum müssen die Engländer uns mehr gewähren, wenn wir von vornherein mit einem Komproniifivorschlag kommen, da- ■ Ml »«••> •"'O'UVII uie i-ll^1(111uv I IIIIS i 1 f L 111 V. \\ (1111 L 11 ) \> V. i i 11 >\ | i von vornherein mit einem Komproniifivorschlag kommen, dagegen weniger, wenn wir aut der integralen Lrtullung des Mandats bestehen? Das ist nicht ״Realpolitik“, sondern Fiktion, und eine gefährliche Fiktion, weil sie die Aufmerksamkeit von der zur Zeit wichtigsten politischen Aufgabe ablenkt. 111 Wirklichkeit steht es so, daß das 11 ü c h t e r n s t e zionistische Programm — Einwanderung in den Grenzen der ökonomischen Fassungskraft des Landes - auf den erbitterten Widerstand der arabischen Politiker stößt, weil es ihre Ziel- Setzung bedroht: Palästina als arabisches Land. IV. Wir stehen in einem schweren politischen Kampf und müssen erkennen, worum cs geht. Atifrolltmg der Zielfrage? Sic ist heute aufgerollt, nicht von uns, sondern von den Arabern, und auch von der ösffentliehen Meinung England-, die eine Klärung fordert. Wir verlangen von der Roral (!oinmissioii nicht das Geschenk ries Judenstaates und auch nicht das der jüdischen Majorität; denn diese kann uns nicht von einer Kommission gewahrt, sondern nur durch ttusm־ eigene Arbeit erreicht werden. Aber wir fordern allerdings von England gewisse Garantien, die jeder Verständigung mit den Arabern vorausgehen müssen: die Garantie ungestörter Arbeit in Palästina in den Grenzen des ökonomisch Möglichen, und die Zusicherung aktiver Unter- Stützung gemäß dem Mandat. Wenn jüdische Einwamleiintg und Kolonisation zur jiidisehen M a j o r i t ä t s b 11 d u 11 g fuhrt, so betrachten wir diese Konsequenz, unserer Arbeit als ein uns ztisteheudcs Recht, lind wir können keine I'onnei mul kein Svsiem akzeptieren, das aus politischen Erwägungen, aus Rücksichtnahme auf die arabischen Wünsche diese Konsequenz von vornherein umttöglieh macht. Mail täusche sich nicht! Darum geht es heute! Die Frage ist gesteift! Die polnische Agitation der Araber malt _ das Schreck bild einer j ü d i s c 11 e n Majoritat in Palästina an die Wand und wendet sich mit naiver Entriistung gegen diese Zukunftsmüglichkeit. Alle uns feindlichen Kräfte richten ihren Angriff auf diesen Punkt, und plötzlich erscheint es so, als ob der Sinn der Balfour-Dcklaration und des Mandats nicht die Errichtung der Heimstätte, sondern die Sicherung der arabischen Majorität in Palästina und des politischen Uebergewichts der Araber sei! Darum gibt es in diesem Augenblick großer politischer Gefahr nur ein Programm: Die Sicherung unseres Werks und die Garantie seiner Fortführung ohne (iren/setnmg aus politischem Üpportunismus. Können wir hoffen, dieses Programm durchzusetzen? Wir müssen es jedenfalls mit allen Kräften versuchen. Unsere Grundkonzeption ist unerschüttert: Palästina hat Raum genug für die hier wohnenden Araber und für mindestens zwei Millionen Juden -- bei Einbeziehung Transjordaniens gewiß für vier Millionen —, wenn England dies will und wenn eine tatkräftige Verwaltung uns hilft, das Land zu entwickeln, die Wasserquellen zu erschließen und die Wirt- Schaft zu intensivieren. Auch wir vertrauen auf England, aber auf ein England, das auch uns und unserer Leistung vertraut. Die arabische Frage ist lösbar, wenn darunter das friedliche Zusammenwohnen von Juden und Arabern in Palästina verstanden wird. Sie ist u 11 1 ö s b a r, wenn der politische Anspruch der Araber auf Palästina, so wie er heute gestellt wird, aufrecItterhaltcn bleibt. Mit diesem Anspruch gibt cs keine Verständigung und keinen Ausgleich. Wir müssen und dürfen von England fordern, daß es diesen Anspruch zurückweist. Ist dies geschehen, ist unser Recht auf Einwanderung

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