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Jüdische Rundschau · 1936-07-31 · Heft 61 (31.7.1936) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 61 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 19)
Language
German
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KINDERRONDSCHAU 4. Jahrgang / Nr. 14 Berlin, den 31. VII. 1936 P-^ Von einer Palästinareise (Fortsetzung aus der Kinder - Rundschau Nr. 13 vom 24. Juli) ״Der Jecke Warum die ״Jeckes“ in Palästina nicht sehr beliebt sind? Hört folgende Geschichte, dann werdet ihr es wissen: Ein polnischer, litauischer oder rumänischer Jude kommt zur ״Egged“-$tation und will mit dem Bus nach Jerusalem fahren. Das Wetter ist schlecht, und außer ihm sind nur noch zwei Fahrgäste da. ״Chauffeur!“ ruft der Fahrgast, ״wann fährt der Bus nach Jerusalem ab?“ ״In ungefähr 15 Minuten!“ Der Fremde geht ins Wartezimmer. Das Wetter wird immer schlechter. Kein neuer Fahrgast kommt. Als die fünfzehn Minuten vergangen sind, kommt unser Fahrgast aus dem Warteraum: ״Tut mir leid, wir müssen warten, bis mehr Fahrgäste da sind.“ ״Ich hab es aber eilig. Dringende Geschäfte in Jerusalem!“ ״Sagt selbst — man kann doch nicht in einem Riesenautobus nur drei Menschen nach Jerusalem fahren! Das schadet der Firma. Wir müssen noch warten.“ Der Fahrgast sieht das ein. Aber seine Geschäfte sind eilig. Deshalb beraten die beiden, der Chauffeur und der Fahrgast, wie man jedem helfen kann. Und der Chauffeur verspricht am Ende, besonders schnell zu fahren. ״Mehr kann ich nicht tun.“ Der Fahrgast gibt sich zufrieden. Palästina wird doch erst aufgebaut. Da kann doch nicht alles so am Schnürchen klappen! Nach weiteren 10 Minuten sind genügend Fahrgäste da, und der Autobus fährt ab. * Kommt aber ein Jude aus Deutschland, neueingewandert, an den Autobus, so kann man etwa folgende Unterhaltung hören: ״Chauffeur, wann fahren wir ab?“ ״In ungefähr fünfzehn Minuten.“ Der Fahrgast zückt die Uhr: ״Es ist jetzt vier Uhr zweiundzwanzig! Also fahren wir um — vier Uhr siebenunddreißig!“ Sagt’s und geht. Nun sollte man annehmen, er käme um vier Uhr siebenunddreißig wieder. Aber, nein: Punkt vier Uhr einunddreißig steht er vor dem Autobus. Und be- *) ״Jecke“ ist das scherzhaft-verächtliche Schimpfwort, das in Palästina für den Neuankömmling aus Deutschland gebraucht wird. ginnt laut und vernehmlich die Minuten vorzuzählen: 33״ bis 35, Chauffeur, noch zwei Minuten!“ Es sind aber zu wenig Fahrgäste da. Mit drei Leuten allein kann der Bus nicht fahren. Er muß warten. Um 4 Uhr 40 kommt der Fahrgast wutentbrannt: ״Aber, sagen Sie mal, wann fahren wir eigentlich?! Ich warte nun bereits geschlagene zwanzig Minuten!!“ ״Bald“, tönt es zurück, ״es müssen mehr Fahrgäste sein.“ Dann geht es los: ״Unordnung! So etwas bin ich nicht gewohnt. Frechheit, so mit meiner kostbaren Zeit umzuspringen! Meine dringenden Ge״ schäfte. Diese Unpünktlichkeit!“ Nun verläßt den Chauffeur die Ruhe. Er ist ein stolzer Jude, wie kann er so etwas ruhig anhören. Aber nun kommt es auch noch schlimmer! Um fünf Uhr drei fährt der Autobus ab. Der Fahrgast schaut aus dem Fenster. Sieht die kümmerlichen Baracken der Chain zim. Baugerüste überall. Er sieht Dörfer, wo früher Sümpfe waren. Er fährt auf einer Landstraße, die mit dem Schweiß jener Chaluzim gebaut ist, die er, der ״Jecke“ nicht kennt, nicht kennen will. Und er sieht nicht, oder er vergißt, wie gewaltig das Werk ist, das es ermöglicht, daß er überhaupt hier fährt! Daß er überhaupt im Lande ist! Und er ist nicht still, stumm und bescheiden, wie er sein sollte, nein, er schimpft mitChajim, dem Chauffeur, über die Unpünktlichkeit des Autobusses.... Und er vergißt, daß er in einem Land ist, das erst aufgebaut sein will! Diese Eigenschaft, dieser Mangel an Bescheidenheit, diese ״Vergeßlichkeit“ ist es, die manchem Einwanderer aus Deutschland den schlechten Ruf einbringt. Denn auch hiermit ist es so, daß die Fehler von wenigen allen angerechnet werden. Man verallgemeinert... * So findet man im Lande Chauffeure und Arbeiter, die, selbst aus Deutschland gekommen, furchtbar auf die ״Jeckes“ schimpfen, auf die Unbescheidenen, die sich nicht eingewöhnen können. Wir kommen nach Palästina nicht in ein ״gemachtes Bett“. Wir haben mitzubauen. Gewöhnen wir uns schon heute im Alltag an Unbequemlichkeiten und freiwilligen Verzicht. Dann werden wir nicht als ״Jeckes“ ins Land kommen. ,Also um 4 Uhr 37 5ä!״־־:d WBüiumss!l bssk

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