Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1936)
- Date
- 1936-07-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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KINDER-RIJNDSCHAU 4. Jahrgang / Nr. 13 Beilage der ״Jüdischen Rundschau Berlin, den 24. VII. 1936 5s»—»Ti Während der Unruhen in Palästina Aus dem Reisetagebuch eines Jungen aus Deutschland Am 19. April — am Schreckenstag von Jaffa — fuhren wir von Deutschland ab. Mein Chawer Zwi und ich. So kamen wir mitten in die Unruhen hinein. Fünf Wochen hatten wir Zeit, um Erez Israel zu sehen. Vielleicht hätten wir mehr sehen können, wenn wir in friedlichen Tagen gekommen wären. So konnten wir die Altstadt von Jerusalem, das Tote Meer und das obere Galil nicht besuchen. Trotzdem bedaure ich es nicht, Palästina in der unruhigen schweren Zeit gesehen zu haben. So haben wir es in einer Prüfung, in einer Kraftprobe gesehen, in einer Prüfung der Disziplin des Jischuw. Wenn man den Fuß in Haifa an Land setzt, ist man enttäuscht. So sehr man sich auch dagegen wehrt, man ist enttäuscht. Denn nicht Juden kommen ans Schiff, um auszuladen, sondern Araber. Der Kai ist voll von Arabern aus dem Hauran, die die Lasten schleppen. Die Hauraner sind die ärmsten Araber Palästinas. Und da wir gewohnt sind, ״Araber״ als einen Begriff zu nehmen, ״Araber sind Araber״ — so verallgemeinern wir und denken, an die Reeling des Schiffes gelehnt: ״Das also sind die Araber... Diese schmutzigen Menschen, das sind unsere Nachbarn In Palästina!“ Das ist eine bittere Enttäuschung, die erst wieder von einem weicht, wenn man ins Innere der Stadt kommt und Stadt-Araber sieht, mit Ihren weißen, malerisch geschlungenen Kopftüchern und ihren roten Fezhüten. Wir kamen nach Palästina mit einem furchtbaren Gedanken, wir dachten: ״Auch in Palästina sind wir in. der Galuth. Auch dort werden wir geschlagen.“ Das Gefühl, in eine zweite Galuth gekommen zu sein, beherrschte uns. Oder war es etwa keine Galuth, wenn Juden von Arabern auf offener Straße geschlagen und getötet wurden.,.? Wir brauchten keine lange Zeit, um dieses Gefühl 109zuwerden. Wir fuhren von Haifa im Bus nach Tel-Awiw, von dort in die jüdischen Siedlungen des Scharon und in den Süden. Und je mehr wir sahen und erlebten, desto mehr wich dieses Gefühl von uns, desto klarer sahen wir, ״hier ist keine Galuth. Hier sind die Juden stark und — trotz allem — frei!“ Nachts blinken die Morseapparate der Kwuzoth. Wachsame Schomrim sitzen auf den Dächern der Kinderhäuser und funken mit anderen Kwuzoth. In wenigen Stunden durcheilt ein Morsespruch das ganze Land, von Gedera hinauf nach Tel-Chaj. Im Emek sahen wir, wie drei Kwuzoth sich unterhielten. In schneller Folge funkten und verloschen die Lichter, einander abwechselnd. Jetzt sprach Ejn־C11arod, dann antwortete Schatta und Beth-Alpha hörte zu... Die Schomrim stehen auf ihren Posten. Auch d i e Jungen wachen heute zuweilen des Nachts, die tagsüber schwer Im Steinbruch oder auf dem Felde arbeiten müssen. Alle müssen heran, alle sind dabei, denn es gilt, das Hab und Gut der Kwuzah zu schützen, die Felder zu bewachen, die Ernte zu hüten. Trotzdem hörten wir immer wieder von neuem die furchtbaren Meldüngen: 3000 Bäume vernichtet,in einer Nacht 6000 Bäume zerstört, 2000, 4000, und ich kannverstehen, wenn ihr, die ihr Palästina L