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Jüdische Rundschau · 1936-07-24 · Heft 59 (24.7.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 59 (24.7.1936)
Date
1936-07-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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21 1!336 Nr. 59 / Jahrgang 41 Preis 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAU fdurlftleitnng.Verlag a.Anzeigenverwaltniigi BerlinWIS, Neinekeitr.10 Fttcsraft Samm«l - Nummer J 1 (Bismarck) 9031. ~ LVzujfsprek einschHeßüch Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39. —- Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung; Berlin 71573 (für Groß ״ Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt, besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Krstattung etwa schon gezahlter Besugsgchiihren. — Eraclieint jeden D i e n « t a g and Freitag, BERLIN ה׳ אב תרצ״ר FREITAG, 24. JULI 1936 Gültig! AnzelgenpreUliste Nr. 5, Die 12 gespaltene mm ־ Zeile 20 Rpf., f<$1 Familien ■ Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmte« Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit*• anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck ״Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß fiir die Dienstag. Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F reit* ן - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien Anzeigen 8m Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Per Zionismus erstrebt tlir das jüdische Volk die Schaltung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Die Untersuchungs- Kommission Vier Namen von fünf bekanntgegeben, aber noch nicht oiiiziell London, 21. Juli. (JTA.) Die Zusammensetzung der Kgl. Kommission, die nach Palästina zur Entgegennahme der Beschwerden von Juden und Arabern entsandt werden soll, Ist soeben bekanntßegeben worden. Vorsitzender der Kommission wird der ehemalige Staatssekretär für Indien sein. Viscount Peel Außerdem werden ihr Feldmarschall Sir William Birdwood der im Kriege kommandierender General auf Gallipofi und seinerzeit Oberkommandierender in Indien war (jetzt ist er Leiter des Peter House College in Cambridge), der bekannte Diplomat Sir Horace Rumbold früherer englischer Botschafter in Berlin und Madrid, High Commissioner und Botschafter in Konstantinopel und Bevollmächtigter Englands bei den Friedensverhandlungen in Lausänne, sowie Mitglied der Sachverständigenkommission des Vötkerbundsrates, die die Pläne für die Neuregelung der Völkerbundshilfe für Auswanderer aus Deutschland ausarbeitete, und Reginald Coupland Professor für Kolonialgeschichte an der Universität Oxford, angehören. Pas fünfte Mitglied der Kommission ist bisher noch nicht benannt worden. Wie es heißt, soli dafür Sir Edgar Bonham-Carter oder ein Mitglied der Familie A s q u i t h in Frage kommen. Beide sind lange Jahre im Nahen Osten tätig gewesen. In London erwartet man, daß die Kgl. Kommission Anfang September nach Palästina abgehen wird. AUgemein herrscht die Ueberzeugung, daß bis dahin die Lage in Palästina eine weitgehende Entspannung erfahren haben wird. Der Bericht der Kommission Soll Anfang Dezember fertiggestellt werden. Es verlautet, daß die englische Regierung vorgeschlagen habe, die Jewish Agency for Paiestine solle darauf verzichten, Zertifikate für die im Oktober fällige neue Einwanderungsschedule zu verlangen. Angeblich soll der Jewish Agency nahegelegt worden sein, diese Geste als Zeichen der Verständigungsbereitschaft gegenüber den Arabern zu machen. In Regierungskreisen soll man darauf hingewiesen haben, daß ein solcher Schritt es der Palästina-Regierung auch erleichtern würde, ein Ende der Araberunruhen herbeizuführen, wodurch die Ent- Sendung der Kgl. Kommission beschleunigt werden könnte. In! übrigen ist eine offizielle Ankündigung über die Zusammensetzung der Kommission noch nicht erfolgt. Sie wird auch erst im Unterhaus im Verlaufe der nächsten Woche von Kolonienministcr Ormsby-üore bekanntgegeben werden, der dann gleichzeitig sich über das Arbeitsprogramm äußern wird. Es wird auch weiterhin betont, daß die Konimission ihren Bericht und ihre Empfehlungen nur der R e ■ giert! 11g unterbreiten wird, die selbst die endgültige Entscheidung treffen und darüber eine parlamentarische Debatte herbei führen wird. Wie weiterhin verlaufet, wird die Kommission keine Beratungen mit irgendeiner der interessierten Parteien abhalten, sondern in völliger Unabhängigkeit ihren Bericht formulieren. Es ist bemerkenswert, daß weder Mitglieder des Unterhauses, noch Vertreter, irgendeiner politischen Parfei der'Kommission angehören. Die Mitglieder der Kommission können als ״ältere Staatsmänner“ bezeichnet werden. Sie sind sämtlich hervorragende Kenner c)er Verhältnisse des Ostens. Der Vorsitzende, Viscount Peel, war von 1922 bis 1921 und von 192$ bis 1929 Staatssekretär für Indien. Er war Mitglied der Indischen Round-Table-Konferenz und Vorsitzender der Burma Round-Table-Konferenz. Sir William Birdwood war während des Krieges kommandierender General der australischen und ncusecländisehen Streitkräfte auf Ciallipoli (wo bekanntlich auch das ״jüdische Maultier-Körps“ unter Patterson -kämpfte) und Uberkommandierender in Indien, Wie bereits mitgeteilt, ist er jetzt ■ Leiter des Peter House College in, Cambridge, Sir Horace Rumbold, der ehemalige englische Gesandte in Berlin und Mitglied der Sachverständigenkommission des Völkerbundsrates über die Auswandererfürsorge, beherrscht fließend die arabische Sprache. Prof. C o u p I a 11 d, Professor für Kolonialgeschichfe an der Universität Oxford, war Mitglied der im Jahre 1925 eingesetzten Kgl. Kommission zur Untersuchung des höheren Verwaltungsdienstes in Indien. Erklärung Ormsby- Gores Entsendung der Kommission erst nach Herstellung der Ruhe Auf eine Anfrage des Abgeordneten Maxton über die Zusammensetzung und das Datum des Arbeitsbeginns der Palästina-Kommission erklärte Koionienminister Ormsby- Gore in der Sitzung des englischen Unterhauses vom 22. Juli, er hoffe, nach einer Woche (Mittwoch) eine Mitteilung über die Mitglieder der Kommission und ihr Arbeitsprogramm machen zu können. Als der Abgeordnete nochmals fragte, ob der Minister etwas über den Zeitpunkt des Anfangs dieser Arbeiten bekanntgeben könne, antwortete Ormsby-Gore, er sei nicht in der Lage, dem Gesagten etwas hinzuzufügen. Die Kommission könne selbstverständlich nicht eher nach Palästina ehen, als bis in dem Lande genügend Ordnung e r r s c 11 e, um der Kommission die Bewegung in ihm zu ermöglichen. Abg. Maxton bemerkte, die Mitglieder der Kommission würden gewiß bereit sein, die mit ihrer Aufgabe verbundenen Schwierigkeiten auf sich zu nehmen, worauf _ der Minister nochmals betonte, er halte es für ganz unmöglich, eine Kgl. Kommission zu entsenden, bevor die Verhältnisse an Ort und Stelle es gestatten. ffDie Lage noch ernst“ Der Abgeordnete Sir Percy Harris fragte sodann, ob eine Besserung der Lage eingetreten sei; ob sie jetzt besser sei als vor drei Wochen. Minister Ormsby-Ciore: ich sage ganz offen, die Lage ist noch immer ernst. Bewaffneter Aufruhr, Schießereien und Störungen des Verkehrs halten an und Bedrohungen der Pipe Line usw. sind noch sehr ernst. Aut eine Frage des Abgeordneten Lansbury, ob es nicht möglich sei, den Beschluß, keine Frauen in die Kommission aufzunehmen, zu revidieren, verwies der Minister auf seine nach Rückfrage beim High Commissioncr abgegebene Erklärung, daß dadurch die religiösen Empfindungen strenggläubiger Juden und Mohammedaner verletzt werden würden. Der Abgeordnete Lansbury fragte weiter, ob der Minister Vorstellungen in dieser Sache auch von Personen in Eng-!and, die mit den betreffenden Verhältnissen vertraut sind,;ntgegenzuuehmeu bereit sei. Der Minister antwortete, er labe solche Vorstellungen, darunter auch von gebildeten Arabern, die sich jetzt in England aufhalfen, empfangen. Diese Personen könnten jedoch nicht für alle in Palästina sprechen; wer die Verhältnisse kenne, der wisse, daß Leute Jieser Art nicht die Stimmung■ innerhalb eines wesentlichen Feiles der Bevölkerung repräsentieren. Eine f rage des Abgeordneten Kirkwood, ob der Minister iie Zurückziehung der Truppen erwägen wolle, wurde vom Speaker nicht zugelassen. Abg. Kirkwood sagte, daß die Truppen die Ursache des ganzen Unheils seien. Da■ Memorandum der arabischen Beamten Abg. Commander Fletcher wies darauf hin, daß arabische Regieriings beamte, unter ihnen Richter, ein Memorandum unterzeichnet haben, in dem die Palästina-Politik der englischen Regierung mißbilligt w ird. Er fragte, ob die Einleitung eines Disziplinarverfahrens geplant sei und ob diese Beamten in den Diensten der Regierung, die sic kritisiert haben, verblieben sind. Minister Onnshv-Gore antwortete, er habe vor kurzem durch den High Contmissioner ein Memorandum erhalten, das diesem von arabischen Beamten der ersten Rangklasse der Zivilverwaltung in Palästina überreicht wurde. Das Memorandum behandelt die gegenwärtige allgemeine Lage im Lande. Es werde jetzt von ihm — dem Minister —- g e - prüft; er sei noch nicht in der Lage mitzutcilcn, welche Antwort er erteilen werde. Der Abgeordnete fragte weiter, ob es mit der Beamtenpflicht vereinbar sei, eine solche Denkschrift vorzulegen. Der Minister antwortete, dies sei durch die Bestimmungen des englischen Verwaltungsdienstes geregelt. Was im vorgeschriebenen Dienstweg dem Minister durch den High Conirnissioner vorgelegt wird, werde stets geprüft. Der Dienst der Polizei Der kommunistische Abgeordnete (i a 11 a c h c r richtete an den Minister fiir die Kolonien die Frage, ob er erklären wolle, welcher Art der Dienst sei, zit dem die Angehörigen der Pakistinapoii/ei seit der Verkündung des arabischen Streiks im April dieses Jahres herangezogen wurden; ob es dem Minister bekannt sei, daß englische Polizisten dagegen protestierten, daß man versuchte, sie als Soldaten zu benutzen, und daß eine Anzahl von ihnen deshalb aus Haifa unter Haft nach Hause geschickt wurde. Welcher Art seien die im Jerusalemer Distrikt von den arabischen Polizisten unter Streikdrohung für den Fall der Nichterfüllung erhobenen Fortlerungen gewesen? Habe man alle Forderungen erfüllt? Der Minister antwortete, die Dienstpflichten der Pafästinapoli/ei und der bewaffneten Macht seien durch verschiedetie lokale Verordnungen und sich auf sie stützende Erlasse sowie durch Erlasse des High Contmissioner seit dem Ausbruch der Unruhen festgclegt. lieber einen Protest, wie er in dem zweiten Teil der Frage erwähnt wird, sei ihm nichts bekannt, lieber den dritten und vierten Punkt werde er beim High Contmissioner Erkundigungen einziehen. Der Engpaß Die heutige jüdische Lage ist dadurch charakterisiert, daß wir stets zwischen der drängenden, furchtbaren Not des T ages und dem auf lange Sieht berechneten (Jemeinschafisaufbau hin- und hergeworfen werden. Ohne den Zwang der Not gehen wir gar nicht an die jüdischen Dinge heran; hei den grundsätzlichen Fragen unserer Volksexisten/ aber, die ungelöst vor uns stehen, ist die Not ott ein schlechter Berater. Denn die Interessen des Alltags lassen uns nicht immer den langen Atem, der zur Uebeiiegung unserer Qruudfragen ei forderlich ist. Durch diese Zweiheit der Beziehung ist besonders jenes Problem gekennzeichnet, das seit mehr als einer Generation immer stärker im Mittelpunkt alles jüdischen Lebens steht: Palästina. Seit der Entstehung des Z!onisinus in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geht offen oder verdeckt der Meinungsstreit im judisdien Lager, welche Bedeutung die angestrebte jüdische Palästina-Siedlung im Rahmen des Gesamtimlentums besitzt, und je nach dem Standpunkt 11 at man ihre politische, geistige oder soziale Bedeutung unterstrichen. Alter diese Dtskus>i<m ist niemals in einer ruhigen Atmosphäre geführt worden, immer inmitten des von Not erfüllten jüdischen Lebens, ln den letzten drei Jahren, als eine neue Welle jüdischer Not eine besonders heftige Aus- Wanderung nach Palästina erzwang, schien vielen die Frage bereits einheitlich gelöst zu sein. Paliistir 1 war zum Eimvanderuttgsland geworden und für mancli^ogar in einem recht trivialen Sinne, während diejenigen, cp: den Gedanken des ,,Heiligen“ Landes nicht ohne geistigen Zauber denken können, und demgemäß nicht die Quantitiit der Einwanderer als obersten Maßstab emp־ finden, verstummen mußten. Heute stellen wir in einer kritischen Zuspitzung der Ereignisse, und es ist unvermeidlich, daß in der nächsten Zeit die Debatte über die Funklion Palästinas wieder entbrennen wird. Es wäre zu wünschen, daß sie vornehm und ohne Verdächtigung des Diskussionsgegners geführt wird. Aber wie immer man darüber denken mag — <jer herannahende 8(1. Geburtstag des nicht mehr unter uns weilenden Lehrers Achad Haam mag Anlaß dazu sein -Lines ist über alle Diskussion erhaben: daß alles geschehen muß, tun das Land vor den nachteiligen Folgen einer Wirtschaftliehen Depression zu bewahren. Die Teilnahme der Jttden der ganzen Welt zeigt, daß das jüdische Volk die Bedürfnisse der Stunde versteht. In Deutschland i-t dies besonders in der sogenannten ״B i / z 11 r - H a a r e z־‘- Aktion deutlich geworden; die Beiträge, die aus allen jüdischen Kreisen für diese Sammlung gemacht wurden und in Zukunft noch gemacht werden!missen, beweisen das ungebrochene Interesse und die tiefe Bewegung, mit der die Juden Deutschlands die Vorgänge in Palästina verfolgen. Was Palästina als I: i!1 w a!1 d e r 1111 g s 1 a n d bcclcutet, das aus/tisprechen ist niemand mehr legitimiert als die Juden in Deutschland. Die Juden Deutschlands fordern —- und nicht nur fiir sich selbst ־ , daß die Welt diesen Anspruch anerkenne. 111 überaus wirksanier Weise hat gerade der H e c h a I u /, die Organisation der zur Einwanderung als Arbeiter bereitstehesiden, teilweise aus bürgerlichen Berufen umgeschichteten jüdischeu Jugend, einen Appell an die jüdische Jugend Deutschlands gerichtet, sich nicht durch die wechselnden Ereignisse irre machen zu lassen, denn ein entschlossener Wille wird sieh durchsetzen. Diesen Menschen, die mit ihren persönlichen Lehenshoffnungen ein kulturelles und nationales Ideal verbinden, muß eine Möglichkeit der produktiven Arbeit gewährt werden. Es wäre eine unsagbare Grausamkeit, ihnen die Tore Palästinas zu verschließen, und diejenigen, die dies tun, müßten dann auf die Frage Antwort geben, was sonst mit diesen Menschen geschehen soll. Wir hören in der Welt so viel von den ״destruktiven“ Eigenschaften der Juden, aber man überlege sich einmal die Situation gesunder, kräftiger und gutgesinnter Menschen, die sich überall ausgeschlossen sehen, seihst dort, wo sie mit Opfern und Hingabe neu aufbauen wollen, selbst in dem Land, das von 52 Nationen feierlich vor 14 Jahren als Ort des Jüdischen Nationalheims anerkannt worden ist! Das wird und darf nicht geschehen. Aber ungeachtet dieser entschiedenen Forderung geht es darum, die politische Lage so zu sehen, wie sie ist. In England ringen zwei Auffassungen miteinander, von denen die eine jede Konzession an die Araber währead der Dauer des Streiks ablehnt, die andere jedoch

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