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Jüdische Rundschau · 1936-07-14 · Heft 56 (14.7.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 56 (14.7.1936)
Date
1936-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1C 7 1S3S Nr. 56 / Jahrgang 41 Frei« 25 Rpf JÜDISCHE RUNDSCHAU 8dniftl«ltttBg,Verl«g n. AB»lg«Bv*rwalt»Bg1 Berlin W15, M«lB»k«itr.10 Fernruf t ®•mroel« Nummer J1 (BI1m»»־ck) WS1. — ßrzusspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 b*w. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung! Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bcxugsgebührcn. — Erscheint Juden Dienstag und Fraltag• BERLIN כ״ד תמוז תרצ״ו DIENSTAG, 14. JULI 1936 Gültig* AnzelgenprelalUte Nr. 5. Die 12 gespaltene mm * Zeile 20 Rpf., R!» Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheitsanzcigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder har Montng bis Freitag 9•8!—־ Uhr. Annnhmesrhluß für dia Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag -Ausgabe Mittwoch 13 Uhr« (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jQdische Volk die Schaffung einer öflentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Rechtsblock in Rumänien? Die Aussichten der antisemitischen Parteien - ״Numerus proportionales“ als Programm Bukarest, 11. Juli Die jüngsten politischen Entwicklungen in Rumänien künneu unter Umständen für die Lage der dortigen j ii d i - sehen Bevölkerung sehr bedeutsam werden. Während bis vor kurzem die Bildung einer Regierungsmehrheit aus den verschiedenen־ antisemitischen Parteien und Oruppen als ziemlich unwahrscheinlich angesehen und von offiziellen Stellen aus als unmöglich bezeichnet wurde, da diese Gruppen zueinander selbst in scharfem Gegensatz standen und die demokratische Nationale Bauernpartei unter den Oppositionsparteien die •weitaus stärkste ist, sind jetzt Ver- Handlungen zur Bildung eines einheitlichen Wahlblocks der Rechtsparteien aufgenommen worden. An diesen Verhandlungen nehmen die Vertreter der von Prof. A. C. Cu za und dem früheren Innenminister Octavian üoga geführten Christlich-Nationalen Partei, der ״Rumänischen Front“ des früheren Ministerpräsidenten Dr. Alexander Vaida-Voevod, der Anhänger des früheren Finanzministers Argctoianu, der formell zwar verbotenen, aber als Partei ״Totul pentru Tsara“ (alles fürs Vaterland) unter der Führung des Generals Cantacu/ino-Graniceru getarnten ״Eisernen Garde“ des Corneliu Zelea Codreanu und der Anhänger des früheren Präsidenten der Nationalbank Manoilescu teil. Abgesehen von diesen Einigungsbestrebungen bei der extremen Rechten werden die Aussichten der Nationalen Bauernpartei, das bisherige Regime abzulösen, auch dadurch verringert, dal) zwischen dem König und dem für die Beauftragung zur Bildung eines nationalzaranistischen Kabinetts in erster Reihe in Frage kommenden ehemaligen Ministerpräsidenten Julius M a n i 11 starke Spannungen bestehen. Maniu ist zwar forthel! nicht Präsident der Nationalen Bauernpartei, gilt aber trotzdem als ihr eigentlicher politischer Führer. Er ist vor kurzem aus jahrelanger politischer Reserve herausgetreten und hat eine heftige Kampagne gegen die persönlichen Berater des Königs begonnen. Das lälit erwarten, dal) der König, vor die Wahl zwischen Bauernpartei und Rechtsblock gestellt, diesem den Vorzug geben dürfte. Die Betrauung einer Gruppe mit der Regierungsbildung ist aber in Rumänien praktisch bereits gleichbedeutend mit der Einsetzung dieser Regierung. Der Wahlapparat liegt jeweils vollständig in den Händen der beauftragten Gruppe, die ihn mit Unterstützung aller Machtmittel des Staates so zu lenken weiß, daß eine andere als die von ihr gewünschte Volkscntschcidung unmöglich wird. Eine falsche Meldung Der Londoner ״Daily Hera ld“ (Organ der Labour Party) berichtet am 10. Juli aus Jerusalem, die arabischen Führer in Palästina hätten aus London die Mitteilung erhalten, daß die englische Regierung sich bereit erklärt habe, von der für die nächsten Tage erwarteten Ankündigung der Entsendung einer Kgl. Untersuchungskommission nach Palästina bis zu dem Abschluß der Arbeiten der Kommission die jüdische Einwanderung nach Palästina vollständig einzustellen. Die arabischen Führer erwarten die Bekanntmachung der Zusammensetzung der Kommission, die ihre Untersuchungen wahrscheinlich im September beginn e n werde. Die Zeitung knüpft hieran die Bemerkung, daß die arabischen Führer, obwohl die Einstellung der Einwanderung ein vollständiges Nachgeben gegenüber den Arabern bedeutet, voraussichtlich behaupten werden, sie seien enttäuscht, weil nicht auch eine Einschränkung des Bodcnverkaufs angekündigt wurde. Diese (auch in Deutschland, zum Beispiel von der ״Berliner Nachtausgabe“, am 10. Juli wiedergegebene) Meldung wurde gleich darauf dementiert. Die Jüdische Telegraphen-Agentur teilt aus London mit, es sei ihr von ״maßgebender Stelle“ erklärt worden, daß die vom ״Daily Herald“ veröffentlichte Meldung aus Jerusalem, die jüdische Einwanderung solle bereits in den nächsten Tagen bis zum Abschluß der Arbeiten der Kgl. Untersuchungskommission eingestellt werden, jeder Begründung entbehrt. Ein solcher Beschluß sei nicht gefaßt worden. Die Nachricht hat trotzdem erhebliche Auf merksamkeit hervorgerufen, besonders im Zusammenhang mit den Gerüchten, die schon seit einigen Tagen durch die Luft schwirren, und mit der veränderten Haltung der englischen Presse, auf die wir bereits vor einiger Zeit aufmerksam gemacht haben. Die Darstellung des von uns in der vorigen Nummer zitierten Artikels des Ainsterdamer ״Allgem. Handelsblad“ dürfte nicht weit entfernt von der Wahrheit sein, wenn es darin heißt, daß ״entgegen den positiven Erklärungen von Ormsby-Gore, daß die englische Regierung nicht daran denke, auf Ver- Der ehemalige Leiter des Unfcrstaatssckretariats für Presse und Propaganda beim Ministerratsprüsidium, Viorcl Tilea, einer der Gründer der ״Rumänischen Front“ und die rechte Hand Vaida-Voevods, erklärte in einem Gespräch mit dem JTA.-Vertreter, der Rechtsblock habe z.war alle Aussichten, das kommende Kabinett zu bilden, doch werde das antisemitische Programm gewisser Mitglieder der Koalition abgeschwächt und durch die Formel des ״Numerus proportionalis“ ersetzt werden. Diese Formel zielt nicht auf vollständigen Ausschluß der Juden aus der Wirtschaft und den freien Berufen ab, sieht aber ihre Zulassung ״entsprechend ihrem z a 11 1 e n m ä I) i - gen Verhältnis zu der dem Blute nach rumänischen Bevölkerung“ vor; d. h., daß von hundert Angestellten einer Unternehmung achtzig Rumänen sein müssen, während acht Ungarn, vier Deutsche, vier Juden und vier Angehörige anderer in Rumänien lebender Minderheiten sein können. Keineswegs ist aber andererseits ein Anspruch der Minderheiten auf proportioneile Vertretung in denjenigen Berufszweigen vorgesehen, in denen sie schwächer, als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht, vertreten sind. Da die Juden im Gegensatz zur übrigen Bevölkerung fast durchweg Städter sind und jüdische Bestrebungen zum Uebergang zur Landwirtschaft aus ״nationalen Gründen“ stets bekämpft wurden, würde auch die Einführung des sogenannten ״Numerus proportionalis“ zur wirtschaftlichen Vernicht ung der rumänischen Judenheit führen. Caza Snr ״judenfireies Rumänien“ Daß aber die radikal-antisemitische Cu za-Parte! in der künftigen Koalition ihre eigenen Ziele verfolgt, geht aus folgender Meldung hervor: In Orhei (Bessarabien) fand eine Kundgebung der Nationalchristlichen Partei statt, bei der 30 000 Bauern auf die mit dem Hakenkreuz geschmückte Fahne der Partei den Eid leisteten, Rumänien judenfrei zu machend Griechich-orthodoxe Priester weihten die Fahne und segrieten die Menge. Prof. George A. C11 z a, der Sohn des Parteiführers Prof. Alexander C. Cu/a, hielt eine Ansprache, in der er u. a. erklärte, die in Deutschland durchgeführte Judenpolitik sei in Rumänien schon lange vorher von Cuza befürwortet worden. Zum Schluß sagte der Redner, die unter den! Hakenkreuz geeinigten Parteien seien bereit, die Regierung zu übernehmen. (JTA.) langen der Araber die Einwanderung einzustellen, hinter den Kulissen gewisse Kräfte am Werke sind, die anscheinend auf eine solche Lösung hinarbeiten“. Die Regierung hat mit großer Entschiedenheit erklärt, daß sie erst nach vollständiger Wiederherstellung der Ruhe, d. h. nach Unterwerfung der Araber die Untersuchuiigs-Kommission nach Palästina entsenden werde. Jetzt hingegen wird von der Entsendung dieser Kommission wie von einer u 11 - mittelbar bevorstehenden Tatsache gesprochen, und es scheint, daß die Regierung darin einen Ausweg sieht, während der Untersuchung den Status quo aufrechtzuerhalten, d. h. keine Einwanderung zuzulassen. Dagegen muß von jüdischerr Seite der schärfste Widerspruch erhoben werden, weil im Endeffekt eine solche Maßnahme, die ohne Zustimmung der Juden erfolgt, den Eindruck erwecken müßte, als ob die Regierung sicli entgegen ihren entschiedenen Erklärungen doch vor dem arabischen Terror beugt. Dies nnißte natürlich dazu beitragen, das durch den Ausgang des abcssinischen Krieges ohnedies stark geminderte britische Prestige im Orient noch weiter zu vermindern. Vom jüdischen Standpunkt wäre eine Unterbrechung der Einwanderung schon darum unerträglich, weil dadurch einerseits die bereitstehenden Auswanderer in den europäischen Ländern au! das empfindlichste getroffen würden und andererseits die wirtschaftliche Lage in Palästina sich bei einem künstlichen Aufhalten des Ein- Wandererstromes katastrophal verschlechtern müßte, was dann vermutlich wieder als ein Grund für eine weitere Verhinderung von Einwanderung angeführt werden würde. Es ist zuzugeben, daß die Lage in Palästina sehr schwer zu entwirren ist. Aber eine Lösung auf Kosten der Juden zu suchen, die sich während der ganzen schweren Konfliktzeit bei größter Nervenanspannung mustergültig verhalten haben, und die schon wegen der Lage in den Galutbländern durch eine Versperrung Palästinas zur Verzweiflung getrieben werden müßten, wäre in Wahrheit auch vom englischen Standpunkt eine sehr kurzsichtige Politik. Mit Tanks und Ueberredungrskunst Und das Flüchtlingspr oblem? Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awhv, 8. Juli Mit ungewöhnlichem Interesse wurde in Palästina gestern abend die angesagte ״persönliche Botschuft“ des lüg!! Commissioner an die Bevölkerung des Landes erwartet. Sic brachte, wie auch kaum anders erwartet worden war, keine neuen politischen Ankündigungeii, keine Aeiuierun״ in der erklärten Politik der Mandatsregierung. Diese wurde noch einmal und in sehr unmißverständlicher klarer Darm bestätigt: zuerst Ruhe und Ordnung im Lande und dann die Königliche Untersuchungskommission zur Klärung der gesamten Sachlage und zur Formulierung der Grundlagen weiterer Politik. Darüber hinaus wandte sich der High Conimissioner an die Bevölkerung des Landes mit einem starken Ruf, die Regierung in diesen ihren Versuchen zur Herstellung der Ordnung zu stützen, denn eine Verlängerung der Unruhen würde nur die Leiden der Armen mehren, die auch bisher die schwere Last der letzten Monate getragen haben. Die Rede des High Commissoner war in derselben Art gehalten wie die früher von Flugzeugen über den Dörfern abgeworfenen Regierungsaufrufe, ein Appell an das Volk über die Köpfe der F ü h - rer hinweg; ein Hinweis auf die schweren materiellen Folgen der Unruhen, auf die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung der Steuern, auf die Verarmung der Fellachen in den Dörfern. Wir wiesen im Zusammenhang mit den genannten Flugblättern darauf hin, daß es hei den besonderen palästinensischen Verhältnissen, wo wir gerade unter den armen Schichten mit vielen Analphabeten zu tun haben, wirkungsvoller wäre, wenn sich das Oberkommissariat mit Hilfe des Radio direkt an die Massen wendete. Diesen Weg ist die Regierung jetzt gegangen und sie hat diesen Ruf an die Bevölkerung besonders eindrucksvoll gestaltet, dadurch dal) der High Commissioner sich selbst, und in einer sehr persönlich gehaltene״ Ansprache, an die Massen gewandt hat. Sir Arthur Wauchope hat in dieser Ansprache sein ganzes persönliches Gewicht zugunsten der Befriedung des Landes in die Waagschale geworfen, sich direkt an den kleinen Mann, an seine besonderen Interessen und die seiner Familie gewandt. 1 in Hintergrund dieses persönlichen Aufrufs und dieser starken menschlichen Warnung steht gerade in den letzten Tagen die ganze Wucht der sich in Palästina ausbreitenden und einrichtcndc-n englischen S 11׳ e i t k r ä f t e. Die Begleitung dieser Ermahnung zum Frieden, in der sich von neuem die tiefe Abneigung Sir Arthur Wauchopes gegen die Anwendung blinder Gewalt aussprach, bildet das Geräusch der Flugzeuge, die die Berge nach Rebellen absuchen, das Rattern der Tanks auf den Straßen und der Salven der M a s c h i n enge w ehre unter I )eckung. Die großen militärischen Operationen, die in den letzten Tagen ausgeführt werden, um das Land von den umherziehenden Banden snuberzukämmen, lassen auch nicht den geringsten Zweifel darüber übrig, daß die Regierung gesonnen ist, die großen Truppenmassen, die sie unterdessen im Lande massiert hat, auch einzusetzen und jeden Widerstand gründlich zu brechen. Um die Worte des High Conimissioner zu gebrauchen: ״Sabotage, das Beschießen von Militär, der Mord von Unschuldigen durch Schüsse oder Bomben mag eine Zeitlang anhalten; einmal muß das Ende davon kommen.“ Und diesen Gewalttaten ein Ende zu bereiten, setzt die Regierung jetzt alle Kräfte ein, wobei sich die verschiedenen Bataillone in großen Schwarmliuieu über weite Landstrecken verteilen, die Dörfer absuchen, Gefangene machen, gelegentliche kleine Scharmützel ausfechten. Die Pazifizierungsakt i o 11 in großem Maßstabe hat jetzt begonnen. Und gerade in diesen Tagen, während der High Commissioner mit (jewalt und Vernunft zugleich die Ruhe im Lande wiederherzustellen sucht, flammt hier und da der Widerstand von neuem auf. Das schon fast ganz beruhigte Jaffa, in dem man in den letzten Tagen nur wenig Militär sah, zeigt eine neue Aktivität des Streikkomitees, das den sich vorsichtig hervorwagenden Handel von neuem einschüchtert. Keine Einstellung der Einwanderung

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