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Jüdische Rundschau · 1936-07-07 · Heft 54 (7.7.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 54 (7.7.1936)
Date
1936-07-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 54 7. VII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Zionistische Jahreskonferenz in USA Brief aus Holland Von unserem Berichterstatter Den Haag, 30. Juni Jüdisch«■ Leben Die Ereignisse in Palästina werden hier mit großer Aufirierksamkeit verfolgt. Ausgehend von der Erkenntnis, daß die Judenfrage eine außerordentliche Verschärfung erfahren hat, und unter dem Eindruck der Einheit und Entschlossenheit des jüdischen Jischuw in Palästina während der letzten Ereignisse haben die führenden Organisationen aller jüdischen Richtungen Hollands beschlossen, am 0. Juli in Amsterdam eine große gemeinsame Demonstration zu veranstalten, die die Einheit des holländischen Judentum« und seine Solidaritat mit der Arbeit für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims bezeugen soll. Im Rahmen der von der ״Zionistischen Arbritsgemeinschaft“ (Gruppe der Zionisten aus Deutschland) in Amsterdam veranstalteten Vorträge über zionistische Probleme sprach Dr. Kurt Mendelsohn, der von einer Palästinareise zurückgekehrt war, über seine Eindrücke von der Lage und dem Fortgang der Arbeit im Lande. Auf Initiative der ״Föderation der ostjüdischen Organisationen in Holland“ wurde in Amsterdam ein ״Vereinigtes Hilfskomitee für die notleidenden Juden in Polen“ gegründet, das in einer gut besuchten Versammlung zu den bcklagenswerten Ereignissen in Polen Stellung nahm. Nach einer Begrüfkmgsnrssprache des Oberrabbiners Saarlouis haben die Redner Mahler, Landau, Mantel und Dr. Taubes die traurige Lage der Juden in Polen beleuchtet und die Judenhcit Hollands zur tatkräftigen Hilfe aufgerufen. Die Föderation hat die Gründüng von Hilfskomitees, denen Vertreter aller Richtungen angehören sollen, auch im Haag und in Rotterdam in die Wege geleitet. Die Jüdische Jugendföderation veranstaltete ihren 14. Landtag, an dem über 1000 Personen teilnahmen. Der Vorsitzende L. Nordheim und der Vorsitzende des Niederländischen Zionistenbuiwk* Mr. A. J. Heizberg sprachen über die schwere Situation des jüdischen Volkes und die Bedeututig des Palastina-Aufbaus. Der Verband liberalreligiöser Juden konnte auf seiner Jahresversammlung feststellen, dal! der jüdische religiösc Liberalismus in Holland Wurzel geschlagen hat, so daß es jetzt möglich geworden ist, die Gruppen Amsterdam und Haag als liberale jüdische Gemeinden zu bezeichnen. Betont wurde die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Orthodoxie. Geistiges Leben Das 300jährige Jubiläum der Universität Utrecht wurde •mit großen Feierlichkeiten begangen. Schon früher hatten jüdische Gelehrte von Ruf zum Lehrkörper der Universität gehört. Prof. Dr. L. S. Orn stein, frühzeitig einer der Vorkämpfer des Zionismus in Holland, gehört der naturwissenschaftücncn Fakultät an und konnte kürzlich der Akademie wichtige Untersuchungsergebnisse vortragen. In Leiden starb der bedeutende Orientalist Prof. Dr. C. Snouck Hurgronje im Alter von 70 Jahren. Er war ein Islamkenner von Weltruf und wirkte nicht nur als Gekhrter, sondern auch als Berater der holländischen Regierung in allen Fragen, die mohammedanische und auch indische Verhältnisse betrafen. Iin Jahre 1834 gelang es ihm, sich lange Zeit hindurch unerkannt als Ungläubiger!11 Mekka aufzshalten und Islam und Araber zu studieren. Das Ergebnis war düs zweibändige Werk ״Mekka“. Später hat Snouck Hurgronje eine Reihe von Arbeiten, so ״Der Islam und das Rassen- Problem“, ״Ueber Panislamismus“, ״Die religiösen Bruderschäften, Mekka und der Panislamismus“, ״Die neue Monnrchie in Arabien“, ״Der Aufstand in Arabien“ veröffentlicht. Nach langjähriger Wirksamkeit in Indien wurde er 1907 als Professor an die Universität Leiden berufen. Er trat sein Lehramt mit einer Rede ״Arabien und Ostindien“ an und hatte es bis zur Erreichung der Altersgrenze im Jahre 1927 in ne. Unter den Gratulanten zu seinem 70. Geburtstag befand sich auch der Emir Feisal. Eine Berufung an die seinerzeit in Kairo gegründete arabische Universität, die an ihn ergangen war, hatte er ahgelehnt. Mit Snouck Hurgronje hat die Wissenschaft vom Orient einen ihrer besten Vertreter verloren. ׳ Mit den! Beginn der Saison in Scheven in gen haben auch die von jeher zahlreichen Ko 11 7. c r tv e r a 11 s t a 11 u n g c n, an denen Künstler aus aller Welt mitwirken, ihren Anfang genommen. Nathan Milstein spielte «las Violinkonzert von Tschaikowsky und eine Etüde von Paganini mit großer Meisterschaft. In einer umfangreichen Buchbesprechung ״Jüdische Schriftsteiler. Ihre Vorliebe für das Historische“, untersucht der Kritiker Menno ter Braak in ״Het Vadcrland“ das Wesen moderner jüdischer Schriftsteller. Er kommt dabei zu der Feststellung, dal! die Juden von jeher das historische und moralisierende Volk par excellence gewesen seien. Wenn ein Volk seine Rechtfertigung in Tradition gesucht habe, dann sei es wohl das jüdische, das Historie und Moral eng miteinander verbunden habe, das ohne den Zusammenhang dieser beiden lange schon nicht mehr bestehen würde. Das sei in der Tat eher eine Rassen frage als ein Glaubensproblem; denn das Interesse der heutigen jüdischen Schriftsteller für den historischen Roman sei natürlich nicht das Interesse von Gläubigen. Es handle sieh hier vielmehr um einen zähen historischen Instinkt, der keineswegs durch die Berührung mit der westlichen Zivilisation kraftlos gemacht worden sei. Die Vorliebe für den historischen Stoff werde im übrigen auf so verschiedenartige Weise realisiert, daß man sich vor verallgemeinernden Schlüssen hüten müsse. R. L. IN ALLER KURZE Im Alter von 85 Jahren ist in Baris der bekannte russischjüdische Philanthrop Moses üinzbourg gestorben. Die Archäologin Judith Krause-Marouette, die in Palästina arbeitete und über deren Ausgrabungen wir in Nr. 13 berichteten, ist in Paris gestorben. Die in Palästina üblichen Versicherungsverträge gewähren im allgemeinen keinen Schutz gegen T umultschäden. Eine Reihe von Versicherungsgesellschaften hat bisher auch eine Aufruhrversicherung abgelehnt, Nunmehr teilt die Vertreterin der Versicherungsgesellschaft ״Prudential“ mit, daß sie sowohl Unfallwie Sach schaden Versicherungen unter ausdrticklieber Einbeziehung von Aufruhr- und Tumult-Schäden abschließt. Der Leiter des Hauptbüros des Lloyd Triestino in Haifa lat — der Aufforderung der Passagiere entsprechend — bei der Leitung in Triest um die Erlaubnis angesucht, die Dampfer der Gesellschaft in Tcl-A w iw anlcgcn zu lassen, um Passagieren die Landung zu ermöglichen. Die Bankfirma Jacob Japhet & Co. Ltd., Jerusalem — Tel.-Awiw — Haifa wird Mitte Juli in Rchaviah eine Filiale unter der Leitung von Dr. Alfred Wo!ff eröffnen. In dem in Nr. 48 veröffentlichten Artikel über das Beth Chaluzoth in Haifa muß es heißen: Die Leitung des Heims hat G u s t a (nicht Gustav) Strumpf. ״Jüdischer Tag*‘ Providence, Rhode Island, 6. Juli. (JTA.) Fünfhundert Delegierte und über zweitausend Gäste nahmen an der feierlichen Eröffnung der 39. Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas teil, die am Abend des 4. Juli Tn Providence. der Hauptstadt des Staates Rhode Island, stattfand, und mit der Dreihundertjahrfeier dieses Staates zusammenfiel. Zu Ehren der Dclcgierten der Konferenz fand auf den Wunsch der jüdische« Bürger von Rhode Island zum ״Jüdischen Tag“ am Sonntag, dem 5. Juli, der im Rahmen der Jubiläuinsfeierlichkeiten proklamiert worden war, ein Bankett statt, bei dem Staatsgouverneur Theodore F. Green eine Begrüßungsansprache hielt. In dieser Ansprache verlas der Gouverneur auch die Proklamation, durch die der ״Jüdische Tag“ von Rhode Island verkündet wurde. Er führte aus: ״fn würdigendem Bewußtsein der Beiträge der Juden zu der Geschichte unseres Staates bestimme ich den 5. Juli zum ,Jüdischen Ta g‘. Der lobenswerte Wunsch der jüdisehen Bürgerschaft von Rhode Island, diesen Tag der Feier von drei Jahrhunderten des Fortschritts zu widmen, ist schon als bloßer Ausdruck des Bürgerstolzes voll verstündlich. Eine Bedeutung von größerem Glanz erhält ef, wenn man die Angemessenheit einer besonderen Feier im Hinblick auf die Beziehungen zwischen Staatsgründung und Geschichte der Juden in diesem Lande in Betracht zieht. 1684, achtundvierzig Jahre nach der Ansiedlung, hieß die Generalversammlung der Kolonie in bemerkenswerter und denkwürdiger Bekundung politischer Demokratie die Niederlassung von Juden innerhalb ihrer Grenzen offiziell willkommen. Der Beschluß der Zionistischen Organisation Amerikas, ihre Jahreskonferenz im Zusammenhang mit der Feier des Jüdischen Tages‘ in l’rovidence abzuhalten, ist eine deutliche Huldigung für die Bedeutung dieses Versprechens und sichert beiden Unternehmungen Erfolg. Den Delegierten dieser Tagung und den jüdischen Mensehen, die eine Pilgerfahrt zu unseren Gestaden unternommen haben, entbiete ich einen herzlichen Willkommensgruß in unserem Lande, das im Geiste religiöser Freiheit gegründet und seither stets in ihm erhalten wurde.“ Ansprache Morris Rothonbergs Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothenberg, hielt in der Eröffnungs- Sitzung an den Zentrairat eine Ansprache, in der er einen Uebcrblick über die Lage in Palästina und innerhalb der zionistischen Bewegung gab. An die Zionisten Amerikas richtete er die Aufforderung, die Entwicklung Palästinas zu ntreh schnellerem Tempo zu beschleunigen. Dem Mut und der Selbstdisziplin der Judenhcit Palästinas angesichts heftigster Provokation spendete Rothenberg hohe Anerkennung. So sehr die Unruhen zu beklagen seien, müsse doch festgestellt werden, daß wir aus ihnen gestärkt hervorgehen werden. Die Entstehung des Hafens von Tel-Awiw sei ein deutliches Anzeichen hierfür. Forderungen an die Mandatsregiernng Am Sonntagnachmittag wurde die erste Geschäftssitzung der Konferenz mit einem Bericht des Präsidenten Morris Rothenberg über die Arbeit der Organisation in! letzten Jahr eingeleitet. In dem Bericht wird es als die Pflicht des organisierten Zionismus in den Vereinigten Staaten bezeichnet, die Jewish Agency in ihren politischen Bemühungen zu unterstützen, die darauf gerichtet sind, England zur Einschlagung einer ״positiveren Politik‘ in bezug auf die Errichtung des Jüdischen Nationalheims zu veranlassen. Rothenberg erklärte, es sei hoch an der Zeit, daß die Mandatarmacht ״die Politik der Beruhigung der arabischen Führer auf Kosten der jüdischen Interessen als falsch und zwecklos“ erkenne. Gegenüber saldier Politik müsse ein Kurs gefordert werden, der auf die Beseitigung der ebenso gegen die Mandatarmacht wie gegen die Juden gerichteten arabischen Feindseligkeit abziele. Zu einem solchen Kurs würden verstärkte Einwanderung und Erleichterung geschlossener An- Siedlung von Juden auf dem Lande gehören, Freigabe noch nicht zugeteilten Regierungsbodens für jüdische Änsiedluiig, Urbarmachung von Sumpfgelände und Verwertung der Wasservorräte; dadurch werde eine ausgeglichene Wirt- Schaftsstruktur herbeigeführt werden, die unvermeidlich die Gouverneur Lehman kandidiert New York, 5, Juli. (JTA.) Unter Drängen Präsident Roosevelts und seiner Freunde hat sich Colonel Herbert!!. Lehman entschlossen, seine Kandidatur für das Amt des Staatsgouverneurs von New York zum drittenmal anzumelden, da allgemein die Ueberzeugung herrscht, dal! der Ertolg der Demokratischen Partei von dieser Kandidatur ייי hängt. Lord Plumer Eine zeitgemäß« Erinnerung Die ״Palestine Post“ druckt ein kleines Stückchen aus einer vor einiger Zeit erschienenen Biographie Lord Plum e r s ab, der Ende der 20er Jahre High Commissioner von Palästina war. Die Biographie ist von Charles H a r i n g t o n. Er erzählt darin, wie Lord Plumer, als er nach Palästina kam, es verstand, in kürzester Frist das Vertrauen aller Parteien zu gewinnen. Er hatte sie alle fest in der Hand und zeigte nie einen Anflug von Furcht oder Schwäche. Als in Jerusalem die Grundsteinlegung jies Hauses der englischen ״Bibel-Gesellschaft“ erfolgt, warfen fanatisierte Muselmanen mit Steinen. Am nächsten Morgen beschied Lord Plumer den Mufti (denselben, der jetzt noch im Amt ist) zu sich ins Regierungsgebäude. Er machte ihm Vorhaltungen wegen der Beleidigung, die durch jene Steinwürfe dem Christentum zugefügt worden war. Als der Mufti darauf jede Verantwortung für das Geschehenc ablehnte, sagte ihm Lord Plumer; ״Gut; wenn die Söhne Mohammeds aber noch einmal bei einer religiösen Zeremonie Steine werfen, werde ich einen neuen Mufti einsetzen.‘ Darauf der Mufti: ״Das können Sie nicht tun; das ist unmöglich!“ Lord Plumer: ״Ich kann nicht? Ich warne Sie! Und jetzt können Sie gehen!“ Ueberflüssig zu sagen,daß keine Steine mehr geworfen wurden. Soweit der Biograph Lord Plumers. Man erzählt in Palästina von ihm noch ein ähnliches Geschiehtchen. Als eines Tages eine arabische Abordnung zu ihm kam, und von ihm auch eine Beschränkung der Rechte der Juden forderte, lehnte er jede Erörterung ab. Darauf sagte einer aus der Delegation: Unter diesen Umstanden könne er sich nicht für die Ruhe unter den Arabern des Landes verbürgen . . , Lord Plumer erwiderte nur: ״Für Ruhe im Lande zu sorgen, ist 111 eines Amtes.“ Damit war die Audienz beendet. H. Sch., Haifa normale Kooperation von Arabern und Juden zur Folge haben werde. Was die Unruhen betreffe, fuhr Morris Rothenberg fort, so scheine zwar die Regierung die Lage fest in der Hand zu haben, doch könne diese bei weitem noch nicht Zuversicht cinflößcn. Die Maßnahmen zur Gewährleistung der öffentliehen Sicherheit seien anscheinend noch unzureichend. Rothenberg schloß, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Mandatarmaclit die von ihr geäußerte Absicht, sich vor Terror und Gewalt nicht zu beugen, nicht aufgeben werde. Gedenkfeier iür Sokolow — Botschaft Roosevelts Am Sonntagabend fand eine Gedenksitzung für Nahum Sokolow statt, bei der Prof, Baron von der Columbia- University in englischer, Salman R11 b a s c 11 o f f in hebräischer und Ab. (jo Id berg in jiddischer Sprache die Persönlichkeit des Uahingegangencn würdigten. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin B, R o o s e v e 11, hat an die Jahreskonferenz eine Botschaft gerichtet, die linier stürmischem Beifall verlesen wurde. Die Botschaft hat folgenden Wortlaut: ״Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, der 39. Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas meine Grüße und Glückwünsche entbieten zu können. Es ist durchaus passend, daß die Zionistische Organisation als ihren diesjährigen 1'agungsort die Stadt Providence gewählt hat, deren Geschichte mit Roger Williams, einem der frühesten und aktivsten Exponenten religiöser Freiheit in der Welt verbunden ist. Icn bin überzeugt, daß die Inspiration, die Sie aus dieser historischen Verknüpfung schöpfen werden. Ihnen neue Kraft unu Mut für Ihre weitere Arbeit geben wird, ln diesem Geiste wünsche ich Ihnen eine fruchtbringende Tagung und einen ertolgreichcn glücklichen Abschluß Ihrer Arbeiten.“ Die Arbeitssitzungen 111 der Montag Vor1nittag-.it/ung wurde ein von dem Admim'strativkomitee bereits gebilligter Plan einer Reorganisation der Zionistische״ Organisation Amerikas durch (iliederung in Territorialverb,indc beraten. Die Montag Na! hm!tta.;>- sit/ung war vor allem Problemen der /i<m1Mi>cln11־ J 11 g e 11 11 - bewegung gewidmet. Für die Sitzung an! Dienstag Nachmittag sind Berichte der eiii/clneii Departments der Z()A und der ihr angesehlossencn Institutionen angekimdigt. Aut der Jalireskonfereii/ wurde auch ein gemeinsam von Dr. Cliaiin W e 1 z m a!1 11, David Ben G 11 r 1 o 11 und Dr. Stephen S. Wise unter/cichnetes Telegramm aus I.umhin verlesen, in dem an die Tagung der Appell geruhtet wird, eine geschlossene zionistische Front mit dem Ziele zu bilden, die gesamte amerikanische Jmlenheit für ueit Zionismus zu gewinnen. Die Exekutive in Jerusalem hatte ein Telegramm geschickt, in dem stärkeres Zusammenhalten und Einigkeit in der Zielsetzung bei allen Teilen der zionistischen Bewegung Amerikas im Hinblick auf die schweren wirtschaftlichen und politischen Aufgaben des Augenblicks gefordert wird. Einsetzung einer ״Friedenskonunission“ Die Frage der neuen Leitung der Z.O. A. steht bei der Konferenz im Mittelpunkt des Interesses und ist hart umkämpft. Für die Person des Präsidenten soll die Entscheidüng zwischen Morris Rothenberg und Stephen S. Wise getroffen werden. Eine aus sechs Mitgliedern bestehende ״Friede n s k o 111 111 i s s i u n‘‘ hat unter den Vorsitz von Rabbi Israel G o I d s t e i 11 Vorschläge ausgearbeitet, denen zufolge Dr. Wise zum Präsidenten der Organisation unu Morris Rothenberg zum Vorsitzenden des Administrative Committee und Mitglied der Exekutive mit besonderen Vollmachten gew ählt wertlen soll. Ferner sollen folgende Aenderungen des Statuts vorgenommen werden: Einschränkug der Amtsdauer des Präsidenten auf zwei Jahre, Trennung von Beamtenschaft und Leitung in der Weise, daß dem Administrative Committee oder der Exekutive beamtete Mitglieder nicht angehören dürfen und dal! der ()rganisationssekretär nicht gewählt, sondern im Interesse der Loslösung dieses Amtes von jeder Politik vom Administrative Committee ernannt und kontrolliert wird. Die Kompromißbereitschaft kam bei der Zusammensetzung des Konferenzprasidmms zun! Ausdruck, das aus drei Anhängern Rothenbergs, aus drei Anhängern von Dr. Wise, den Mitgliedern der ,,FnedeiisKommisaion“ und dem Vorsitzenden des Zentralrats Dr, A. j. Rongv besteht. Die Hilie für die Geschädigten Gelegentlich der jetzt in Palästina begonnenen Sammlung (inex Hilfsfonds für die durch die politischen Ereignisse Geseltadigien schreibt M, S m i 1 a 11 > k 1 im ״B1!׳-tenai": Das erste Objekt der Türsorge werden wohl die Flüchtlinge sein müssen. Aber es muß von vornherein klar sein, daß die Unterstützung nach festen Prinzipien erfolgen muß, und daß nicht das Mitleid entscheiden darf, sondern die Möglichkeit, die Menschen wieder nützlich in die Gesellschaft cm/1n.:iiedcn1. Es gibt freilieh unter den Flüchtlingen viele, die einer sofortigen Unter- Stützung bedürfen, weil sie ohne Milche einfach hungern müßteil. Aller zu solcher primitiveu I lilfe ist die Regierung verpflichtet, und aut diesen Anspruch darf die jüdische Geftentliebkeit keinesfalls verzichten. Konstruktive Hilfe hingegen ist Sache der jüdischen Gemeinschaft. Um sie in optimaler Weise geben zu können, muß mau die Flüchtlinge nach besonderen und verschiedenen Prinzipien behandeln, und sie zu diesem Zwecke in Klassen einteilen. Die ernste Klasse sind ״Luftexistenze n“, die zu keiner Aendening ihrer 1 )aseinsform mehr fähig sind. Der Regierung liegt es ob, diese Menschen zu ernähren, bis sie wieder ungefährdet in ihre alten Daseinsbedingungen zurückkehren können. Die Zahl solcher hoffnungsloser Fälle ist aber nicht groß. Die zweite Klasse ist die der Gelegenheitsarbeiter, Handwerker und Kl ein gewerbetreibenden. Diese Menschen möchten in vielen Fällen ihre alten Beschäftigungen wieder nufnehmcti, entweder an ihrem früheren Wohnsitz oder auch in neuer Umgebung. Sie können das aber nur, wenn die jüdische Gemeinschaft ihnen Anleihen in ausreichender Höhe zu niederem Zins gewährt. Die dritte Klasse bilden die Menschen, die einer gänzlichen Neuordnung ihr e s Lebens fällig sind. Sie könnten zur Landarbeit überführt werden. Freilich ist das mit großen Kosten verbunden, da die notwendige Einrichtung von Hiifswirtschaften sehr kostspielig ist, aber wenn sieh verschiedene Institutionen mit dem netigegriindcfcn Hilfsfonds zu dieser Arbeit zusammciisclilielien, so würde dies« sicher die dankbarste Aufgabe, die uns aus den Ereignissen erwächst, sein. Smilanski denkt an Reste der Hilfsgelder von 1929, an brachliegende Böden der Pica und an Gelder der Ica, die alle an dieser Sache mitwirken könnten. Auch die Frage der Unterstützung von Kaufleuten behandelt Smilanski. Viele müssen sich auf einen andern Erwerbszweig umstellen, soweit sic kein eigenes Kapital hatten, sondern nur Vermiitlungsgeschähe machten. Hingegen gibt cs an sieh gesunde Unternehmungen sowohl im Ffandel wie in der Industrie, denen durch Anleihen geholfen werden müßte.!

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